Der großartige Jürg Halter zeigt sein Werkzeug: Gedichtfalle und Prosaschere. Außerdem stellt er seine Inspiration und seine Muse vor:
Jürg Halter, Dichter und Denker im Umbruch
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Jordi Savall & Le Concert des Nations | Corelli: Concerto Grosso in D Major, Op.6 No.4
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Autodesign: Hübsch gefährlich | ZEIT ONLINE – Burkhard Straßmann über die – vor allem für andere Verkehrsteilnehmer, d.h. Fußgänger und Radfahrerinnen – gefährliche „Verpanzerung“ der Autos durch die Designentwicklungen der letzten Jahre/Jahrzehnte, die immer schlechtere Sichten für PKW-Fahrer produzieren
Das grosse Universum | Schröder & Kalender – rainald goetz über jörg schröder, die bundesrepublik, das leben und die welt – ein eigentlich für den spiegel 1984 geschriebener text, dort nicht gedruckt, hier von schröder & kalender der mit- und nachwelt überliefert
In Wirklichkeit erlebt jeder vielen, täglich Neues. Weitergegeben jedoch, berichtet, erzählt, schrumpeln die meisten Leben auf ein trostlos Altbekanntes zusammen. Einfach weil es so schwierig ist, sich selbst zu glauben, dem, was man sieht, was man denkt. Und beim Zuhören, noch mehr beim Lesen von Schrift gewordenem erzähltem Leben befällt einen manische Traurigkeit, Schwäche, großes Mattsein und Schmerz.
Schröders Erzählen hingegen belehrt einen auf eine unschlagbar unterhaltsame, wahrhaft komische Weise, wie genau die Radikalität aussieht, die vom eigenen mickrigsten Kümmerlichkeitseckchen genauso unspektakulär spricht wie vom eigenen Größenwahn, und wie genau an diesem Punkt, wo alle Entlarvungs- und Selbstentlarvungsabsichten längst zu nicht verglüht sind, das Ich explodiert ins tröstlich Unbesondere, Allgemeine, Verwechselbare.
Sachal Studios’ Take Five Official Video – nimm fünf! – geniale coverversion des dave brubeck/paul desmond-klassikers „take five“ mit dem pakistanischen sachal studio orchestra
Wie halten es diese Flüchtlinge mit der Gleichstellung Homosexueller? Und respektieren sie die Rechte der Frauen? Ausgerechnet Konservative machen sich darüber jetzt große Sorgen – dabei waren ihnen diese Themen bisher herzlich egal.
dichterlesen.net – interessantes archiv, mit spannenden fundstücken und großem entdeckungspotenzial …
Dichterlesen.net ist ein gemeinsames Projekt des Literarischen Colloquiums Berlin (LCB) und des Deutschen Literaturarchivs Marbach (DLA) und seit dem 3. Oktober 2015 online. Gemeinsam haben es sich die kooperierenden Einrichtungen zum Ziel gesetzt, ihre Veranstaltungsmitschnitte aus einem halben Jahrhundert deutscher und internationaler Literaturgeschichte der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Herzstück des Projektes bildet das Online-Tonarchiv, in welchem die Audio-Aufnahmen literarischer Veranstaltungen (u.a. Lesungen, Diskussionen, Werkstattgespräche und Colloquien) der beteiligten Institutionen weltweit zum kostenfreien Nachhören angeboten werden.
»Springerjugend« nannte die linke Lügenpresse seine Boys und Girls. »Hitlers Kinder«, so sann es in Poschardts Polo, so nannte man doch früher mal sozusagen metaphorisch die Deppen von der RAF. Kohls Kind, das war er im Prinzip selbst. Und Merkels Kinder, die schrieben ihm jetzt das Feuilleton voll. Die ehemals von den Linken monopolisierte Protest- und Randaliergeste war nun im rechten Mainstream angekommen, analysierte der Dr. die Gesamtlage auf den Straßen von Großberlin. Und recht eigentlich waren es doch seine Kinder. Ja, das war die Poschardtjugend, haha! Flink wie Schoßhunde, zäh wie Nappaleder und hart wie die Kronkorken von Club-Mate.
NSU ǀ Geheime Kommunikation—der Freitag – der „Freitag“ über hinweise und indizien, dass der baden-württembergische nsu-ausschuss der exekutive – die er kontrollieren soll – hinweise auf aussagen und hinweisgeber weitergegeben hat.
Der Bibliothekar als Gatekeeper der Wissenschaft | KSW Blog – michael knoche, direktor der herzogin-anna-amalia-bibliothek in weimar, über die notwendigkeit, auch heute unter bedinungen zumindest teilweiser elektronischer publikation, in forschungsbibliotheken noch/weiter sammlungen aufzubauen
Quellenkritisch ist das natürlich ein Problem, denn Zirkelschlüsse drohen. Vor allem müssen Historiker in der Lage sein, die den “Erinnerungen” zugrundeliegenden Unterlagen aktenkundlich einzuschätzen. Dazu erteilt Bahr in seinen Memoiren eine Lehrstunde: 1968 führte er als Planungsstabschef des Auswärtigen Amts in Wien ein vertrauliches Sondierungsgespräch mit dem polnischen Geschäftsträger in Österreich, Jerzy Raczkowski. Um dieses Gespräch in seinen Memoiren darzustellen, hatte Bahr in einem seltenen Glücksfall nicht nur seinen eigenen Gesprächsvermerk zur Hand, sondern auch den seines polnischen Gegenübers.
