Die Zukunft enhält nicht nur jede Menge schwarzer Schwäne, sie ist selbst einer.
—Ulrike Draesner

Die Zukunft enhält nicht nur jede Menge schwarzer Schwäne, sie ist selbst einer.
—Ulrike Draesner
In London. Wo die Museen umsonst waren. Dass das ein Luxus war. Und dass alle Museen in der ganzen Welt gratis sein mussten. Sonst waren sie gar keien Museen. Dass nur ein Museum ein Museum | war, wenn es keinen Eintritt kostete. Dass nur in so einem Museum die Kunstwerke Kunst blieben. Wenn man zahlen musste, dann musste die Kunst gleich wieder etwas leisten. Dann wurden die alten Mechanismen wieder eingesetzt und Wunscherfüllungen eingekauft. Bezahlung. Das gab den Dingen Sinn. Den falschen Sinn, aber Sinn. Dann war die Sinnlosigkeit von Kunst verloren. Und nichts blieb.
—Marlene Streeruwitz, Nachkommen., S. 424f.
Ins Netz gegangen am 3.8.:
New Music, Modern Music, how do you do
I never wash my hair and Birkenstock is my shoe
I’m always wearing black and I smell kind of strange
but I do know the contrabass clarinet range
Ein Förster, der auf dem Weg zur Arbeit den Zug nimmt? Für Gerhard Hetzel gehört das zum Alltag.
„Längst schon hat die historische Forschung die vermeintliche Kriegsbegeisterung infrage gestellt“, schreibt der Historiker Tillmann Bendikowski. Ein alle Bevölkerungsschichten umfassendes „August-Erlebnis“, das die Nation bei Kriegsausbruch 1914 einte, habe es so nicht gegeben. „In der historischen Wirklichkeit waren die Reaktionen auf die Kriegsgefahr und den Beginn des Krieges sehr viel komplexer und widersprüchlicher.“
http://twitter.com/kusanowsky/status/485494594919235584
http://twitter.com/ASchmidt_Zitate/status/486467772155969537
„Standup-Paddler sind ja die Segwayfahrer des Wassers.“ (@owlshowl)
— Elisabeth Rank (@kumullus) July 11, 2014
Ich nehme an, Deutschland hat wohl doch verloren, denn draußen sprengen sie gerade alles in die Luft.
— Anatol Stefanowitsch (@astefanowitsch) July 13, 2014
Es gibt keinen harmlosen Nationalismus.
Er führt stets zu Ausgrenzung, Gewalt und Helene Fischer.— Harpolino (@harpoel) July 16, 2014
Ich will nur soviel sagen: Meine Flattr-Einnahmen 2013 waren deutlich höher als alle Honorare von Wissenschaftsverlagen zusammen.
— Anatol Stefanowitsch (@astefanowitsch) July 18, 2014
Wie krank muss man denn sein, um sich für Christian Wulff zu interessieren?
— Dem Braten Trauer (@FR31H31T) July 21, 2014
http://twitter.com/kusanowsky/status/492267682663006208
http://twitter.com/epenschmied/status/492353519027245056
In öffentlichen Bereichen wie Bahnhöfen und Flughäfen sollen nun auch Nichtdenkerzonen eingerichtet werden.
— Peter Glaser (@peterglaser) July 28, 2014
Gibt es eigentlich die blogfreien Staaten noch? Früher waren die doch viel in den Nachrichten.
— Stefan Niggemeier (@niggi) July 29, 2014
http://twitter.com/teckelclub/status/494774420561346563
Ins Netz gegangen am 28.7.:
Sie hat eine gute Körperspannung und wirkt vollkommen klar, als ertrage sie das alles bei vollem Bewusstsein.
(sehr amüsant auch die eifernden kommentare der fischer-verehrer …)
Wobei es nicht so ist, dass Merkel konkrete Antworten grundsätzlich schuldig bleibt. Das ZDF zeigte auch, wie Schausten sie vor dem Gespräch empfing […] und, weil es der Tag vor dem WM-Finale war, als Erstes sagte: „Ich habe mich gefragt, wie lange man nach Brasilien fliegt.“ – „Zwölf Stunden.“ Geht doch.
Die Verantwortung Deutschlands und Österreich-Ungarns am Krieg ist sehr groß.
