Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Schlagwort: a-cappella Seite 5 von 7

Taglied 17.10.2014

The Beat­les, Ele­a­n­or Rig­by – gesun­gen von Rajaton:

Raja­ton – Ele­a­n­or Rig­by (a cap­pel­la cover) LIVE Ham­burg 2014

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Mit den Wise Guys auf der Achterbahn

wise guys, achterbahnKei­ne Angst, auf die­ser Ach­ter­bahn wird nie­man­den übel. Denn die 14. CD der Wise Guys ist über­wie­gend harm­los. Mit ihren bewähr­ten Kon­zep­ten machen sie auch in neu­er Beset­zung wei­ter­hin ihren bekann­ten char­t­ori­en­tier­ten Vokal-Pop. Aus­ge­rech­net der Titel­song ist aber eher lang­wei­lig: kein zün­den­der Text, kei­ne beson­ders ein­gän­gi­ge Melo­die, kein bemer­kens­wer­tes Arran­ge­ment. Das konn­ten die Wise Guys schon besser.

Ein paar ein­gän­gi­ge Songs sind aber auch auf „Ach­ter­bahn“ zu hören: „Das Säge­werk Bad Sege­berg“ hat etwa net­te Momen­te, die vor allem auf dem herr­lich blö­deln­den Text beru­hen. Der ist der­ma­ßen blöd­sin­nig, dass es wirk­lich lus­tig wird, sich über Holz­sor­ten und feh­len­de Kör­per­tei­le zu amü­sie­ren – auch wenn die kon­se­quen­te Quo­ten­ra­dio-Ori­en­tie­rung selbst bei eigent­lich guten Songs ganz schön ner­ven kann: Das fängt mit dem quiet­schen­den Beat an, geht über die garan­tiert mit­gröl­taug­li­che Melo­die bis zum voll­kom­men erwart­ba­ren Arrangement. 

Zu den posi­ti­ven Ein­drü­cken gehört auch „Kei­ne gute Idee“, das aber ande­rer­seits auch recht naht­los an die „älte­ren“ Wise Guys anschließt. Aller­dings haben die Wise Guys noch nie die Begleit­stim­men von den jewei­li­gen Lead­vo­cals so sehr in den Hin­ter­grund drän­gen las­sen – gut, die Wise Guys sind sicher nicht die aller­bes­ten Sän­ger Deutsch­lands, aber ver­ste­cken muss man sie auch nicht. Ein Kunst­stück beherr­schen die Wise Guys aller­dings aus­ge­spro­chen gut: Aus mäßi­gem Mate­ri­al guten Pop zu machen. Aus schwa­chen Tex­ten und einer weit­ge­hend bana­len Musik zau­bern sie immer wie­der Ein­gän­gig­keit und eine Men­ge guter Lau­ne her­vor. Die elek­tro­nisch ange­hauch­te eska­pis­ti­sche Glücks­fan­ta­sie „Ans Ende der Welt“ macht das fast per­fekt vor.
„Alles so schön bunt hier“ bringt dann tat­säch­lich etwas (Klang)Farbe mit in den Mix, bei „Küss mich“ geschieht das – welch Sakri­leg – durch eine weib­li­che Stim­me: Jas­min Wag­ner, vor Jah­ren auch mal „Blüm­chen“ bekannt, unter­stützt das Quin­tett. Am bes­ten sind die Wise Guys dann, wenn sie sich wie bei „Gene­ra­ti­on Hör­ge­rät“ auf ihre Stär­ken besin­nen: Trei­ben­de Dis­co­beats, freund­li­che Melo­dien und ein humor­vol­ler Text, bei dem die fünf Köl­ner zei­gen, dass sie sich selbst nicht so ganz ernst neh­men. Dass muss man auch „Ich kann nur den Refrain“ zugu­te­hal­ten. Denn das passt zum Glück nicht auf die Wise Guys selbst: „Ich kann nur den Refrain, die Stro­phen sind zu schwer“ heißt es da, „den Rest krieg ich nicht hin, weil ich mit den Stro­phen ein­fach über­for­dert bin“ – davon ist das Quin­tett wahr­lich weit ent­fernt. Aber das ist noch kein Grund zum Jubeln: Nuan­cen feh­len auch hier, und nicht nur in der Stro­phe. Inhalt­lich, kom­po­si­to­risch und lei­der auch stimm­lich blei­ben die 16 Songs der „Ach­ter­bahn“ schließ­lich doch reich­lich ein­di­men­sio­nal. Die Wise Guys sind stolz dar­auf, das ers­te Mal ein Album kom­plett in Eigen­re­gie pro­du­ziert zu haben – aber ob das so eine gute Idee war? Etwas Input von außen hät­te viel­leicht nicht gescha­det, etwas mehr Adre­na­lin wäre sicher kein Feh­ler gewe­sen. So ist das näm­lich eher ein Kin­der­ka­rus­sell als eine Achterbahn. 

