Insgesamt mangelt es dem Beitrag Groebners leider an der konkreten Auseinandersetzung mit den bereits bestehenden wissenschaftlichen Webangeboten; stattdessen bevorzugt er es, auf Pappkameraden zu schießen, die, wenn überhaupt, dann in den Anfangszeiten des Internets bei manchen NetztheoretikerInnen eine Rolle gespielt haben mögen, aber für die derzeit im Web aktive Generation von WissenschafterInnen – weder für mich noch für die Mehrzahl meiner bloggenden KollegInnen – von Relevanz sind.
A collector’s guide to jazz music CDs/DVDs, iTunes/MP3s and vinyl records (LPs/EPs/45s/78s, etc.): Blue Note, Prestige, Riverside Records (the big three labels of modern jazz); bebop, cool/west coast, hard bop, modal/mode, free/avant-garde jazz musicians; Miles Davis’ personal connections, and more.
Im Online-Kammermusikführer der Villa Musica sind Texte zu mehr als 4000 Werken gesammelt, die seit 1991 in den Programmheften der rheinland-pfälzischen Landesstiftung abgedruckt wurden. Sie stammen fast durchweg von Dr. Karl Böhmer, dem langjährigen Dramaturgen und jetzigen Geschäftsführer der Stiftung
Auch wenn die Meldungen zum Tod Donald Byrds etwas unsicher sind, ist es natürlich ein guter Grund, seine Musik noch einmal zu hören: https://web.archive.org/web/20130209051803/http://www.youtube.com/watch?v=QI39YS3niAc&gl=US&hl=en
Roland Bräutigam spielt den ersten Satz der Pathétique, ganz wunderbar: https://web.archive.org/web/20141020204127/http://www.youtube.com/watch?v=w9_Wqa3oEdg
Karge Klarheit bestimmt die „Winterreise“, die Christine Schäfer und Eric Schneider im Mozart-Saal der Frankfurter Alten Oper aufführen. Diese Interpretation des Schubertschen Liedzyklus, das wird eigentlich schon mit dem ersten Lied, ja, fast schon mit den ersten Tönen, deutlich, diese Interpretation wird ganz stark vom Intellekt bestimmt. Christine Schäfer singt das ganz stark vom Kopf aus – und immer schon mit der Katastrophe im Blick: Schärfe in der Gestaltung – nicht im Ton! – bestimmt diese meisterhafte Aufführung.
Diese Interpretation gewinnt aber auch durch einen fantastischen Pianisten, der wunderbar ins Konzept passt: Eric Schneider spielt präzise wie kaum ein anderer Liedbegleiter in der „Winterreise“: Selten hört man so genau jeden Ton des Klaviersatzes genau so, wie er in den Noten steht, mit jedem Akkzent und jedem fortepiano. Ganz selten nur spürt man einen Hauch Pedal, dafür sind die Klänge trocken und abgesetzt, dabei nicht lieblos, sondern absolut detailverliebt. Mit „Romantik“ hat das auf den ersten Ton gar nicht mehr viel zu tun, das ist eigentlich existentalistische Musik (auch wenn sie in der Alten Oper im Rahmen von „Impuls Romantik“ erklingt). Christine Schäfer macht das grunsätzlich ähnlich wie ihr Pianist (auch wenn die beiden manchmal minimalste Differenzen zeigten), zum Beispiel in „Gute Nacht“: Da sind es oft nebeneinanderstehende Einzeltöne, keine durchgesungene Linie. Grandios die lebhafteren, etwas dramatischeren Lieder: Mit welche klaren Schwung sie die „Wetterfahne“ singt und wie wunderbar schwankend „Die Post“ oder wie konturiert bei ihr „Die Krähe“ aufscheint – das ist wirklich große Kunst. Was mir nicht so gut gefallen hat bei ihr: Die Phrasen klingen oft sehr früh und sehr stark aus, so dass die Enden fast verschwinden. Das kann ein sehr interessanter Effekt sein, auf Dauer fand ich das aber etwas übertrieben. Auch ihre Tedenz, gleiche Vokale unterschiedlich zu tönen, hat einen leichten Hang zum Manierismus. Dabei ist das aber, um kein Missverständnis aufkommen zu lassen, von ihr in jedem Einzelfall ungeheuer konsequent umgesetzt und auch hörbar durchgedacht und durchgeführt.
