Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Autor: Matthias Seite 136 von 208

Leser mit allerlei Ansprüchen und ausdauernder Läufer. Je nach Tagesform auch mal ausdauernder Leser und Läufer mit allerlei Ansprüchen.

Land

„Man kann ein Stück Land besit­zen, ohne es genau zu wis­sen und ohne jemals zu erfah­ren, ob noch immer ein Irr­licht dort umgeht oder nicht.“ (Katha­ri­na Hacker, Eine Dorf­ge­schich­te, 61)

Die Römer und die Kartoffel

Manch­mal hat es eben doch einen guten Grund, wenn über die Pro­vinz gelacht und gespöt­telt wird. Zum Bei­spiel die­sen hier:

Oder den hier:

(bei­des Bei­spie­le aus aktu­el­len Fly­ern, von der Home­page der Aus­stel­lung „Leben im Römi­schen Reich“.)

Das ist ja so blöd, dass man eigent­lich gar nicht mehr lachen kann. Und es sticht auch der­ma­ßen ins Auge, dass es doch irgend jeman­dem hät­te auf­fal­len müs­sen. Zumal man ja nicht gera­de Spe­zi­al­wis­sen benö­tigt, um die­sen Feh­ler zu erken­nen, das darf (und kann) auch ein Grafiker/​Setzer wissen …

Die Kar­tof­fel­wo­chen schei­nen im Oden­wald wirk­lich eine nach­hal­ti­ge Wir­kung gehabt zu haben (und nur neben­bei: Es ist ja nicht so, dass die Kar­tof­fel als Agrar­pro­dukt im Oden­wald noch irgend eine Rol­le spie­len wür­de. Im Müm­ling­tal zumin­dest – das über­bli­cke ich zumin­dest halb­wegs – wird sie fak­tisch nicht mehr ange­baut. Zumin­dest nicht in aus­rei­chen­den Men­gen) und sogar rück­wir­kend zu wir­ken, mit der Kraft, schlap­pe 1500 Jah­re (ganz grob geschätzt, ich weiß …) zu über­sprin­gen. Und die Geschichts­leh­rer vor Ort freu­en sich auch sehr, wenn sie sehen, was ihre ehe­ma­li­gen Schü­ler und jet­zi­gen Küchen­chefs so alles gelernt haben.

Kein Wun­der, dass „Land“ und „Pro­vinz“ zum Schimpf­wort ver­kom­men sind.

Taglied 29.12.2011

Heu­te war der Tag der Orgel­mu­sik. Neben Bach (Léon Ber­bens Auf­nah­me der „Kunst der Fuge“ – sehr schön!), Cas­tel­nuo­vo Tedes­co und den berau­schen­den Klän­gen des „Mann­hei­mer Wun­der­werks“ fand unter ande­rem die recht fri­sche SACD von Gun­ther Rost (erschie­nen bei dem fei­nen Label Oehms) noch ein­mal ihren Weg in mein Ohr: Die 24 Pré­ludes von Cho­pin, op. 28, spielt er dafür auf der gro­ßen Orgel der Stifts­ba­si­li­ka Keve­laer. Auch wenn man das natür­lich alles genau mit dem Kla­vier­klang im Ohr hat, ist das eine wun­der­bar far­ben­präch­ti­ge Ange­le­gen­heit. Oder viel­leicht auch gera­de des­we­gen? Egal, jeden­fall nutzt Rost sei­ne Mög­lich­kei­ten und die des Instru­ments treff­lich aus, um hier 24 ent­zü­cken­de, berau­schen­de und berü­cken­de Minia­tu­ren zu zau­bern, zum Bei­spiel die Pré­ludes No. 8 und 9:

[wpau­dio url=„http://www.gunther-rost.com/fileadmin/img/mp3s/Chopin_Op28_8und9.mp3“ text=„Gunther Rost spielt die Pré­ludes 8 & 9 aus op. 28 von F. Cho­pin“ dl=„0“]

Müde beim 7. MMM

Schon wie­der nix …

Der mitt­ler­wei­le schon sieb­te Main­zer Maarauer-(Ultra-)Marathon, kurz MMM, star­te­te die­ses Mal nicht am Sams­tag mor­gen. Son­dern am 23.12., also am Tag vor Hei­lig Abend. Und um 22 Uhr—also qua­si mit­ten in der Nacht. Trotz­dem waren so vie­le Läu­fer wie noch nie am Start, über zwan­zig Ver­rück­te bega­ben sich auf die fünf Run­den, die—bei einer Run­den­län­ge von 9 km ganz logisch—45 Kilo­me­ter Gesamt­stre­cke und damit eben gera­de so einen Ultra erge­ben. Nicht alle sind aber ange­kom­men. Und ich war einer von denen.