Wise Guys: Ach­ter­bahn. Poly­dor. CD 2014.

— Zuerst erschie­nen in Chor­zeit – Das Vokal­ma­ga­zin, Aus­ga­be Okto­ber 2014.

Ein Blick ins „Buch der Madrigale“ von Amarcord

Fünf Män­ner allei­ne in einer ita­lie­ni­schen Renais­sance-Vil­la: Selbst­ver­ständ­lich fan­gen die an zu sin­gen. Ganz stil­echt ertö­nen dort natür­lich Madri­ga­le des 16. Jahr­hun­dert, wie es zur Bau­zeit der Vil­la Godi von Anto­nio Pal­la­dio, die der Fil­me­ma­cher Gün­ter Atteln mit­samt ihrem Park als Dreh­ort für den Musik­film gewählt hat, passt.

amarcord, book of madrigals„The Book of Madri­gals“: Der Titel der ers­ten eige­nen DVD des Ensem­ble Amar­cord (neben der bereits 2010 ver­öf­fent­lich­ten Doku­men­ta­ti­on von Chris­toph Scholtz) lehnt sich natür­lich an die gleich­na­mig Auf­nah­me des Quin­tetts von 2007 an, ohne jedoch das sel­be Reper­toire auf­zu­wei­sen – immer­hin hat seit­dem auch der zwei­te Tenor gewech­selt. Auf­nah­me- und Reper­toire-Erfah­rung hat das Quin­tett, das merkt man, genau wie die lan­ge Rou­ti­ne (das Ensem­ble singt ja schon seit mehr als zwan­zig Jah­ren), auch wenn dies ihre ers­te Auf­nah­me beweg­ter Bil­der ist. So arg bewegt sind die dann aber doch nicht: Drei bis fünf Män­ner sit­zen oder ste­hen in dem alten Gemäu­er her­um und sin­gen, ab und an unter­stützt von der Gam­bis­tin Hil­le Perl, dem Lau­te­nis­ten (und Gitar­ris­ten) Lee San­ta­na und dem Tromm­ler Micha­el Metz­ler. Viel mehr pas­siert in den mini­mal ange­deu­te­ten Sze­nen nicht. Die pit­to­res­ke Umge­bung (und die wech­seln­de Gar­de­ro­be) sorgt trotz­dem für net­te Bil­der. Vor allem gibt sie der Kame­ra die Mög­lich­keit, durch den Park oder über die schö­nen Wand- und Decken­ma­le­rei­en zu schwei­fen. Das Schöns­te bleibt den­noch die Ton­spur die­ser klei­nen Euro­pa­tour, mit der Amar­cord die Ubi­qui­tät des Madri­gals in der Renais­sance betont: Eng­land – natür­lich mit Dow­land wür­dig ver­tre­ten -, Frank­reich, Deutsch­land und Ita­li­en sind selbst­ver­ständ­lich dabei, mit di Las­so, Gesu­al­do, Gom­bert, Wil­laert und Schütz. Aber auch das Spa­ni­en des Gol­de­nen Zeit­al­ters gehört dazu, das mit zwei fast vul­gä­ren Madri­ga­len von Juan del Enci­na ver­tre­ten ist. 

