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Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Ins Netz gegangen (17.9.)

Ins Netz gegan­gen am 17.9.:

  • Im Gespräch ǀ „Der Frust beginnt beim Job“—der Frei­tag – kur­zes inter­view mit ange­li­ka hager über rol­len­bil­der, gleich­stel­lung etc

    Da ent­wi­ckeln jun­ge Frau­en, schon ermü­det, jene Krank­heit, die ich Schnee­witt­chen­fie­ber nen­ne: Sie ver­krie­chen sich in Idyl­len und kochen Obst ein.

  • Vom Suchen und Fin­den ver­ges­se­ner Autoren | intellec­tures – sebas­ti­an gug­golz, ehe­ma­li­ger lek­tor bei matthes & seitz, der jetz gera­de sei­nen eige­nen ver­lag gegrün­det hat:

    Ich bin mir sicher, dass die lau­fen­de Dis­kus­si­on von wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen gelei­tet ist, von bei­den Sei­ten, also auch von den Ver­la­gen um Bon­nier. Der Streit­punkt sind ja die Rabat­te, die Ama­zon for­dert. Wenn Ama­zon mei­ne Bücher über die Bar­sor­ti­men­te kau­fen, dann bekom­men die die Bücher zum glei­chen Preis, wie jede ande­re Buch­hand­lung auch. Ich weiß nicht, ob die noch einen Son­der­ver­trag mit den Bar­sor­ti­men­ten haben, aber das kann mir auch egal sein. Das heißt, jedes Buch, das ich bei Ama­zon ver­kau­fe, ist ein ver­kauf­tes Buch und damit gut für mich. Die Dis­kus­si­on um die eBook-Rabat­te betrifft mich gleich gar nicht, da ich der­zeit ja kei­ne eBooks ver­kau­fe. Und wenn man als Ver­lags­kun­de mit Ama­zon ein Part­ner­pro­gramm ein­geht, und damit erreicht, dass alle Bücher des jewei­li­gen Ver­lags auf Lager und umge­hend lie­fer­bar sind, dann muss man ohne­hin mit Ama­zon direkt die Rabat­te aus­han­deln. Man bekommt dann bestimm­te Vor­tei­le, muss aber höhe­re Rabat­te ein­räu­men. Das ist dann ein­fach Ver­hand­lungs­sa­che. Ama­zon ist dann aber ein zuver­läs­si­ger Geschäfts­part­ner. Mein Pro­blem auf dem Buch­markt ist nicht Ama­zon. Da bin ich auf­find­bar und mei­ne Bücher sind rela­tiv schnell lie­fer­bar. Mein Pro­blem sind nach wie vor die Groß­buch­hand­lun­gen, also Tha­lia und Hugen­du­bel, und noch schlim­mer die gan­zen Bahn­hofs­buch­hand­lun­gen. Die wer­den in der Ama­zon-Debat­te plötz­lich von den Ver­la­gen mit ins Boot geholt, weil dort die gro­ßen Ver­la­ge ver­tre­ten sind, aber für mich als Klein­ver­lag sind die wie gesagt das eigent­li­che Pro­blem. Die neh­men mich nicht wahr und bestel­len mich nicht, weil ich immer unter einer gewis­sen Min­dest­stück­zahl blei­be. Bei denen tau­che ich nicht auf, bei Ama­zon schon. Des­halb ist es aus geschäft­li­cher Per­spek­ti­ve auch schwie­rig, ein­fach nur zu sagen, Ama­zon ist der Böse und wir Ver­la­ge und der Buch­han­del die Guten. Das Bedenk­li­che an der aktu­el­len Debat­te ist die Tat­sa­che, dass dahin­ter wirt­schaft­li­che Inter­es­sen ste­cken und nicht, wie man mei­nen könn­te und wie sug­ge­riert wird, kulturelle.

  • xkcd: Wat­ches – (sehr wahr …)
  • Arthur Schnitz­ler Por­tal :: Start­sei­te – die digi­ta­le aus­ga­be der his­to­risch-kri­ti­schen edi­ti­on der wer­ke arthur schnitzlers

    Ziel des Pro­jekts ist die Erar­bei­tung einer digi­ta­len his­to­risch-kri­ti­schen Edi­ti­on der lite­ra­ri­schen Wer­ke Arthur Schnitz­lers aus dem Zeit­raum von 1905 bis 1931. Die Edi­ti­on wird im Rah­men einer bina­tio­na­len deutsch-bri­ti­schen Koope­ra­ti­on erar­bei­tet und von der Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek Cam­bridge beher­bergt werden 

  • Ras­sis­mus-Skan­dal in Poli­zei­klas­se: „Aus­län­der­schlam­pe“ und schlimmer -
    taz​.de
    – Die bes­ten der bes­ten (oder: früh übt sich): Ras­sis­mus-Skan­dal in Poli­zei­klas­se: „Aus­län­der­schlam­pe“ und schlimmer
  • Inter­net­kul­tur: Der Auf­stieg des Daten­pro­le­ta­ri­ats | ZEIT ONLINE – gün­ter hack:

    Sie sind Lizenz­bür­ger auf Zeit, das mul­mi­ge Gefühl beim Bestä­ti­gungs­klick auf die unge­le­se­nen juris­ti­schen Bin­dungs­flos­keln vor der Soft­ware­instal­la­ti­on ist das des Aus­ge­lie­fert­seins. Der Pro­duk­ti­vi­täts­schub durch Mobil­ge­rä­te wie­der­um lässt sich nur dann wirk­lich nut­zen, wenn die wich­tigs­ten Pro­zes­se ver­teilt in der „Cloud“ lau­fen, bevor­zugt auf den Platt­for­men der weni­gen Marktführer.

    Wie etwa Jere­my Rif­kin in sei­nem Buch Access gezeigt hat, birgt die Miet­ment­a­li­tät auch Chan­cen für die Fle­xi­bi­li­tät und eine effi­zi­en­te­re Res­sour­cen­nut­zung. Aber im domi­nan­ten Kon­kur­renz­sze­na­rio gilt: Wer mit­hal­ten will, ver­liert mehr an Frei­heit als er gewinnt. Und es gibt Unter­schie­de, je nach Bran­che und Situa­ti­on: Für einen Land­wirt ist es sinn­voll, Mit­glied im Maschi­nen­ring zu sein, bestimm­te Gerä­te nur dann zu mie­ten, wenn er sie braucht. Aber wenn das Saat­gut paten­tiert und an die Ver­wen­dung eines bestimm­ten Insek­ti­zids geknüpft ist, dann ist die Repro­duk­ti­on sei­ner Lebens­grund­la­ge betrof­fen. Die Balan­ce von Geben und Neh­men zwi­schen Kun­de und Dienst­leis­ter stimmt nicht mehr, allein schon wegen der Kon­zen­tra­ti­on der Macht in den Hän­den weni­ger star­ker Platt­form­an­bie­ter. Und die­se neh­men immer noch mehr mit, als ihnen bezahlt wur­de, sei es an Geld oder an Auf­merk­sam­keit, näm­lich die Nutzungsdaten.