Gegenüber der Aufnahme – die ist ja auch schon 2006 erschienen – scheint mir das noch einmal etwas gereifter: Die Stimme klingt etwas kräftiger, nicht ganz so leicht und schwebend, alles hört sich etwas schwerer und bedachter/bedächtiger an, nicht mehr ganz so cool, dafür abgeklärter und erfahrener. Vielleicht ist das auch der Live-Situation geschuldet, zumal wir im Mozart-Saal fast ganz hinten saßen und so schon in merkbarer Entfernung …
Die durchweg ausgesprochen hohen Grundtempi, mit sehr starken, fast übertriebenenen (aber nur fast!) Verzögerungen, die manchmal sogar fast Lücken in dem Liedtext aufreißen: Effektvoll ist das, ganz ohne Frage. Und sehr konzentriert und gefasst, in einer spannenden Mischung von Intellektualität und Emotionalität, einem sehr genau ausbalancierten Verhältnis von Distanz und Aneignung, von Identifikation und außenstehender Beobachtung (der eigenen Seele, des emotionalen Weltleides der Sängerfigur …). Es gab und gibt Sänger (meistens sind es eben doch Männer), die das rührender und berührender, also überwältigender, singen. Aber kaum
Eintrittskarte zu einem besonderen Erlebnis
welche, die den eigentlichen Kern jedes Liedes so klar und deutlich, so unverstellt und unüberhörbar herauspräparieren. Ja, das Wort passt hier, denn mancher Ansatz erscheint wie im Laboratorium entwickelt – oder das Ergebnis aus der Pathologie, wo der Notentext zunächst einmal seziert wurde, bevor er zum Klang werden durfte und konnte. Im Zusammenhang, im Laufe des kurzen Abends, zeigt sich aber, dass das keine analytische Kälte ist, sondern das Schauern und Schaudern der emotionalen Winterlandschaft, durch die der Sänger/die Sängerin irrt. Dadurch entsteht eine ganz esondere Situation: Im Saal merkte man schon vor dem Beginn, ja schon im Foyer, eine erhöhte Spannung. Alle erwarteten etwas Besonderes. Und werden anders befriedigt, als sie erwarteten. Denn – so war zumindest mein Eindruck – nicht allen wurde klar, wie besonders das, was dann zu hören war, wirklich war. Weil es anders war, weil es nicht so recht der traditionellen Gestaltung der „Winterreise“ entsprach. Und weil es nicht so sehr auf affektuös-emotionaler Ebene begeistern konnte, sondern stärker auf einer intellektuellen, fast rationalen Ebene. Das ist eigentlich ein sehr kluger Ansatz, die „Winterreise“ so zu singen – kaum ein Liedwerk ist schließlich so bekannt, kaum ein Zyklus so ausgeschöpft und erschöpft durch unzählige, sich oft genug nur noch in Details und Stimmfärbung unterscheidenden Interpretation im Konzertsaal und auf der Konserve.
und ich rathe wirklich jedem der bei den jetzigen schlechten politischen Aspecten den Muth verliert, eine solche Lectüre; denn erst so sieht man, welche Wohlthat es bei alle dem ist, in Europa geboren zu seyn. Es ist doch wirklich unbegreiflich daß die belebende Kraft im Menschen nur in einem so kleinen Theil der Welt wirksam ist, und jene ungeheuren Völkermassen für die menschliche Perfectibilität ganz und gar nicht zählen. Besonders merkwürdig ist es mir, daß es jenen Nationen und überhaupt allen Nicht-Europäern auf der Erde nicht sowohl an moralischen als an ästhetischen Anlagen gänzlich fehlt.
