»Nächstens mehr.«

Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

wie extrem ist der rheinsteig?

das ist mal wie­der so eine fra­ge, die einen beim lau­fen durch­aus ein paar kilo­me­ter beschäf­ti­gen kann. vor allem, wenn man gera­de beim rhein­steig-extrem­lauf unter­wegs ist. also, wie extrem ist er nun? mei­ne per­sön­li­che ein­schät­zung: nicht so sehr. gut, es gibt ordent­lich viel hügel mit kna­cki­gen anstie­gen und eini­ge schma­le wege. aber so ist das halt im wald ;-) trotz­dem ist der rhex, wie das gan­ze abge­kürzt und tipp­freund­li­cher heißt, ein wun­der­ba­rer lauf. er führt auf dem weg von bonn-ramers­dorf zur insel gra­fen­werth in bad hon­nef über den rhein­steig. und das heißt nicht, dass der rhein sehr nahe wäre – es ist eher ein aus­flug durch das sie­ben­ge­bir­ge als ein lauf im rhein­tal. 34 kilo­me­ter ist die stre­cke lang und soll laut ver­an­stal­ter 1200 höhen­me­ter auf­wei­sen (bei mir waren es eini­ge hun­dert meter weni­ger, dafür gut 1300 höhen­me­ter …). und da man auf dem t‑mobile cam­pus unge­fähr auf rhein­hö­he star­tet, muss man die 1,2 km nicht nur hoch, son­dern auch wie­der run­ter. das ist, ich mer­ke es jedes mal bei sol­chen aktio­nen, für schwer­ge­wich­ti­ge läu­fer wie mich ziem­lich anstrengend.

auf dem t‑mobile cam­pus geht es also los. hin­ge­kom­men bin ich mit der stra­ßen­bahn vom ziel aus. dafür muss man zwar früh auf­ste­hen – mein wecker klin­gel­te 6:25 – hat dafür aber nach dem lauf weni­ger gedöns. in ramers­dorf noch eini­ge minu­ten fuß­weg – immer der meu­te hin­ter­her, die stra­ßen­bahn war sonn­tag mor­gens fest in unse­rer läu­fer­hand und ganz gut gefüllt. die start­num­mer war schnell abge­holt, das geld für das bahn-ticket wur­de auch gleich erstat­tet. dann habe ich noch einen kaf­fee getrun­ken, um rich­tig wach zu wer­den – geschla­fen habe ich nicht sehr viel in die­ser nacht, war­um auch immer. und noch ein wenig mit „bie­ne“ aus dem streak­run­ner-forum geplau­dert – und zack, war es auch schon acht. super­pünkt­lich ging es los, durch das start­tor und ab in rich­tung hügel. mit der zeit­nah­me machen sich die orga­ni­sa­to­ren nicht viel auf­wand – im ziel wird ein­fach in aller ruhe die zeit ab 8:00 notiert. und das geht auch, weil das läu­fer­feld mit ziem­lich gro­ßen abstän­den ein­tru­delt – die an- & abstie­ge selek­tie­ren ganz ordent­lich. nach ein paar hun­dert metern gab es gleich den ers­ten stau, als es im wald auf eine trep­pe ging. in dem moment zwar ein biss­chen ner­vig, ins­ge­samt aber viel­leicht doch ganz gut, dass ich da nicht zu ener­gisch hoch­stür­men konn­te … ja, und dann ging es halt ab durch den wald. das feld zog sich mehr und mehr aus­ein­an­der. ab ca. kilo­me­ter 20 wur­de es wirk­lich locker, da bin ich stel­len­wei­se ganz allein gewe­sen – so allein, dass ich mich manch­mal schon frag­te, ob ich eine fal­sche abzwei­gung erwischt habe.

