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Schlagwort: wandern

Ehrbachklamm: Über Stock und Stein

Ein Tag im wilden Hunsrück

Ehrbachklamm: Hier geht's losEigent­lich woll­te ich am Mon­tag noch ein­mal raus, bevor es rich­tig Herbst wird. Kurz­fris­ti­ge Arbeit hat das dann aber ver­hin­dert: Also am Mitt­woch. Der Wet­ter­be­richt leg­te dann noch eine wei­te­re Ver­schie­bung nahe – am Don­ners­tag soll­te es tro­cken, über­wie­gend son­nig und etwa 20 °C haben – bes­tes Wan­der­wet­ter also. Das passt, den ins Auge gefasst habe ich die „Traum­schlei­fe“ der Ehr­bach­klamm. Und die ist angeb­lich der bes­te Wan­der­weg im letz­ten Jahr in Deutsch­land – zumin­dest in der Punkt­wer­tung des Deut­schen Wan­der­in­sti­tuts. „Traum­schlei­fe“ hei­ßen übri­gens die kur­zen Tou­ren („Pre­mi­um-Wan­der­we­ge“ …) rund um den Saar-Huns­rück-Steig.

Aber der Start war natür­lich in Mainz, mor­gens erst ein­mal mit dem Zug den Rhein hin­ab. Da hat­te ich gleich etwas Pech: defek­te Brem­sen erzwan­gen eine kur­ze Pau­se und einen Reboot des Zuges in Ingel­heim. Die Ver­spä­tung stör­te mich aber über­haupt nicht, denn in Bop­pard hat­te ich sowie­so mehr als eine hal­be Stun­de Zeit, bevor es mit der Huns­rück­bahn wei­ter­ging. Die fuhr dann aller­dings auch noch spä­ter als geplant (wenn es schon mal nicht klappt, dann auch rich­tig …). Und sie schlich und schlich, müh­sam kra­xel­te sie über Via­duk­te und durch Tun­nel die aus­ge­spro­chen male­ri­sche Stre­cke von Bop­pard nach Buch­holz (Bop­pard-Buch­holz heißt der Bahn­hof …, qua­si direkt hin­ter der Auto­bahn) hin­auf. Da wur­de ich dann doch etwas hip­pe­lig, denn der Bus, der mich zum Start der Wan­de­rung nach Oppen­hau­sen brin­gen soll­te, fuhr qua­si direkt nach der plan­mä­ßi­gen Ankunft des Zuges – und die war schon da, ein Bahn­hof aber noch lan­ge nicht in Sicht. Das mach­te aber nix, denn auf dem Land funk­tio­niert der ÖPNV ja anders – zum Glück war der Bus (oder bes­ser: das Bus­schen, das außer mir noch ein paar alte Frau­en auf­sam­mel­te) noch da, die freund­li­che Fah­re­rin setz­te mich dann auch direkt am Start-Park­platz der Traum­schlei­fe ab.

Ehrbachklamm: Blick über die Oppenhausener FelderUnd zack, war ich unter­wegs. War ja auch schon 10 Uhr – frü­her kommt man von Mainz da nicht hin, zumin­dest nicht ohne Auto. Aber Zeit hat­te ich mir genug ein­ge­plant. Nun ging es also los, mit der „Traum­schlei­fe“. Der Anfang ist ganz unspek­ta­ku­lär: Ein kur­zer Bogen am Orts­rand von Oppen­hau­sen über die Wie­sen, dann in den Wald – und hin­un­ter und hin­un­ter. Schließ­lich muss ich ja erst­mal zum unte­ren Ende der Ehr­bach­klamm. Der Weg dahin schon typisch „neue“ Wan­der­we­ge: Aus­ge­schil­dert bis zum Über­maß (die Min­dest­ab­nah­me­men­ge für die Schil­der war wohl hoch, die hin­gen gefühlt an jedem zwei­ten Baum & Pfahl, selbst da, wo man sich beim bes­ten Wil­len nicht ver­lau­fen konn­te …). Und es gab, das habe ich auf Wan­der­we­gen noch nie gese­hen, tat­säch­lich eine Kilo­me­trie­rung. Das ist für mich schon fast ein biss­chen viel – mir sind ja die Kilo­me­ter­an­ga­ben mit exak­ter Nach­kom­ma­stel­le an jeder Weg­kreu­zung schon fast zu viel, da kom­me ich immer so leicht in den Mess-Modus … (und den Lauf-Wett­kampf-Modus). Aber das ist halt mein Pro­blem.

