»Nächstens mehr.«

Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Nachruhm

„Die Ver­wer­tung der Popu­la­ri­tät, des Ruhms zu Leb­zei­ten, ist heu­te so groß, daß für den Nach­ruhm nichts mehr bleibt.“ (Hen­ning Rich­ter, Notiz­hef­te, 294)

Tristano No. 6665

„Mul­ti­pler Roman in Ein­zel­aus­ga­ben“ ist der off­zi­el­le Unter­ti­tel die­ses Büch­leins von Nan­ni Bal­est­ri­ni. Mei­nes hat die Nr. 6665 (knapp dane­ben …) und ist einer von 109027350432000 Tristano No. 6665Roma­nen. Nun hat Bal­est­ri­ni natür­lich nicht eine solch irr­sin­ni­ge Zahl an Büchern geschrie­ben: Der Witz am „Tris­t­ano“ ist, dass per Zufalls­al­go­rith­mus (im Com­pu­ter) die 20 Abschnit­te für jedes der 10 Kapi­tel neu ange­ord­net weden. 1966, als Bal­est­ri­ni die Idee dazu hat­te, war das druck­tech­nisch noch nicht wirk­lich umzu­set­zen – dank Digi­tal­druck ist das heu­te auch für Suhr­kamp kein Pro­blem mehr. Die Ent­ste­hung der Text­blö­cke ist dabei übri­gens auch schon ein Ergeb­nis kom­bi­na­to­ri­scher Pro­zes­se: Bal­est­ri­ni hat aus ver­schie­de­nen Quel­len Sät­ze ent­nom­men, sie ihrer inne­ren Satz­zei­chen beraubt und mehr oder min­der zufäl­lig gereiht. So viel also ganz kurz zu der Ent­ste­hung des Romans.

Das ist – aus­nahms­wei­se – nicht belang­los, weil es sich natür­lich mas­siv im Text nie­der­schlägt: Eine „nor­ma­le“ Geschich­te, eine her­kömm­li­che Hand­lung, ein liner­a­rer Plot – das alles gibt es hier nicht. Wohl gibt es wie­der­keh­ren­de Moti­ve – die aber in sich und in ihrer Ver­knüp­fung sehr unklar blei­ben. Denn alle (!) Eigen­na­men wer­den durch ein uni­ver­sel­les „C“ ersetzt. Trotz­dem las­sen sich eine männ­li­che und eine weib­li­che Figur unter­schei­den, die mit­ein­an­der in Bezie­hung tre­ten und die­se auch wie­der ver­las­sen (Tris­tan!). Viel lie­ße sich sicher­lich kon­stru­ie­ren. Aber das funk­tio­niert natür­lich nur bedingt: Zum einen ist ja jedes Buch anders, hat eine eige­ne „Geschich­te“ durch die zufäl­li­ge Rei­hen­fol­ge (wie hoch wäre eigentlch die Wahr­schein­lich­keit, dass da zwei Mal das gleich Ergeb­nis her­aus­kommt?), zum ande­ren ist der Spaß an die­sem Expe­ri­ment eher, zu schau­en, was mit Wör­tern, Sät­zen, Abschnit­ten pas­siert – wie sich manch­mal „Sinn“ ergibt, wie er sozu­sa­gen aus Ver­se­hen „pas­siert“, wie die Signi­fi­kan­ten sich – im Lese­pro­zess des wahr­neh­men­den Sub­jekts – eben doch wie­der zu einem/​mehreren Signi­fi­ka­ten gezwun­gen sehen, wie Leser und Text danach stre­ben, sinn­hal­tig zu sein. Das aller­dings ist zwar zunächst fas­zi­nie­rend zu beob­ach­ten, wird aber auch ermü­dend. Dabei umfasst der Tris­t­ano gera­de mal 120 Sei­ten. Doch das reicht mehr als genü­gend aus, das Prin­zip und sei­ne Fol­gen zu ver­ste­hen, begrei­fen und erfah­ren. Und auch zu erlei­den. Denn so span­nend das nar­ra­to­lo­gisch, semio­lo­gisch – kurz: intel­lek­tu­ell – ist bzw. erscheint, so tro­cken kann die Lek­tü­re wer­den: Man hängt oft sehr in der Luft, sucht beim Lesen nach sinn­hal­ti­gen Fun­da­men­ten oder Hori­zon­ten – das ist schon inter­es­sant, das an sich selbst zu beob­ach­ten. Da aber der Text/​die Tex­te durch die Mon­ta­ge der Sät­ze aus frem­der Urhe­ber­schaft und unbe­kann­ten Kon­tex­ten (manch­mal kann man etwas erah­nen, z.B. die wie­der­hol­ten Frag­ment zu Text und Erzähl­theo­rie1) auch sprach­lich nur sehr bedingt fas­zi­nie­ren (zumin­dest in der deut­schen Über­set­zung von Peter O. Chot­je­witz) ist das letzt­lich ein ein­ge­schränk­tes Ver­gnü­gen: „Als ich die­se Tex­te las fand ich sie nicht nur bedeu­tungs­los son­dern auch ohne irgend­ein Ele­ment das sich auf das vor­ge­ge­be­ne The­ma bezieht. Ich bin so unglück­lich daß ich am liebs­ten ster­ben möchte.“

Dafür wird man neben den 120 Sei­ten „Roman“ (die den für Suhr­kamp aus­ge­spro­chen hohen Preis von 15 Euro haben) auch noch reich­lich mit Para­tex­ten ver­sorgt: Eine Vor­be­mer­kung des Ver­lags, eine Notiz des Autors eine Vor­wort von Umber­to Eco (zum Ver­fah­ren der Kom­bi­na­to­rik in der Geschich­te der Wis­sen­schaf­ten und Küns­te, weni­ger zum „Tris­t­ano“ selbst), einem nach­ge­stell­ten ana­ly­ti­schen Vor­wort zur fran­zö­si­schen Aus­ga­be 1972 von Jac­que­line Rist und schließ­lich noch eine lite­ra­tur­ge­schicht­li­che Ein­ord­nung des „Tris­t­ano“ in die expe­ri­men­tel­le (Prosa-)Literatur des 20. Jahr­hun­derts und das Lebens­werk Bal­estri­nis durch Peter O. Chot­je­witz – fast mehr Para- als ‑Text also …

Nan­ni Bal­est­ri­ni: Tris­t­ano No. 6665 von 109027350432000 Roma­nen. Ein mul­ti­pler Roman in Ein­zel­aus­ga­ben. Frank­furt am Main: Suhr­kamp 2009. 120+XXXII Sei­ten. ISBN 978−3−518−12579−3.