die ers­ten anstie­ge zum faveaux-häus­chen und zum dorn­he­cken-see waren noch ganz gut zu lau­fen. bewusst wur­de mir aber schon ziem­lich bald, dass mich die abwärts-pas­sa­gen fast mehr for­dern als das berg­auf-lau­fen. nach eini­gem leich­tem auf und ab und einem kur­zen stück ober­halb der wein­berg von dol­len­dorf mit blick über das tal (aber ohne bril­le klappt das mit dem genie­ßen der aus­sicht nur mit­tel­mä­ßig) kamen dann die „rich­ti­gen“ anstie­gen. zunächst auf den peters­berg, vor­bei am por­tal des hotel stei­gen­ber­gers (und gleich wie­der run­ter natür­lich, was will man schon da oben …), dann auf den eher unspek­ta­ku­lä­ren geis­berg – und, genau, wie­der run­ter – damit der auf­stieg auf den dra­chen­fels nicht zu ein­fach wird. da gab es die schöns­te ver­pfle­gungs­stel­le mit wun­der­ba­rer aus­sicht übers rhein­tal. das konn­te mich aber nicht lan­ge auf­hal­ten, jetzt ging es so rich­tig gemein steil hin­un­ter: mit trep­pen und steil-rut­schi­gem weg. da wei­ter unten war es dann auch, dass sich der vor­de­re teil der grup­pe, mit der ich da gera­de lief, irgend­wo ver­tan hat. jeden­falls ver­lo­ren wir kurz­fris­tig den eigent­li­chen weg, fan­den dann aber ganz natür­lich wie­der zurück. der anstieg zur löwen­burg war dann noch ein­mal ziem­lich viel arbeit. das zog sich ganz schön, über wei­te stre­cken gar nicht so steil, nach dem bis­he­ri­gen lauf aber doch inzwi­schen recht anstren­gend. und da war ich auch weit­ge­hend allein, das heißt ohne hil­fe beim tem­po-machen. es hat aber offen­bar ganz gut geklappt, denn ich konn­te noch ein paar läu­fer ein­sam­meln. auch im letz­ten abschnitt, noch ein­mal mit eher klei­nen, kur­zen anstie­gen zum him­me­rich kam ich gut vor­an. und dann hieß es auf ein­mal: rechts ab – vor­sicht steil und rut­schig. das war nicht unter­trie­ben – da ging es bei kilo­me­ter 29 ordent­lich zur sache. und obwohl ich ja mit mei­nen wett­kampf­schu­hen (sau­c­o­ny fast switch) eigent­lich nicht opti­mal beschuht war, kam ich wun­der­bar her­un­ter. über­haupt war ich sehr posi­tiv über­rascht, wie gut die schu­he sich geschla­gen haben. das ein­zi­ge „pro­blem“ war eigent­lich die dün­ne soh­le, durch die man stei­ne und schot­ter recht stark spür­te. aber grip hat­ten sie auch in den weni­gen, aus­ge­such­ten mat­schi­gen stel­len erstaun­lich viel. auch auf der letz­ten berg­ab­pas­sa­ge nach bad hon­nef. das hat­ten wir näm­lich jetzt schon erreicht. und ich konn­te noch ordent­lich gas geben – die letz­ten kilo­me­ter lie­fen alle unter 4:30 durch. kurz vor dem ziel, auf der bahn­über­füh­rung, habe ich noch mei­nen letz­ten läu­fer ein­ge­sam­melt und bin dann als 26. und drit­ter mei­ner alters­klas­se nach 3:04:13 durch’s ziel gekom­men. und dort konn­te ich genüß­lich die reich­hal­ti­ge ver­pfle­gung genie­ßen. und nach dem duschen sogar noch mei­nen preis für den drit­ten ak-platz, ein glas honig aus dem sie­ben­ge­bir­ge, in emp­fang nehmen.

