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Heimfahrt mit dem Rad: 300 Kilometer, 2100 Höhenmeter

Die Idee trieb mich schon län­ger um: Wäre es nicht mög­lich, von Regens­burg in die Hei­mat, also nach Erbach im Oden­wald, an einem Tag mit dem Fahr­rad zu fah­ren? Ers­te Test mit Komoot und BRou­ter erga­ben: Das sind unge­fähr 300 Kilo­me­ter. Das soll­te doch mach­bar sein! Mei­ne längs­te Tages­stre­cke bis­her war 240 Kilo­me­ter lang – und von da bis 300 Kilo­me­ter sind es ja nur noch ein Katzensprung …

Also habe ich das mal ins Auge gefasst und ange­fan­gen, eine Rou­te aus­zu­ar­bei­ten. Wie bei lan­gen Stre­cken­tou­ren habe ich die Rou­te zunächst mit Bik­e­rou­ter (also BRou­ter-Web) erstellt (mit dem Renn­rad­pro­fil für mini­ma­len Ver­kehr, das hat mir bis­her immer gute Diens­te geleis­tet) und den Track danach in Komoot noch mini­mal bear­bei­tet. Vor allem bei den Orts­durch­fahr­ten, gera­de bei Dör­fern und klei­nen Städ­ten, macht BRou­ter oft etwas unnö­ti­ge Umwe­ge über Sei­ten-/Wohn­stra­ßen, wo ich die direk­te­re Durch­fahrt bevor­zu­ge. Aber viel habe ich nicht geän­dert, bevor die Stre­cke auf mei­nen Gar­min kam. Am Tag zuvor hat­te ich die groß­ar­ti­ge Idee, noch ein­mal alles zu upda­ten – und da hat Gar­min Express wohl Mist gemacht, denn trotz Erfolgs­mel­dung hat­te ich am nächs­ten Tag ein­fach über­haupt kei­ne Kar­te auf dem Gerät (abge­se­hen von der Base­map, die ja über­haupt nicht hilft für irgend­et­was). Das merk­te ich aber natür­lich erst, als ich unter­wegs war – und dann war es zu spät. Also fuhr ich den gan­zen Tag nur mit Brot­kru­men­na­vi­ga­ti­on. Das ging aber übeer­ra­schend gut: Klar, mit Kar­te ist es ange­neh­mer, vor allem an unüber­sicht­li­chen Stel­len und ver­zwick­ten Abzwei­gen. Aber mit nur weni­gen Fehl­in­ter­pre­ta­tio­nen, bei denen mich der Gar­min ja schnell auf die Stre­cken­ab­wei­chung hin­wies, habe ich den Weg auch so gut gefunden.

Dann war nur noch ein geeig­ne­ter Ter­min zu fin­den … Das es im Juni/​Juli sein soll­te, war schnell klar – ich brau­che ja einen lan­gen, hel­len Tag für so eine lan­ge Tour, um mög­lichst wenig mit Licht fah­ren zu müs­sen. Und ein Sams­tag soll­te es wer­den: Da erwar­te­te ich etwas weni­ger Ver­kehr, aber die Läden sind den­noch offen und bie­ten mir ein­fa­che Mög­lich­keit, mich unter­wegs (nach) zu ver­sor­gen, so dass ich nicht immer auf Fried­hö­fe aus­wei­chen muss.

Da ich ja „heim“ fuhr, woll­te ich mit mini­ma­lem Gepäck fah­ren und habe Klei­dung für die nächs­ten Tage per Post vor­aus­ge­schickt. So hat­te ich am Rad nur die klei­ne Sat­tel­ta­sche und eine Ober­rohr­ta­sche für zusätz­li­che Rie­gel und eine Power­bank, denn mein Gar­min (Edge 520 Plus) hält auf kei­nen Fall so lan­ge durch, ich brau­che also Strom, um unter­wegs nach­la­den zu kön­nen. Außer­dem habe ich das Varia-Rück­licht (das ich ja vor allem wegen des Radars habe) um ein klei­ne­res, star­kes Rück­licht ergänzt und ein Front­schein­wer­fer ergänzt, der unten an der Com­pu­ter­hal­tung zum Hän­gen kam.

In gewohn­ter und erprob­ter Manier habe ich dann zwei 0,75-Liter-Flaschen im Rah­men gehabt und eine zusätz­li­che Was­ser­fla­sche glei­cher Grö­ße im Tri­kot. Das Tri­kot trug außer­dem eini­ge Cliff-Bars und zusätz­lich noch etwas Gel-Vor­rat (Ham­mer­gels und Sankt Bern­hard Liquid Ener­gie Pur in den etwas gewöh­nungs­be­dürf­ti­gen Tuben).

Dann ging es also los: Der Wecker klin­gel­te um 4 Uhr, ein kur­zes Früh­stück und ein Becher Tee soll­ten schon noch sein. Die Abfahrt war dann doch erst um 4.45 Uhr und nicht wie ange­peilt 15 Minu­ten frü­her. Das war aber früh genug … Und noch rich­tig frisch drau­ßen, in kur­zer Bib und kur­zem Tri­kot. Auf den ers­ten Kilo­me­tern war ich erst ein­mal allein, nur an der Eisen­bahn­brü­cke Sin­zig arbei­te­te die Nacht­schicht an der Bau­stel­len­ein­rich­tung. Die Rou­ter führ­te mich zunächst ent­spannt von Regens­burg an der Naab ent­lang nach Etterz­hau­sen. Da ging es dann das ers­te Mal spür­bar berg­auf, in Rich­tung Undorf aus dem Naab­tal her­aus und hin­über in das Tal der Laaber. Da blieb ich aber auch nicht lang, son­dern mach­te mich auf in Rich­tung Hemau über Hohen­scham­bach. Da oben, auf der Ebe­ne, wur­de es dann ruck­ar­tig wär­mer: Die Son­ne kam über den Hori­zont und fing an, spür­bar zu wär­men. Vom Son­nen­auf­gang bekam ich aller­dings kaum etwas mit, die Son­ne war ja in mei­nem Rücken, denn mei­ne Rou­te führ­te mich ja nach Wes­ten und Nordwesten.