By rebuilding the Stadtschloss in place of the Palast der Republik, Berlin is airbrushing its own history. East Germany happened. Physically removing the evidence of it from the heart of Berlin, replacing it with what was there before, pretending it was never there, is disingenuous and it is dangerous.
geniale coverversion des dave brubeck/paul desmond-klassikers „take five“ mit dem pakistanischen sachal studio orchestra
Sachal Studios’ Take Five Official Video
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Kantaten sind nicht unbedingt die Gattung, die man besonders eng mit Dmitri Schostakowitsch verbindet. Und doch gibt es von ihm einige Exemplare, die durchaus hörenswert sind. Freilich muss man bei Schostakowitsch stets seine biographische und politische Situation bei der Komposition berücksichtigen. Zwei der hier aufgenommenen Werke sind anders überhaupt nicht zu erklären – weder dass es sie überhaupt gibt noch dass sie in dieser Form entstanden sind.
„Über unserer Heimat scheint die Sonne“ und „Das Lied von den Wäldern“ sind mehr oder weniger als Besänftigungsversuche zu verstehen, als Adresse an einen totalitären Staat, dass der Komponist doch eigentlich ganz brav ist. Järvi konfrontiert die beiden apologetischen Kantaten auf dieser randvollen CD mit der „Hinrichtung des Stefan Razin“, 15 Jahre später in deutlich liberaleren Zeiten entstanden und durchaus als kaum vehüllte Kritik an der KPdSU zu lesen, verherrlicht sie in der historischen Gestalt des Stefan Razin doch eine Rebellion gegen ein repressives System.
Der Kontrast wird hier besonders stark, weil Järvi bei den beiden frühen Kantaten die ursprünglichen Texte nutzt, die der Komponist später um die direkten Stalin-Huldigungen (im „Lied von den Wäldern“ wird er etwa als „großer Gärtner“ betitelt) abgemildert hatte. Aufgrund eines Verbots der Schostakowitsch-Erben durften die Texte allerdings nicht abgedruckt werden – sehr schade, denn wer kann schon so gut russisch, dass er das hörend verfolgen kann? Aber hören kann man dennoch eine Menge: Die ausgezeichneten Chöre zum Beispiel, den sicheren Narva-Knabenchor und den kraftvollen und sehr klangstarken Estnischen Konzertchor. Begleitet vom gut aufgelegten Estnischen National-Symphonie-Orchester, dessen Schlagwerk wesentlich zum Gänsehautfeeling beiträgt, das diese Aufnahmen immer wieder verströmen: Durch die von den ersten mächtigen, düsteren Akkordschlägen bis zum apotheotischen Schluss packende Musik, aber auch die heute ausgeprochen skuril wirkenden Texte, die man beim Hören gerne ausblendenden möchte.
Am leichtesten geht das bei der „Hinrichtung des Stefan Razin“. Die wesentlich vielfältigere und spannendere Tonsprache treibt alle Beteiligten, auch den sonor-soliden Bass Alexei Tanovitski, zu Höchstleistungen. Gerade in op. 90 ist die Dauererregtheit und permanente Freude, die gerade musikalisch geradezu platt und bar jeder Differenzierung zu banalen Texten (die im Booklet leider nicht abgedruckt sind) ertönt, stellenweise kaum ertragbar – Järvi nimmt das auch nicht zurück, sondern lässt das als opportunistische Musik einfach mal so stehen. Er versagt sich dieser demonstrativen Zugänglichkeit der Musik auch überhaupt nicht: Das klingt wunderbar großartig und wunderbar banal. Aber so ganz gibt er sich mit dieser glänzenden Hülle eben doch nicht zufrieden: Das Brodeln unter der Oberfläche wird bei Järvi vom Äußeren oft kaum noch in Zaum gehalten. Dabei verbindet er sehr geschickt und harmonisch die großen Gesten der szenisch-filmhaften Musik mit den vielen feinen, lyrischen Details der Chorstimmen, die hier wunderbar lebendig strahlen. Vor allem die pralle Vitalität und die agil-angespannte Präsenz der beiden Chöre machen diese Aufnahme ganz besonders. Das ist sicher keine Musik, die Schostakowitsch-Verächter zu großen Bewunderen bekehrt, aber rotzdem eine wichtige Facette seines reichen Oeuvres. Zumal in einer so lebhaften Interpretation.
