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Gedichte

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Man wird davon nicht klü­ger. Aber Gedich­te sind Weg­mar­kie­run­gen, die hel­fen aus dem Gestrüpp.

—Syl­vie Schenk, Roman d’a­mour, 9

Wochenblog 5/​2023

Kaum hat das Jahr ange­fan­gen, ist auch schon der ers­te Monat rum. Die­se Woche hat­te vor allem ekli­ges Wet­ter im Gepäck. Vor allem der Don­ners­tag war schlimm wie sel­ten, bei solch ver­rück­tem Wet­ter bin ich ver­mut­lich noch nie mit dem Rad zur Arbeit gefah­ren: Mor­gens ist ein­fach Schnee­matsch vom Him­mel gefal­len, in rau­en Men­gen. Der sam­mel­te sich schön auf den Stra­ßen, schmolz dort wei­ter zu Was­ser und bil­de­te rie­si­ge Seen. Die konn­ten die Auto­fah­rer natür­lich nicht auf­hal­ten, die sind da mun­ter durch­ge­bret­ter ohne Rück­sicht auf Ver­lus­te bei (eher weni­gen) Rad­fah­ren­den und den zu Fuß Gehen­den. Dabei hat das Rad­fah­ren auch so schon wenig Spaß gemacht, von allen Sei­ten Dreck und Näs­se sind kei­ne Freu­de.
Und dann noch die schö­nen Win­ter­diens­te, die zu blöd sind, Rad­we­ge (auch die benut­zungs­pflich­ti­gen) ver­nünf­tig zu räu­men: Da ist dann plötz­lich mit­ten drin nicht geräumt, weil der Schnee­pflug auf den Bür­ge­steig gefah­ren ist. Und spä­tes­tens an jeder Kreu­zung lie­gen wie­der hohe Wäl­le quer auf dem Rad­weg, weil die Stra­ßen ja unbe­dingt sau­ber sein müs­sen.
Der Schnee­matsch hat­te dann noch eine Beson­der­heit: Er setzt sich in den Rit­zeln fest – am Ende mei­nes Arbeits­we­ges muss­te ich auf die drei größ­ten Gän­ge ver­zich­ten, da flupp­te die Ket­te gera­de so drü­ber weg. Und genau die Gän­ge brau­che ich eigent­lich ;-). Zum Glück wur­de es im Lau­fe des Tages ein wenig wär­mer, so dass der Heim­weg etwas unpro­ble­ma­ti­scher war.
Am Frei­tag dann hat­te sich das gan­ze wie­der etwas beru­higt, dafür bin ich am Abend fast vom Sturm beim Heim­fah­ren gehin­dert wor­den. Ver­rückt, das alles …
Dafür war das Wochen­en­de wet­ter­tech­nisch viel net­ter, sogar mit etwas Son­nen­schein – und viel Entspannung.

Text: Die­se Woche habe ich nicht viel gele­sen, vor allem wei­ter in Phil­ipp Sara­sins „1977“. Das ist ein sehr klu­ges Buch, das viel zu mei­nem Ver­ständ­nis der Welt bei­tra­gen wird, schät­ze ich momentan.

Ton: Freie Musik vom Feins­ten: „Ten­der Music“ von Joël­le Léand­re und Eli­sa­beth Har­nik, schon 2018 bei Trost erschie­nen, aber erst jetzt bei mir erst­mals erklun­gen.
Und natür­lich berich­tens­wert: Die „Win­ter­rei­se“ mit Ben­ja­min Appl und James Bail­leou im Aure­li­um Lap­pers­dorf. Das war ein ech­tes sic-​et-​non-​Erlebnis: Auf der einen Sei­te die groß­ar­ti­ge, meis­ter­haf­te Beherr­schung des Details, die vie­len Klang­far­ben (auch wenn Appls e‑s und i‑s durch­weg arg dun­kel waren), die enor­me Dyna­mik: Wahn­sin­nig gut. Auf der ande­ren Sei­te: Jedes Lied wird hier aus­ein­an­der­ge­nom­men, die Tem­pi und die Ago­gik schwankt in einer ver­rück­ten Band­brei­te (das klappt auch nicht immer per­fekt im Zusam­men­spiel), die Win­ter­rei­se als Zyklus funk­tio­niert nicht mehr, das sind nur ein­zel­ne (in sich immer wie­der über­ra­gend fes­seln­de) Momen­te der exzes­si­ven Expres­si­vi­tät – noch deut­li­cher und oft über­trie­be­ner als auf der Aufnahme.

