»Nächstens mehr.«

Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Fußball

Max Goldt hat nicht immer, aber häu­fig recht:

Mor­gen gestalten …

Aus-Lese #8

Johann Wolf­gang von Goe­the: Unter­gang einer Reichs­haupt­stadt. Johann Wolf­gang von Goe­the. Bela­ge­rung von Mainz. Ein Bil­der­bo­gen. Her­aus­ge­ge­ben von Her­mann Kurz­ke und Oli­ver Kem­mann. 2. Auf­la­ge. Frank­furt: Socie­täts-Ver­lag. 176 Seiten.

Selt­sam und schön: Schön in der Auf­ma­chung, in der Samm­lung aller mög­li­cher Mate­ria­li­en rund um Goe­thes fin­gier­ten Tage­buch-Bericht zur Bela­ge­rung von Mainz, in der reich­hal­ti­gen Anno­tie­rung in bes­ter Gelehr­ten­ma­nier. Selt­sam dann aber wie­der man­che Tex­te, zum Bei­spiel das Lob der Mon­ar­chie im Anfang (und die Abwer­tung der Demokratie): 

Eine rich­ti­ge Idee lag ihr zugrun­de, sie war nicht gleich­be­deu­tend mit auto­ri­tä­rem Macht­miß­brauch. Die Men­schen waren in ihr nicht gleich­ge­stellt, gewiß nicht, sie waren ver­schie­den und hat­ten abge­stuf­te Rech­te. Aber sie sind ja auch heu­te nur in der Theo­rie gleich, und Geset­zes­ge­wän­der, die ver­schie­de­ne Rech­te für ver­schie­de­ne Men­schen vor­se­hen, schmie­gen sich dem Gesell­schaft­leib unter Umstän­den natür­li­cher an als das schlot­tern­de Ein­heits­kleid der Demo­kra­tie. (7f.)

Abge­se­hen davon aber eine schö­ne, reich und klug kom­men­tier­te Aus­ga­be des Goe­the-Tex­tes, der vor allem mit sei­nem reich­hal­ti­gen (größ­ten­teils zeit­ge­nös­si­schen) Bild­ma­te­ri­al gefällt. Zwei­fel­los ein schö­nes und schön gemach­tes Buch – ide­al für den Couch­tisch ;-). Aber das Vor­wort! – So etwas lässt mich rat­los zurück. Wahr­schein­lich bin ich nur wie­der mal die fal­sche Zielgruppe …

Peter Kurz­eck: Der radi­ka­le Bio­graph. Her­aus­ge­ge­ben von Eri­ka Schmied. Frank­furt am Main: Stroem­feld 2013. 179 Seiten.

Das Geburts­tags­ge­schenk des Stroem­feld-Ver­lags für Peter Kurz­eck zum 70. Geburts­tag – und vor allem für sei­ne Leser, Hörer und Fans: Schö­ne Fotos von den Schau­plät­zen sei­nes Lebens und sei­ner Wer­ke und von ihm, Tex­te von Man­fred Papst, Tho­mas Meine­cke zum Schrei­ben und Erin­nern Kurz­ecks und ein Gespräch mit ihm und vie­lem mehr: Wun­der­schö­ne Foto­gra­fien eines Lebens mit klug und kennt­nis­reich aus­ge­wähl­ten Zita­ten aus dem Werk Kurz­ecks – ein herr­li­ches Geschenk.

Ann Cot­ten: Haupt­werk. Soft­soft­porn. Mit Zeich­nun­gen von Marei­le Fel­li­en, Ostheim/​Rhön: Peter Engst­ler 2013. 70 Seiten.

Wie immer bei Ann Cot­ten zeigt auch das Haupt­werk eine Art wil­de Spra­che – schon der Unter­ti­tel weist ja dar­auf hin: Eine Spra­che, die sich nicht um seman­ti­sche Kon­ven­tio­nen schert, alle Sti­le, Gen­res und Regis­ter hem­mungs­los mischt, die Viel­falt der Hete­ro­ge­ni­tät fei­ert – in Leich­tig­keit und Locker­heit. Fun­ken sprüht das vor allem an den Stel­len, wo Cot­ten ihre Mehr­spra­chig­keit ein­setzt, wo sich eng­li­sche Kon­struk­tio­nen mit deut­schen Wör­ter fül­len oder umge­kehrt, wo die Mischun­gen tan­zen – ich weiß nur noch nicht so recht, was die Fun­ken ent­zü­den sol­len oder werden …
Das klei­ne Vor­wort bie­tet dazu noch so etwas wie eine klei­ne Poe­tik, die aller­dings selbst auch wie­der poe­tisch (und dun­kel) ist:

