„Man kann ein Stück Land besitzen, ohne es genau zu wissen und ohne jemals zu erfahren, ob noch immer ein Irrlicht dort umgeht oder nicht.“ (Katharina Hacker, Eine Dorfgeschichte, 61)
Autor: Matthias Seite 136 von 208
Leser mit allerlei Ansprüchen und ausdauernder Läufer. Je nach Tagesform auch mal ausdauernder Leser und Läufer mit allerlei Ansprüchen.
Manchmal hat es eben doch einen guten Grund, wenn über die Provinz gelacht und gespöttelt wird. Zum Beispiel diesen hier:
Oder den hier:
(beides Beispiele aus aktuellen Flyern, von der Homepage der Ausstellung „Leben im Römischen Reich“.)
Das ist ja so blöd, dass man eigentlich gar nicht mehr lachen kann. Und es sticht auch dermaßen ins Auge, dass es doch irgend jemandem hätte auffallen müssen. Zumal man ja nicht gerade Spezialwissen benötigt, um diesen Fehler zu erkennen, das darf (und kann) auch ein Grafiker/Setzer wissen …
Die Kartoffelwochen scheinen im Odenwald wirklich eine nachhaltige Wirkung gehabt zu haben (und nur nebenbei: Es ist ja nicht so, dass die Kartoffel als Agrarprodukt im Odenwald noch irgend eine Rolle spielen würde. Im Mümlingtal zumindest – das überblicke ich zumindest halbwegs – wird sie faktisch nicht mehr angebaut. Zumindest nicht in ausreichenden Mengen) und sogar rückwirkend zu wirken, mit der Kraft, schlappe 1500 Jahre (ganz grob geschätzt, ich weiß …) zu überspringen. Und die Geschichtslehrer vor Ort freuen sich auch sehr, wenn sie sehen, was ihre ehemaligen Schüler und jetzigen Küchenchefs so alles gelernt haben.
Kein Wunder, dass „Land“ und „Provinz“ zum Schimpfwort verkommen sind.
Heute war der Tag der Orgelmusik. Neben Bach (Léon Berbens Aufnahme der „Kunst der Fuge“ – sehr schön!), Castelnuovo Tedesco und den berauschenden Klängen des „Mannheimer Wunderwerks“ fand unter anderem die recht frische SACD von Gunther Rost (erschienen bei dem feinen Label Oehms) noch einmal ihren Weg in mein Ohr: Die 24 Préludes von Chopin, op. 28, spielt er dafür auf der großen Orgel der Stiftsbasilika Kevelaer. Auch wenn man das natürlich alles genau mit dem Klavierklang im Ohr hat, ist das eine wunderbar farbenprächtige Angelegenheit. Oder vielleicht auch gerade deswegen? Egal, jedenfall nutzt Rost seine Möglichkeiten und die des Instruments trefflich aus, um hier 24 entzückende, berauschende und berückende Miniaturen zu zaubern, zum Beispiel die Préludes No. 8 und 9:
[wpaudio url=„http://www.gunther-rost.com/fileadmin/img/mp3s/Chopin_Op28_8und9.mp3“ text=„Gunther Rost spielt die Préludes 8 & 9 aus op. 28 von F. Chopin“ dl=„0“]Schon wieder nix …
Der mittlerweile schon siebte Mainzer Maarauer-(Ultra-)Marathon, kurz MMM, startete dieses Mal nicht am Samstag morgen. Sondern am 23.12., also am Tag vor Heilig Abend. Und um 22 Uhr—also quasi mitten in der Nacht. Trotzdem waren so viele Läufer wie noch nie am Start, über zwanzig Verrückte begaben sich auf die fünf Runden, die—bei einer Rundenlänge von 9 km ganz logisch—45 Kilometer Gesamtstrecke und damit eben gerade so einen Ultra ergeben. Nicht alle sind aber angekommen. Und ich war einer von denen.
Dabei hatte alles so gut angefangen. Gleich auf den ersten Metern, noch auf der Kostheimer Mainbrücke, fand sich ein Trio zusammen, dessen Tempo mir gefiel. So sind wir gemütlich und einigermaßen gleichmäßig losgezogen, irgendwo um die 6 Minuten/km müssen das gewesen sein. Kilometer um Kilometer fiel, und ruckzuck waren wir schon wieder auf der Mainspitze, wo uns Brigitte und Thomas, die den Verpflegungsstand und die Läufer wunderbar betreuten, schon empfingen. Nach einem kurzen Nuckeln an der Trinkflasche—pures Mainzer Wasser
—ging es auch gleich auf die zweite Runde. Meine Beine waren noch fast entspannt und geradezu unverschämt locker. Auch die zweite Runde absolvierten wir weiterhin schön gleichmäßig und ohne Probleme. Bei der dritten Dreibrückenrunde wurde es dann allerdings interessant, zumindest für mich: Irgendwas stimmte nicht mehr. Und es waren nicht die Beine, die waren zwar nicht mehr taufrisch, aber immer noch erstaunlich lebendig und fit. Aber der Kopf wollte nicht mehr: Die Müdigkeit wurde anstrengend. Vor allem, weil mein Kreislauf sich mit dem Kopf solidarisierte und ungeachtet des kontinuierlichen Laufens seit gut zwei Stunden beschloss, dass nun die normale Schlafenszeit sei und entsprechend reduzierte. Das führte zu seltsamen Zuständen—nein, kein Delirium, so schlimm war es nicht. Aber ab der zweiten Hälfte der dritten Runde begleitete mich doch ein permanentes Schwindelgefühl, ein Gefühl, als würde ich jeden Moment umkippen—und doch lief und lief ich einfach weiter … So richtig behagte mir das aber nicht, um es vorsichtig auszdrücken. Eigentlich hatte ich wieder mal genug. Doch Brigitte und Thomas ließen mich nicht so leicht vom Haken: Mit liebevoller Umsorgung und in Begleitung von Pierre, der auch etwas schwächelte, nahm ich die vierte Runde doch noch in Angriff. Wirklich besser wurde es aber nicht, überhaupt nicht. Im Gegenteil, fast: Das Schwindelgefühl verstärkte sich eher noch. Spätestens ab der Theodor-Heuss-Brücke war mir dann endnültig klar: Das wird ein DNF, nach dieser, der vierten, Runde breche ich das ganze ab.