Viel bekann­tes ist zu hören – das man aber nicht immer in so har­mo­nisch aus­ta­rier­ten Klän­gen gebo­ten bekommt. Amar­cord singt auch für den Film weich und geschmei­dig, bleibt immer aus­ge­wo­gen und klar in den Details – man merkt die lan­ge Beschäf­ti­gung mit die­ser Musik. Neben aller Kunst­fer­tig­keit ist da durch­aus auch Platz für mehr oder weni­ger deut­li­ches Augen­zwin­kern und für pos­sier­li­che Fri­vo­li­tä­ten (die vor allem Juan del Enci­na bei­steu­ert), die sich dann nicht nur hören las­sen, son­dern auch in der Mimik der Sän­ger sicht­bar wer­den. Und das gehört ja ja genau­so zur Geschich­te des Madri­gals wie die jauch­zen­den Lie­bes­be­schwö­run­gen oder weh­mü­ti­ge Blick zurück, das vom Abschieds­schmerz ver­schlei­er­te Geden­ken an die schö­ne­ren Tage und die ver­gan­ge­ne Lie­be (nahe­zu per­fekt führt Amar­cord das in Gom­berts „Trist départ“ vor), bei denen die Sän­ger schau­spie­le­risch zurück­hal­ten­der agieren.
Nicht nur sin­gend, auch in den kur­zen Inter­view­schnip­seln beto­nen die Sän­ger die über­zeit­li­che Gül­tig­keit der hier in Musik gefass­ten Gefüh­le und Ideen, machen aber nicht wie die Kings’ Sin­gers mit ihrer „Madri­gal Histo­ry Tour“ eine klin­gen­de Vor­le­sung dar­aus. Dazu passt auch, dass die Unter­ti­tel lei­der nur die über­setz­ten Tex­te bie­ten: „The Book of Madri­gals“ ist eben vor allem ein Film zur Musik.

Amar­cord: The Book of Madri­gals. DVD 2014.

— Zuerst erschie­nen in Chor­zeit – Das Vokal­ma­ga­zin, Aus­ga­be Sep­tem­ber 2014.

Maybebop im Interview

Im Febru­ar hat­te ich die Gele­gen­heit, mich sehr nett mit den vier Sän­gern von May­be­bop zu unter­hal­ten. Das lei­der um eini­ges gekürz­te Inter­view erschien in der März-Aus­ga­be von „Chor­zeit – Das Vokal­ma­ga­zin“.

Sechs Kon­zer­te, sie­ben Work­shops und neun Shows auf der Musik­mes­se NAMM in Los Ange­les haben May­be­bop auf ihrer USA-Tour­nee absol­viert. Nach ihrem ers­ten Kon­zert in Deutsch­land mit ihrem Pro­gramm „Weni­ger sind mehr“ in Bad Vil­bel hat sich das Quar­tett Zeit genom­men, mit der „Chor­zeit“ über ihre Erfah­run­gen in Ame­ri­ka, die deut­sche A‑Cap­pel­la-Sze­ne und ihren Anteil an den Ent­wick­lun­gen der letz­ten Jah­re zu sprechen.

Ihr seid gera­de von eurer ers­ten Ame­ri­ka-Tour­nee zurück gekom­men. Wie waren eure Erfah­run­gen dort?
Lukas: In den USA sind die Men­schen viel offe­ner a‑cappella und dem Gesang gegen­über. Die Scheu vor dem Sin­gen ist nicht so groß, der Charme von Chö­ren ist in Deutsch­land dage­gen doch etwas verstaubt.
Sebas­ti­an: In Ame­ri­ka war das viel posi­ti­ver: Ihr singt? – OK, dann singt doch mal. 

