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Ursachen

Man soll nicht, „Ursa­che“ und „Wir­kung“ feh­ler­haft ver­ding­li­chen, wie es die Natur­for­scher thun (und wer gleich ihnen heu­te im Den­ken natu­ra­li­sirt — ) gemäss der herr­schen­den mecha­nis­ti­schen Töl­pe­lei, wel­che die Ursa­che drü­cken und stos­sen lässt, bis sie „wirkt“; man soll sich der „Ursa­che“, der „Wir­kung“ eben nur als rei­ner Begrif­fe bedie­nen, das heisst als con­ven­tio­nel­ler Fik­tio­nen zum Zweck der Bezeich­nung, der Ver­stän­di­gung, nicht der Erklä­rung. Im „An-​sich“ giebt es nichts von „Causal-​Verbänden“, von „Nothwen­dig­keit“, von „psy­cho­lo­gi­scher Unfrei­heit“, da folgt nicht „die Wir­kung auf die Ursa­che“, das regiert kein „Gesetz“. Wir sind es, die allein die Ursa­chen, das Nach­ein­an­der, das Für-​einander, die Rela­ti­vi­tät, den Zwang, die Zahl, das Gesetz, die Frei­heit, den Grund, den Zweck erdich­tet haben; und wenn wir die­se Zeichen-​Welt als „an sich“ in die Din­ge hin­ein­dich­ten, hin­ein­mi­schen, so trei­ben wir es noch ein­mal, wie wir es immer getrie­ben haben, näm­lich mytho­lo­gisch. Der „unfreie Wil­le“ ist Mytho­lo­gie: im wirk­li­chen Leben han­delt es sich nur um star­ken und schwa­chen Willen.

—Fried­rich Nietz­sche, Jen­seits von Gut und Böse, 21

Veröffentlicht in philosophie

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