Show 1 footnote

  1. „Es wird drin­gend emp­foh­len das Buch bis zum Ende zu lesen. Je wei­ter man kommt des­to packen­der wird es.“, heißt es z.B. ein­mal. Oder: „Es ist nicht nur ver­bo­ten den nor­ma­len Gebrauchs­wert der Sät­ze und ihre Eig­nung zur Kom­mu­ni­ka­ti­on zu hin­ter­fra­gen sie erfah­ren zur glei­chen Zeit auch eine zen­tri­pe­ta­le und zen­tri­fu­ga­le Beschleu­ni­gung.“ ↩

Unschuldige Werbung

Ja, es ist natür­lich rei­ne Mani­pu­la­ti­on des Käu­fers … Aber des­we­gen gefällt sie mir trotz­dem. Und ich fin­de sie gut gemacht – und auch pas­send zum Pro­dukt. Wenn auch Inno­cent seit der Coca-Cola-Betei­li­gung nicht ganz so unschul­dig ist, wie die Ver­pa­ckung glau­ben macht:

Wer­bung!

Recy­cling …

Cäsarengefühle, Velozipedisten und zwei Räder

Johan Schloe­mann hat sich für die Süd­deut­sche drei Bücher über das Fahr­rad und sei­ne Fah­rer, über sei­ne Geschich­te und sei­ne Wirk­lich­keit ange­schaut. Zwei davon – aus­ge­rech­net die bei­den eng­li­schen (ob das einen Grund hat?) – fin­det er gut, das drit­te Exem­plar mit dem blöd­sin­ni­gen (Unter-)Titel „Fahr­rad­has­serbuch“ hält er für ziem­li­chen Mist. Sein schö­ner Text, chan­gie­rend zwi­schen Rezen­si­on und Auf­ruf zum Radeln, fängt schon ganz wun­der­bar und ganz klar und deut­lich an:

Es ist Früh­ling, und so kom­men auch alle Schlecht­wet­ter­fah­rer aus ihren Löchern. […] Auch die Auto­fah­rer zei­gen sich wie jedes Jahr ver­blüfft, dass es Fahr­rä­der gibt […] 

Da läuft sie also wie­der heiß, die­se lächer­li­che Kon­fron­ta­ti­on im Stra­ßen­ver­kehr: Rüpel­haf­te Rad­fah­rer, die es gibt, wer­den für reprä­sen­ta­tiv erklärt, als wäre die Anzahl rüpel­haf­ter Auto­fah­rer nicht viel höher. Und anstatt einen Gedan­ken dar­auf zu ver­schwen­den, dass das Kampf­ver­hal­ten von Rad­fah­rern viel­leicht nur durch jene Kampf­be­din­gu­gen ent­steht, die ihnen Auto­ver­kehr und kom­mu­na­le Ver­kehrs­po­li­tik dik­tie­ren, anstatt also ein Min­dest­maß an Zívi­li­tät wal­ten zu las­sen, schlägt gera­de in den wär­me­ren Mona­ten wie­der die Stun­de der abge­stumpf­ten Auto­pend­ler, die auf dem Asphalt kraft ihrer Ver­bren­nungs­mo­to­ren klein­bi­ir­ger­li­che Cäsa­ren­ge­füh­le ausleben […]

Dem ist dann eigent­lich nichts mehr hin­zu­zu­fü­gen, die Posi­ti­on des Autors ist klar. Und sie stimmt natür­lich, auch wenn sie schon fast einen Tick zu aus­ge­wo­gen argu­men­tiert ;-). Ich fin­de es ja immer wie­der erstaun­lich (und bedau­er­lich …), dass sol­che schö­nen Tex­te bei der Süd­deut­schen den Weg ins Netz nicht fin­den, ich hät­te das ja ger­ne ver­linkt. Das fän­de ich viel inter­es­san­ter als die Nach­rich­ten … Aber immer­hin habe ich so noch Grün­de, jeden Tag das schmut­zi­ge Papier in die Hand zu nehmen.

Marathon geht auch ohne Training

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Es geht tat­säch­lich. Aber, um das gleich klar­zu­stel­len, ver­nünf­tig ist das über­haupt nicht. Und emp­feh­lens­wert auch nicht so richtig.

Aber von vor­ne: Nach lan­gem Über­le­gen hat­te ich mich im Sep­tem­ber doch wie­der für den Main­zer Guten­berg-Mara­thon ange­mel­det. Ich war mir zwar noch nicht sicher, ob ich den auf neue Best­zeit lau­fen wür­de oder ein­fach so. Aber Trai­ning hat­te ich schon geplant. Dann woll­te aber zunächst mei­ne Fer­se nicht so recht. Und dann war Win­ter. Und dann … Ehe ich mich ver­sah, war jeden­falls schon wie­der Februar—und ich ging beim 5. Main­zer Maar­aue-Mara­thon auf den letz­ten Run­den ziem­lich kläg­lich unter (kein Wun­der, die lan­gen Läu­fe fehl­ten ein­fach). Aber irgend­wie war das immer noch nicht genü­gend Moti­va­ti­on, end­lich mal wie­der in ein rich­ti­ges, gere­gel­tes, ordent­li­ches Mara­thon-Trai­ning ein­zu­stei­gen. Statt­des­sen spiel­te ich quer­feld­ein her­um und begann, öfters in den Fiv­e­fin­gers zu laufen—was natür­lich, vor allem zu Beginn, gehö­ri auf die Distan­zen ging. Immer­hin hielt mein Streak noch: So kurz vor der Drei-Jah­res-Mar­ke woll­te ich nicht klein bei­geben. Und dann war der April auch schon wie­der fast zu Ende und ich stand end­gül­tig vor der Ent­schei­dung: Was mache ich nun am 8. Mai? Lau­fe ich trotz allem ver­suchs­wei­se einen Mara­thon? Oder höre ich nach der ers­ten Run­de auf? Ganz aus­fal­len las­sen woll­te ich das nicht, dafür war mir die Start­ge­bühr eigent­lich zu hoch. Also mein vor­läu­fi­ger Beschluss: Ich lau­fe zunächst den (sowie­so schon geplan­ten und gemel­de­ten) Fran­ken­stein­lauf mit den Fiv­e­fin­gers. Und am Wochen­en­de danach stel­le ich mich ein­fach an den Start, lau­fe los und schaue, was dabei rauskommt—durchaus mit dem Ziel, die 42 Kilo­me­ter auch voll zu machen.

