
Typographie ist nicht bedeutungslos …
(via reinseite)


Typographie ist nicht bedeutungslos …
(via reinseite)
Gegen die Bildungshuberei, die viele Interpreten vor ihre Lektüren von Gedichte stellen, schreibt Jahn Kuhlbrodt1 auf „Postkultur“ in einer kleinen Thesensammlung zur rezipientenorienten Hermeneutik lyrischer Sprachwerke (wenn man das alles so nennen mag …):
Verstehen setzt Bildung nicht voraus, sondern ist die Bildung. Der Rezipient also bildet sich im Erschließen des Textes selbst, entwickelt sein Vokabular und Werkzeug, und somit sich selbst.
Und gegen die Behauptung der „Unverständlichkeit“, die ja tatsächlich auch theoretisch gar nicht so einfach zu fassen ist, setzt er die ganz und gar klare, unzweideutige Ansage:
Es gibt keine unverständlichen Gedichte (kein einziges).
Und damit ist schon klar: Zum Lesen von Lyrik braucht es keine besonderen Kenntnisse, kein spezielles Expertenwissen um die literatur- und motivgeschichtlichen Zusammenhänge, kein wie auch immer geartetes Spezialwerkzeug im Umgang mit dem Text, sondern nur ( – ja, nur! Wenn das immer so einfach wäre!) einen offenen Verstand und die Bereitschaft, sich auf den jeweiligen Text auch wirklich einzulassen und ihn nicht nur abzufertigen (meiner Erfahrung nach ist das aber schon der schwierigste Schritt überhaupt bei jeder Lektüre: Sich auf den Text und seine Verfasstheit, seine Strukturen und seine Gemachtheit, seine Bilder, Gedanken und all das wirklich ganz einzulassen – das gelingt beileibe nicht immer!). Dann ist aber auch der dritte Punkt Kuhlbrodts sowieso schon klar, nämlich:
Jedes Gedicht ist konkret.
Tja. So ist das eben. Wirklich.
Heribert Prantl fordert in der „Süddeutschen Zeitung“:
Die erste Maßnahme gegen Steueroasen ist daher eine semantische: Man muss ihnen diesen Namen entziehen.
Schön wäre ja, wenn sein eigenes Medium das auch tun würde. Die SZ schreibt aber auch gerne möglichst oft „Steueroase“. Und bebildert das mit netten Stränden und türkisem Meer und Yachten etc. …
Das mag man als Bagatelle ansehen – aber es ist doch eine bezeichnende. Vor allem, wenn man sich die weiteren Texte anschaut. Besonders gestolpert bin ich ja über die wiederholt verwendete Formulierung:
Eine anonyme Quelle hat der SZ und anderen internationalen Medien einen Datensatz mit 130.000 Namen zugänglich gemacht.
In diesem Fall auch noch von einem „Datenleck“ zu sprechen, ist mindestens genauso manipulierend, schönfärbend und täuschend wie der Begriff „Steueroase“. Denn was steckt denn dahinter: Irgendjemand (oder mehrere Irgendjemands) hat mehr oder weniger systematisch Daten gesammelt und – nach gängiger Terminologie – „gestohlen“, nämlich nicht Berechtigten weitergeleitet, also kopiert und zugänglich gemacht. Das ist auch erst einmal ein Vergehen – es mag aus moralisch „guten“ Gründen geschehen sein und im Vergleich zu den dadurch aufgedeckten Verfehlungen möglicherweise lässlich sein (bisher ist das ja offenbar noch nicht so wirklich klar, wie viel wirkliche rechtlich relevante Verfehlungen für die deutschen Teile der Daten überhaupt anzunehmen sind). Aber das ist doch ein aktiver Vorgang, den jemand (oder mehrere) bewusst ausgeübt hat, möglicherweise sogar über längere Zeit – die Daten sind ja nicht, wie gerade der Begriff „Datenleck“ suggeriert, aus Versehen und von selbst aus ihren jeweiligen Quellen gesprudelt … So viel Ehrlichkeit sollte dann doch sein – vor allem wenn man sie selbst von den anderen so unbedingt einfordert …
George Crumbs wunderschönes (kaum spielbares) Streichquartett „Black Angels“ (hier in einer Live-Aufzeichnung mit Arsis4):
Meine Netzfunde vom 2. & 3.4.:
Eine Demokratie ist kein Ort, sie lässt sich nicht bereisen wie eine Insel in den Tropen, sie ist nicht statisch, „ein Ort des Übergangs, nicht des Bleibens“, hat der französische Ethnologe Claude Lévi-Strauss im brasilianischen Goiânia einmal bemerkt, und vielleicht erklärt das, warum die Demokratie einem wenig heimisch erscheint, wenn sie nur als abstrakte Institution gedacht wird und nicht auch als ein Netz aus Begegnungen und Gesprächen, aus dem, was erzählt und was erfunden wird, aus dem, was gezeigt und was verborgen wird, aus den Grenzen, die gezogen, und denen, die überspielt werden, aus der Logik der Inklusion und Exklusion, aus den Gruppen und Individuen, die dazugehören, und den „Subalternen“, wie Antonio Gramsci sie nannte, denen am Rand, die ihre Zugehörigkeit immer wieder einklagen müssen. Eine Demokratie besteht aus all diesen diskursiven und nicht diskursiven Praktiken und Überzeugungen, die sich nur verstehen lassen, wenn man im Modus des Suchenden bleibt.
