Ins Netz gegangen (9.3.)

drahtnetz (detail)Lucky2013

Ins Netz gegan­gen am 9.3.:

  • Die unge­woll­te Pati­en­tin | taz → die taz zeigt in einer ein­drück­li­chen repor­ta­ge, wie schwie­rig abtrei­bun­gen auch im angeb­li­ch so libe­ra­len deutsch­land in man­chen gegen­den sind und wie sich die lage für die frau­en eher ver­schlech­tert
  • Mis­ha Men­gel­berg (1935 – 2017) | The Free Jazz Collec­tive → nach­ruf auf den gro­ßen mis­ha men­gel­berg. den deut­schen qua­li­täts­pu­bli­kums­me­di­en scheint der tod des pia­nis­ten kei­ne nachricht/nachruf wert zu sein
  • Hier irr­te der Ver­le­ger – und kor­ri­gier­te sein Urteil | Log­buch Suhr­kamp → lek­tor rai­mund fel­lin­ger über sig­fried unselds urteil der „ästhe­tik des wider­stands“ von peter weiss und die arbeit mit ihm dar­an – mit zwei fak­si­mi­lies aus unselds jour­nal von 1975 und 1978
  • Hou­se of Jazz: Der Leucht­turm und sein Wär­ter| Tages­spie­gel → guter über­bli­ck über die dis­kus­si­on um till brön­ners ber­li­ner „hou­se of jazz“, der bei­den sei­ten – der eher kusche­lig-wohl­fühl-tra­di­tio­na­lis­ti­schen von brön­ner und der eher fort­schritt­li­ch-avant­gar­dis­ti­sch ori­en­tie­ren der ber­li­ner sze­ne – raum und ver­ständ­nis gibt
  • Ver­netz­tes Radeln, oder Smart ist doof | … ach, nichts. → bringt mei­nen stand­punkt zum ziem­li­ch zwang­haf­ten „ver­net­zen“ des fahr­rads ziem­li­ch gut auf den punkt: das wesent­li­ch – die (unbe­schwer­te) ein­fach­heit – geht dadurch ver­lo­ren, der gewinn ist (bis­lang zumin­dest) eher mar­gi­nal …
  • Revo­lu­ti­on in Sicht | Zeit → die „zeit“ berich­tet von einem vor­sich­ti­gen umden­ken in tei­len der kon­ven­tio­nel­len land­wirt­schaft, der dlg, was frucht­fol­ge, che­mie­ein­satz und nach­hal­tig­keit sowie arten­schutz angeht. 

Ins Netz gegangen (2.3.)

fischernetz (detail)brigwa

Ins Netz gegan­gen am 2.3.:

  • Let’s not demo­ni­ze driving—just stop sub­si­di­zing it | City Obser­va­to­ry → ein ande­rer weg, die leu­te vom auto weg­zu­be­kom­men: ihnen ein­fach die wirk­li­chen kos­ten des moto­ri­sier­ten ver­kehrs in rech­nung stel­len (ich weiß nicht, ob das wirk­li­ch so viel bes­ser funk­tio­niert – es scheint mir eher neue unge­rech­tig­kei­ten zu pro­du­zie­ren …)

    But the pro­blem is not that cars (or the peop­le who dri­ve them) are evil, but that we use them too much, and in dan­ge­rous ways. And that’s becau­se we’ve put in pla­ce incen­ti­ves and infra­struc­tu­re that encou­ra­ge, or even requi­re, us to do so. When we sub­si­di­ze roads, socia­li­ze the costs of pol­lu­ti­on, cras­hes and par­king, and even legal­ly requi­re that our com­mu­nities be built in ways that make it impos­si­ble to live without a car, we send peop­le strong signals to buy and own cars and to drive—a lot. As a result, we dri­ve too much, and fre­quent­ly at unsafe speeds given the urban envi­ron­ment.
    […] Dri­ving is a choice, and pro­vi­ded that dri­vers pay all the costs asso­cia­ted with making that choice, there’s litt­le rea­son to object to that. 

  • Ele­ment of Cri­me: „Del­men­hor­st“ | Pop-Antho­lo­gie → Uwe Ebbing­haus nimmt das Lied bzw. sei­nen Song­text unter die Lupe

    Poe­sie darf bei Ele­ment of Cri­me, das scheint ein eher­nes Gesetz der Band zu sein, nicht dau­er­haft durch poe­ti­sche For­mu­lie­run­gen erzeugt wer­den. Manch­mal bricht sich in den Tex­ten sogar eine regel­rech­te Poe­sie­feind­schaft Bahn […]. Aus Angst vor der Pseu­d­o­ly­rik ver­zich­tet Rege­ner fast kom­plett auf lyri­sche Mar­ker

  • Lin­gu­is­tik: Ein neu­es Bild der Spra­che | Spek­trum → Paul Ibbot­son und Micha­el Toma­sel­lo mit einem inter­es­san­ten (auch für lai­en ver­ständ­li­chen) text über aktu­el­le ent­wick­lun­gen in der lin­gu­i­si­tik (auch wenn sie mei­nes erach­tens den stel­len­wert der chomsky’schen uni­ver­sal­gram­ma­tik über­zeich­nen – die ablö­sung läuft schon recht lan­ge …)

    Die Uni­ver­sal­gram­ma­tik scheint end­gül­tig in der Sack­gas­se zu ste­cken. An ihrer Stel­le ver­spricht die gebrauchs­ba­sier­te Lin­gu­is­tik einen aus­sichts­rei­chen Zugang zu den 6000 Spra­chen, die auf der Welt genutzt wer­den.