Das Vor­wort ist nur dazu da, Freund­schaf­ten zu ret­ten. […] Eigent­lich müss­te man also für jeden Zusam­men­hang sprach­lich sich etwas ganz Neu­es her­aus­bil­den las­sen – aber womit denn? Der Ein­druck von Sin­gu­la­ri­tät ver­lei­tet einen ja eher dazu, eine Sache nicht sprach­lich zu beschrei­ben: Wozu soll­te man etwas, was nur stimmt, solan­ge es da ist, all­ge­mein erschlie­ßen? […] Zum Text zurück: Wenn sei­ne Irr­tü­mer ein Ver­bre­chen dar­stel­len, besteht die­ses in mei­ner selbst­ver­schul­de­ten Einsamkeit.

Cha­mis­so /​Scho /​Stol­ter­foht: Frau­en-Lie­be und Leben. Per­le­berg Ber­lin: hoch­roth 2010. 46 Seiten.

Adel­bert von Cha­mis­sos „Lie­der-Cyclus“ Frau­en-Lie­be und Leben von 1830 im Ori­gi­nal und in zwei sehr unter­schied­li­chen Nach­dich­tun­gen – einer sehr inspie­ren­den von Sabi­ne Scho und einer frem­deln­den von Ulf Stol­ter­foht, bei­de auf ihre Wei­se sehr dicht am Ori­gi­nal und trotz­dem sehr eigenständig.

Dirk von Geh­len: Eine neue Ver­si­on ist ver­füg­bar. Exklu­si­ve Erst­auf­la­ge, indi­vi­dua­li­sier­te Pre­mi­um-Edi­ti­on. Mün­chen 2013. 224 Seiten.

Das crowd-finan­zier­te zwei­te Buch Dirk von Geh­lens über die Ver­än­de­run­gen, die die Digi­ta­li­sie­rung für die Kul­tur, das Kul­tur­er­zeug­nis und die Gesell­schaft (mit ihren Kul­tur­er­zeu­gern und ‑rezi­pi­en­ten) mit sich bringt, hat einen eige­nen klei­nen Blog­bei­trag bekom­men: klick.

"Eine neue Version ist verfügbar" - Frontcover

Die neueste Version der neuen Version

So sieht sie also aus, mei­ne per­so­na­li­sier­te Neue Ver­si­on, die jetzt ver­füg­bar ist – aber das hat­te ich ja schon getwittert.

Schön ist das Buch gewor­den, mit den far­bi­gen Sei­ten der ver­schie­de­nen Kapi­teln (nur eine bes­se­re und fle­xi­ble­re Kle­be­bin­dung hät­te ich mir gewünscht …). Wobei ver­füg­bar schon falsch ist: Der Text hät­te mir schon lan­ge bekannt sein kön­nen und war es teil­wei­se auch, weil der Autor Dirk von Geh­len (des­sen Mas­hup ich auch schon mit Gewinn gele­sen habe) sei­ne Unter­stüt­zer am Ent­ste­hungs­pro­zess hat teil­ha­ben las­sen (was ich aber nicht alles gele­sen und ange­hört habe). Jetzt also die neue Ver­si­on von Eine neue Ver­si­on ist ver­füg­bar, die auch nur eine vor­läu­fig letz­te ist: Im Herbst erscheint es als über­ar­bei­te­te Ver­si­on noch ein­mal bei einem Verlag.

Wor­um geht es in Eine neue Ver­si­on ist ver­füg­bar? Um Ver­flüs­si­gung. Von Geh­len beob­ach­tet und beschreibt eine Ver­än­de­rung, die durch die Digi­ta­li­sie­rung viel­leicht nicht her­vor­ge­bracht, aber zumin­dest beschleu­nigt wur­de: Gesell­schaft und ihre „Pro­duk­te“ ver­än­dert sich. Sie wird beweg­li­cher, eben flüs­si­ger, über­win­det also die Star­re des Fest­stof­fes. Das heißt auch: Sie exis­tiert immer in ver­schie­de­nen Ver­sio­nen: Alles – z.B. auch die Kul­tur – wird zur Software. 