    Egal, wel­chen gesell­schaft­li­chen Sta­tus sie nach außen hin beklei­den mögen, sie sind in die­sen Momen­ten nicht ein­mal mehr Lizenz­bür­ger, son­dern sie sind ins Daten­pro­le­ta­ri­at abge­glit­ten. Wie viel Geld sie auch immer mit ihrer Arbeit ver­die­nen mögen, egal wie stark sich ihre indi­vi­du­el­le Pro­duk­ti­vi­tät erhö­hen mag: Jede ihrer Aktio­nen mehrt Reich­tum und Wis­sen der Platt­form­an­bie­ter, den eigent­li­chen Besit­zern der Pro­duk­ti­ons­mit­tel. Pro­le­ta­ri­sie­rung und Ver­lust an Pri­vat­sphä­re gin­gen schon immer Hand in Hand.

  • Fahr­rad­we­ge: Jeder inves­tier­te Euro zahlt sich mehr­fach aus – WiWo Green – noch ein grund, in fahr­rad­in­fra­struk­tur zu inves­tie­ren: es spart geld (näm­lich bei den gesundheitskosten):

    Je mehr in Fahr­rad­in­fra­struk­tur inves­tiert wer­de, je mehr neh­me die Lebens­qua­li­tät und der Umwelt­schutz zu und damit auch die Gesund­heit der betrof­fe­nen Stadt­be­woh­ner – das alles sor­ge für mas­si­ve Ein­spa­run­gen bei der Stadt­ver­wal­tung (wenn die­se für die Gesund­heits­kos­ten auf­kom­men muss) oder eben der öffent­li­chen Haushalte.

  • „Die Zoos schei­tern auf gan­zer Linie“ – Süddeutsche.de – sind zoos noch zeit­ge­mäß? brin­gen sie uns, der umwelt oder den tie­ren irgend etwas?

    Machen wir uns nichts vor: Zoos sind Gefäng­nis­se, in denen die Tie­re lebens­lang ein­ge­sperrt sind. Die Hal­tung von exo­ti­schen Wild­tie­ren soll­te aus­lau­fen. Kei­ne Nach­zuch­ten, kei­ne Impor­te mehr. Solan­ge die gegen­wär­tig leben­den Tie­re noch da sind und nicht aus­ge­wil­dert wer­den kön­nen, müs­sen sie so gehal­ten wer­den, dass ihre Bedürf­nis­se und Ansprü­che erfüllt sind, und nicht die der Besu­cher. Wo das nicht geht, müs­sen eige­ne Refu­gi­en für sie geschaf­fen wer­den. Im Übri­gen müss­te das Steu­er­geld, das in immer neue Zoo­ge­he­ge hier­zu­lan­de gesteckt wird, bes­ser in den Aus­bau von Schutz­zo­nen in den natür­li­chen Hei­ma­ten der Tie­re inves­tiert wer­den. Zoos pas­sen nicht mehr in die heu­ti­ge Zeit.

Ein Blick ins „Buch der Madrigale“ von Amarcord

Fünf Män­ner allei­ne in einer ita­lie­ni­schen Renais­sance-Vil­la: Selbst­ver­ständ­lich fan­gen die an zu sin­gen. Ganz stil­echt ertö­nen dort natür­lich Madri­ga­le des 16. Jahr­hun­dert, wie es zur Bau­zeit der Vil­la Godi von Anto­nio Pal­la­dio, die der Fil­me­ma­cher Gün­ter Atteln mit­samt ihrem Park als Dreh­ort für den Musik­film gewählt hat, passt.

amarcord, book of madrigals„The Book of Madri­gals“: Der Titel der ers­ten eige­nen DVD des Ensem­ble Amar­cord (neben der bereits 2010 ver­öf­fent­lich­ten Doku­men­ta­ti­on von Chris­toph Scholtz) lehnt sich natür­lich an die gleich­na­mig Auf­nah­me des Quin­tetts von 2007 an, ohne jedoch das sel­be Reper­toire auf­zu­wei­sen – immer­hin hat seit­dem auch der zwei­te Tenor gewech­selt. Auf­nah­me- und Reper­toire-Erfah­rung hat das Quin­tett, das merkt man, genau wie die lan­ge Rou­ti­ne (das Ensem­ble singt ja schon seit mehr als zwan­zig Jah­ren), auch wenn dies ihre ers­te Auf­nah­me beweg­ter Bil­der ist. So arg bewegt sind die dann aber doch nicht: Drei bis fünf Män­ner sit­zen oder ste­hen in dem alten Gemäu­er her­um und sin­gen, ab und an unter­stützt von der Gam­bis­tin Hil­le Perl, dem Lau­te­nis­ten (und Gitar­ris­ten) Lee San­ta­na und dem Tromm­ler Micha­el Metz­ler. Viel mehr pas­siert in den mini­mal ange­deu­te­ten Sze­nen nicht. Die pit­to­res­ke Umge­bung (und die wech­seln­de Gar­de­ro­be) sorgt trotz­dem für net­te Bil­der. Vor allem gibt sie der Kame­ra die Mög­lich­keit, durch den Park oder über die schö­nen Wand- und Decken­ma­le­rei­en zu schwei­fen. Das Schöns­te bleibt den­noch die Ton­spur die­ser klei­nen Euro­pa­tour, mit der Amar­cord die Ubi­qui­tät des Madri­gals in der Renais­sance betont: Eng­land – natür­lich mit Dow­land wür­dig ver­tre­ten -, Frank­reich, Deutsch­land und Ita­li­en sind selbst­ver­ständ­lich dabei, mit di Las­so, Gesu­al­do, Gom­bert, Wil­laert und Schütz. Aber auch das Spa­ni­en des Gol­de­nen Zeit­al­ters gehört dazu, das mit zwei fast vul­gä­ren Madri­ga­len von Juan del Enci­na ver­tre­ten ist. 

Viel bekann­tes ist zu hören – das man aber nicht immer in so har­mo­nisch aus­ta­rier­ten Klän­gen gebo­ten bekommt. Amar­cord singt auch für den Film weich und geschmei­dig, bleibt immer aus­ge­wo­gen und klar in den Details – man merkt die lan­ge Beschäf­ti­gung mit die­ser Musik. Neben aller Kunst­fer­tig­keit ist da durch­aus auch Platz für mehr oder weni­ger deut­li­ches Augen­zwin­kern und für pos­sier­li­che Fri­vo­li­tä­ten (die vor allem Juan del Enci­na bei­steu­ert), die sich dann nicht nur hören las­sen, son­dern auch in der Mimik der Sän­ger sicht­bar wer­den. Und das gehört ja ja genau­so zur Geschich­te des Madri­gals wie die jauch­zen­den Lie­bes­be­schwö­run­gen oder weh­mü­ti­ge Blick zurück, das vom Abschieds­schmerz ver­schlei­er­te Geden­ken an die schö­ne­ren Tage und die ver­gan­ge­ne Lie­be (nahe­zu per­fekt führt Amar­cord das in Gom­berts „Trist départ“ vor), bei denen die Sän­ger schau­spie­le­risch zurück­hal­ten­der agieren.
Nicht nur sin­gend, auch in den kur­zen Inter­view­schnip­seln beto­nen die Sän­ger die über­zeit­li­che Gül­tig­keit der hier in Musik gefass­ten Gefüh­le und Ideen, machen aber nicht wie die Kings’ Sin­gers mit ihrer „Madri­gal Histo­ry Tour“ eine klin­gen­de Vor­le­sung dar­aus. Dazu passt auch, dass die Unter­ti­tel lei­der nur die über­setz­ten Tex­te bie­ten: „The Book of Madri­gals“ ist eben vor allem ein Film zur Musik.