Drau­ßen: Brav wei­ter gelau­fen, ohne beson­de­re Vorkommnisse.

Taglied 3.2.2023

Jür­gen Paa­pes „So weit wie noch nie“, habe ich durch Tho­mas Meine­ckes Play­list kennengelernt:

Jür­gen Paa­pe – So Weit Wie Noch Nie

Beim Kli­cken auf das und beim Abspie­len des von You­Tube ein­ge­bet­te­ten Vide­os wer­den (u. U. per­so­nen­be­zo­ge­ne) Daten wie die IP-​Adresse an You­Tube übertragen.

Wochenblog 4/​2023

Eine gewöhn­li­che Woche im Janu­ar. Wie­der etwas viel gear­bei­tet und tortzdem mit dem Gefühl raus­ge­gan­gen, nicht viel geschafft zu haben. Aber das ist wohl ein­fach eine prin­zi­pi­el­le Täu­schung ;-). Es bleibt kalt, aber zum Glück für den Fahr­rad­pend­ler nur sehr wenig Schnee hier. Damit kann ich gut leben. Neben­bei war die­se Woche auch noch ein wenig Web­sei­ten­bas­teln ange­sagt – hier, bei Come­di­an Six­pack und noch ein paar ande­re Inter­net­auf­trit­te muss­ten ein wenig gewar­tet und ange­passt werden.

Text: Ich arbei­te mich lang­sam (sehr lang­sam) durch mei­nen Sta­pel unge­le­se­ner Bücher und habe mir des­halb ein Ein­kaufs­mo­ra­to­ri­um auf­er­legt. Die­se Woche aus­ge­le­sen habe ich Sla­ta Roschals klei­nen Gedicht­band „Wir ver­zich­ten auf das gelob­te Land“, 2019 bei Rei­ne­cke & Voß in Leip­zig erschie­nen. Der hat eini­ge inter­es­san­te Lese­er­fah­run­gen zu bie­ten, aber auch ein biss­chen Leer­lauf. Für mei­nen Geschmack ist die Spra­che der Gedich­te oft etwas zu all­täg­lich, zu wenig kunst-​voll: Ich bevor­zu­ge ja doch im all­ge­mei­nen Lyrik, die sich nicht nur for­mal, son­dern auch sprach­lich vom all­täg­li­chen, „nor­ma­len“ Sprach­ge­brauch deut­lich abhebt.

Außer­dem: Karen Ruoffs „Aca­de­mia“. Das ver­sucht in der Tra­di­ti­on (und öfters in recht enger Anleh­nung an) David Lodges eine Sati­re des (ame­ri­ka­ni­schen) Uni­ver­si­täts­be­triebs der Gegen­wart, vor allem sei­ner Finan­zie­rung. Das ist aber höl­zern in Form und Spra­che, bleibt weit­ge­hend vor­her­seh­bar und lässt all die Ele­ganz und das Spie­le­ri­sche von Lodge lei­der völ­lig ver­mis­sen.
Und wei­ter­ge­le­sen in Phil­ipp Sara­sins gro­ßer Geschich­te des Jah­res „1977“ (oder der Gegen­wart, je nach­dem). Das ist wirk­lich sehr anre­gend: Wahn­sinn, was da alles an Mate­ri­al, Ideen und Beob­ach­tun­gen drin steckt. Und klas­se, wie gut es geschrie­ben ist, wie gut es sich, trotz sei­ner fach­li­chen Brei­te und Tie­fe (bei­des zusam­men ist ja nicht sehr häu­fig), lesen lässt, auch in klei­ne­ren Portionen.