Aber so ein­fach war es dann doch nicht. Beim Fran­ken­stein­lauf ging näm­lich etwas schef (was, das weiß ich immer noch nicht): Am Ende der net­ten 15 Kilo­me­ter hat­te ich rie­si­ge Bla­sen unter den bei­den Fer­sen. Vor allem der lin­ke Fuß (und links ist sowie­so die Sei­te, wo bei mir alle Unfäl­le pas­sie­ren) sah gar nicht gut aus. Den Anfang der Woche habe ich die Füße also mit kur­zen Läu­fen geschont. Beim ers­ten etwas „län­ge­ren“ Lauf, der Drei­brü­cken­run­de mit ca. 12 Kilo­me­tern, am Don­ners­tag hat­te ich wohl doch die fal­schen Schu­he erwischt. Jeden­falls hat es links noch ein­mal etwas gerie­ben und die Blase—die ja nicht nur auf der Soh­le war, son­dern sich auch auf den Außen­rist hochzog—fing an, sich zu öff­nen. Das war jetzt wirk­lich blöd, die neue Haut unter der Bla­se war näm­lich noch reich­lich emp­find­lich. Also wie­der alles in Fra­ge stel­len? So schnell nicht, es gibt für alles eine Lösung. Und der Plan bestand wei­ter­hin. Zumal ich mich inzwi­schen einer klei­nen Grup­pe Main­zer Läu­fer ange­schlos­sen hat­te, die beim Mara­thon mit ent­spre­chen­den T‑Shirts für den Aus­stieg aus der Atom­ener­gie wer­ben wollten—ein Rück­zug war jetzt also nicht mehr möglich.

Und dann war es auch schon Sonn­tag. Der Wecker klin­gel­te um acht Uhr, das soll­te mir genü­gend Zeit geben, mich vor­zu­be­rei­ten. Denn das Wich­tigs­te heu­te war: Tapen ohne Ende. Alle halb­wegs krit­schen und gefähr­de­ten Stel­len der Füße wur­den groß­zü­gig mit Leu­ko­tape gesichert.

Trotz­dem war ich mir immer noch nicht im Kla­ren, wie das aus­ge­hen wür­de … Kurz vor Neun mach­te ich mich dann auf den kur­zen Fuß­weg zum Start an der Rhein­gold­hal­le. Eigent­lich waren die Läu­fer „gegen Lauf­zeit­ver­län­ge­rung“ am Ende des ers­ten Start­blo­ckes ver­ab­re­det. Aber das war offen­sicht­lich kei­ne gute Idee gewesen—gefunden haben wir uns da näm­lich nicht. Da ist auch kein Wun­der: Die Start­auf­stel­lung in Mainz ist zwar theo­re­tisch gut und genau geord­net, löst sich aber jedes Jahr spä­tes­tens um 9.20 Uhr in tota­les Cha­os auf. Im ers­ten, roten, Start­block waren dann auch wirk­lich alle Far­ben zu sehen: Grün, Blau, Gelb, Oran­ge. Und das merkt man auf den ers­ten Kilo­me­tern, die ja sowie­so ein ziem­li­ches Gewu­sel sind, doch sehr deutlich.

Irgend­wann war es dann wie­der soweit: Die häm­mern­de 08/15-Tech­no­mu­sik durf­te schwei­gen, der Mara­thon wur­de gestar­tet. Selbst für den ers­ten Block dau­ert das natür­lich immer etwas, bis man wirk­lich an der Start­li­nie ist und los­lau­fen kann. 12000 Läu­fer sei­en am Start, hieß es im Feld. Kein Wun­der, bei strah­len­dem Son­nen­schein und schon mor­gens ange­neh­men 20 °C gibt es kaum Aus­re­den … Also, es ging los. Ich schwamm zunächst ein­fach mal im Feld mit, schau­te, was so passiert—mit mir und mei­nen Füßen. Und mei­nen untrai­nier­ten Mus­keln. Bald hin­term Start hol­te mich der ers­te Anti-Atom-Läu­fer ein, zog aber bald wei­ter, weil er einen zügi­ge­ren Halb­ma­ra­thon geplant hat­te. Etwas spä­ter wie­der­um hat­te ich auf ein­mal eine Geis­ter­hand an der Schul­ter: Ronald, auch mit gel­ben T‑Shit, hat­te mich gefun­den. Das war eine gute Fügung, wir blie­ben bis kurz vor der Halb­ma­ra­thon­mar­ke zusam­men. Bis dahin lagen aber noch ein paar Kilo­me­ter vor uns. Bei der ers­ten Ver­pfle­gung auf dem Weks­ge­län­de von Schott war gro­ßes Chaos—angesichts der Wär­me woll­ten die meis­ten Läu­fer gleich von Anfang an trin­ken, was die hilfs­be­rei­ten Was­ser­aus­schen­ker gut in Anspruch nahm. Denn noch war das Feld sehr dicht, wir waren ja auch erst eini­ge Kilo­me­ter unter­wegs. Und es blieb auch recht voll auf der Stre­cke: In unse­rem Tem­po waren ziem­lich vie­le unter­wegs. So spul­ten wir also Kilo­me­ter für Kilo­me­ter ab, meist zwi­schen 5’20 und 5’30. Mei­ne Tak­tik sah eigent­lich gaaaa­anz anders aus: Da ich mei­ne Form über­haupt nicht ein­schät­zen konn­te, hat­te ich mir das voll­kom­men will­kür­li­che Ziel der Vier-Stun­den-Mar­ke gesetzt, was—vor allem am Anfang—eher 5’40 pro Kilo­me­ter bedeu­tet hät­te. Aber irgend­wie liefs ein­fach locker und angenehm—durch’s Mom­ba­cher Gewer­be­ge­biet und dann wie­der durch den gro­ßen Hot­spot Mombach—die ganz selbst­be­wusst, aber nicht völ­lig zu Unrecht behaup­te­ten, die bes­te Stim­mung an der Stre­cke zu haben, zurück in Rich­tung der Main­zer Innen­stadt. Bis dahin gab’s natür­lich wie­der eini­ge Schlen­ker und Kur­ven durch die Wohn­ge­bie­te der Neu­stadt. Aber inzwi­schen, nach sie­ben, acht Kilo­me­tern, mach­te das Lau­fen in die­sem Tem­po rich­tig viel Spaß. Auch wenn ich anfing zu grü­beln, wie wohl mei­ne zwei­te Run­de aus­se­hen würde—Roland woll­te ja irgend­wo bei Kilo­me­ter 30 aus­stei­gen um sei­ne Kräf­te für den Renn­steig-Mara­thon zu sparen.