Wie kommt denn deut­scher A‑Cap­pel­la-Gesang beim ame­ri­ka­ni­schen Publi­kum an?
Oli­ver: Das war auf­re­gend und eine tol­le Erfah­rung für uns: Wir haben eng­lisch mode­riert und wir haben gemerkt, das funk­tio­niert und unser Humor trans­por­tiert sich. Das Pro­gramm bestand aus eng­li­schen Covers aus unse­rem Reper­toire, auch deut­sche Stü­cke und Volks­lie­der – so ein biss­chen deut­sche Trad­ti­on – und auch eige­ne Stü­cke von uns, die wir uns über­set­zen haben lassen.

Habt ihr auch Kon­tak­te zur ame­ri­ka­ni­schen a‑cap­pel­la-Sze­ne geknüpft?
Lukas: Natür­lich, vor allem auf per­sön­li­cher Ebe­ne, aber auch schon im Vor­feld, weil die glo­ba­le A‑Cap­pel­la-Com­mu­ni­ty in den USA orga­ni­siert ist und sich dort alles sam­melt. Im Gegen­satz zu Deutsch­land sitzt in Ame­ri­ka sehr wenig Geld in der Vokal­sze­ne, dafür aber sehr viel Enthu­si­as­mus und eine gro­ße Bereit­schaft, auch ohne Geld zu arbeiten.

Wie habt ihr die ame­ri­ka­ni­sche Sze­ne wahrgenommen?
Jan: Das ist ganz anders als in Deutsch­land: In Ame­ri­ka ist es selbst­ver­ständ­lich, wenn man an der High­school oder an einer Uni­ver­si­tät ist, dass man in einem a‑cap­pel­la-Ensem­ble oder in Chö­ren singt. Die­se Sze­ne, die semi­pro­fes­sio­nel­le und die Lai­en­sze­ne, ist an den Uni­ver­si­tä­ten und den Schu­len schon seit ganz lan­ger Zeit total ver­an­kert. Dass es selbst­ver­ständ­lich ist, dass es an Uni­ver­si­tä­ten meh­re­re Chö­re und Ensem­bles gibt – das fan­den wir ganz beein­dru­ckend. Da bil­den sich ganz vie­le Ensem­bles, das ist total geil. Und es wird ein­fach wahn­sin­nig viel gesungen.
Lukas: Aber da wir auf kei­nem Fes­ti­val waren, haben wir kei­ne ame­ri­ka­ni­schen Ensem­bles ent­deckt. Wir waren selbst die Ent­de­ckung für die Ame­ri­ka­ner – hoffentlich …

Ges­tern habt ihr euer ers­tes Kon­zert wie­der in Deutsch­land gesun­gen: Wie fühlt es sich an?
Lukas: Es war tat­säch­lich ein biss­chen auf­re­gend, weil wir ja auch nach zwei Mona­ten das ers­te Mal wie­der ins Tages­ge­schäft kamen. Ob das noch so alles funk­tio­niert, das war schon span­nend. Und ich hat­te das Gefühl, dass wir rei­fer gewor­den sind mit den Erfah­run­gen aus den USA.
Jan: Vor allem haben wir uns total gefreut, dass man wie­der ein Publi­kum vor der Nase hat, für das man ein Gefühl, wo man weiß, wie die Wit­ze funk­tio­nie­ren und nicht so tas­ten muss.