Im Ziel

„Es fängt immerwieder an, …

… die-Akten & die-Vor­gän­ge; von Papier bis du zu Papier wirst du: die einzig=wirkliche Auf­er­ste­hung heißt Bürokratie“—Reinhard Jirgl, Die Stil­le, 193

„Doch mit steigender …

… Mobi­li­tät steigt auch die-Dumm­heit, weil Mobi­li­tät den Raum des Wis­sens expan­diert, was zugleich die Zahl der Berüh­rungs­flä­chen mit dem Unwis­sen poten­zie­ren heißt.“—Reinhard Jirgl, Die Stil­le, 145

„Jede Unvollständigkeit …

… läßt auch die Voll­stän­dig­keit zurück – für die Gedanken.—Reinhard Jirgl, Die Stil­le, 136

„Das Wohnen inmitten von Büchern …

… gleicht dem all­nächt­li­chen Schlaf zar auf stets der­sel­ben Lager­stätt, – doch ent­fernt man sich träu­mend in bizar­re, noch unge­se­he­ne Räu­me; Wüs­ten zu bös­ar­ti­gen u wun­der­vol­len Gefil­den tun sich auf – am Sel­ben­ort das immer Ander­e­le­ben, dar­in die Men­schen weit­aus weni­ger auto­ma­ten­haft erschei­nen, als in der Wachen-Welt Aldi-lebenden=Toten. Daher die tie­fe Sehn-Sucht nach Büchern, eine Sucht die alles Bloß=Bildfertige bei wei­tem über­dau­ert. Aller­dings fällt die Ent­täu­schung ange­sichts schlech­ter Bücher dan­na uch grö­ßer aus, als etwa bei schlech­ten FIl­men. Der-Film ist 1 Pro­dukt der Auto­ma­ten­welt, & jegt­li­cher Auto­mat, ob Maschi­ne od Mensch, zer­stört irgend­wann sich selbst od wird von Sei­nes­glei­chen zer­bro­chen. Des­halb sind schlech­te Bücher schlim­mer als schlech­te Bil­der u noch schlim­mer als heim­tü­cki­scher Mord. -“—Rein­hard Jirgl, Die Stil­le, 125

wieder auf den rhein

sie sol­len ihn nicht haben
den frei­en deut­schen Rhein
ob sie wie gie­ri­ge Raben
sich hei­ser danach schrein

So lang er ruhig wallend
sein grü­nes Kleid noch trägt
so lang ein Ruder schallend
In sei­ne Woge schlägt

Sie sol­len ihn nicht haben,
den frei­en deut­schen Rhein,
so lang sich Her­zen laben
an sei­nem Feuerwein

so lang in sei­nem Strome
noch fest die Fel­sen stehn,
so lang sich hohe Dome
in sei­nem Spie­gel sehn

Sie sol­len ihn nicht haben
Den frei­en deut­schen Rhein

so schrieb niko­las becker 1840. dar­an muss­te ich den­ken, als ich heu­te nach lan­ger abs­ti­nenz mal wie­der mein boot zu was­ser ließ (es war ziem­lich ein­ge­staubt im boots­haus inzwi­schen …). schön war’s wie­der, gemüt­lich auf dem gro­ßen strom unter­wegs zu sein. auch wenn die blö­den was­ser-motor­rä­der oder wie auch immer sie hei­ßen einen hei­den­lärm ver­st­an­stal­tet haben. mei­ne klei­ne tour führ­te mich nur bis gins­heim und wie­der zurück – knapp zwei stun­den rei­chen für den wie­der­ein­stieg. zumal das wet­ter es span­nend mach­te: beim start war es zwar etwas bewölkt, aber noch sehr freund­lich. der leich­te wind frisch­te dann auf und brach­te regen- und gewit­ter­wol­ken mit sich. schön war das, dem wet­ter­wech­sel zuzu­schau­en: wie der him­mel und die luft die typi­sche vorregen/​gewitterfärbung zwi­schen gelb, grau und stahl­blau annahm. wie dann der rhein­gau im regen ver­schwand. und wie die regen­wand immer näher kam, anfing mainz zu ver­schlu­cken. ich dach­te zunächst noch, ich käme unge­scho­ren davon. aber kurz ober­halb der eisen­bahn­brü­cke süd zog die regen­wol­ke dann auch über mich hin­weg – so schlimm war es aber gar nicht. und kurz vorm anlan­den hör­te es auch schon wie­der auf … jetzt müs­sen sich aus­nahms­wei­se heu­te mal die arme erholen …

schule 2.0

eine nett gemach­te prä­sen­ta­ti­on zur for­de­rung der ent­schu­lung der schu­le (auch wenn sie es so nicht nennt):

m mal sechs. oder: marathondouble im mai.