Ruck­zuck waren wir dann um die Chris­tus­kir­che her­um und eil­ten schon wie­der auf die Alt­stadt zu. Sehr schön immer wie­der der Moment, wenn man von der Lang­gas­se auf die Lud­wig­stra­ße ein­biegt, und in die Publi­kums­mas­sen eintaucht—da war schon ziem­lich viel los. Auch auf dem Guten­berg­platz und durch die Augus­ti­ner­stra­ße war wie­der klas­se Stim­mung. Dann, hin­ter dem Süd­bahn­hof, beginnt ja der etwas abschre­cken­de Teil der ers­ten Run­de: Die ewig lan­ge Gera­de nach Wei­se­nau, die man nach der Wende—die ja tat­säch­lich erst kurz vor der Auto­bahn ist—auf der ande­ren Stra­ßen­sei­te wie­der zurück­lau­fen darf. Das heißt ja auch, dass man vor allem stadt­aus­wärts immer schon sieht, wer alles schon zwei, drei Kilo­me­ter wei­ter ist … Wenn man das aber mal kennt, ver­liert auch die­se Gera­de ihren Schre­cken. Und auf dem Rück­weg ist ja der Halb­ma­ra­thon schon fast geschafft (nagut, drei, vier Kilo­me­ter­chen sind das auch noch). Wir blie­ben unse­rem Tem­po aber wei­ter­hin treu. Klar, inwz­si­chen merk­te ich schon, dass die mus­ku­lä­re Belas­tung stieg—über 16 Kilo­me­ter bin ich in die­sem Jahr ja nur sehr sel­ten hin­aus­ge­lau­fen. Und da war ich inzwi­schen schon durch. Aber das Tem­po war noch immer gut zu lau­fen. Bei der letz­ten Ver­pfle­gung vor dem Halb­ma­ra­thon ver­lor ich Roland dann lei­der total—keine Ahnung, wo der abge­blie­ben ist.

Mir jeden­falls ging’s jetzt rich­tig gut. Mein neu­er Plan hieß jetzt: Tem­po hal­ten, den—von mir als unver­meid­lich erwarteten—Einbruch so lan­ge wir mög­lich hin­aus­zö­gern. In der Tat konn­te ich dann auf dem Beginn der zwei­ten Run­de das Tem­po sogar noch erhö­hen: Jetzt lag der Schnitt eher um die 5’10. Die Stre­cke wird ja in Mainz nach dem Pas­sie­ren der Rhein­gold­hal­le immer schlag­ar­tig leer: Von den 8021 Ziel­ein­läu­fen in die­sem Jahr ent­fal­len 6776 auf den Halb­ma­ra­thon, nur 1245 lau­fen den Mara­thon (und davon wie­der­um sind gera­de ein­mal 170 Frauen—beim Halb­ma­ra­thon ist der Geschlech­ter­un­ter­schied nicht ganz so krass). Auch auf der zwei­ten Run­de mach­te mir das Lau­fen noch viel Spaß. Jetzt kam auch noch—psychologisch ganz vorteilhaft—hinzu, dass ich kon­ti­nu­ier­lich Läu­fer über­hol­te (mit Aus­nah­me der fri­schen Staf­fel­läu­fer natür­lich, von denen sind eini­ge an mir vor­bei gezo­gen). Da es imme noch so aus­ge­zeich­net vor­ran ging, modii­zier­te ich mei­nen Plan noch ein­mal. Vor­sorg­lich (ohne wirk­lich davon über­zeug zu sein) hat­te ich mor­gens noch 4 Ham­mer­gels mit­ge­nom­men und in die Hose gesteckt. Die kamen jetzt peu-a-peu zum Ein­satz. Das ers­te Gel irgend­wo bei Kilo­me­ter 24 oder 25, in Sicht­wei­te der nächs­ten Ver­pfle­gung. Denn für die Din­ger braucht man ordent­lich Was­ser. Davon hat­te ich­heu­te eh‘ schon eini­ges geschluckt: Bei jeder Ver­pfle­gungs­stel­le habe ich mir versorgt,die Hit­ze woll­te ich nicht als Ent­schul­di­gung gel­ten las­sen. Wo mög­lich, habe ich­auch mei­ne Müt­ze ins küh­le Nass (das war wirk­lich ver­gleichs­wei­se sehr kühl) getaucht und so mei­nen Kopf etwas abgekühlt—auch wenn das nie lan­ge vor­hält. Die Ent­schei­dung für den Gel­ein­satz war aber sehr rich­tig: Die DIn­ger geben ein­fach noch ein­mal einen Schub—sie ermög­li­chen, wirk­lich das Letz­te aus den Mus­keln herauszuholen.

Die Schlei­fe durch Hes­sen, durch Kost­heim, fin­de ich ja immer sehr schön. Gut, viel Betrieb ist da nicht. Aber dafür läuft man auf klei­ne­ren Stra­ßen durch die Wohn­ge­bie­ten. Und unheim­lich vie­le Anwoh­ner sind im Vor­gar­ten und feu­ern an. Oder spen­den mit dem Was­ser­schlauch eine klei­ne Dusche—bei mitt­ler­wei­le gut 25 °C (und wei­ter­hin wol­ken­lo­sem Him­mel) eine sehr will­kom­me­ne Abküh­lung. Der Rück­weg nach Mainz wur­de mir dann aber recht lang: Die letz­te Was­ser­sta­ti­on lag schon wie­der zwei Kilo­me­ter zurück, ich hät­te ein paar Schluck Feuch­tig­keit ver­tra­gen. Dann auch noch der Anstieg auf die Theo­or-Heuss-Brü­cke. Allein die Tat­sa­che, dass ich wei­ter­hin über­hol­te, gab mir noch etwas Kraft. Hin­ter der Brü­cke fiel ich dann aber doch in ein klei­nes Loch: Jeztt wur­de es rich­tig schwer. Und bis zur Ver­pfle­gung bei Schott zog es sich—die Rhein­al­lee ist da, mit den paar ver­steu­ten Läu­fern, auch nicht wirk­lich span­nend. Doch irgend­wie hielt ich durch, auch wenn ich schon mit dem Abbruch-Gedan­ken spielte.