Typisch für einen absicht­li­chen „Pre­mi­um-Wan­der­weg“ ist auch die Weg­füh­rung: Gro­ße Wege wer­den um jeden Preis ver­mie­den. Das ist ja nicht ver­kehrt, hat aber manch­mal doch Aus­wüch­se, die ich etwas lächer­lich fin­de, wenn dann der „Pre­mi­um-Wan­der­weg“ direkt neben einem voll­kom­men in Ord­nung und ordent­lich zu lau­fen­dem Weg etwa hier über die Stier­wie­se geführt wird (mit Trep­pen­stu­fen und allem Pipa­po), um ja mög­lichst hohe Bewer­tun­gen abzu­stau­ben …

Ehrbachklamm: Der PfadUnmit­tel­bar danach geht’s in die Klamm an sich. Und all­mäh­lich wird der Wie­sen­grund enger, der Weg ist längst zu einem Pfad gewor­den, der sich am Rand des Ein­schnitts mehr oder weni­ger auf Was­ser­hö­he hin­schlän­gelt. Und in der Klamm ist es wirk­lich schön: ein biss­chen Was­ser, viel Natur, male­risch dra­pier­te umher­lie­gen­de Bäu­me im und neben dem Was­ser … So stellt man sich einen rich­ti­gen deut­schen Wan­der­weg vor … und selbst hier, wo es gar kei­ne ande­ren Mög­lich­kei­ten gibt, tau­chen immer wie­der die Weg­mar­kie­run­gen auf. Und natür­lich die Kilo­me­ter­zah­len.

Ehrbachklamm: Der Pfad schlängelt sichDer Weg führt, Über­ra­schung, Über­aschung, teil­wei­se direkt im Ufer, auf Was­ser­hö­he, dann aber auch mal über Schie­fer­fel­sen und Trit­te und Lei­tern und Holz­brü­cken, mit in den Stein geschla­ge­nen Tritt­lö­chern und gespann­tem Seil zum Fest­hal­ten die Klamm hin­auf. Ich hat­te ja fast damit gerech­net, dass die Ehr­bach aus­ge­trock­net ist – aber dort hat es offen­bar mehr gereg­net, es floss zwar nicht über­reich­lich, aber ange­mes­sen viel Was­ser. Und an eini­gen Stel­len war der Weg sogar auf­ge­weicht. Und ich tap­fer mit mei­nen Teva-San­da­len über Stock und Stein, Fel­sen und Matsch. Das war aber auch kein Pro­blem, ich bin da sta­bil genug unter­wegs, auch wenn alle Beschrei­bun­gen und Schil­der „fes­tes Schuh­werk“ emp­feh­len (aller­dings auch nicht zu Unrecht, in der Klamm gibt es eini­ge Stel­len, wo das emp­feh­lens­wert ist.)

Ehrbachklamm: Ausblick nach AufstiegDas Ende der Klamm war dann fast zu schnell erreicht. Da geht es dann rabi­at nach oben: Der Weg knickt zur Sei­te ab und sucht sich einen Auf­stieg – ein stei­ler, sehr stei­ler Auf­stieg, der jetzt auch schön expo­niert in der noch gut wär­men­den Mit­tags­son­ne liegt. Dafür belohnt er aber auch mit herr­li­chen Aus­bli­cken über das wald­rei­che Tal und sei­ne Müh­len.

Noch bevor die Höhe erreicht ist, heißt es abbie­gen auf die Schöneck­schlei­fe. Denn die Ehr­bach­klamm­schlei­fe ist mir dann allein doch zu wenig. Die Erwei­te­rung führt nun über einen ange­neh­men Wald­weg (der ist zwar brei­ter als der Pfad in der Klamm, aber kaum fahr­bar – bei uns wäre der längst anders aus­ge­baut …). So geht es eine Wei­le hin am Hang, bevor noch mal ein stei­ler Auf­stieg zur Schöneck hin­auf folgt – die­ses Mal im Wald­bo­den über eini­ge Keh­ren. Oben belohn­te ich mich mit einer kur­zen Ver­schnauf­pau­se, genoss erneut die schö­nen Aus­bli­cke, die auch durch die Mili­tär­hub­schrau­ber nur wenig gestört wur­den. Bewun­dern durf­te ich auch wie­der die Wind­rä­der, die sich hier von jedem Punkt aus fast in alle Him­mels­ri­chun­gen über den Hori­zont erstre­cken – und die Leu­te leben immer noch dort, die Tou­ris­ten kom­men auch noch (für (Süd-)Hessen wäre das unvor­stell­bar, die wür­den da wohl die Revo­lu­ti­on aus­ru­fen …).

Ehrbachklamm: Schloss Schöneck von der SchwedenschanzeUms Schloss Schöneck her­um wird der Weg noch ein­mal fast alpin … (Naja, was mir als alpin gilt …). Auf der ande­ren Sei­te erreicht man dann schnell die Schwe­den­schan­ze – der Name ver­rät es, von hier aus haben die Schwe­den ver­sucht, Schöneck zu erobern – dem­entspre­chend hat man noch­ein­mal einen schö­nen Blick zurück auf das expo­niert lie­gen­de Schloss und sei­ne Umge­bung.

Kurz vor Wind­hau­sen biegt der Weg am gro­ßen Wan­der­park­platz ab und macht sich sozu­sa­gen auf den Rück­weg. Da war jemand tat­sä­lich so ver­rückt und hat das Weg­lein gekiest – als wären wir auf dem Fried­hof … Dann geht es mal wie­der raus aus dem Wald, über eini­ge Fel­der und im Bogen vor­bei an Hübin­gen zum Aus­sichts­punkt und Ruhe­bank Höchst (das heißt wohl tat­säch­lich so, steht zumin­dest auf den Schil­dern. Dort mach­te ich dann end­lich (war schon etwas spät gewor­den) mei­ne klei­ne Mit­tags­rast.

Im wei­ten Bogen ging es wei­ter über die Fel­der – gera­de­aus wär’s natür­lich auch mal wie­der gegan­gen. Aber so darf man bei den Wegen ja nicht den­ken, die haben das Lau­fen um des Lau­fens wil­lens wirk­lich zur Kunst­form erho­ben

Ehrbachklamm: PeterslayUnd dann ging es mal wie­der hin­un­ter, in den Wald, Rich­tung Ehr­bach. Ganz führt der Weg da aber nicht mehr hin. Zuvor kommt auf jeden Fall noch mal der Abzweig Traumschleife/​Schöneckschleife, wo ich für orts­kun­dig gehal­ten wur­de und einem älte­ren Ehe­paar den Weg wei­sen durf­te … Über Peters­lay – wo der Schie­fer schön zuta­ge liegt – geht es dann noch ein­mal ordent­lich run­ter in die Teu­fels­schlucht. Die ist aber ganz nicht so schreck­lich ;-) Der größ­te Schre­cken bestand dar­in, dass klar war, dass es danach gleich wie­der hoch geht – denn Oppen­hau­sen, das lang­sam wie­der näher rück­te, liegt ja oben auf dem Pla­teau. Dum­mer­wei­se habe ich da unten auf die Uhr geschaut und kam dann auf die Idee, dass ich ja viel­leicht noch den Bus um 14 Uhr erwi­schen könn­te. Also mach­te ich auf dem Auf­stieg rich­tung Oppen­hau­sen noch mal Dampf machen und gab den Ober­schen­keln etwas Druck.

Und das nur, um dann im Ort zu mer­ken: Der Bus ist zwei Minu­ten zuovr abge­fah­ren – aus­ge­rech­net der war jetzt pünk­lich … Naja, alles halb so schlimm, eine Stun­de spä­ter geht ja der nächs­te. Und es war ja noch früh am Tag – da ich nur vier Stun­den gebraucht habe, deut­lich frü­her als geplant. Also lun­ger­te ich noch etwas am gut beset­zen Park­platz her­um, freu­te mich ange­sichts der zuneh­men­den Bewöl­kung und des ziem­lich fri­schen Win­des, dass ich den schö­ne­ren Teil des Tages genutzt hat­te und ließ mei­nen Ebook-Rea­der arbei­ten.

Der Weg und die Land­schaft – von der gibt es da mehr als genug – ist aber wirk­lich schön. Beim nächs­ten Mal könn­te ich dann viel­leicht doch gleich nach Bop­pard run­ter lau­fen – das sind noch mal ca. 13 Kilo­me­ter auf dem Saar-Huns­rück-Steig, habe ich unter­wegs bei Wind­hau­sen gese­hen. Da war ich mir dann aber unsi­cher, ob’s noch hin­haut, weil ich den Weg nicht ken­ne (und vor allem nicht, wie­viel Höhen­me­ter auf der Stre­cke noch lau­ern, auch wenn es ten­den­zi­ell stark berg­ab geht) und habe des­halb lie­ber am Plan fest­ge­hal­ten. Der sah dann vor – und das hat auch geklappt -, wie­der mit dem Bus nach Buch­holz, mit der Huns­rück­bahn nach Bop­pard und mit der Mit­tel­rhein­bahn nach Mainz und mit dem Fahr­rad nach Hau­se …

Das Höhen­pro­fil sieht ziem­lich def­tig aus. Die Anstie­ge sind teil­wei­se auch kna­ckig, aber ande­rer­seits nie sehr lang, so dass das alles halb so schlimm ist:
höhenprofil ehrbachklamm
Die dazu­ge­hö­ri­ge gpx-Datei liegt hier: Wan­de­rung.

Die rest­li­chen Fotos (ich hab‘ viel geknipst, aber halt nur mit dem Tele­fon und ohne Ahnung …)

Das Wandern ist nicht nur des Müllers Lust

Nein, das Wan­dern ist­wirk­lich nicht nur des Mül­lers Lust. Auch Ulrich Gro­ber hat wahn­sin­nig viel Lust am Wan­dern und beim Wan­dern. So viel, dass er ein Buch dar­über geschrie­ben hat: „Vom Wan­dern“ heißt das ganz unauf­fäl­lig. Und der Unter­ti­tel ver­heißt noch dazu „Neue Wege zu einer alten Kunst“ – da kann man geteil­ter Mei­nung sein.1 Aber zunächst ein­mal muss ich fest­hal­ten: Ulrich Gro­ber ist ein wun­der­ba­res Buch gelun­gen. Das haben auch ande­re Leser schon fest­ge­stellt. Und ich kann mich da wirk­lich nur anschlie­ßen.

War­um ist das so gut? Nun, Gro­ber berich­tet zwar – wie vie­le vor und nach ihm – auch von sei­nen Erleb­nis­sen auf sei­nen Wan­de­run­gen. Aber das Wie ist ent­schei­dend. Denn die eigent­li­che Wan­de­rung ist oft genug gar nicht so wich­tig. Es geht nie dar­um, von einem Ort zum ande­ren, vom Start zum Ziel zu kom­men. Son­dern immer um das, was dazwi­schen ist und pas­siert. Das meint nicht nur die all­zu plat­te Erkennt­nis, dass der Weg das Ziel sei. Nein, bei Gro­ber ist auch der Weg nicht das Ziel. Zumin­dest hier nicht. Hier geht es dar­um, was mit dem Indi­vi­du­um des Wan­de­rers beim Wan­dern, in der Bewe­gung durch Raum und Zeit, pas­siert. Da sind auch gleich noch zwei ganz wich­ti­ge Stich­wor­te gefal­len: Raum und Zeit. Dafür hat Gro­ber ein beson­de­ren Spür­sinn. Raum, das ist die Land­schaft, durch die die jewei­li­ge Wan­de­rung (fast immer ist er übri­gens als Soli­tär unter­wegs) ihn führt. Die wird nicht nur anhand ihrer ober­fläch­li­chen Beschaf­fen­heit beschie­ben, son­dern – so könn­te man etas empa­thisch sagn – in ihrem Wesen und ihrer prä­gen­den Kraft erkannt. Genau die­se Tat­sa­che, dass Gro­ber den ver­schie­de­nen Land­schaf­ten, Natur­räu­men, Umge­bun­gen ein Wesen, einen Cha­rak­ter zuschreibt, ist das Ent­schei­den­de. Und ähn­lich ist es mit der Zeit: Gro­ber ist ein Fla­neur unter den Wan­de­rern. Eben weil es ihm nicht auf den Weg, son­dern auf das Erle­ben ankommt. Und vor dem Erle­ben steht das Wahr­neh­men. Weil Gro­ber viel weiß und viel kennt (zumin­dest im Buch …) nimmt er viel wahr: Natur­kund­li­ches, His­to­ri­sches, Metero­lo­gi­sches, Geo­lo­gi­sches, Bota­ni­sches …

Das alles schreibt er nie­der als eine Mischung aus Natur, Zivi­li­sa­ti­on, Geschich­te und Kul­tur der jewei­li­gen Wan­de­rung. Und er bleibt dabei sym­pa­thisch unauf­ge­regt: Das sind kei­nes­wegs „beson­de­re“ Wan­de­run­gen, kei­ne unge­wöhn­li­chen, aus­ge­fal­le­nen Wege oder Stre­cken, die er geht – son­dern ganz nor­ma­le Wege in Deutsch­land (und ein­mal über die Alpen nach Ita­li­en). Wan­dern ohne sport­li­che oder ähn­li­che Ambi­tio­nen also. Dafür aber eben mit ganz viel Zeit und vor allem ganz viel Auf­merk­sam­keit für sich selbst und die Umge­bung, für das Erle­ben auf allen Ebe­nen: Mikro‑, Meso- und Makro­ebe­ne wech­seln immer wie­der. Die Auf­merk­sam­keit ist aber nicht nur auf die Umge­bung, ihre Eigen­hei­ten und ihre Ver­än­de­run­gen, gerich­tet, son­dern auch auf das Wan­dern selbst, auf die Bewe­gung von Kör­per und Geist. Das ist auch wie­der so eine Ver­bin­dung, die typisch für Gro­ber ist: Das Wan­dern betrift nicht nur den Kör­per, der sich bewegt, son­dern in min­des­tens genau­so star­kem Maße auch den Geist, der ange­regt wird.

Dafür gibt es auf die­se mehr als 300 Sei­ten unzäh­li­ge Bei­spie­le. Denn die gewan­der­ten Rou­ten sind hier nicht nur Weg­be­schrei­bun­gen,2 son­dern Erfah­rungs- und Erleb­nis­be­rich­te, eine Auto­bio­gra­phie eines Wan­de­rers in Aus­schnit­ten. Dazwi­schen streut Gro­ber dann noch eini­ge Wis­sens-Exkur­se ein – von der Aus­rüs­tung über kul­tur­ge­schicht­li­che Abschwei­fun­gen und Son­die­run­gen bis zu öko­lo­gi­schen und gesund­heit­li­chen Aspek­ten des Wan­derns. Immer wie­der taucht aber leit­mo­ti­visch nicht nur die posi­ti­ve Wir­kung des Wan­derns im All­ge­mei­nen, son­dern vor allem die Frei­heit des Wan­de­rers in Raum (Gro­ber bleibt nicht immer auf vor­ge­ge­be­nen Wegen) und Zeit (auch an sei­ne eige­ne Pla­nung hält er sich nicht unbe­dingt immer) auf – bis hin zum letz­ten Satz: „Der Weg ist frei.“ (315)

Ulrich Gro­ber: Vom Wan­dern. Neue Wege zu einer alten Kunst. Frank­furt am Main: Zwei­tau­send­eins 2010 (2006). 343 Sei­ten. ISBN 9783861508441/​9783861507727

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  1. Vor allem, was das Wan­dern als „Kunst“ betrifft. Aber auch die Ver­hei­ßung „neu­er Wege“ ist eigent­lich irre­füh­rend: Denn beson­ders neu im Sin­ne von inno­va­tiv ist das alles nicht unbe­dingt. Eher neu im Sin­ne einer (Rück-)Besinnung.
  2. Das sind sie sogar im eigent­li­chen Text über­haupt nicht – dafür gibt es aber einen Anhang mit vie­len Infor­ma­tio­nen, der auch die Zita­te, die der bil­dungs­be­flis­se­ne Gro­ber immer wie­der ein­streut, nach­weist.

„zum rhein, zum rhein, zum deutschen rhein!“

web: rhein­steig
stre­cke: rüdes­heim – lorch (24,5 km, 660 Höhen­me­ter hin­auf (und auch wie­der run­ter, denn wir kehr­ten ja zum rhein zurück))
kar­te: obe­res mit­tel­rhein­tal, 1:25000. isbn 3–89637-365‑x

der halb­ma­ra­thon (mit neu­er best­zeit) am sams­tag hat­te mich noch nicht genug gefor­dert: trotz rest-mus­kel­ka­ter ging es am mon­tag schon wie­der los. die­ses mal aber in erheb­lich gemüt­li­che­rem tem­po – näm­lich wan­dernd. weil das wet­ter gera­de so schön war, haben dani­el, ulrich und ich kur­zer­hand beschlos­sen, wenigs­tens einen tag am rhein­steig zu ver­brin­gen. unse­re tour begann in rüdes­heim. eigent­lich aber schon vor­her: um 6.45 uhr fuhr der zug in mainz ab, der dani­el und mich zunächst nach wies­ba­den brach­te, wo wir in den regio­nal­zug nach koblenz umstie­gen. in erbach (rhein­gau) nah­men wir dann noch ulrich an bord und konn­ten kurz vor acht bereits in rüdes­heim auf den zubrin­ger-weg zum rhein­steig los­stie­feln.

zunächst ging es durch die rüdes­hei­mer wein­ber­ge (teil­wei­se mit dem brahms-pfad und sei­nen kryp­ti­schen tafeln) hin­auf zum nie­der­wald-denk­mal mit der ger­ma­nia, das um die­se tages­zeit noch voll­kom­men men­schen­leer war (und dadurch umso ange­neh­mer). zuvor aber noch kur­zer halt an der tem­pel­hal­le, um ein wenig schil­ler zu rezi­tie­ren (dani­el sprach „das glück“, ich die bei­den weni­ger inter­es­san­ten xeni­en zum rhein). dann gin­gen wir die paar meter wei­ter zur ger­ma­nia – natür­lich mit pathe­ti­schem vor­trag (sin­gen woll­ten wir es dann doch nicht) der dort auch ein­ge­schrie­be­nen „wacht am rhein” – so viel patrio­tis­mus muss sein ;-).

und schon gings wei­ter, durch den nie­der­wald mit immer wie­der schö­nen aus­bli­cken über das rhein­tal zum jagd­schloss ass­manns­hau­sen und dann auch gleich steil hin­un­ter nach ass­mans­hau­sen – immer­hin eini­ge weni­ge wan­de­rer begeg­ne­ten uns hier. auf der ande­ren sei­te des ortes mar­schier­ten wir sofort wie­der hoch, durch die wein­ber­ge am höl­ler­berg – bis zur ers­ten rast bzw. dem zwei­ten früh­stück mit herr­li­chem aus­blick über rhein­tal und die burg rhein­stein auf der ande­ren sei­te des flus­ses. lei­der war die fern­sicht vor­mit­tags noch nicht so toll, immer noch leicht duns­tig. und auch das wet­ter war noch ein wenig hin- und her­ge­ris­sen: ziem­lich wech­sel­haft bewölkt, immer wie­der blies ein küh­les lüft­chen ein wenig abküh­lung – vor allem natür­lich auf den hügeln oben.

wei­ter ging es dann aus dem wein­berg wie­der hin­aus und über den schma­len – und sehr idyl­li­schen – fel­sen­pfad und den pan­oram­weg, schließ­lich dann auf dem fels­weg am bann­wald (dem zukünf­ti­gen urwald) hin­über nach boden­tal, wo dann schon der frei­staat fla­schen­hals beginnt. und dann war es auch schon nicht mehr nach lorch. immer quer am hang ent­lang geht der weg, mit schö­nen bli­cken, die wir genau­so genos­sen wie die ruhe im wald: men­schen begeg­ne­ten wir nur sehr weni­gen. nach einer wei­te­ren kur­zen rast bei mitt­ler­wei­le ein­wand­frei strah­len­dem son­nen­schein lag dann auch schon der abstieg in den ort lorch vor uns, wo mit­tags gera­de kein offe­nes café zu fin­den war. ein kur­zer blick in die kir­che (mit schö­ne vor­hal­le) und wei­ter zum bahn­hof, der etwas außer­halb rhein­auf­wärt gele­gen ist. und kurz danach kam auch schon der zug, der uns wie­der das rhein­tal hin­auf beför­der­te. in erbach stie­gen wir dann alle aus und wan­del­ten gemüt­lich zum haus von ulrichs eltern, die uns noch mit einer lukul­li­schen ver­pfle­gung ver­wöhn­ten, bevor dani­el und ich uns dann am abend auf den rück­weg nach mainz mach­ten.

noch mehr schö­ne bil­der (von dani­el) gibt es auf die­ser web­sei­te.

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