»Nächstens mehr.«

Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Taglied 21.5.2013

Marc Ribot zum Geburts­tag, natür­lich mit Musik von ihm selbst – einer genia­len Ver­si­on von „Take Five“:

Marc Ribot’s Cera­mic Dog, Take 5, Le Pois­son Rouge, NYC 5−5−13

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Euphorischer Tee

Noch ein Dar­jee­ling, aus dem bekann­ten Gar­ten Avon­gro­ve, ein First Flush der 2011-er Ern­te. Vor dem Auf­guss ver­strömt das gleich­mä­ßi­ge, aber eher klei­ne Blatt in grau-grü­nen Schat­tie­run­gen sofort den inten­si­ven, typi­schen Darjeeling-Geruch.

Auf­ge­brüht duf­tet er immer noch sehr inten­siv. Die hel­le Tas­se chan­giert zwi­schen Gold und einem wun­der­ba­ren Bern­stein-Ton. Dem Geschmack gibt der Händ­ler die Beschrei­bung „Obst-Noten“ – aber das erken­ne ich nicht so sehr. Trotz­dem ein fei­ner, klas­si­scher Dar­jee­ling, der bei mir lei­der immer viel zu schnell weg­ge­trun­ken und auf­ge­braucht ist. Aber etwas bes­se­res kann man über einen Tee ja kaum sagen. Lei­der ist er bei Kol­do­ziej & Lie­der auch (schon) aus­ver­kauft, so dass mein Nach­schub abge­schnit­ten ist …

Tee: Dar­jee­ling Avon­gro­ve Eupho­ria FFGFOP1 2011 von Kolod­ziej & Lie­der.
Zube­rei­tung: 15 Gramm Tee für 1,5 Liter kochen­des Was­ser, Zieh­zeit 2:45 Minuten.

Aus-Lese #1

Elke Erb: Das Hünd­le kam wei­ter auf drein. Ber­lin, Wuisch­ke und Solo­thurn: rough­books 2013 (rough­book 028). 62 Seiten.

Ich bin ja ein gro­ßer Bewun­de­rer Elke Erbs. Und ich genie­ße ihre etwas ver-rück­te, manch­mal absei­ti­ge Poe­sie sehr – weil sie genau das kann, was ich an Kunst so mag: Mich berüh­ren und ver­än­dern, neue Wahr­neh­mun­gen und Kon­struk­tio­nen der Welt ermög­li­chen (ohne sie zu erzwin­gen, nur durch das Anbie­ten). Der für sei­ne lyri­sche Über­zeu­guns­ar­beit auch kaum genug zu loben­de Urs Enge­ler (den das deut­sche Feuil­le­ton ja inzwi­schen weit­ge­hend ver­ges­sen zu haben scheint, wenn mich mein Ein­druck nicht sehr täuscht …) hat genau die­ser Elke Erb anläss­lich der Ver­lei­hung des Ernst-Jandl-Prei­ses für Lyrik die­ses schma­le Bänd­chen her­aus­ge­ge­ben und den Abon­nen­ten sei­ner tol­len Buch­rei­he „rough­book“ als Geschenk gesandt. Man­ches auf die­sen 62 Sei­ten ist sehr, sehr knapp, ande­res dafür fast zum Aus­gleich rich­tig lang. Manch­mal schei­nen die weni­gen Ver­se eines Text­leins „nur“ Nota­te zu sein, manch­mal zei­gen sie ihre Er-Arbeit-ung. Jeden­falls scheint hier eine per­sön­li­che­re Dich­te­rin durch, als ich sie aus ihren anderen/​letzten Bän­den wahr­ge­nom­men habe, eine Dich­te­rin, die sich stär­ker selbst als Per­son und Indi­vi­du­um in ihre Tex­te (und deren Zen­trum) ein­bringt und dabei auch/​gerade ihr poet(olog)isches Selbst­ver­ständ­nis erkun­det und erschreibt. Jeden­falls sind hier wie­der eini­ge wun­der­bar gelun­ge­ne Bei­spie­le der Erb’schen Sprach­macht und Sprach­phan­ta­sie zu fin­den – und mehr braucht es auch gar nicht, um mich glück­lich zu machen (zumin­dest für die Lese­zeit und etwas dar­über hin­aus …)1

Peter Fisch­li, David Weiss: Fin­det mich das Glück? Köln: Ver­lag der Buch­hand­lung Walt­her König 2003. [unpa­gi­niert]