  • Wir ver­ste­hen sozia­le Medi­en immer noch nicht wirk­li­ch“ | future­zo­ne → kur­zes inter­view mit Iyad Rah­wan über sozia­le medi­en, geschwin­dig­kei­ten von nach­rich­ten­ver­brei­tung und infor­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung und die anpas­sungs­fä­hig­keit von men­schen, gesell­schaf­ten (und ein biss­chen von tech­no­lo­gi­en)

Ins Netz gegangen (1.3.)

fischnetzjackmac34

Ins Netz gegan­gen am 1.3.:

  • Grü­ne Wel­le für Rad­fah­rer | Zeit → And­rea Reidl berich­tet von sehr deut­schen Ver­su­chen, grü­ne Wel­len für Rad­fah­re­rin­nen zu eta­blie­ren: Mit viel Tech­nik, die ger­ne auch noch den Rad­lern auf­ge­bür­det wird (wie eine not­wen­di­ge App von Sie­mens, die natür­li­ch alle Bewe­gun­gen erfasst …)
  • Roter Mar­mor | Floh­bu­de → die floh­bu­de war auf einer ver­an­stal­tung der säch­si­schen afd-frak­ti­on – ein durch­aus fas­zi­nie­ren­der und erhel­len­der (lan­ger) bericht, aber auch bedrü­ckend
  • Zum Tod des His­to­ri­kers Peter Blick­le: Wie geht Demo­kra­tie? | NZZ → urs haf­ner erin­nert an den kürz­li­ch ver­stor­be­nen his­to­ri­ker peter blick­le:

    Jetzt, im Ange­sicht der auto­ri­tä­ren Inter­na­tio­na­le, käme Blick­les Zeit wie­der, jetzt gewin­nen sei­ne Ana­ly­sen neue Aktua­li­tät: Wie macht man Poli­tik, wie schafft man Demo­kra­tie? Für die Zeit von 1300 bis 1800 hat Blick­le dies ein­dring­li­ch auf­ge­zeigt und neue Per­spek­ti­ven eröff­net. Viel­leicht hat er mit sei­nem For­schen, das um die sich in ihren Gemein­den orga­ni­sie­ren­den Bau­ern und ein­fa­chen Bür­ger kreis­te, Deutsch­land eine demo­kra­ti­sche Tra­di­ti­on geben wol­len, eine Alter­na­ti­ve zur unheil­vol­len Tra­ver­se vom Bau­ern­feind Luther zum Dik­ta­tor Hit­ler.

    auch wolf­gang schma­le wür­digt blick­les leis­tun­gen in sei­nem blog.

  • I Was a Mus­lim in the Trump Whi­te House—and I Las­ted Eight Days | The Atlan­tic → eine ame­ri­ka­ne­rin, die im/für den natio­nal secu­ri­ty coun­cil arbei­te­te, berich­tet über die ände­run­gen der letz­ten wochen … 
  • Umwelt­his­to­ri­ker über Win­ter­ur­laub: „Natur stört gene­rell“ | taz → gutes inter­view mit einem wis­sen­schaft­ler, der vor mar­ki­gen wor­t­en nicht zurück­schreckt und am winter-/skitourismus der alpen mit all sei­nen aus­wüch­sen wenig posi­ti­ves ent­de­cken kann …

    Win­ter­sport­ge­bie­te waren immer Fabri­ken für tou­ris­ti­sche Zufrie­den­heit. Und die tou­ris­ti­schen Wer­be­bil­der wecken Erwar­tun­gen an die Kul­tur­land­schaft.

Twitterlieblinge Februar 2017

vogelschwarm am himmelfxxu

Ins Netz gegangen (27.2.)

netzgebilde (unsplash.com)Clint Adair

Ins Netz gegangen am 27.2.:

  • Empfehlung: Internationale Reisen nur noch ohne Smartphone | mobilegeeks → casten dobschat empfiehlt, beim grenzübertritt kein smartphone dabeizuhaben - es könnte kopiert werden. oder alternativ nur ein zurückgesetztes telefon mitnehmen ...
  • Wie die Alkoholindustrie uns dazu bringt, immer weiter zu trinken | Correctiv → zdf & correctiv über die "alkoholpolitik" in deutschland, die wirtschaftliche interessen der unternehmer über volkswirtschaftliche und gesundheitliche stellt
  • One Woman's Brilliant "Fuck You" to Wikipedia Trolls | Backchannel → A young Wikipedia editor withstood a decade of online abuse. Now she’s fighting back — on Wikipedia itself:

    But on that Friday night, Temple-Wood had an idea. For every harassing email, death threat, or request for nude photos that she received, she resolved to create a Wikipedia biography on a notable woman scientist who was previously unknown to the free online encyclopedia. She thought of it as a giant “fuck you” to the anonymous idiots seeking to silence her.


