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Aus-​Lese #24

Arno Schmidt zum Ver­gnü­gen. Stutt­gart: Reclam 2013. 191 Sei­ten.

Die­ses klei­ne, von Susan­ne Fischer (der Geschäfts­füh­re­rin der Arno-​Schmidt-​Stiftung) her­aus­ge­ge­be­ne Bänd­chen hält genau, was der Titel ver­spricht: Ver­gnüg­li­che Streif­zü­ge durch das Schaf­fen Schmidts. The­ma­tisch in 14 Kapi­tel geord­net, ver­sam­melt das hier Bon­mots, Ein­fäl­le, Aus­sprü­che und kur­ze Abschnit­te, die im wei­tes­ten Sin­ne ver­gnüg­lich sind: Weil sie humo­rig for­mu­liert sind oder afu eben die­se Wei­se bestimm­te Din­ge beob­ach­ten. Eine wun­der­ba­re Lek­tü­re für zwi­schen­durch (weil das fast immer nur kur­ze Abschnit­te von weni­gen Sät­zen sind).

Ulf Erd­mann Zieg­ler: Nichts Wei­ßes. Ber­lin: Suhr­kamp 2013. 259 Sei­ten.

Zieg­ler erzählt in Nichts Wei­ßes die Lebens­ge­schich­te einer Schrift­ge­stal­te­rin und die Idee der per­fek­ten, weil abso­lut unau­fäl­li­gen Schrift am Umbruch zum Computer-​/​PC-​Zeitalter. Das wird aber erst auf den letz­ten Sei­ten rich­tig deut­lich: Dann wird klar, dass es hier vor allem um das Ende des klas­si­schen Gutenberg-​Zeitalters mit sei­ner Fixie­rung auf Schrift und Text (und deren Her­stel­lung, um die es hier – im Bereich der Typo­gra­phie – ja vor allem geht) geht. Das ist durch­aus raf­fi­niert, etwa in der Andeu­tung der Auf­lö­sung der Text­do­mi­nanz durch die (Gebrauchs-)Grafik der Wer­bung und ähn­li­che Vor­gän­ge, auch die all­mäh­lich wach­sen­de Domi­nanz der Com­pu­ter ist ganz geschickt erzählt, auch wenn das am Ende etwas platt wird. Über­haupt erzählt Zieg­ler durch­wegs gut und klug, aber sprach­lich ohne beson­de­re Fas­zi­na­ti­on für mich. Auch schien mir das Ziel des Tex­tes lan­ge Zeit nicht so recht klar, zumal es wei­te Abschwei­fun­gen gibt, die nicht so recht moti­viert sind – etwa die Bli­cke in die Kind­heit: Das sind for­mal etwas frag­wür­di­ge Lösun­gen, um die (inhalt­li­che) Moti­va­ti­on der Hel­din Mar­le­en hin­zu­be­kom­men und aus­führ­lich zu erklä­ren. Der Schluss ist dann etwas unver­mit­telt, die Wen­de zum Com­pu­ter­zeit­al­ter scheint schon über den Text hin­aus zu gehen.

Über­haupt ver­liert das dann an Kraft, wenn es um die eigent­li­chen Lebens­we­ge der Prot­ago­nis­tin geht. Wo Zieg­ler die „Hin­ter­grün­de“ – das Auf­wach­sen im Deutsch­land der 70er/​80er Jah­re etc. – schil­dert, ist es viel prä­zi­ser und fas­zi­nie­ren­der als im Lebens­lauf Mar­le­ens, der etwas blass bleibt.

Genervt haben mich etwas die ober­fläch­lich ver­hüll­ten Anspie­lun­gen auf rea­le Wel­ten – IBM heißt hier IOM (office statt bureau), Gre­no in Nörd­lin­gen Vol­pe, die Ande­re Biblio­thek ist die Eige­ne gewor­den und so wei­ter – das ist so durch­sich­tig, dass es eigent­lich sinn­los ist und den Text irgend­wie bil­lig wir­ken lässt.

Hans Franck: Die Pil­ger­fahrt nach Lübeck. Eine Bach-​Novelle. Güters­loh: Ber­tels­mann 1952. 80 Sei­ten.

Franck schil­dert hier die berühm­te „Urlaubs­rei­se“ Bachs zum gro­ßen Orga­nis­ten Diet­rich Bux­te­hu­de nach Lübeck, die ein klei­nes biss­chen län­ger dau­er­te als geplant: Der Arn­städ­ter Rat hat­te sei­nem Orga­nis­ten einen Monat Urlaub geneh­migt, nach mehr als vier Mona­ten war Bach wie­der in Thü­ri­gen zurück. Francks Novel­le pen­delt zwi­schen pseu­do­ba­ro­ckem Satz­ge­schwur­bel und moder­nem Men­schen­bild, gar­niert mit einer def­ti­gen Pri­se über­bor­den­der Fröm­mig­keit. Weder lite­ra­risch noch his­to­risch beson­ders wert­voll, aber eine net­te Kurio­si­tät für eine Stun­de Zug­fahrt …

Veröffentlicht in literatur

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