Amar­cord: The Book of Madri­gals. DVD 2014.

— Zuerst erschie­nen in Chor­zeit – Das Vokal­ma­ga­zin, Aus­ga­be Sep­tem­ber 2014.

Pilger beim italienischen Zirkus: Christoph Irniger Pilgrim erzählen Musik

christoph irniger pilgrim, italian circus storyChris­toph Irni­ger ist ein wirk­lich inter­es­san­ter Schwei­zer. Der noch ziem­lich jun­ge Saxo­pho­nist hat bei Intakt bereits im letz­ten Jahr mit sei­nem Trio die wun­der­bar kraft­vol­le CD Gowa­nuns Canal ver­öf­fent­licht. Und jetzt legt er nach – und noch eines drauf. Mit der losen For­ma­ti­on „Chris­toph Irni­ger Pil­grim“, die in etwas ande­rer Beset­zung schon eine Auf­nah­me gemacht hat (die ich (noch) nicht ken­ne), hat er wie­der bei Intakt (die sind eben wirk­lich gut, die Züri­cher …) Ita­li­an Cir­cus Sto­ry vor­ge­legt. Und das ist tol­le Musik, die mich beim ers­ten Hören berührt, beim zwei­ten begeis­tert und beim drit­ten ent­zückt hat.

Schon der Beginn ist ziem­lich cool: schleicht sich auf wei­chen Klang­pfo­ten hin­ein, mit Zeit für Ent­wick­lun­gen und Ent­de­ckun­gen. Über­haupt die Ent­wick­lung: Wie span­nend und viel­fäl­tig es sein kann, die Ideen zu ent­fal­ten, hört man wohl am bes­ten beim vier­tel­stün­di­gen Titel­stück Ita­li­an Cir­cus Sto­ry. Das ist kei­ne akro­ba­ti­sche Ver­ren­kung (für die ich ja durch­aus auch eini­ges übrig habe …), son­dern eine phan­tas­ti­sche Geschich­te vol­ler Ver­wand­lun­gen, Über­ra­schun­gen und Ent­wick­lun­gen, Höhe­punk­te und Tie­fen. Neben­bei bemerkt klingt die Auf­nah­me auch sehr gut, hat einen schö­nen war­men und plas­ti­schen Sound. Über­haupt zeich­net die gan­ze Ita­li­an Cir­cus Sto­ry eine gro­ße Prä­zi­si­on des klang­li­chen Gefü­ges aus. Die Klän­ge ver­fü­gen in so ziem­lich jedem Moment über beein­dru­cken­de Klar­heit – trotz der (zeit­wei­se) hohen Dich­te und durch­aus vor­han­de­nen Kom­ple­xi­tät erschei­nen sie wie selbst­ver­ständ­lich und fast natür­lich. Das hängt damit zusam­men, dass das Quin­tett aus Klang­pil­gern besteht: Fest ste­hen sie auf gemein­sa­men Grund, über­zeugt in ihrem Tun, sehr selbst­si­cher und selbst­be­wusst. Und das durch­aus mit Grund, denn sie sind hör­bar alle gro­ße Kön­ner und erstaun­lich rei­fe Sti­lis­ten. Das zeigt sich gera­de immer wie­der dar­in, dass sie Zeit haben oder sich Zeit neh­men, die Musik nicht drän­gen, son­dern ihr Frei­raum zur inne­ren und äuße­ren Ent­fal­tung geben.

Die Klar­heit der Far­ben und Moti­ve, das oft auch sehr durch­sich­tig Ensem­ble, selbst bei erheb­li­cher klang­li­cher Dich­te bezie­hungs­wei­se momen­ta­ner Ver­dich­tung ver­mit­telt so immer wie­der eine die­ser Musik inne­woh­nen­de poe­ti­sche Frei­heit. Dabei ist alles sehr kon­zen­triert, genau und im höchs­ten Maße aus­ge­feilt – nicht die Frei­heit des egal was, des War­tens auf die Inspi­ra­ti­on hört man hier, son­dern die Frei­heit der Vor­be­rei­tung – und der dar­aus resul­tie­ren­den Gewiss­heit und Über­zeu­gung (des Gelingens). 

Chris­toph Irni­ger ist dabei selbst als Saxo­pho­nist gar nicht so sehr prä­sent, wie man das von Band­lea­dern gewohnt ist: Er drän­gelt nicht, son­dern lässt viel Raum – unter ande­rem für den klang­sin­ni­gen Pia­nis­ten Ste­fan Aeby oder den schwe­ben­den Gitar­ren­sound von Dave Gis­ler. Aber egal, wer gera­de zu hören ist: Immer wie­der beein­druckt die kon­zen­trier­te Gelas­sen­heit der Musik, die erar­bei­te­te, her­ge­stell­te Locker­heit und die ange­spann­te Auf­merk­sam­keit für jedes rhyth­mi­sche, moti­vi­sche und klang­li­che Detail.

Chris­toph Irni­ger Pil­grim: Ita­li­an Cir­cus Sto­ry. Intakt CD 238. Intakt Records 2014.

Ins Netz gegangen (10.9.)

Ins Netz gegan­gen am 10.9.:

  • Der Druck der nächs­ten fei­nen Sache – Per­len­tau­cher – flo­ri­an kess­ler dis­ku­tiert mit danie­la seel & axel von ernst über die hot­list, ver­mark­tung von büchern und nischen oder schub­la­den. danie­la seel (kook­books) stellt grund­sätz­li­che fragen:

    So macht die Hot­list sich selbst zur klei­ne­ren Kopie der Gro­ßen und trägt mit zur Ver­en­gung des Lite­ra­tur­ver­ständ­nis­ses bei. Was eigent­lich nötig wäre, näm­lich auf eine Ver­mitt­lung gera­de des Sper­ri­ge­ren hin­zu­wir­ken, sich für ande­re lite­ra­ri­sche For­men und auch kom­ple­xer gestal­te­te Bücher stark zu machen, die nicht so leicht schub­la­di­siert wer­den kön­nen, fin­det viel zu wenig statt. 

    Die Abdrän­gung in „Nischen“ ist durch­aus ein Sym­ptom von Ver­drän­gung im dop­pel­ten Sinn. Dabei steht die Ero­si­on tra­di­tio­nel­ler Lite­ra­tur­ver­mitt­lung, durch Zei­tungs­kri­tik, Buch­han­del, Schul­lek­tü­re und so wei­ter, ja gera­de erst am Anfang. Viel­leicht wird es in zehn Jah­ren kaum noch Auf­la­gen über 1000 Exem­pla­re geben oder Kri­ti­ken mit einer höhe­ren Reich­wei­te, und die ver­blie­be­nen Gewin­ne lan­den fast voll­stän­dig bei Online­kon­zer­nen und Gerä­te­her­stel­lern. Umso wich­ti­ger wäre es, jetzt alter­na­ti­ve, zukunfts­fä­hi­ge Instru­men­te zu erfin­den und ins Gespräch zu brin­gen – über­haupt als Akteu­re in die­sem Wan­del zu han­deln statt sich von ihm trei­ben zu las­sen – , ger­ne auch mit erwei­ter­ten Hot­list-Werk­zeu­gen. Wei­ter bloß die gera­de publi­zier­ten Bücher mög­lichst vie­len Men­schen ver­kau­fen zu wol­len, riecht jeden­falls nach Para­ly­sie­rung durch Panik und greift nach allen Sei­ten zu kurz. 

