Und weil ich denke, dass sie über Foucault redet, muss ich an Ellen denken. Daran, dass sie mal über Foucault meinte, er sei überholt, weil jeder große Denker genau dann überholt sei, wenn sein Name bei Microsoft Word nicht mehr rot unterkringelt wird. Und Namen, die so gängig sind, ass sie von Anfang an vom System affirmiert werden, würden sowieso nichts taugen, meinte sie. Malte Abraham, Weil wir so sind, sagen wir schön (Edit #67, 15)
itstartedwithafight hat einen schönen fernsehbeitrag des br von 1964 gefunden und weist zu recht darauf hin, dass sich in den jahrzehnten seitdem wenig geändert hat:
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Mit zunehmendem Alter wird so mancher (wieder) religiös – oder beschäftigt sich zumindest mit dem Tod. Bei Wolfgang Rihm lässt sich das schon seit einiger Zeit beobachten, die Hinwendung zu religiösen Themen und Musiken, wie in den „Vigilia“, dem Requim der Versöhnung oder der Lukaspassion („Deus passus“). Das 2009 uraufgeführte „Et Lux“ passt genau in die Reihe. Nicht nur thematisch, sondern auch in der Art, wie sich Rihm den religiös-philosophischen Fragen nähert. Wieder ist das kein „echtes“ Requiem, sondern eine subjektive, vorsichtige Annäherung an den Text des lateinischen Requiems. Der wird hier vierstimmig gesungen – oder auch nicht. Denn Rihm nimmt nur fragmentierte Teile – Wörter, Sätze, Begriffe – in die Partitur auf, die ihn offenbar besonders anregten. Die Lichtmetapher – der Titel verrät es ja schon – ist wesentlicher Teil, neben Libera me und Lacrimosa eines der Zentren dieser Musik, die man sich scheut, ein Requiem zu nennen.
Das ewige Licht also, als Verheißung und Drohung in Klang gesetzt. Ein großes, übergroßes Tongemälde hat Rihm dazu entworfen. Fast 62 Minuten nicht unterteilte Musik, in denen die vier gemischten Stimmen nur von einem Streichquartett begleitet werden. Das ist aber kein Historienschinken und auch kein repräsentatives Ölgemälde, sondern trotz ihrer enormen Dimension eine zarte Zeichnung auf großem Raum. An manchen Stellen wuchert der dunkle Schatten über die fragilen Linien, an anderen lässt sich eine feine Pastelltönung erkennen, wieder woanders leuchtend intensive Farben. Und immer wieder das daraus auftauchende beschworene Licht – in Wort und Klang.
Dabei ist „Et Lux“ eine zutiefst nachdenkliche, suchende und fragende Musik, ein Werk der bohrenden Sehnsucht: Wolfgang Rihm gibt keine Antworten (auch ein Grund, warum er nicht einfach ein „normales“ Requiem komponierte), er hilft den Hörern vielmehr beim Fragen. Und manchmal geht er auch ein paar Schritte voran ins Ungewisse.
Das achtstimmig besetzte Huelgas-Ensemble und Leitung Paul van Nevels und das famose, Rihm-erfahrene Minguet-Quartett unterstützen das mit weitgehend zurückhaltender Klanglichkeit, die statt Opulenz lieber Klarheit und Fragilität bevorzugt und damit einen wesentlichen Zug von „Et Lux“ sehr genau trifft. Ganz kontrolliert und überlegt gestalten sie die die langen, langsam entwickelten Linien, die für dieses Werk so wichtig sind, aus denen manchmal und ganz allmählich Konturen und einige wenige klangliche Eruptionen und intensive Gefühlsaufwallungen entstehen, die aber auch ins Leere verlaufen können.
Mit Präzision, kalkulierter Emotion und feinsten Klangfacetten bringen sie Rihms polyphone Textur damit immer wieder zum Strahlen. Ein bisschen schade ist allerdings, dass das Minguet-Quartett auf der Aufnahme trotz der gegenüber der Partitur verdoppelten Stimmen des Huelgas-Ensemble sehr präsent ist, so dass man den Text manchmal nur noch erahnen kann.
Wolfgang Rihm: Et Lux. Huelgas Ensemble, Minguet Quartet, Paul van Nevel. ECM 2015.