Auf dem Werks­ge­län­de kam dann das nächs­te Gel zum Ein­satz. Zum Glück spiel­te mein Magen mit: Die Hammergels—heute hat­te ich nur „Espres­so“ dabei—schmecken zwar auch nicht beson­ders lecker, sind für mich aber sehr gut ver­träg­lich. Trotz Ener­gie­schub durch Gl pen­del­te sich der Schnitt wie­der etwas tie­fer ein—bzw. es wur­de här­ter, das Tem­po hoch zu hal­ten. Die Schlei­fe durch das Mom­ba­cher Gewer­be­ge­biet ging dann über­ra­schend schnell herum—davor hat­te ich eigent­lich mehr Angst. Mom­bach selbst war dann ok, lang­sam ging es aller­dings doch spür­bar an die Sub­stanz. Vor allem der Weg in die Alt­stadt zog sich jetzt deut­lich mehr als auf der ers­ten Run­de. Und das Tem­po sank Kilo­me­ter für Kilo­me­ter ein bisschen—unaufhaltsam, aber in klei­nen Schrit­ten. In der Bau­haus­stra­ße dann schließ­lich das vier­te Gel—bei Kilo­me­ter 39 eigentlch fast zu spät. Ich glau­be aber, das war gar nicht schlecht. So hat­te ich näm­lich noch ordent­lich Kraft und Pep die rie­si­ge Stei­gung von geschätz­ten zwei Metern der Lang­gas­se hoch­zu­lau­fen und vor allem in Ange­sicht des gro­ßen Publi­kums nicht doch noch Geh­pau­sen ein­le­gen zu müs­sen. Und wenn man zum zwei­ten Mal über den Guten­berg­platz ist, dann hat man es eigent­lich geschafft—keine zwei Kilo­me­ter sind es dann noch. Noch schnell die Augu­t­i­ner­stra­ße hin­un­ter, am Süd­bahn­hof dies­mal gleich links zurück zur Rhein­gold­hal­le. Der letz­te Kilo­me­ter, die schön lan­ge Ziel­ge­ra­de, zieht sich natür­lich etwas. Aber hier ist man ja nicht allein. Und nach 3:49:32 war ich dann unter dem Ziel­bo­gen durch.

Jetzt fing das wah­re Lei­den aber erst an. Mei­ne Bei­ne waren nciht sehr damit ein­ver­stan­den, plötz­lich nicht mehr in Bewe­gung zu sein. Ich blieb zwar beim Gehen, merk­te aber tortzdem, dass die Mus­keln völ­lig leer waren und von Schritt zu Schritt stei­fer wur­den. Und auch der REst des Kör­pers wuss­te offen­bar nicht so recht, was er mit der plötz­li­chen Ände­rung machen soll­te. Ein Krug kal­tes Was­ser über den Schä­del tat ganz gut. Eigent­lich wolt­le ich ja auch was trin­ken, aber das ging kaum noch. Was­ser konn­te ich nich mehr sehen, Fru­bi­a­se war jetzt ein­fach nur eklig, Cola ging halb­wegs. Essen ging schon gar nicht … Da mein Baum­woll-T-Shirt und mei­ne Hose ja von Schweiß und Was­ser trief­nass waren und ich im Ziel auch nie­mand Bekann­tes traf, bin ich ziem­lich bald die paar Hun­dert Meter nach Hau­se stol­ziert. Dort woll­te ich mich eigent­lich nur mal kurz Hin­set­zen, die Kom­pres­si­ons­strümp­fe aus­zu­zie­hen. Jetzt aber ent­schied mein Kreis­lauf, dass er die Schnau­ze voll hat­te und sack­te erst ein­mal deut­lich weg. Ein paar Minu­ten spä­ter war ich dann weigstns wie­der fit genug für die Dusche … Aber so rich­tig erholt war ich erst zwei Stun­den spä­ter wieder—und freue mich schon auf den sicher­lich mör­de­ri­schen Mus­kel­ka­ter, den ich mor­gen haben wer­de .. Aber immer­hin gehör­te ich nicht zu den durch­aus zahl­rei­chen Läu­fern, die im Kran­ken­wa­gen landeten—die Ret­tungs­diens­te hat­ten näm­lich heu­te so einigs zu tun.

Also: Mara­thon ohne ent­spre­chen­des Trai­ning geht durch­aus mal. Ist aber auch—im Ver­gleich zur erlau­fe­nen Zeit—ziemlich anstrengend …

Und noch ein paar Bilder: 

Literatur ist Simulation von Literatur

Lite­ra­tur ist Simu­la­ti­on von Literatur.
Alles ande­re ist Simu­la­ti­on von Unsinn.

Letz­te Noti­zen #22

Frankenstein ganz ohne Horror

Der Fran­ken­stein­lauf ist ein ganz neu­es Unter­neh­men, das 2011 zum ers­ten Mal statt­fand. Und ich war dabei. Irgend­wann im Früh­jahr tru­del­te bei mir die E‑Mail von Skin­fit, dem Aus­rich­ter und Spon­sor, ein. Und das schien mir eine gnz intres­san­te Idee: unkom­pli­zier­te Anrei­se, ange­neh­mer Ter­min am letz­ten Sams­tag im April, Start freund­li­cher­wei­se um 16 Uhr. Und 15 Kilo­me­ter gehen immer, auch wenn ein paar Höhen­me­ter dabei zu über­win­den sind. Also habe ich mich bald ange­mel­det und das gan­ze erst ein­mal wider ver­ges­sen ;-)

Am Sams­tag war es dann also soweit. Die Anrei­se mit Lie­ge­rad und Bahn war etwas holp­rig: Erst mein­te der Schaff­ner in Mainz, im RMV dürf­te ich mit dem Lie­ge­rad nicht in den Zug—was mir völ­lig neu wäre, ich habe as schließ­lich schon öfters gemacht. Mit­ge­nom­men hat er mich aber immerhn trotz­dem. Auf dem Weg von Darm­stadt Haupt­bahn­hof nach Eber­stadt, so unge­fähr 8 kur­ze Kilo­me­ter durch die Stadt, kam ich dann auch noch in einen Platz­re­gen. Und muss­te beim Anzie­hen der Regen­ja­cke auch noch fest­stel­len, dass sich das Arm­band mei­nes Forerun­ners auf der einen Sei­te von der Uhr gelöst hatte.