Ton: Zur Auf­fri­schung habe ich mehr­mals die „Win­ter­rei­se“ gehört. Das ist sozu­sa­gen Vor­be­rei­tung für das nächs­te Wochen­en­de, wenn ich Sie mal wie­der live hören kann. Und in den letz­ten Jah­ren habe ich sie eher sel­ten gehört, also war es mal wie­der Zeit.

Drau­ßen: In die­ser Woche bin ich halb­wegs flei­ßig gelau­fen. Denn die Läu­fe gestal­te­te ich in die­ser Woche als Cre­scen­do: Jeden Tag mehr als am Vor­tag. Das wer­de ich in der nächs­ten Woche defi­ni­tif nicht wie­der­ho­len kön­nen. Jetzt ging es, weil ich auf sehr nied­ri­gem Niveau anfing. Und erstaun­li­cher­wei­se blieb das Tem­po der Läu­fe die gan­ze Woche über recht ordent­lich. Eigent­lich war­te­te ich jeden Tag dar­auf, dass mei­ne Bei­ne sagen: Mal lang­sam. Aber selbst die 14 Kilo­me­ter mit eini­gen Höhen­me­tern am Sonn­tag lie­fen doch gut. Viel­leicht kommt die Erschöp­fung ja auch erst noch.

Wochenblog 3/​2023

Wenig zu berich­ten von die­ser Woche. Wie­der mal etwas viel gear­bei­tet, unge­fähr 50 Stun­den und damit nur leicht über dem Durch­schnitt ;-). Dabei hat­te ich wie­der oft das Gefühl, nicht vor­an­zu­kom­men, nichts wirk­lich zu erle­di­gen. Immer­hin war auch eini­ges schö­nes dabei – ein Semi­nar, das so inten­si­ve dis­ku­tiert, dass ich mit mei­nem Pro­gramm nicht durch­kam; ein Pla­nungs­mee­ting, in dem es mal wirk­lich voranging. 

Lebens­mit­tel­prei­se sind gera­de sehr, sehr selt­sam. Bei Aldi zum Bei­spiel ist das Toast­brot der Eigen­mar­ke in die­sem Jahr von 99 Cent auf 1,59 Euro gestie­gen, um dann zwei Wochen spä­ter bei 1,29 Euro zu lan­den. Sau­er­kraut ist im Bio­markt in Bioland-​Qualität güns­ti­ger als beim Dis­coun­ter. Irgend­wie kom­me ich mir bei sol­cher Preis­ge­stal­tung zuneh­mend abge­zockt und nicht ernst genom­men vor. Nun ja, mal sehen, wie sich das alles wei­ter entwickelt.

Und am trü­ben Wochen­en­de habe ich mal wie­der ein wenig an mei­nen Blogs rum­ge­bas­telt, die Kom­pa­bi­li­tät mit php8 end­lich geklärt, ein wenig am Design und den Ein­stel­lun­gen rumgeschraubt.

Ton: Eine wun­der­ba­re Händel-​Aufnahme habe ich gehört: „Han­del Goes Wild“ von L’Ar­peg­gia­ta und Chris­ti­na Plu­har. Das sind Impro­vi­sa­tio­nen über Händel-​Werke und impro­vi­sie­ren­de Inter­pre­ta­tio­nen von Händel-​Arien, die damit eine durch­aus barock­ty­pi­sche Anver­wand­lung auf­grei­fen und das mit viel Spaß, Sub­ti­li­tät und Ideen so tun, dass das Hören mir ech­te Freu­de berei­te­te.
Und auch sehr gut und schön, wenn auch nicht ganz so über­zeu­gend wie bei Chris­toph Pré­gar­dien: Franz Schu­berts „Schwa­nen­ge­sang“ in der neu­en Auf­nah­me von André Schuen und Dani­el Heide.