Carolin Emcke, Spezialistin für Auslandsreportagen, wird für die ZEIT den Bundestagswahlkampf beobachten und begleiten. Hier fängt sie schon mal mit den ersten Problemen an …
Solutionismus nennt Morozov diese Geisteshaltung in seinem gerade auf Englisch im Verlag PublicAffairs erschienenen Buch To Save Everything Click Here (»Wenn Sie alles retten wollen, klicken Sie hier!«). Ihre schönsten Blüten treibt sie im kalifornischen Silicon Valley, jenem Hightech-Mekka, das im Ruf steht, zu den globalsten Orten weltweit zu gehören. Morozov hält das Silicon Valley dagegen für provinziell (er kommt selbst aus der Provinz, aus dem tiefsten Weißrussland, und weiß, wovon er spricht). Er hält das Silicon Valley für provinziell, weil es in seiner Technik- und Internet-Euphorie keinen Begriff habe von der Komplexität der Welt.
Die verlegerkritische Passage in Arno Widmanns Kolumne „Vom Nachttisch geräumt“ ist von beiden Redaktionen stillschweigend entfernt worden. Ein solcher tiefer nachträglicher Eingriff in einen online gestellten Artikel ohne jede Kennzeichnung widerspricht der „Netikette“.
Heute ist – mit der diesjährigen Verleihung an Monika Rinck für ihren bei kookbooks erschienen Band „Honigprotokolle“ – endlich das Archiv des Peter-Huchel-Preises online gegangen. Eine „Großtat für die Lyrik“ hat die Badische Zeitung das schon letzte Woche genannt. Das ist sozusagen ein Geburtstagsgeschenk zum 30jährigen Bestehen des Preises, der ausschließlich der Lyrik gewidmet ist und seit 1983 vom Land Baden-Württemberg und dem Südwestrundfunk. Ein Geschenk allerdings, das nicht dem Preis zugedacht ist, sondern den Leserinnen und Lesern der hier geehrten und ausgezeichneten Kunst. Vor allem aber den Hörerinnen und Hörern: Denn der SWR hat die Lesungen, die Laudationes und die Dankreden der letzten 30 Jahre online zum An- und Nachhören zur Verfügung gestellt. Da findet man nun Lesungen und Reden von den großen Lyrikern und Lyrikerinnen der letzten Jahrzehnte, die mit ziemlich großer Treffsicherheit durch die Jury des Peter-Huchel-Preises ausgezeichnet wurden: Wulf Kirsten, Elke Erb, Thomas Kling, Wolfgang Hilbig, Uljana Wolf, Oswald Egger, Ulf Stolterfoht, Gerhard Falkner, Friederike Mayröcker, Nora Bossong und eben Monika Rinck, um nur ein paar meiner Lieblinge zu nennen, die sich auf dieser illustren Liste finden.
