»Nächstens mehr.«

Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Wochenblog 11/​2023

Stür­mi­sche Woche. Ganz wört­lich – am Mon­tag und Diens­tag war es zeit­wei­se so win­dig (vor allem auf dem Heim­weg), dass ich momen­tan sogar zwei Gän­ge run­ter­schal­ten muss­te: Ich kam ein­fach nicht mehr gegen den Sturm an.

Stür­misch auch, weil viel Pla­nung zu orga­ni­sie­ren war, damit ich mich in den nächs­ten Wochen auf mein neu­es Pro­jekt kon­zen­trie­ren kann und nicht von dem gan­zen all­täg­li­chen Aller­lei immer wie­der abge­lenkt wer­de. Aber irgend jemand muss das ja trotz­dem machen … Ich bin gespannt, wie sich das in den nächs­ten Wochen ent­wi­ckeln wird – ich kann es mir noch nicht so ganz vor­stel­len.

Text: „Kriegs­ly­rik“ von Her­mann Plag­ge. Ein (nicht nur mir) abso­lut unbe­kann­ter Dich­ter aus der Zeit des Ers­ten Welt­krie­ges, for­mal und sprach­lich jetzt nicht unbe­dingt die bes­ten Gedich­te aus die­ser Zeit, aber doch immer wie­der sehr ein­drück­lich und leben­dig in den Schil­de­run­gen und Stim­mun­gen. Die Lek­tü­re habe ich der wun­der­ba­ren Edi­ti­on Ver­sen­sporn von „Poe­sie schmeckt gut“ zu ver­dan­ken – das ist ein sehr zu rüh­men­des Unter­neh­men, das mehr­mals im Jahr klei­ne Hef­te mit Lyrik von meist ver­ges­se­nen, unbe­kann­ten Dichter*innen, meist aus dem wei­ten Feld des Expres­sio­nis­mus (wie Plag­ge) oder ver­wand­ten Strö­mung, zum klei­nen Preis ver­sen­det und mei­nen lite­ra­ri­schen Hori­zont immer wie­der ange­nehm erwei­tert.

Ton: Ein­stür­zen­de Neu­bau­ten. Und die Mün­che­ner Auf­nah­men von „Fol­low me“ und „Whe­re are you“ von Ondřej Adá­mek.

Bild: You Peo­p­le von und mit Jonah Hill. Ziem­lich cool, ziem­lich gelun­gen, wit­zig und tref­fend die Pro­ble­me der (ame­ri­ka­ni­schen) Gesell­schaft bzw. ihrer Tei­le im Umgang mit­ein­an­der dar­stel­lend.

Drau­ßen: Der Streak hält, ich ver­su­che es sogar mal wie­der mit struk­tu­rier­tem Trai­ning. Und dabei habe ich mir gleich am Mon­tag ein ordent­li­ches Pro­blem ein­ge­han­delt: Für den Tem­po­test­lauf fand ich es sinn­voll, die pas­sen­den Schu­he anzu­zie­hen. Nur hat­te ich die seit min­des­tens 15 Mona­ten nicht mehr an den Füßen. Das ende­te, ich hät­te es mir den­ken kön­nen, im Blut­bad: Zwei gro­ße, fet­te Bla­sen an den Fer­sen. Vor allem die rech­te Fer­se war mit einer flä­chi­gen, blu­ti­gen Bla­se ver­se­hen. Mit Bla­sen­pflas­ter und Com­peed ging es dann aber immer­hin auch am Diens­tag wei­ter. Doch für den Rest der Woche blieb das Andenken noch, wenn auch all­mäh­lich verblassend/​verheilend. Dafür konn­te ich die­se Woche sowohl beim schö­nen Son­nen­un­ter­gang als auch im spek­ta­ku­lä­re bun­ten Son­nen­auf­gang lau­fen – der Früh­ling macht’s mög­lich.

Krieg

Krieg

Alle Stra­ßen sind mit Blut beglitzt.
Gie­rig lecken vie­ler Hun­de Mün­der.
Bajo­net­te lüs­tern hoch­ge­spitzt.
Wit­ternd recken sich die Zwan­zig­pfün­der.

In den Näch­ten droh­te der Komet.
Über Städ­ten plat­zen die Gra­na­ten.
Trom­meln, Trom­meln wird wei­ter­ge­weht.
Braun­ge­plät­tet lie­gen alle Saa­ten.