Die­se (Kunst-)Büchlein, das (m)ich nur zufäl­lig gefun­den habe – was an sich schon eine gro­ße Schan­de ist – ist ohne Zwei­fel eines der wei­ses­ten Bücher unse­rer Zeit. Oder viel­leicht gera­de mit Zwei­fel. Denn Fisch­li & Weiss fra­gen ein­fach nur.2 Das Buch besteht aus irrs­sin­nig vie­len Kar­ten – je zwei pro Sei­te – die mit wei­ßer Hand­schrift auf tief­schwar­zem Hin­ter­grund fra­gen stel­len: Phi­lo­so­phi­sche (v.a. onto­lo­gi­sche und phä­no­me­no­lo­gi­sche), auch bana­le und wit­zi­ge, tief- und flach­grün­di­ge. Vor allem unheim­lich vie­le, unheim­lich span­nen­de und berüh­ren­de (Und dazwi­schen gibt es noch ein paar (weni­ge) klit­ze­klei­ne lus­ti­ge Zeich­nun­gen …). Natür­lich füh­ren sich die Fra­gen alle letzt­lich gera­de durch ihre Kom­bi­na­ti­on und Kon­stel­la­ti­on in der qua­si-unend­li­chen Abfol­ge voll­kom­men ad absur­dum. Aber das ist eben eine schö­ne Idee, schön gemacht .…

Chris­toph Schlin­gen­sief: AC: Church Of Fear (Aus­stel­lungs­ka­ta­log Muse­um Lud­wig, Köln). Köln: Ver­lag der Buch­hand­lung Walt­her König 2005. 48 Seiten. 

Chris­toph Schlin­gen­sief erklärt das Kon­zept, die Idee und die Rea­li­sie­rungs­ge­schich­te der „Church of Fear“ in zwei aus­führ­li­chen Inter­views. Mit eini­gen „Ori­gi­nal­do­ku­men­ten“ der „Church of Fear“ und Bil­dern des für die CoF gebau­ten Kir­chen­ge­bäu­des, die min­des­tens genau­so inter­es­sant sind …

Wiglaf Dros­te: Sprichst du noch oder kom­mu­ni­zierst du schon? Neue Sprachglos­sen. Ber­lin: Edi­ti­on Tiamat 2012 (Cri­ti­ca Dia­bo­lis 196). 192 Seiten. 

Wiglaf Dros­te beob­ach­tet Spra­che und Spre­cher mit­samt ihren Erzeu­gern, den Spre­che­rin­nen und Schrei­be­rin­nen, sehr genau. Und er legt ger­ne den gesal­ze­nen Fin­ger auf die offe­ne Wun­de. Dass er selbst sehr bis­sig, genau und tref­fend for­mu­lie­ren kann, macht das Meckern am schlech­ten Sprach­ge­brauch der ande­ren umso inter­es­san­ter. Zumal Dros­te sich auch die eine oder ande­re Abwei­chung von der rei­nen Sprach­krik­tik – die er aber sowie­so immer als Teil der not­wen­di­gen Gesell­schaft­kri­tik und nicht als blo­ße Beck­mes­se­rei auf dem Gebiet der Spra­che emp­fin­det – erlaubt – ein ech­tes Bil­dungs­ver­gnü­gen (wie übri­gens auch David Hugen­dick in der „Zeit“ fand)!

Show 2 footnotes

  1. Der Titel – Das Hünd­le kam auf drein – hat mich übri­gens erst ein­mal gründ­lich ver­wirrt – bis ich im Zusam­men­hang – er ist ein Zitat aus dem Gedicht „Iss mit Ver­stand“, wo er sei­nen Sinn von ganz allei­ne erfährt.
  2. Damit ist das übri­gens ein Buch, dass den Plan Vivi­ans aus Tho­mas Meine­ckes Tom­boy rea­li­siert: Ein Werk nur in Fra­gen abzu­fas­sen.

Ins Netz gegangen (18.5.)

Ins Netz gegan­gen (18.5.):

  • Ein Gespräch mit dem Diri­gen­ten Tho­mas Hen­gel­b­rock: Anders gespielt, neu gehört – Richard Wag­ner Nach­rich­ten – NZZ​.ch -

    Letzt­lich ist Har­non­court der Diri­gent, der im 20. Jahr­hun­dert die gröss­ten Impul­se gesetzt hat.