So peda­lier­te ich also durch die Ober­pfalz, die Orte wach­ten lang­sam auf … Und schon war es Zeit für mei­ne ers­te Pau­se. Mein Plan war, unge­fähr alle 50 Kilo­me­ter eine kur­ze Pau­se ein­zu­le­gen, wenn es sich anbot – um kurz zu ent­span­nen und den Gar­min nach­zu­la­den. Das hat genau ein­mal geklappt, beim ers­ten Mal – die zwei­te Pau­se war dann schon etwas ver­spä­tet, bei etwa 120 Kilo­me­ter. Und danach habe ich den Plan ganz auf­ge­ge­ben und eher nach Gefühl pau­siert. Also dann, wenn es mir zweck­dien­lich erschien oder wenn ich Nach­schub brauch­te. Das hat natür­lich zu ungleich­mä­ßi­gen Pau­sen geführt. Aber sei’s drum, es zwingt mich ja kei­ner zu irgend etwas. Na gut, ich mich selbst. Denn sobald ich wirk­lich unter­wegs war, gab es kaum mehr ein Zurück: Ein Abbre­chen wur­de zuneh­mend schwie­rig, je län­ger ich unter­wegs war. Gut, ich kam am Rand von Nürn­berg vor­bei, da hät­te ich auch zum Bahn­hof fah­ren kön­nen. Aber spä­ter wur­de das zuneh­mend unrea­lis­ti­scher bis unmög­lich, weil kei­ne mach­ba­ren Ver­bin­dun­gen, weder zurück zum Start noch zum Ziel, mehr an der Stre­cke erreich­bar waren. Ich war mir also selbst aus­ge­lie­fert … Zunächst hat­te ich ja auch durch­aus Zwei­fel, ob das so alles klap­pen wür­de: Die Stre­cke selbst war ja län­ger als alles, was ich bis dahin gefah­ren bin. Und kurz vor Schluss kam noch der längs­te und höchs­te Anstieg, der sich lei­der abso­lut nicht anders pla­nen ließ, irgend­wie muss­te ich ja in den Oden­wald und ins Müm­ling­tal gelan­gen. Aber irgend­wann am Nach­mit­tag ver­schwan­den die Zwei­fel zuneh­mend, gera­de jen­seits der 200-Kilo­me­ter-Mar­ke wur­de all­mäh­lich klar: Das bekom­me ich irgend­wie schon hin. Und so war es ja dann auch …

Aber so weit war ich noch nicht. Zunächst ging es wei­ter ein wenig auf und ab, ich kam gut vor­an. Zwi­schen­durch wur­de es merk­lich wär­mer – in zwei Schü­ben gegen 11 Uhr und am Nach­mit­tag, gegen 15 Uhr schien die Tem­pe­ra­tur jeweils zu sprin­gen. Aber trotz Wer­ten um 30 °C war das noch gut aus­zu­hal­ten. Nur war ich recht viel – mehr als ich erwar­te­te – in der direk­ten Son­ne unterwegs.

Zwi­schen­zeit­lich fin­gen die Rad­hand­schu­he an zu ner­ven. Nun, da ich unter­wegs war, erin­ner­te ich mich, war­um ich doch immer wie­der bevor­zugt die alten, fast aus­ein­an­der­fal­len­den benutz­te. Denn die neue­ren Exem­pla­re von Rose haben die unan­ge­neh­me Eigen­schaft, anch eini­gen Stun­den Tra­ge­zeit sich in die Zwi­schen­räu­me der Fin­ge förm­lich hin­ein­zu­fres­sen. Und zwar so, dass das durch­aus weh tut. Also bin ich über wei­te Stre­cken ab spä­ten Vor­mit­tag ohne Hand­schu­he gefah­ren. Zum Glück hat­te ich kurz vor der Tour das Len­ker­band neu gewi­ckelt. Mit dem alten, schon fast aus­ein­an­der­fal­len­den Exem­plar, wäre das nicht so ange­nehm gewe­sen. Den­noch, die Hän­de und, nicht ganz so stark, die Füße wur­den im Lau­fe der Zeit die größ­ten Schmerz­punk­te. Die Hän­de müs­sen ja viel Gewicht abstüt­zen, dass sind sie nicht so aus­dau­ernd gewöhnt. Und die Füße waren Stun­de um Stun­de in den Rad­schu­hen ein­ge­sperrt. Mit ein wenig Locke­run­gen in den Pau­sen ging das dann noch. Immer­hin mach­te mein Hin­tern mir kei­ne Pro­ble­me. Die gute und bewähr­te Me-Hose von Ever­ve sorg­te da für unpro­ble­ma­ti­sches lan­ges Sit­zen im Sattel.

Nach­mit­tags hat­te ich dann zuneh­mend und für län­ge­re Zeit Gegen­wind, meist schräg von links vor­ne. Das kam mir vor, als wür­de es gar nicht auf­hö­ren … Natür­lich war ich zu dem Zeit­punkt auch alles ande­re als frisch. Die Sprit­zig­keit und die ech­te Kraft für den Druck auf den Peda­len war sowie­so schnell weg. Ich hat­te mir im Wis­sen um die lan­ge Stre­cke vor­ge­nom­men, so lan­ge wie mög­lich mit eher mäßi­ger Kraft zu fah­ren und gera­de klei­ne­re Stei­gun­gen und Wel­len nicht ein­fach mit hohem Kraft­ein­satz weg­zu­drü­cken, son­dern bewusst her­un­ter­zu­schal­ten und die Ver­lang­sa­mung in Kauf zu neh­men. Das hat auch anschei­nend gut geklappt, denn auch nach­mit­tags und in den Abend­stun­den konn­te ich noch pro­blem­los peda­lie­ren. Ergän­zend hat­te ich immer einen Blick auf den Puls, um den nach Mög­lich­keit gar nicht erst in die obe­ren Berei­che zu trei­ben. Erfah­rungs­ge­mäß dau­ert es dann näm­lich, gera­de bei gro­ßer Wär­me, doch recht lan­ge, bis der wie­der her­un­ter geht. Das hat sicher­lich auch gehol­fen, die lan­ge Stre­cke gut durchzustehen.

