den bei­na­men „gro­ße mes­se“ hat sie zu recht, mozarts c‑moll-mes­se. fer­tig gewor­den ist mozart damit zwar nicht, aber was er geschrie­ben hat, ist schon groß­ar­ti­ge musik. und zum glück gibt es men­schen, die solch einen tor­so nicht in ruhe las­sen kön­nen. robert d. levin etwa hat, wie schon eini­ge vor ihm, eine kom­plet­te mes­se aus mozarts mate­ria­li­en gemacht – zum glück.

denn trotz der vie­len ein­drück­li­chen, nach­denk­lich-zör­gen­den momen­te ist sie im gan­zen unzwei­fel­bar eine mes­se des freu­di­gen beja­hens und der beglü­ckung. schließ­lich ist sie ja auch ganz ech­te beken­ner-musik: mozart hat sie ohne direk­ten auf­trag kom­po­niert, also wohl zumin­dest teil­wei­se aus einem reli­giö­sen und künst­le­ri­schen mit­tei­lungs­drang her­aus. und das hört man: da ist nichts blo­ßes hand­werk, da ist – auch in den ergän­zun­gen von levin übri­gens – immer die kraft des glau­bens spür­bar. einen gro­ßen teil der beglü­ckung des publi­kums hat beim main­zer musik­som­mer aber ralf otto über­nom­men. denn der diri­gent hat für die chris­tus­kir­che eine hoch­ka­rä­ti­ge beset­zung zusam­men­ge­stellt. der main­zer bach­chor singt wie­der ein­mal mit wun­der­bar wei­chem klang und nicht nur sehr ver­ständ­lich, son­dern auch begeis­ternd fle­xi­bel. gemein­sam mit der staats­phil­har­mo­nie lässt otto nicht nur die struk­tu­ren ganz klar her­vor­tre­ten, son­dern ver­leiht ihnen auch noch eine gehö­ri­ge por­ti­on emo­tio­na­ler kraft. dafür braucht man ihn nur anzu­se­hen: die­ser mann lebt die mes­se mit dem gan­zen kör­per, vom schei­tel bis zur schuh­soh­le bleibt nichts unbe­tei­ligt. alles an ihm tanzt und jubi­liert, lei­det und seufzt mit der musik, mit jeder ein­zel­nen note.

so eine enor­me begeis­te­rung über­trägt sich natür­lich auf die­je­ni­gen, die den von otto gewünsch­ten klang her­vor­brin­gen – das orches­ter, der chor und auch die solis­ten. denn auch die kön­nen mit den gran­dio­sen leis­tun­gen des bach­chors gut mit­hal­ten. vor allem die vir­tuo­se sopra­nis­tin hélè­ne guil­met­te und ger­hild rom­ber­gers glei­cher­ma­ßen war­mer und klar arti­ku­lier­ter alt bezeu­gen die hohe qua­li­tät die­ser auf­füh­rung. der bass klaus mer­tens darf aller­dings ers kurz vor schluss ein wenig mit­ma­chen. etwas mehr kann dani­el sans bei­tra­gen – wie stets ist auch er bes­tens in form.

letz­lich ist es aber eben immer wie­der ralf otto, der mozart mes­se wirk­lich groß macht: indem er die dra­ma­ti­schen monu­men­tal­klän­ge mit den innigs­ten emp­fin­dun­gen span­nungs­voll kon­tras­tiert und aus­ba­lan­ciert, schafft er eine musik, die auf­re­gen­de ver­dich­tung und ent­span­nung zugleich sein kann. denn die tie­fe viel­schich­tig­keit, die er den tönen­den struk­tu­ren ver­leiht, bezeugt den glau­bens mozarts auf ganz unmit­tel­ba­re und über­zeu­gen­de weise.