Ins Netz gegangen am 24.7.:
Die Frage lautet nun, was denn ein gutes Gedicht sei bzw. wie man es von einem schlechten oder mittelmässigen unterscheiden kann. Die Antwort lässt sich nicht auf eine Formel bringen, denn es gibt keine «reinen» Kunstgesetze. Jeder Lyriker würde die Frage anders beantworten, und jede Zeit hat ihre eigenen poetischen Regeln und ihren Ton.
ein paar ausschnitte & kriterien:
Gute Gedichte bestehen aus Versen, nicht aus auseinandergeschnittener Prosa.
Das wichtigste Merkmal eines guten Gedichtes ist, dass es ein unaussprechbares Geheimnis bewahrt.
Lyrik lebt wie jede Kunst aus dem oszillierenden Verhältnis zwischen Rationalität und Irrationalität.
Das Aufregende in der Kunst ist der Widerspruch, der Haken, der eine glatte Schönheit verhindert, der nicht mit Gefälligkeit auf allgemeinen Applaus zielt.
Menschenunwürdige Bedingungen, fragwürdige Erziehungsmethoden, fehlende pädagogische Bemühungen, dafür die reine Unterbringung der Behandlungs- und Pflegefälle ziehen sich durch das ganze Buch.
Statt einzelner Bildschirme und Anzeigen überspannt ein 180 Meter langer LED-Balken den Bahnsteig. Auf diesem werden über verschiedene Symbole und intuitive Farbcodes diverse Informationen wie die exakte Halteposition, die Position der Türen, die einzelnen Wagenklassen, Ruheabteile, Fahrrad- und Rollstuhlplätze sowie die Fahrtrichtung angezeigt. Hinzu kommen Informationen über den Besetzungsgrad einzelner Wagen.
Die Enzyklothek ist eine Literaturdatenbank, die möglichst umfassend die von der Antike bis etwa 1920 verfassten Nachschlagewerke mit ihren verschiedenen Ausgaben und Auflagen dokumentiert.
Ins Netz gegangen am 21.7.:
Die Oper bleibt, was sie immer war, träge, kulinarisch, teuer, selbstverliebt – und die Komponisten, auch die, die ihr abgeschworen haben, versammeln sich halb reumütig, halb blauäugig in ihrem warmen Schoß.
nicht ohne hoffnung, aber so richtig begeistert scheint sie auch nicht zu sein – und auch keine idee zu haben, was eine (neue) begeisterung auslösen könnte:
Man mag es schlimm finden oder nicht, wenn die Menschen nicht mehr in Mozarts Zauberflöte oder Bizets Carmen gingen; richtig schlimm, ja verheerend wäre es, wenn es keine rituellen Orte mehr gäbe, an denen sich eine Gemeinschaft über ihre Emotionen und Affekte verständigte, ohne immer gleich darüber reden zu müssen, einer Sekte beizutreten oder ins nächste Fußballstadion zu rennen. Orte für Musik, Orte für Augen, Ohren und Sinne, Opernhäuser eben.
(ich wüsste ja nur gern einmal, ob das wirklich stimmt, dass „derzeit so viele [neue Stücke] wie noch nie“ entstehen – zahlen und vergleiche nennt sie leider keine …)
Dabei war Johnson der innovativste, radikalste, manischste deutsche Nachkriegsautor.
trotzdem aber eine gelungene und richtige und notwendige hommage an einen großen autor
Der Fotograf August Sander hat die Ständegesellschaft der Weimarer Republik porträtiert. Er fotografierte die Menschen in ihrer typischen Umgebung, mit charakteristischer Kleidung oder in typischer Haltung.
(von „Ständegesellschaft“ würde ich zwar nicht sprechen, aber seis drum …)
Nach fünf Jahrzehnten Computerkunst sind ausführlichere Rekonstruktionen der historischen Entwicklungslinien des Einsatzes von Rechnern und Rechenprozessen in künstlerischen Projekten fällig, um Computerkunst als eigenständigen Bereich der Medienkunst erkennen zu können.
Nein, vermutlich hilft die „x“-Endung nicht im Nahostkonflikt. Vielleicht löst sie überhaupt ganz wenig und wird schon bald durch irgendwas mit „y“ abgelöst. Menschen, die sich an Babyspinat-Mangold-Smoothies gewöhnen, werden sich mit der Zeit auch an neue Sprachformen gewöhnen. Menschen, die versuchen, einer Wissenschaftlerin zu erklären, was sie vor geschätzten 37 Jahren in der Schule gelernt haben, von jemandem, der 20 Jahre vorher Biologie auf Lehramt studiert hat: schwierig.