Dimitri Schostakowitsch: Kantaten (Die Hinrichtung des Stepan Rasin op. 119; Über unserem Vaterland scheint die Sonne op. 90; Das Lied von den Wäldern op. 91). Estonian Concert Choir, Estonian National Symphony Orchestra, Paavo Järvi. Erato 2015. CD
„Dann soll er sich halt irgendwelche Zahlen ausdenken, mein Gott, das ist doch keine Mathearbeit, das ist ein Kostenvoranschlag!“ (Rolf, 55)
Europa herrschet. Immer geschmeichelter Gebietest du der Herrscherin, Sinnlichkeit! Die Blumenkette, die du anlegst, Klirret nicht, aber umringelt fester,
Als jene, die den bleichen Gefangenen Im Turme lastet. Zauberin Sinnlichkeit, Du tötest alles, was erinnert, Daß sie nicht Leib nur, daß eine Seele
Sie auch doch haben! Von der Erhabenen, Von ihrer Größe red ich nicht, sage nur: Du schläferst ein, daß sie in sich nichts Außer der schlagenden Ader fühlen.
Das soll nun endlich enden! Der edle Krieg Der großen, liebenswürdigen Gallier Raubt bis zum letzten Scherf. Euch sinket Welkend vom Arme die Blumenkette.
Die Donnerstimme schallt euch der eisernen Notwendigkeit! Ihr strauchelt des Lebens Weg Verarmt: wie wär es möglich, daß ihr Nun in der Zauberin Schoß noch ruhtet?
Doch wenn ein Funken Seele vielleicht in euch Aufglimmet, wenn ihr zürnt, daß ihr Knechte seid … Was frommts? Ihr habt zum Flintenstein die Pfennige nicht, noch zu einer Kugel!
Ihr saht es welken, hörtet die eiserne Notwendigkeit. Was wollet ihr tun? Wohlan, Zur Wahl: Verzweifelt! oder macht euch Glücklicher, als es der Zauber konnte.
Wer, was die Schöpfung, und was er selbst sei, forscht; Anbetend forscht, was Gott sei, den heitert, stärkt Genuß des Geistes: wen nach diesen Quellen nie dürstete, der erlieget.
Der Künste Blumen können zur Heiterkeit Auch wieder wecken; führt euch des Kenners Blick. Die Farbe trüget oft; der Blumen Seelen sind labende Wohlgerüche.
„Unabdingbare Erschütterung“, „verfallene Gemäuer“, „die Begegnung zweier Menschen im Zenit des Untergangs einer verlorenen Welt“ – der Umschlagtext hält sich nicht zurück. Dabei ist Weisenfels eigentlich ein ziemlich seltsamer Roman: Zwei (ehemalige) Freunde treffen sich im Familiensitz des einen, einem verfallenden Schloss, dass gefüllt ist mit Artefakten der abendländischen Kunst- und Kulturgeschichte – aber nicht mit Menschen. Die beiden wandeln durch die Gemäuer und durch die Sammlungen und durch die Erinnerung an eine Welt oder eine Epoche, die nicht mehr verfügbar ist – eine Unternehmung, die ganz folgerichtig nur mit dem Tod enden kann. Es war nicht so sehr der plot, der mir schwerfiel, sondern die sehr seltsame Prosa, die Sofsky hier pflegt. Das ist ein unentwegtes Deklarien, Dozieren und Deklamieren, sowohl der Figuren als auch des Erzählers. Überhaupt die Figuren, die sind auch sehr seltsam – nämlich eigentlich nur (noch) als Maske, als Rolle oder als Platzhalter präsent und damit untote Hüllen, leblose Überreste einer einst lebendigen Welt (dem christlichen Abendland, das mit seiner Tradition und Bildung so gerne beschworen wird, aber schon lange nicht mehr lebendig ist …). Religion und ihre Anziehungskraft, aber auch ihre Ausprägungen, Praxen und Theologien spielen eine große Rolle, vor allem aber ein ganz wörtlich genommenes Leben „in“ Kulturen: Wenn hier überhaupt noch Leben ist, dann im Überrest der Kultur, nicht aber in dem, was man Welt nennen möchte.
Der Verlust der Bildung und der Kultur ist sozusagen die Grundthese, von der aus dieser Text geschrieben ist. Der kokettiert aber zugleich selbst auf allen Ebenen und aufdringlich permanent damit, mit dem Bildungswissen seiner Protagonisten bzw. deren Erzähler: Tabak, Whiskey, Renaissance-Malerei, Kunstmusik des 19. Jahrhunderts, Literatur, Enzyklopädistik, Skulpturen – alles ist hier da, präsent und wird erzählt. Man könnte auch sagen: Das ist lauter bedeutungsschwangeres Wissen-Geklingel … Denn die Idee ist schnell klar, ebenso schnell zeigen sich Längen im Text, der manchmal recht zäh daherkommt. Denn auch ihm gelingt natürlich nicht das, was im und mit dem Schloss versucht wird: Der Versuch, den ewigen Prozess des Zerfallens und Verfalls anzuhalten, den Verlust zu vermeiden: Deshalb das manische Sammeln und Rekonstruieren verlorener Bildungs- und Kulturgüter – ein Versuch, der nahezu zwangsläufig mit dem Verlust der Erinnerungen, des Selbst und des Lebens – also dem Tod – enden muss.