Und wie seht ihr den Boom der deut­schen a‑cap­pel­la-Sze­ne?
Lukas: Wir ver­fol­gen das natür­lich. Es gab schon mal einen Boom neu­er Grup­pen, der war vor ein paar Jah­ren wie­der weg, und jetzt ist er wie­der da. Wir sind da – ganz unei­tel gesagt – viel­leicht auch nicht ganz unbe­tei­ligt daran.
Jan: Vor allem sehen wir natür­lich, dass jun­ge Leu­te auf den Kon­zer­ten sind und sich in den letz­ten Jah­ren so eini­ge jun­ge Ensem­bles bemerk­bar gemacht haben, die dann auf ein­mal da waren, wie etwa High­fi­ve, anders oder Del­ta Q: Da kom­men eini­ge, die jetzt so in den semi­pro­fes­sio­nel­len Bereich vor­drin­gen. Das ist auf jeden Fall ein Trend. Vor ein paar Jah­ren, da haben wir gesagt: Mann, es kommt gar nix nach, es pas­siert nichts in der Sze­ne. Und dann fing es auf ein­mal wie­der an. Dann kamen Grup­pen, die im Foy­er nach unse­rem Kon­zert was gesun­gen haben, wo wir ein­fach baff waren.
Lukas: Was wir nicht so mit­krie­gen, ist die gesam­te Brei­te. Wir bekom­men vor allem die Spit­ze von den jun­gen Ensem­bles mit, die sich trau­en, was zu ver­öf­fent­li­chen, uns was zu schicken.

Seht ihr da neue Trends bei den jun­gen Ensembles?
Oli­ver: Ganz auf­fäl­lig ist gera­de, dass die Grup­pen, die jetzt ent­ste­hen, sich dadurch aus­zeich­nen, dass sie eige­ne Stü­cke sin­gen. A‑Cappella war bis vor fünf Jah­ren noch fest­ge­legt auf ent­we­der lus­tig oder Stü­cke nach­sin­gen. Und die neu­en Grup­pen, die jetzt ent­ste­hen, die machen Musik und drü­cken sich mit eige­nen Tex­ten aus. Das fin­de ich total bemer­kens­wert: A‑Cappella wird jetzt so lang­sam erwach­sen. Man spielt jetzt nicht mehr in einer Band, son­dern ich kann auch a‑cappella sin­gen und mein Zeug machen.
Bei der BER­vo­kal hat­ten wir einen Abend Open-Stage, wo jeder auf die Büh­ne konn­te, der woll­te – und da sind wir bei­na­he hin­ten­über gekippt: Eine Grup­pe nach der ande­ren kommt da auf die Büh­ne und singt ein eige­nes Lied. Fan­den wir total abge­fah­ren und neu. Oder auch Grup­pen, die jetzt erfolg­reich sind, wie Juice­Box. oder OnAir, die ein­fach nur Musik machen. Das gab’s vor­her so noch nicht.
Lukas: Und wenn deut­sche Grup­pen es jetzt schaf­fen, das zu ver­bin­den, das Unter­halt­sa­me mit der Musik, dann ist das was wirk­lich tol­les und ein rie­sen Ding. Musik gibt es im a‑cap­pel­la-Bereich über­all auf der Welt auch, Wit­zig­keit in a‑cappella gibt es nur in Deutschland.

Ihr habt ja im letz­ten Jahr mit BER­vo­kal sogar ein Fes­ti­val gegründet …
Lukas: Ja, das habe ich mit Felix (unter ande­rem unser Cho­reo­graph) ange­fan­gen. Das ist ja auch auf jun­ge gute Grup­pen gemünzt. Und Ber­lin brauch­te das. Da ist bis­her jedes a‑cap­pel­la-Fes­ti­val geschei­tert, das ist ganz schwe­res Pflas­ter. Aber das hat mich ange­spornt. Ich woll­te ein­fach einen deut­li­chen voka­len Schwer­punkt nach Ber­lin bekom­men und vor allem auch die jun­gen Grup­pen för­dern, dass die ein Forum haben. Nach dem Vor­bild der voc​.colo​gne, aber offen für alle jun­ge talen­tier­ten Grup­pen, die Luft nach oben haben und denen man viel bei­brin­gen kann. 

Wie schätzt ihr den euren Ein­fluss auf die­se Ent­wick­lung ein?
Jan: Uns gibt es jetzt seit zwölf Jah­ren – sicher hat man da sei­nen Ein­fluss. Oli­ver hat als Arran­geur auch ganz bestimmt sei­nen Ein­fluss in der deut­schen Chor- und a‑cap­pel­la-Sze­ne genom­men. Und wir als Grup­pe haben bestimmt auch eine Art Vor­rei­ter­rol­le, was die eige­ne Musik angeht. 