Dabei hat­te alles so gut ange­fan­gen. Gleich auf den ers­ten Metern, noch auf der Kost­hei­mer Main­brü­cke, fand sich ein Trio zusam­men, des­sen Tem­po mir gefiel. So sind wir gemüt­lich und eini­ger­ma­ßen gleich­mä­ßig los­ge­zo­gen, irgend­wo um die 6 Minuten/​km müs­sen das gewe­sen sein. Kilo­me­ter um Kilo­me­ter fiel, und ruck­zuck waren wir schon wie­der auf der Main­spit­ze, wo uns Bri­git­te und Tho­mas, die den Ver­pfle­gungs­stand und die Läu­fer wun­der­bar betreu­ten, schon emp­fin­gen. Nach einem kur­zen Nuckeln an der Trinkflasche—pures Main­zer Was­ser ;-) —ging es auch gleich auf die zwei­te Run­de. Mei­ne Bei­ne waren noch fast ent­spannt und gera­de­zu unver­schämt locker. Auch die zwei­te Run­de absol­vier­ten wir wei­ter­hin schön gleich­mä­ßig und ohne Pro­ble­me. Bei der drit­ten Drei­brü­cken­run­de wur­de es dann aller­dings inter­es­sant, zumin­dest für mich: Irgend­was stimm­te nicht mehr. Und es waren nicht die Bei­ne, die waren zwar nicht mehr tau­frisch, aber immer noch erstaun­lich leben­dig und fit. Aber der Kopf woll­te nicht mehr: Die Müdig­keit wur­de anstren­gend. Vor allem, weil mein Kreis­lauf sich mit dem Kopf soli­da­ri­sier­te und unge­ach­tet des kon­ti­nu­ier­li­chen Lau­fens seit gut zwei Stun­den beschloss, dass nun die nor­ma­le Schla­fens­zeit sei und ent­spre­chend redu­zier­te. Das führ­te zu selt­sa­men Zuständen—nein, kein Deli­ri­um, so schlimm war es nicht. Aber ab der zwei­ten Hälf­te der drit­ten Run­de beglei­te­te mich doch ein per­ma­nen­tes Schwin­del­ge­fühl, ein Gefühl, als wür­de ich jeden Moment umkippen—und doch lief und lief ich ein­fach wei­ter … So rich­tig behag­te mir das aber nicht, um es vor­sich­tig aus­zdrü­cken. Eigent­lich hat­te ich wie­der mal genug. Doch Bri­git­te und Tho­mas lie­ßen mich nicht so leicht vom Haken: Mit lie­be­vol­ler Umsor­gung und in Beglei­tung von Pierre, der auch etwas schwä­chel­te, nahm ich die vier­te Run­de doch noch in Angriff. Wirk­lich bes­ser wur­de es aber nicht, über­haupt nicht. Im Gegen­teil, fast: Das Schwin­del­ge­fühl ver­stärk­te sich eher noch. Spä­tes­tens ab der Theo­dor-Heuss-Brü­cke war mir dann end­nül­tig klar: Das wird ein DNF, nach die­ser, der vier­ten, Run­de bre­che ich das gan­ze ab.

Und so geschah es dann auch. Immer­hin schaff­ten wir es, kurz vor der Main­spit­ze noch zwei Läu­fer zu überrunden—und uns selbst nicht über­run­den zu las­sen. Das aber nur knapp, Jens kam kurz nach uns an—nur war er eben schon am Ende der fünf­ten Runde.

Ich hät­te ja nicht gedacht, das mich das Lau­fen in der Nacht so fer­tig macht. Aber viel­leicht habe ich die Tage zuvor auch ein­fach zu wenig geschla­fen. Nun ja, es gibt immer ein nächs­tes Mal. Beim Lau­fen sowie­so und beim MMM ganz bestimmt.