Lauter M’s

Ich weiß ja gar nicht, wo ich jetzt begin­nen soll. Das Wochen­en­de war ziem­lich ereig­nis- & erlebnisreich.
Also, fan­gen wir vor­ne an: Irgend­wann im Herbst, nach­dem ich mich schon für die Jubi­lä­ums­aus­ga­be des Guten­berg-Mara­thons ange­mel­det hat­te, stol­per­te ich dar­über, dass der Mann­heim-Mara­thon die­ses Jahr am Abend vor­her statt­fin­den soll­te. Und das ließ mich nicht mehr los – immer mehr kris­tal­li­sier­te sich die Idee her­aus, bei­de auf ein­mal zu lau­fen. Irgend­wann war ich dann soweit und habe mich auch für Mann­heim ange­mel­det. Jetzt hieß es also flei­ßig trai­nie­ren. Dazu habe ich dem Vic­sys­tem ein­fach mal vor­ge­schwin­delt, ich wür­de am Sonn­tag einen 84,5 km lan­gen Wett­kampf bestrei­ten wol­len. Ent­spre­chend ent­wi­ckel­te sich das Trai­ning: Die lan­gen Läu­fe wur­den län­ger – ich bin bis ca. 43,5 km (dann aber mit 1100 Höhen­me­tern) gelau­fen -, die Inter­val­le auch. das Wett­kampf­spe­zi­fi­sche Tem­po sank in den Kel­ler, bis es sich bei unge­fähr 5:13 min/​km ein­pen­del­te. (Da zeig­te sich übri­gend mei­ner Mei­nung nach auch ein Schwachs­punkt im Vic­sys­tem – die Ein­hei­ten im wett­kampf­spe­zi­fi­schen Tem­po waren, auf­grund des „gemüt­li­chen“ Tem­pos, eigent­lich nicht for­dernd genug: also bin die ein­fach erheb­lich län­ger gelau­fen. Aber dar­um geht es hier ja nicht.) So nach und nach kon­kre­ti­sier­ten sich dann auch die Zie­le: zwei­mal 3:45 nahm ich mir für die Mara­thons vor. Das schien mög­lich – auch wenn ich immer wie­der hef­ti­ge Zwei­fel hat­te, schließ­lich bin ich noch nie vor­her so dicht hin­ter­ein­an­der Mara­thons gelau­fen. Nach­dem letz­ten lan­gen Lauf über 43 km (mit den besag­ten 1100 Höhen­me­tern) in 3:43 wuchs die Zuver­sicht, das mein Ziel zu schaf­fen sei, aber doch immer mehr.
Am Sams­tag also wur­de es ernst. Ich habe noch kurz bei Elke und Cor­ne­li­us vor­bei­ge­schaut, dort Mathi­as getrof­fen, schnell noch ein paar Nudeln gefut­tert (lecker war das!), ein wenig geplau­dert, und dann muss­te ich aber auch schon zum Bahn­hof. Der Zug hat­te natür­lich gleich mal leich­te Ver­spä­tung, was mei­ne Ner­vo­si­tät noch etwas stei­ger­te – schließ­lich soll­te ich sowie­so nur eine Stun­de vor Start in Mann­heim ankom­men. Und ich hat­te kei­ne Ahnung, wo und wie das dort so ablief … Es war dann aber alles über­haupt kein Pro­blem: Die Start­un­ter­la­gen waren sofort parat, das Umzie­hen ging schnell, den Klei­der­beu­tel abge­ge­ben und mich noch ein­mal in die sehr lan­ge Schlan­ge für die Toi­let­ten ein­ge­reiht (davon, näm­lich von den Toi­let­ten, gab es irgend­wie nicht so sehr vie­le). Dann gemüt­lich wie­der raus, zur Start­auf­stel­lung getrot­tet. Die war aus­ge­spro­chen chao­tisch – trotz der Block­ein­tei­lung stell­te sich so ziem­lich jeder hin, wo er woll­te. Nicht gera­de sehr prak­tisch war auch, dass man zu den hin­te­ren Blö­cken prak­tisch durch die gesam­te Auf­stel­lung durch muss­te. Ich hat­te natür­lich ver­ges­sen, mich umzu­schrei­ben – mit mei­ner PB von 3:00:33 war ich im ers­ten Block – immer­hin stand ich ganz hin­ten. Und muss­te trotz­dem noch sehr viel über­ho­len auf den ers­ten Kilometern.