Mit dem „dünnen Faden“ konnte Strobel mich nicht so recht begeistern. „Schnörkellose Schilderungen des mühsam unterdrückten Alptraums im Häuschen im Grünen“ verspricht der Schutzumschlag. Das trifft die Erzählungen auch ziemlich genau, verschweigt aber, dass sie dabei eher fad herüberkommen – unter anderem, weil das Muster schnell erkannt ist: Es geht um einbrechende Gefahren, Drohung, Androhungen und Streit. Immer wieder wird der Alltag durch ein plötzlich über die Protagonisten herbrechendes Unheil, ein Unglück und Tragik, in der Realität des Figurenlebens oder auch nur in Gedanken, Träumen und Ahnungen, unterbrochen. Das besondere bei Strobel ist dabei, dass gerade die Momente der Erwartung des Unheils, das spürbare, aber (noch) nicht zu benennende (und damit auch nicht zu hegende) Brodeln unter der Oberfläche des gewönlichen Alltags eine große Rolle spielt. Vieles ist und bleibt dabei auffallend unspezifisch – nicht nur Ort, Raum und Zeit, sondern vor allem die Figuren selbst. Das kann man natürlich aus dem erzählten Geschehen – etwa dem Nebeneinanderleben der Paare, der ausgestellten Nicht-Kommunikation – motivieren. Das wird auch dementsprechend ganz unauffällig erzählt, in unmarkiertem Stil und unmarkierter Form. Lauter Normalität – oder eben leider oft: Mittelmaß – also. Klar, der „mühsam unterdrückte Alptraum“ ist da: unter den Oberflächen brodelt es gewaltig. Aber der Text verrät das kaum, seine „schnörkellose Schilderungen“ bleiben selbst schrecklich oberflächlich und vom Geschehen oder dessen Ahnung und Ankündigung gänzlich unberührt. Wofür dann die Stilverknappung, die künstliche Kunstlosigkeit gut ist, erschließt sich mir also nicht wirklich. Alles in allem überzeugen mich diese Erzählungen also leider überhaupt nicht.
Die Sprache. Sie ist ein unzureichendes Hilfsmittel, und sie ist das einzige Hilfsmittel. Ein schönes Dilemma. (131)
Peter Neumann: geheuer. Dresden: edition azur 2014. 88 Seiten.
Eine maritime Gedichtsammlung. Das Meer mit seiner Bewegung, der Grenze zwischen Land und Wasser, der (möglichen) Fremde und den unbeherrschten und unbeherrschbaren Gewalten spielt hier – der Titel weist darauf hin und das Titel„bild“ unterstützt das noch – eine große Rolle. Sind das also Naturgedichte? Nunja, Natur taucht hier eher und vorrangig als Impuls für Wahrnehmung des Menschen und für Poesie auf, sie steht nicht für sich selbst und wird auch nicht so wahrgenommen und beschrieben. Neumanns Gedichte eröffnen oft und gerne einen großen Raum (der Imagination), ohne den auch nur annäherungsweise auszuloten und ohne das auch überhaupt zu wollen. Gewissermaßen wird eine Tür geöffnet, der Blick des Lesers in den Raum gewiesen – und dann alleine gelassen. Schön gemacht und deutlich zeigt das Gedicht „buddelschiff“ dieses Verfahren:
das gefühl einer langen reise aufgeklappte masten und takelage, das englische
schiffstau zum reißen gespannt der wind humpelt auf eingeschlafenen beinen
durch die schmale öffnung im flaschenhals flaut ab, ein helles pfeifen (55)
Typisch für Neumanns Gedichte ist außerdem ihre Kürze. Immer wieder sind sie durch das Anreißen von solchen Augenblicken der (erkenntnishaften) Wahrnehmung, die dann aber nicht weitergeführt und ausgearbeitet wird, gekennzeichnet. Selten sind sie länger als 10/12 Verse. Formal scheinen sie mir vor allem dem Fließen, dem Flow verpflichtet, ohne erkennbare Regelhaftigkeit. Die Gedichte stehen zwar gerne in Gruppen von drei Versen, aber einen Grund erkenne ich dafür nicht …
Durch die inhaltliche und formale Kürze – wenn man das mal so nennen mag – kommt es manchmal zur Überfülle der visuellen und sprachlichen Bilder, die angehäuft, nebeinander gesetzt werden, aber im Text kaum beziehungen zueinander haben – außer eben dem vor allem als (ausgesparten) auslösenden Moment der Erinnerung an ein Gefühl, eine Empfindung, eine beobachtende Wahrnehmung. Das (fast) rein bildliche Sprechen wirkt dabei für mich etwas übersättigend – man darf wohl nicht zu viel am Stück lesen, dann wird die kunstvolle Schönheit dieser Gedichte schnell etwas schal. Aber es lohnt sich, immer wieder zurück zu kommen.