In Eber­stadt war dann wenigs­tens alles unpro­ble­ma­tisch: Fah­r­ad geparkt, Start­num­mer und Beu­tel abge­holt (dar­in auch das Skin­fit–Kli­ma-Shirt, der ein­zi­ge Grund, war­um ein 15-km-Lauf fast 30 Euro Start­geld kos­ten darf) udn fest­ge­stellt, dass ich nicht weiß, wie ich den komi­schen Chip für die Zeit­mes­sung anbrin­gen soll­te. Eigent­lich ist der dazu gedacht, zwi­schen die Schnür­sen­kel ein­ge­fä­delt zu wer­den. Das kon­ne ich aber nicht, weil mei­ne Fiv­e­fin­gers, die Clas­sic-Vari­an­te, so etwas nicht haben. Mit einer Sicher­heits­na­del ging es dann aber doch—auch wenn ich dem nicht so recht trau­te. Es hielt aber problemlos. 

Der Fran­ken­stein­lauf war ja mein ers­ter „Wett­kampf“ mit den Fiv­e­fin­gers. Im Oden­wald hat­te ich in die­sem Früh­jahr die­se Nicht-Schu­he öfters genutzt und dach­te, ich pro­bier das jetzt mal aus. Auf die Zeit kam es mir sowie­so nicht an—denn etwas lang­sa­mer ist man damit schon, je nach Boden und Gefäl­le der Stre­cke macht sich das mehr oder weni­ger deut­lich bemerkbar.

Irgend­wann um kurz nach vier ging es dann auch los—der Läu­fer-Pulk hat­te sich lang­sam von der Anmel­dung im Mühl­tal­bad zum nahe­ge­le­ge­nen Start auf einem Feld­weg am Orts­rand bewegt. An den Start gin­gen knapp 200 Läu­fer, für die 7 km und die 15 km zugleich. Und dazu noch gleich zwei Ret­tungs­wa­gen sowie ein Motor­rad und auch noch ein Quad vom ASB—fast über­ver­sorgt waren die Läu­fer mit medi­zi­ni­scher Beglei­tung … Über­haupt war der Lauf ins­ge­samt gut orga­ni­siert (nur bei den Nach­mel­dun­gen gab es wohl klei­ne­re Ver­zö­ge­run­gen), an allen Abzwei­gun­gen gab es gut sicht­ba­re Mar­kie­run­gen und eine aus­rei­chen­de Zahl an Stre­cken­pos­ten. Das war ja auch nicht ganz billig—dafür aber mit einem Kli­ma-Shirt. Und die Skin­fit-Klei­dung ist halt erst mal teuer …

Zunächst ging es also erst ein­mal durch Eber­stadt, so 1–2 km. Dann führ­te die Stre­cke auf asphal­tier­tem Feld­weg in Rich­tung Fran­ken­stein, ein ers­ter klei­ner Anstieg war zu bewäl­ti­gen. In der Nähe der Bun­des­stra­ße dann der Wech­sel zu Kies und fes­tem Boden—zum Glück aber kein gro­ßer Schot­ter, das macht mit den Fiv­e­fin­gers näm­lich kei­nen Spaß. Über die Bun­des­stra­ße ging es dann hin­über und ab in den Wald unter dem Fran­ken­stein. Irgend­wo in der Nähe von Kilo­me­ter 5 (die Kilo­me­ter waren sogar mar­kiert, wenn auch nicht immer per­fekt lesbar—der Regen und die Läu­fer hat­ten das Säge­mehl etwas ver­streut) bogen die Sie­ben-Kilo­me­ter-Läu­fer ab. Für den Rest, die deut­li­che Mehr­heit des Fel­des, ging es wei­ter berg­auf. Die Höhenmeter—laut Ver­an­stal­ter 362—waren sehr gleich­mä­ßig ver­teilt. In gro­ßen Bögen ging es also den Berg hin­auf zur Burg Fran­ken­stein. Da ich sehr ver­hal­ten ange­lau­fen bin, war ich flei­ßig am Ein­sam­meln. Der Weg blieb ange­nehm zu laufen—leichte Stei­gung, meist Wald­bo­den mit etwas Kies, ohne grö­ße­re Pro­ble­me für Bar­fuß­schuh­läu­fer. Am Fran­ken­stein gab es Getränke—daswar tat­säch­lich ganz nett, denn warm war es durch­aus, trotz der dunk­len Wol­ken. Hin­ter der Burg ging es dann kurz auf der Kreis­stra­ße wei­ter in Rich­tung Nieder-Beerbach—eigentlich ist das nur ein asphal­tier­ter Wald­weg. Der führte—durchaus knackig—hinab bis zur Wald­gren­ze und noch ein paar hun­dert Meter durch die Wie­sen zum Wen­de­punkt. Hier hat­te man—wenn man noch Augen für so etwas hatte—einen schö­nen Blick auf die Hügel des begin­nen­den Oden­walds (mit Fern­sicht war’s nichts). Am Wen­de­punkt muss­te man das Kon­troll­band ein­sam­meln und zunächst wie­der zurück zum Fran­ken­stein hin­auf. Die Läu­fer, die mich auf der kur­zen Berg­ab­stre­cke über­hol­ten, habe ich alle wie­der ein­ge­sam­melt. Denn berg­ab muss ich mit den Zehen­schu­hen etwas langsam(er) machen, die feh­len­de Dämp­fung macht sich da durch­aus bemerk­bar. Das war dann auch auf dem Abschnitt nach dem Fran­ken­stein deut­lich zu mer­ken. Denn ab dort ging es bis kurz vor das Ziel nur noch berg­ab. Und da wur­de ich dann kräf­tig durch­ge­reicht. Zumal nach zehn, zwölf Kilo­me­tern mei­ne Füße auch müde wur­den und auf klei­ne­re Belas­tun­gen unge­hal­ten reagier­te. Schon bei klei­ne­ren stei­nen zuck­te ich jetzt etwas zurück: Meist bin ich mit den Fiv­e­fin­gers ja nur so unge­fähr eine stun­de unter­wegs gesesn, die 15/16km-Läu­fe waren ja die Ausnahme.

Der Weg vom Burg­berg hin­un­ter führ­te zunächst über einen schö­nen pfad, dann aber wie­der über den Forst­weg, den wir auch hin­auf gelau­fen waren. Und schließ­lich hat­ten wir noch das sel­be Schluss­stück wie die 7km-Läu­fer. Das Ziel war nicht am Start, son­dern auf der ande­ren Sei­te des Mühltalbades—so muss­te im Ort nichts mehr abge­sperrt wer­den. Genau auf Platz 100 lief ich dort ein—perfektes Timing sozu­sa­gen. Für die 15 Kilo­me­ter (ich habe nicht kon­trol­liert, ob die Stre­cke stimmt) habe ich damit laut offi­zi­el­ler Zeit­mes­sung 1:28:32 gebraucht.