  • Preu­ßens demo­kra­ti­sche Sen­dung – Kul­tur – DIE WELT – flo­ri­an stark schreibt in der „welt“ den nach­ruf auf hagen schulze:

    Aber Schul­ze woll­te nicht der herr­schen­den Schu­le gefal­len, son­dern die Quel­len zum Reden brin­gen. Bei­des mach­te ihn zum Soli­tär, des­sen Klas­se vie­le Kri­ti­ker aber zäh­ne­knir­schend aner­ken­nen mussten. 

  • child­Lex (Ger­man Children‘s Book Cor­pus) | Max-Planck-Insti­tut für Bil­dungs­for­schung – coo­ler Korpus:

    child­Lex ist ein Koope­ra­ti­ons­pro­jekt mit der Uni­ver­si­tät Pots­dam und der Ber­lin-Bran­den­bur­gi­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten. Das Kor­pus umfasst über 10 Mil­lio­nen Wör­ter, die in einer Aus­wahl von 500 Kin­der- und Lese­bü­chern ent­hal­ten sind. Die Bücher decken den Alters­be­reich von 6–12 Jah­re ab und kön­nen ent­we­der ins­ge­samt oder in drei ver­schie­de­nen Alters­grup­pen (6−8, 9–10, 11–12 Jah­re) getrennt abge­fragt wer­den. Dabei wer­den die meis­ten lin­gu­is­tisch und psy­cho­lo­gisch rele­van­ten Varia­blen für ca. 200.000 unter­schied­li­che Wör­ter zur Ver­fü­gung gestellt.

  • Uber, die deut­sche Start­up­sze­ne und die Medi­en im Kampf gegen Regu­lie­rung und das Taxi-Estab­lish­ment » Zukunft Mobi­li­tät – sehr guter text von mar­tin ran­del­hoff bei „zukunft mobi­li­tät“ über die grün­de, war­um „uber“ viel­leicht doch kei­ne so tol­le idee ist (und der regu­li­ter­te taxi-markt gar nicht so schlecht ist, wie inter­na­tio­na­le erfah­run­gen mit dere­gu­lie­run­gen zei­gen) – weder für den städ­ti­schen ver­kehr ins­ge­samt noch für den indi­vi­du­el­len nut­zer (von den fah­rern wohl zu schweigen …)
  • Tra­cing Jewish histo­ry along the Rhi­ne – Tra­cing Jewish histo­ry along the Rhi­ne (NYT)
  • Fahr­rad­ku­rie­re: „Am Abend bin ich ein Held“ – Die @FAZ_NET hat die Fahr­rad­ku­rie­re in Frank­furt ent­deckt: „Am Abend bin ich ein Held“ >
  • Wer pflegt die Fül­le sel­ten gehör­ter Stim­men? – taz​.de – Jür­gen Brô­can schreibt in der taz sehr beden­kens­wert über das selt­sa­me miss­ver­hält­nis zwi­schen der hohen zahl guter neu­er lyrik und ihrer schwin­den­den reichweite:

    Lyrik ist das Ange­bot einer nicht pri­mär auf Infor­miert­heit und Effek­ti­vi­tät gegrün­de­ten Denk­wei­se in einer ande­ren Spra­che als der des täg­li­chen Umgangs. Dar­in besteht ihr Wert und ihre Stär­ke, dar­in besteht lei­der auch ihre Pro­ble­ma­tik hin­sicht­lich der Rezeption.
    […] Dabei brau­chen Gedich­te nur jeman­den, der wil­lens ist, nicht bloß zu kon­su­mie­ren, son­dern sich kon­zen­triert auf eine Sache ein­zu­las­sen, sich ihr behut­sam anzu­nä­hern und selbst ein gele­gent­li­ches Sto­cken nicht als hin­der­lich, viel­mehr als berei­chernd zu emp­fin­den. Ent­spinnt sich auf die­se Wei­se ein Gespräch mit dem Text, wird sogar das ein­sa­me Lese­zim­mer nicht als Iso­la­ti­on empfunden.

    vor­schlä­ge, die mar­gi­na­li­sie­rung der lyrik umzu­keh­ren, dem gedicht zu mehr bedeu­tung & rezep­ti­on zu verhelfen: 

    Mir scheint zwei­er­lei unab­ding­bar: Die media­le Auf­merk­sam­keit müss­te dezen­tra­li­siert wer­den, denn es ist nicht alles „Pro­vinz“, was sich außer­halb Ber­lins oder Leip­zigs befin­det, künst­le­ri­sches Poten­zi­al kann man über­all ent­de­cken, es ent­fal­tet sich an den Peri­phe­rien oft­mals eige­ner als in den Schutz­zo­nen der Metro­po­len. Dar­über hin­aus soll­ten Prei­se und Sti­pen­di­en der vor­han­de­nen Viel­falt stär­ker als bis­her Rech­nung tra­gen; deren man­geln­de Unter­stüt­zung setzt näm­lich einen Teu­fels­kreis in Gang, der am Ende die Argu­men­ta­ti­on stützt, es exis­tie­re die­se Viel­falt gar nicht. 

  • Res­te aus 6. Jahr­hun­dert ent­deckt – All­ge­mei­ne Zei­tung – Wer in Mainz anfängt zu gra­ben …: „Ältes­te Main­zer Kir­che ist noch älter“ – beim 6. Jhd sind sie jetzt angekommen 
  • AnonAus­tria on Twit­ter: Die AfD fin­det, dass das The­ma „Schre­ckens­herr­schaft der NSDAP“ den Geschichts­un­ter­richt zu sehr „über­schat­tet“: http://t.co/6RAstU3QXk – Stei­le The­se: Die AfD meint, 1848 hät­te „unser Land“ stär­ker geprägt als der Nationalsozialismus. >
  • Sicht­ach­se delu­xe | anmut und demut – Sicht­ach­se delu­xe | anmut und demut 
  • Char­lot­te Jahnz on Twit­ter: Hihihi. http://t.co/u3x8id7o4g – RT @CJahnz: Hihihi.
  • Ora­ni­en­platz-Flücht­lin­ge: Der gro­ße Bluff – taz​.de – ganz schön mies, was der Ber­li­ner Senat da als Poli­tik ver­steht: „Ora­ni­en­platz-Flücht­lin­ge: Der gro­ße Bluff“ 