Und eure Musik kann ja jeder sin­gen, ihr ver­kauft eure Arran­ge­ments inzwi­schen auch als Songbooks?
Jan: Das haben wir gemacht, weil ein­fach vie­le Leu­te danach fra­gen. Unse­re Sät­ze sind ja nicht leicht und spe­zi­ell auf uns zuge­schnit­ten, inso­fern freu­en wir uns über jeden, der das schafft.
Oli­ver: Aber wir haben auch ver­ein­fach­te Sät­ze für Chö­re dabei, die für SATB natür­lich ange­passt sind. Und wir freu­en uns ein­fach immer, wenn unse­re Musik gesun­gen wird – egal von wem.

Ihr seid auch als pro­fes­sio­nel­les Ensem­ble noch Mit­glied im Chor­ver­band. Warum?
Sebas­ti­an: Wir wol­len die Leu­te ja zum Sin­gen brin­gen. Nicht umsonst haben wir vie­le Jah­re Schul­work­shops gege­ben und geben immer noch Chor­work­shops. Wir wol­len den Leu­ten zei­gen, dass Sän­ger ein Beruf ist, der Spaß macht und von dem man leben kann. Und wir wol­len die Chor­sän­ger ein­fach noch so ein biss­chen kit­zeln. Wir haben im Chor­be­reich ja auch eine gewis­se Pro­mi­nenz, da muss man ein­fach Zei­chen set­zen: Leu­te, kommt in den Chor, der Chor­ver­band ist nicht nur eine ver­staub­te Institution.
Jan: Und das ist ein­fach unse­re Sze­ne, in der wir uns bewe­gen, wir sind ja alle auch rich­ti­ge Chorgewächse.

Und ihr seid jetzt mit meh­re­ren Sät­zen in der Lite­ra­tur­aus­wahl des Chor­wett­be­wers vertreten.
Oli­ver: Das ist natür­lich toll und freut uns sehr, wenn unse­re Musik die­se Schät­zung erfährt. Das pas­siert inzwi­schen auch woan­ders: „Engel“ war sogar mal Bestand­teil des baye­ri­schen Abiturs, und „Gum­mi­baum“ wur­de in ein Schul­buch auf­ge­nom­men. Wir schrei­ben uns ja auf die Fah­ne, immer auch Volks­lie­der zu sin­gen und sozu­sa­gen der deut­schen Kul­tur Raum zu geben. Da passt es ganz gut, dass Arran­ge­ments wie „O Täler weit“ und „Die Gedan­ken sind frei“ in die Lis­te auf­ge­nom­men wurden.
Jan: Wir schau­en ja immer, was kann man noch machen, was haben ande­re noch nicht gemacht? Denn es ist immer schön, was Neu­es zu machen, weil es auch frisch hält. Und wir haben das Ziel, uns alle zwei Jah­re neu zu erfinden.

— Zuerst erschie­nen in Chor­zeit – Das Vokal­ma­ga­zin, Aus­ga­be März 2014.

So klingt übri­gens May­be­bop – zum Bei­spiel bei Oli­ver Gies’ Arran­ge­ment von „O Täler weit“:

Mehr oder Weniger: Neue Musik von Maybebop

Für den Som­mer­hit sind sie dann doch zu spät. Scha­de, denn „Im Moment ist alles rich­tig“ hät­te dafür Poten­zi­al gehabt. Auch sonst bleibt May­be­bop strikt auf Hit­kurs. „Weni­ger sind mehr“ haben die Nie­der­sach­sen ihr neu­es­tes Album beti­telt. Und das bezieht sich zum Glück nicht auf die Beset­zung: May­be­bop ist immer noch ein Quar­tett, wie schon seit gut 20 Jah­ren. Mit ihrer ers­ten CD bei War­ner sind sie jetzt noch ein biss­chen Main­stream-taug­li­cher gewor­den. Und auch etwas glat­ter: Das ist her­vor­ra­gend gemach­ter, Radio-taug­li­cher Pop, der sich mehr als frü­her an den Wise Guys orientiert.