Nach einer Bana­ne und einem alko­hol­frei­en Bier im Ziel sowie eini­gen Plau­de­rei­en über mei­ne „Schu­he“ bin ich dann auch bald zum Duschen im Mühl­tal­bad mar­schiert. Das hat sich ganz gut ver­teilt, obwohl die Duschen nicht gera­de üppig waren. Bei/​nach dem Duschen muss­te ich dann mit Erstau­nen und Ent­set­zen fest­stel­len, dass ich mir rie­si­ge Bla­sen glau­fen habe. Vor allem die lin­ke Fer­se war eine ein­zi­ge gro­ße Blase—seltsam, so etwas ist mir noch nie pas­siert. Ich habe dann zwar noch etwas gewar­tet, aber bis zur Sie­ger­eh­rung schien es noch etwas zu dauer­en, so dass ich mich um 18.20 uhr auf den Weg mach­te, mei­nen Zug noch zu errei­chen: Mit dem Lie­ger ging es über den Feld­rad­weg (mit eini­gem Gehol­per) nach Nie­der-Ram­stadt und dort zum Bahn­hof. Die Ober­schen­kel­mus­kel am Knie mach­ten sich dabei durch­aus bemerk­bar. Dort ging es dann mit dem Zug wei­ter nach Erbach—dieses mal ohne Geme­cker des Zugbegleitpersonals.

Einen Bericht gibt es beim Lauf­re­port, dort auch noch eini­ge Fotos.

Niedrigfrequente Musik aus Österreich

Gut, so ganz neu ist es nicht mehr. Aber manch­mal dau­ert es eben etwas, bis Musik aus dem Alpen­land den Weg zu mir gefun­den hat ;-). Kürz­lich bekam ich also end­lich die neue Schei­be des Low Fre­quen­cy Orches­tra (LFO) in die Hän­de: „Mole“ (bei chma­fu nocords). Es hat ja eine gute Wei­le gedau­ert, seit S aus dem Jah­re 2007 (damals noch bei ein­klang records), bis die Man­nen und Frau­en mal wie­der was von sich hören lie­ßen. Oder auch nicht: Denn der Kern zu Mole wur­de auch schon 2007 gelegt, mit der Auf­nah­me der Mole im ORF-Stu­dio – die natür­lich noch erheb­lich wei­ter bear­bie­tet wur­de. Dafür haben sie für Mole nun noch den mei­ner­seits sehr geschät­zen Kom­po­nis­ten und Orga­nis­ten Wolf­gang Mit­te­rer dazu­ge­holt (bei dem Album­ti­tel (und der ent­spre­chen­den Cover-Art) müss­te man wohl sagen: Ins Boot geholt.).

Was bie­tet die „Mole“ also? Fünf slugs und eine Mole aus­weich­lich des Track­lis­tings. Die slugs sind kur­ze Impres­sio­nen von zwei bis vier Minu­ten, jeweils von einem Mit­glied des LFO ver­ant­wor­tet. Die eigent­li­che „Mole“ ist dann ein gro­ßes, halb­stän­di­ges Gemein­schafts­werk. Man kann viel­leicht sagen: „S“ hat­te mehr Detail­reich­tum, mehr Plas­ti­zi­tät des Klangs – zumin­dest in der Erin­ne­rung auch mehr aus­ge­gli­che­ne Ruhe, die den aus­ge­feil­ten, mini­ma­lis­ti­schen Expe­di­tio­nen in unbe­kann­te Klang­wel­ten erst die not­wen­di­ge Basis, den hilf­rei­chen Anker, einen fes­ten (Bezugs-)Punkt gaben. Ich habe gera­de noch ein­mal nach­ge­hört: Die Erin­ne­rung trügt nicht.

Die „slugs“ sind da etwas anders: schon der hef­ti­ge Ein­stieg bei Angé­li­ca Cas­tel­ló, der uns voll­kom­men unvor­be­rei­tet (immer wie­der …) ins kal­te Was­ser schmeißt, die Unmit­tel­bar­keit, mit der es hier zur Sache und um alles geht – das ist neu. Und span­nend, und über­ra­schend, und ganz oft uner­war­tet: Es scheint fast so, als such­te LFO hier jetzt im Raum des Klan­ges mög­lichst abrup­te Wen­dun­gen. Das geht in den kur­zen Stü­cken ziem­lich kreuz und quer – lang­wei­lig ist das kei­nes­falls. Viel­leicht liegts ja an der klein­tei­li­gen, kon­zen­trier­ten Form: Aber die Ima­gi­na­ti­on scheint mir eini­ge Gra­de wil­der, unge­zähm­ter, blü­hen­der zu sein als vor eini­gen Jah­ren. Viel­leicht daher auch der sehr dis­kon­ti­nu­ier­li­che Ein­druck, der manch­mal ver­däch­tig nach feh­len­dem Ziel, abwe­sen­dem Form­prin­zip klingt … Wenn man aber weiß, dass das so etwas wie Visi­ten­kar­ten oder Kon­zept­pa­pie­re der ein­zel­nen Musi­ker sind/​sein sol­len, wird man­ches kla­rer. Aber erstaun­lich bleibt: Irgend­wie sind das fünf voll­kom­men eigen­stän­di­ge, total ver­schie­de­ne Din­ge. Und doch bil­den sie dann – gleich im Anschluss – so etwas wie eine Ein­heit: Im Modus des LFO ist der Ein­zel­ne kaum noch zu ent­de­cken, sind Klän­ge udn Spiel­wei­sen nicht (mehr) einer Per­son zuzu­ord­nen (Auch die Instru­men­te bie­ten da kaum Hil­fe­stel­lun­gen – wann klin­gen sie hier schon mal allei­ne und pur?). Mathi­as Kochs slug ist z.B. unver­gleich locker, dünn­schich­tig, hell­schei­nend und ‑sich­tig. Maja Oso­j­nik gibt sich grun­dier­ter, modu­liert mehr als Klän­ge (ab- und aufzu-)brechen, lässt die Ideen schwei­fen. Tho­mas Grill ver­liert sich in den end­lo­sen Fein­hei­ten Digi­ta­li­ens ganz wun­der­bar brä­sig bruz­zelnd und knis­ternd. Mati­ja Schel­lan­der schließ­lich ver­knüpft digi­ta­les und anlo­ges Tie­fen­schar­fes auf ganz bestimmt sehr bedeu­tungs­vol­le Weise.