Her­mann Plag­ge (1914)

Wochenblog 10/​2023

Die Arbeit war­te­te – neben dem übli­chen Klein­kram, viel orga­ni­sa­to­ri­sche Pla­nung und Vor­be­rei­tung für die nächs­ten Wochen – am Frei­tag recht über­ra­schend mit einem neu­en, span­nen­den Pro­jekt auf. Wenn das alles so klappt, wie es momen­tan avi­siert ist, wird mich das den Rest des Jah­res gut auf Ach­se hal­ten …

Sonst gibt es in die­ser Woche wenig zu berich­ten. Am Don­ners­tag haben wir ver­sucht, eine Online-Pro­be mit 7 ver­teil­ten Teil­neh­mern zu rea­li­sie­ren. Das schei­ter­te dann letzt­end­lich (nach gut 70 Minu­ten gaben wir auf) dar­an, dass bei eini­gen die Ein­rich­tung ein­fach nicht klapp­te. Das ist auch eine fum­me­li­ge Sache. Aber, so weit kamen wir immer­hin, mit denen, die die­se Hür­de über­wan­den, war es tat­säch­lich mög­lich, so ein musi­ka­li­sches Zusam­men­spiel zu orga­ni­sie­ren. Das kommt zwar nicht ganz an eine Pro­be im sel­ben Raum her­an, aber gera­de für die ers­ten Pha­sen der Erar­bei­tung könn­te das eine gute Alter­na­ti­ve für uns wer­den.

Text: Nicht sehr viel. Aber nach­dem ich letz­te Woche eini­ges been­de­te, konn­te ich mich neu­en Aben­teu­ern wid­men. Jetzt ist end­lich (!) mal Diet­mar Daths Cor­du­la killt dich!, das ich dank der Neu­auf­la­ge im Ver­bre­cher-Ver­lag nun auch mein eigen nen­nen kann, an der Rei­he. Und es fängt schon ziem­lich typisch für Dath an, in per­ma­nen­ten Über­for­de­rung stürzt alles – die Welt, die Figu­ren, die Erzäh­lung – auf die Lese­rin ein. Das wird noch span­nend …

Ton: Ein­ojuha­ni Rau­ta­vaar­as Can­ti­cus arc­ti­cus – das habe ich wirk­lich schon lan­ge nicht mehr gehört, ist aber immer wie­der ein­fach schö­ne Musik. Und noch Luca Gugliel­mi sehr sprit­zi­ge, leben­dig-akku­ra­te Ein­spie­lung des ers­ten Ban­des des Wohl­tem­pe­rier­ten Cla­viers von Bach.

Drau­ßen: Der Streak hält und es läuft wei­ter­hin (also jeden Tag), aber immer noch in mäßi­gem Umfang und ohne gro­ße Moti­va­ti­on, das zu ändern. Aber immer­hin das.

Wochenblog 9/​2023

Der Win­ter ist also noch ein­mal zurück. Zumin­dest was die Tem­pe­ra­tu­ren angeht, wenigs­tens hat es nicht wie­der geschneit – sonst ist das Fahr­rad­fah­ren in der Stadt doch immer kein Spaß. Das schö­ne, son­ni­ge Wet­ter konn­te ich aller­dings vor allem durch das Büro­fens­ter beob­ach­ten ;-) Und pünkt­lich zum Wochen­en­de wur­de es natür­lich wie­der grau, bedeckt und recht düs­ter. Das ewi­ge Schick­sal der Lohn­ar­bei­ten­den …

Und sonst hat ein­fach der All­tag geherrscht, kei­ne beson­de­ren Vor­komm­nis­se. So eine ganz gewöhn­li­che Woche ist aber auch mal nicht schlecht.