    Schö­ner Schluss­satz im Inter­view mit Tho­mas Hen­gel­b­rock, in dem es eigent­lich um etwas ganz ande­res geht: um Instru­men­ta­tio­na, Tem­po und Klang bei Wag­ner, v.a. im „Par­si­fal“:

    Ich habe Wag­ners Anwei­sun­gen befolgt. Wenn Sie lesen, was er zur Auf­füh­rung sei­ner Wer­ke geschrie­ben hat, kön­nen Sie gar nicht anders als zur Erkennt­nis kom­men, dass der Text deut­lich und klar zu hören sein muss, sonst ver­fehlt man ein­fach den Sinn. […] Ich fin­de die Klang­ge­stalt beim «Par­si­fal» ganz ent­schei­dend. Sie macht das Werk gera­de­zu aus, sie hat sym­bo­li­schen, ja meta­phy­si­schen Cha­rak­ter. Wenn zum Bei­spiel die alten Holz­flö­ten mit ihrem azur­blau­en Klang ver­wen­det wer­den, dann ergibt sich für mich die­se meta­phy­si­sche Ver­bin­dung zum Him­mel; mit der moder­nen Metall­flö­te geht das nicht. Auch die­se dunk­le, war­me, sanf­te Far­be der Blech­blä­ser – das war auch für mich eine Überraschung.

  • Prof. Dr. Dun­kel­mun­kel: Ist die Zeit reif für Gruf­ti-Profs? – cspan­nagel, dun­kel­mun­kel & fri­ends (via Published articles)
  • Lyrik als Form für die Gegen­wart – Digital/​Pausen – Hans Ulrich Gum­brecht erklärt die Fas­zi­na­ti­on der Gegen­wart an der Lyrik bzw. lyri­schen For­men – und fängt dafür, wie immer weit aus­ho­lend, in der Anti­ke an. Aber ent­schei­dend ist dann doch nur der letz­te Absatz:

    Wer die Zeit auf­bringt, sich auf einen—sprachlich ja meist kom­ple­xen – lyri­schen Text zu kon­zen­trie­ren, der unter­bricht die heu­te eben­so end­los wie ziel­los ver­lau­fen­de Zeit­lich­keit des All­tags. Und ein sol­cher Ansatz zur Auf­merk­sam­keit wird beim Lesen oder Rezi­tie­ren eines Gedichts zu jener ande­ren, sozu­sa­gen archai­schen Auf­merk­sam­keit, wel­che zum Aus­set­zen der flie­ßen­den Zeit führt und zum Her­auf­be­schwö­ren von vor­her abwe­sen­den Din­gen und Stim­mun­gen. Lyrik als Form ist eine Signa­tur unse­rer Gegen­wart, weii sie für Momen­te das erhält und an das erin­nert, was die­ser Gegen­wart am meis­ten fehlt, näm­lich Form, Ruhe, Kon­zen­tra­ti­on und wohl auch Gelassenheit

  • Schnäpp­chen­rei­se in die Tür­kei: Lan­des­ty­pi­sche Geträn­ke sind im Preis inbe­grif­fen – FAZ – Tho­mas Stein­mark war für die FAZ eine Woche in der Tür­kei für den Preis von 199 Euro – und kommt mit einem schö­nen Fazit zurück:

    … wer sich die öko­no­mi­schen Bedingt­hei­ten die­ser Art von Rei­sen bewusst macht und die­se zu akzep­tie­ren bereit ist, wer sich stark genug fühlt, den oft­mals mas­siv vor­ge­tra­ge­nen Ver­kaufs­an­ge­bo­ten erfolg­reich Wider­stand zu leis­ten, der wird am Ende nicht ent­täuscht sein.

  • Das Rät­sel Mer­kel – Da hat Micha­el Spreng lei­der recht:

    Mer­kel ist eine Macht­tech­ni­ke­rin mit schwa­chem idea­lis­ti­schen Hin­ter­grund. Sie ist kei­ne Gestal­te­rin, außer der Gestal­tung ihrer poli­ti­schen Kar­rie­re und ihrer Macht. Sie macht sich – zumin­dest öffent­lich – kei­ne Gedan­ken über Deutsch­land in zehn Jahren. 

    Ihm selbst scheint wie mir auch eher unbe­greif­lich, war­um sie deshalb/​trotzdem so beliebt ist und immer wie­der gewählt wird …

  • Flur­na­men­at­las-Blog – Der Flur­na­men­at­las Baden-Würt­tem­bergs (?) bloggt auf tumblr

Taglied 18.5.2013

Peter Gabri­el & New Blood Orches­tra, Book of Love
https://web.archive.org/web/20121220222425/http://www.youtube.com/watch?v=iNajz59QphM&gl=US&hl=en

Ins Netz gegangen (16.5.)