(Zuerst erschienen in der September-Ausgabe der „Chorzeit – Das Vokalmagazin“)
Ins Netz gegangen am 11.9.:
- Kiffen und Kriminalität: „Cannabis wird Deutschland friedlicher machen“ | ZEIT ONLINE – schönes interview mit jugendrichter andreas müller (der vielleicht etwas optimistisch ist, aber im großen und ganzen wohl recht hat)
Cannabis wird Deutschland garantiert friedlicher machen. Wenn wir auf einen Schlag alle Trinker, von denen es ja Millionen gibt, gegen Kiffer austauschen könnten, hätten wir in der Bundesrepublik kaum noch Probleme mit Aggressionen. Der Alkohol ist unser größtes Problem.
- Why it makes sense to bike without a helmet—Howie Chong : Howie Chong – schöne zusammenfassung, warum helme für radler vielleicht doch nicht das ultimative sicherheitsfeature sind, für das es deutsche „verkehrs-„politiker (die ja alle keine radler sind) halten
The main point I’m trying to make is that, when compared to other forms of transportation, the fear of head trauma from cycling is likely out of proportion to the actual risk—and that fear is leading many advocates to admonish bare-headed cycling, contributing to a culture that’s counter-productive to the overall safety of all cyclists.
- Kommentar zu Jürgen Kuczynski: Ehrung eines linientreuen Dissidenten | Berlin – Berliner Zeitung –
- Längst abgekoppelt | Begleitschreiben – Lothar Strcuk/Gregor Keuschnig war Teilnehmer einer Podiumskiskussion in Erlangen zur „Kritik der Kritik“ und führt am Beispiel von Ursula März, die auch auf dem Podium saß, sehr schön vor, warum die Kritik der (Literatur-)Kritik so notwendig ist
- Rassismus: Sie haben Störung verdient | ZEIT ONLINE – Politischer Streit und Medien – oder Ruhe? Über den falschen Ruf nach Ruhe nach rassistischen Ausschreitungen und die Notwendigkeit, Streit auszuhalten und auszutragen
- Warum es nur noch größere Probleme schafft, Neonazis wegen Facebook zu verpetzen | VICE | Deutschland – was ich den letzten Tagen überlegte, aufzuschreiben, sagt Udo Vetter im Interview hier schon pointiert und voll zustimmungsfähig: Rassisten etc. bei ihren Arbeitgebern zu melden, sollte nicht zur allgemeinen Beschäftigung werden
You don’t have to keep up, dear. You just have to keep open.Amistead Maupin, Michael Tolliver lives, 165
Maybebop, Deutschlied
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Ins Netz gegangen am 31.8.:
- Juli Zeh: Das war meine Rettung | ZEITmagazin – wunderbares motto von juli zeh:
Man tut, was man will, und achtet darauf, dem anderen so wenig wie möglich auf die Nerven zu gehen.
– denn: Rücksichtnahme ist die „Grundlage aller Freiheit“
- Gibt es den Buchstaben ÿ, ein Ypsilon mit zwei Punkten? | GfdS – der »Heavy-Metal-Umlaut« – die GfdS über das „ÿ“
- Ausgabe 0915: Nach dem #Landesverrat: Was Netzpolitik.org jetzt plant | WIRED Germany – sonja peteranderl hat für die „wired“ mit markus beckedahl über das projekt „netzpolitik.org“ und natürlich die landesverrats-ermittlungen gesprochen
- Flüchtlingspolitik: Denker an der Grenze | ZEIT ONLINE – sehr gut gemacht.
Ihr kommt hier nicht rein! Was passiert, wenn die Philosophen Kant, Adorno und Derrida über Asylpolitik reden? Mit Seehofer und Heidegger? Es wird ein Drama.
- Fanfiction: „Hey, ich bin Anne“ | ZEIT ONLINE – clemens setz liest anne-frank-fanfiction und macht sich dabei & danach gedanken über die seltsamkeiten der welt …
Vielleicht ist das Konzept ewiger Qualen im Jenseits synonym mit einer millionenfachen Leserschaft, die ein Einzelwerk und das darin noch immer wie ein windgeschütztes Flämmchen weiterlebende Bewusstsein eintauchen lässt in die geballte Deutungswucht der Menschheit.
- KONTEXT:Wochenzeitung – Ausgabe 228 – „Das Bekenntnis zum Auto ist falsch“ – interview mit der bund-landesvorsitzenden brigitte dahlbender über die verkehrspolitik baden-württembergs – das gesagte lässt sich aber problemlos auf den rest deutschlands übertragen
Damit Menschen ihr Auto stehen lassen, ist ein funktionierendes vernetztes Angebot nötig.