Der Start war super pünkt­lich – über­haupt lief die Orga­ni­sa­ti­on eigent­lich wie am Schnür­chen. Dann ging es also auf die Stre­cke. Für die – in die­sem Jahr stark über­ar­bei­tet – fällt mir eigent­lich nur ein Wort ein: Öd. Schon nach sehr kur­zer Zeit waren wir am Stadt­rand, im Wohn­ge­biet, wo wir dann lan­ge blie­ben. Und da war kaum was los. Über­haupt die Stim­mung – ziem­lich zurück­hal­tend, die Mann­hei­mer. Nir­gends­wo gab es Action, nir­gend­wo Live-Musik oder so. Mit eini­gen Schlei­fen kamen wir dann irgend­wann, so nach ca. 20 Kilo­me­ter, wie­der in die Nähe des Rosen­gar­tens und mach­ten uns jetzt auf durch die Qua­dra­te, die­ses Mann­hei­mer Spe­zi­fi­kum der städ­te­bau­li­chen Pla­nung. Da war immer­hin etwas Publi­kum an der Stre­cke. Und dort ver­lie­ßen uns dann auch die Halb­ma­ra­tho­nis. Das heißt, die Stre­cke wur­de – end­lich – sehr leer. Knapp 1300 Star­ter gab es für den Mara­thon (bei ca. 10.000 Läu­fern), dazu noch eini­ge Vie­rer-Staf­feln (die per­ma­nen­te Unru­he ins Feld brach­ten, weil sie nicht gera­de sehr schnell waren – selbst auf dem letz­ten Vier­tel muss­te ich, mit einer ange­streb­ten Ziel­zeit von 3:45, die noch stän­dig über­ho­len oder über­ho­len las­sen. Also, nach den Qua­dra­ten wur­de es dann aber erst so rich­tig lus­tig. Dann kam näm­lich die Kurt-Schu­ma­cher-Brü­cke. Natür­lich kom­plett leer, dafür kilo­me­ter­lan­ge Ödnis über Hafen etc. Dort pas­sier­te ich auch die Halb­ma­ra­thon­mar­ke bei 1:51:05 – also eigent­lich etwas zu schnell. Aber mir ging’s noch so gut, dass ich kaum Tem­po raus­nahm. Nach der Brü­cke kam dann Lud­wigs­ha­fen. Auch nicht viel bes­ser. Die meis­ten Städ­te neh­men einen Mara­thon ja zum Anlass, eine Par­ty zu fei­ern. Nicht so hier. Es scheint nie­man­den zu inter­es­sie­ren. Also wei­ter eine gro­ße Run­de gedreht und schon die Rück­kehr auf die Brü­cke erwar­tet – bei ca. km 36–37 geht es da wie­der rauf. Das ist dann ziem­lich fies, an so einer Stel­le nach einem ziem­lich fla­chen Kurs einen recht kna­ckig erschei­nen­den Anstieg ein­zu­bau­en. Da ich ja bei wei­tem nicht am Anschlag lief, muss­te ich hier natür­lich etwas ange­ben und flei­ßig über­ho­len – die Ober­schen­kel haben es etwas gemerkt. Auf der ande­ren Sei­te, zurück in Baden-Wür­temm­berg, rück­te das Ziel dann schon sehr schnell näher. Noch ein paar Haken durch die Qua­dra­te und ruck­zuck war der Rosen­gar­ten