Und so geschah es dann auch. Immerhin schafften wir es, kurz vor der Mainspitze noch zwei Läufer zu überrunden—und uns selbst nicht überrunden zu lassen. Das aber nur knapp, Jens kam kurz nach uns an—nur war er eben schon am Ende der fünften Runde.
Ich hätte ja nicht gedacht, das mich das Laufen in der Nacht so fertig macht. Aber vielleicht habe ich die Tage zuvor auch einfach zu wenig geschlafen. Nun ja, es gibt immer ein nächstes Mal. Beim Laufen sowieso und beim MMM ganz bestimmt.
Heute ist mal wieder die wunderbar ätherisch-verspielte Musik von Ulrike Haage, vor allem die CD „SÉlavy“, viel gelaufen bei mir. Und genau deshalb gibt es heute ein Video eines ihrer Live-Auftritte (zusammen mit dem Perkussionisten Eric Schaefer), mit dem Titel „Fingerprints“, ein schönes, einfaches Stück Musik:
Weihnachten ist vorbei, die Normalität kehrt zurück. Naja, fast …
Die Musik des Tages kommt heute von einer ganz interessanten Zusammenarbeit von nuBox und DJ Illvibe, die 2007 auf „Next Twist“ dokumentiert wurde. Soweit ich weiß, gibt es nur diese eine CD – obwohl ich gerne mehr davon hätte … Da finden sich viele schöne Tracks, zum Beispiel das initiale „Delta Due“. Oder das hier, „Fat Frumos“:
Weihnachten auf Droge … Und wahrscheinlich die einzige Art, wie man mit „Jingle Bells“ überhaupt noch musikalisch umgehen kann – so wie die A‑Cappella-Großmeister Rajaton es tun (allerdings auf finnisch …):
Heute gibt es nicht viel zu überlegen, sondern etwas ganz offensichtliches: Die Weihnachtshistorie von Heinrich Schütz, zum Beispiel in dieser ganz ordentlichen Version des Monteverdi-Chors Würzburg:
Heute muss es natürlich ein Weihnachstlied sein. Allerdings in etwas anderem Gewand. Und zwar von dem Projekt „Alte Weihnachtslieder neu“, das Christian Steyer vor einiger Zeit in Berlin recht erfolgreich ins Leben ruf und das genau das tut, was der Name sagt: Alte Weihnachtslieder neu singen – in der Regel a‑cappella und in wirklich schönen Sätzen. Zum Beispiel das hier, „Es kommt ein Schiff geladen“:
Der „Nepal Himalayan Spring“ von Jun Chiyabari ist schon länger einer meiner Lieblingstees. Mein Dealer, Kolodziej & Lieder, hat den jetzt aber noch in einer neuen Variante. Oder besser gesagt, in zwei: Nach Abteilungen des Teegartens sortierte Pflückungen, also so etwas wie die Lagen beim Weinbau. „First Flush – Exclusive“ nennt sich das. Daran konnte ich natürlich nicht vorbeigehen … Als erstes probiere ich grade den Tee der „Ramche-Division“, wie das auf der Packung heißt.
Der Tee gilt offiziell als Oolong, ist aber nur sehr leicht oxidiert. Das sieht man schon am Blatt, mit hellen, grünen und silbernen Spitzen, sehr locker und etwas aufgerollt fällt das Blatt in meine Kanne und verströmt schon trocken den fruchtigen Geruch, den ich von den Chiyabari-Tees kenne. Erst im feuchten Zustand sieht man dann, wie groß das Blatt dieser Pflückung wirklich ist.
Die Tasse ist dann ganz unaufgeregt, ein helles, nur dezent gold-gelb schimmerndes Braun. Und ein zarter, verführerischer Duft nach Frühling und nach draußen, frischer Luft und weiter Landschaft … Und er schmeckt auch wunderbar delikat: Das ist mehr Verheißung als Erfüllung, ein Traum einfach. Vor allem, wenn man solche unaufgeregten, unaufdringlichen, aber wohlkomponierten Tees mag. Das Aroma ist einfach da, rund und ausgewogen, nie aufdringlich, aber intensiv – einfach betörend. Und noch einen Tick „besser“ als die gewöhnliche Ernte. Das ist natürlich nicht ganz billig, aber jeden Cent wert!
Tee: Nepal Himalayan Spring 2011 Ramche-Exclusive, Jun Chiyabari First Flush von Kolodziej & Lieder.
Zubereitung: 15 Gramm Tee für 1,5 Liter kochendes Wasser, 2:30 Minuten Ziehzeit.