  • Erinnerungskultur: "Wenn Schüler provozieren ..." | Zeit
    → die historiker jeannette und dirk van laak im interview über geschichte, geschichtsbilder, kritische geschichtswissenschaft und öffentlichkeit

    Hinter die Standards der kritischen Geschichtswissenschaft kann niemand zurück. Sie hat heute international eine bemerkenswerte Blüte erreicht, die deutschen Historiker arbeiten auf höchstem Niveau, was die Vielfalt ihrer Themen und Methoden angeht. Aber ihre gesellschaftliche Autorität ist momentan relativ schwach. Historiker müssen daher lernen, auf andere Weise zu überzeugen, etwa durch die Qualität ihrer Selbstreflexion, die Leidenschaft für das Fach und überzeugende Argumente gegen die Ewigkeitsbehauptungen mancher Populisten. Die Neue Rechte legitimiert sich andauernd mit Bezügen auf die Geschichte, ist in ihrem Geschichtsbild aber leicht angreifbar. Wir sollten uns wieder mehr auf öffentliche Debatten über Geschichte einlassen, vielleicht sogar auf Marktplätzen.

  • Die Leiden des Literaturkritikers: Ach, niemand hört auf mich | NZZ → rainer moritz schreibt schön und leicht melancholisch über die wirkungslosigkeit (jetzt und posthum) der literaturkritik ...

Fasching

[...]

Ein einziges Mal im Jahre nur, wenige kurze Wochen hindurch, kommen die Menschen da, wo sich noch etwas vorlutherischer Geist erhalten hat, zur Besinnung und Freude. Es ist, als ob im Karneval die Einsicht über sie käme, dass all ihr alltägliches Gehaben grauenvoll alberner Mummenschanz ist, und als ob das verschüttete Gefühl der selbstständigen Wesenheit jedes Einzelnen einmal wenigstens sich emporwühlen müsse, um tief Atem zu holen und dann wieder, am Aschermittwoch, zurückzusinken in den Alpdruckschlaf der unwahrscheinlichen Wirklichkeit.
Dieselben Leute, die sonst nicht weit genug abrücken können von denen, die in Kleidung, Haartracht oder Benehmen von den üblichen Konventionen abweichen, oder sich gar zu einer Weltanschauung bekennen, die von den demokratischen Vorschriften im Kern unterschieden ist diese selben Leute kleiden sich plötzlich in bunte Lappen, putzen sich so originell zurecht, wie es ihnen nur möglich ist, und bewegen sich ungezwungen, lebendig, herzlich unter den gleichfalls verkleideten Nebenmenschen. Sie empfinden mit einem Male, dass sie, je singulärer ihre Erscheinung in der Menge wirkt, den übrigen Larven umso enger verbunden sind, und sie finden die ihnen im gewöhnlichen Leben ganz fremde Freiheit, übermütig zu sein, die Zwangsformen der Geschäftlichkeit beiseitezuschieben und öffentlich vor aller Augen menschliche Regungen einzugestehen.
Die Behörden selbst müssen die überall aufgepflanzten Verbotspfähle zurückstecken, um der Ausgelassenheit freiere Bahn zu schaffen, und wo sie es nicht tun, wo verknöcherter Beamteneifer mit Polizeistunden und Sittlichkeitsverordnungen auch noch im Getriebe der Faschingsfröhlichkeit herumfuhrwerkt, da hört man von den bravsten Bürgern kräftige Verwünschungen und erfrischende Bekenntnisse zu anarchischen Lebensformen. Sie vergessen, dass sie das ganze Jahr vor dem Fasching die Beaufsichtigung durch den Schutzmann selbst gewünscht haben, dass sie sie das ganze Jahr nach dem Fasching wieder wünschen werden und dass sie willig Steuern gezahlt haben für die Besoldung der Nüchternheit, die, verkörpert in Paragrafendrechslern, die vielleicht selbst ganz gern mit den andern trinken, tanzen und küssen möchten, auch in dem kurzen Zeitraum der pflichtentbundenen Freude mechanisch weiterfunktioniert.
Es ist verzweifelt schade, dass von dem Geiste des Karnevals, der recht eigentlich der Geist der Rebellion ist, so gar keine Spur über den Faschingsdienstag hinaus gerettet werden kann. Nachher wird die Rechnerei und Schacherei und all das verrückte Getue wieder losgehen.

[...] Erich Mühsam, Fasching (1933) [zitiert nach: Erich Mühsam: Das seid ihr Hunde wert! Ein Lesebuch. Herausgegeben von Markus Liske und Manja Präkels. Berlin: Verbrecher 2014, S. 153f.]

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