Im Zuge einer diskordianischen Individuation treffe ich auf Jürgen Ploogs alternative Literaturzeitschrift „Gasolin 23“, die er in den Jahren 1973 – 1986 zusammen mit Carl Weissner & Jörg Fauser editierte. Schliesslich ist es wohl Wolfgang Rüger, Herausgeber von Bitter Lemon/Paria-Verlag, der mir empfiehlt, Jürgen Ploog einfach mal im Frankfurter Westend anzurufen. […] So etwa um 1987/8 herum bin ich auf Suche nach neuen künstlerischen Anregungen und im Zuge dessen kommt es zu bald folgenden Versuchen, mit Ploogs Texten Hörstücke den Hörspielabteilungen von Rundfunksendern anzubieten. Wir tauchen zusammen ein in Sphären seiner exotischen Texträume und ein erstes, gemeinsames „vol de nuit“ („Nachtflug“) entsteht 1989 für den Bayrischen Rundfunk, eine Lesung, eingebettet in kompromisslose Musik, kein Spiel. Bald folgen noch weitere kurze Hörstücke in Kooperation, wie z.B. „Lorita“ und „Raum hinter den Worten“.
Nach diesem Werbefaltblatt ist mir ja jegliche Lust auf den Besuch dieser Holzverbrennungsanlage verloren gegangen: 16 (unnötige) Binnenmajuskeln auf zwei Seiten—in solcher Häufung sieht man das glücklicherweise sehr selten …
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Dieses Jahr war es ein kurzer Besuch für mich beim Monoski-Treffen, denn ich konnte mich nur schwer aus Mainz loseisen. Deswegen war ich eigentlich nur am Freitag dabei – weil sich ein Tag aber überhaupt nicht lohnt, bliebt ich noch bis Sonntag in Gerlos, wo das 11. Monoski-Treffen dieses Jahr stattfand.
Skipass (Vorderseite)
Am Donnerstag startete ich nicht gleich am frühen Morgen, sondern erst nach 10 Uhr. Von Mainz aus ging es mit dem EC nach München, wo ich zunächst mal mehr als eine Stunde warten musste. Das konnte ich nutzen, in Ruhe einen Kaffee zu trinken und meine Vorräte zu ergänzen: In Mainz hatte ich nämlich vergessen, Obst mitzunehmen. Später, am nächsten Tag, merkte ich dann erst, dass ein paar Müsliriegel für die Verpflegung auf der Piste auch nicht schlecht gewesen wären … Von München ging es dann wieder mit einem EC bis nach Jenbach, wo ich in die Zillertalbahn umstieg. Auch ohne Platzreservierung hat das wunderbar geklappt, für mich und meine Ausrüstung war in allen Zügen noch genügend Platz. In Jenbach hieß es erst einmal wieder warten: Der Bus nach Gerlos hinauf fährt recht selten, und ohne auf den Zugfahrplan abgestimmt zu sein. Gegen halb acht war ich dann aber in Gerlos angekommen und schritt die letzten Meter von der Bushaltestelle den steilen Hang hinauf zum Haus Waldruh, wo ich ein Zimmer mit Frühstück gebucht hatte. Nachdem ich mich in dem schönen und verhältnismäßig großzügig geschnittenem Zimmer etwas eingerichtet hatte, spazierte ich an das andere Ende des Dorfes, hinter die Talstation der Seilbahn, wo der Rest der Monoskifahrer im Grumbach-Hof untergekommen war (der mit aber etwas teuer war und offenbar auch nicht wirklich überzeugen konnte). Das war ein schönes Wiedersehen mit den Jungs und Mädels von mono-ski.org beziehungsweise ein erstes Kennenlernen – die meisten kannte ich schon aus den vergangenen Jahren, aber es tauchen immer wieder neue Gesichter auf.