Text: Lan­ge­wie­sches pri­ckeln­de, inter­es­san­te, anre­gen­de Geschich­te Deutsch­lands (Vom viel­staat­li­chen Reich zum föde­ra­ti­ven Bun­des­staat), d.h. vor allem der deut­schen Nati­on und des deut­schen Staa­tes, fer­tig gele­sen. Lan­ge­wie­sche bün­delt hier eini­ges, was sich in der his­to­ri­schen For­schung der letz­ten Jah­re eigent­lich schon ange­deu­tet hat, aber noch immer nicht in die gro­ßen Meis­ter­er­zäh­lun­gen gelangt ist. Die sehen die Ent­wick­lung Deutsch­lands als Nati­on immer noch recht teleo­lo­gisch, auf das Wil­hel­mi­ni­sche Reich zustre­bend, und zugleich ger­ne als „Son­der­fall“. Lan­ge­wie­sche dage­gen erzählt anders: Immer wie­der die Kon­tin­genz beto­nend, die Unge­wis­sen­heit oder Offen­heit der wei­te­ren Ent­wick­lung (gera­de im 19. Jahr­hun­dert), die beson­ders im Ver­hält­nis von Reich und Staaten/​Ländern, in den ver­schie­de­nen Aus­prä­gun­gen der föde­ra­len Orga­ni­sa­ti­on, sich deut­lich zeigt. In der Tat sehr anre­gend, gera­de im Anspruch, nicht alles erzäh­len zu wol­len, son­dern sich auf wich­ti­ge Momen­te, Kern-Ent­wick­lun­gen zu beschrän­ken – es sind ja auch nur wenig mehr als 100 Sei­ten.

Auch been­det: Phil­ip Sara­sins gro­ßes Buch „1977″ – wirk­lich eine fas­zi­nie­ren­de Arbeit, die Geschich­te der Gegen­wart in wesent­li­chen Momen­ten neu zu den­ken und zu schrei­ben.

Außer­dem: Sla­ta Roschals klei­nen Gedicht­band „Wir tau­schen Ansich­ten und Ängs­te wie wei­che war­me Tie­re aus“ von 2021 (im wun­der­ba­ren hoch­roth-Ver­lags-Kol­lek­tiv), der trotz schö­nen, tref­fen­den Ver­sen der Sehn­sucht und Suche im Gan­zen dann doch etwas im All­tag ste­cken­bleibt und in sei­ner tro­cke­nen Lako­nie dabei auch manch­mal fremd und abwei­send wir­ken kann. Ihr Roman „153 For­men des Nicht­seins“, der mit ganz ähn­li­chen Metho­den arbei­tet, war dann doch fas­zi­nie­ren­der für mich.

Eben­falls gele­sen: Peter Stamms klei­ner Roman „Das Archiv der Gefüh­le“. Das ist dann doch eher belang­lo­se Kul­tur­in­dus­trie­wa­re, die sich den Anstrich kunst­haf­ter Gestal­tung gibt, das aber in keins­ter Wei­se (weder for­mal noch sprach­lich oder inhalt­lich) ein­lö­sen kann.

Ton: The Bran­den­burg Pro­ject: Tho­mas Daus­gaard hat mit dem Swe­disch Cham­ber Orches­tra nicht nur ein­fach eine gute Ein­spie­lung der Bran­den­bur­gi­schen Kon­zer­te von Bach vor­ge­legt, son­dern das mit sechs Auf­trags­kom­po­si­tio­nen zeit­ge­nös­si­scher Komponist*innen ergänzt, die jeweils auf ein Kon­zert direkt Bezug neh­men – moti­visch, in der Beset­zung oder eher gene­rell. Vor allem bei Mark-Antho­ny Tur­na­ge und Olga Neu­wirth ist dabei ziem­lich coo­le Musik ent­stan­den. Vor allem ergibt das aber drei sehr span­nen­de und auch unter­halt­sa­me Stun­den.

Bild: Det­lev Bucks Ver­fil­mung von Tho­mas Manns „Bekennt­nis­se des Hoch­stap­lers Felix Krull“ – ein behä­bi­ger, kon­ven­tio­nel­ler, ja lang­wei­li­ger Kos­tüm­film, der gera­de die ele­gant-sprit­zi­gen, unter­schwel­lig sub­ti­len Sei­ten der Roman­vor­la­ge völ­lig igno­riert und des­halb am Eigent­lich erstaun­lich deut­lich vor­bei­se­gelt.

Drau­ßen: Der Streak hält und es läuft wei­ter­hin (also jeden Tag), aber immer noch in mäßi­gem Umfang.

