Wer möch­te denn Goe­the sein? So gna­den­reich es ist, ihn gewe­sen zu wis­sen, so pei­ni­gend wäre es, er noch ein­mal sein zu müs­sen. Erken­nen heißt doch gera­de, besit­zen zu dür­fen, ohne es sein zu müs­sen. Hans Blu­men­berg: Lebens­the­men. Aus dem Nach­laß, 151

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Taglied 22.4.2017

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Ins Netz gegangen (22.4.)

Ins Netz gegan­gen am 22.4.:

  • Das Netzwerkdurchsetzungs­gesetz: Im Zwei­fel gegen die Mei­nungs­frei­heit? | Ver­fas­sungs­blog → lukas ger­har­din­ger hat im ver­fas­sungs­blog gro­ße zwei­fel am „netz­werk­durch­set­zungs­ge­setz“ (das allein wegen dem völ­lig bescheu­er­ten, fal­schen namen unsinn ist …):

    Es zeigt sich, dass das Vor­ha­ben der Bun­des­re­gie­rung ein erheb­li­ches Gefah­ren­po­ten­ti­al für das Recht der frei­en Rede birgt. Ins­be­son­de­re das vor­ge­ge­be­ne Lösch­ver­fah­ren, wel­ches rasche, nicht aber recht­mä­ßi­ge Ent­schei­dun­gen bezweckt, lässt eine Viel­zahl an feh­ler­haf­ten Ent­schei­dun­gen befürch­ten. Die dro­hen­den Geld­bu­ßen set­zen zudem einen gefähr­li­chen Anreiz. Denn neben den offen­kun­di­gen Fäl­len wird es unzäh­li­ge Zwei­fels­fäl­le geben. Und im Zwei­fel wird sich wohl kei­ne wirt­schaft­li­ch den­ken­de Platt­form für die Mei­nungs­frei­heit stark machen und dabei ein spür­ba­res Buß­geld ris­kie­ren. Es ist daher zu befürch­ten, dass die sozia­len Netz­wer­ke in gro­ßer Zahl Inhal­te löschen wer­den, die zwar unlieb­s­am sein mögen, aber gera­de des­we­gen von der Mei­nungs­frei­heit gedeckt sind. Das geplan­te Netz­werk­durch­set­zungs­ge­setz ver­kehrt damit die Frei­heits­ver­mu­tung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts in das Gegen­teil. In den sozia­len Netz­wer­ken droht nun­mehr der Grund­satz zu gel­ten: Im Zwei­fel gegen die Mei­nungs­frei­heit.

  • Kleist-Hand­schrif­ten­ge­ne­ra­tor| kleist-digi­tal → sehr cool: ein kleist-hand­schrif­ten-gene­ra­tor, mit kleist-hand­schrif­ten zum down­load als font-datei­en!
  • Wel­chen Platz sieht so jemand für Frau­en in der Gesell­schaft?“ | Zeit → über wer­bung, sexis­mus, öffent­licht­keits­gei­le spin­ner und jour­na­lis­ten …
  • Opening of UN files on Holo­caust will ‚rewri­te chap­ters of his­to­ry‘ | Guar­di­an → Archi­ve used in pro­se­cu­ti­on of Nazis reveals detai­led evi­den­ce of death camps and geno­ci­de pre­vious­ly unse­en by public

Ins Netz gegangen (13.4.)

netzgebilde (unsplash.com)Clint Adair

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  • Märchenstunde am Main | NZZ → jürgen tietz spart nicht mit deutlichen Worten über den Unsinn einer (scheinbaren) Rekonstruktion einer historischen Altstadt

    Dort, wo nach den Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs nur noch rauchende Trümmer lagen, manifestiert sich heute ein gebauter Aufschrei nach verlorener Heimeligkeit und einstiger städtischer Bedeutung. Dafür musste das zu Beginn der siebziger Jahre gebaute Technische Rathaus verschwinden, nach nur 35 Jahren. So kurzatmig ist die hessische Geschichte. Was aber ist der Sinn dieser gebauten Frankfurter Märchenwelt? Leistet sie einen Beitrag, um die drängenden Fragen der Zukunft der Städte zu lösen? Wohl kaum, denn auf dem historisierenden neuen Herzstück Frankfurts entsteht gerade einmal die bescheidene Zahl von sechzig Wohnungen – mit einer Fläche von insgesamt 7000 Quadratmetern. Sonst gibt sich das Quartier als architektonisch verdichtete Seelenmassage, ein Gegenmodell zu den Hochhäusern der globalisierten Stadt.
    ...
    Der grosse Irrtum einer derart fiktionalen Stadtarchitektur ist es, dass sie wie eine gebaute Zeitmaschine wirkt. Doch sie ist nur ein Abziehbild einer deutschen Seelenlandschaft, in der die Verwundungen der Kriegs- und Nachkriegszeit bis in die nach-nachfolgende Generation andauern. So entsteht eine weinerliche Mischung aus Verlust und Verdrängung, aus romantischer Sehnsucht und einer Unfähigkeit zu trauern.