mit Was­ser­turm wie­der in Sicht­wei­te. Die­ses Mal wur­den wir von hin­ten durch das Start­tor geführt. Bei 3:41:51 war ich über der Linie. Und mit die­ser grot­ti­gen Zeit habe ich noch Platz 36 in mei­ner AK. Aber der gesam­te Mara­thon war sehr lang­sam – der Sie­ger ist bei 2:30 her­ein­ge­kom­men. Viel­leicht lag es ja am Wet­ter, das wohl nicht zum ers­ten Mal in Mann­heim extrem schwül und schweiß­trei­bend war. Aber wahr­schein­lich sind die guten Läu­fer ein­fahc alle an ande­ren Orten unter­wegs gewe­sen. Die Schwü­le ließ mich immer­hin ab Kilo­me­ter 10 jede Ver­pfle­gungs­stel­le ansteu­ern – die waren gut bestückt und vor­bild­lich aus­ge­schil­dert. Net­ter­wei­se gab es auch die prak­ti­schen Caps-Beu­tel, die konn­te man gut im Lau­fen trin­ken – bes­ser als Becher mit dem Elek­tro­lyt-Zeug, das gibt immer schö­ne Schweinerei.
Nach dem Lauf dann direkt hin­ter der Ziel­li­nie abge­bo­gen zur Ver­pfle­gung und fast die Medail­le ver­ges­sen (wäre nicht scha­de drum gewe­sen, ist ziem­lich pop­lig), weil die Aus­tei­ler gna­den­los unter­be­setzt waren. Die Ver­pfle­gung war wie­der schön reich­hal­tig, nur der Bereich arg eng für die vie­len Läu­fer. Also deck­te ich mich ordent­lich ein – ein hal­ber Hefe­zopf, Bana­ne, Elek­tro­ly­te noch ein­mal (obwohl ich das Zeug inzwi­schen kaum noch schme­cken konn­te) und Was­ser und ver­zog mich. Die Duschen waren etwas abge­le­gen, dafür aber immer­hin reich­lich und warm. Dann trot­te­te ich also wie­der zum Bahn­hof, wo ich noch etwas Zeit zum Aus­ru­hen hat­te, bevor ich in den ICE stieg, der mich über Frank­furt nach Mainz beför­der­te. Da war ich dann um 1:00 Uhr und ver­k­rock mich bald ins Bett – nicht ohne den Wecker zu stelllen.
Der klin­gel­te am Sonn­tag um acht.
Bröt­chen, hal­ben Becher Tee – anzie­hen und schon auf den Weg zum nächs­ten Mara­thon. Tref­fen mit Lars und Mathi­as, Toi­let­ten­be­such – bei leich­tem Durch­fall sehr not­wen­dig – un in die Start­auf­stel­lung, wo sich ein Ord­ner ver­zwei­felt bemüh­te, auch nur die rein­zu­las­sen, die in den ers­ten Block gehör­ten. Ange­sichts der unver­fro­renn Frech­heit so eini­ger „Sport­ler“ hat­te er nur mäßi­gen Erfolg. Und schon war wie­der Start – auf ging’s. Ich lief zusam­men mit Lars, der auch unge­fähr eine 3:45 anpeil­te. Der ers­te Kilo­me­ter etwas holp­rig, die Ober­schen­kel vor allem noch leicht steif.
