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Schlagwort: kriegsverbrechen

Ins Netz gegangen (22.4.)

Ins Netz gegan­gen am 22.4.:

  • Das Netzwerkdurchsetzungs­gesetz: Im Zwei­fel gegen die Mei­nungs­frei­heit? | Ver­fas­sungs­blog → lukas ger­har­din­ger hat im ver­fas­sungs­blog gro­ße zwei­fel am „netz­werk­durch­set­zungs­ge­setz“ (das allein wegen dem völ­lig bescheu­er­ten, fal­schen namen unsinn ist …):

    Es zeigt sich, dass das Vor­ha­ben der Bun­des­re­gie­rung ein erheb­li­ches Gefah­ren­po­ten­ti­al für das Recht der frei­en Rede birgt. Ins­be­son­de­re das vor­ge­ge­be­ne Lösch­ver­fah­ren, wel­ches rasche, nicht aber recht­mä­ßi­ge Ent­schei­dun­gen bezweckt, lässt eine Viel­zahl an feh­ler­haf­ten Ent­schei­dun­gen befürch­ten. Die dro­hen­den Geld­bu­ßen set­zen zudem einen gefähr­li­chen Anreiz. Denn neben den offen­kun­di­gen Fäl­len wird es unzäh­li­ge Zwei­fels­fäl­le geben. Und im Zwei­fel wird sich wohl kei­ne wirt­schaft­lich den­ken­de Platt­form für die Mei­nungs­frei­heit stark machen und dabei ein spür­ba­res Buß­geld ris­kie­ren. Es ist daher zu befürch­ten, dass die sozia­len Netz­wer­ke in gro­ßer Zahl Inhal­te löschen wer­den, die zwar unlieb­sam sein mögen, aber gera­de des­we­gen von der Mei­nungs­frei­heit gedeckt sind. Das geplan­te Netz­werk­durch­set­zungs­ge­setz ver­kehrt damit die Frei­heits­ver­mu­tung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts in das Gegen­teil. In den sozia­len Netz­wer­ken droht nun­mehr der Grund­satz zu gel­ten: Im Zwei­fel gegen die Mei­nungs­frei­heit.

  • Kleist-Hand­schrif­ten­ge­ne­ra­tor| kleist-digi­tal → sehr cool: ein kleist-hand­schrif­ten-gene­ra­tor, mit kleist-hand­schrif­ten zum down­load als font-datei­en!
  • „Wel­chen Platz sieht so jemand für Frau­en in der Gesell­schaft?“ | Zeit → über wer­bung, sexis­mus, öffent­licht­keits­gei­le spin­ner und jour­na­lis­ten …
  • Ope­ning of UN files on Holo­caust will ‚rewri­te chap­ters of histo­ry‘ | Guar­di­an → Archi­ve used in pro­se­cu­ti­on of Nazis reve­als detail­ed evi­dence of death camps and geno­ci­de pre­vious­ly unseen by public

Songs for Kommeno

„Songs for Kom­meno“ ist ein ambi­tio­nier­tes Pro­jekt: Mit den acht Jazz-Songs will Gün­ter Baby Som­mer auf das Mas­sa­ker einer deut­schen Wehr­machts­ein­heit im grie­chi­schen Kom­meno am 16.8.1943 erin­nern. Und das umfang­rei­che Büch­lein dazu doku­men­tiert die Ernst­haf­tig­keit, mit der sich Baby Som­mer auf die Auf­ga­be, den Ort, die Geschich­te ein­ge­las­sen hat (aller­dings nicht so sehr das Gesche­hen selbst).

So weit, so gut. Aber „Songs for Kom­meno“ hat lei­der einen gro­ßen Nach­teil: Musi­ka­lisch lässt mich die CD reich­lich kalt. Das ist mir alles arg betu­lich und viel zu lang­wei­lig – und zugleich immer so bedeu­tungs­schwan­ger. Viel­leicht hät­te ich erst­mal ein­fach die Musik hören sol­len, ohne nähe­re Infor­ma­tio­nen. Hat man die Tex­te im groß­zü­gi­gen Begleit­buch gele­sen, geht das aber nicht mehr: Die Musik kann dann nicht mehr für sich ste­hen, sie muss mehr sein. Näm­lich Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung in irgend­ei­ner Form, Erin­ne­rung, auch Erin­ne­rungs­po­li­tik, zugleich Vesöh­nung und Bit­te um Ver­ge­bung und so wei­ter. Das ist (in mei­nen Ohren) doch ein biss­chen viel für die­se Klän­ge. Viel­leicht funk­tio­niert das für ande­re Hörer her­vor­ra­gend, viel­leicht hat es auch am qua­si authen­ti­schen Ort gelin­gen kön­nen – in mei­nem Heim, wo ich im beque­men Ses­sel sit­ze und drau­ßen der ers­te Vor-Herbst-Regen nie­selt, klappt das aber ein­fach nicht. Aber ich bin bei sol­chen Unter­neh­mun­gen (fast) immer recht skep­tisch – mei­ner Erfah­rung nach wird dabei die Musik (und die ist es beson­ders, die für sol­che Pro­jek­te ein­ge­spannt wird) mit einer Auf­ga­be über­frach­tet, die sie ein­fach nicht leis­ten kann – näm­lich kon­kre­te Inhal­te irgend­wie zu trans­por­tie­ren. Aber das sind grund­sätz­li­che Ein­stel­lun­gen, was man von Musik erwar­ten will und ihr an kom­mu­ni­ka­ti­ven Auf­ga­ben (im wei­te­ren Sin­ne) zu-muten möch­te. Ich bin da gene­rell sehr zurück­hal­tend, weil ich über­zeugt bin, dass Klang und Form (um das mal so abs­trakt zu las­sen) die bes­se­ren Ver­mitt­lungs­in­stan­zen sind – und auch ohne bestimm­te bzw. bestimm­ba­re Inhal­te Men­schen bewe­gen und letzt­lich auch ver­än­dern kön­nen.

Aber, um noch mal von den grund­sätz­li­chen Din­gen zurück zu den „Songs for Kom­meno“ zu kom­men: Ganz abge­se­hen von die­sem gan­zen Hin­ter­grund ist die Musik hier zwar oft schön (Baby Som­mer ist natür­lich ein sehr guter Schlag­zeu­ger und auch Flo­ros Flo­ridis ein tol­ler Kla­ri­net­tist), aber für mei­nen Geschmack zu flach, zu ein­di­men­sio­nal – kurz: ein­fach zu lang­wei­lig. Da hilft auch die geborg­te Authen­ti­zi­tät des Kla­ge­ge­sangs einer Über­le­ben­den nicht. Und die grie­chi­sche Natio­na­li­tät der betei­lig­ten Musi­ker. Ich blei­be skep­tisch: Ich hal­te Musik (und Kunst all­ge­mein) nicht für das idea­le Medi­um des Umgangs mit Geschich­te, schon gar nicht mit kon­kre­ten Ereig­nis­sen. Das tut bei­den Sei­ten nicht gut.

Gün­ter Baby Som­mer (mit Savina Yan­n­a­tou, Flo­ros Flo­ridis, Evge­ni­os Voul­ga­ris, Spi­li­os Kas­ta­nis): Songs for Kom­meno. Intakt Records CD 190, 2012.

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