Auch ein schöner Rücken kann entzücken ...

Auch ein schö­ner Rücken kann entzücken …

Meta­phern spie­len dabei – die Vor­stel­lung der „Ver­flüs­si­gung“ macht es ja schon deut­lich – eine gro­ße Rol­le. Viel­leicht manch­mal eine zu gro­ße: Hin und wie­der hät­te ich mir (auch) noch etwas mehr Kon­kre­ti­sie­rung gewünscht. Sicher, dass ist nicht das pri­mä­re Ziel von Geh­lens. Aber gescha­det hät­te es dem Text und sei­ner ana­ly­ti­schen Schär­fe viel­leicht nicht ;-). Und für mei­nen unmaß­geb­li­chen Geschmack wird der Fuß­ball­spiel­ver­gleich etwas über­stra­pa­ziert. Aber das sind Klei­nig­kei­ten, im Gro­ßen und Gan­zen bin ich – glau­be ich zumin­dest – auf einer Linie mit der Neu­en Version. 

Ver­flüs­si­gung heißt also: Der Künst­ler – denn obwohl von Geh­len immer mit dem Blick auf die gesam­te Gesell­schaft schreibt, bleibt die Künst­le­rin und ihr Kul­tur­schaf­fen doch im Fokus – steht „nicht mehr am Anfang, son­dern in der Mit­te eines krea­ti­ven Pro­zes­ses […], des­sen Aus­gang offen ist“ (S. 149f.) Und des­halb heißt es ganz fol­ge­rich­tig ein­mal: „Wir müs­sen schwim­men ler­nen!“ Und das ist also von Geh­lens For­de­rung für alle. Er schlägt dazu einen Weg in fünf Schrit­ten vor:

  1. Das Pro­dukt als Pro­zess den­ken (führt zu grö­ße­rer Nähe zw. Pro­du­zent und Konsument)
  2. Das Gespräch füh­ren (der sozia­le Aspekt der Kul­tur – dazu gehört auch, die „Meta­da­ten“ offen­zu­le­gen, also den Pro­zess zu zei­gen und auch nach­voll­zieh­bar zu machen)
  3. Ein Netz­werk erstel­len (Künst­ler als (Ver-)Mittler)
  4. Einen Salon eröff­nen (Gemein­sam­keit spe­zi­fisch defi­nier­ter (vir­tu­el­ler) Öffentlichkeit(en))
  5. Erleb­nis­se schaf­fen (auch der Ent­ste­hungs­pro­zess ist ein Erlebnis)

Zusam­men­ge­nom­men heißt das dann: 

Schwim­men ler­nen bedeu­tet des­halb vor allem: die neu­en Bedin­gun­gen im ver­än­der­ten Ver­hält­nis zwi­schen Autor und Publi­kum zu erspü­ren. Denn hier liegt eine der zen­tra­len Fol­gen der digi­ta­len Kopie für die zu Soft­ware gewor­de­ne Kul­tur. (S. 150)

Und damit hat er wohl ziem­lich recht. Es wird also span­nend, davon bin ich über­zeugt: Noch gibt es ja erst weni­ge Ver­su­che, die­sen Weg (in der Kunst) zu gehen. Das wer­den in den nächs­ten Jah­ren sicher­lich viel mehr wer­den – und dar­auf freue ich mich. Und so gelas­sen und freund­lich-posi­tiv, wie von Geh­len die­sen ja durch­aus radi­ka­len Ver­än­de­rungs­pro­zess beschreibt, freut er sich genau­so darauf … 

Dirk von Geh­len: Eine neue Ver­si­on ist ver­füg­bar. Exklu­si­ve Erst­auf­la­ge, indi­vi­dua­li­sier­te Pre­mi­um-Edi­ti­on. Mün­chen 2013. 224 Seiten.
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Indi­vi­dua­li­sier­te Premium-Edition

Ins Netz gegangen (6.7.)