Taglied 28.12.2011

Heu­te ist mal wie­der die wun­der­bar äthe­risch-ver­spiel­te Musik von Ulri­ke Haa­ge, vor allem die CD „SÉla­vy“, viel gelau­fen bei mir. Und genau des­halb gibt es heu­te ein Video eines ihrer Live-Auf­trit­te (zusam­men mit dem Per­kus­sio­nis­ten Eric Schae­fer), mit dem Titel „Fin­ger­prints“, ein schö­nes, ein­fa­ches Stück Musik:

Taglied 27.12.2011

Weih­nach­ten ist vor­bei, die Nor­ma­li­tät kehrt zurück. Naja, fast …
Die Musik des Tages kommt heu­te von einer ganz inter­es­san­ten Zusam­men­ar­beit von nuBox und DJ Ill­vi­be, die 2007 auf „Next Twist“ doku­men­tiert wur­de. Soweit ich weiß, gibt es nur die­se eine CD – obwohl ich ger­ne mehr davon hät­te … Da fin­den sich vie­le schö­ne Tracks, zum Bei­spiel das initia­le „Del­ta Due“. Oder das hier, „Fat Frumos“:

Taglied 26.12.2011

Weih­nach­ten auf Dro­ge … Und wahr­schein­lich die ein­zi­ge Art, wie man mit „Jing­le Bells“ über­haupt noch musi­ka­lisch umge­hen kann – so wie die A‑Cap­pel­la-Groß­meis­ter Raja­ton es tun (aller­dings auf finnisch …):

Taglied 25.12.2011

Heu­te gibt es nicht viel zu über­le­gen, son­dern etwas ganz offen­sicht­li­ches: Die Weih­nachts­his­to­rie von Hein­rich Schütz, zum Bei­spiel in die­ser ganz ordent­li­chen Ver­si­on des Mon­te­ver­di-Chors Würzburg:

Taglied 24.12.2011

Heu­te muss es natür­lich ein Weih­nach­stlied sein. Aller­dings in etwas ande­rem Gewand. Und zwar von dem Pro­jekt „Alte Weih­nachts­lie­der neu“, das Chris­ti­an Stey­er vor eini­ger Zeit in Ber­lin recht erfolg­reich ins Leben ruf und das genau das tut, was der Name sagt: Alte Weih­nachts­lie­der neu sin­gen – in der Regel a‑cappella und in wirk­lich schö­nen Sät­zen. Zum Bei­spiel das hier, „Es kommt ein Schiff geladen“:

Exklusiver Tee aus Nepal

Der „Nepal Hima­la­yan Spring“ von Jun Chi­ya­ba­ri ist schon län­ger einer mei­ner Lieb­lings­tees. Mein Dea­ler, Kolod­ziej & Lie­der, hat den jetzt aber noch in einer neu­en Vari­an­te. Oder bes­ser gesagt, in zwei: Nach Abtei­lun­gen des Tee­gar­tens sor­tier­te Pflü­ckun­gen, also so etwas wie die Lagen beim Wein­bau. „First Flush – Exclu­si­ve“ nennt sich das. Dar­an konn­te ich natür­lich nicht vor­bei­ge­hen … Als ers­tes pro­bie­re ich gra­de den Tee der „Ram­che-Divi­si­on“, wie das auf der Packung heißt.

Der Tee gilt offi­zi­ell als Oolong, ist aber nur sehr leicht oxi­diert. Das sieht man schon am Blatt, mit hel­len, grü­nen und sil­ber­nen Spit­zen, sehr locker und etwas auf­ge­rollt fällt das Blatt in mei­ne Kan­ne und ver­strömt schon tro­cken den fruch­ti­gen Geruch, den ich von den Chi­ya­ba­ri-Tees ken­ne. Erst im feuch­ten Zustand sieht man dann, wie groß das Blatt die­ser Pflü­ckung wirk­lich ist.

Die Tas­se ist dann ganz unauf­ge­regt, ein hel­les, nur dezent gold-gelb schim­mern­des Braun. Und ein zar­ter, ver­füh­re­ri­scher Duft nach Früh­ling und nach drau­ßen, fri­scher Luft und wei­ter Land­schaft … Und er schmeckt auch wun­der­bar deli­kat: Das ist mehr Ver­hei­ßung als Erfül­lung, ein Traum ein­fach. Vor allem, wenn man sol­che unauf­ge­reg­ten, unauf­dring­li­chen, aber wohl­kom­po­nier­ten Tees mag. Das Aro­ma ist ein­fach da, rund und aus­ge­wo­gen, nie auf­dring­lich, aber inten­siv – ein­fach betö­rend. Und noch einen Tick „bes­ser“ als die gewöhn­li­che Ern­te. Das ist natür­lich nicht ganz bil­lig, aber jeden Cent wert!

Tee: Nepal Hima­la­yan Spring 2011 Ram­che-Exclu­si­ve, Jun Chi­ya­ba­ri First Flush von Kolod­ziej & Lie­der.
Zube­rei­tung: 15 Gramm Tee für 1,5 Liter kochen­des Was­ser, 2:30 Minu­ten Ziehzeit.

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