zum beispiel die 1892 (!) komponierte schauspielmusik „le fils des étoiles“ – so an die neunzig minuten auf der stelle treten – brutal, aber irgendwie auch spannend. bei „mainz musik“ war sie jetzt komplett zu hören, ergänzt außerdem durch eine lichtinstallation.
immer weiter ins unbekannte und unbequeme führt der weg von mainz musik. der festivalleiter ludwig striegel hat jetzt selbst wieder einen großen schritt in diese richtung getan: mit der aufführung von erik saties le fils des étoiles. die nennt sich zwar eine schauspielmusik zu einem theaterstück des decadence-autors josephin peládan, ist aber als solche nur schwer vorzustellen und wohl auch kaum jemals genutzt worden. denn dafür ist sie viel zu mächtig und vor allem zu eigensinnig. für das jahr 1892, im dem satie le fils des étoiles komponierte, ist das außerdem eine ungeheure modernität. heute hat man sich ja an solche klänge gewöhnt, aber die wenigen pariser, die das damals gehört haben, müssen unter diesen permanenten häufungen von quarten und dissonanzen doch erheblich gelitten haben.
ihre kunst ist vor allem, mit möglichst vielen noten nichts zu sagen ein musik, die vor allem eines erzeugt: leere. und die greift auch auf den hörer über. irgendwann setzt diese baukastenartige reihung von simplesten motiven und schrägen akkorden das denken außer gefecht. in einen ganz eigenartigen zustand der schwebe kann man dabei geraten da hat fast etwas von einer trance. denn das geschehen dieser musik ist gerade der stillstand, das explizite nicht-passieren von eigentlich genuin musikalischen momenten wie entwicklung und veränderung. striegler spielte das mit bewunderswerter konzentration: neunzig minuten hindurch hämmert er immer wieder diese banalen motive, diese endlos aufgeschichteten akkorde in das klavier.
das ist zunächst, auf der körperlichen erfahrungsebene, eine harte strapaze: eine dermaßen gleichförmige musik ist ungeheuer anstrengend zu hören. aber in der esg-kirche wurde sie noch durch die lichtinstallation von tanja löhr ergänzt. die sorgt zunächst scheinbar für optische abwechslung: eine abfolge von geometrischen formen, wandernden linien und rechtecken, sich ausdehnenden und wieder zusammenschrumpfenden flächen werden in giftigem gründ und grellem pink auf die kirchenwand projiziert. später kommen zwar noch zwei farben rot und blau und auch ab und an eine kreisform hinzu, doch die meiste zeit belässt es löhr bei diesen einfachen zutaten. durch die permanente bewegung entstehen immer neue formen und muster, neue konstellationen von farben und zuständen. die optische gestaltung schließt damit direkt an die akustische ästhetik der verweigerung saties an: das ist nichts, was man unmittelbar verstehen kann das kann man nur mehr erfahren.

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