Ins Netz gegan­gen (4.7.–6.7.):

  • Hack­ing: Wahl­be­trug leicht gemacht – Golem​.de – Armin Rupp zeigt, wie über­ra­schend ein­fach es ist, Brief­wah­len zu fäl­schen – in der BRD:

    1989 beschloss die Bun­des­re­gie­rung, die Brief­wahl nicht nur zu ver­ein­fa­chen, son­dern auch hier und dort dabei ein­zu­spa­ren. Das hat der Alter­na­ti­ve zum Besuch im Wahl­lo­kal zwar tat­säch­lich eini­ge Hür­den genom­men, aber die Mög­lich­keit zur Wahl­fäl­schung deut­lich erhöht. Das hat der Sicher­heits­exper­te Armin Rupp auf der Sicher­heits­kon­fe­renz Sig­int 2013 in Köln aus­führ­lich gezeigt. Auch die Orga­ni­sa­ti­on für Sicher­heit und Zusam­men­ar­beit in Euro­pa (OSZE) bemän­gelt inzwi­schen die Brief­wahl in Deutschland.

  • Ach übri­gens, er ist Autist – DIE WELT – David Mit­chell über das Leben mit einem autis­ti­schen Sohn:

    Sie ver­spü­ren plötz­lich Mit­leid mit den Kran­ken im Mit­tel­al­ter, die in der Hoff­nung, den für ihr Lei­den zustän­di­gen Hei­li­gen zu fin­den, von einem Schrein zum ande­ren hum­pel­ten, obwohl sie eigent­lich einen Quan­ten­sprung in der Medi­zin gebraucht hätten.

  • Beleuch­tungs­vor­schrif­ten am Fahr­rad: Nichts genau­es weiß man nicht | Rad­ver­kehrs­po­li­tik – Rad­ver­kehrs­po­li­tik setzt sich auch mit dem geän­der­ten Ände­rungs­vor­schlag zu den Fahr­rad­be­leuch­tungs­pa­ra­gra­phen in der StV­ZO aus­ein­an­der – und zeigt, wie schwie­rig so eine ein­fach Anpas­sung offen­bar sein kann …

    So rich­tig Freu­de kommt ange­sichts des Durch­ein­an­ders nicht auf: Viel­leicht sind abnehm­ba­re Lam­pen künf­tig erlaubt, viel­leicht auch nicht—das ist im End­ef­fekt Interpretationssache.

  • Die Schwu­len brin­gen uns allen den Tod: Die Lust des “Spie­gel” an der Apo­ka­lyp­se durch Aids « Ste­fan Nig­ge­mei­er -

    Den­noch ist es schwer, in der Aids-Bericht­erstat­tung des »Spie­gel« die­ser Zeit einen Aus­druck von Ver­ant­wor­tung zu sehen—und nicht von rasen­der Ver­ant­wor­tungs­lo­sig­keit. Dazu trägt die offen­kun­di­ge Lust bei, mit der Hal­ter die grau­sa­men Mecha­nis­men aufs Gru­se­ligs­te ausmalt

  • Pofall­as Brief­kopf – Akten­kun­de und zeit­ge­nös­si­sche Doku­men­ten­fäl­schun­gen | Akten­kun­de – Diplo­ma­tik kann auch in der Zeit­ge­schich­te wich­tig sein – Hol­ger Ber­win­kel zeigt, war­um „Dis­cri­men veri ac fal­si“ auch eine Auf­ga­be „der zeit­ge­schicht­li­chen Akten­kun­de“ sein kann und wie sie kon­kret funktioniert.
  • Unter dem Tep­pich der HRK | Schma​len​stroer​.net -

    Die HRK will ein erstaun­lich gut funk­tio­nie­ren­des Sys­tem gegen ein klan­des­ti­nes, weni­ger gutes Sys­tem erset­zen. Die bekann­ten Pla­gia­te-Wikis wer­den damit auto­ma­tisch zum wis­sen­schaft­li­chen Fehl­ver­hal­ten, da sie ja grund­sätz­lich öffent­lich sind. Wer das nicht in Ord­nung fin­det, darf ger­ne die­se Peti­ti­on mit­zeich­nen. Und wis­sen­schaft­li­ches Fehl­ver­hal­ten auch zukünf­tig öffent­lich machen.

Ins Netz gegangen (4.7.)

Ins Netz gegan­gen (3.7.–4.7.):

  • Gut­ten­berg, Scha­van und die Fol­gen: Maul­korb bei Pla­gi­ats­ver­dacht – Tages­spie­gel -

    Die Hoch­schul­rek­to­ren­kon­fe­renz (HRK) und die Deut­sche For­schungs­ge­mein­schaft (DFG) pla­nen einen Maul­korb für For­scher, die wis­sen­schaft­li­ches Fehl­ver­hal­ten öffent­lich machen wol­len – das befürch­ten zumin­dest Wis­sen­schaft­ler, die jetzt einen offe­nen Brief im Inter­net ver­öf­fent­licht haben.