Wochenblog 8/​2023

… und schon wie­der eine etwas ver­rück­te Woche. Weil die für Sonn­tag geplan­te Pro­be wegen Krank­heit aus­ge­fal­len war, muss­te ja ein Ersatz her – ein Kon­zert nach län­ge­rer Pau­se ganz ohne Pro­be geht dann doch nicht. Da ich aber in Regens­burg bin, die ande­ren (mehr oder weni­ger) im Oden­wald, kam nur eine Online-Pro­be in Fra­ge. Das ist zwar prin­zi­pi­ell mög­lich, aber tech­nisch dif­fi­zil. Und wir sind auch an der Tech­nik etwas geschei­tert, weil die Sän­ger (die sich gemein­sam tra­fen) mei­ne Kla­vier­spur über einen Laut­spre­cher ein­spiel­ten – und das dann über das Mikro­fon wie­der zurück zu mir kam, aller­dings etwas arg viel spä­ter … Wir haben dann tat­säch­lich eine Pro­be gemacht, bei der ich ein­fach spiel­te, ohne die Sän­ger zu hören. Eigent­lich aus­ge­spro­chen grau­sam.

Für den Auf­tritt ging es dann also am Frei­tag abend wie­der nach Erbach, das hat auch geklappt mit dem Zug, weil ich in Aschaf­fen­burg einen län­ge­ren Auf­ent­halt hat­te, denn kurz vor Nürn­berg muss­te der sowie­so schon leicht ver­spä­te­te ICE noch eine Zwangs­pau­se ein­le­gen, weil Per­so­nen auf den Glei­sen unter­wegs waren.

Am Sams­tag dann mor­gens nach recht wenig Schlaf schnell ein kur­zer Lauf und dann die Sachen packen. Kurz nach neun ging es dann schon los, erst ein­mal alle Sän­ger ein­sam­meln und alles Mate­ri­al ein­la­den, und dann ab auf die Auto­bahn in den Nor­den, in den Kreis Soest. Auf dem Weg hat­ten wir so ziem­lich jedes denk­ba­re Wet­ter zwi­schen Son­nen­schein bei blau­em Him­mel und Schnee­sturm, kamen aber gut an und konn­ten auf­bau­en.

Das Kon­zert hat dann doch recht gut geklappt, sicher nicht unse­re bes­te Leis­tung, aber auch nicht schlecht – das Publi­kum war unter­hal­ten, lach­te und klatsch­te ent­spre­chend.

Nach der Hotel­über­nach­tung ging es dnan am Sonn­tag­vor­mit­tag wie­der zurück. Und das war dann schon fast das gan­ze Wochen­en­de, denn am Nach­mit­tag saß ich wie­der im Zug nach Regens­burg, der auch wie­der nur eine hal­be Stun­de Ver­spä­tung ange­häuft hat­te.

Text: Sehr wenig habe ich gele­sen (außer Zei­tun­gen und dem Eco­no­mist), ein biss­chen in Die­ter Lan­ge­wie­sches Büch­lein zum Wer­den des deut­schen (National-)Staates, Vom viel­staat­li­chen Reich zum föde­ra­ti­ven Bun­des­staat.

Drau­ßen: Der Streak funk­tio­niert noch, aber wei­ter­hin bei kur­zen täg­li­chen Stre­cken. Einen gro­ßen Trai­nings­ef­fekt hat das nicht. Schön war aller­dings das Lau­fen in Stör­me­de, weil ganz anders: Alles schön flach, und die Stra­ßen schnur­ge­ra­de wie mit dem Line­al gezo­gen. Das ist als Abwechs­lung mal ganz nett, aber auch nicht beson­ders span­nend.

Wochenblog 7/​2023

Eine etwas selt­sa­me Woche war das.

Am Frei­tag bin ich schon wie­der heim­ge­fah­ren, weil am Wochen­en­de eine Gene­ral­pro­be für den Auf­tritt am nächs­ten Wochen­en­de geplant war. Die Zug­fahrt, die­ses Mal spä­ter in der Nacht (bin erst um 20.35 in Regens­burg weg) hat pro­blem­los funk­tio­niert. Dafür war es mit der Gene­ral­pro­be nichts: Ein Sän­ger kam gera­de aus Coro­no und hat­te am Sonn­tag mor­gen den ers­ten nega­ti­ven Test, ein ande­rer mel­de­te sich am Sams­tag krank. Also war das nichts. Dafür machen wir jetzt eine Online-Pro­be. Da bin ich ja noch sehr gespannt.

Ansons­ten war das Wochen­en­de im Oden­wald aber doch recht schön. Kurz ent­schlos­sen bin ich dann doch schon am Sonn­tag wie­der zurück­ge­fah­ren und nicht wie ursprüng­lich geplant am Mon­tag in der Frü­he, das macht den Wochen­be­ginn etwas ent­spann­ter.