Der Freitag bescherte mir morgens gleich mal zwei Talabfahrten an der Isskogelbahn, bis die anderen eintrudelten – das kannte ich ja schon von vergangenen Treffen, das nicht unbedingt alle um viertel vor neun am Lift stehen, auch wenn sie es sich vornehmen. Das Wetter war und blieb eher mäßig: Dichte, wechselhafte Bewölkung, die teilweise auf Höhe der Pisten hing – wenigstens schneite es nicht (mehr) wie am Abend zuvor, das setzte erst am Nachmittag wieder ein. Mittags unternahm ich dann meine ersten Schwünge mit meinem selbstgebauten Mini-Mono und dann einen Test des Bohême.
Nutzloser Mono: Der Bohême nach dem Unglück
Der ging aber kräftig in die Hose: Mit dem schönen und elegant-geschmeidigen Testski unter den Füßen machten wir uns auf in Richtung des Zeller Skigebietes. Dazu muss man ein ganzes Stück ohne schöne Piste hinter sich bringen. Und durch das Teufeltal, wo es richtig kalt war und der Wind böse zog, so dass wir alle mächtig durchgefroren waren. Als wir an der Kreuzwiesenalm zum Einkehren halt machten passierte es: Beim Aussteigen aus der Skibindung fiel die linke hintere Bindung einfach vom Ski. Das war nicht das erste Mal, dass der Bohême in dieser Hinsicht Schwierigkeiten machte: Genau dieser Fersenautomat war einige Tage vorher einem anderen Tester schon aus dem Ski gerissen und in der Werkstatt mit zusätzlichen Inserts wieder befestigt worden. Das Problem ist wohl, dass der Bohême vollständig aus Holz besteht. Das bedingt offenbar seine überragenden Fahreigenschaften. Aber ganz offensichtlich ist das Holz im Bereich der Bindung nicht hart genug, um den Belastungen stand zu halten, oder die Bindung war so schlecht montiert, dass das Holz Probleme bekam. Dabei war ich jetzt noch nicht einmal übertrieben heftig unterwegs. Jedenfalls stand ich da nun, mit einem nicht mehr funktionstüchtigen Ski, an der Piste. Immerhin war es nicht mehr weit zur Talstation kdes Kreuzwiesen-X-Presses (die Skilifte haben da fast alle so bescheuerte Namen mit „X‑Press“, auch wenn sie nur vor sich hin bummeln …). Der Liftwärter schickte mich erst einmal hinauf. Der Aufseher am Ausstieg war dann immerhin so nett, mir eine Fahrgelegenheit zur nächsten Gondelbahn, die mich ins Tal bringen konnte, zu organisieren. Das dauerte zwar ein bisschen, bis das Schneemobil kam, war aber allemal angenehmer, als mit Ski in der Hand die Piste hinunter zu stapfen.
Ausgerissener Fersenautomat am Bohême (Detail)
Ohne rechte Überzeugung oder Erwartung ging ich mit dem Ski noch in die Werkstatt, die ihn einige Tage zuvor schon repariert hatte. Der Chef wusste nicht, ob er lachen oder fluchen sollte, als er micht mit dem Ski ankommen sah – entschied sich dann aber vor allem fürs Fluchen und weigerte sich, wie ich es schon fast erwartet hatte, den Ski noch einmal anzufassen und empfahl mir die Entsorgung über den Häcksler. Das war nun natürlich keine wirkliche Option. Unterdessen hatte ich allerdings, wie ich kurz darauf feststellen musste, den Bus nach Gerlos hinauf verpasst. Und auf den nächsten musste ich dann erst einmal eine Weile warten. Zum Glück gab es an der Talstation der Rosenalmbahn, wo der Bus abfuhr, wenigstens WLAN, so dass ich mir mit den Handy die Zeit etwas verkürzen konnte. Bis der Bus mich dann aber in Gerlos abgesetzt hatte, war der Skitag allerdings schon gelaufen – blöd und verdammt ärgerlich, dass ich dadurch so wenig Gelegenheit hatte, mit den anderen auf oder neben der Piste zu sein. Denn am Abend waren die schon einige abgereist und der Rest verließ Gerlos dann am Samstag früh.