  • Inter­net-Sicher­heits­exper­te Felix von Leit­ner : Der Über­wa­chung ent­ge­hen? Das macht rich­tig viel Arbeit! – FAZ – fefe im FAZ-Inter­view bringt’s auf den Punkt:

    Ter­ro­ris­mus ist ja defi­niert als Ein­schüch­te­rung, als Angriff, der nicht mich direkt angreift, son­dern mir Angst macht und ich so mei­ne Lebens­art ände­re. Das ist doch genau, was hier gera­de pas­siert! Nur dass eben nicht „die Ter­ro­ris­ten“ die­sen Angriff durch­füh­ren, son­dern die Geheim­diens­te. Die­ses ewi­ge „aber die Ter­ro­ris­ten“ ist doch genau so hohl wie der Hin­weis auf die angeb­li­che par­la­men­ta­ri­sche Kon­trol­le. Im öffent­li­chen Dis­kurs muss mal jemand die Fra­ge stel­len, ob der real erleb­te Ter­ror nicht eher von den Diens­ten aus­geht, anstatt dass sie uns vor ihm schützen.

  • law blog» Beweg­te Zei­ten -

    Die Ver­wei­ge­rung von Über­flug­rech­ten ist zwar grund­sätz­lich zuläs­sig, da jeder Staat auch sei­nen Luft­raum als Hoheits­ge­biet betrach­tet. Aller­dings ist nicht mal ansatz­wei­se erkenn­bar, wel­che nach­voll­zieh­ba­ren eige­nen Inter­es­sen Frank­reich und Por­tu­gal mit der Ver­wei­ge­rung der Über­flug­rech­te ver­fol­gen könn­ten. Von der Maschi­ne des boli­via­ni­schen Prä­si­den­ten ging kei­ner­lei Gefahr für die bei­den Län­der aus – selbst wenn Snow­den sich an Bord befun­den hätte.
    Von daher ist das schon ein höchst unge­wöhn­li­cher Vorgang.

Die Polizei, dein Freund und Helfer

… auch für die armen Kaufleute:

aus "Die Neue Polizei, 1/1950"

aus „Die Neue Poli­zei, 1/​1950“

Ins Netz gegangen (2.7.)

Ins Netz gegan­gen (1.7.–2.7.):

  • Mal­lor­ca: Eimer­ver­bot am Bal­ler­mann! | ZEIT ONLINE – Na so was, in Mal­lor­ca sol­len Sauf­ge­la­ge in der Nacht ein­ge­dämmt wer­den. Das ist natür­lich fast schon der Weltuntergang …

    Was las­sen die Sit­ten­wäch­ter und Lärm­war­te denn über­haupt noch vom mal­lor­qui­ni­schen Urlaubs­fee­ling übrig? Rich­tig: Urknall­tü­ten wie Jür­gen Drews. Und solan­ge der deut­sche Schla­ger nicht unters Kriegs­waf­fen­kon­troll­ge­setz fällt, wird das auch so bleiben.

  • Nach­rich­ten und Ver­schwö­rungs­theo­rien | web​logs​.evan​ge​lisch​.de – manch­mal ist es ganz einfach …:

    Könn­te damit zu tun haben, dass Frei­heit im Gauck’schen Sin­ne eigent­lich nur die Abwe­sen­heit von DDR meint – des­halb muss Gauck an der Frei­heit nicht mehr rum­den­ken, son­dern kann sie als auf Dau­er gestell­ten Erfolg immer nur gerührt beklat­schen; die DDR ist ja nicht mehr.

  • Tra­di­ti­ons­haus: Insel Ver­lag mel­det Insol­venz an – Ber­li­ner Mor­gen­post – Manch­mal fra­ge ich mich ja, ob die bei Suhr­kamp selbst noch durch­bli­cken, wie ihr Geschäft und ihr Betrieb funk­tio­niert – oder auch nicht.

    Man muss sich das klar­ma­chen: Im Zuge eines Schach­zugs, der der Öffent­lich­keit als Befrei­ungs­schlag ver­kauft wer­den soll­te, bean­tragt Suhr­kamp die Insol­venz für ein mehr als hun­dert Jah­re altes Traditionsunternehmen.