So führ­te mich also mein Weg, von Regens­burg durch die Ober­pfalz vor­bei an Pars­berg und Neu­markt (wo ich mich beim Ein­gang zum Fir­men­ge­län­de von Max Bögl kurz ein wenig ver­hed­der­te) in den Süden Nürn­bergs. Die eigent­lich Stadt konn­te ich ver­mei­den, aber die Außen­be­zir­ke und dann vor allem der Hafen und das umge­ben­de Gebiet mit den mit­tel­mä­ßi­gen Rad­we­gen haben mir schon gereicht. Von Nürn­berg aus ging es west­wärts durch die Fel­der und Wie­sen, knapp an Bad Winds­heim vor­bei über die Mili­tär­stra­ßen bei dem ame­ri­ka­ni­schen Stütz­punkt in Ille­sheim nach Uffen­heim. Dort nutz­te ich die Gele­gen­heit für einen kur­zen Zwi­schen­stopp im Super­markt, frisch­te mei­ne Was­ser­vor­rä­te auf und gönn­te mir ein Eis ;-)

Wei­ter ging es durch eine Bau­stel­le (zum Glück waren die Bür­ger­stei­ge, im Gegen­satz zu der Stra­ße in Goll­ho­fen, nicht auf­ge­ris­sen) in leich­ten Bögen oder Zick-Zack-Wen­dun­gen nach Nord­wes­ten. Bei Son­der­ho­fen fiel die 200-Kilo­me­ter-Mar­ke, der Wind nerv­te so lang­sam. So gelang­te ich schon bald ins Tau­ber­tal und schlich mich an Tau­ber­bi­schofs­heim vor­bei. Die­ses Mal hat­te ich mei­ne Rou­te über König­heim und Schwein­berg geplant – aus dem Tau­ber­tal wie­der her­aus­zu­kom­men, ist immer mit gewis­sen Anstren­gun­gen ver­bun­den ;-) So auch hier, obwohl das die bes­se­re Vari­an­te schien. Denn der Anstieg ist lan­ge recht kon­stant in einer annehm­ba­ren Stei­gung, nur gegen Ende wird das mal (aber auch nur ver­hält­nis­mä­ßig kurz) deut­lich steiler.

Jetzt stieß ich auch wie­der in bekann­te Gefil­de vor. Zwi­schen Nürn­ber und Tau­ber­bi­schofs­heim bin ich ziem­lich ori­en­tie­rungs­los, auch wenn ich Tei­le der Rou­te von frü­he­ren Fahr­ten immer­hin wie­der erkann­te. Spä­tes­tens ab Hard­heim – wo ich noch ein­mal einen schnel­len Ein­kaufs­stopp ein­leg­te – hät­te ich aber auch ohne Gar­min nach Hau­se gefun­den. Dabei führ­te mich mei­ne Rou­te von Hard­heim zunächst über das Erftal nach Mil­ten­berg. Das war, gera­de jetzt, nach knapp 260 Kilo­me­tern, ein Traum: Kon­stant in leich­tem Gefäl­le auf guter Stra­ße mit wenig Ver­kehr berg­ab. Da konn­te ich tat­säch­lich mal mei­nen Schnitt etwas hoch­trei­ben. Die Rou­te über Mil­ten­berg ist zwar nicht der direk­tes­te Weg nach Amorbach,aber die Alter­na­ti­ve über Wall­dürn hat einer­seits mehr Stei­gung und ande­rer­seits vor allem deut­lich mehr Verkehr.

In Mil­ten­berg selbst muss­te ich mich dann dum­mer­wei­se mit­ten durch die Alt­stadt (und Kopf­stein­pflas­ter!) quä­len, weil die Main­stra­ße wegen Volks­fest gesperrt war. Aber auch das ging vor­über und ich war wie­der auf dem Weg Rich­tung Amor­bach. Kurz vor Amor­bach ging es dann auf die B47 und – nach einer kur­zen Ver­pfle­gungs­pau­se – hin­auf in die größ­te Stei­gung des Tages. Die ließ sich aber erwar­tungs­ge­mäß so gut fah­ren, wie ich das auf­grund der Daten erwar­te­te: Die Stei­gung ist zwar über meh­re­re Kilo­me­ter kon­stant, aber recht gleich­mä­ßig und nicht zu extrem. Mit 9–10 km/​h ließ sich das noch alles schön gemäch­lich und gleich­mä­ßig durch­ge­hend im sel­ben Gang peda­lie­rend bewäl­ti­gen. Die Autos waren auch gar nicht so schlimm, nur ein paar Motor­rad­spin­ner nerv­ten bei der ein­setz­ten­den Dun­kel­heit mit extrem dich­ten Über­ho­len und aus­ge­prägt über­höh­ten Geschwin­dig­kei­ten. Über­haupt waren die aller­meis­ten Autofahrer*innen zumin­dest bemüht, aus­rei­chend Abstand ein­zu­hal­ten – nur weni­ge haben das deut­lich unterschritten.

Irgend­wann – genau­er gesagt, nach einer knap­pen Drei­vier­tel­stun­de, war dann die Höhe von Box­brunn erreicht. Nach einer letz­ten Pau­se am Wald­rand ging es dann in den letz­ten Abschnitt. Zunächst auf der Höhe nach Eul­bach und dann geschwind hin­un­ter nach Erbach. Zum Glück war zu die­ser Uhr­zeit sehr wenig Ver­kehr, da konn­te ich wun­der­bar mei­ne Geschwin­dig­keit fah­ren. Nur ein paar weni­ge Autos kamen mir ent­ge­gen – die dach­ten sicher, da ist ein ganz schö­ner Spin­ner unter­wegs, im Dun­keln mit dem Renn­rad auf die­ser Stre­cke … Aber der Front­schein­we­fer hat sich hier gut bewährt, auch bei über 60 km/​h war das hell genug aus­gegleuch­tet. Der letz­te Kilo­me­ter in Befrie­di­gung über die voll­brach­te Tat kei­nen Abbruch mehr tun.

Die Daten:

  • 307 Kilo­me­ter
  • +2.047/-2.162 Höhen­me­ter (Gar­min hat mehr, ca. 2.400 m Anstieg)
  • 13:27:50 gefah­re­ne Zeit
  • 17:46:59 ver­stri­che­ne Zeit (also mit Pau­sen – das macht sich, obwohl ich die auf 15–20 Minu­ten beschränk­te, doch sehr bemerkbar …)
  • 3 Bun­des­län­der ;-)

Die Stre­cke:

Gefahrene Strecke von Regensburg nach Erbach, eingefärbt in gefahrener Geschwindigkeit
Gefah­re­ne Stre­cke von Regens­burg nach Erbach

Wochenblog 6/​2023

Eher wenig berich­tens­wer­tes in die­ser Woche. Arbeits­tech­nisch ist nicht viel span­nen­des pas­siert: Die letz­te Woche der Vor­le­sungs­zeit, das ist in den Semi­na­ren meist (so auch bei mir) recht ent­spannt. Dafür muss­te ich bei der Vor­le­sungs­klau­sur des Lehr­stuhls mit­hel­fen. Das ist vor allem lang­wei­lig – 650 Stu­die­ren­de beauf­sich­ti­gen, dass sie zumin­dest nicht all­zu offen­sicht­lich spi­cken. Und das erfor­dert natür­lich viel Orga­ni­sa­ti­on und Kleinkram. 