Text: Das „Blut­buch“ von Kim de l’Ho­ri­zon fer­tig gele­sen. Es kommt mir inge­samt doch ein wenig prä­ten­ti­ös vor. Die ver­han­del­ten The­men sind eigent­lich recht schnell klar, sie wer­den aber über­deckt von der wuchern­den, unge­form­ten Form des Tex­tes, der so ziem­lich (bei­na­he) alle denk­ba­ren Regis­ter zieht, um sei­ne Avant­gar­di­tät vor­zu­füh­ren (ein biss­chen Holzhammer-​Methode). Ich muss­te da öfters an Baß­lers The­se des Mid­cults (Inter­na­tio­nal Style) den­ken. So wie ich das ver­stan­den habe (ohne sei­ne eigent­li­che Arbeit zu lesen frei­lich), beob­ach­tet er eine Vari­an­te der Lite­ra­tur, die durch schwe­re The­men und aus­ge­stell­te for­ma­le Abweichung(en) eine Pseudo-​Modernität, einen Pseudo-​Kunstcharakter her­stellt, aber eigent­lich mit tra­di­tio­nel­len Mit­teln erzählt. Gut, das letz­te passt auf das „Blut­buch“ viel­leicht nicht so voll­stän­dig, aber mein Haupt­ein­wand nach mei­ner viel­leicht etwas unge­nau­en Lek­tü­re ist, dass die Form des Tex­tes, sei­ne Struk­tur und sei­ne Spra­che, nur sehr dünn ästhe­tisch begrün­det sind und vor allem mar­kie­ren sol­len, wie avan­ciert der Text ist. Viel­leicht ist das avan­cier­tes­te hier aber doch bloß die Posi­ti­on der Erzäh­ler­fi­gur, des fik­ti­ven Autors (die natür­lich mehr oder weni­ger auto­fik­tio­nal durch die lebens­welt­li­che Autor­fi­gur Kim de l’Ho­ri­zon abge­si­chert und ver­stärkt wirkd). 

Drau­ßen: Wei­ter­hin täg­lich gelau­fen, aber lang­sam und dafür immer nur kur­ze Run­den. Kei­ne gute Ent­wick­lung gera­de, aber die Moti­va­ti­on war auch nicht sehr hoch.

Wochenblog 2/​2023

Eine wenig ereig­ns­rei­che Woche im Gan­zen. Im Büro eini­ges, was noch im letz­ten Jahr lie­gen geblie­ben war, auf- und abge­ar­bei­tet. Unter ande­rem end­lich die letz­ten Port­fo­li­os des ver­gan­ge­nen Som­mer­se­mes­ters korrigiert. 

Ansons­ten war recht wenig los, es wirk­te noch etwas ruhi­ger und ver­hal­te­ner in der ers­ten Arbeits­wo­che des neu­en Jah­res. Bei mir ging auch sonst viel ein­fach wei­ter, wo es im Dezem­ber aufhörte …

Am Don­ners­tag auf dem Heim­weg durf­te ich mich an mei­ner Lieb­lings­bau­stel­le wie­der kräf­tig ärgern: Die hat zwei Ein-​/​Ausfahrten, vor bei­den waren Fuß- und Rad­we­ge im Schlamm und Schot­ter kaum zu benut­zen. Und bei der zwei­ten habe ich mit dem Vor­de­rad einen Stein so blöd erwischt (es war ja schon fast ganz dun­kel), dass ich einen Sofort­plat­ten hat­te. Und das heißt dann, erst ein­mal heim­schie­ben. Zum Glück war es nicht mehr über­mä­ßig weit, das ist schon immer sehr ner­vig … Die Bau­stel­le ist immer schon sehr gut, die Wege und Stra­ßen gut ein­zu­schmut­zen. Das Ord­nungs­amt hat­te ich schon mal in Kennt­nis gesetzt, aber die sind erst nach dem nächs­ten Regen dort vor­bei und konn­ten dann nichts mehr sehen. Tja. 

Am Frei­tag habe ich dann mein Schnee­rad genutzt, weil ich abends kei­ne Lust mehr auf Fahr­rad­bas­teln hat­te. Das habe ich dann am Wochen­en­de erle­digt. Und gleich noch ein biss­chen Ord­nung in mei­nen Papier­kram gebracht. Bald steht ja auch wie­der die Steu­er­erklä­rung an, muss ja alles vor­be­rei­tet sein.