  • Ich has­se Hans Zim­mer. Eine Tira­de | Bad Blog Of Musick – Moritz Eggert hat genug von den Film­mu­si­ken aus der Werk­statt Hans Zim­mers. Und er sagt es sehr deut­lich. Und er hat natür­lich recht.

    Oder mal nicht mit die­sem schwur­beln­den Ein­heits­sound alles zuzu­schei­ßen, den Du so erfolg­reich pro­du­zierst, Du weisst schon, immer die­se repe­tier­te Moll­ak­kord, kei­ner­lei nen­nens­wer­te melo­di­sche Ein­fäl­le, ein­fach nur Sound, Sound, Sound, bis es einem zu den Ohren und zum Mund und zum Arsch raus­kommt, immer nur die­ser FASCHISTOIDE Ein­heits­sound, zuge­kleis­tert mit der typi­schen Audio­spur eines heu­ti­gen Films, wo alles bis zum Limit kom­pri­miert und geboos­tet ist, damit es im Kino so rich­tig schön kracht und man ver­gisst, dass man ein Hirn hat.

  • Neue Sen­dung von Gui­do Knopp – Kein Kampf­geist, dafür Grün­der­zeit­de­kos – Süddeutsche.de – Gus­tav Seibst, selbst aus­ge­wie­se­ner His­to­ri­ker, hat sich Gui­do Knopps neue Sen­dung ange­se­hen und war über­haupt nicht über­zeugt oder begeistert:

    Knopp und die Phoe­nix-Macher hat­ten „kon­tro­ver­se Stand­punk­te“ ver­spro­chen, Histo­ry live sol­le „Geschich­te erleb­bar machen“ und „jun­ge Zuschau­er für Zeit­ge­schich­te begeis­tern“. Das hier ließ sie in einen Mit­tags­schlaf ver­sin­ken – die jun­gen wie die alten.

Gute wissenschaftliche Praxis nur im Verborgenen?

Die DFG – die immer­hin einen Groß­teil der deut­schen For­schung finan­ziert und damit auch inhalt­lich maß­ge­bend bestimmt – hat zusam­men mit der Hoch­schul­rek­to­ren­kon­fe­renz beschlos­sen, dass „gute wis­sen­schaft­li­che Pra­xis“ (eine Wort­kon­struk­ti­on, die mich immer sehr an die genau­so unspe­zi­fier­te „gute fach­li­che Pra­xis“ der Bäue­rin­nen und Bau­ern erin­nert) ver­langt, dass Whist­le­b­lower ihre Beob­ach­tun­gen, Ent­de­ckun­gen und Befürch­tun­gen – zum Bei­spiel von Pla­gia­ten – nicht öffent­lich machen sol­len, son­dern nur den zustän­di­gen Gre­mi­en der Hoch­schu­len ver­mel­den – damit, so muss man sich das wohl den­ken, die dann in Ruhe und ohne von den blö­den Fra­gen der ner­ven­den Öffent­lich­keit (die zwar alles bezahlt, aber was soll’s …) oder gar Fach­kol­le­gin­nen und ‑kol­le­gen beläs­tigt zu wer­den, ent­schei­den kön­nen, was sie zu tun geden­ken. Fast wie die arca­na impe­rii also …

Wer das – wie ich – nicht so gut fin­det und sol­che Din­ge auch zukünf­tig lie­ber öffent­lich ver­han­delt sehen möch­te, der oder die möge bit­te die­se von Ste­fan Heß­brüg­gen initi­ier­te Peti­ti­on hier mit­zeich­nen. Viel Hoff­nung habe ich zwar nicht, dass sie wirk­lich etwas bewegt, aber ver­su­chen soll­te und muss man es wenigs­tens. Also: Mit­zeich­nen!

Nach­trag: Der Pete­ten Ste­fan Heß­brüg­gen hat im Redak­ti­onblog von Hypo­the­ses noch ein­mal aus­führ­lich begrün­det, war­um die Peti­ti­on not­wen­dig ist und war­um HRK & DFG irren.