Jörg Döring, Felix Römer, Rolf Seubert: Alfred Andersch desertiert. Fahnenflucht und Literatur (1944−1952). Berlin: Verbrecher 2015. 277 Seiten.
Eine schöne Gemeinschaftsarbeit ist dieses Buch über Alfred Andersch, seine letzten Tage als Soldat im Zweiten Weltkrieg, seine Gefangenschaft und vor allem die literarische – oder eben autobiographische? – Verarbeitung dessen in mehreren Anläufen in der Nachkriegszeit, mit der sich Andersch auch und gerade im öffentlichen Diskurs sehr eindeutig und nachhaltig positionierte. Eine Arbeit des biographisches Forschens also. Aber nur bedingt biographisch, denn die drei Autoren betonen wiederholt, dass es nicht primär darum geht, die biographische Dimension fiktionaler Texte in den Blick zu nehmen (das wäre ja auch unsinning und wenig hilfreich), sondern darum, die spezifische Situation von Desertion, Kriegsende und Nachkriegszeit bzw. vor allem ihre Deutung in der Retrospektive zu untersuchen. Da Andersch die autobiographische Dimension der „Kirschen der Freiheit“ stark forciert – und damit in der Lektüre und Diskussion des Textes auch erfolreich ist -, lässt sich das vertreten. Zumal die drei Autoren aus Germanistik und Geschichtswissenschaft sich mit weit(er)gehenden Deutungen und Spekulationen zurückhalten, sondern einen starken Fokus auf die Rekonstruktion der Ereignisse um Alfred Andersch im Krieg in Italien, um die (Möglichkeit der) Niederschrift und literarischen Bearbeitung solcher Erlebnisse in der Nachkriegszeit richten. Das ist, auch wenn ich mich für Andersch nur am Rande interessiere, gerade in der Vereinigung verschiedener fachlicher Perspektiven, sehr interessant und aufschlussreich – und trotz der teilweise sehr akribischen Aufarbeitung der militärhistorischen und werkstrategischen Zusammenhänge auch sehr gut – zu lesen.
Jules Renard: Das Leben wird überschätzt.Berlin: Matthes & Seitz 2015. 72 Seiten.
Diese ganz kleine – aber auch ausgesprochen feine – Auswahl aus dem „Journal“ Jules Renards hat der inzwischen leider verstorbene Henning Ritter besorgt und auch selbst übersetzt, der Verlag Matthes & Seitz hat sie in seiner überaus empfehlenswerten Reihe „Fröhliche Wissenschaft“ nun veröffentlicht. Das hier vorgelegte ist zwar chronologisch – von 1890 bis 1910 – an- und zugeordnet, aber dennoch kein eigentliches Tagebuch, sondern eher eine Notate-Sammlung (Ritter selbst hat sein ähnliches Unternehmen „Notizhefte“ genannt). Man könnte auch sagen: Das sind Extrem-Aphorismen. (Zu überlegen wäre freilich, ob das im Original auch so ist, oder ob das erst durch die darauf abzielende Auswahl des Herausgebers so erscheint.) Denn was Ritter ausgewählt hat und hier veröffentlicht wird, das sind lauter kleine und knackige, treffende und totale Sätze. Das hat natürlich immer wieder ein Hang zum Apodiktischen, beruht aber andererseits auf einer genauen Beobachtung der Welt und ihrer Kunst, die sich mit einer ausgefeilten Präzision der genauesten Formulierung paart.
Ich denke nicht nach: Ich schaue hin und lasse die Dinge meine Augen berühren. (13)
Oft geht es in den Miniatur-Einträgen um die Literatur, noch mehr um das Schreiben an sich, aber auch um die Felder der Kritik und des Journalismus – lauter Zeitlosigkeiten also. Das Ich, sein selbst und seine Tugenden wird dabei genauso unbarmherzig und oft hart beobachtet wie die anderen um ihn und um die Jahrhundertwende herum. Da kann ich sehr viel Zustimmungsfähiges finden – man nickt dann beim Lesen immer so schön mit dem Kopf … -, auch pointiert Überraschendes, aber auch Fragliches. Gerade in seiner Haltung zur Welt, die vor allem aus seiner Absolutierung seiner Individualität resultiert, sehe ich nicht nur Vorbildhaftes.
Das Recht eines Kritikers ist es, seine Grundsätze einen nach dem anderen zu verleugnen, seine Pflicht ist es, keine Überzeugung zu haben. (5) Was ist das Leben, wenn es nur mit Augen gesehen wird, die nicht Augen von Dichtern sind? (22)
außerdem unter anderem gelesen:
Alexander Osang: Im nächsten Leben. Reportagen und Porträts. Berlin: Ch. Links 2010. 254 Seiten
Heinrich Detering: Vom Zählen der Silben. Über das lyrische Handwerk. München: Stiftung Lyrik Kabinett 2009. 28 Seiten.