Und mein Strom wird im März teu­rer. Rein zufäl­lig natür­lich erhöht sich der Arbeits­preis gera­de über die Strom­preis­brem­se, nach­dem ich mich kürz­lich noch gefreut hat­te, dass der Anbie­ter so fair schien und bis­her nur eine (sehr mode­ra­te) Erhö­hung vor­ge­nom­men hat. Mal sehen, ob ich dann nicht doch wie­der wech­seln muss.

Außer­dem noch einen neu­en Tee ver­kos­tet. Einen schwar­zen Tee aus Mosam­bik – Afri­ka war bis­her in mei­ner Tee­land­kar­te nur mit Tan­sa­nia ver­tre­ten, aber der Mon­te Meti­li­le könn­te sich auch einen dau­er­haf­ten Platz sichern. 

Text: Lau­ren Binet’s Erobe­rung fer­tig gele­sen und ein wenig ent­täusch davon. Eigent­lich eine viel­ver­spre­chen­de Idee: Ein kon­tra­fak­ti­scher Roman, in dem die Wikin­ger nach Süd­ame­ri­ka kom­men und Kolum­bus dage­gen in Ame­ri­ka ver­sackt und nie zurück­kommt, die Inkas dage­gen Spa­ni­en (und dann wei­te Tei­le des Hei­li­gen Römi­schen Rei­ches) erobern, auch die Mexi­ka­ner lan­den schließ­lich noch in Frank­reich. Aber das ist ein­fach nicht über­zeu­gend erzählt: Binet scheint mehr in die Kon­struk­ti­on als in die Umset­zung inves­tiert zu haben. 

Drau­ßen: Jeden Tag gelau­fen, oft im feuch­ten oder gar im Regen, und meist nur recht kur­ze Runden.

Wochenblog 1/​2023

Nach einem guten, ent­spann­ten Start ins neue Jahr und einem sehr mäßig besuch­ten Neu­jahrs­got­tes­dienst auf dem Dorf habe ich nach­mit­tags auf der Fahrt nach Regens­burg gleich mal wie­der 68 Minu­ten Ver­spä­tung ein­ge­sam­melt: Die zwei­te Regio­nal­bahn der VIAS ist ein­fach kurz­fris­tig auus­ge­fal­len, wegen Per­so­nal­man­gel – da ist offen­bar wie­der ein­mal (nicht zum ers­ten Mal) ein Zug­füh­rer erkrankt und Reser­ve­per­so­nal gibt es ein­fach nicht mehr … Nun ja, ich bin dann eben den total unsin­ni­gen Umweg über Frank­furt (also erst ein­mal unge­fähr eine Stun­de in die fal­sche Him­mel­rich­tung) gefah­ren und dort in einen über­ra­schend ange­nehm lee­ren ICE gewech­selt, der mich zumin­dest nach Nürn­berg brach­te. Der Rest war dann immer­hin plan­mä­ßig unterwegs.

Die ers­ten Tage im neu­en Jahr waren dann sehr ent­spannt: Da die Uni­ver­si­tät uns wie­der bis ein­schließ­lich 6. Janu­ar Zwangs­ur­laub ver­ord­net hat, habe ich eben das gemacht, aller­dings zu Hau­se. Mit eini­gen schö­nen Läu­fen (sogar wei­ter­hin täg­lich), etwas hin- und her­räu­men und vor allem wenig Stress. Am Renn­rad ver­zwei­fe­le ich aller­dings gera­de an der Schal­tung, die bekom­me ich auf dem Trai­ner ein­fach nicht in den Griff …

Frei­tags bin ich dann wie­der abends in die Hei­mat gefah­ren, weil ich für Sonn­tag eine Got­tes­dienst­ver­tre­tung in mei­ner Hei­mat­ge­mein­de über­nom­men habe. Lei­der hat die Gemein­de die Got­tes­diens­te momen­tan ins Gemein­de­haus ver­legt, so dass ich statt der schö­nen Orgel (auf der ich einst anfing und die der Haupt­grund war, die Ver­tre­tung zu über­neh­men) auf dem Kla­vier spie­len durfte/​musste. Trotz­dem wur­de es dann ein ganz schö­ner Gottesdienst.