Aus-Lese #36

Nor­bert Scheu­er: Bis ich dies alles lieb­te. Neue Hei­mat­ge­dich­te. Mün­chen: Beck 2011. 101 Seiten 

scheuer, bisIm Jahr 2011 Hei­mat­ge­dich­te zu schrei­ben, ist natür­lich eine Pro­vo­ka­ti­on – die Gat­tung gilt (genau­so wie „Hei­mat“ über­haupt) als erle­digt und über­holt. Aber immer­hin sind es „Neue Hei­mat­ge­dich­te“, die Nor­bert Scheu­er hier vor­ge­legt hat. Und sie sind lan­ge nicht so pro­vo­zie­rend, wie man erwar­ten mag. Was auch damit zusam­men­hän­gen dürf­te, dass sie schon als Gedich­te – unab­hän­gig von ihrer The­ma­tik – nich so sehr pro­vo­zie­ren kön­nen und wol­len. Eine leich­te Weh­mut lässt sich oft erken­nen, vor allem aber zeich­net die Hei­mat­ge­dich­te Scheu­ers wohl so etwas wie eine Zufrie­den­heit mit der „Hei­mat“ trotz der vorhandenen/​erworbenen Kennt­nis des Ande­ren (als das wären: Welt, Unsterb­lich­keit der Lite­ra­tur und der­glei­chen mehr) aus. „Hei­mat“ selbst ist ja eigent­lich eine sehr unge­naue Spe­zi­fi­zie­rung. Hier trifft sie vor all­me – und das ist tat­säch­lich in der Lyrik der letz­ten Jah­re nicht unbe­dingt gewöhn­lich – auf das Dorf. Man kann gera­de die ers­ten Gedich­te des Ban­des auch als eine klit­ze­klei­ne Geschich­te des Dor­fes im Zeit­raf­fer lesen, mit den Men­schen und den Tätig­kei­ten und der Umge­bung, die dazu gehört. Wo ande­re Lyri­ker Sze­nen der Stadt beschrei­ben, steht hier eben das dörf­li­che oder länd­li­che Leben und Erle­ben im Vor­der­grund. Das war aber auch schon der Unter­schied – na gut, viel­leicht über­haupt die deut­li­che und star­ke Ver­or­tung in bestimmt-unbe­stimm­ten Raum (der „Hei­mat“, auf dem Lan­de …). Die­ser Ort bleibt aber unge­nannt und nicht ganz fass­bar – es ist eine manch­mal idea­le, manch­mal nicht so ehr idea­le Kon­struk­ti­on aus dem Typischen.
Ein paar sehr fei­ne, kla­re (spre­chen­de) Gedich­te sind dabei, aber auch eini­ges eher mit­tel­mä­ßi­ge und auch bana­les. For­mal hat sich das lei­der auch eher schnell erschöft, hat man schnell kapiert und ist dann zwar nicht schlech­ter, aber auch nicht mehr beson­ders span­nend oder anre­gend – etwa das Spiel mti der Ober­flä­chen­form der Gedich­te udn ihrer Spra­che. Aber viel­leicht ist das eben ein­fach Lyrik der Nor­ma­li­tät (des Lebens, eben des Lebens in der Hei­mat und auf dem Land).

Juli­en Gracq: Der Ver­su­cher. Graz: Dro­schl 2014. 232 Seiten. 

gracq, versucher„Ein Buch, das voll­stän­dig aus Ober­tö­nen besteht“ schreibt der Über­set­zer Die­ter Hor­nig im Nach­wort zu einem der Vor­bil­der für Gracq, Cha­teu­ab­ri­ands Vie de Ran­cé. Das gilt aber auch für den Ver­su­cher: Das ist näm­lich ein Roman, der maß­geb­lich von sei­ner Atmo­sphä­re lebt. Es ist fas­zi­nie­rend, wie genau und leicht Gracq die her­auf­be­schwö­ren kann: Sei­ne ele­gan­ten Beschrei­bun­gen der Ele­ganz ver­lo­re­ner Zeit(en) und unter­ge­gang­nen Epo­chen, wie sie sich im Urlaubs­le­ben in einem Strand­ho­tel mani­fes­tie­ren, las­sen eine ent­spann­te, offe­ne, zugleich erwar­ten­de und erwar­tungs­vol­le Stim­mung ent­ste­hen, die wun­der­bar zum som­mer­li­chen Schwe­ben im Urlaub, dem Ent­rückt-Sein aus dem All­tag, pas­sen. In der Land­schaft der bre­to­ni­schen Küs­te, mit ihrer Melan­cho­lie und Ver­gäng­lich­keit, die Gracq bezau­bernd beschreibt, trifft der Erzäh­ler (und Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­ler) Gérard unter ande­rem auf Allan, eine selt­sam chan­gie­ren­de Figur zwi­schen Hoch­stap­ler und tra­gi­schem Schick­sal – und ein wun­der­sa­mes und wun­der­ba­res Kam­mer­spiel ent­fal­tet sich, das man auch ganz und gar genie­ßen kann, ohne die inter­tex­tu­el­len Anspie­lun­gen, die Gracq hier offen­bar (und mehr oder weni­ger offen­sicht­lich) ver­ar­bei­tet hat, zu verstehen. 

Jan Kuhl­brodt: Stöt­zers Lied. Gesang vom Leben danach. Ber­lin: J. Frank 2013 (Quart­heft 40). 180 Seiten. 

kuhlbrodt, stötzers liedEin selt­sa­mes Buch, das mir eher fremd geblie­ben ist. Der „Gesang“, unter­teilt in diver­se durch „Embo­lien“ getrenn­te Abschnit­te (dar­un­ter „Stöt­zers Gedich­te“, „Para­li­po­me­na zu Stöt­zer“ oder „Deut­scher Platz“) ist eine Art Pro­sa­ge­dicht. For­mal gibt sich das als Lyrik, mit Ver­sen und Stro­phen etc. Sprach­lich bleibt es aber im Gro­ßen und Gan­zen Pro­sa. Und so wie es bei­de Gat­tun­gen glei­cher­ma­ßen bedient, so bedient es sich auch bei den gro­ßen The­ma. Irgend­wie geht es immer um Geschich­te und den Umgang mit ihr, beson­ders im (post)sozialistischen Leip­zig, von Völ­ker­schlacht­denk­mal über Lenin bis zur Ästhe­tik der Plat­ten­bau­ten wird so ziem­lich alles mög­li­che ange­ris­sen und auf­ge­ru­fen. Der Klap­pen­text schreibt da ganz treffend: 

Stöt­zer [die von Kuhl­brodt ein­ge­setz­te Spre­cher-/Re­flek­tor­fi­gur] ist ein Wahr­neh­mungs­spei­cher, ein Seis­mo­graph. […] Er nimmt das auf, was ihn über­rollt: Poli­tik, Öko­no­mie, Kunst, Geschich­te. Stöt­zer kom­men­tiert aus der Sta­tik her­aus die Bewe­gun­gen, das Aus­klin­gen des Ver­gan­ge­nen und das Her­ein­bre­chen des neu­en Jahrtausends.

Das ist eine Mischung aus Bana­li­tä­ten der Ober­flä­che und tie­fer boh­ren­den Refle­xio­nen gewor­den, die unver­mit­telt neben ein­an­der auf­tau­chen und da auch ste­hen blei­ben, sich dadurch aber recht erfolg­reich gegen­sei­tig befruch­ten und ergän­zen. Dar­über hin­aus ist das aber auch ein sehr schö­nes, gut gemach­tes Buch gewor­den, das mit ver­schie­de­nen Gestal­tungs­ele­men­ten der Typo­gra­phie und der Illus­tra­tio­nen die ver­schie­de­nen Tei­le oder Ebe­nen des Tex­te gut illus­trie­rend ergänzt und verdeutlicht.

Chris­ta Rei­nig: Feu­er­ge­fähr­lich. Neue und aus­ge­wähl­te Gedich­te. Aus­ge­wählt und mit einem Nach­wort von Klaus Wagen­bach. Ber­lin: Wagen­bach 2010 (Klaus Wagen­bachs Oktav­hef­te). 79 Seiten. 

reinig, feuergefaerhlichWirk­lich näher gebracht hat mir die­se Aus­wahl Klaus Wagen­bachs die Lyrik von Chris­ta Rei­nig nicht. Der Anfang ist schreck­lich banal, schon die Form – bravs­te Paar- und Kreuz­rei­me in regel­mä­ßi­ger Metrik und Zwölf­zei­lern – ver­hin­dert fast das inter­es­sier­te Lesen. Zum Glück wan­delt sich das mit dem Fort­schrei­ten der Sei­ten, eine zuneh­men­de Kon­zen­tra­ti­on und Ver­dich­tung. Das macht die nun auch mal lako­nisch wir­ken­den Gedich­te bes­ser. Allein schon des­halb, weil sie nicht mehr so geschwät­zig sind. Aller­dings bleibt der Ein­druck, dass hier eine Autorin schreibt, die irgend­wie stän­dig belei­digt von der Welt und ihrer Schlech­tig­keit wirkt. Weil das oft den Bei­klang per­sön­li­chen Belei­digt­seins hat (z.B. bei „Der Ande­re“!), hat mich das etwas genervt. Die Gegen­über­stel­lung der Macht­lo­sig­kei­ten, der Ohn­macht, der rich­ti­gen Spra­che und den offi­zi­el­len Verlautbarungen/​Wörtern, den Herr­schen­den, den Mäch­ti­gen durch­zieht fast alle Tex­te mehr oder weni­ger. Das ist ja eigent­lich eine sym­pa­thi­sche Sache, weil aber vie­les mir eigent­lich zu offen­sicht­lich, zu deut­lich und ein­deu­tig gesagt ist, ver­liert das etwas von sei­ner Wirkung.

In die Geweh­re rennen

mein tiefs­tes herz heißt tod
wenn das die mör­der wüssten
wären sie es müde (34)

außer­dem noch:

  • Arno Schmidt, »Na, Sie hät­ten mal in Wei­mar leben sol­len!« Über Wie­land – Her­der – Goe­the. Mit einem Essay von Jan Phil­ipp Reemts­ma, hrsg. von Jan Phil­ipp Reemts­ma. Stutt­gart: Reclam 2013. 234 Sei­ten. (mit dem wun­der­ba­ren Essay „Goe­the und einer sei­ner Bewunderer“)
  • Ein­hard, Vita Karo­li Magni (zur Vor­be­rei­tung auf den Aus­stel­lungs­be­such in Aachen)
  • Stramm, August, Gedich­te Dra­men Pro­sa Brie­fe. Her­aus­ge­ge­ben von Jörg Drews. Stutt­gart: Reclam 1997. 242 Seiten.

Critical Mass Mainz – Septemberausgabe

Am Frei­tag war wie­der die Cri­ti­cal Mass in Mainz unter­wegs. Und ich war wie­der dabei – zum drit­ten Mal in die­sem Jahr, zum zwei­ten Mal mit dem Lie­ge­rad. Das ist dafür aber offen­sicht­lich nicht das am bes­ten geeig­ne­te Gefährt (aber dazu gleich mehr). Es waren bei ange­nehm som­mer­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren wie­der etwas mehr als hun­dert Rad­le­rin­nen und Rad­ler vor dem Staats­thea­ter zusam­men­ge­kom­men, um ein biss­chen spa­zie­ren zu fah­ren in der Lan­des­haupt­stadt am Rhein. Bis es so weit war, dau­er­te es aber noch etwas. Eigent­lich will die Main­zer Cri­ti­cal Mass am ers­ten Frei­tag im Monat um 18 Uhr star­ten. Das hat sie aber, glau­be ich, noch nie getan – und das muss sie natür­lich auch nicht. Die­ses Mal fand ich die Ver­zö­ge­rung bis zum Start aller­dings arg lang. Das heißt näm­lich vor allem: rum­ste­hen und war­ten (gut, ich konn­te sit­zen …). Aber irgend­wann reicht’s halt doch mal mit dem Herumlungern.
Doch alles War­ten hat irgend­wann ein Ende und so setz­te sich kurz vor halb Sie­ben der lan­ge Wurm auf zwei (bzw. bei zwei Teil­neh­mern auch auf drei) Rädern in Bewe­gung. Aber was heißt da schon Bewe­gung: Ich hat­te den Ein­druck (der kann aber auch täu­schen …), dass es die­ses Mal seee­ehr gemüt­lich war. Auf dem Lie­ge­rad war das jeden­falls kein super ent­spann­tes Tem­po – etwas Geschwin­dig­keit brau­che ich halt schon, damit sich das Ding sta­bi­li­siert. Aber das ist natür­lich mein per­sön­li­ches Luxus­pro­blem. Ande­rer­seits fand ich gera­de am Anfang – es ging die­ses Mal übers Höf­chen auf die Rhein­stra­ße, dann über die Holz­hof­al­lee und Umbach zur Gro­ßen Blei­che, mit einem Schlen­ker über die Kai­ser­stra­ße (weil das Blei­chen­en­de ja wegen Open-Air-Kon­zert-Auf­bau gesperrt war) auf die Theo­dor-Heuss-Brü­cke und über den Rhein nach Kas­tel, von dort nach einer groß­zü­gi­gen Schlei­fe wie­der zurück nach Mainz und noch etwas durch die Neu­stadt und schließ­lich zurück zum Thea­ter -, dass ziem­lich vie­le wack­lig und unru­hig fuh­ren. Außer­dem hat das auch durch­aus etwas pro­vo­zie­ren­des, wenn 110 Zwei­rä­der so lang­sam wie mög­lich über die Kreu­zun­gen schlei­chen und die ande­ren Ver­kehrs­teil­neh­mer – unter denen ja auch nicht weni­ge Fuß­gän­ger sind – blo­ckie­ren. Die Durch­schnitts­ge­schwin­dig­keit von knapp 10 km/​h war für mich und mein Lie­ge­rad jeden­falls grenz­wer­tig – da eier ich immer selbst im ebe­nen in den klei­nen und kleins­ten Gän­gen her­um, ohne auf eine ordent­li­che Tritt­fre­quenz zu kom­men. Dafür hat das Cor­ken aber, so weit ich das mit­be­kam, wun­der­bar geklappt – vie­len Dank dafür!
Etwas ande­res, was mich – neben der Stre­cken­füh­rung, die ich etwas erra­tisch fand – mit zuneh­men­der Zeit nerv­te: Zwei Sound­sys­te­me. Das ist für mei­nen Geschmack min­des­tens eines zu viel. Zumal die bei­de – wie­der­um für mich – ästhe­tisch nicht gera­de über­zeug­ten mit ihrer Beschal­lung. Vor allem aber hat­te ich am Frei­tag den Ein­druck, dass das etwas in eine Par­ty­run­de abglei­tet. Und ich befürch­te, damit tun sich die Rad­le­rin­nen und Rad­ler kei­nen Gefal­len. Denn eigent­lich soll­te es bei der Cri­ti­cal Mass ja dar­um gehen, zu zei­gen, dass Fahr­rä­der auch Teil des Ver­kehrs sind und ihren Anspruch auf ange­mes­se­nen (Verkehrs-)Raum gel­tend machen wol­len – nicht aber so sehr, dass sie am Frei­tag Abend für etwas kurio­se Unter­hal­tung sor­gen. Na ja, in die­ser Hin­sicht mag ich aber auch etwas vor­sich­tig bzw. zurück­hal­tend sein. Ähn­li­ches gilt viel­leicht auch für mein leich­tes Unbe­ha­gen auch beim Platz­be­darf: Offi­zi­ell gilt ja eigent­lich nur, dass ein Rad-Ver­band eine Spur nut­zen darf und nicht alle ver­füg­ba­ren. Das eine oder ande­re Mal muss­te aber sogar der Gegen­ver­kehr war­ten – und das muss nun wirk­lich nicht sein. Die Akti­on im Krei­sel in Kas­tel, bei der ein Last­wa­gen und ein PKW, die gera­de auf das Ende der Rad­fah­rer war­te­ten, von der Spit­ze „umschlos­sen“ wur­den, war natür­lich auch eher mis­tig oder unsinnig.
Das alles hat jeden­falls dazu geführt, dass ich die­ses Mal nicht den aller­größ­ten Spaß hat­te. Aber schlecht war’s natür­lich auch nicht ;-) – auch wenn das jetzt ein recht kri­ti­scher Text gewor­den ist. Aber den­noch: Die Idee der Cri­ti­cal Mass fin­de ich immer noch eine gute Sache. Und es war sicher­lich nicht mei­ne letz­te Teil­nah­me, obwohl ich frei­tags abends oft etwas ande­res vor habe …

Ins Netz gegangen (31.8.)

Ins Netz gegan­gen am 29.8.:

  • Strand: Wie Gold am Meer | ZEIT ONLINE -

    Es ist nicht nur das Meer, das den Sand vom Strand weg­holt, es ist auch der Mensch.

    span­nen­der text über den sand – am strand und im beton etc. und was der in den letz­ten jah­ren alles für pro­ble­me berei­tet (weil der mensch herumpfuscht …)

  • Spen­den­ak­ti­on ǀ Ice Bucket Chall­enge? Fuck off!—der Frei­tag – RT @derfreitag: Spen­den­ak­ti­on: #Ice­Bu­cket­Chall­enge? Fuck off! »
  • Kolum­ne Luft und Lie­be: Wahn und Schmod­der – taz​.de – „Brea­king News: Die Welt ist kom­pli­ziert. Und im Inter­net gibt es gleich­zei­tig Femi­nis­tin­nen und kras­se Pornos“ >
  • 50 – Na 1, 356 – Kor­re­spon­den­zen mit Her­bert Mar­cu­se (p. V 118, 1–383) – Sei­te – Max Hork­hei­mer – Digi­ta­le Samm­lun­gen – RT @benni_b: Doof wenn man berühmt wird und dann im Nach­lass des Kum­pels der eige­ne Sexis­mus zu Tage tritt: #mar­cu­se #hork­hei­mer
  • Sim­ply Explained—Geek&Poke – Sim­ply Explained—Geek&Poke;
  • Deut­sche Poli­tik vor den Welt­krie­gen – FAZ – hein­rich august wink­ler über den kriegs­be­ginn 1914, die fra­ge der schuld bzw. haupt­schuld und war­um sei­ner mei­nung nach deutsch­land nicht ganz auf einer ebe­ne mit den ande­ren euro­päi­schen staa­ten anzu­sie­deln ist:

    Schwe­rer noch wiegt die Aus­klam­me­rung der innen­po­li­ti­schen Vor­ge­schich­te des deut­schen Weges in den Ers­ten Welt­krieg bei Clark und Mün­k­ler. Der Mili­ta­ris­mus war ein gesamt­eu­ro­päi­sches Phä­no­men, aber nir­gend­wo waren die Gesell­schaft und das poli­ti­sche Den­ken so mili­ta­ri­siert wie im Deut­schen Reich. „Kriegs­par­tei­en“ gab es über­all, aber nir­gend­wo ver­füg­ten sie über einen so brei­ten gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen Rück­halt wie in Deutsch­land. Er reich­te vom ost­elbi­schen Rit­ter­guts­be­sitz über die Schwer­indus­trie und Tei­le des gebil­de­ten Bür­ger­tums bis zu den Ver­bän­den des gewerb­li­chen Mit­tel­stan­des und der kauf­män­ni­schen Ange­stell­ten. Deutsch­land war eine kon­sti­tu­tio­nel­le, kei­ne par­la­men­ta­ri­sche Mon­ar­chie. Der Reichs­kanz­ler war dem Kai­ser, nicht dem Reichs­tag ver­ant­wort­lich. Die mili­tä­ri­sche Kom­man­do­ge­walt des Königs von Preu­ßen, der zugleich Deut­scher Kai­ser war, bedurf­te nicht der minis­te­ri­el­len Gegen­zeich­nung – ein Relikt des Absolutismus.

    – und zur kon­ti­nui­tät von 1914 und 1939 (was alles zusam­men bei den faz-lesern nicht auf gro­ße gegen­lie­be stößt …)

  • In Rede­si­gned Room, Hos­pi­tal Pati­ents May Feel Bet­ter Alre­a­dy – NYTi​mes​.com – die new york times über die rol­le von archi­tek­ten im gesund­heits­we­sen, hier am bei­spiel eines neu­baus des „Uni­ver­si­ty Medi­cal Cen­ter of Princeton“:

    But the real eye-ope­ner was this: Pati­ents also asked for 30 per­cent less pain medication.

  • Es geht ums Lesen – taz​.de – johan­nes thumf­art in der der taz über das befrei­en­de poten­zi­al von ebooks (und war­um es schein­hei­lig ist, dem gedruck­ten buch so sehr nachzuweinen):

    Kern der ableh­nen­den Hal­tung gegen­über dem E‑Book ist, dass es eben nur den eigent­li­chen Zweck von Büchern erfüllt, näm­lich das Gele­sen­wer­den. Dage­gen ist das gedruck­te Buch in unse­ren Brei­ten­gra­den vor allem ein Dum­my für den Gaben­tisch, das man geschenkt bekommt, im Bücher­schrank abstellt, als Acces­soire neben den Lat­te mac­chia­to legt, aber auch – etwas sel­te­ner – an Freun­de ver­leiht und wei­ter­ver­kauft. Für all die­se Neben­aspek­te der Buch­kul­tur taugt das E‑Book nicht. 