Hans-Werner Richter: Die Geschlagenen. München: Kurt Desch 1949. 459 Seiten.
Siri Hustvedt: The Blazing World. London: Sceptre 2014. 379 Seiten.
Jürgen Kaube: Im Reformhaus. Zur Krise des Bildungssystems. Springe: zu Klampen 2015 (Zu Klampen Essay). 174 Seiten.
Isabella Straub: Das Fest des Windrads. Berlin: Blumenbar 2015. 348 Seiten.
Thomas Hecken: Avantgarde und Terrorismus. Rhetorik der Intensität und Programme der Revolte von den Futuristen bis zur RAF. Bielefeld: Transcript 2006. 158 Seiten.
Harald Welzer, Dana Giesecke, Luise Tremel (Hrsg.): FUTURZWEI Zukunftsalmanach 2015/16. Geschichten vom guten Umgang mit der Welt. Schwerpunkt Material. Frankfurt am Main: Fischer 2014. 544 Seiten.
Benjamin Stein: Ein anderes Blau. Prosa für 7 Stimmen. Berlin: Verbrecher 2015. 107 Seiten.
Ad Blocking and the Future of the Web – Zeldman on Web & Interaction Design – guter text zur neuen welle des adblockings und den vermutlichen auswirkungen auf das web. leider schneidet er das problem der datensparsamkeit zwar an, verfolgt es aber nicht weiter – dabei ist das doch (auch) eines der wesentlichen momente, adblocker (oder eher: trackingblocker) einzusetzen …
Vorratsdatenspeicherung: Vorratsdaten doch für die Geheimdienste? | ZEIT ONLINE – kai biermann über das neue gesetz zur vorratsdatenspeicherung, dass sich offenbar nahtlos in den murks und unsinn dieser regierung einordnet .…Bug? Oder doch Feature? Im Regierungsentwurf des Gesetzes zu Vorratsdatenspeicherung ist eine gefährliche Lücke #vds
Kommentar – IAA-Besuchertage – WDR 5 – guter kommentar von lioba werrelmann zur iaa, dobrindt („Der Mann ist nicht nur von gestern, er ist auch auf dem Holzweg.“) und dem Irrsinn Auto …
Soundtrack ǀ Yes. We. Can.—der Freitag – georg seeßlen hat das neue buch „deutschpop, halt’s maul“ von frank apunkt schneider gelesen und fasst die darin erläuterte unmöglichkeit des deutchen pop für den „freitag“ zusammen
Der Mainstream des Pop in Deutschland, ein paar Blicke auf die Charts belegen es, ist vollkommen nationalisiert. Unter den Top Ten befinden sich aktuell sieben deutschsprachige Alben – darunter Helene Fischers Farbenspiel und Von Liebe, Tod und Freiheit der Volksmusikerband Santiano – sowie ein Sampler von Xavier Naidoos Show Sing meinen Song. Eine Flucht in die Sphären des „ausländischen“ Pop ist nicht mehr so ohne Weiteres möglich; die einzige Ausweichmöglichkeit scheint ein musikalisches Nerd-Tum mit immer neuen und weiteren Verzweigungen.
Dorothee Oberlinger: Töne mit eigenem Atem | ZEIT ONLINE – wolfram goertz hat in der „zeit“ ein schönes porträt der blockflötistin dorothee oberlinger – und ihres instrumentes – geschrieben. sehr lesenswert, sehr überzeugend (vor allem, wenn man weiß, dass er in seinem lob der musikerin überhaupt nicht übertreibt …)
Eigentlich wollte ich am Montag noch einmal raus, bevor es richtig Herbst wird. Kurzfristige Arbeit hat das dann aber verhindert: Also am Mittwoch. Der Wetterbericht legte dann noch eine weitere Verschiebung nahe – am Donnerstag sollte es trocken, überwiegend sonnig und etwa 20 °C haben – bestes Wanderwetter also. Das passt, den ins Auge gefasst habe ich die „Traumschleife“ der Ehrbachklamm. Und die ist angeblich der beste Wanderweg im letzten Jahr in Deutschland – zumindest in der Punktwertung des Deutschen Wanderinstituts. „Traumschleife“ heißen übrigens die kurzen Touren („Premium-Wanderwege“ …) rund um den Saar-Hunsrück-Steig.