Und nach­mi­tags dann wie­der die Rück­fahrt nach Regens­burg, die­ses Mal tat­säch­lich ohne berich­tens­wer­te Vor­komm­nis­se. Es geht eben doch.

Bild: Noah Baum­bachs White Noi­se nach Don DeL­il­los mir unbe­kann­ter Roman­vor­la­ge ist wie­der ein sehr coo­ler Film (bei Baum­bach ja auch so zu erwar­ten), in dem natür­lich auch Gre­ta Ger­wig wie­der groß­ar­tig mitspielt.

Ton: Noch ein wenig Weih­nachts­mu­sik nach­ge­holt, dabei unter ande­rem Phil­ipp Wolf­rums Weih­nachts­mys­te­ri­um, ein durch­aus inter­es­san­tes, aber eher ver­ges­se­nes Werk, ech­tes, tief emp­fun­de­nes und oft genau­so arti­fi­zi­el­les 19. Jahr­hun­derts in gro­ßer, weit­ge­hend eigen­stän­di­ger Ges­te: Spannend.

Text: Kim de l’Ho­ri­zons Blut­buch ange­fan­gen – noch nicht ganz sicher, was ich davon hal­ten soll. Ich fürch­te, das könn­te dar­auf hin­aus­lau­fen, dass das ein Text ist, der vor allem klug und avan­ciert wir­ken will, ohne es dann aber unbe­dingt wirk­lich zu sein: Alles etwas über­de­ter­mi­niert mit Signi­fi­kan­ten, mit allen nur mög­li­chen und erdenk­li­chen for­ma­len Spie­le­rei­en und Varia­tio­nen, ohne aber eine eige­ne Form (oder Spra­che – obwohl es da zumin­dest etwas bes­ser aus­sieht) zu fin­den.
Auch ange­fan­gen: Lau­ren Binet’s Erobe­rung, ein kon­tra­fak­ti­scher Roman, in dem die Wikin­ger nach Süd­ame­ri­ka kom­men und Kolum­bus dage­gen in Ame­ri­ka ver­sackt und nie zurück kommt. Lässt sich etwas tro­cken und kon­stru­iert an bis jetzt.
Und wie­der­ge­le­sen: Sieg­fried Bern­felds Sisy­phos oder die Gren­zen der Erzie­hung von 1925. Immer wie­der eine anre­gen­de Lek­tü­re. Bern­feld hat damals schon viel sehr rich­tig gese­hen. Und so eini­ges davon gilt auch heu­te, bei­na­he 100 Jah­re spä­ter, noch.

Drau­ßen: Jeden Tag gelau­fen, aber öfters nur kurz, des­halb auch nur 50 km.

Zitat

Ein Zitat
ist kei­ne Abschrift.
Ein Zitat
ist eine Zika­de.
Es läßt sich nicht
zum Schwei­gen brin­gen.
Hat es sich erst
eing­stimmt,
hört es nicht mehr auf.

—Ossip Man­del­s­tam, Gepräch über Dan­ke (TItel)

Worte

O ihr abge­holz­ten Bür­ger, ver­nehmt mei­ne Worte.

— Archil­a­chos (52 D./109 W.)

Herbst

Der dunk­le Herbst kehrt ein voll Frucht und Fül­le,
Ver­gilb­ter Glanz von schö­nen Som­mer­ta­gen.
Ein rei­nes Blau tritt aus ver­fal­le­ner Hül­le;
Der Flug der Vögel tönt von alten Sagen.
Gekel­tert ist der Wein, die mil­de Stil­le
Erfüllt von lei­ser Ant­wort dunk­ler Fragen

[…]—Georg Tra­kl, Der Herbst des Einsamen

Herbstbild

Dies ist ein Herbst­tag, wie ich kei­nen sah!
Die Luft ist still, als atme­te man kaum,
Und den­noch fal­len raschelnd, fern und nah,
Die schöns­ten Früch­te ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Fei­er der Natur!
Dies ist die Lese, die sie sel­ber hält,
Denn heu­te löst sich von den Zwei­gen nur,
Was vor dem mil­den Strahl der Son­ne fällt. 

Fried­rich Hebbel

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