Schon beim ers­ten Hören fällt auf: Das Essen treibt sie irgend­wie beson­ders um, beson­ders der Kon­sum von Fleisch – den sie nur halb im Spaß ger­ne durch Insek­ten erset­zen möch­ten. Aber gera­de die bemüht poli­ti­schen Tex­te sind eher die schwä­che­ren der CD – auch musi­ka­lisch glän­zen die­se Lie­der nicht beson­ders. Dafür gibt es woan­ders auf „Weni­ger sind mehr“ aber wie­der Ent­schä­di­gung: Neben dem mit­rei­ßen­den „Im Moment ist alles rich­tig“ ist der titel­ge­ben­de Song am Ende der CD noch ein­mal (zumin­dest musi­ka­lisch) ein ech­tes High­light. Am kunst­volls­ten ist aber das Arran­ge­ment von Schu­berts Erl­kö­nig – den erkennt man kaum wie­der. Was aber über­haupt nicht gegen die Bear­bei­tung von Oli­ver Gies spricht, im Gegen­teil: Auch wenn das kaum zum Main­stream-Pop des Rests passt, ist das doch gewitzt und inten­siv in sei­ner Emotionalität.

Ande­res ist weni­ger über­zeu­gend. „Nimm mich mit“ etwa kann vor Kraft nicht mehr lau­fen: Weil kei­ner der vier weiß, wohin mit der (aller­dings auch tech­nisch kräf­tig auf­ge­päp­pel­ten) Stimm­kraft, hängt das alles im Gum­mi­klang. Lei­der sind die vier Sän­ger sowie­so alles ande­re als zurück­hal­tend mit der Stu­dio­klang­elek­tro­nik – dadurch ver­liert der May­be­bop-Klang eini­ges von sei­nem Charme. Ande­rer­seits bekom­men Songs wie „Was ist mit der Lie­be“ so ordent­lich Druck, den das Quar­tett geschickt und aus­ge­spro­chen klang­spie­le­risch nutzt. Gekonnt auf­ge­grif­fe­ne Kli­schees und spie­le­risch-sub­ver­si­ve Refe­ren­zen an die Roman­ze machen auch den „Lie­bes­brief“ zu einem ech­ten Klein­od: Ein herr­li­ches Bass-Solo mit Hin­ter­grund-Gesäu­sel aus den drei Samt­keh­len der rest­li­chen May­be­b­op­per. Viel­falt bleibt also May­be­bop-Pro­gramm, auch auf „Weni­ger sind mehr“. 

(geschrie­ben für die Neue Chorzeit.)

Taglied 8.8.2013

Im Moment ist alles rich­tig – MAYBEBOP (2013)

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Taglied 29.1.2013

cra­zy. und cool:

CLUSTER feat. ijea­ri­el – „Bar­bie Girl“

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gibt es auch „klas­sisch“:

Clus­ter feat. Ratz­in­ger – „Domi­nus Vobis­cum“ – Clus­ter Com­ple­tes the You­Tube Hits

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Taglied 19.1.2013 – My future self

Die wun­der­ba­ren Sän­ge­rin­nen und Sän­ger von „Pos­tyr Pro­ject“ haben einen neu­en Song ver­öf­fent­lich – natür­lich auf You­Tube (mit itu­nes kann ich ja nix anfan­gen): My Future Self. Net­tes Video auch.