Die wur­den aber schnell wei­cher und es lief wie­der rund. Recht zügig haben wir uns dann nach dem anfäng­li­chen Cha­os auf der Stre­cke auch auf Tem­po gebracht. Die Run­de war uns ja bekannt: Durch das Schott­wer nach Mom­bach, das sich wie­der ein­mal in Par­ty­lau­ne prä­sen­tier­te, über die Neu­stadt an der Chris­tus­kir­che vor­bei zum Guten­berg­platz und dann durch die Augus­ti­ner­stra­ße auf die Rhein­stra­ße, die uns wei­ter­führt die schö­ne Wen­de­punkt­stre­cke nach Wei­se­nau hin­aus. Noch lief es aus­ge­spro­chen präch­tig – klar, ganz frisch und lcoker war ich nicht, aber beson­de­re Mühe hat­te ich auch nicht. Auf dem Rück­weg Rich­tung Start/​Ziel an der Rhein­gold­hal­le ver­lor ich Lars dann auf ein­mal und ziem­lich schnell. Er hat­te vor­her schon gemerkt, dass unser Tem­po ihm wohl etwas zügig war. Ich woll­te aber wenigs­tens sehen, wie weit ich damit kom­me und nicht hier schon lang­sa­mer wer­den – das wür­de shcon noch von selbst kom­men. Und es kam auch. Nach der Halb­ma­ra­thon­mar­ke (1:53:38) ging es über die Theo­dor-Heuss-Brü­cke nach Kost­heim. Und das wur­de lang­sam anstren­gend. Hier kam auch noch fri­scher Wind auf, der mich gera­de nicht beson­ders erfreu­te … Die Schlei­fe durch Kost­heim mit den unzäh­li­gen pri­va­ten Ver­sor­gungs­sta­tio­nen – das ist echt klas­se, dass die Anwoh­ner das alles auf die Bei­ne stel­len – ging es auch schon wie­der zurück über die Brü­cke – mit zuneh­mend schwe­ren Bei­nen. Aber die 30 rück­te näher. Doch das Tem­po sank, die Moral schwand, die Kilo­me­ter 32/​33 waren lang­sam, viel zu lang­sam. Noch gab ich aber nicht auf … Im Mom­ba­cher Indus­trie­ge­biet, bei der Was­ser­stel­le von Coca-Cola, griff ich dann doch zum „Doping“ und schmiss ein Ham­mer­gel (Espres­so, mit Kof­fe­in gegen die Schmer­zen …) ein. Das begann glück­li­cher­wei­se ziem­lich bald zu wir­ken. Und zwar recht deut­lich (viel­leicht des­halb, weil ich ewig nichts mehr esse und nur pures Was­ser trin­ke bei mei­nen Trai­nings­läu­fen). Im Mom­bach wur­den die Kilo­me­ter dann wie­der kür­zer … Und in der Neu­stadt ging es mir noch rich­tig gut. Ich sam­mel­te noch so eini­ge Läu­fer ein. Ruck­zuck waren wir dann auch schon auf der Blei­che, wo mich mein Mit­be­woh­ner mit Foto­ap­pa­rat emp­fing. Der Umbach mit sei­ner mini­ma­len Stei­gung mach­te sich noch­mal unan­ge­nehm bemerk­bar. Aber jetzt konn­te mich nichts mehr stop­pen – die paar Kilo­me­ter waren jetzt auch noch mög­lich. Und sogar ein klei­ner Schluss­sprint gelang mir noch, nach­dem ich mich von Mathi­as, der sei­nen Halb­ma­ra­thon hin­ter sich hat­te, anfeu­ern ließ. Dies­mal stopp­te die Uhr im Ziel bei 3:44:15 – und damit war das Ziel der zwei Mara­thons mit 3:45 soga­ro noch unter­bo­ten. Jetzt bin ich aller­dings auch ziem­lich fer­tig – der Weg heim war eine rech­te Qual, vor allem die Trep­pen in den vier­ten Stock hoch …
Was ler­nen wir also dar­aus: Mög­lich ist viel – mit kon­se­quen­ter Vor­be­rei­tung. Stadt-Mara­thons wer­de ich nicht mehr vie­le lau­fen – im Trai­ning geht’s schö­ner im Wald und Wie­sen. Mann­heim lan­det auf mei­ner Never-again-Lis­te – zwar ganz ordent­lich orga­ni­siert, aber die Stre­cke ist ein­fach viel zu fad.