  • Werben mit Google: Ist die taz Schmuddelkram? | taz-hausblog → die taz nut googles adsense und berichtet hier von schwierigkeiten bei der "richtlinien"-einhaltung und kommunikation mit dem unternehmen
  • Wollen alle Autoren sein? Alles schreibt, keiner liest | NZZ → jochen hörisch über das sich verändernde verständnis von schreiben und lesen, den zusammenhang von sein und schreiben, welt und text

    Alles schreibt, aber kaum einer liest mehr so gründlich, konzentriert und hingebungsvoll wie der Leser in Rilkes gleichnamigem Gedicht oder der Buch-Enthusiast in Michael Endes «Unendlicher Geschichte». ... Es ist offenbar, dass Gott nicht im Sinne logischer Evidenz offenbar ist, dass auch er ein schwächelnder Autor ist, der die Kluft, die die Welt von den Worten trennt, nicht ein für alle Mal überwinden kann. ... Das Wort wird Fleisch, Bits werden Atome, die Idee der Transsubstantiation ist heute mehr als ein faszinierendes religiöses Phantasma, nämlich ein Schreibprogramm für ambitionierte Ingenieure. Wer diese Wandlung von Lese- in Schreibprogramme im Blick hat, wird sowohl das Comeback militanter Religiosität als auch die Inflation der Schreiblust heute mit anderen Augen sehen. ... Man vergisst gerne, dass die verpflichtende Alphabetisierung ein kultureller Sonderweg einer seltsamen Weltecke in einer exzentrischen Epoche ist bzw. war. Heute können, wenn sie denn Zugriff auf Zauberwerke der Ingenieurs- und Informatikerkunst haben, alle lesen und schreiben – paradoxerweise eben auch diejenigen, die nicht lesen und schreiben können. Gemeinsam ist ihnen der Wunsch, nicht nur ein Wort mitzureden, sondern Autoren zu werden, die von der Pflicht dispensiert sind, lesen zu müssen.

  • NS-Filme: Vorbehaltsvorbehalte| Freitag → dirk alt und friedemann beyer über die zunehmend unnötige, aus der zeit gefallene "vorbehalts"-lösung, die ns-propagandafilme (bzw. manche davon) unter halbverschluss hält

    Vor diesem Hintergrund mutet die hiesige Kontroverse um eine offizielle Zugänglichmachung der Vorbehaltsfilme kurios an, zumal sie nicht nur die längst unwiderrufliche Verfügbarkeit der Filme ignoriert, sondern darüber hinaus von Dämonisierung und reflexartiger Betroffenheit geprägt ist.

  • Index, A celebration of the | TLS → ein lob der indices und ihres klugheit/ihres wissens, anlässlich des sechzigjährigen bestehens der "Society of Indexers"
  • a href="http://blogs.faz.net/pop-anthologie/2017/03/18/alte-mythen-in-honig-351/">Genesis: „The Musical Box“ | Pop-Anthologie → hervorragende würdigung des großartigen "the musical box" (auf "nursery cryme") von genesis in der pop-anthologie der faz:

    Dass die Karrieren von Collins und Rutherford in Hits wie „Dance Into the Light“ oder „All I Need is a Miracle“ gipfelten, die von einer erschütternden Belanglosigkeit sind, ist das traurige Ende dieser Entwicklung. „The Musical Box“ aber darf nicht im Kuriositätenkabinett der Musikgeschichte abgelegt werden. Es gehört zum Kanon der besten britischen Popmusik.

Ins Netz gegangen (11.4.)

Berliner Fernsehtum hinterm NetzFlo Karr

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Ins Netz gegangen (30.3.)

geknüpftes netz (knoten)FrankenCH

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A-Cappella für jeden Tag: Quartonal

qurartonal, gruppenbild

quartonal, everytime (cover)Für jeden Geschmack etwas bie­ten zu wol­len, kann als Kon­zept einer CD leicht schief gehen. Quar­to­nal zeigt mit „Ever­y­ti­me a cap­pel­la“, dem zwei­ten Album des jun­gen Vokal­quar­tetts, dass es auch gelin­gen kann. Denn tat­säch­li­ch dürf­te „Ever­y­ti­me“ jedem gefal­len. Zumin­dest bemüht es sich sehr dar­um: Ever­greens, Tra­di­tio­nals und eini­ge Pophits bil­den das Mate­ri­al, aus dem die durch­weg erfah­re­nen Vokal­ar­ran­geu­re den vier Män­nern das musi­ka­li­sche Aller­lei berei­tet haben. Und zwar immer so, dass nie­mand ver­stört auf­hor­chen muss. Denn Neu­es oder Unge­wohn­tes bekommt man hier nicht zu hören. Das ist sozu­sa­gen „klas­si­sches“ a-cap­pel­la, aber kei­ne Musik, die die Gat­tung oder das vier­stim­mi­ge Män­ner­sin­gen wirk­li­ch vor­an­bringt oder gar neue Klang­räu­me kar­to­gra­phiert. Der gemein­sa­me Nen­ner aller 18 Songs ist vor allem, dass Quar­to­nal sie ger­ne singt. Viel ist das nicht, aber auch nicht die schlech­tes­te Vor­aus­set­zung. Dass man (fast) alle Melo­dien und Tex­te, ob sie nun deut­scher, mexi­ka­ni­scher, bri­ti­scher, fran­zö­si­scher oder platt­deut­scher Her­kunft sind, aus dem Steg­reif mit­sin­gen kann, passt dazu. So steht platt­deut­sches neben einem fein durch­ge­ar­bei­te­ten Arran­ge­ment des Shan­tys „What shall we do with a drun­ken sailor“, eine etwas blas­se Ver­si­on von Georg Micha­els „Faith“ erklingt ganz und gar ohne Sex­ap­peal neben dem tod­ern­st-melan­cho­li­schen „Über den Wol­ken“ von Rein­hard Mey und einer ent­spannt swin­gen­den, wun­der­bar gelas­se­nen Bear­bei­tung von „Küs­sen kann man nicht allei­ne“ aus der Feder von Annet­te Hum­pe und Max Raabe.

Egal, was Quar­to­nal sich vor­nimmt: Sie sin­gen wirk­li­ch alles mit einer beein­dru­cken­den tech­ni­schen und voka­len Sicher­heit, into­na­to­ri­sch lupen­rein und in jedem noch so klei­nen Detail per­fekt auf­ein­an­der abge­stimmt. Das Quar­tett klingt auf die­ser Auf­nah­me der­ma­ßen sau­ber und rein, dass man es pro­blem­los in ein Rein­raum­la­bor mit­neh­men könn­te. Der jugend­li­ch schlan­ke und agi­le Ensem­ble­klang hat hör­bar Eben­maß als höchs­tes Ziel. Und sie errei­chen das mit fein­sin­ni­ger Akku­ra­tes­se.

Lei­der stellt sich aber immer wie­der der Ein­druck ein: Quar­to­nal bleibt damit unter sei­nen Mög­lich­kei­ten. Viel­leicht ist es der etwas leb­lo­se Stu­dio­klang, viel­leicht auch ihre noble Zurück­hal­tung: Bei aller voka­ler Raf­fi­nes­se bleibt „Ever­y­ti­me“ meis­tens etwas kühl. Eigent­li­ch fehlt allen Songs etwas Emo­tio­na­li­tät und wenigs­tens momen­ta­ne expres­si­ve Begeis­te­rung. Zu oft klingt das wie ein Klang­la­bor: Sau­ber bis in die Poren, ja gera­de­zu akus­ti­sch rein – aber auch ten­den­zi­ell ste­ril und ohne Über­ra­schun­gen. Dabei ist alles, von den Arran­ge­ments über Phra­sie­rung, Dyna­mik und Into­na­ti­on bis hin zur Ton­ge­bung, geschmack­voll und gekonnt aus­ge­ar­bei­tet. Doch nur sel­ten blit­zen auf „Ever­y­ti­me“ die groß­ar­ti­gen Momen­te auf, in denen man wirk­li­ch ganz und gar, mit Herz und Hirn, hin­ge­ris­sen ist von die­ser Musik.

Quar­to­nal: Ever­y­ti­me a cap­pel­la. Sony 2017. Spiel­zeit: 57:32

(Zuer­st in einer etwas kür­ze­ren Ver­si­on erschie­nen in „Chor­zeit – Das Vokal­ma­ga­zin“, #36 , März 2017)

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