    Anstatt also dem gedruck­ten Buch nach­zu­wei­nen oder gar zu ver­su­chen, es durch Orna­men­te im bis­lang herr­lich redu­zier­ten E‑Book zu imi­tie­ren, muss E‑Book-Kul­tur davon han­deln, den Pro­zess der Demo­kra­ti­sie­rung, Säku­la­ri­sie­rung und Ratio­na­li­sie­rung der Schrift, der schon mit der Erfin­dung des Alpha­bets begann, zu beschleu­ni­gen. In dem Sin­ne fin­det sich die Speer­spit­ze der Buch­kul­tur heu­te in den tri­via­len Ecken fern­ab der Bücher­mes­sen und ähn­li­cher Ver­an­stal­tun­gen: In der „Fan Fic­tion“ zum Bei­spiel, wo mas­sen­wei­se Schmud­del­li­te­ra­tur for the peo­p­le by the peo­p­le gemacht wird, die auch noch in der U‑Bahn voll­kom­men unsicht­bar gele­sen wird und in kei­nem Regal als Tro­phäe aus­ge­stellt wer­den muss.

    Buch­ge­stal­ter, Ver­la­ge, Kri­ti­ker, Buch­de­ckel und Dru­cker­schwär­ze ste­hen die­ser neu­en, auf das Wesent­li­che redu­zier­ten Ästhe­tik der sich lite­ra­risch eman­zi­pie­ren­den Mas­se nur im Wege. 

  • War­um ich die Peti­ti­on gegen Ama­zon nicht unter­schrei­be – Süddeutsche.de – ich fin­de, ste­fan weid­ner hat durch­aus recht, auch wenn er sich in details irrt (wann/​womit bit­te ist es bes­ser, auf dem tablet als auf dem ebook-rea­der zu lesen? und natür­lich ist es nicht egal, wo ich mei­ne ebooks kau­fe, weil ama­zon sie ein­sperrt. aber das sind neben­säch­lich­kei­ten, die hier nichts zur sache tun)

    Aggres­si­vi­tät und einen unsen­ti­men­ta­len Blick nach vorn. Ama­zon hat das, der deut­sche Buch­markt nicht, nichts ande­res belegt der Pro­test gegen Ama­zon. Ich ver­ste­he die Grün­de für den Pro­test und die Angst, aber das ändert nichts an der Ver­knö­che­rung und Reform­un­wil­lig­keit des Buch­mark­tes. An sich ist er, ich sag­te es, per­fekt. Aber das Sys­tem hat den Kon­takt zur Außen­welt ver­lo­ren. Und da die­se, wie Außen­welt oft, unbe­kannt und böse ist, will man sich nur umso mehr von ihr abkap­seln. So sind schon vie­le Spe­zi­es ausgestorben.

Twitterlieblinge August 2014

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Der Erste Weltkrieg: Die Modefarben 1914

die mode­far­ben von 1914 waren
Blu­men­feld (Berlin/​New York) zufolge,
waren die­sem spra­chen-foto­graf zufolge
ziem­lich zuerst:

nil.
ein grün natür­lich, anori­en­ta­li­sier­tes abend-
land, das groß­bür­ger­tum hin­ter schweren
por­tie­ren, bei indi­rek­ter beleuch­tung trägt
Ber­lin auf, was Paris trägt.

tan­go.
das oran­ge, die trauer
früch­te die den blick verkanten.
süd­früch­te wur­den kaum gekannt
sie kamen im beam­ten­tu­me vor:
auf dem weih­nachts­tei­ler, auf dem
bör­sen­par­kett tan­go, schiffbau
stahl bes­tens notiert, und:

ciel.
ist der ver­dreh­te himmel.
blue pills und stahlparkett,
zur früh­jahrs­sai­son natürlich
von mar­ne gar noch nicht
die rede, ab herbst war dann
das klei­ne schwarz natürlich
angesagt.
*
gesag­tes klei­nes schwarz.
gesag­te schwarz­tö­ne, die all­ge­mei­ner wurden;
besag­te zunah­men, zunah­men in dem maße wie die herz­gru­ben und
‑töne schwä­cher, dann weg- und abge­schal­tet wur­den, und
die lis­ten (»ciel«) sprach­über­la­gert von namen und
aber­sprachn. noch war die grippe
nicht in sicht
*
lauf­steg laufgraben.
*
den toten wie den wit­wen, immer in den nachrichten,
immer voll drauf, voll zwi­schen die bei­ne gefilmt und -

[…]

*
gesprächs­un­ter­bre­chung durch
unrhyth­mischn his­to­ri­ker. zerstreut
wirkt die­ses durch­ge­sup­p­te spre­cher­chen und
bam­mel­mann, fidel wie die erhängtenleiche,
mit seinem:
»nix nil, nix tan­go. ohne ciel oder unter freiem
him­mel. oder-oder, oder nich mehr so jetzt, spr-
rache über pro­jek­ti­le blue pills, blaue boh­nen wohin
man tritt, das is spra­che! oder
was andres.«
*

[…]

wei­te­re und wei­te­re auffaltungen:
die auf­dru­cke (parol) auf den eiser­nen rationen;

die auf­wer­fun­gen von erde, etwa die querung
stei­ni­ger bach­bet­ten, gebü­sche. buchen, birken,

tan­nen­wäl­der. beschuß an rei­ßendn flüssn. im
lehm­bett, in näs­se: wie die gestam­mel­te briefschaft

durch­weicht, die­se zei­len, die­ses zie­hen in der
Schul­ter: die­ses wer­fen, die­se abzieh-gräbm, soweit

rei­chen die – wie weit rei­chen die ohren? wieweit
rei­chen mei­ne ohren: mei­ne augn festgefressen.

[…]

*
rhyth­mi­sche his­to­ria.
nicht weni­ger absent ist die­se spre­che­rin:
das war, mit pho­tos von Blumenfeld,
der far­ben­an­fall für 1914; entschuldigen
möch­ten wir uns für den
*
totalbildausfall.

—Tho­mas Kling: Der Ers­te Welt­krieg: Die Mode­far­ben 1914 (gekürzt, nach dem Abdruck in: Mer­kur 53 (1999), Heft 600, S. 266–268).

Tanz mit dem Saxophon

Wie geil ist das denn: Eine ganz groß­ar­ti­ge Solo­per­for­mance von Mats Gustafs­son mit sei­nem Bari­ton­sa­xo­phon (und zwi­schen­durch auch mit dem Sopran) in Rek­ja­vik gibt es auf You­Tube zu sehen. Eines der bes­ten Sets, die ich in letz­ter Zeit in die Ohren und vor die Augen bekom­men habe. Und das Schau­en lohnt sich, beim Betrach­ten der Bewe­gung und der Arbeit im Moment des Ent­ste­hens die­ser groß­ar­ti­gen Musik erhält sie noch eine ganz ande­re Tie­fe. Das ist so – selbst in die­ser eher beschei­de­nen Auf­nah­me­qua­li­tät – schon beein­dru­ckend und fas­zi­nie­rend. Und aus Erfah­rung weiß ich, dass das live noch viel mit­rei­ßen­der und über­wäl­ti­gen­der sein kann. Die Ener­gie, die sol­che Momen­te frei­set­zen, ist es, die den Free Jazz immer wie­der so span­nend, berüh­rend und ein­fach groß­ar­tig machen – und so loh­nend! (Ich bin gera­de ein­fach ziem­lich begeistert …)

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