My Future Self – Pos­tyr Project

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Es geht auch ohne Band: Jazzchor Freiburg a‑cappella

Jeder neu­en CD des Jazz­chor Frei­burg wird mit Span­nung und Vor­freu­de ent­ge­gen­ge­fie­bert, die Erwar­tun­gen sind hoch. Und die 11 Songs von „A Cap­pel­la“ ent­täu­schen sicher nie­mand – auch wenn der Jazz­chor hier das ers­te Mal pur zu hören ist, ganz ohne instru­men­ta­le Rhyth­mus­grup­pe. Das beginnt schon mit dem klang­mäch­ti­gen Start des Titel­songs, „A Cap­pel­la“. Mit stark gefea­tur­ter Beat­box von Juli­an Knör­zer – der wird noch öfters begeg­nen – ist das ein pefek­ter Ope­ner für die bun­te Mischung die­ser CD. 

Denn nicht nur der ers­te Titel, son­dern das gan­ze Album ist per­fek­te Wer­bung für den Jazz­chor (und nicht nur für die Frei­bur­ger): Wer hier nichts fin­det, ist für die­se Musik wohl ver­lo­ren. Aber die CD ist dabei auch unge­heu­er dis­pa­rat. Alle drei bis vier Minu­ten kommt völ­lig ande­re Musik aus den Laut­spre­chern. Auf das wei­che, war­me „In Per­son“ zum Bei­spiel folgt naht­los „A May Song“ von Bert­rand Grö­ger eine aus­ge­spro­chen raf­fi­nier­te voka­le Spie­le­rei, bevor es mit „Shi­ny Sto­ckings“ zum klas­si­schen Swing wech­selt: Gera­de das ist durch­aus gran­di­os in sei­ner Makel­lo­sig­keit und wun­der­bar inspi­rie­rend. Über­haupt nut­zen die Arran­ge­mens die Fähig­kei­ten des Jazz­cho­res sehr gut. Die ekle­ti­sche Stil­mi­schung ist näm­lich als Leis­tungs­aus­weis sehr geeig­net und war­tet mit zahl­lo­sen fas­zi­nie­ren­den Momen­ten auf. Und bleibt dabei doch auch unge­heu­er ver­spielt: Das hat oft etwas sehr unmit­tel­bar begeis­ter­tes – fast scheint es, als wol­le der Chor aus­pro­bie­ren, was er noch alles kann (und das ist viel). „Cute“ mischt etwa schön einen alten Big-Band-Hit von Neal Hef­ti mit Beat­box-Ele­men­ten, einem druck­vol­len Chor und span­nen­dem Scat-Solo von Lar­ry Brow­ne, wäh­rend Piaz­zoll­as Tan­go „La Muer­te del Angel“ zu einer veri­ta­blen Chor-Etü­de wird, die man durchs Tan­zen über­haupt nicht ent­eh­ren will.

Auch die afri­ka­ni­sche Ein­flüs­se machen sich nicht nur in Grö­gers „Afri­can Call“ mehr als deut­lich bemerk­bar – selbst im Hap­py Bir­th­day schei­nen sie durch. Aber das Arran­ge­ment von Klaus Frech ist sowie­so sehr frei – und über­ra­schend span­nend, auch weil der Text voll­kom­men ersetzt wur­de. Doch das Bes­te kommt erst ganz am Schluss: Eine wun­der­ba­re Ver­si­on des Beat­les-Song „Good Night“ – scharf am Kitsch ent­lang balan­cie­rend, aber von Betrand Grö­ger mit sou­ve­rä­ner Hand arran­giert und diri­giert, vom Jazz­chor Frei­burg ganz wie gewohnt tadel­los gesun­gen, zeigt das fast wie ein Fazit noch ein­mal, war­um der Jazz­chor Frei­burg immer noch und immer wie­der Stan­dards setzt.

Jazz­chor Frei­burg: A Cap­pel­la. 2012. Jazz­haus Records JHR 055.
(geschrie­ben für die Neue Chorzeit.)

Taglied 13.7.2012

Ein Meis­ter­stück: The King’s Sin­gers, Masterpiece

The King’s Sin­gers – Masterpiece

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