oder jedenfalls zeitarm – immerhin führen sie in ihrer oft mehr als unerschütterlichen ruhe zu einer gewissen verlangsamung des persönlichen zeitempfindens:
die esg-kirche gibt sich verschlossen, kühl und düster liegt ein geheimnisvoller blauer schimmer als einzige beleuchtung auf den kahlen wänden des leer geräumten saals. sanft blubbern ab und an elektronische geräusche aus den lautsprechern. natürlich ist es wieder mainz-musik, das von der kirche besitz ergriffen hat. genauer gesagt, die klangkunst von peter kiefer okkupiert den sakralen raum. und sie fühlt sich da offenbar recht heimisch.
kiefer hat für diesen abend eine kleine werkschau mit seinen arbeiten der letzten jahre zusammengestellt und das ganze zu einem kontinuierlichen strom aus elektronisch erzeugten und in ganz wenigen fällen auch nur bearbeiteten klangformen verknüpft. klangwelten hat er das überschrieben, und dieser begriff trifft das geschehen auch recht gut. vor allem der plural ist wichtig. denn kiefer belässt es nicht bei einer welt, seine kunst ist dafür viel zu vielseitig und vielschichtig. zu den bloops und beeps kommen bald knirscher und knacker, verbinden sich zu einer kulisse aus dem grenzbereich zwischen geräusch und klang, zwischen lärm und musik. das ist mal metallisch glitzernd, mal hohl dröhnend, mal kuschlig gemütlich und new-age-mäßig entspannt, dann aber auch wieder erwartungsfroh drängend vor allem aber ist es immer eine dezidiert künstliche und künstlerisch geformte akustische umgebung. natürliche klänge gibt es in diesem kosmos nicht, sieht man von einigen wenigen menschlichen stimmen ab. aber selbst die nutzt kiefer nur als material, formt sie nach seinem gustos, macht etwa aus einer einzigen vokalise eine raumklang-stimmenorgie.
dazu montiert er dann eventuell noch vereinzelte, einsam schwebende töne das ist eine kunst, die unheimlich viel zeit zu haben scheint. tatsächlich verlangsamt kiefer mit seinen klankompositione das zeitempfinden oft sehr erheblich: es wird einmal eine große ruhe kommen und peter kiefer wird ihren klang gestalten. denn vieles von dem, was seine klangbänder strukturiert, passiert so fein und fast unmerklich, dass jedes gespür für diese verläufe in gefahr gerät, sich zu verlieren. aber dann gibt es ja bei einigen arbeiten auch noch die videos, an denen man sich festhalten kann.
besonders gilt das natürlich für seine filmmusik zu dem stummfilm „la passion de jeanne d’arc“ von c.t. dreyer, mit der er seinen klangwelten einen sehr illustrativen und in seiner insistierenden klanggewalt sehr verführerischen höhe- und schlusspunkt setzte.

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