Text: Eine inter­es­san­te Lek­tü­re hat­te ich: Wulf Sege­b­rechts Stu­die „Goe­thes Nacht­lied ‚Über allen Gip­feln ist Ruh‘ “. In der erwei­ter­ten Fas­sung von 2022 (ursprüng­lich war das schon ein­mal 1978 erschie­nen) geht es hier auf über 200 Sei­ten nur um das kur­ze Gedicht. Aber das ist schließ­lich das Gedicht über­haupt. Und genau dar­um geht es Sege­brecht: Um die Rezep­ti­on des Acht­zei­lers, vom ers­ten Druck (oder der ers­ten Nie­der­schrift, was schon alles erstaun­lich unklar ist) bis zu Par­odien und Inter­pre­ta­tio­nen (ernst gemein­ten und weni­ger erns­ten) in der Gegen­wart. Die Ver­to­nun­gen streift er dabei nur, und hat doch mehr als genug Mate­ri­al für inter­es­san­te Beob­ach­tun­gen und Schluss­fol­ge­run­gen.

Drau­ßen: Brav wei­ter gelau­fen, wei­ter­hin ohne beson­de­re Vor­komm­nis­se, aber immer­hin jetzt schon über 50 Tage in Fol­ge. Das kann man dann wohl wie­der mal einen Streak nen­nen.

Wochenblog 6/​2023

Eher wenig berich­tens­wer­tes in die­ser Woche. Arbeits­tech­nisch ist nicht viel span­nen­des pas­siert: Die letz­te Woche der Vor­le­sungs­zeit, das ist in den Semi­na­ren meist (so auch bei mir) recht ent­spannt. Dafür muss­te ich bei der Vor­le­sungs­klau­sur des Lehr­stuhls mit­hel­fen. Das ist vor allem lang­wei­lig – 650 Stu­die­ren­de beauf­sich­ti­gen, dass sie zumin­dest nicht all­zu offen­sicht­lich spi­cken. Und das erfor­dert natür­lich viel Orga­ni­sa­ti­on und Klein­kram.

Am Frei­tag dann stand die Heim­fahrt mit dem Zug an – und da der regio­na­le Lokal­stre­cken­be­trei­ber für das letz­te Stück noto­risch zu wenig Per­so­nal hat, fällt ein­fach die Fahrt aus, weil auf­grund von Erkran­kung nie­mand da ist, um den Zug auch zu steu­ern. Nun­ja. Des­halb bin ich dann mit einer spä­te­ren Ver­bin­dung gereist, die natür­lich nicht ganz so schön ist. Aber mmer­hin hat das dann geklappt.

Sams­tag mei­ner Mut­ter im Haus und Gar­ten eini­ges gehol­fen – Gar­ten­ar­beit kann ganz schön anstren­gend sein, wenn man es nicht gewöhnt ist ;-). Und am Sonn­tag habe ich dann mal wie­der einen Got­tes­dienst auf dem Dorf geor­gelt, bevor nach­mit­tags wie­der die Rück­fahrt anstand (die­ses Mal nur mit 25 Minu­ten Ver­spä­tung). Und, um das Wochen­en­de kom­plett zu machen, hat­te ich dann auf der Fahrt vom Bahn­hof nach Hau­se auch noch einen Plat­ten. Gro­ße Freu­de.

Text: Die­se Woche habe ich Chris­ti­an Mey­ers „Fle­cken“ gele­sen. Das ist nicht gnaz schlecht, aber inhalt­lich doch etwas arg über­la­den. Dafür ist es recht char­mant und auf­dring­lich erzählt. Aber die Kon­struk­ti­on bleibt halt über­frach­tet mit gro­ßen The­men, die ein­fach mal so hin­ge­stellt wer­den, meist ohne wirk­lich aus­ge­leuch­tet, aus­er­zählt zu wer­den – das resul­tiert dann oft in erzäh­le­ri­schen Behaup­tun­gen, aber nicht mehr.

Drau­ßen: Brav wei­ter gelau­fen, wei­ter­hin ohne beson­de­re Vor­komm­nis­se.