Vor allem ist das Archiv aber eben eine Fundgrube, in der man schönes und skuriles, erhebendes und lockerndes wunderbar (wieder-)entdecken kann – zum Beispiel die wunderbare Lesung Thomas Klings (mit Unterstützung des Schlagzeugers Frank Köllges) oder die altersbrüchige Stimme Friederike Mayröckers, die direkt von der selbsicheren (und sechzig Jahre jüngeren) Nora Bossong gefolgt wird. Oder das tastende Rezitieren Oswald Eggers … – eine großartige Sache, dieses Tonarchiv (das könnte der SWR eigentlich auch mal für seinen Jazzpreis machen …). Zumal die Website auch eine ansprechende und übersichtliche Gestaltung gefunden hat – wunderbar, um sich bald stundenlang hier zu verlieren …
„Brandt Brauer Frick“ live im „Boiler Room“
Spätestens, wenn du dich dabei erwischst, wie du Nord-Korea lobst, solltest du mal über deine Prioritäten nachdenken.
— Anatol Stefanowitsch (@astefanowitsch) March 4, 2013
Dürfen Vegetarier, wenn sie arme Würste sind, Fingernägel kauen?
— https://bsky.app/profile/handwerk.bsky.social (@der_handwerk) March 5, 2013
Die Alternativmedizin sollte sich auf Alternativkrankheiten konzentrieren.
— Anatol Stefanowitsch (@astefanowitsch) March 5, 2013
Von der Leyen kündigt grundlegende Sozialreform an: Armuts- und Reichtumsbericht wird nächstes Jahr Reichtums- und Armutsbericht heißen!
— Erbloggtes (@Erbloggtes) March 6, 2013
Egal ob weißer oder schwarzer Rauch – die Feuerwehr sollte das Gebäude schleunigst evakuieren.
— @kreidler.bsky.social (@_Kreidler) March 12, 2013
Wow. The heads of all major religions (iOS, Android, Windows, and the Catholic Church) have been replaced in a 6 month time period.
— Brian Walsh (@thepartycow) March 13, 2013
https://twitter.com/giesbert/status/312111422110826497
Vatikan. Muttiauch.
— Peter Glaser (@peterglaser) March 14, 2013
„Wer Paulo Coelho liest, kann rein technisch natürlich lesen.“ #lbm13
— David Hugendick (@davidhug) March 14, 2013
That’s it. I’m making all conservative politicians’ kids gay. It is a choice, after all… MINE.
— God (@TheTweetOfGod) March 15, 2013
Imagine if the web had been built on LaTeX instead of HTML …
— TeX and Typography (@TeXtip) March 15, 2013
Wann immer @steinbacherika in der Timeline auftaucht, wünscht du dir, das es nur ein Satire-Account ist. Leider ist das nie der Fall.
— Jonas (@lsanoj) March 15, 2013
#wasfehlt „Autoren, die dieses Buch geschrieben haben, hätten auch gern die folgenden Bücher geschrieben“.
— Kathrin Passig (@kathrinpassig) March 16, 2013
Der Schock im Gesicht des Rosenverkäufers, wenn sie sagt: „Ja, bitte, ich kauf ihm eine.“
— Elisabeth Rank (@kumullus) March 18, 2013
https://twitter.com/antallan/status/313769367458443264
Oder ist die „Alternative für Deutschland“ vielleicht nur ein Fake der Piratenpartei, damit die rechten Spinner anderswo hingehen?
— Erbloggtes (@Erbloggtes) March 20, 2013
https://twitter.com/Wondergirl/status/314481017161412608
Statt blauem Band nur blaue Flecke. Frühling ist auch nicht mehr so, wie Mörike ihn sah.
— David Hugendick (@davidhug) March 21, 2013
Bei den Inuit erzählt man sich, die Deutschen hätten über vierhundert Wörter dafür, wie sehr sie den Schnee hassen.
— Anatol Stefanowitsch (@astefanowitsch) March 22, 2013
https://twitter.com/spmrider/status/316154497837699073
Sätze wie »True Love never dies« bringen uns ehrlich gesagt nicht weiter.
— – (@pushddirp) March 25, 2013
Meine Netzfunde für die Zeit vom 26.3. zum 30.3.:
Die Art und Weise, wie sich Menschen bewegen, ist sehr einzigartig. Einem Forscherteam ist es gelungen, Einzelpersonen in großen Datensätzen von Bewegungsdaten zu identifizieren, wie diese von Mobilfunk-Anbietern gespeichert werden. Statt immer weitere Datenberge anzuhäufen, plädieren sie für weitere Forschung, da Bewegungsdaten nur noch wichtiger und aussagekräftiger werden.
„Planets“, von der bei Intakt erschienenen wunderbaren Improvisations-CD „Super 8″ des Duos „Secret Keeper“ (Stephan Crump & Mary Halvorson):
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