Volksrede an die Mainzer Menschheit

Und dann das Fina­le: Eine drei­vier­tel Stun­de hat der Chor dafür auf der Büh­ne gewar­tet, jetzt darf end­lich mit­mi­schen und die Freu­de, die Ein­tracht, die Erlö­sung und über­haupt den Him­mel auf Erden sin­gend ver­kün­den. Und sie tun das mit einer unge­bro­che­nen Ver­ve – obwohl Beet­ho­vens neun­te Sin­fo­nie mit ihren Ver­hei­ßun­gen doch schon bald 200 Jah­re alt ist. Der Bach­chor Mainz, der seit sei­ner Fusi­on bei sol­chen Groß­pro­jek­ten mit dem Hoch­schul­chor noch eine Spur jün­ger und fri­scher klingt, wird näm­lich von dem Diri­gen­ten Karl-Heinz Stef­fens hör­bar genau­so mit­ge­ris­sen wie das Publi­kum in der Christuskirche.

Kein Wun­der, denn nicht nur der Chor kann begeis­tern. Vor allem die Deut­sche Staats­phil­har­mo­nie aus Lud­wigs­ha­fen zeigt sich als über­zeu­gen­des Beet­ho­ven-Orches­ter. Stark und kon­zen­triert führt ihr Chef Stef­fens die Musi­ker durch die zu ihrer Zeit bei­spiel­lo­se Par­ti­tur der Neun­ten. Kan­tig und fokus­siert bleibt der Klang, vor allem die Blä­ser über­zeu­gen durch ihre Prä­senz. Kein Zwei­fel: Zwei­fel kennt Stef­fens nicht. Im Gegen­teil: Er zwingt all die diver­gie­ren­den Per­spek­ti­ven der Par­ti­tur in eine Ein­heit – ohne dass man den Zwang dabei immer merkt und ein­fach eine über wei­te Tei­le sehr logisch und strin­gent ent­wi­ckel­te Sin­fo­nie hört. 

Trotz ihrer unge­bro­che­nen Beliebt­heit ist die Neun­te alles ande­re als ein leich­tes Werk: Der Umfang, die schwie­ri­gen Tem­pi, die kom­ple­xe Ent­wick­lung der sin­fo­ni­schen Form und das Pathos des Schlus­ses: All das for­dert den Diri­gen­ten beson­ders. Stef­fens meis­tert das hoch­kon­zen­triert und schwä­chelt nur im drit­ten Satz ein wenig, woe er die sonst so kohä­ren­te Strin­gez und Kon­se­quenz der for­ma­len Ent­wick­lung in sei­ner Inter­pre­ta­ti­on ein biss­chen aus den Augen ver­liert: Das ist schön, aber nicht mehr so unbe­stech­lich zwin­gend wie die ers­ten bei­den Sät­ze. Da hat Stef­fens wirk­lich viel gege­ben und gezeigt, wie wich­tig die für die gan­ze Sin­fo­nie sind. Denn bei ihm wird nicht nur deut­lich, war­um die Neun­te so groß­ar­tig ist. Son­dern auch, wie sie es ist: Wie Beet­ho­ven hier geschickt wie sel­ten aus den kleins­ten Moti­ven das größ­te über­haupt ent­wi­ckelt, das macht Stef­fens immer wie­der deut­lich. Ganz beson­de­re und wun­der­bar hör­ba­re Auf­merk­sam­keit rich­tet er auf die Keim­zel­len der moti­vi­schen Entwicklung. 

Und doch war­ten natür­lich alle auf das gro­ße Fina­le: Erst hier darf der durch­trai­nier­te Bach­chor sei­ne voka­len Musik­eln spie­len las­sen und zei­gen, wie leicht ihm das fällt. Und das Solis­ten­quar­tett mit der Sopra­nis­tin Sophie Kluß­mann, der Altis­tin Julia Fay­len­bo­gen und dem Tenor Chris­ti­an Els­ner sowie dem Bass Micha­el Dries fügt sich da har­mo­nisch und fast schon unauf­fäl­lig ein.
Ver­zü­ckung macht sich auf dem Gesicht des Diri­gen­ten schon gleich zu Beginn des Sat­zes breit – nicht ohne Grund, denn trotz des mäch­ti­gem Klangs bleibt alles sehr leicht­fü­ßig. Selbst der hei­li­ge Ernst der gna­den­los über­höh­ten Kunst als Welt­ret­te­rin: Durch die zacki­ge Phra­sie­rung und den mar­kant-kan­ti­gen Klang ver­liert das die Lee­re, die For­mel­haf­tig­keit des Pathos, ohne dabei auf Distanz gehen zu müs­sen. Die­se Musik ist ein­fach beseelt vom Glau­ben an ihre Möglichkeiten. 

(geschrie­ben für die Main­zer Rhein-Zeitung.)

Lieblingstweets Juni 2013


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