Am Frei­tag dann stand die Heim­fahrt mit dem Zug an – und da der regio­na­le Lokal­stre­cken­be­trei­ber für das letz­te Stück noto­risch zu wenig Per­so­nal hat, fällt ein­fach die Fahrt aus, weil auf­grund von Erkran­kung nie­mand da ist, um den Zug auch zu steu­ern. Nun­ja. Des­halb bin ich dann mit einer spä­te­ren Ver­bin­dung gereist, die natür­lich nicht ganz so schön ist. Aber mmer­hin hat das dann geklappt.

Sams­tag mei­ner Mut­ter im Haus und Gar­ten eini­ges gehol­fen – Gar­ten­ar­beit kann ganz schön anstren­gend sein, wenn man es nicht gewöhnt ist ;-). Und am Sonn­tag habe ich dann mal wie­der einen Got­tes­dienst auf dem Dorf geor­gelt, bevor nach­mit­tags wie­der die Rück­fahrt anstand (die­ses Mal nur mit 25 Minu­ten Ver­spä­tung). Und, um das Wochen­en­de kom­plett zu machen, hat­te ich dann auf der Fahrt vom Bahn­hof nach Hau­se auch noch einen Plat­ten. Gro­ße Freude. 

Text: Die­se Woche habe ich Chris­ti­an Mey­ers „Fle­cken“ gele­sen. Das ist nicht gnaz schlecht, aber inhalt­lich doch etwas arg über­la­den. Dafür ist es recht char­mant und auf­dring­lich erzählt. Aber die Kon­struk­ti­on bleibt halt über­frach­tet mit gro­ßen The­men, die ein­fach mal so hin­ge­stellt wer­den, meist ohne wirk­lich aus­ge­leuch­tet, aus­er­zählt zu wer­den – das resul­tiert dann oft in erzäh­le­ri­schen Behaup­tun­gen, aber nicht mehr. 

Drau­ßen: Brav wei­ter gelau­fen, wei­ter­hin ohne beson­de­re Vorkommnisse.

Wochenblog 5/​2023

Kaum hat das Jahr ange­fan­gen, ist auch schon der ers­te Monat rum. Die­se Woche hat­te vor allem ekli­ges Wet­ter im Gepäck. Vor allem der Don­ners­tag war schlimm wie sel­ten, bei solch ver­rück­tem Wet­ter bin ich ver­mut­lich noch nie mit dem Rad zur Arbeit gefah­ren: Mor­gens ist ein­fach Schnee­matsch vom Him­mel gefal­len, in rau­en Men­gen. Der sam­mel­te sich schön auf den Stra­ßen, schmolz dort wei­ter zu Was­ser und bil­de­te rie­si­ge Seen. Die konn­ten die Auto­fah­rer natür­lich nicht auf­hal­ten, die sind da mun­ter durch­ge­bret­ter ohne Rück­sicht auf Ver­lus­te bei (eher weni­gen) Rad­fah­ren­den und den zu Fuß Gehen­den. Dabei hat das Rad­fah­ren auch so schon wenig Spaß gemacht, von allen Sei­ten Dreck und Näs­se sind kei­ne Freu­de.
Und dann noch die schö­nen Win­ter­diens­te, die zu blöd sind, Rad­we­ge (auch die benut­zungs­pflich­ti­gen) ver­nünf­tig zu räu­men: Da ist dann plötz­lich mit­ten drin nicht geräumt, weil der Schnee­pflug auf den Bür­ge­steig gefah­ren ist. Und spä­tes­tens an jeder Kreu­zung lie­gen wie­der hohe Wäl­le quer auf dem Rad­weg, weil die Stra­ßen ja unbe­dingt sau­ber sein müs­sen.
Der Schnee­matsch hat­te dann noch eine Beson­der­heit: Er setzt sich in den Rit­zeln fest – am Ende mei­nes Arbeits­we­ges muss­te ich auf die drei größ­ten Gän­ge ver­zich­ten, da flupp­te die Ket­te gera­de so drü­ber weg. Und genau die Gän­ge brau­che ich eigent­lich ;-). Zum Glück wur­de es im Lau­fe des Tages ein wenig wär­mer, so dass der Heim­weg etwas unpro­ble­ma­ti­scher war.
Am Frei­tag dann hat­te sich das gan­ze wie­der etwas beru­higt, dafür bin ich am Abend fast vom Sturm beim Heim­fah­ren gehin­dert wor­den. Ver­rückt, das alles …
Dafür war das Wochen­en­de wet­ter­tech­nisch viel net­ter, sogar mit etwas Son­nen­schein – und viel Entspannung.

Text: Die­se Woche habe ich nicht viel gele­sen, vor allem wei­ter in Phil­ipp Sara­sins „1977“. Das ist ein sehr klu­ges Buch, das viel zu mei­nem Ver­ständ­nis der Welt bei­tra­gen wird, schät­ze ich momentan.

Ton: Freie Musik vom Feins­ten: „Ten­der Music“ von Joël­le Léand­re und Eli­sa­beth Har­nik, schon 2018 bei Trost erschie­nen, aber erst jetzt bei mir erst­mals erklun­gen.
Und natür­lich berich­tens­wert: Die „Win­ter­rei­se“ mit Ben­ja­min Appl und James Bail­leou im Aure­li­um Lap­pers­dorf. Das war ein ech­tes sic-et-non-Erleb­nis: Auf der einen Sei­te die groß­ar­ti­ge, meis­ter­haf­te Beherr­schung des Details, die vie­len Klang­far­ben (auch wenn Appls e‑s und i‑s durch­weg arg dun­kel waren), die enor­me Dyna­mik: Wahn­sin­nig gut. Auf der ande­ren Sei­te: Jedes Lied wird hier aus­ein­an­der­ge­nom­men, die Tem­pi und die Ago­gik schwankt in einer ver­rück­ten Band­brei­te (das klappt auch nicht immer per­fekt im Zusam­men­spiel), die Win­ter­rei­se als Zyklus funk­tio­niert nicht mehr, das sind nur ein­zel­ne (in sich immer wie­der über­ra­gend fes­seln­de) Momen­te der exzes­si­ven Expres­si­vi­tät – noch deut­li­cher und oft über­trie­be­ner als auf der Aufnahme.

Drau­ßen: Brav wei­ter gelau­fen, ohne beson­de­re Vorkommnisse.

Wochenblog 2/​2023

Eine wenig ereig­ns­rei­che Woche im Gan­zen. Im Büro eini­ges, was noch im letz­ten Jahr lie­gen geblie­ben war, auf- und abge­ar­bei­tet. Unter ande­rem end­lich die letz­ten Port­fo­li­os des ver­gan­ge­nen Som­mer­se­mes­ters korrigiert. 