So sehen die Tem­po­kur­ven aus:
mannheim-marathon 2009: tempo/distanz – man sieht sehr schön die Anstie­ge auf die Brücke

und Mainz, etwas unru­hi­ger, mit dem Tief bei 32/​33: gutenberg-marathon 2009 tempo/distanz

und hier noch eini­ge bil­der von den bei­den läufen:

reihenglück: 20 jahre „jazz im chor“

Die 13 ist ja eigent­li­che eine Unglücks­zahl. Davon hat sich der Bos­se-Ver­lag aber nicht beir­ren las­sen und das Jubi­lä­ums­heft der Rei­he „Jazz im Chor“ mit genau die­ser Zahl an Songs gefüllt. Zu recht – denn „Jazz im Chor“ ist eine Erfolgs­rei­he, die auf Aber­glau­ben ver­zich­ten kann. Seit 20 Jah­ren wer­den die Chor­hef­te her­aus­ge­ge­ben von Chris­toph Schön­herr, der damit Trend viel­leicht nicht begrün­de­te, aber doch maß­geb­lich mit­be­stimm­te. Und der, gera­de mit den dort ver­sam­mel­ten und zugäng­lich gemach­ten Arran­ge­ments, eini­ges getan hat für die Akzep­tanz und Umset­zungs­fä­hig­keit, die gekonn­te Auf­füh­rung jaz­zi­ger Arran­ge­ments eben nicht nur in Spe­zi­al­ensem­bles, son­dern auch in bunt gemisch­ten Chören.
13 Stan­dards also, aus­ge­sucht aus den zehn Hef­ten der letz­ten zwei Jahr­zehn­te. Das heißt: Über­wie­gend bekann­te und erprob­te Sätz. Für Chö­re – oder Chor­lei­ter -, die jetzt ein­stei­gen wol­len ist das eine idea­le Samm­lung. Hits sind es sowieso.
Alle sind zwar nicht zu schwer gesetzt, aber sehr dif­fe­ren­ziert die Mög­lich­kei­ten aus­lo­tend und vor allem immer mit Gespür für publi­kums­wirk­sa­me Effek­te. Und sie sind außedem auch so bear­bei­tet, dass das Sin­gen viel Spaß macht. Nicht alle beschrän­ken sich dabei auf puren Chor – die zusätz­lich zu erwer­ben­den Instru­men­tal­stim­men haben ja in die­ser Rei­he auch schon Tra­di­ti­on. Neben „ech­ten“ Stan­dards – „Lul­la­by of Bird­land“ etwa, oder The­lo­nious Mon­ks „Blue Monk“ – reprä­sen­tie­ren Songs wie der Sam­ba „It’s when the music starts to play“ oder Anto­nio Car­los Jobims Bos­sa „Wave“ (bei­de in Sät­zen von Tors­ten Maaß) das reich­hal­ti­ge Latin-Fee­ling von „Jazz im Chor“. Außer­dem gibt es noch drei Ori­gi­na­le von Mar­tin Car­bow für die Gos­pel-Abtei­lung. Ein Heft mit rei­chem Mate­ri­al und vie­len Mög­lich­kei­ten also.

Chris­toph Schön­herr (Hg.): Best of Jazz im Chor. 13 Jazz Stan­dards for Mixed Choir. Gus­tav Bos­se 2009. 79 Sei­ten. 19,95 Euro.
(geschrie­ben für die neue chorzeit)

„die zeit, vor sich betrachtet, …

kann es nicht wir­ken, son­dern die din­ge, die in der zeit sind.“—Zedler, Art. Volck (1740)

Seite 162 von 208

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén