Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Autor: Matthias Seite 139 von 208

Leser mit allerlei Ansprüchen und ausdauernder Läufer. Je nach Tagesform auch mal ausdauernder Leser und Läufer mit allerlei Ansprüchen.

Das erste Mal: Pacemaker beim Arque-Lauf

Heu­te war es so weit: Mein ers­ter Ein­satz­als Pace­ma­ker stand auf dem Plan. Und zwar beim Arque-Lauf. Der zeich­net sich ja dadurch aus, dass in bestimm­ten Grup­pen mit bestimm­ten Tem­pi gelau­fen wird: 5:00min/km, 5:30, 6:00, 6:30 und 7 min/​km. Das gan­ze über ein schö­ne Stre­cke von Kelk­heim nach Mainz, über offi­zi­el­le 34,xx km.
Gabi Gründ­ling hat­te im Som­mer den #twit­ter­lauf­treff gefragt, ob jemand Lust hat, Pace­ma­ker für die­se Lauf—übrigns ein Spendenlauf—zu wer­den. Und ich hat­te mich gemel­det. Und das dann erst ein­mal wie­der schön ver­ges­sen. Zum Glück kam noch eine Erinnerungsmail …

Des­we­gen hat also heu­te um 6:15 Uhr der Wecker geklin­gelt. Und ich hat­te kei­ne Lust, mein schön gemüt­li­ches Bett zu ver­las­sen. Natür­lich habe ich es trotz­dem getan, recht­zei­tig, um den „Dom-Shut­tle“, den Bus vom Fisch­tor in Mainz zum Start in Kelk­heim, zu erwi­schen. Die Fahrt ver­lief mit der obli­ga­to­ri­schen Läu­fer­plau­de­rei ziem­lich zügig—auch ganz nett, so durch den Mor­gen zu fahren …

Am Sport­platz Reis in Kelk­heim dann die Anmel­dung, das Abho­len des Pace­ma­ker-Leib­chens und War­ten. Das Umzie­hen ver­schob ich noch ein wenig: Schön kalt war’s da oben am Wald­rand. So rich­tig unan­gehm: 1 °C, aber vor allem neb­lig-feucht. Kein schö­nes Wet­ter, um in Lauf­klei­dung herz­um­ste­hen. Ich hat­te mich auf die Wet­ter­vor­her­sa­ge ver­las­sen: 6–8 °C, purer Son­nen­schein war für den Vor­mit­tag sowohl in Kelk­heim als auch in Mainz gemel­det. Also bin ich in kur­zer Hose, dün­nem Unter­hemd, dün­nem #twit­ter­lauf­treff-Shirt, dazu Ärm­ling und ein Buff-Tuch, gestar­tet. Vor und wäh­rend dem Start war das defi­ni­tiv zu wenig—böse gefro­ren habe ich. Unter­wegs war es dann aber genau richtig.

Grup­pe C also, die zweit­schnells­te (lie­ber wäre mir D gewe­sen, aber dafür hat­ten sich mehr Pace­ma­ker gemel­det). Bis Sams­tag waren nur drei Pace­ma­ker bekannt, dar­un­ter auch @ironchrissi vom #twit­ter­lauf­treff. Mor­gens tauch­ten dann aber noch wei­te­re zwei auf, so dass wir mit fünf Leu­ten aus­rei­chend stark waren: 3–4 vor­ne, zum Brem­sen der über­eif­ri­gen Läu­fer, 1–2 hin­ten, damit das Feld zusam­men­bleibt. Die Grup­pe war auch nicht über­mä­ßig groß—laut Mel­de­lis­te 69 Läu­fer (fast nur Män­ner), so vie­le waren es aber wohl doch nicht.
Der Start, so ganz stil­echt mit Pis­to­len­schuss, erfolg­te, wir sam­mel­ten unser Begleit-Poli­zei-Motor­rad ein und leg­ten los. Die ers­ten Kilo­me­ter waren fast not­wen­di­ger­wei­se zu schnell—es ging nur berg­ab und wir woll­ten warm wer­den. Die Ver­ei­ni­gung mit der Mini-Grup­pe vom Start­platz Stü­ckes klapp­te auch. Dann, am Orts­aus­gang von Kelk­heim, kam bald der erste—und schwerste—Anstieg. Das ging aber bes­ser als ich befürchtete—ich fühl­te mich ziem­lich gut dabei. Dann geht es eini­ge Kilo­me­ter leicht wel­lig durch den Wald—da zog es sich schon mal etwas auseinander—und schließ­lich wie­der hin­un­ter in den nächs­ten Ort, wo wir prompt einen klei­nen Ver­lau­fer ein­bau­ten, weil mein Kol­le­ge nicht auf mich hören woll­te und zu früh abbog.

Und dann kam auch schon bald die ers­te Ver­pfe­gungs­sta­ti­on zwi­schen Kilo­me­ter 12 und 13 am Orts­aus­gang von Marx­heim. Der wei­te­re Weg nach einer kur­zen Stehrast führ­te uns, immer noch gut im Schnitt mit um die 5:27 min/​km durch ver­schie­de­ne Orte, auch ein Stück Bun­des­stra­ße entlang—immer mit Poli­zei­schutz und Kran­ken­wa­gen als Verfolger.

Nach der zwei­ten Ver­pfle­gung in den Fel­dern bei Kilo­me­ter 20 oder so wur­de der Druck aufs Tem­po vor­ne etwas höher: Ein paar Läu­fer hat­ten es etwas eili­ger als der vor­ge­se­he­ne Schnitt. Das ließ sich aber alles gut regeln, wäh­rend die Stre­cke bei inzwi­schen wirk­lich herr­lichs­tem Laufwetter—ca. 8 °C (geschätzt), Son­ne pur—einfach wun­der­bar durch die Wein­ber­ge und am Main ent­lang führte.

Die drit­te Ver­pfle­gung war dann auch schon in Hoch­heim, unge­fähr bei Kilo­me­ter 28. Dann wur­de der Weg etwas unschö­ner: Zunächst mit über­ra­schend ner­vi­gem Pflas­ter (ist mir dort noch nie so auf­ge­fal­len). Und ich mag auch das Stück von Hoch­heim nach Kost­heim nicht—keine Ahnung, war­um eigent­lich. Am Deich kann’s eigent­lich nicht lie­gen, die lau­fe ich sonst eigent­lich gerne …

Etwas spä­ter, am Anfang der Maar­aue, war dann ziem­lich plötz­lich die Luft raus, die Bei­ne woll­ten nicht mehr so recht, die Kraft fehl­te. Und der Wil­le reich­te nicht mehr. Ich ließ mich also ans Ende der Grup­pe zurück fal­len und beglei­te­te die Letzten—die hat­ten noch etwas mehr Pro­ble­me als ich—mit nach Mainz und ins Ziel.

Da gab’s natür­lich wie­der die obli­ga­to­ri­sche Fünf-Minuten-Terrine—das gehört ein­fach zum Arque-Lauf dazu. Reich­hal­ti­ge Geträn­ke-Aus­wahl war auch vor­han­den: Das war mehr, als so man­cher Stadt­ma­ra­thon (ja, auch der in Mainz) bei in der Regel deut­lich höhe­ren Anmel­de­ge­büh­ren auf die Bei­ne stellt. Über­haupt lief die Orga­ni­sa­ti­on wie­der wie am Schnür­chen: Man merkt eben, dass die das schon eini­ge Jah­re machen. Scha­de nur, dass die Teil­neh­mer­zah­len das nicht (mehr) wider­spie­geln: 341 Läu­fer waren am Sams­tag gemel­det, da kamen natür­lich noch eini­ge Nach­mel­dun­ge hin­zu. Seit eini­gen Jah­ren wer­den es kon­ti­nu­ier­lich weni­ger Läu­fer (bei den Rad­fah­rern wer­den es eher mehr). Viel­leicht ist das denen zu wenig gla­mou­rös, zu wenig Event? Und Mara­tho­ni kann man sich dann auch nicht nen­nen. So ganz ver­ste­hen kann ich das aber nicht: Das ist doch gera­de das Schö­ne am Lau­fen, dass man auch so etwas wun­der­bar machen kann, ganz ohne Druck. Und wenn man sich halb­wegs rich­tig ein­schätzt, muss man wirk­lich ein­fach nur (mit-)laufen, sich nicht um Weg oder Tem­po küm­mern. Und bekommt sogar noch Ver­pfle­gung auf den knapp 35 Kilometern—das ist doch ein­fach schön. Ins­be­son­de­re natür­lich, wenn das Wet­ter so groß­ar­tig ist wie heu­te. Da hat es sich wirk­lich gelohnt, dass ich zum ers­ten Mal beim Lau­fen mei­ne Kontaktlinsen—sonst bin ich ja kom­plett ohne Seh­hil­fen unterwegs—benutzt habe: under­schö­ne Aus­bli­cke im Tau­nus und den Wein­ber­gen am Main, mit herbst­li­chem Laub und natür­lich strah­len­dem Son­nen­schein. Bes­ser geht’s eigent­lich nicht.

Arque-Lauf 2011: Grup­pe C (5:30 min/​km), Lauf­zeit heu­te: 3:11:33 (ja, wirk­lich!) für 34,630 Kilo­me­ter (hat auch ziem­lich genau so auf mei­nem Gar­min gestanden).

Mainzer Maaraue-Marathon #6

Die sechs­te Auf­la­ge des Main­zer Maar­aue-Mara­thons (mit neu­em Streckenrekord—das wird inzwi­schen ganz schön schnell …) muss­te heu­te lei­der ohne mich aus­kom­men: Mor­gen bin ich als offi­zi­el­ler Grup­pen­be­gleit­läu­fer beim ARQUE-Lauf—und 80 Kilo­me­ter an zwei Tagen sind im Moment doch zu viel.

Ich war aber immer­hin am Start dabei, hab‘ kurz Hal­lo gesagt, ein paar Fotos gemacht und die ers­te Hälf­te der Stre­cke schon ein­mal mar­kiert (ist rich­tig anstren­gend, bei jeder Ecke und jedem Abzweig für jeden Pfeil vom Fahr­rad stei­gen, mit der Krei­de auf dem Asphalt rum­ma­len und wie­der wei­ter­zie­hen ;-) ).

Zusammengehörigkeit

„Wie das Wort ‚Frei­korps Pos­ten’ sind, neben­bei bemerkt, in die­sem Mach­werk alle Ver­bin­dungs­wor­te getrennt; offen­bar um anzu­deu­ten, daß man die Ele­men­te, die von Rechts wegen zusam­men­ge­hö­ren, unter kei­nen Umstän­den mit­ein­an­der ver­bin­den will.“ (Sieg­fried Kra­cau­er, Vor­trag mit Zwi­schen­ru­fen (130))

Amen

Amen

Amen

(Brens­bach, St. Markus)

Tagwerk

Mein (nicht allei­ni­ges) Tag­werk am Samstag:

Warten und Erfüllung

Der Star und der Höhe­punkt des Abends ließ lan­ge auf sich war­ten. Zunächst war erst ein­mal das Pflicht­pro­gramm zu absol­vie­ren. Genau so spiel­te die Deut­sche Staats­phil­har­mo­nie unter Karl-Heinz Stef­fens Mozarts Post­horn-Sere­na­de am Beginn des zwei­ten Meis­ter­kon­zerts aller­dings auch: mit fül­li­gem Klang, aber ohne jede erkenn­ba­re Idee und lei­der auch ohne hör­ba­re Ener­gie. Sicher, das ist nicht gera­de Mozarts span­nends­te Par­tiur. Aber so lang­wei­lig muss es nicht zwangs­läu­fig sein. Es blieb also beim War­ten. Und auch nach der Pau­se war das War­ten beim Meis­ter­kon­zert in der Rhein­gold­hal­le noch nicht ganz vor­bei. Das Orches­ter saß schon längst bereit, bis Maxi­mi­li­an Hor­nung dazu stieß. Aber es hat sich gelohnt, auf den jun­gen Instru­men­ta­lis­ten zu war­ten. Denn der Münch­ner Cel­list brach­te das drin­gend not­wen­di­ge Leben in die Musik, mit dem ers­ten Cel­lo-Kon­zert von Camil­le Saint-Saens, und mach­te end­gül­tig Schluss mit dem War­ten. Sein sehr trag­fä­hi­ger, aber nie auf­dring­li­cher Ton vibrier­te vor Leben­dig­keit. Stän­dig ver­än­der­te er sich, ließ Nuan­cen ohne Zahl schim­mern und glei­ßen. Mit Vehe­menz atta­ckier­te sein Bogen die Sai­ten – und schaff­te es doch, die Töne weich schwe­ben zu las­sen und har­mo­nisch abzu­run­den. So dyna­misch wie sei­ne Ton­ge­bung war auch sei­ne Inter­pre­ta­ti­on: Bestimmt­heit und Selbst­be­wusst­sein waren die ent­schei­den­den Cha­rak­te­ris­ti­ka. Jeder Ton, jede Phra­se ver­kün­de­te: Das muss jetzt hier unbe­dingt genau so klin­gen. Und Hor­nung kann das auch so spie­len. Er ver­sank – was bei Saent-Sains durch­aus nahe liegt – nie in sen­ti­men­ta­lem Geha­be, son­dern ent­wi­ckel­te eine prä­zi­se Emo­tio­na­li­tät. Nur lei­der ist das alles viel zu schnell wie­der vorbei.

Und nach die­sem Höhe­punkt in der Kon­zert­mit­te schien auch das Lud­wigs­ha­fe­ner Orches­ter wie aus­ge­wech­selt. Die Staats­phil­har­mo­nie spiel­te nun deut­lich frei­er und vita­ler, mit mehr Ein­satz und mehr See­le. Clau­de Debus­sys „La mer“ wur­de des­halb zum pas­sen­den Abschluss einer Rei­he zuneh­mend exo­ti­sche­rer Musik. Zunächst ließ Stef­fens sein Orches­ter ein rich­tig unfreund­li­ches, aus­ge­spro­chen unwirt­li­che Bild des Mee­res malen. Mit eini­gen Kan­ten und Haken wider­setz­te sich das jeder Roman­ti­sie­rung. Und er stei­ger­te das noch: Die drit­te sin­fo­ni­sche Skiz­ze Debus­sys, den Dia­log zwi­schen Wind und Meer, diri­gier­te er als reins­ten Ner­ven­kit­zel – ein ech­ter Thril­ler. Und die Staats­phil­har­mo­nie beleb­te die­se aus­ge­spro­chen kunst­voll geschaf­fe­ne Klang­welt bis zur wil­den Dring­lich­keit und der Bei­na­he-Eksta­se– das War­ten hat sich dop­pelt gelohnt. 

(geschrie­ben für die Main­zer Rhein-Zeitung.)

Insubordination

Selt­sam. Rafa­el Behr, Pro­fes­sor für „Poli­zei­wis­sen­schaf­ten“ (im Plu­ral!) in Ham­burg, schreibt in der Zeit 44/​2011 (S. 17, jetzt auch online – natür­lich sofort von den erwart­ba­ren Kom­men­tar­re­fle­xen über­schwemmt …) einen eigent­lich recht ver­nünf­ti­gen Text über die angeb­li­che Zunah­me der Gewalt gegen Poli­zis­ten, weist zu Recht dar­auf hin, dass die­se Zunah­me sich durch nichts bele­gen lässt und ver­weist – etwas dif­fus – auf gesell­schaft­li­chen Wan­del, dem sich die Poli­zei (und ihre Aus­bil­dung) anzu­pas­sen habe. Aber etwas ist mir mit­ten­drin auf­ge­sto­ßen: Da spricht Behr auf ein­mal von „Insub­or­di­na­ti­on“:

Es ist also nicht die Gewalt, die den Poli­zis­ten Schwie­rig­kei­ten berei­tet, son­dern die aggres­si­ve Kom­mu­ni­ka­ti­on der Bevöl­ke­rung, mit der es Poli­zei zu tun hat. Ich nen­ne es Insub­or­di­na­ti­on, ein Unge­hor­sam, der um sich greift und auf den Poli­zis­ten nicht gut vor­be­rei­tet sind.

Und genau das offen­bart ein Teil des Pro­blems: Insub­or­di­na­ti­on kann es in die­sem Zusam­men­hang gar nicht gegen. Insub­or­di­na­ti­on, also so etwas wie „Befehls­ver­wei­ge­rung“, gibt es nur zwi­schen Unter­ge­ord­ne­ten und Vor­ge­setz­ten, im stren­ge­ren Sin­ne eigent­lich nur in mili­tä­ri­schen Kon­tex­te. Im Duden heißt es z.B.: „man­geln­de Unter­ord­nung; Unge­hor­sam gegen­über [mili­tä­ri­schen] Vor­ge­setz­ten“. Und das kann ich bei der Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Poli­zei und Zivi­lis­ten nicht ein­fach so unter­stel­len – das ist ja gera­de der Punkt: Auch im Kon­takt mit Poli­zis­ten ver­fü­ge ich als Bür­ger über Frei­hei­ten. Schön brav gehor­chen muss ich viel­leicht (nicht ein­mal das unbe­dingt!) im Mili­tär, nicht aber in einer moder­nen Gesell­schaft. Und auch wenn er selbst den Rekurs auf die Zei­ten, in der der Schutz­mann (Frau­en spie­len natür­lich kei­ne Rol­le hier) noch qua­si unan­ge­foch­ten über Auto­ri­tät ver­füg­te, zurück­weist, unter­schlägt er – wie fast alle in sol­chen Dis­kus­sio­nen – einen Punkt, den ich nicht ganz unwich­tig fin­de: Das Auf­tre­ten heu­ti­ger Poli­zis­ten ist mit dem eines „Schutz­man­nes“ – für mich (!) eine Insti­tu­ti­on, die es seit 50–60 Jah­ren nicht mehr gibt – nicht zu ver­glei­chen. Man muss sich nur mal die Aus­rüs­tung eines nor­ma­len Strei­fen­po­li­zis­ten anschau­en: Der ist so aus­ge­stat­tet, als ob er jeden Moment mit sehr viel Gewalt rech­net. Sicher­lich aus guten Grün­den. Oft genug schlägt sich das aber auch in der Hal­tung und in der initia­len Kom­mun­ka­ti­on von Poli­zis­ten nie­der – un pro­vo­ziert natür­lich ganz selbst­ver­ständ­lich eine ent­spre­chen­de Abwehr­hal­tung und ange­pass­te Kom­mu­ni­ka­ti­on im Gegen­über. Wenn man sich dann noch vor Augen hält, wie oft und non­cha­lant sich Poli­zis­ten im All­tag über die von ihnen gehü­te­ten Geset­ze hin­weg­set­zen (und sich natür­lich immer im Recht wäh­nen), wun­dert es mich fast, dass sie nicht mehr Gewalt erfahren …

Unbekanntes zum Anfang

Es klingt, als sei die Tin­te auf dem Noten­pa­pier gera­de erst getrock­net. Nicht, dass Carl Rei­ne­cke so avant­gar­dis­tisch kom­po­niert hät­te oder gar sei­ner Zeit vor­aus gewe­sen wäre. Schon sei­nen Zeit­ge­nos­sen fiel auf, dass er sich ger­ne an For­men ver­gan­ge­ner Zei­ten ori­en­tier­te. Aber trotz sei­nes gro­ßen Ruhms im 19. und begin­nen­den 20. Jahr­hun­dert – heu­te ken­nen nur weni­ge Spe­zia­lis­ten mehr als ein, zwei Wer­ke aus der Feder des lang­jäh­ri­gen Lei­ters des Leiz­pi­ger Gewandhausorchesters.

Sei­ne Cel­lo­so­na­ten sind meis­tens nicht dabei – aus ganz bana­len Grün­den: Bis vor kur­zem waren nicht ein­mal die Noten dafür greif­bar. Der Main­zer Cel­lo-Pro­fes­sor Manu­el Fischer-Die­skau änder­te das – und spiel­te die drei Sona­ten gleich noch auf CD ein. Beim Semes­ter­eröff­nungs­kon­zert der Main­zer Musik­hoch­schu­le hat er die ers­te Sona­te, ein frü­hes Werk Reine­ckes, auch live vor­ge­stellt. Und das war ein wirk­li­cher Genuss, der eben ganz frisch, leben­dig und unver­braucht klingt. Fischer-Die­skau und Pia­nist Kirill Kro­tov spie­len Reine­ckes melo­die­seli­ge Sona­te freu­dig aber mit ker­ni­gem Klang – und haben sicht­lich Spaß dar­an. Und Ver­gnü­gen hat auch das Publi­kum im gut gefüll­ten Roten Saal der Musikhochschule.
Vie­les in Reine­ckes Kam­mer­mu­sik ist zunächst ein­fach mal schön, manch­mal auch etwas sentimal: 

Gute Melo­die­fin­dung und aus­ge­such­te Raf­fi­nes­se der Stim­mun­gen zeich­nen ihn aus, for­mal ist er deut­lich an Model­len der Klas­sik ori­en­tiert. Eine Mischung, die immer etwas einer hei­len Welt beschwört: Ein­tracht, Har­mo­nie und gebil­de­te Gefäl­lig­keit sind nicht nur in den Cel­lo­so­na­ten zu hören, son­dern auch in den Flö­ten­so­na­ten. Am bekann­tes­ten – wenn man von Bekannt­heit spre­chen mag – ist die „Undine“-Sonate, die sich ein biss­chen der Pro­gramm­mu­sik annährt. Flö­tist Dejan Gavric mit Maria Olli­ka­i­nen am Kla­vier sau­sen da keck hin­durch, las­sen unzäh­li­ge Erre­gun­gen auf­wal­len und gro­ße Gefüh­le auf­bre­chen: Ein vir­tuo­ser Ein­bruch der unge­zähm­ten Fan­ta­sie, die die hei­le Welt zwar nicht aus den Fugen wirft, aber doch etwas zum Wackeln bringt.
Das Quin­tett für Kla­vier und Streich­quar­tett geht einen ande­ren Weg: Zwar lässt Rei­ne­cke auch hier sei­nen ver­schwen­de­ri­schen Umgang mit musi­ka­li­schem Mate­ri­al, ger­ne im rasan­ten Wir­bel, hören. Neben der fast orches­tra­len Klang­wir­kung setzt er aber vor allem auf eine – mal mehr, mal weni­gr deut­li­che – Kon­tras­tie­rung von Kla­vier und Streich­quar­tett. Das Kon­flikt­po­ten­zi­al bleibt frei­lich beschei­den, inspi­riert aber zu ver­schwen­de­ri­scher Fül­le. Und die wird von den Dozen­ten und Stu­den­ten aus­ge­kos­tet: Mit dem rich­ti­gen Maß an Klar­heit, um trotz des mäch­ti­gen Klan­ges nicht erdrü­ckend zu wir­ken und viel Spiel­freu­de füh­ren sie das beister­te Publi­kum durch die Welt der unbe­kann­ten Kam­mer­mu­sik Carl Reineckes. 

(geschrie­ben für die Main­zer Rhein-Zeitung.)

Verehrung

Wenn man nicht mehr weiß, wohin mit der Ver­eh­rung eines gro­ßen lite­ra­ri­schen Meis­ters, dann schafft man – bzw. Ralf Zei­ger­mann – sol­che Kunst­stü­cken wie die „Arno-Schmidt-Anzieh­pup­pe“ (im Ori­gi­nal lei­der fälsch­li­cher­wei­se ohne die Bindestriche …):

(Down­load der pdf-Druck­vor­la­ge zum Aus­schnei­den und Bas­teln: klick.)

So sieht der Meis­ter aus, bereit für neue Taten:

Datenschützer und das Internet

Alles nicht so ein­fach, die­se Ver­lin­kun­gen und Ein­bi­dun­gen und der gan­ze Kram in die­sem neu­en Inter­net da. Und dann sind es auch noch nicht nur die bösen Face­book-But­tons, son­dern die Ein­bet­tun­gen sind ein­fach über­all – Hilfe!

Zum Bei­spiel auch mal hier (obwohl es hier bei mir sonst eher sel­ten ist/​sein soll, ich bemü­he mich, mög­lichst viel bei mir zu haben bzw. zu halten):
PrivacyImg - Ein interaktives Beispiel.

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