Ansons­ten war recht wenig los, es wirk­te noch etwas ruhi­ger und ver­hal­te­ner in der ers­ten Arbeits­wo­che des neu­en Jah­res. Bei mir ging auch sonst viel ein­fach wei­ter, wo es im Dezem­ber aufhörte …

Am Don­ners­tag auf dem Heim­weg durf­te ich mich an mei­ner Lieb­lings­bau­stel­le wie­der kräf­tig ärgern: Die hat zwei Ein-/Aus­fahr­ten, vor bei­den waren Fuß- und Rad­we­ge im Schlamm und Schot­ter kaum zu benut­zen. Und bei der zwei­ten habe ich mit dem Vor­de­rad einen Stein so blöd erwischt (es war ja schon fast ganz dun­kel), dass ich einen Sofort­plat­ten hat­te. Und das heißt dann, erst ein­mal heim­schie­ben. Zum Glück war es nicht mehr über­mä­ßig weit, das ist schon immer sehr ner­vig … Die Bau­stel­le ist immer schon sehr gut, die Wege und Stra­ßen gut ein­zu­schmut­zen. Das Ord­nungs­amt hat­te ich schon mal in Kennt­nis gesetzt, aber die sind erst nach dem nächs­ten Regen dort vor­bei und konn­ten dann nichts mehr sehen. Tja. 

Am Frei­tag habe ich dann mein Schnee­rad genutzt, weil ich abends kei­ne Lust mehr auf Fahr­rad­bas­teln hat­te. Das habe ich dann am Wochen­en­de erle­digt. Und gleich noch ein biss­chen Ord­nung in mei­nen Papier­kram gebracht. Bald steht ja auch wie­der die Steu­er­erklä­rung an, muss ja alles vor­be­rei­tet sein.

Und mein Strom wird im März teu­rer. Rein zufäl­lig natür­lich erhöht sich der Arbeits­preis gera­de über die Strom­preis­brem­se, nach­dem ich mich kürz­lich noch gefreut hat­te, dass der Anbie­ter so fair schien und bis­her nur eine (sehr mode­ra­te) Erhö­hung vor­ge­nom­men hat. Mal sehen, ob ich dann nicht doch wie­der wech­seln muss.

Außer­dem noch einen neu­en Tee ver­kos­tet. Einen schwar­zen Tee aus Mosam­bik – Afri­ka war bis­her in mei­ner Tee­land­kar­te nur mit Tan­sa­nia ver­tre­ten, aber der Mon­te Meti­li­le könn­te sich auch einen dau­er­haf­ten Platz sichern. 

Text: Lau­ren Binet’s Erobe­rung fer­tig gele­sen und ein wenig ent­täusch davon. Eigent­lich eine viel­ver­spre­chen­de Idee: Ein kon­tra­fak­ti­scher Roman, in dem die Wikin­ger nach Süd­ame­ri­ka kom­men und Kolum­bus dage­gen in Ame­ri­ka ver­sackt und nie zurück­kommt, die Inkas dage­gen Spa­ni­en (und dann wei­te Tei­le des Hei­li­gen Römi­schen Rei­ches) erobern, auch die Mexi­ka­ner lan­den schließ­lich noch in Frank­reich. Aber das ist ein­fach nicht über­zeu­gend erzählt: Binet scheint mehr in die Kon­struk­ti­on als in die Umset­zung inves­tiert zu haben. 

Drau­ßen: Jeden Tag gelau­fen, oft im feuch­ten oder gar im Regen, und meist nur recht kur­ze Runden.

Farbe ist keine Infrastruktur

Es ist ja lei­der beliebt gewor­den in deut­schen Kom­mu­nen, Rad­we­ge nicht mehr als sepa­ra­te Bau­tei­le von Ver­kehrs­we­gen anzu­le­gen, son­dern ein­fach etwas Far­be zu neh­men und einen Strei­fen damit von der Fahr­bahn für den moto­ri­sier­ten Ver­kehr mehr oder weni­ger dem Rad­ver­kehr zuzu­wei­sen. Das funk­tio­niert in der Pra­xis häu­fig nicht beson­ders gut: Auto­fah­rer igno­rie­ren die Mar­kie­run­gen ganz, beim Fah­ren und auch beim Par­ken. Oder sie über­ho­len so dicht, dass die even­tu­el­le Schutz­wir­kung des Strei­fens wenn nicht tat­säch­lich ver­schwin­det, so doch zumin­dest nicht mehr wahr­ge­nom­men wer­den kann. Es gibt aber auch hand­fes­te sta­tis­ti­sche Aus­wer­tun­gen, die zei­gen, dass man so die Sicher­heit von Rad­fah­ren­den nicht erhöht – sogar im Gegen­teil. Die Unter­su­chung stammt aus den USA. 

Dort wur­de zwi­schen 2000 und 2012 für ein dut­zend grö­ße­re Städ­te der USA der Zusam­men­hang von Infra­struk­tur und „Ver­lus­ten“ im Rad­ver­kehr unter­sucht. Die Ana­ly­se der Ver­kehrs- und Unfall­da­ten zeigt sehr deut­lich: Bau­li­che Tren­nung von Rad­we­gen und moto­ri­sier­tem Ver­kehr hilft am bes­ten, Unfäl­le und Schä­den zu redu­zie­ren. Die Zahl der Rad­fah­ren­den allein macht nicht den wesent­li­chen Unter­schied, son­dern die – rich­ti­ge! – Infra­struk­tur für die struk­tu­rell benach­tei­lig­ten Radfahrenden: 

rese­ar­chers found that bike infra­struc­tu­re, par­ti­cu­lar­ly phy­si­cal bar­riers that sepa­ra­te bikes from spee­ding cars as oppo­sed to shared or pain­ted lanes, signi­fi­cant­ly lowe­red fata­li­ties in cities that instal­led them.

Und das sind durch­aus beacht­li­che Wir­kun­gen: Bis zu 50 % weni­ger Unfäl­le. Im Gegen­satz dazu hilft Far­be über­haupt nicht: „Rese­ar­chers found that pain­ted bike lanes pro­vi­ded no impro­ve­ment on road safe­ty.“ Aber wirk­lich wahr­ge­nom­men wor­den scheint die Stu­die in Deutsch­land nicht: Da herrscht immer noch die Idee, Far­be könn­te irgend­wie hel­fen – natür­lich mit dem Hin­ter­ge­dan­ken, dass man den armen Auto­fah­ren­den ihre Pri­vi­le­gi­en ja nicht weg­neh­men und ihnen ja nicht – noch nicht ein­mal meta­pho­risch – weh­tun darf (oder eben möchte).

Quel­le: Sepa­ra­ted Bike Lanes Means Safer Streets, Stu­dy Says

cobweb in sunlight

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    • Should pri­ma­ry schools teach phi­lo­so­phy? | Dur­ham Uni­ver­si­ty → phi­lo­so­phie­un­ter­richt hilft:

      We found that Phi­lo­so­phy for Child­ren has some pro­mi­sing effects in impro­ving children’s social and com­mu­ni­ca­ti­on skills, team work, resi­li­ence and abili­ty to empa­thise with others. Inte­res­t­ingly, the­se posi­ti­ve effects are more pro­found in child­ren from dis­ad­van­ta­ged groups.

    • Willst Du quä­len? Fra­ge „Wie weit bist Du?“ | Wild Dueck Blog → gun­ter dueck über die unsit­te von mana­gern, immer aus­kunft über gegen­wär­ti­ge arbei­ten und zukünf­ti­ge zeit­li­che ent­wick­lun­gen zu verlangen:

      Wer also eine Del­le in den Zah­len hat, wird sofort mit zusätz­li­cher Arbeit über­häuft, die Del­le zu logisch zu erklä­ren. Das gelingt im Prin­zip leicht, weil der Nach­fra­gen­de die Fein­hei­ten ja nicht in den Zah­len ste­hen hat.

    • Ich wün­sche mir Mut zur Unter­schei­dung | FAZ → peter-andré alt (der ja ein augezeich­ne­ter bio­graph ist …) als vor­sit­zen­der der hoch­schul­rek­to­ren­kon­fe­renz im interview:

      Die Ten­denz zur Ver­ein­heit­li­chung, wie wir sie in den letz­ten fünf­zehn Jah­ren beob­ach­ten konn­ten, ist gefähr­lich, weil sie Uni­for­mi­tät för­dert. Das haben wir in man­chen Berei­chen der Exzel­lenz­in­itia­ti­ve beob­ach­ten kön­nen. Ich wün­sche mir mehr Mut zur Unter­schei­dung und auch mehr Unter­stüt­zung dabei durch die Poli­tik. […] Ich hal­te ein ein­jäh­ri­ges Stu­di­um Gene­ra­le vor dem Bache­lor für ein gutes Mit­tel. Es zeigt sich immer stär­ker, dass zahl­rei­che Abitu­ri­en­ten auf die Uni­ver­si­tät nicht vor­be­rei­tet sind.

    • Absur­de Elek­tri­fi­zie­rung | SZ → sebas­ti­an herr­mann hat ziem­lich recht, wenn er sich über die elek­tri­fi­zie­rung der fahr­rän­der sanft lus­tig macht. mir fehlt ja noch ein wei­te­res argu­ment: „klas­si­sche“ fahr­rad­tech­nik kann man (mit etwas geschick) weit­ge­hend kom­plett selbst war­ten und vor allem repa­rie­ren – die neu­en elek­tro­ni­schen tei­le oft über­haupt nicht mehr .…

      Den­noch steckt Absur­di­tät im Kon­zept, Mecha­nik am Rad durch Elek­tro­nik zu erset­zen: Der unschlag­ba­re Vor­teil des Fahr­rads besteht schließ­lich dar­in, dass es sei­nem Fah­rer Frei­heit schenkt – die Frei­heit, aus eige­ner Kraft jedes erwünsch­te Ziel zu errei­chen und unab­hän­gig von Lade­ka­beln oder Updates zu sein.

      Auf­klä­rung ist ris­kan­tes Den­ken. Wir, die Erben, wol­len die­ses Risi­ko nicht mehr ein­ge­hen. Wir wol­len eigent­lich kei­ne Zukunft, wir wol­len nur, dass unse­re pri­vi­le­gier­te Gegen­wart nie auf­hört, obwohl sie zuse­hends um uns her­um brö­ckelt und gespal­ten wird.

      Um das, was kommt, nicht zu erlei­den, son­dern zu gestal­ten, bedarf es nicht nur neu­er Tech­no­lo­gien und Effi­zi­enz­stei­ge­run­gen, kei­ner hohen Mau­ern und kei­ner Abschre­ckung, son­dern einer Trans­for­ma­ti­on des west­li­chen Lebens­mo­dells, denn erst wenn Men­schen wie­der einen rea­lis­ti­schen Grund zur Hoff­nung haben, wird die Angst verschwinden.

      Dafür brau­chen wir den Mut, wie­der etwas zu ris­kie­ren beim Nach­den­ken über die Welt und über die eige­ne Posi­ti­on in ihr. Die Auf­klä­rung ist nöti­ger denn je, aber nicht in ihrer ratio­na­lis­ti­schen Ver­en­gung oder ihrer öko­no­mi­schen Parodie.

spinnennetz

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  • Geht doch auch so | Zeit → der sozio­lo­ge armin nas­seh über kom­ple­xi­tät, poli­tik, lösun­gen und den gan­zen kram der gegenwart

    Aber man braucht eine bestimm­te Den­kungs­art, um sich nicht von der Welt über­fah­ren zu las­sen. Der größ­te Feh­ler heu­te wäre, wei­ter so zu tun, als könn­ten wir die Din­ge kon­trol­lie­ren. Kön­nen wir nicht. Und mit die­ser Nicht-Kon­trol­lier­bar­keit müs­sen wir rechnen. 

  • Frei­bad, Gleich­heit, Brü­der­lich­keit | NZZ → richard käm­mer­lings ver­sucht sich – viel­leicht etwas frei­hän­dig, aber doch sehr flott zu lesen – an einer klit­ze­klei­nen kul­tur­ge­schich­te des freibads

    Frei­bad, das war ein Aus­druck sozia­len Fort­schritts, ein erfri­schen­der Luxus für alle, gewis­ser­ma­ßen die gebau­te Vor­weg­nah­me eines kom­mu­nis­ti­schen End­zu­stands, in dem auch der Arbei­ter sei­nen gerech­ten Anteil am Reich­tum hat und Frei­zeit kein Pri­vi­leg von Adel und Bour­geoi­sie mehr ist. 

  • Abzock-Fach­zeit­schrif­ten: Wie groß ist das Pro­blem? | Sci­logs → mar­kus pös­sel ver­sucht, dem von recher­che­ver­bund des ndr, wdr & süd­deut­sche lan­cier­ten pro­blem der betrü­ge­ri­schen zeit­schrif­ten (das dort, voll­kom­men falsch und über­haupt nicht nach­voll­zieh­bar, als „fake sci­ence“ eti­ket­tiert wird) und vor allem der zahl der betrof­fe­nen wissenschaftler*innen nach­zu­ge­hen, weil die medi­en kei­ne details verraten …
  • Radl­ret­ter → drei stu­den­ten haben eine mobi­le rad­werk­stät­te – v.a. für not­fäl­le, nicht für gro­ße repa­ra­tu­ren und umbau­ten – in regens­burg eröff­net. sieht ganz nett aus und die prei­se schau­en mir auch fair aus (auch wenn ich’s eher nicht brau­chen wer­de, so sachen mache ich dann doch selbst …)
  • Smart home tech is being tur­ned into a tool for dome­stic abu­se| Wired → noch mehr grün­de, war­um das IoT nur eine bedingt gute idee ist …
  • The­re­sa May’s Impos­si­ble Choice | New Yor­ker → eine ziem­lich gute repor­ta­ge über den brexit, zugleich ein inten­si­ves por­trät von the­re­sa may (oder umge­kehrt, wie man möch­te …) von sam knight

    Brexit and Trump are often com­pared. The dis­as­ters that have occur­red in two of the world’s oldest demo­cra­ci­es stem from simi­lar cau­ses, but they mani­fest as very dif­fe­rent phe­no­me­na. The dan­ger posed by Trump is theo­re­ti­cal­ly unli­mi­t­ed, as bor­der­less as his pro­cli­vi­ties and the ter­ri­fy­ing power of his office. The Brexit vote, by con­trast, has trau­ma­ti­zed Bri­tish poli­tics by nar­ro­wing it. The­re is only one con­cept, and we are put­ting every pro­blem that we have insi­de that con­cept. May’s assign­ment has been to quell a popu­list wave, not ride it; to sub­li­ma­te the con­tra­dic­to­ry forces within Brexit and to pro­tect the coun­try from itself.

spinnennetz mit tautropfen

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  • Oh-rani­en­platz, Ih-rani­en­platz | taz → roland berg über die feh­len­de schöne/​ästhetische gestal­tung von bau­ten in der stadt heute:

    Und stets ori­en­tiert man sich dabei an der ver­meint­lich „schö­nen“ Ver­gan­gen­heit. Zeit­ge­nös­sisch-ver­bind­li­che Vor­stel­lun­gen über das Schö­ne schei­nen zu feh­len. Also das, was Imma­nu­el Kant sei­ner­zeit „Gemein­sinn“ nann­te. Heu­te scheint das Vor­mo­der­ne aus der Geschich­te als ein­zi­ge Norm für die Gegen­wart als ver­bind­lich. Und selt­sa­mer­wei­se wird – zumin­dest in ästhe­ti­scher Hin­sicht – von den meis­ten das Frü­he­re dem Heu­ti­gen vor­ge­zo­gen. […] Retro­spek­ti­ve Ästhe­tik und Rekon­struk­ti­on von (Alt‑)Bauten und gan­zer Stadt­räu­me bis hin zu Wie­der­auf­er­ste­hung des abge­ris­se­nen Ber­li­ner Schlos­ses fül­len die Lee­re, die der Ver­lust des Gemein­sinns für das Schö­ne in der Gegen­wart mit sich gebracht hat. 

  • Wer Gedich­te liest, weiss mehr über das Leben | NZZ → die nzz doku­men­tiert leicht gekürzt die dan­kes­re­de von micha­el brauch für den alfred-kerr-preis

    Bei der Beschäf­ti­gung mit der Fra­ge, war­um sich einer wie ich mit Gedich­ten befasst und Rezen­sio­nen zu Gedicht­bän­den schreibt, gelangt man zu ähn­li­chen Ein­sich­ten, wie sie Nico­las Born 1970 for­mu­liert hat: Es hat mit dem eige­nen Exis­tie­ren zu tun, mit dem Ver­such, dem Rät­sel des eige­nen Daseins auf die Spur zu kom­men. Beim Lesen von Gedich­ten ist man fast immer mit den Fra­gen nach den letz­ten Din­gen kon­fron­tiert, wir wer­den unmit­tel­bar und ohne schüt­zen­de Ein­lei­tung in medi­as res gewor­fen. Die Ver­se der Gedich­te, die wir lesen, ver­mit­teln uns das «punk­tu­el­le Zün­den der Welt im Sub­jec­te», wie es ein Schü­ler des Phi­lo­so­phen Hegel for­mu­lier­te. […] Beim Lesen von Gedich­ten wird ein Riss sicht­bar in dem Welt­ge­bäu­de, das uns eben noch ver­traut schien. Ein Riss wird sicht­bar im Welt­ge­bäu­de, und – so sagt es ein­mal der rus­si­sche Welt­po­et Ossip Man­del­s­tam – die poe­ti­sche Rede weckt uns mit­ten im Wort auf. Gedich­te spre­chen von dem skan­da­lö­sen Fak­tum, dass wir gebo­ren wor­den sind und dass wir in noch nicht vor­stell­ba­rer, aber doch nicht all­zu fer­ner Zukunft ster­ben werden. 

  • Über ein rich­ti­ges Leh­rer-Leben im fal­schen Schul­sys­tem | Bil­dungs­lü­cken → schreibt über kri­tik an schu­le und ihrem sys­tem und mög­lich­kei­ten der ver­bes­se­rung und ver­än­de­rung, auch auf indi­vi­du­el­ler ebene

    Denn unser Schul­sys­tem hat so vie­le grund­le­gen­de Män­gel, dass ich mir oft die Fra­ge stel­le, ob es das über­haupt geben kann: ein rich­ti­ges Lehr­erle­ben im fal­schen Schul­sys­tem. Im Lau­fe der Zeit habe ich eini­ge (Über-)Lebensstrategien entwickelt.

  • Secu­ri­ty | Ohne Text singt kein Mensch mit

    Die Chan­ge-Manage­ment-Fach­kraft einer gro­ßen Unter­neh­mens­be­ra­tung und ein Stu­dent im dunk­len Kapu­zen­pul­li legen in der Schlan­ge nach­ein­an­der ihre Gür­tel, die Geld­bör­sen und ihre Lap­tops in die Durch­leuch­tungs-Scha­len auf das Band der Sicher­heits­kon­trol­le. Sie schau­en sich kurz lächelnd an, weil bei­de das­sel­be Lap­top-Modell aus ihren Hand­ge­päck-Rei­se­ta­schen nesteln.