Aber der Start war natürlich in Mainz, morgens erst einmal mit dem Zug den Rhein hinab. Da hatte ich gleich etwas Pech: defekte Bremsen erzwangen eine kurze Pause und einen Reboot des Zuges in Ingelheim. Die Verspätung störte mich aber überhaupt nicht, denn in Boppard hatte ich sowieso mehr als eine halbe Stunde Zeit, bevor es mit der Hunsrückbahn weiterging. Die fuhr dann allerdings auch noch später als geplant (wenn es schon mal nicht klappt, dann auch richtig …). Und sie schlich und schlich, mühsam kraxelte sie über Viadukte und durch Tunnel die ausgesprochen malerische Strecke von Boppard nach Buchholz (Boppard-Buchholz heißt der Bahnhof …, quasi direkt hinter der Autobahn) hinauf. Da wurde ich dann doch etwas hippelig, denn der Bus, der mich zum Start der Wanderung nach Oppenhausen bringen sollte, fuhr quasi direkt nach der planmäßigen Ankunft des Zuges – und die war schon da, ein Bahnhof aber noch lange nicht in Sicht. Das machte aber nix, denn auf dem Land funktioniert der ÖPNV ja anders – zum Glück war der Bus (oder besser: das Busschen, das außer mir noch ein paar alte Frauen aufsammelte) noch da, die freundliche Fahrerin setzte mich dann auch direkt am Start-Parkplatz der Traumschleife ab.
Und zack, war ich unterwegs. War ja auch schon 10 Uhr – früher kommt man von Mainz da nicht hin, zumindest nicht ohne Auto. Aber Zeit hatte ich mir genug eingeplant. Nun ging es also los, mit der „Traumschleife“. Der Anfang ist ganz unspektakulär: Ein kurzer Bogen am Ortsrand von Oppenhausen über die Wiesen, dann in den Wald – und hinunter und hinunter. Schließlich muss ich ja erstmal zum unteren Ende der Ehrbachklamm. Der Weg dahin schon typisch „neue“ Wanderwege: Ausgeschildert bis zum Übermaß (die Mindestabnahmemenge für die Schilder war wohl hoch, die hingen gefühlt an jedem zweiten Baum & Pfahl, selbst da, wo man sich beim besten Willen nicht verlaufen konnte …). Und es gab, das habe ich auf Wanderwegen noch nie gesehen, tatsächlich eine Kilometrierung. Das ist für mich schon fast ein bisschen viel – mir sind ja die Kilometerangaben mit exakter Nachkommastelle an jeder Wegkreuzung schon fast zu viel, da komme ich immer so leicht in den Mess-Modus … (und den Lauf-Wettkampf-Modus). Aber das ist halt mein Problem.
Typisch für einen absichtlichen „Premium-Wanderweg“ ist auch die Wegführung: Große Wege werden um jeden Preis vermieden. Das ist ja nicht verkehrt, hat aber manchmal doch Auswüchse, die ich etwas lächerlich finde, wenn dann der „Premium-Wanderweg“ direkt neben einem vollkommen in Ordnung und ordentlich zu laufendem Weg etwa hier über die Stierwiese geführt wird (mit Treppenstufen und allem Pipapo), um ja möglichst hohe Bewertungen abzustauben …
Unmittelbar danach geht’s in die Klamm an sich. Und allmählich wird der Wiesengrund enger, der Weg ist längst zu einem Pfad geworden, der sich am Rand des Einschnitts mehr oder weniger auf Wasserhöhe hinschlängelt. Und in der Klamm ist es wirklich schön: ein bisschen Wasser, viel Natur, malerisch drapierte umherliegende Bäume im und neben dem Wasser … So stellt man sich einen richtigen deutschen Wanderweg vor … und selbst hier, wo es gar keine anderen Möglichkeiten gibt, tauchen immer wieder die Wegmarkierungen auf. Und natürlich die Kilometerzahlen.
Der Weg führt, Überraschung, Überaschung, teilweise direkt im Ufer, auf Wasserhöhe, dann aber auch mal über Schieferfelsen und Tritte und Leitern und Holzbrücken, mit in den Stein geschlagenen Trittlöchern und gespanntem Seil zum Festhalten die Klamm hinauf. Ich hatte ja fast damit gerechnet, dass die Ehrbach ausgetrocknet ist – aber dort hat es offenbar mehr geregnet, es floss zwar nicht überreichlich, aber angemessen viel Wasser. Und an einigen Stellen war der Weg sogar aufgeweicht. Und ich tapfer mit meinen Teva-Sandalen über Stock und Stein, Felsen und Matsch. Das war aber auch kein Problem, ich bin da stabil genug unterwegs, auch wenn alle Beschreibungen und Schilder „festes Schuhwerk“ empfehlen (allerdings auch nicht zu Unrecht, in der Klamm gibt es einige Stellen, wo das empfehlenswert ist.)
Das Ende der Klamm war dann fast zu schnell erreicht. Da geht es dann rabiat nach oben: Der Weg knickt zur Seite ab und sucht sich einen Aufstieg – ein steiler, sehr steiler Aufstieg, der jetzt auch schön exponiert in der noch gut wärmenden Mittagssonne liegt. Dafür belohnt er aber auch mit herrlichen Ausblicken über das waldreiche Tal und seine Mühlen.
Noch bevor die Höhe erreicht ist, heißt es abbiegen auf die Schöneckschleife. Denn die Ehrbachklammschleife ist mir dann allein doch zu wenig. Die Erweiterung führt nun über einen angenehmen Waldweg (der ist zwar breiter als der Pfad in der Klamm, aber kaum fahrbar – bei uns wäre der längst anders ausgebaut …). So geht es eine Weile hin am Hang, bevor noch mal ein steiler Aufstieg zur Schöneck hinauf folgt – dieses Mal im Waldboden über einige Kehren. Oben belohnte ich mich mit einer kurzen Verschnaufpause, genoss erneut die schönen Ausblicke, die auch durch die Militärhubschrauber nur wenig gestört wurden. Bewundern durfte ich auch wieder die Windräder, die sich hier von jedem Punkt aus fast in alle Himmelsrichungen über den Horizont erstrecken – und die Leute leben immer noch dort, die Touristen kommen auch noch (für (Süd-)Hessen wäre das unvorstellbar, die würden da wohl die Revolution ausrufen …).
Ums Schloss Schöneck herum wird der Weg noch einmal fast alpin … (Naja, was mir als alpin gilt …). Auf der anderen Seite erreicht man dann schnell die Schwedenschanze – der Name verrät es, von hier aus haben die Schweden versucht, Schöneck zu erobern – dementsprechend hat man nocheinmal einen schönen Blick zurück auf das exponiert liegende Schloss und seine Umgebung.
Kurz vor Windhausen biegt der Weg am großen Wanderparkplatz ab und macht sich sozusagen auf den Rückweg. Da war jemand tatsälich so verrückt und hat das Weglein gekiest – als wären wir auf dem Friedhof … Dann geht es mal wieder raus aus dem Wald, über einige Felder und im Bogen vorbei an Hübingen zum Aussichtspunkt und Ruhebank Höchst (das heißt wohl tatsächlich so, steht zumindest auf den Schildern. Dort machte ich dann endlich (war schon etwas spät geworden) meine kleine Mittagsrast.
Im weiten Bogen ging es weiter über die Felder – geradeaus wär’s natürlich auch mal wieder gegangen. Aber so darf man bei den Wegen ja nicht denken, die haben das Laufen um des Laufens willens wirklich zur Kunstform erhoben
Und dann ging es mal wieder hinunter, in den Wald, Richtung Ehrbach. Ganz führt der Weg da aber nicht mehr hin. Zuvor kommt auf jeden Fall noch mal der Abzweig Traumschleife/Schöneckschleife, wo ich für ortskundig gehalten wurde und einem älteren Ehepaar den Weg weisen durfte … Über Peterslay – wo der Schiefer schön zutage liegt – geht es dann noch einmal ordentlich runter in die Teufelsschlucht. Die ist aber ganz nicht so schrecklich ;-) Der größte Schrecken bestand darin, dass klar war, dass es danach gleich wieder hoch geht – denn Oppenhausen, das langsam wieder näher rückte, liegt ja oben auf dem Plateau. Dummerweise habe ich da unten auf die Uhr geschaut und kam dann auf die Idee, dass ich ja vielleicht noch den Bus um 14 Uhr erwischen könnte. Also machte ich auf dem Aufstieg richtung Oppenhausen noch mal Dampf machen und gab den Oberschenkeln etwas Druck.
Und das nur, um dann im Ort zu merken: Der Bus ist zwei Minuten zuovr abgefahren – ausgerechnet der war jetzt pünklich … Naja, alles halb so schlimm, eine Stunde später geht ja der nächste. Und es war ja noch früh am Tag – da ich nur vier Stunden gebraucht habe, deutlich früher als geplant. Also lungerte ich noch etwas am gut besetzen Parkplatz herum, freute mich angesichts der zunehmenden Bewölkung und des ziemlich frischen Windes, dass ich den schöneren Teil des Tages genutzt hatte und ließ meinen Ebook-Reader arbeiten.
Der Weg und die Landschaft – von der gibt es da mehr als genug – ist aber wirklich schön. Beim nächsten Mal könnte ich dann vielleicht doch gleich nach Boppard runter laufen – das sind noch mal ca. 13 Kilometer auf dem Saar-Hunsrück-Steig, habe ich unterwegs bei Windhausen gesehen. Da war ich mir dann aber unsicher, ob’s noch hinhaut, weil ich den Weg nicht kenne (und vor allem nicht, wieviel Höhenmeter auf der Strecke noch lauern, auch wenn es tendenziell stark bergab geht) und habe deshalb lieber am Plan festgehalten. Der sah dann vor – und das hat auch geklappt -, wieder mit dem Bus nach Buchholz, mit der Hunsrückbahn nach Boppard und mit der Mittelrheinbahn nach Mainz und mit dem Fahrrad nach Hause …
Das Höhenprofil sieht ziemlich deftig aus. Die Anstiege sind teilweise auch knackig, aber andererseits nie sehr lang, so dass das alles halb so schlimm ist: Die dazugehörige gpx-Datei liegt hier: Wanderung.
Die restlichen Fotos (ich hab’ viel geknipst, aber halt nur mit dem Telefon und ohne Ahnung …)