und manchmal ist sie auch einfach nur verspätete romantik – und in diesem fall meist auch ein wenig langweilig, die romantik hatten wir halt schon einmal, dazu fällt nur noch den wenigsten komponisten wirklich neues ein. aber der pianist war nicht schlecht, seine improvisationen zwar ein bisschen langatmig, aber auch sehr gut anzuhören – das war also das zweite konzert der diesjährigen ausgabe von mainz musik:
draußen zwitschern die vögel noch frohgemut, doch drinnen trauern sie herzerweichend. im alten musiksaal auf dem campus ist diese verblüffende gleichzeitigkeit möglich. denn der junge pianist tomasz trzcinski begann sein concerto festivo für mainz musik mit den oiseaux tristes aus maurice ravels miroirs. er tat das sehr rücksichtsvoll und vorsichtig genau so, wie er auch den flügel behandelte. denn der ist ihm offenbar mehr als ein bloßes instrument, eine schnöde ansammlung von holz und metall, sondern eine verlängerung seiner hände und damit schon fast zu einem teil seines körpers geworden. und er behandelt ihn entsprechend: er zwingt ihm nie seinen willen auf, er akzeptiert seine schwächen und versucht, sie möglichst unauffällig und sinnvoll zu nutzen. das führt zu überraschenden ergebnissen: schon mit dem zweiten stück aus ravels miroirs, la vallée des cloches, bringt er den raum mit präsenter, aber sehr sorgsam dosierter kraft zum zittern und dröhnen die vögel haben jetzt nichts mehr zu melden.
es war auch sonst eher die nachdenkliche, geruhsame musik, der er besondere sorgfalt angedeihen ließ. die chaconne von uljas voito pulkkis, die antti siirala bei der uraufführung im frankfurter hof im letzten jahr als spielerische plauderei spielte, nimmt trzcinski eher als romantische träumerei, als weitläufige fantasie. und mit seiner samtigen klangoberfläche gewinnt das stück unter seinen händen erhebliches potenzial ein immer wiederkehrender drang zum aufbegehren wird hier auf einmal hörbar. zwar lässt der komponist diese ausbruchsversuche aus der strengen form immer wieder in die leere laufen, aber immerhin kann trzcinski die widerstreitenden kräfte der chaconne klanglich umsetzen, ohne sie vollends zu zähmen.
mit diesen eskapistischen ausflügen verabschiedete sich der pianist von seinen noten jetzt gab es nur noch ihn, den flügel und seine improvisationskunst. darin erwies er sich schnell als versierter techniker. mit viel thematischer arbeit verblüffte er vor allem durch seine rapiden überleitungen: ehe man sich versah, war er von frei schweifenden blicken über mediterrane landschaften zu verträumten, ausschließlich nach innen fokussierten gedankenflüssen gewechselt. und allmählich entstand daraus auch so etwas wie freiheit allerdings immer mit der möglichkeit des rückzugs in die vergleichsweise sicheren gefilde der motivischen verarbeitungen und traditionellen variationsformen. auch hier blieb trzcinski vollkommen gelassen: das ist keine erkämpfte oder eroberte musik, sondern ein ungehindertes, entspanntes fließen.

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