Süßer Mono (ohne Bindung, weil von Jörg …)
Das war aber ihr Pech. Denn der Samstag war ein genialer Skitag: Guter Schnee und herrliches Wetter – strahlender Sonnenschein ohne eine einzige Wolke bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Da gab es für mich kein Halten mehr: Um 8:45 war ich mit dem ersten Skibus an der Talstation der Isskogelbahn. Und dann ging es los, auf griffigen Pisten und mit viel Platz – noch war es ganz und gar leer und wurde am Samstag auch nicht so besonders voll. Pause habe ich an diesem Tag nur im Lift gemacht. Das hat zwar am Ende ganz schön geschmerzt, aber diese idealen Bedingungen konnte ich nicht so einfach versäumen. In den letzten Stunden des Nachmitaggs musste dann auch noch der Mini-Mono dran glauben: Auch auf dem Bonsai-Mono kam ich gut voran – obwohl das Fahren auf Dauer doch etwas anstrengender ist als auf einem „normalen“ Mono. Über 13.000 Höhenmeter und 100 Kilometer gefahrene Pisten weist Skiline für diesen Tag aus (damit bin ich bei Skiline auf Platz 15 für die an einem Tag in Gerlos gefahrenen Höhenmeter):
Und so sieht das auf der Karte aus:
Die benutzten Lifte am Samstag
Und nach so einem Tag, nach sieben Stunden Skifahren auf schnellen und sehr schnellen schwarzen und roten Pisten ging es dann noch laufen – aber da war natürlich nicht mehr viel zu holen.
Genau damit fing dann auch der Sonntag an: Ein kurzer Morgenlauf um kurz nach sechs Uhr, als der ganze Ort noch still und verschlafen träumte. Nach dem Packen und Frühstücken war ich wieder um viertel vor neun an der Seilbahn. Heute war nicht viel Zeit, mein Skitag reichte nur bis ca. 14:30 Uhr. Da ich am Samstag vorwiegend auf der Gerlosplatte und an der Königsleitenspitze unterwegs war, wollte ich heute die andere Ecke rund um die Karspitze (das ist der zu Zell gehörige Teil der Zillertal-Arena) erkunden. Aber die leeren und ordentlich präparierten Pisten lockten mich doch noch einmal an die Königsleitenspitze. Zum einen war da wieder die schwarze Piste am Falschbach, zum anderen hatte ich am Samstag die Larmachbahn ausgelassen und wollte das noch nachholen. Genau die war aber eine Enttäuschung, da die dazugehörige Piste verdammt schlecht präpariert war: Voller Löcher, riesiger Schnebrocken, hohe Absätze zwischen den Pistenwalzenspuren – da ist so ziemlich alles schief gegangen was schief gehen kann bei der Pistenpräparation. Dabei ist das eigentlich eine schöne Piste, auf der man sehr gut Gas geben könnte. Ich habe es versucht, aber es wurde mir dann zu riskant. Und allmählich füllten sich die Pisten hier auch erheblich. Also machte ich mich auf den langen Weg mit den ewigen Sesselliften, um an die Karspitze zu kommen. Da habe ich noch ein paar schöne Powerpisten gefunden – aber auch schon viel ganz schön zerfahrenes und weniger spannendes. Vor allem die „Sportabfahrt“ an die Mittelstation fand ich wenig überzeugend. Das lag aber auch daran, dass ihre Auflage fast ausschließlich aus Kunstschnee zu bestehen schien. Und das war deutlich unangenehmer zu fahren als auf den anderen Pisten. Das blieb also bei einem Versuch. Auch der Rückweg über das Teufeltal nahm wieder einige Zeit in Anspruch. Und da ich mit der Gondelbahn hinunter musste, um beide Skier wieder auf den Heimweg zu bringen, war der Tag auch schon gelaufen. Denn der Skibus musste mich wieder ans andere Ortsende bringen, ich musste mich noch umziehen und meinen Rucksack mit den Skischuhen neu packen sowie die Skie transportfertig machen.
Dementsprechend war der Sonntag auf der Piste etwas kürzer:
Skipass (Rückseite)
Dann war es auch schon wieder so weit: Adieu Gerlos. Nett war es hier, auch wenn mich das Skigebiet nur halb überzeugte und vor allem wenig begeisternde Pisten für mich bereit hielt. Der Linienbus nach Zell war dann schon in Gerlos übervoll – ich stand dann mit meinem gesamten Gepäck die gut vierzig Minuten dauernde Fahrt über die Alpenstraße hinab nach Zell. Da wird man ordentlich durchgeschaukelt, von einer Seite auf die anderen, von vorn nach hinten und zurück geschleudert … Ab Zell ging es dann wieder mit der klapprigen Zillertalbahn nach Jenbach, wo ich lange Aufenthalt hatte, bevor mich der EC nach München fuhr. Obwohl der Zug gut gefüllt war, habe ich auch Sonntag Abend problemlos einen Platz gefunden, auch ohne Reservierung. Auch der ICE von München nach Frankfurt war zwar gut besetzt, hatte aber noch viel Platz für mich, meinen großen Rucksack und meine andertalb Skier. Der ICE, der mich von Frankfurt nach Mainz brachte, wartete netterweise, obwohl wir aus irgend einem Grund deutlich verspätet am Main ankamen. Und er war leer – in meinem Wagen waren insgesamt drei Reisende … Mainz dann Fußweg – und um kurz nach ein Uhr glücklich zu Hause, wo ich bald ins Bett fiel: Um sechs Uhr klingelte der Wecker schon wieder und der schnelle Ausflug mit einem und einem halbe Ski war endgültig zu Ende …
Am Freitag fuhr ich zum ersten Mal mit zwei eigenen Skis auf den Berg: Dem TT Hammer von Snowshark und dem Mini-Mono „Bonsai“ aus der eigenen Werkstatt. Der kurze Ski hatte erst einmal Pause, aber am späten Vormittag schnallte ich ihn mir dann zum ersten Mal überhaupt an die Füße. Und die anderen Monoistas schauten sehr genau – und mit laufender Kamera, denn kaum einer glaubte, dass ich dieses seltsame Ding unbeschadet die Piste hinunter oder aus dem Sessellift hinaus bringen würde. Und sie hatten alle unrecht …
Der Einstieg ist ein bisschen fummelig, weil die Non-release-Bindung in dieser Hinsicht nicht ganz so komfortabel ist wie eine „normale“ Skibindung und einer meiner Fersenbügel immer wieder nach unten klappte. Mit etwas Nachhilfe durch den Skistock ging das aber doch. Die V‑Stellung der Bindungen merkt man aber nicht, wenn man auf dem Ski steht: Obwohl der Winkel schon deutlich sichtbar ist, stört das beim Draufstehen überhaupt nicht beziehungsweise fällt gar nicht erst auf.
Und dann die ersten Schwünge: Ganz schön wacklig, das Ding. Da ich ja fast am Heck des Skis stehe (der Abstand von der Bindung bis zur hinteren Skikante beträgt nur 2,5 Zentimeter) bin ich erstmal ganz bewusst mit starker Vorlage gestartet. Dafür dreht der kurze Mini-Mono erwartungsgemäß ungemein leicht und schnell. Aber so positiv die Kürze beim Schwungeinleiten ist: Stabilität hat der Ski eben nicht viel. Die Schaufel fängt ganz schön schnell an zu flattern. Das Problem ist nämlich auch: Wenn man zu viel Druck auf der Schaufel hat, also zu weit vorne steht, gleitet er nicht (mehr) gut und geht auch deutlich schlechter in die Kurve. Gerät man allerdings zu weit nach hinten, verliert der Ski sozusagen die Haftung: Dann wird die Angelegenheit ausgesprochen nervös, weil man immer auf die hintere Kante zu kippen droht. Es gilt also, die Mitte zu wahren. Das ist auch die eigentliche Herausforderung am Mini-Mono. Gemerkt habe ich das dann vor allem am nächsten Tag, als ich nachmittags ungefähr zwei Stunden damit unterwegs war. Man kann so ziemlich alles damit fahren. Echten Tiefschnee hatte ich leider nicht zur Verfügung, das wird auch weniger Spaß machen, vermute ich, weil da einfach die Gleitfläche zu klein ist. Off-Piste geht aber ganz gut, weil er eben so wendig und leicht ist. Pisten sind sowieso kein Problem, auch Steilhänge nicht. Dort zeigt sich ein netter oder interessanter Nebenenffekt: Schwingt man steilere Passagen in Kurzschwüngen hinunter, kann sich der Mini-Mono mit den hinteren Ecken ganz schön tief und heftig in die Piste fräsen. Das gibt selbst in zerfahrenen Pisten am Nachmittag noch eine deutlich erkennbare Spur. Für den direkten Nachfahrer hinter mir ist das sicherlich weniger schön …
So nett das ganze ist: Die Balanciererei kostet, so scheint es mir, doch etwas Kraft – etwas mehr, als bei einem „normalen“ Ski, den man auch mal entspannter laufen lassen kann. Das ist mit dem Mini-Mono weniger gut möglich, da muss man öfter seine eigene Position über dem Ski korrigieren – oder eben zumindest immer dazu bereit sein. Und große Eisflächen mag er auch weniger – das überrascht kaum. Denn mit den kurzen Kanten bekommt man da eben keinen Grip mehr. Harter, komprimierter Schnee wie die Unterlage der präparierten Pisten ist dagegen kein Problem. Im Gegenteil: Durch die Möglichkeit, den Ski sozusagen auf die hintere Ecke zu setzen, kann man sich da richtig hineinbeißen.
Lustig ist übrigens auch das Springen mit dem Mini-Mono. Mir ist das einmal eher unfreiwillig passiert – und die Landung war spannend. Aufgekommen bin ich nämlich nur mit der äußersten hinteren Kante. Ein nettes knirschendes Geräusch gibt das, wenn man kurzzeitig allein auf der Kante über die Piste rutscht. Zum Glück war der Übergang zum „ganzen“ Ski dann nicht so plötzlich, dass es mich nach vorne katapultiert hätte.
Also: So ein Mini-Mono ist eine nette Ergänzung für den Monopark. Als einzigen Ski stelle ich mir ihn aber etwas anstrengend vor. Zumal man auch nicht wirklich hohes Tempo mit fahren wird. Ich bin zwar flott unterwegs gewesen, aber einem Ski wie dem TT Hammer traue ich dann doch deutlich mehr zu (oder mir auf ihm …). Wer diesen Mono fahren kann, behaupte ich, kommt mit so ziemlich jedem anderen Mono auch zurecht. Bei Skifahrern, die gerne etwas Rücklage haben, könnte das aber problematisch werden. Allerdings hat der Mini-Mono einen ausgesprochen angenehmen Nebeneffekt: Das ist ein ungeheuer kommunikativer Ski. Wird man schon mit dem „normalen“ Mono oft auf den ungewöhnlichen Untersatz angesprochen, potenziert sich das mit dem Mini-Mono noch einmal deutlich …
MonoMini in Gerlos 2013 /merderein für die Mono-Ski.org
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