Wochenblog 5/​2023

Kaum hat das Jahr ange­fan­gen, ist auch schon der ers­te Monat rum. Die­se Woche hat­te vor allem ekli­ges Wet­ter im Gepäck. Vor allem der Don­ners­tag war schlimm wie sel­ten, bei solch ver­rück­tem Wet­ter bin ich ver­mut­lich noch nie mit dem Rad zur Arbeit gefah­ren: Mor­gens ist ein­fach Schnee­matsch vom Him­mel gefal­len, in rau­en Men­gen. Der sam­mel­te sich schön auf den Stra­ßen, schmolz dort wei­ter zu Was­ser und bil­de­te rie­si­ge Seen. Die konn­ten die Auto­fah­rer natür­lich nicht auf­hal­ten, die sind da mun­ter durch­ge­bret­ter ohne Rück­sicht auf Ver­lus­te bei (eher weni­gen) Rad­fah­ren­den und den zu Fuß Gehen­den. Dabei hat das Rad­fah­ren auch so schon wenig Spaß gemacht, von allen Sei­ten Dreck und Näs­se sind kei­ne Freu­de.
Und dann noch die schö­nen Win­ter­diens­te, die zu blöd sind, Rad­we­ge (auch die benut­zungs­pflich­ti­gen) ver­nünf­tig zu räu­men: Da ist dann plötz­lich mit­ten drin nicht geräumt, weil der Schnee­pflug auf den Bür­ge­steig gefah­ren ist. Und spä­tes­tens an jeder Kreu­zung lie­gen wie­der hohe Wäl­le quer auf dem Rad­weg, weil die Stra­ßen ja unbe­dingt sau­ber sein müs­sen.
Der Schnee­matsch hat­te dann noch eine Beson­der­heit: Er setzt sich in den Rit­zeln fest – am Ende mei­nes Arbeits­we­ges muss­te ich auf die drei größ­ten Gän­ge ver­zich­ten, da flupp­te die Ket­te gera­de so drü­ber weg. Und genau die Gän­ge brau­che ich eigent­lich ;-). Zum Glück wur­de es im Lau­fe des Tages ein wenig wär­mer, so dass der Heim­weg etwas unpro­ble­ma­ti­scher war.
Am Frei­tag dann hat­te sich das gan­ze wie­der etwas beru­higt, dafür bin ich am Abend fast vom Sturm beim Heim­fah­ren gehin­dert wor­den. Ver­rückt, das alles …
Dafür war das Wochen­en­de wet­ter­tech­nisch viel net­ter, sogar mit etwas Son­nen­schein – und viel Ent­span­nung.

Text: Die­se Woche habe ich nicht viel gele­sen, vor allem wei­ter in Phil­ipp Sara­sins „1977“. Das ist ein sehr klu­ges Buch, das viel zu mei­nem Ver­ständ­nis der Welt bei­tra­gen wird, schät­ze ich momen­tan.

Ton: Freie Musik vom Feins­ten: „Ten­der Music“ von Joël­le Léand­re und Eli­sa­beth Har­nik, schon 2018 bei Trost erschie­nen, aber erst jetzt bei mir erst­mals erklun­gen.
Und natür­lich berich­tens­wert: Die „Win­ter­rei­se“ mit Ben­ja­min Appl und James Bail­leou im Aure­li­um Lap­pers­dorf. Das war ein ech­tes sic-et-non-Erleb­nis: Auf der einen Sei­te die groß­ar­ti­ge, meis­ter­haf­te Beherr­schung des Details, die vie­len Klang­far­ben (auch wenn Appls e‑s und i‑s durch­weg arg dun­kel waren), die enor­me Dyna­mik: Wahn­sin­nig gut. Auf der ande­ren Sei­te: Jedes Lied wird hier aus­ein­an­der­ge­nom­men, die Tem­pi und die Ago­gik schwankt in einer ver­rück­ten Band­brei­te (das klappt auch nicht immer per­fekt im Zusam­men­spiel), die Win­ter­rei­se als Zyklus funk­tio­niert nicht mehr, das sind nur ein­zel­ne (in sich immer wie­der über­ra­gend fes­seln­de) Momen­te der exzes­si­ven Expres­si­vi­tät – noch deut­li­cher und oft über­trie­be­ner als auf der Auf­nah­me.

Drau­ßen: Brav wei­ter gelau­fen, ohne beson­de­re Vor­komm­nis­se.

Taglied 3.2.2023

Jür­gen Paa­pes „So weit wie noch nie“, habe ich durch Tho­mas Meine­ckes Play­list ken­nen­ge­lernt:

Jür­gen Paa­pe – So Weit Wie Noch Nie

Beim Kli­cken auf das und beim Abspie­len des von You­Tube ein­ge­bet­te­ten Vide­os wer­den (u. U. per­so­nen­be­zo­ge­ne) Daten wie die IP-Adres­se an You­Tube über­tra­gen.