- Pack, Vertriebene und die verunsicherte Mitte – Sprachlog – Pack, Vertriebene und die verunsicherte Mitte – anatol stefanowitsch im sprachlog über die „neuen“ begriffe und ihre wirksamkeiten
- https://transkribus.eu/Transkribus/#download – OCR für Handschriften – auch für alte wie Kurrent. Ich wusste gar nicht, dass es so etwas (schon) gibt …
Idealist zu sein bedeutet zumindest, der Realität immer einen Schritt voraus zu sein!
— Hans-Georg Gadamer (@Gadamer_Tweets) August 2, 2015
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Niklas Luhmann, Alltagsexperte. (aus: Die Gesellschaft der Gesellschaft. Frankfurt a.M. 1997, S. 381.) pic.twitter.com/H5sSP7wtnn
— Nils Markwardt (@FJ_Murau) August 3, 2015
Hands, according to pianists. pic.twitter.com/2Ai2tbUgmI
— Georgia Stitt (@georgiastitt) August 2, 2015
Aus der Reihe: „Berühmte Soziologen, die in Sandalen am Steg sitzen und ein unsichtbares Mini-Keyboard spielen.“ pic.twitter.com/w6v80bdnhD
— Nils Markwardt (@FJ_Murau) August 4, 2015
@guenterhack Erst war die Nation verspätet, jetzt ihre Führung.
— Hans Huett (@HansHuett) August 4, 2015
Mit Linux-Eltern aufzuwachsen ist auch fast so schlimm wie Waldorfschule.
— André Spiegel (@drmirror) August 4, 2015
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Alles was verboten ist reizt ungemein. Wir sollten das Denken verbieten.
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*erledigt ruhevoll die Ablage*
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*telefoniert stürmisch bewegt*
„Bitte bedächtig, nicht eilen!“
[Büro Gustav Mahler]— Gabriel Yoran (@GabrielBerlin) August 17, 2015
Man muß sich Godot als Schlepper vorstellen .
— Claudius Seidl (@Claudiusseidl) August 18, 2015
„Was vernünftig isst, das isst wirklich; und was wirklich isst, das isst vernünftig.“ pic.twitter.com/eBjkXkl0qN
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Wenn Deutsche sagen: Wir sind nicht das Sozialamt der Welt – dürfen Brasilianer sagen: und wir nicht ihr Gewächshaus? Und weiter abholzen?
— Claudius Seidl (@Claudiusseidl) August 28, 2015
ein wunderbares kleines Set des Mary-Halvorson-Quintetts beim NPR:
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Ins Netz gegangen am 19.8.:
- Kunst kann das Nichts – Freitext -
Was Kunst also kann?
Am wichtigsten scheint mir die Antwort „nichts“.
Kunst kann das Nichts.
Kunst kann den Nichtnutzen.
- Bericht an das Zentralkomitee der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, derzeit Montevideo: Wir sind bald durch | Reptilienfonds – sehr schöne glosse von jakob hein zur aktuellen lage in der brd …
- SR Mediathek – „Es“ Hilde – damaris nübling im radio-interview über die beginnenden forschungen zur neutralisierung/weiblichem neutrum in deutschen dialekten
- Jürgen Becker: ‚Landschaft ist ein Produkt menschlicher Tätigkeit’ – jügen becker über die erinnerung der gedichte und über die natur- oder/und landschaftslyrik
… es geht darum, zu erkennen, wie sich in der Landschaft auch Geschichte abbildet: die Geschichte der Menschheit, der Politik, der Kriege. Die Landschaft ist für mich eine Art Collage, in der sich verschiedene Zeitschichten entdecken lassen.
- 15 questions | Interview | Moritz Eggert | A Glimpse at Magic – schönes interview mit moritz eggert – kluge fragen und interessante (und ausführliche) antworten
There is enough room for silence in death, don’t you think? As long as I’m alive I don’t need silence. Silence is overrated
Sound doesn’t interest me at all, it is a means, not an end. Composers constantly talk about sound, but writers don’t talk about fonts. For me fonts and sounds are the same, they are exterior, not interior. Writers don’t obsess over possible fonts, layout considerations and the printed book while writing, they mainly invent stories.
- Demografie: Tschüss, Osterheide! | ZEIT ONLINE – Kleine Orte fernab großer Städte schrumpfen stark, die Metropolen ziehen immer mehr Menschen an: Eine Studie zeigt, wie sich die Bevölkerungsverteilung ändert.