  • Rad­fah­ren in Kopen­ha­gen und Ber­lin: Vom Para­dies in die Vor­höl­le| Deutsch­land­funk Kul­tur → die über­schrift sagt eigent­lich schon alles – ein kur­zer, sub­jek­ti­ver ver­gleich der rad­fahr­mög­lich­kei­ten in den bei­den städten

    Lie­ber über gute Rad­we­ge ohne Helm als über schlech­te mit.

  • Jüdisch, ehren­hal­ber | FAZ → clau­di­us seidl sehr rich­tig zu dem blöd­sin­ni­gen geschwätz von „jüdisch-christ­li­cher prägung“:

    Inso­fern schließt die Rede von der „jüdisch-christ­li­chen Prä­gung“ nicht nur den Islam aus – was ja der eigent­li­che Zweck die­ser Behaup­tung ist. Auch Auf­klä­rung und Athe­is­mus, auch die, gera­de in der deut­schen Lite­ra­tur­ge­schich­te, so wich­ti­ge Sehn­sucht nach jenem hei­te­re­ren Him­mel, in wel­chem die mensch­li­che­ren Göt­ter der Grie­chen woh­nen, wer­den von die­ser Rede, wenn nicht aus­ge­schlos­sen, dann doch zu den Apo­kry­phen einer Tra­di­ti­on, deren Kanon angeb­lich jüdisch-christ­lich ist (man möch­te die Namen all derer, die die­se Rede zu Frem­den macht in der deut­schen Kul­tur, gar nicht auf­zäh­len müssen).

  • Wun­der­ba­rer Eigen­sinn| Faust Kul­tur → ein wun­der­ba­res, klu­ges gespräch mit dem lyrik­kri­ti­ker micha­el braun, den ich immer wie­der ger­ne lese (auch wenn ich nicht in allem mit ihm übereinstimme …):

    Ich wür­de für mich sagen: Es muss eine Stö­rung der geläu­fi­gen Sprach­struk­tu­ren erfol­gen, wir müs­sen beim Spre­chen und Schrei­ben die Ver­traut­heit ver­lie­ren – auch in unse­rem Ver­ste­hen -, wir müs­sen aus­ge­he­belt wer­den beim Lesen sol­cher Ver­se, sonst kann kein gutes Gedicht ent­ste­hen. […] Das poe­ti­sche Selbst­ge­spräch ver­mag manch­mal eben doch ande­re zu errei­chen. Und ob das nun 17 oder 97 oder 1.354 sind, spielt kei­ne Rol­le. Also, 1.354, die­se berühm­te Enzens­ber­ger­sche Kon­stan­te, ist ja noch zu opti­mis­tisch ange­legt. Nicht 1.354 Men­schen pro Popu­la­ti­on, ob in Island oder den USA, grei­fen zu Gedicht­bän­den, son­dern nur 135,4 Lyri­k­le­ser! Also die Enzens­ber­ger­sche Kon­stan­te müss­te durch 10 geteilt wer­den. 135,4 Rezi­pi­en­ten pro Gedicht­band ist die neue Kon­stan­te für öffent­li­che Auf­merk­sam­keit auf Gedichte.

drahtnetz (detail)

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Ins Netz gegan­gen am 28.11.:

  • The mys­tery of the phan­tom refe­rence | har​zing​.com → eine schö­ne geschich­te: ein wis­sen­schafts­ver­lag erfin­det für sei­ne for­mat­vor­la­ge einen fach­ar­ti­kel – und der taucht immer wie­der in wis­sen­schaft­li­chen publi­ka­tio­nen auf …
  • Frau am Steu­er: Pio­nie­rin­nen in Män­ner­do­mä­nen | Stan­dard → bet­ti­na bal­a­ka über „frau­en am steu­er“ (und in ande­ren beru­fen) in öster­reich – eine schö­ne erin­ne­rung, wie kurz die zeit der eman­zi­pa­ti­on doch eigent­lich ist …

    Man kann sich nie sicher sein, was ver­rückt ist oder viel­leicht doch eine gute Idee, was nor­mal und was irra­tio­nal, weil einen Geschich­te und Gewöh­nung nicht sel­ten eines Bes­se­ren beleh­ren. Manch­mal geht gesell­schaft­li­che Ver­än­de­rung so schnell, dass eine Gene­ra­ti­on der nächs­ten davon erzählt wie aus grau­er Vor­zeit. Was heu­te voll­kom­men ver­nünf­tig erscheint, löst Jahr­zehn­te spä­ter ungläu­bi­ges Kopf­schüt­teln aus. Wir dür­fen davon aus­ge­hen, dass auch eini­ges von dem, was wir im Augen­blick für gut und rich­tig, da ver­traut hal­ten, von die­sem Schick­sal ereilt wer­den wird.

  • Kli­ma­wan­del – ich habe dar­über gere­det | Kli­ma­fak­ten → ein wis­sen­schaft­ler berich­tet über die schwie­rig­kei­ten, mit men­schen über den kli­ma­wan­del ins gespräch zu kom­men und an stra­te­gien oder lösun­gen zu arbeiten
  • The Hori­zon of Desi­re | Longreads → lau­rie pen­ny über con­sent, rape und mora­li­tät und kul­tur – wie (fast) immer bei ihr, ein gro­ßer lesegewinn

    The pro­blem is that tech­ni­cal­ly isn’t good enough. “At least I didn’t actively assault anyo­ne” is not a gold stan­dard for sexu­al mora­li­ty, and it never was. Of cour­se, we have to start some­whe­re, and “try not to rape anyo­ne” is as good a place as any, but it can’t end the­re. Our stan­dards for decent sexu­al and social beha­vi­or should not be defi­ned purely by what is likely to get us publicly sha­med or put in pri­son, becau­se we are not todd­lers, and we can do bet­ter. […] This is what con­sent cul­tu­re means. It means expec­ting more—demanding more. It means trea­ting one ano­ther as com­plex human beings with agen­cy and desi­re, not just once, but continually.

  • The secret tricks hid­den insi­de restau­rant menus | BBC → über die opti­mie­rung von spei­se­kar­ten – also opti­mie­rung im sin­ne von mehr geld für’s restaurant …
  • Com­pul­so­ry hel­met laws won’t make cycling safer | Bri­tish Cycling → wieder/​noch ein­mal der hin­weis, dass helm­pflich­ten für radfahrer_​innen die kopf­ver­let­zun­gen nicht unbe­dingt redu­ziert, von ande­ren (gesund­heit­li­chen) aus­wir­kun­gen ganz zu schweigen
geknüpftes netz (knoten)

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