Wochenblog 4/​2023

Eine gewöhn­li­che Woche im Janu­ar. Wie­der etwas viel gear­bei­tet und tortzdem mit dem Gefühl raus­ge­gan­gen, nicht viel geschafft zu haben. Aber das ist wohl ein­fach eine prin­zi­pi­el­le Täu­schung ;-). Es bleibt kalt, aber zum Glück für den Fahr­rad­pend­ler nur sehr wenig Schnee hier. Damit kann ich gut leben. Neben­bei war die­se Woche auch noch ein wenig Web­sei­ten­bas­teln ange­sagt – hier, bei Come­di­an Six­pack und noch ein paar ande­re Inter­net­auf­trit­te muss­ten ein wenig gewar­tet und ange­passt wer­den.

Text: Ich arbei­te mich lang­sam (sehr lang­sam) durch mei­nen Sta­pel unge­le­se­ner Bücher und habe mir des­halb ein Ein­kaufs­mo­ra­to­ri­um auf­er­legt. Die­se Woche aus­ge­le­sen habe ich Sla­ta Roschals klei­nen Gedicht­band „Wir ver­zich­ten auf das gelob­te Land“, 2019 bei Rei­ne­cke & Voß in Leip­zig erschie­nen. Der hat eini­ge inter­es­san­te Lese­er­fah­run­gen zu bie­ten, aber auch ein biss­chen Leer­lauf. Für mei­nen Geschmack ist die Spra­che der Gedich­te oft etwas zu all­täg­lich, zu wenig kunst-voll: Ich bevor­zu­ge ja doch im all­ge­mei­nen Lyrik, die sich nicht nur for­mal, son­dern auch sprach­lich vom all­täg­li­chen, „nor­ma­len“ Sprach­ge­brauch deut­lich abhebt.

Außer­dem: Karen Ruoffs „Aca­de­mia“. Das ver­sucht in der Tra­di­ti­on (und öfters in recht enger Anleh­nung an) David Lodges eine Sati­re des (ame­ri­ka­ni­schen) Uni­ver­si­täts­be­triebs der Gegen­wart, vor allem sei­ner Finan­zie­rung. Das ist aber höl­zern in Form und Spra­che, bleibt weit­ge­hend vor­her­seh­bar und lässt all die Ele­ganz und das Spie­le­ri­sche von Lodge lei­der völ­lig ver­mis­sen.
Und wei­ter­ge­le­sen in Phil­ipp Sara­sins gro­ßer Geschich­te des Jah­res „1977“ (oder der Gegen­wart, je nach­dem). Das ist wirk­lich sehr anre­gend: Wahn­sinn, was da alles an Mate­ri­al, Ideen und Beob­ach­tun­gen drin steckt. Und klas­se, wie gut es geschrie­ben ist, wie gut es sich, trotz sei­ner fach­li­chen Brei­te und Tie­fe (bei­des zusam­men ist ja nicht sehr häu­fig), lesen lässt, auch in klei­ne­ren Por­tio­nen.

Ton: Zur Auf­fri­schung habe ich mehr­mals die „Win­ter­rei­se“ gehört. Das ist sozu­sa­gen Vor­be­rei­tung für das nächs­te Wochen­en­de, wenn ich Sie mal wie­der live hören kann. Und in den letz­ten Jah­ren habe ich sie eher sel­ten gehört, also war es mal wie­der Zeit.

Drau­ßen: In die­ser Woche bin ich halb­wegs flei­ßig gelau­fen. Denn die Läu­fe gestal­te­te ich in die­ser Woche als Cre­scen­do: Jeden Tag mehr als am Vor­tag. Das wer­de ich in der nächs­ten Woche defi­ni­tif nicht wie­der­ho­len kön­nen. Jetzt ging es, weil ich auf sehr nied­ri­gem Niveau anfing. Und erstaun­li­cher­wei­se blieb das Tem­po der Läu­fe die gan­ze Woche über recht ordent­lich. Eigent­lich war­te­te ich jeden Tag dar­auf, dass mei­ne Bei­ne sagen: Mal lang­sam. Aber selbst die 14 Kilo­me­ter mit eini­gen Höhen­me­tern am Sonn­tag lie­fen doch gut. Viel­leicht kommt die Erschöp­fung ja auch erst noch.

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