Ein Fußballspiel hat keine politische Botschaft, so wenig wie die Frisur eines Bundestrainers einen kulturgeschichtlichen Wendepunkt markiert. Die politische Metaphorik wird erst danach produziert. Je nach Bedarf. Je nach Interesse. Je nach Einfluss. Wie schön wäre es, wieder einmal sagen zu können, gewonnen hätten einfach diejenigen, die an dem ein oder anderen Tag am besten Fußball gespielt haben. Ein schönes Spiel sei ein schönes Spiel. Und sonst nichts. Aber das ist eben das Kreuz mit den Realitätsmodellen. Sie verlieren ihre eigene Realität. Wie viel Wahrheit ist noch auf dem Platz, wenn die Macht der Inszenatoren und Profiteure ins Unermessliche geht?
Ins Netz gegangen am 16.7.:
Das Große an Fauser – SPD-Mitglied – ist, dass er nie aufgehört hat, mit allem, was er aufbringen konnte, danach zu streben, seine Schmerzen zu popularisieren. Daraus entstanden Geschichten: über die, die unten sind, über die, die in der Mitte sind – und zu denen ganz oben wäre er auch noch gekommen: Er warte noch auf den großen deutschen Managerroman, hat er 1984 im Fernsehen gesagt.
Das Uncoole an Fauser war, dass er, als er es ab 1968 und folgend wollte, nicht dazugehören konnte zu den Coolen und Schönen seiner Generation. Das Uncoole war, dass er sich dieser Zurückweisung nicht durch die demütige Flucht ins Privatleben, in den Suff oder in den Reiseteil entzog, sondern darauf beharrte, ein Schriftsteller zu sein. Der ganz unverfroren auf ein Lesepublikum setzte, das sich nichts vorschreiben ließ.
Jörg Fauser, der schmächtige Hesse mit der hitzigen Abneigung gegen Trendphänomene, hat in diesem Zusammenhang ein posthumes Problem: Er wird heute ganz überwiegend als Macker rezipiert – beziehungsweise missverstanden.
Die unverhältnismäßigen Überwachungsmaßnahmen der NSA sind völkerrechtswidrig.
deshalb fordert er:
Entweder wir verlieren uns in transatlantischen Vorwürfen über Spionage und Geheimnisverrat. Oder aber wir widmen uns endlich dem Wesentlichen: der demokratischen Selbstvergewisserung über die Grenzen und Möglichkeiten der Freiheit des Internets.
Diese Diskussion können wir aber nicht im nationalen Rahmen alleine führen. Nur wenn wir die Infrastruktur des globalen Rechts nutzen, werden wir wirksame Sicherungen für unsere Freiheitsräume entwickeln können.
Den Identitätskonsumismus hat wohl keine Unterhaltungsindustrie dieser Welt, nicht einmal die US-amerikanische, so perfektioniert wie die deutsche. Schlagermusik, Trachtenmode, Volksfeste, Eventdramaturgie, Fernsehserien, Sport und Markenzeichen, sogar Autos und T‑Shirts, sind einem neuen Identitätsmarketing unterworfen. Im Identitätsmarketing treffen sich die ursprünglich als Widersprüche agierenden Kräfte der Superflexibilisierung und der Eventökonomie mit den fiktiven Kontinuitätskonstruktionen und der Sehnsucht nach der verlorenen Identität. Dabei wird eine Menge Geld umgesetzt. Und eine Menge Träume gehen verloren. Klingt „Schland“ nicht nach einem verdammt komisch-traurigen Abgesang auf Heimat? Der Identitätskonsumismus trägt die Selbstverachtung in sich.
Warum gibt man sich die Mühe, das Schloss mit einem Schlüssel zu öffnen und es dann so mit einem Poller zu verbinden? Soll der Poller die sanfte Umarmung der Plastikummantelung des Schlosses spüren? Oder möchte man der Polizei im Versicherungsfall sagen können, man habe alles getan?
Jörg Fauser in der heute etwas seltsam anmutenden Sendung „Autor Scooter“ (mit dem damals noch halbwegs erträglichen Hellmuth Karasek) über sich, sein Schreiben und so weiter – der Autor als selbsternanntes „Mitglied der Agentur für Sprache und Zweifel“ spricht:
Den Schriftsteller, der nicht gelesen wird, halte ich für eine pathetische und sinnlose Figur.
schön auch, wie Karasek mit seinem romantisch-genialen Autorbegriff auf Jörg Fausers wesentlich handfesterem, handwerklichen Autor-Ich („writing is my business“) trifft …
Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén