Ins Netz gegangen (2.8.)

Andrés Canchón

Ins Netz gegan­gen am 2.8.:

Angst

einsam (unsplash.com)Pablo Garcia Saldaña

Es klingt viel zyni­scher, als es gemeint: Aber (inzwi­schen) habe ich mehr Angst vor den poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Dis­kus­sio­nen (und natür­li­ch den ent­spre­chen­den Geset­zes­än­de­run­gen) nach Gewalt­ta­ten als vor der Gewalt selbst.

Sozu­sa­gen aus psy­cho­so­zia­ler Hygie­ne ver­ord­ne ich mir inzwi­schen regel­mä­ßig beim Bekannt­wer­den von gewalt­tä­ti­gen Ereig­nis­sen eine gewis­se Medi­en­ab­sti­nenz. Sobald klar und abseh­bar ist, dass es mich nicht unmit­tel­bar betrifft – weil ich zum Bei­spiel nicht in Mün­chen bin und auch nie­mand, der mir nahe steht, gera­de dort weilt – mei­de ich den Bli­ck auf Twit­ter, Red­dit, die Nach­rich­ten­sei­ten etc. Denn dort wird es gefühlt immer schlim­mer und ritua­li­sier­ter. Noch wäh­rend sich ein Ereig­nis ent­fal­tet, noch wäh­rend Men­schen ster­ben und die meis­ten ganz und gar kei­ne genau­en Infor­ma­tio­nen haben (und ja auch nicht unmit­tel­bar und sofort benö­ti­gen), tau­chen die Leu­te auf, die es schon immer gewusst haben. Und dann auch die Leu­te, die schon immer wuss­ten, dass jetzt die Leu­te, dies es schon immer gewusst haben, auf­tau­chen. Und so wei­ter – das spi­ra­li­siert sich ganz schnell und ganz unan­ge­nehm.

Und natür­li­ch gibt es immer wie­der die glei­chen Refle­xe: Noch mehr Poli­zei, noch mehr Über­wa­chung, noch mehr Geheim­dienst, jetzt neu: noch mehr bewaff­ne­te Streit­kräf­te im Inne­ren (also zwangs­läu­fig, denn dafür sind sie ja da: Noch mehr Tote.). Und die Meta­di­s­kus­si­on läuft auch gleich noch mit, ohne wahr­nehm­ba­re Zeit­ver­zö­ge­rung. Das gan­ze wirkt auch mich inzwi­schen regel­recht sur­re­al, weil es von den tat­säch­li­chen Ereig­nis­sen (und vor allem: dem Wis­sen dar­über, das in gro­ßen Tei­len der Dis­kus­si­on zwangs­läu­fig ein Nicht­wis­sen ist) so abge­kop­pelt und bei­na­he unbe­rührt erscheint. Da hel­fen dann auch die ritua­li­sier­ten Mit­leids­be­kun­dun­gen nicht mehr. Die wer­den ja auch immer monu­men­ta­ler – jetzt leuch­tet der Eif­fel­turm in den Far­ben der deut­schen Flag­ge (nach­dem Hol­lan­de sich am Wochen­en­de ja mit sei­nen absei­ti­gen Spe­ku­la­tio­nen nicht gera­de mit Ruhm bekle­cker­te …). Aber ist das, was in Mün­chen pas­sier­te, wirk­li­ch unbe­dingt eine natio­na­le Tra­gö­die? Wie vie­le Men­schen müs­sen gewalt­sam ster­ben, damit die Beleuch­tung ein­ge­schal­tet wird? Und wo müs­sen sie ster­ben? Natür­li­ch ist es trau­rig und aus der Fer­ne kaum fass­bar, wie viel Leid ein Men­sch so schnell anrich­ten kann. Aber stim­men unse­re Mit­leids­maß­stä­be? Sind die acht bis zehn Men­schen, die Tag für Tag durch den moto­ri­sier­ten Ver­kehr in Deutsch­land umge­bracht wer­den, weni­ger Mit­leid wert? Von den Toten in ande­ren Län­dern, ande­ren Krie­gen, ande­ren Kon­ti­nen­ten gar nicht zu reden (natür­li­ch spielt Nähe immer eine Rol­le). Mir geht es nicht dar­um, die Toten gegen­ein­an­der auf­zu­rech­nen. Mir geht es dar­um, Ver­nunft zu wal­ten las­sen – Ver­nunft und ratio­na­le Abwä­gung bei den Gefah­ren, denen wir aus­ge­setzt sind. Und natür­li­ch auch bei den Maß­nah­men, die zur Gefah­ren­ab­wehr (wie es so schön tech­no­kra­ti­sch heißt) not­wen­dig oder mög­li­cher­wei­se zu ergrei­fen sind. 

Irgend­wie gehen Erre­gungs- Mit­leids- und Ver­nunft­maß­stä­be Stück für Stück, Schritt für Schritt, Inter­view für Inter­view immer mehr ver­lo­ren (und das ist bei­lei­be nicht nur ein Pro­blem der AfD oder ande­rer rechts(radikaler) Par­tei­en, son­dern nahe­zu des gesam­ten poli­ti­schen Sys­tems) und ver­än­dern so unse­re Gesell­schaft mehr und nach­hal­ti­ger, als Gewalt und Gewalt­tä­ter – sei­en sie extre­mis­ti­sche Ter­ro­ris­ten oder psy­chi­sch Kran­ke – es bis­her ver­mö­gen.

Und es bleibt die Angst, dass die­se Gesell­schaft vor lau­ter Hys­te­rie und Sicher­heits­wahn bald nicht mehr mei­ne ist. Und die Rat­lo­sig­keit, was dage­gen zu tun wäre …

Nach­trag: Der klu­ge Georg Seeß­len hat bei der „Zeit“ eini­ge inter­es­san­te Über­le­gun­gen zu Gewalt, Medi­en und Gesell­schaft auf­ge­schrie­ben. Er schließt mit dem auf­klä­re­ri­schen Appell:

Es ist nötig, was an auf­klä­re­ri­scher Ener­gie noch vor­han­den ist, zu bün­deln, um eine offe­ne, an kei­ne Ver­drän­gungs­ge­bo­te oder sozia­le Tak­ti­ken gebun­de­ne Theo­rie der Sub­jek­te des Ter­rors zu ent­wi­ckeln, die nicht anders kann, als auch eine Theo­rie der Gesell­schaft und ihrer Ero­si­on und eine Theo­rie der Medi­en und ihrer Ent­fes­se­lung zu ent­hal­ten. Nie­mand kann eine Kata­stro­phe ver­hin­dern, denn es gibt kein Sys­tem, das immun gegen Angrif­fe und immun gegen inne­re Wider­sprü­che sei. Eines der gro­ßen Ver­spre­chen der Demo­kra­tie aller­dings war es, dass es nicht nur ein anpas­sungs­fä­hi­ges, son­dern auch ein ler­nen­des Sys­tem sei, eines, das immer mehr Bewusst­sein von sich und der Welt hat, kur­zum, dass es zugleich Garant von Frei­hei­ten und Instru­ment der Auf­klä­rung sei.

Zum Pro­jekt der Auf­klä­rung zurück zu fin­den ist eine schwe­re Auf­ga­be, umso mehr, als auch sie sich in einer para­do­xen Fal­le befin­det: Jeder Ter­ror­an­schlag und jeder Amok­lauf ist auch ein Anschlag auf die Mög­lich­keit von Auf­klä­rung. Jeder Ter­ror­an­schlag und jeder Amok­lauf ist auch eine For­de­rung, Auf­klä­rung zu ver­wirk­li­chen. Inso­fern wären wir schon einen Schritt wei­ter, wenn wir nicht län­ger so gebannt der Dra­ma­tur­gie von Hys­te­ri­sie­rung und Ver­ges­sen folg­ten.

Wir kön­nen nicht ver­hin­dern, dass sozia­le, poli­ti­sche und mensch­li­che Kata­stro­phen gesche­hen. Aber wir kön­nen ver­hin­dern, dass sie zum unauf­ge­klär­ten, unver­stan­de­nen, media­li­sier­ten, ideo­lo­gi­sch mani­pu­lier­ten, poli­ti­sch und öko­no­mi­sch miss­brauch­ten Nor­mal­fall wer­den.

Und auch Mario Six­tus weist auf einen inter­es­san­ten Punkt hin, der even­tu­ell einen Aus­weg aus dem immer­glei­chen Reflex böte: 

Wenn man Taten wie die in Mün­chen ver­hin­dern will, muss man den müh­sa­men Per­spek­tiv­wech­sel nach innen vor­neh­men, in die eige­ne Gesell­schaft hin­ein­bli­cken, auf die eige­nen Leu­te, auf die eige­nen Wer­te.

Ins Netz gegangen (12.7.)

Ins Netz gegan­gen am 12.7.:

  • Was lesen Buch­blog­ger: Eine neue Ana­ly­se mit Visua­li­sie­run­gen und Sta­tis­ti­ken | lesestunden.de → tobi hat ver­sucht zu ana­ly­sie­ren (und visua­li­sie­ren), was buch­blog­ge­rin­nen (er hat ein fast aus­schließ­li­ch weib­li­ches sam­ple) eigent­li­ch lesen. die daten­grund­la­ge ist aber zumin­dest in tei­len schwie­rig, die gen­re-ein­tei­lung zum bei­spiel nahe an der gren­ze zum absur­den (wie er selbst auch anmerkt)
  • Inte­gra­ti­ve Obst­ar­beit | Drau­ßen nur Känn­chen → wun­der­ba­re „integrations“-begegnung, auf­ge­schrie­ben von frau nes­sy
  • The Peop­le Who Craft World-Class Stein­way Pia­nos → schö­ne foto­stre­cke (anläss­li­ch eines ent­spre­chen­den buchs …) über die arbeiter/innen in stein­ways fabri­ken
  • Besu­ch bei Ver­le­ger Jochen Jung: „Du bist ein Schma­rot­zer! Nutz­nie­ßer, eine Zecke“ | Welt → aus­nahms­wei­se mal eine emp­feh­lung zur sprin­ger-pres­se: man­fred reb­handl hat näm­li­ch ein schö­nes stück über den ver­le­ger jochen jung geschrie­ben
  • Zum Ethos der Tech-Sze­ne in der digi­ta­len Öko­no­mie: Zwi­schen Anspruch und Wirk­lich­keit | netzpolitik.org → Maciej Cegłow­ski über pro­gram­mie­rer und ihren zugriff auf die wirk­lich­keit und die dar­aus resul­tie­ren­den fra­gen und pro­ble­me

    Unse­re Zie­le sind ein­fach und klar. Zuer­st wer­den wir mes­sen, dann ana­ly­sie­ren, dann opti­mie­ren. Und man wird uns dank­bar sein.

    Aber die rea­le Welt ist eigen­sin­nig. Sie ist so kom­plex, dass sie Abs­trak­ti­on und Model­lie­rung wider­steht. Sie erkennt unse­re Ver­su­che sie zu beein­flus­sen und reagiert dar­auf. Genauso wenig, wie wir aus unse­rer eige­nen Haut kön­nen, kön­nen wir hof­fen, die Welt von außen objek­tiv zu erfas­sen.

    Die ver­netz­te Welt, die wir erschaf­fen, mag Com­pu­ter­sys­te­men ähneln, aber es bleibt den­no­ch die glei­che alte Welt wie vor­her, nur mit ein paar Mikro­fo­nen und Tas­ta­tu­ren und Flatscreens, die hier und dort her­aus­ra­gen. Und sie hat immer noch die glei­chen alten Pro­ble­me.

  • Ein­fach nur pri­va­tis­ti­sch Inti­mi­tä­ten aus­plau­dern, kann nicht ziel­füh­rend sein.“ | femi­nis­ti­sche stu­di­en → inter­es­san­tes inter­view mit caro­lin emcke über sub­jek­ti­vi­tät, inti­mi­tät und spre­che & spra­che

    Ein­fach nur „ich“ sagen, ein­fach nur pri­va­tis­ti­sch Inti­mi­tä­ten aus­plau­dern, kann nicht ziel­füh­rend sein. Die sub­jek­ti­ve Form, das Reflek­tie­ren auf eige­ne Erfah­run­gen oder Wahr­neh­mun­gen braucht, mei­ner Ansicht nach, immer einen Grund, war­um sie in einem bestimm­ten argu­men­ta­ti­ven, dis­kur­si­ven Kon­text ein­ge­setzt wird.

    Als Publi­zis­tin füh­le ich mich ver­pflich­tet, mit sprach­li­chen Mit­teln jene ideo­lo­gi­sch auf­ge­la­de­nen Bil­der und Begrif­fe, jene Asso­zia­ti­ons­ket­ten und Vor­stel­lun­gen auf­zu­bre­chen, die Res­sen­ti­ments gegen­über Frau­en oder Homo­se­xu­el­len, Gehör­lo­sen oder Jüdin­nen, Links­hän­dern oder Schal­ke-Fans trans­por­tie­ren. Und dazu gehört dann, dass wir nor­ma­ti­ve Begrif­fe in Erfah­run­gen über­set­zen, dass wir das, was uns wütend oder ver­zwei­felt zurück lässt, ver­steh­bar machen für die­je­ni­gen, die die­se Erfah­run­gen nicht tei­len.

  • Feti­sch Effi­zi­enz | Mar­cel Häng­gi → mar­kus häng­gi hat für „zeit wis­sen“ die geschich­te und theo­rie der ener­gie­ef­fi­zi­enz schön auf­ge­schrie­ben.

    Die unter dem Gesichts­punkt der Ener­gie­ef­fi­zi­enz bemer­kens­wer­tes­te Erfin­dung der Moder­ne war das Fahr­rad

    Es gibt kei­nen Grund, Ener­gie­trä­ger, deren Nut­zung die mensch­li­che Zivi­li­sa­ti­on bedro­hen, über­haupt auf den Markt zu las­sen.

  • Inter­view: „Ich bin kein Foto­ro­bo­ter“ | der Frei­tag → inter­es­san­tes inter­view mit dem foto­gra­fen chris­to­ph ban­gert (der mit „war porn“ ein her­vor­ra­gen­des foto­buch über den krieg ver­öf­fent­lich­te) über krieg, gewalt, absur­di­tät, ver­ste­hen und ver­ar­bei­ten
  • Auto­fah­ren in Deutsch­land: Die Stra­fen für Raser und Ver­kehrs­sün­der sind lächer­li­ch – Poli­tik – Tages­spie­gel Mobil → hein­rich schmitz hat wort­ge­wal­tig und fak­ten­ge­sät­tig genug von der ver­harm­lo­sung der raser und der mit­leids­lo­sen inkauf­nah­me der töd­li­chen ver­kehrs­un­fäl­le

    Bei „bereif­ten Mör­dern“ – so wer­den hier in der Regi­on scherz­haft Auto­fah­rer mit einem BM-Kenn­zei­chen aus Berg­heim genannt – packt die Poli­tik die Samt­hand­schu­he aus. Auto­fah­rer sind halt Wäh­ler und nicht mal weni­ge. Da wer­den selbst die in der son­st für ihre Poli­tik so heiß gelieb­ten Schweiz gel­ten­den Regeln nicht ein­ge­führt.

  • Zu Besu­ch Frie­de­ri­ke May­rö­cker: Eine Glei­chung von mathe­ma­ti­scher Ele­ganz | FAZ → der bald-büch­ner-preis­trä­ger mar­cel bey­er über einen besu­ch bei büch­ner-preis­trä­ge­rin frie­de­ri­ke may­rö­cker

    Leben = Schrei­ben: Mir fie­le nie­mand ein, für den die­se Glei­chung so wenig antast­bar, so pro­duk­tiv, schlicht unum­stöß­li­ch wahr wäre wie für Frie­de­ri­ke May­rö­cker. Eine Glei­chung von mathe­ma­ti­scher Ele­ganz.

  • Mar­tin Vogel: Anmer­kung zu einem rich­ti­gen Urteil | perlentaucher.de → mar­tin vogel legt noch ein­mal seine/die sicht der urhe­be­rin­nen zur vg wort, ihren aus­schüt­tun­gen und ihrer kra­chen­den nie­der­la­ge vor dem bgh dar. sehr lesens­wert
  • Died­rich Diede­rich­sen im Gespräch über poli­ti­sche Kor­rekt­heit in öffent­li­chen Debat­ten | jungle-world.com → span­nen­des, lan­ges inter­view mit died­rich diede­rich­sen über poli­ti­sche kor­rekt­heit, kul­tur­kampf, (neue) rech­te und die ent­wick­lun­gen in der (deut­schen) dis­kurs­ge­sell­schaft der letz­ten jahre/jahrzehnte

    Mit der soge­nann­ten PC kam der Ärger auf einer unge­wohn­ten Ebe­ne zurück, als Debat­te um Spra­che. Letzt­li­ch war der dann fol­gen­de Auf­schrei in der kon­ser­va­ti­ven bis reak­tio­nä­ren Mit­te vor allem ein Sym­ptom der Ent­täu­schung. Man hat­te gehofft, ganz demar­kiert Poli­tik und Geschäf­te machen zu kön­nen, und woll­te mit inhalt­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen, die dann auch noch auf poli­ti­schen oder ethi­schen Grund­über­zeu­gun­gen – Bezeich­nun­gen wie Ras­sis­mus waren ja wich­tig, wir woll­ten Ras­sis­mus Ras­sis­mus nen­nen, die ande­ren Frem­den­feind­lich­keit – nichts mehr zu tun haben.

    Das ist eine schlim­me Ent­wick­lung, die die stra­te­gi­sch berech­tig­te Idee, Orte zu schaf­fen, in denen man zum Bei­spiel vor trans- und homo­pho­ber Ver­fol­gung sicher ist, in eine völ­lig bescheu­er­te Rich­tung ver­scho­ben haben. Safe Spaces sind jetzt Semi­na­re, die als so eine Art erwei­ter­tes Kin­der­zim­mer mit Kuschel­kul­tur nur über Din­ge spre­chen, die die behü­te­ten Mit­tel­schichts­kin­der nicht erschre­cken. »Trig­ger Warnings« sol­len hel­fen, dass man das Böse gar nicht erst zur Kennt­nis nimmt. Von Ver­ge­wal­ti­gung und Ras­sis­mus darf man dann gar nicht mehr spre­chen.

Ins Netz gegangen (7.4.)

Ins Netz gegan­gen am 7.4.:

  • Täter geschützt, Opfer ent­wür­digt | taz – der korps­geist deut­scher poli­zis­ten und staats­an­wäl­te scheint zu funk­tio­nie­ren: die taz berich­tet über die – von außen sehr selt­sa­me – ent­schei­dung der staats­an­walt­schaft han­no­ver, einen ehe­ma­li­gen bun­des­po­li­zis­ten, der mit der fol­ter eines flücht­lichgs geprahlt hat, dafür nicht anzu­kla­gen (neben­bei: der anwalt des neben­klä­gers hat nach fast einem jahr noch kei­ne akten­ein­sicht erhal­ten) – so funk­tio­niert das in deutsch­land
  • Opti­mier­te Kin­der: Kör­per­hass will gelernt sein | Spie­gel Online – schö­ne kolum­ne von mar­ga­re­te sto­kow­ski, die ein bild vom linz-mara­thon zum anlass nimmt, über die erzie­hung zu einem ver­nünf­ti­gen (!) umgang mit unse­ren kör­pern zu schrei­ben
  • Ver­kehrs­un­fall­sta­tis­tik – jedes Jahr die glei­che Pro­ze­dur und es ver­bes­sert sich doch nichts… | it star­ted with a fight – anläss­li­ch der neu­en ver­kehrs­un­fall­sta­tis­tik – im zwei­ten jahr in fol­ge stie­gen in deutsch­land die toten durch ver­kehr, auf mitt­ler­wei­le 3475 – hat tho­mas ber­ger hier einen inter­es­san­ten 10-punk­te-plan, der unter ande­rem deut­li­che geschwin­dig­keits­re­du­zie­run­gen und deren über­wa­chun­gen sowie ande­re (tech­ni­sche) hil­fen for­dert, um die unfall­zah­len – und damit gera­de auch die zahl der toten, die wir jedes jahr ein­fach so in kauf neh­men – end­li­ch zu sen­ken
  • Integra­tion war nie. Über ein irrefüh­rendes Kon­zept | Geschich­te der Gegen­wart – phil­ipp sara­sin über den begriff der „inte­gra­ti­on“ und war­um er (gera­de heu­te) eigent­li­ch reich­li­ch untaug­li­ch ist

    Gesell­schaften der westli­chen Moder­ne bzw. Postmo­derne zeich­nen sich neben ihren Klassen­dif­fe­renzen aber auch dadurch aus, dass sich jede inhalt­lich irgend­wie bestimm­te, posi­tiv ausweis­bare Vorstel­lung davon, wie ‚man‘ in ihnen zu leben und sich zu ver­hal­ten habe, in meh­re­ren kultur­re­vo­lu­tio­nären Schüben aufge­löst hat. Die­se histo­risch einzig­ar­tige Plura­li­sie­rung der Lebens­stile hat sich seit dem Ende der 1960er Jah­re so sehr ver­stärkt, dass sie heu­te gar als har­te Norm gegen­über Migran­tinnen und Migran­ten erscheint („Wie wür­den Sie reagie­ren, wenn Ihr Sohn Ihnen sagt, er sei schwul?“ Ach­tung: Toleranz­falle!). Es geht nicht dar­um, dass Migran­ten ‚sich an die Geset­ze hal­ten‘ (das tun die aller­meisten von ihnen, so wie die aller­meisten ande­ren das auch tun), ob sie die Spra­che der Mehrheits­ge­sell­schaft ler­nen (sie tun es in aller Regel), oder ob sie in den Arbeits­markt inte­griert wer­den (dito). Die Fra­ge ist ein­zig, ob die west­li­che, ohne­hin hetero­gene Mehrheits­ge­sell­schaft die zusätz­liche, neue Diffe­renz akzep­tiert, die die Zuzü­ger in unse­re Gesell­schaften ein­brin­gen.

    und er schließt (ich kann ihm da nur zustim­men …):

    Es wird daher Zeit, den Begriff ‚Integra­tion‘ ganz aus dem politi­schen Voka­bu­lar zu strei­chen. Die Chan­ce, dass er im öffent­li­chen Gebrauch posi­tiv als ‚Schaf­fung eines neu­en Gan­zen‘ begrif­fen wer­den könn­te, ist gering. Zu mäch­tig sind jene, die den Begriff als Waf­fe ver­wen­den, mit dem sie von den Zuwan­de­rern Unter­wer­fung einfor­dern. Wir brau­chen die­ses durch und durch unbe­stimm­te Wort nicht mehr. Wir alle leben vergleichs­weise fried­lich, aber auch herr­li­ch anonym in unse­ren hetero­genen Gesell­schaften, ohne dass uns stän­dig jemand auffor­dern müss­te, uns gefäl­ligst zu ‚inte­grie­ren‘.

  • The pro­blem with a tech­no­lo­gy revo­lu­ti­on desi­gned pri­ma­ri­ly for men – Quartz -

    What the rese­ar­chers dis­co­ver­ed, unfor­t­u­n­a­te­ly, was a gap in cover­a­ge that betrays a dispi­ri­ting­ly com­mon pro­blem in tech­no­lo­gi­cal inno­va­ti­on: how to make sure women’s nee­ds don’t beco­me an aftert­hought.

    – ein stu­die unter­such­te, wie gut siri, cort­ana & co. bei medi­zi­ni­schen pro­ble­men hel­fen – und fand, dass sie das für „män­ner-pro­ble­me“ wesent­li­ch bes­ser tun als für „frau­en-not­fäl­le“

  • Lyrik­kri­tik Dis­kurs | Fix­poe­try – bei den „signa­tu­ren“ und auf „fix­poe­try“ tob­te (?) ende märz eine dis­kus­si­on (naja, ein schlag­ab­tau­sch zumin­dest) über (den zustand der|die mög­lich­kei­ten der|die anfor­de­run­gen an|die vor­aus­set­zun­gen der) lyrik­kri­tik (kri­tik der kri­tik ist ja sowie­so eine belieb­te spie­le­rei unter lite­ra­ten, bei lyri­kern aber nicht so ganz häu­fig (viel­leicht man­gels mas­se …))
    aus­ge­löst übri­gens von einer kri­ti­schen bespre­chung der „lyrik von jetzt 3“-anthologie (die bei mir immer noch unge­le­sen her­um­liegt …)
  • Mehr Daten als Tore – Poli­zei sam­melt flei­ßig, aber oft unrecht­mä­ßig | netzpolitik.org – unschulds­ver­mu­tung, daten­schutz – lau­ter fremd­wör­ter für die deut­sche poli­zei, die flei­ßig (und ger­ne auch ille­gal) daten sam­melt

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  • Euro­kri­se: „Es gibt kei­ne ein­deu­ti­gen Geg­ner“ | ZEIT ONLINE – jose­ph vogl im gespräch mit der „zeit“:

    Einer­seits hat es ein gewal­ti­ges Umver­tei­lungs­pro­gramm gege­ben, bei dem pri­va­te Schuld­ner – also vor allem die hoch ver­schul­de­ten Groß­ban­ken – mit­hil­fe öffent­li­cher Geld­er saniert wur­den. Ande­rer­seits hat man mit der Restau­ra­ti­on des Finanz­sys­tems auch das alte Schla­mas­sel der Zeit vor 2008 wie­der her­bei­fi­nan­ziert: Es herr­schen heu­te wie­der die glei­chen Risi­ko­la­gen, die glei­che Insta­bi­li­tät an den Finanz­märk­ten. Para­do­xer­wei­se ent­steht die­se neue Unsi­cher­heit eben gen­au durch die Maß­nah­men, also das Aus­schüt­ten von viel Geld, mit denen die Kri­se bekämpft wer­den soll­te. Was sich in die­ser Zeit hin­ge­gen tat­säch­li­ch ver­än­dert hat, ist die Art und Wei­se, wie wir regiert wer­den. […] Wir erle­ben also gera­de ein finanz­po­li­ti­sches Dou­ble­bind: Einer­seits gibt die herr­schen­de Dog­ma­tik vor, dass das Wirt­schafts­wachs­tum nur mit Inves­ti­tio­nen und neu­em bil­li­gem Geld zu errei­chen ist. Ande­rer­seits erhöht das glei­che bil­li­ge Geld die Risi­ko­an­fäl­lig­keit auf den Märk­ten. Die­ses Dilem­ma kenn­zeich­net also an einem Punkt ihre Macht und gleich­zei­tig ihre struk­tu­rel­le Ohn­macht.

    – er sagt noch eini­ges mehr, was das inter­view sehr lesens­wert macht. und sehr bezeich­nend ist, dass sol­che eigent­li­ch emi­nent öko­no­mi­schen (und poli­ti­schen) beob­ach­tun­gen gera­de ein kul­tur­wis­sen­schaft­ler machen muss – die „fach­leu­te“ schei­nen da (zumin­dest in der deut­schen öffent­lich­keit) kei­ne posi­ti­on und/oder stim­me zu fin­den …

  • Wolf­gang Ull­rich: „Urhe­ber­rech­te für die sozia­len Netz­wer­ke gänz­li­ch sus­pen­die­ren“ – iRights.info – der kunst­his­to­ri­ker wolf­gang ull­rich im inter­view mit irights über kunst, inter­net, jus­tiz, das urhe­ber­recht – und tech­no­vi­king

    Das Urhe­ber­recht denkt auch in den sozia­len Netz­wer­ken viel zu sehr vom klas­si­schen Werk­be­griff her und nicht vom Ort, an dem etwas statt­fin­det. Und da sehe ich die Par­al­le­len zur Pro­ble­ma­tik in der Kunst. Wer etwas in die Soci­al Media plat­ziert, gibt es frei – und die Welt kann damit machen, was sie will. Aber in den meis­ten Fäl­len macht die Welt gar nichts damit. Ab und zu pas­siert dann doch etwas, es ent­steht gar ein Mem.[…] Mei­ner Mei­nung nach hinkt bei etli­chen Urtei­len die Recht­spre­chung der Kunst­pra­xis um zwei bis drei Jahr­zehn­te hin­ter­her. Und das ist auch beim Tech­no­vi­king der Fall.

  • Wehr­macht: Die ver­ges­se­nen Sol­da­tin­nen | ZEIT ONLINE – die his­to­ri­ke­rin karen hage­mann erin­nert an die rol­le der frau­en im zwei­ten welt­krieg

    Nicht nur in der popu­lä­ren Erin­ne­rung wur­de das Aus­maß der mili­tä­ri­schen Kriegs­un­ter­stüt­zung von Frau­en lan­ge ver­ges­sen, selbst in der umfang­rei­chen Geschichts­schrei­bung zum Zwei­ten Welt­krieg wer­den Frau­en zumeist nur als Arbei­te­rin­nen in der Kriegs­in­dus­trie oder Kran­ken­schwes­tern por­trä­tiert. Dies ist um so bemer­kens­wer­ter, als wir heu­te auf fast drei­ßig Jah­re For­schung zum The­ma Geschlecht, Mili­tär und Krieg zurück­bli­cken kön­nen und die Ära der Welt­krie­ge zu den am bes­ten erforsch­ten Peri­oden über­haupt gehört. Die­ser Befund gilt nicht nur für die deut­sche, son­dern ähn­li­ch auch für die inter­na­tio­na­le Geschichts­wis­sen­schaft. Wie ist die Ver­drän­gung zu erklä­ren? War­um fällt es vie­len offen­bar noch heu­te so schwer, sich Frau­en als Sol­da­tin­nen vor­zu­stel­len?
    Ein Grund hier­für dürf­te die Bedeu­tung sein, die dem Recht, im Diens­te des Staa­tes oder einer ande­ren höhe­ren Macht Waf­fen tra­gen und töten zu dür­fen – oder im Kriegs­fall zu müs­sen – für die Mar­kie­rung der Geschlech­ter­dif­fe­ren­zen zukommt. Seit der Anti­ke ist die­ses Recht männ­li­ch kon­no­tiert. Die kom­ple­men­tä­re Rol­le der Frau­en bestand bis ins frü­he 20. Jahr­hun­dert hin­ein vor allem dar­in, Män­ner zum Kampf zu moti­vie­ren, Ver­wun­de­te zu pfle­gen und Gefal­le­ne zu betrau­ern. […]Teil der Demo­bi­li­sie­rung in der Nach­kriegs­zeit war in allen kriegs­be­tei­lig­ten Staa­ten eine Poli­tik, die die Vor­kriegs­ge­schlech­ter­ord­nung und damit die sozia­le Sta­bi­li­tät wie­der­her­stel­len soll­te. Frau­en wur­den aus den Arme­en ent­las­sen und muss­ten ihre wäh­rend des Krie­ges ein­ge­nom­me­nen Arbeits­plät­ze in Indus­trie, Han­del und Ver­wal­tung für die heim­keh­ren­den Vete­ra­nen frei machen, die wie­der allei­ni­ge Fami­lien­er­näh­rer wer­den soll­ten. Die 1950er Jah­ren mit ihrem Wirt­schafts­wun­der wur­den in West­deutsch­land und ande­ren Län­dern West­eu­ro­pas dank einer ent­spre­chen­den Fami­li­en­po­li­tik zum „gol­de­nen Zeit­al­ter“ des Modells der „Alleinverdiener-Hausfrau“-Familie.

  • Stra­di­va­ris Cel­lo: Oh, Mara! | ZEIT ONLINE – caro­lin pirich über eines der berühm­tes­ten cel­los aus der stra­di­va­ri-werk­statt und sei­nen momen­tan­ten besit­zer, chris­ti­an pol­té­ra:

    Das Mara zu spie­len ist wie mit der Stim­me eines ande­ren zu spre­chen“, sagt der neue Part­ner des Mara. „Das dau­ert ein, zwei Jah­re, bis es nach mir klingt.“

  • Soci­al Media: Das Netz bist du! | ZEIT ONLINE – kili­an tro­tier por­trä­tiert den bri­ti­schen anthro­po­lo­gen dani­el mil­ler (und sei­ne for­schung), der welt­weit die nut­zung sozia­ler netz­wer­ke erforscht und schon mal eines fest­ge­stellt hat: die regio­na­len nut­zungs­un­ter­schie­de sind gewal­tig.
  • Eine Lan­ze für blog­gen­de Stu­die­ren­de: Patrick Bah­ners zur Cau­sa Münk­ler-Watch | Redak­ti­ons­blog – patrick bah­ners legt dar, war­um es nicht ganz so abstrus, unver­schämt und ohne vor­bild ist, als blog­gen­de stu­die­ren­de mit einem kri­ti­schen blog anonym blei­ben zu wol­len. und macht neben­bei eine inter­es­san­te anmer­kung:

    Hei­kel für Münk­ler ist, dass eini­ge der ihm zuge­schrie­be­nen Ein­las­sun­gen, die ihn in kei­nem guten Licht daste­hen las­sen, für Leu­te, die ihn ken­nen, einen nur all­zu glaub­wür­di­gen Sound haben.

  • Nach­ruf auf Odo Mar­quard – Mit Witz zum Den­ken anre­gen – ein Nach­ruf auf den Phi­lo­so­phen Odo Mar­quard beim deutsch­land­ra­dio
  • Gewalt | Schmalenstroer.net – micha­el schma­len­s­tro­er bringt auf den punkt, war­um man bei der dar­stel­lung von gewalt­tä­ti­gen momen­ten der geschich­te manch­mal sich einer sehr kras­sen spra­che (und/oder bil­der) bedie­nen muss:

    Wenn Digi­tal­Past also bru­tal ist, dann beschwert euch bei euren Groß­el­tern. Weil die bru­tal waren.

  • Streik: Hur­ra, Deutsch­land liegt lahm | ZEIT ONLINE – sehr guter kom­men­tar zum strei­ken in deutschlnd, unter ande­rem mit die­sem schö­nen und lei­der so abso­lut zutref­fen­den satz: »Die SPD agiert momen­tan also unge­fähr so sozi­al­de­mo­kra­ti­sch wie Ayn Rand beim Rest­pos­ten­ver­kauf.«
  • The Ope­ra Plat­form – schö­ne initia­ti­ve:

    Die Opern­platt­form ist eine Part­ner­schaft zwi­schen Ope­ra Euro­pa, einem 155 Opern und Fest­spie­le umfas­sen­den Netz­werk, dem Kul­tur­sen­der ARTE und 15 Opern­häu­sern aus ganz Euro­pa. Sie wird vom Pro­gramm Krea­ti­ves Euro­pa der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on unter­stützt und ist für alle Bei­trä­ge offen, die Oper einem brei­te­ren Publi­kum zugäng­li­ch machen wol­len.

  • Bahn-Streik: Dan­ke, Claus Wesels­ky! – Augstein-Kolum­ne – SPIEGEL ONLINE – sehr rich­ti­ger kom­men­tar von jakob augstein zur rele­vanz des gdl-streiks & war­um die deut­schen der gdl dan­ken soll­ten

Ins Netz gegangen (19.3.)

Ins Netz gegan­gen am 19.3.:

  • Die zwölf Arbei­ten des Ver­le­gers | Edit – jan wen­zel cha­ra­ke­ri­siert die tätig­keit des ver­le­gens in 12 arbei­ten und beginnt mit dem „ein­krei­sen der gegen­wart“, bevor er sich eher pro­sai­schen arbei­ten wid­met

    Die Arbeit des Ver­le­gers ist vor allem eine Suche. […] Der Wunsch, die flüch­ti­ge Gegen­wart les­bar zu machen, ist sein Antrieb. Die Spur sei­ner Such­be­we­gung sind die Bücher, die ent­ste­hen. Jetzt und jetzt und jetzt.

  • Vor­schlä­ge für eine bes­se­re Opern­welt. | Bad Blog Of Musi­ck – moritz eggert macht – ziem­li­ch ein­fa­che – vor­schlä­ge, wie die opern­welt deutsch­lands bes­ser (und vor allem: aktu­el­ler) wer­den könn­te: ein­fach mehr neue opern spie­len – und zwar nicht nur urauf­füh­run­gen, son­dern auch nach-insze­nie­run­gen …

    Gäbe es aber viel Neu­es, Ver­rück­tes und Expe­ri­men­tel­les in den Opern­häu­sern zu sehen, so wür­de man sich auch ger­ne mal eine Mozar­t­o­per anschau­en, die ohne sinn­lo­sen Schnick­schnack aus­kommt und in der sich nie­mand anpis­sen muss. Das wäre dann auch nicht spie­ßig, son­dern leben­di­ge Tra­di­ti­on in Kom­mu­ni­ka­ti­on mit dem Neu­en. Wenn ich mir die “Mona Lisa” anschaue, so ist es halt die “Mona Lisa”, und das ist auch in Ord­nung so. Ein Doku­ment einer bestimm­ten Zeit, einer bestimm­ten Sicht auf die Din­ge. Ich muss das nicht zer­stö­ren, son­dern kann es auch so mal ste­hen las­sen.
    Es wäre alles so ein­fach.
    Wenn sich nur jemand mal end­li­ch trau­en wür­de, etwas dau­er­haft zu ändern.

  • Hei­deg­ger-Lehr­stuhl-Streit: Rek­tor ver­steht nicht – jür­gen kau­be über die „auf­re­gung“ um die umwid­mung eines lehr­stuhls zur junior-pro­fes­sur an der uni frei­burg:

    Doch der Rek­tor der Uni­ver­si­tät Frei­burg ver­steht die gan­ze Auf­re­gung nicht. Wir glau­ben ihm. Er ver­steht es ein­fach nicht, aber gen­au das ist ja das Pro­blem. An deut­schen Uni­ver­si­tä­ten, die dau­ernd Exzel­lenz beschwö­ren und nach Stan­ford schau­en, gibt es zu viel Spit­zen­per­so­nal, das ein­fach nicht ver­steht, wenn sich ande­re über die Phra­sen auf­re­gen, mit denen es sei­ne merk­wür­di­gen Ent­schei­dun­gen deko­riert.

  • BND-Über­wa­chung: War­um schickt der BND der Bun­des­wehr abge­hör­te Daten? | ZEIT ONLINE – es hört nicht auf mit den spio­na­geskan­da­len – der bnd scheint wirk­li­ch kei­ner­lei respekt für irgend­wel­che deut­schen geset­ze und gren­zen zu haben:

    War­um gibt der BND der Bun­des­wehr abge­hör­te Daten? Und lässt von ihr Spio­nage­mel­dun­gen über­set­zen? Es ist ille­gal

  • Vor­rats­da­ten­spei­che­rung : Ein Schritt zur tota­len Über­wa­chung | ZEIT ONLINE – kai bier­mann erin­nert (mal wie­der, lei­der aber eben auch mal wie­der not­wen­di­ger­wei­se) dar­an, war­um eine lücken­lo­se über­wa­chung der gesam­ten bevöl­ke­rung mit der vor­rad­t­s­da­ten­spei­che­rung kei­ne so gute idee ist:

    Dar­um aber, die Arbeit der Poli­zei beque­mer zu machen, darf es nicht gehen. Sicher­heit ist nicht das ober­s­te Ziel eines Staa­tes, auch wenn Innen­mi­nis­ter das ger­ne behaup­ten. Wäre es das, wür­de die­ser Staat bald all sei­ne Bür­ger voll­stän­dig über­wa­chen. Gen­au um das zu ver­hin­dern, gibt es das Grund­ge­setz, es ist eine Samm­lung von Abwehr­rech­ten, mit denen sich die Bür­ger den Staat vom Leib hal­ten sol­len. Und dort steht, die Wür­de der Men­schen zu schüt­zen und zu erhal­ten, sei die ers­te Regel.
    […] Kein Anschlag der ver­gan­ge­nen Jah­re war im Nach­hin­ein eine Über­ra­schung, alle Täter waren bereits zuvor auf­ge­fal­len. Für die­se Erkennt­nis­se brauch­te es kei­ne gesetz­li­che Vor­rats­da­ten­spei­che­rung.

  • Peter Engst­ler: Die Frei­heit, lang­sam zu sein | Frank­fur­ter Rund­schau – sabi­ne vog­ler hat den wun­der­ba­ren peter engst­ler und sei­nen ver­lag besucht und ein schö­nes por­trät eines idea­lis­ten geschrie­ben:

    Als Engst­ler 1986 mit dem Bücher­ver­le­gen begann, hat­te er kei­ner­lei Finanz­ka­pi­tal im Hin­ter­grund. Das ist bis heu­te so. Sein Ein­mann­be­trieb rech­net sich markt­wirt­schaft­li­ch nicht. Engst­lers Bücher, nun­mehr knapp 200 und fast alle noch lie­fer­bar, sind Nischen­pro­duk­te: Lyrik, expe­ri­men­tel­le Pro­sa.
    […] Engst­ler ist ein Bei­spiel dafür, dass doch ein rich­ti­ges Leben im fal­schen mög­li­ch ist. Ein glück­li­cher Rebell, dem nichts man­gelt. […] Was immer da abläuft, es ist unbe­zahl­bar.

  • ICE-Anbin­dung Darm­stadts: Kniff­li­ge Über­le­gun­gen – neue Eisen­bahn­stre­cken zu pla­nen kann ganz schön kom­pli­ziert sein. Hier: ICE in Darm­stadt – hält er oder nicht?

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  • The­re is no sci­en­ti­fic case for home­o­pa­thy: the deba­te is over | Edzard Ern­st | The Guar­di­an – edzard ern­st fasst die bemü­hun­gen der letz­ten jahr­zehn­te unter bezug­nah­me auf eine aus­tra­li­sche (meta-)studie zusam­men: homöo­pa­thie ist wis­sen­schaft­li­ch nicht halt­bar, sie hat kei­ne wir­kung über die pla­ce­bo-wir­kung hin­aus
  • Kolum­ne Unter Schmer­zen: Das Rein-raus-Prin­zip – taz.de – ein taz-redak­teur kommt mit dem deut­schen gesund­heits­sys­tem in berüh­rung:

    Es gibt selt­sa­me Kunst an den Wän­den, und es gibt reich­li­ch War­te­zeit, über die Ahnungs­lo­sig­keit von Ärz­ten in Sachen Kunst nach­zu­den­ken.

  • Schutz der eige­nen Staats­bür­ger sieht anders aus – Recht sub­ver­siv – wolf­gang kaleck erin­nert an das schick­sal kha­led el-mas­ris und das schä­bi­ge, mehr oder weni­ger rechts­beu­gen­de ver­hal­ten der deut­schen bun­des­re­gie­run­gen
  • A Tale of two Courts – chris­to­ph möl­lers gewohnt poin­tiert:

    Der Non­nen­ha­b­it ist nicht die Volks­tracht der grund­ge­setz­li­chen Wer­te­ge­mein­schaft.

    – spä­ter aber wohl auch etwas idea­lis­ti­sch …

  • Karls­ru­her Beschluss: Kopf­tuch – na und? – Feuil­le­ton – FAZ – chris­ti­an gey­er ange­nehm­ge­las­sen­zum aktu­elen kopf­tuch-urteil des bverfg:

    Sor­gen kann man sich um vie­les. Aber wo kämen wir hin, wenn jede Sor­ge zu einem vor­sorg­li­chen Ver­bot des mut­maß­li­chen Sor­ge­n­an­las­ses füh­ren wür­de? Der öffent­li­che Raum ist kein kli­ni­scher Bezirk, der nach der Meta­pher der Keim­ver­mei­dung zu den­ken wäre. Auch für die bekennt­nis­of­fe­ne Gemein­schafts­schu­le gilt, dass sie Spie­gel der reli­giös-plu­ra­lis­ti­schen Gesell­schaft ist, heißt es in dem Beschluss, den der Ers­te Senat des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts am Frei­tag ver­öf­fent­lich­te.

  • Femi­nis­mus: Die Angst in den Augen der Frau­en – FAZ – ein sehr guter und klu­ger text von anto­nia baum über lau­rie pen­ny und ihr neu­es buch:

    Pen­ny will einen ande­ren Femi­nis­mus. Einen Femi­nis­mus, der sich nicht aus­schließ­li­ch für das Ide­al­bild der Kar­rie­ret­raum­frau ein­setzt, ein Femi­nis­mus für Homo­se­xu­el­le, Häss­li­che, Arme, Schwar­ze, Män­ner.
    […] Pen­ny hat kei­ne Ant­wort auf die Fra­ge, wie alles anders wer­den kann, aber das ist auch nicht ihr Job. Sie for­mu­liert nur mit abso­lu­ter Radi­ka­li­tät, dass es anders wer­den muss. Für Frau­en, Män­ner, für alle. Und dabei gelin­gen der rasend klu­gen Pen­ny dann Beob­ach­tun­gen und Ana­ly­sen, für die man sie küs­sen möch­te

  • Lau­rie Pen­ny: Lebe wild und frei! | ZEIT ONLINE – marie schmidt hat sich mit lau­rie pen­ny getrof­fen und einen zwi­schen über­mä­ßi­ger per­so­na­li­sie­rung und theo­rie schwan­ken­den text aus bos­ton mit­ge­bracht. lau­rie pen­ny:

    Ich glau­be, die Idee einer Zukunft, in der Geschlech­ter­rol­len ganz auf­ge­ge­ben wer­den, ist ganz erschre­ckend für Män­ner, denn ihr Selbst­wert­ge­fühl stammt aus einer Welt, die es nie wirk­li­ch gab, in der sie die Mäch­ti­gen waren, das Geld ver­dien­ten und die Aben­teu­er bestan­den“, sagt sie, bevor sie im Café Die­sel nicht mehr still sit­zen kann und wir atem­los über den ver­schnei­ten Cam­pus ren­nen.

  • Kan­di­dat für Leip­zi­ger Buch­preis: Dich­ter am Erfolg – taz.de – lui­se chec­chin hat sich in der lyrik­sze­ne umge­hört und reka­tio­nen auf die/einschätzungen der nomi­nie­rung von jan wag­ners „regen­ton­nen­va­ria­tio­nen“ für den preis der leip­zi­ger buch­mes­se gesam­melt
  • Moder­ne Lite­ra­tur fehlt in Lehr­plä­nen der Schu­len – san­dra kegel in der faz:

    Der Klas­sen­zim­mer-Club der toten Dich­ter
    Das kann ja wohl nicht wahr sein: Der modern­s­te Autor, der in Ber­li­ner Schu­len gele­sen wird, ist seit fast sech­zig Jah­ren tot. Zur Lage der zeit­ge­nös­si­schen Lite­ra­tur in deut­schen Ober­stu­fen.

  • Bit­te malt mir kein Schaf! | – anne schüs­s­ler über die miss­bräuch­li­che nut­zung des „klei­nen prin­zen“ (ich bin aber doch der mei­nung, dass schon der „klei­ne prinz“ eigent­li­ch ziem­li­ch schrot­tig ist und den miss­brauch gera­de­zu her­aus­for­dert …)

    Ich moch­te mei­ne Grund­schul­leh­re­rin wie jedes nor­ma­le Grund­schul­kind sei­ne Leh­re­rin mag, aber im Nach­hin­ein muss man viel­leicht sagen, dass sie eben auch Unfug gemacht hat. Gesell­schaft­li­ch aner­kann­ten Unfug zwar, aber trotz­dem Unfug.

Ins Netz gegangen (31.12.)

Ins Netz gegan­gen am 31.12. (Auf­räu­men zum Jah­res­en­de ..):

  • Jah­res­rück­bli­ck 2014: Bli­ck zurück im Kreis | ZEIT ONLINE – die his­to­ri­ke­rin fran­ka mau­bach ist mit dem gedenk­jahr 2014 nicht so ganz zufrie­den:

    Es ist doch legi­tim, ja sogar gut, über den ritual­haft wie­der­keh­ren­den Kreis der Jah­res­ta­ge ein gemein­sa­mes his­to­ri­sches Reflek­tie­ren zu sti­mu­lie­ren. Das Pro­blem ist nur: Es gelingt nicht mehr. Die his­to­ri­schen Ereig­nis­se, derer gedacht wer­den soll, las­sen sich kaum noch in Bezie­hung zuein­an­der set­zen. Die Flieh­kraft des Geden­kens sprengt sie aus­ein­an­der. Das Ein­zel­ereig­nis wird nur noch kurz auf­ge­ru­fen und kaum mehr in lang­fris­ti­ge Zusam­men­hän­ge ein­ge­ord­net.

    am ende emp­fiehlt sie: 

    Wie also kön­nen wir Geschich­te schrei­ben, ohne deter­mi­nis­ti­sch zu den­ken und doch mit lan­gem Atem zu argu­men­tie­ren? Wie kön­nen wir Ereig­nis­se in deu­ten­de Ord­nun­gen fügen und zugleich zum Wider­spruch ein­la­den? Wie kön­nen wir offen blei­ben und uns trotz­dem für eine Per­spek­ti­ve ent­schei­den?

    Dazu bedarf es eines Stand­punkts, der ent­schie­den ist, sich also über sich selbst auf­zu­klä­ren ver­mag. Und es bedarf einer his­to­ri­schen Urteils­kraft, die peni­bel aus­buch­sta­bier­te Details in ihr Vor­her und Nach­her und nach Rele­vanz ord­net. Bei­des kön­nen wir vor­aus­sicht­li­ch noch brau­chen. Spä­tes­tens dann, wenn die Flieh­kraft des Geden­kens auch den Natio­nal­so­zia­lis­mus von sei­ner Vor- und Nach­ge­schich­te iso­liert.

  • Rumä­ni­en: Die unvoll­ende­te Revo­lu­ti­on – karl-peter schwarz erin­nert beschrei­bend (weni­ger erklä­rend) an die revo­lu­ti­on 1989 in rumä­ni­en.

    Vor 25 Jah­ren stürz­te der rumä­ni­sche Dik­ta­tor Ceauşes­cu. Die Revo­lu­ti­on, die 1989 mit blu­ti­gen Kämp­fen das Land in Cha­os und Gewalt stürz­te, blieb unvoll­endet.

  • 2014 – Die hilf­reichs­ten Kun­den­re­zen­sio­nen – Frei­text
  • Revi­si­ons­be­rich­te der NSA: War­ten auf die Ankla­ge – nils mink­mar ganz unauf­ge­regt, aber voll­kom­men zustim­mungs­fä­hig und -pflich­tig:

    Doch wenn der Wes­ten sei­ne Iden­ti­tät nicht ver­lie­ren will, sich gegen isla­mi­sche, chi­ne­si­sche, rus­si­sche und sons­ti­ge Tota­li­ta­ris­men abgren­zen möch­te, dann kön­nen die nun hin­läng­li­ch doku­men­tier­ten Über­grif­fe und Geset­zes­brü­che nur eine Fol­ge haben, näm­li­ch eine ordent­li­che rechts­staat­li­che Auf­ar­bei­tung ohne Anse­hen der Per­son.

  • BOX2FLY – Hand­ge­päck­kof­fer aus Well­pap­pe – coo­le idee: ein kar­ton, der gen­au ins hand­ge­päck passt, den platz also bei mini­ma­lem eigen­ge­wicht opti­mal aus­nutzt
  • Tod einer Revo­lu­tio­nä­rin – Die Zeit­schrift „Mit­tel­weg 36“ erin­nert an die außer­ge­wöhn­li­che Radi­kal-Femi­nis­tin Shul­a­mith Fires­to­ne : literaturkritik.de
  • Unbe­kann­te Auto­bio­gra­phie Georg Phil­ipp Tele­manns auf­ge­fun­den | nmz – neue musik­zei­tung – Im His­to­ri­schen Staats­ar­chiv Lett­lands (Riga) wur­de eine bis­her unbe­kann­te Auto­bio­gra­phie des Kom­po­nis­ten Georg Phil­ipp Tele­mann (1681–1767) ent­deckt. Die auto­gra­phe Skiz­ze befin­det sich in Mate­ria­li­en aus dem Nach­lass des Riga­er Kan­tors Georg Micha­el Tele­mann, dem Enkel des berühm­ten Ham­bur­ger Musik­di­rek­tors und Johan­neum­kan­tors. Der Musik­wis­sen­schaft­ler Ral­ph-Jür­gen Reip­sch, Mit­ar­bei­ter des Zen­trums für Tele­mann-Pfle­ge und -For­schung Mag­de­burg, hat den sen­sa­tio­nel­len Fund sowie eine bis­her gleich­falls unbe­kann­te deut­sch-fran­zö­si­sche Lebens­be­schrei­bung in der aktu­el­len Aus­ga­be der Zeit­schrift Die Musik­for­schung publi­ziert.
  • Liquid Ecsta­sy: Töd­li­cher Schluck aus der Fla­sche – Mün­chen – Süddeutsche.de – gran­di­os: dass „GBL nicht vom Betäu­bungs­mit­tel­ge­setz erfasst ist, weil sie in der che­mi­schen Indus­trie … uner­setz­li­ch ist“ – so funk­tio­niert also dro­gen­pli­tik in deutsch­land
  • ünter-Eich-Preis für Ror Wolf « Lyrik­zei­tung – Der fan­tas­ti­sche Ror Wolf erhält den Gün­ter-Eich-Preis
  • Jut­ta Dit­fur­th: NewsLG Mün­chen ent­sorgt die dt. Anti­se­mi­ten: Anti­se­mit ist nur, „wer sich posi­tiv auf die Zeit von ’33 bis ’45 bezieht“ (ach, kön­te man doch nur ale pro­ble­me so lösen ..)
  • http://ecowatch.com/2013/lobster-boat-vs-coal-ship/ | Grist – unglaub­li­ch: Seat­tle ver­senkt sich im Abgrund … – das ist wahr­haf­tig geun­ge­ne (Verkehrs-)Politik
  • 57. Nach­schlag zu einem “fröh­li­chen” Ver­riss « Lyrik­zei­tung & Poe­try News – auch ein „veriss“:

    am Boden liegt ein Bün­del von Zei­tungs­aus­ris­sen, die offen­sicht­li­ch das feh­len­de Klo­pa­pier erset­zen sol­len. Auf einer der Zei­tungs­sei­ten steht ein Gedicht. Ich grei­fe nach dem zur Hälf­te zer­ris­se­nen Blatt, ver­su­che den Text – ukrai­ni­sch – zu lesen, lese ihn mehr­mals, und er kommt mir dabei immer bekann­ter vor. Der Name des Autors wie auch der Gedicht­an­fang fehlt, ist weg­ge­ris­sen. Unter dem Gedicht steht, dass es sich um eine Über­set­zung aus dem Deut­schen han­delt. Vom Namen des Über­set­zers blei­ben bloss ein paar Buch­sta­ben: Wolod… ‒ Doch nun däm­mert es mir: Das ist mein Gedicht. Das ist eins mei­ner Gedich­te, zumin­dest ein Teil davon. 

  • Femi­nis­mus-Debat­te: Wir brau­chen kei­nen Zum­ba-Jesus – taz.de – mar­ga­re­te sto­kow­ski:

    Femi­nis­tin­nen vor­zu­wer­fen, sie sei­en nicht wit­zig, ist auf drei­fa­che Art unan­ge­mes­sen. Ers­tens ist Humor ein­fach eine Fra­ge des Geschmacks. Zwei­tens wie­der­holt sich hier das alt­be­kann­te „Lach doch mal“ alt­be­kann­ter Onkels, und drit­tens gibt es denk­bar vie­le Momen­te im Leben, in denen Kämp­fen und Lachen ein­an­der aus­schlie­ßen.

  • Fol­ter bei der CIA: Der Sieg der Ter­ro­ris­ten – FAZ – nils mink­mar denkt über fol­ter nach:

    Es herrscht ein erschre­cken­der Man­gel an poli­ti­scher Phan­ta­sie. Was wird schon hel­fen gegen Mör­der wie Kha­lid Scheich Moham­med? Es fällt uns nur wie­der Gewalt ein. Dabei gibt es längst ande­re Erkennt­nis­se, wie man den Krieg gegen den Ter­ror erfolg­reich füh­ren kann.

  • 500 Jah­re alte Naum­bur­ger Chor­bü­cher wer­den digi­ta­li­siert | nmz – neue musik­zei­tung – Es soll ein biblio­phi­ler Schatz für die Ewig­keit wer­den: Die über 500 Jah­re alten über­di­men­sio­na­len Naum­bur­ger Chor­bü­cher wer­den restau­riert und digi­ta­li­siert. Die kom­plet­te Finan­zie­rung muss noch geklärt wer­den, aber ein Anfang ist gemacht. «Mit acht Büchern ist es eine der umfang­reichs­ten mit­tel­al­ter­li­chen Hand­schrif­ten­samm­lun­gen», sagt Mat­thi­as Lud­wig, wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter im Dom­stifts­ar­chiv Naum­burg.
  • Inte­gra­ti­on durch Sprach­vor­schrif­ten? – Sprach­log – Es ist also klar, dass aus der Per­spek­ti­ve des Sprach­er­werbs kei­ne Not­wen­dig­keit gibt, Migrant/innen dazu „anzu­hal­ten“ oder auch nur zu „moti­vie­ren“, zu Hau­se Deut­sch zu spre­chen. Wir erin­nern uns: 65 Pro­zent tun es ohne­hin, ganz ohne Moti­va­ti­on sei­tens der Poli­tik.

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  • Died­rich Diede­rich­sen über Pop-Kul­tur: „Es gibt kei­nen Ursprung“ – taz.deDD im taz-Inter­view zu sei­nem neu­en Buch:

    Mein Aus­gangs­punkt ist: Pop­mu­sik ist sowohl eine Kunst sui gene­ris als auch eine Kul­tur­in­dus­trie. Es gibt da kei­nen sau­be­ren Ursprung. Gro­ße Umbruch­punk­te in der Pop­mu­sik waren oft Momen­te der Nie­der­la­ge, der Ver­nut­zung und des Ruins, wo eigent­li­ch Kom­mu­ni­ka­ti­on schon nicht mehr mög­li­ch war. Von da konn­te man neu anfan­gen. […] Der Dis­kurs stellt über­haupt erst den Zusam­men­hang her zwi­schen bra­si­lia­ni­scher und ango­la­ni­scher Pop­mu­sik. Von sich aus tun sie das näm­li­ch nicht.

  • Gen­der­theo­rie: Revo­lu­ti­on von oben? | ZEIT ONLINE – Jens Jes­sen ver­sucht sehr hart und insis­tie­rend, Mar­tin Lücke – der mit­ver­ant­wort­li­ch für den Ber­li­ner Queer His­to­ry Mon­th ist, vor­zu­füh­ren. Und schei­tert sehr kon­se­quent …

    ZEIT: Aber ist es Auf­ga­be des Staa­tes, mit­hil­fe der Schu­len so etwas Pri­va­tes wie Wohl­wol­len und Wert­schät­zung ein­zu­for­dern und ein­zu­ler­nen?

    Lücke: Was heißt hier pri­vat? Schu­le hat die Auf­ga­be, gesell­schaft­li­che Brü­che zum The­ma zu machen und zu bear­bei­ten. Das hört sich schreck­li­ch nach Indok­tri­na­ti­on an, aber wenn es um Grund­wer­te geht und um Neben- und Mit­ein­an­der, dann, fin­de ich, darf Schu­le das. 

  • Vale­ry Ger­giev announ­ces ‘full sup­port’ for Putin’s annexa­ti­on of Cri­mea – Da haben die Münch­ner ja einen Top­kan­di­da­ten ver­pflich­tet …
  • Por­trät: Er hat die Höl­le von innen gese­hen – tagesanzeiger.ch – Ahn Myong-chol war Wäch­ter im Gulag in Nord­ko­rea. Sie­ben Jah­re lang dien­te er im Lager 22 bei Hoeryong – bis zu sei­ner Flucht. Nun erzählt er sei­ne Geschich­te.
  • Stand­punkt Fahr­rad­helm und BGH: Der Helm hilft nicht – taz.de – Für Ulri­ke Win­kel­mann ist die Sache mit den Hel­men ganz klar (und ich kann ihr da nur zustim­men):

    Wer Helm­pflicht for­dert, will eigent­li­ch nur die Auto­fah­rer davor schüt­zen, beim Tot­fah­ren eines Rad­lers trau­ma­ti­siert zu wer­den.

  • Yel­low-Kri­ti­ker: “Jeden Tag Ver­stö­ße gegen Per­sön­lich­keits­rech­te” › meedia.de – Mats Schö­nau­er und Moritz Tscher­mak erklä­ren, war­um sie auf topf­voll­gold die Regen­bo­gen­pres­se sezie­ren:

    Ein gene­rel­les Pro­blem ist sicher, dass sich die­se Akzep­tanz der Blät­ter ein­ge­bür­gert hat. Jeder weiß, dass in der Regen­bo­gen­pres­se Mist steht, aber dar­über auf­ge­regt hat sich nie­mand so wirk­li­ch. […]

    Wir sto­ßen jeden Tag auf Ver­stö­ße gegen Per­sön­lich­keits­rech­te, aber auch Ver­stö­ße gegen ein gewis­ses mora­li­sch-jour­na­lis­ti­sches Ver­ständ­nis. Gera­de des­halb kön­nen wir die­se Gleich­gül­tig­keit der Leu­te, die­se “Lasst sie doch machen”-Einstellung nicht nach­voll­zie­hen.

  • Insti­tut für Zeit­ge­schich­te: AAP-Open Access – Seit 1993 legt das Insti­tut für Zeit­ge­schich­te daher unmit­tel­bar nach Ablauf der inter­na­tio­nal übli­chen drei­ßig­jäh­ri­gen Akten­sperr­frist einen Jahr­gang mit aus­ge­wähl­ten, oft­mals auch gehei­men Doku­men­ten aus dem Poli­ti­schen Archiv des Aus­wär­ti­gen Amts vor. Auf­grund des ste­ti­gen Publi­ka­ti­ons­rhyth­mus ent­lang der Akten­sperr­frist haben die AAPD inter­na­tio­nal Maß­stä­be gesetzt. Sie sind seit fast zwei Jahr­zehn­ten für Fach­his­to­ri­ker, Stu­die­ren­de sowie alle Inter­es­sier­te das Mit­tel der Wahl für einen Ein­stieg in die For­schung zur bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Außen­po­li­tik.
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