Ins Netz gegan­gen (16.5.):

  • Digi­ta­le Lern­um­ge­bun­gen in Uni­ver­si­täts­se­mi­na­ren mit Wikis und Ether­pads | papier­los – ein­fach – kol­la­bo­ra­tiv – BYOD | His­to­risch den­ken | Geschich­te machen – Digi­ta­le Lern­um­ge­bun­gen in Uni­ver­si­täts­se­mi­na­ren mit Wikis und Ether­pads | papier­los – ein­fach – kol­la­bo­ra­tiv – BYOD (via Published articles)
  • Klei­ne Bröt­chen backen – taz​.de – Det­lef Kuhl­brodt war beim Geburts­tags­fest zum zehn­jäh­ri­gen Bestehen des kookbook-Verlages:

    Vor zehn Jah­ren grün­de­ten die 28-jäh­ri­ge Dich­te­rin und Lek­to­rin Danie­la Seel und der Gra­fi­ker Andre­as Töp­fer Kook­books. Zehn Jah­re und 55 Bücher spä­ter gilt der Ver­lag als einer der renom­mier­tes­ten deut­schen Ver­la­ge. Die Lis­te der Autoren, die hier ihre Hei­mat und Zuflucht gefun­den haben, liest sich wie ein Lexi­kon­ein­trag „Deut­sche Lyrik des 21. Jahr­hun­derts“, ver­fasst im Jah­re 2050.

  • Wer­bung vs. Pri­vat­sphä­re – ben_​hat sehr recht:

    Aber solan­ge sich Wer­bung und Pri­vat­sphä­re aus­schlie­ßen […], blei­ben halt auch Wer­be­mit­tel geblockt.

    Ich habe vor­ges­tern auch getes­tet: Das Aus­schal­ten des AdBlo­ckers erreicht nur, dass an man­chen Stel­len der Web­sei­te das Wört­chen „Anzei­ge“ auf­taucht – die Anzei­gen sind aber durch NoScript und v.a. Request­Po­li­cy immer noch geblockt. Da muss man schon sehr viel Schnüff­ler zulas­sen, bis die auftauchen …

  • Neue Gedich­te von Nico Bleut­ge: Fei­ne Ver­we­hun­gen – Nach­rich­ten – NZZ​.ch -

    Ganz dicht an den Kon­tu­ren der Din­ge ent­lang ent­fal­ten die­se Gedich­te eine detail­ver­ses­se­ne Phä­no­me­no­lo­gie der Natur­stof­fe, wobei die ein­zel­nen Tei­le stets in eine Kreis- oder Dreh­be­we­gung ver­setzt werden.

    – Micha­el Braun ist von Nico Bleut­ges neu­es­tem Gedicht­band „ver­deck­tes gelän­de“ sehr angetan

Netzfunde vom 15.5.

Mei­ne Netz­fun­de vom 15.5.:

  • Über­set­zen | Post­kul­tur – Jahn Kuhl­brodt über das Übersetzen:

    eigent­lich ist es ein wil­dern im gestrüpp frem­der spra­chen, ein suchen nach der struk­tur, die mir bekann­tes birgt. […] dabei müs­sen frem­de spra­chen kei­ne fremd­spra­chen sein.

  • “Wer bin ich?” – … war­um Jan-Mar­tin Klin­ge bei „Wer bin ich“ nicht mehr mit­spie­len darf
  • Masern in Bay­ern auf dem Vor­marsch – Gesund­heit – Süddeutsche.de – Fata­le Impf­skep­sis: In Mün­chen war­nen die Behör­den vor einer Masern­epi­de­mie. Kein Wun­der: In Bay­ern erhal­ten deut­lich weni­ger Kin­der den vol­len Impf­schutz als in vie­len ande­ren Bun­des­län­dern. Ihre Eltern wis­sen nicht, wie schwer­wie­gend die Infek­ti­ons­krank­heit mit­un­ter ver­läuft – und was die Lang­zeit­fol­gen sein können.

Demokratische Gefahr

Aber es ist in einer Demo­kra­tie gefähr­lich, Bur­gen, Fes­tun­gen und befes­tigte Orte anzulegen.
Johan­nes Alt­hu­si­us, Poli­ti­ca Metho­di­ce diges­ta atque exem­p­lis sacris et pro­fa­nis illus­tra­ta – Kap. XXXIX, §73

Taglied 14.5.2013

Daft Punk, Get Lucky
https://web.archive.org/web/20170302230959/https://vimeo.com/64097444

Doping für die alte Tante Pop

»Ihr neu­er Sound trifft zwei­fels­oh­ne einen Puls, man weiß nur nicht, wel­cher Zeit.«

mat­thi­as mader recom­men­ded this artic­le from taz​.de

Gute Gründe, Rad zu fahren

Wer es noch nicht macht und noch ein paar gute Grün­de braucht, sich selbst zu über­zeu­gen, end­lich mal auf’s Rad zu stei­gen – hier sind sie:

10 gute Gründe, Rad zu fahren

10 gute Gründe

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