Im gro­ßen „Mole“ ist das sozu­sa­gen klas­si­scher: kom­ple­xer vor allem zunächst mal, unge­heu­er dicht geschich­tet – wor­an Mit­te­rer aus­weich­lich der benutz­ten Klang­er­zeu­ger kei­nen gerin­gen Anteil hat. Viel Span­nung, viel Erwar­tung spielt hier mit, auch der Wil­le zum Aus­druck und die unbe­zähm­te Frei­heit in genau die­sem bre­chen ganz deut­lich her­vor. Manch­mal bil­den sich dann gehörg sku­ri­le Momen­te aus die­sem Kon­glo­me­rat, vor allem aber span­nen­de Ent­de­ckun­gen. Auch der „Freu­de schö­ne Göt­ter­fun­ken“ klingt von Fer­ne wie­der an und durch, genau wie am Schluss von „S“. Musik hören wird hier (bzw. kann!) zur Selbst­be­fra­gung: Was hat das gewursch­tel da mit mir zu tun? Oder über­haupt mit irgend jeman­den? Was löst das aus? Was ändert das? .….… Ganz ver­ges­sen gerät dabei die sowie­so blöd­sin­ni­ge Fra­ge: Was will der/​die Künst­ler damit sagen? – Ver­mut­lich gar nichts, er will, dass ich was sage/​denke …

Jeden­falls: Auch wenn es auf der „Mole“ nicht weni­ge Momen­te der vorübergehenden/​scheinbaren/​täuschenden Ruhe gibt, ist Bewe­gung, Ver­än­de­rung, Fluk­tua­ti­on das Wesent­li­che­re – wie auf einer Mole halt. Klar, die­se Gemein­sam­keit von Ruhe und Bewe­gung in einer Musik, das ist irgend­wie para­dox. Aber was soll’s? Wer, wenn nicht Kunst, darf Para­do­xe para­dox sein las­sen? Der Hörer muss es halt aus­hal­ten (die­je­ni­gen, die sich so etwas anhö­ren, haben mit so etwas meist wenig Pro­ble­me) und irgend­wie mitmachen.

Man kann dann sagen, das sei sub­ver­si­ve Musik (Bad Alche­my deu­tet das an und ver­weist gleicht noch auf den Maul­wurf, der hier sein Unwe­sen trei­be). Aber das ist doch irgend­wie egal. Denn die „Mole“ von LFO und Mit­te­rer ist jeden­falls ganz sicher Musik/​Klang/​Ereignis, das selbst nur ganz weni­ge Kon­stan­ten kennt und aner­kennt, das sich die Frei­heit nimmt, frei zu sein – was in der Pra­xis der Rea­li­tät ja blö­der­wei­se wahn­sin­nig schwie­rig und anstren­gend ist. Dafür kann man den Musi­kern kaum genug dan­ken: Dass sie hier – im Klang (wo auch sonst? in der Spra­che geht so etwas wahr­schein­lich gar nicht (mehr)) – Wege, Löcher, Mög­lich­kei­ten im Leben und um es her­um zei­gen – ob man was draus macht, bleibt jedem selbst überlassen …

Low Fre­quen­cy Orches­tra & Wolf­gang Mit­te­rer: Mole. Chma­fu Nocords 2010.

Verein ohne Mitglieder?

Irgend­wie ist das alles wie­der ganz trau­rig und per­vers: Da hat jemand die Idee, die Netz­ge­sell­schaft (was auch immer das ist) als Lob­by zu orga­ni­sie­ren und grün­det mit wahn­sin­ni­gem Tam­tam einen Ver­ein. Einen Vor­stand hat man auch schon – Mit­glie­der möch­te man aber mög­lichst kei­ne. Die könn­ten ja auch eine Mei­nung haben (das man das in einem Ver­ein nicht zu hoch hän­gen sollt mit der vol­len Betei­li­gung aller Mit­glie­der dürf­te jeder wis­sen, der bei so etwas schon mal mit­ge­macht hat …) – des­we­gen bit­tet man nur um Unter­stüt­zer und Hel­fer, nicht aber um Mit­glie­der. Was soll die­ser Mist? Wie will eine Lob­by­or­ga­ni­sa­ti­on Gehör fin­den, wenn Sie nie­man­den ver­tritt, nie­man­dem zei­gen kann, dass sie eine mehr oder min­der bedeu­ten­de Grup­pie­rung im Volk ist? Einen Ver­ein Mit­glie­dern zu öff­nen heißt ja noch lan­ge nicht zwangs­läu­fig, über alles basis­de­mo­kra­tisch abzu­stim­men. Auch der hat ja einen geschäfts­füh­ren­den Vor­stand. Aber den kann man als Mit­glied wenigs­tens (ab-)wählen und nicht nur „unter­stüt­zen“. Kein Wun­der, dass man sich bei sol­chen Unter­neh­mun­gen ganz vor­nehm „Digi­ta­le Gesell­schaft“ nennt und das „Ver­ein“ nicht so ger­ne her­aus­stellt. Das Vor­bild Gree­peace hat das mei­nes Wis­sens etwas anders gehand­habt – die waren/​sind zwar auch oft mehr als ein Ver­ein (über ihre etwas auf­dring­lich-gewalt­tä­ti­ge Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie – will man das in der Netz­po­li­tik wirk­lich nach­ah­men?), aber sie waren eben doch – auch – ein nor­ma­ler Ver­ein mti allem Drum und Dran. Hier wird das – so sieht es im Moment, der zuge­ge­be­ner­ma­ßen noch sehr früh ist – (wie­der) nur ein eli­tä­re Kreis, der sich mit Namen und (Pseudo-)Organisation den Anspruch gibt, für vie­le zu spre­chen – die­se Vie­le aber auf kei­nen Fall hören mag oder ihnen gar Mög­lich­kei­ten der Mit­be­stim­mung der Rich­tung „ihrer“ Ver­tre­tung ein­zu­räu­men. Und weil ich mich zumin­dest am Ran­de doch zu den Vie­len zäh­le, rege ich mich hier gera­de etwas sehr auf …

Der schi­cke Name hat auch noch den Vor­zug, so schön schil­lernd viel­deu­tig zu sein: Gibt es eine digi­ta­le Gesell­schaft? Ist das ein Ziel? Ist das eine Gesell­schaft wie die Deut­sche Tisch­ge­sell­schaft Achim von Arnims oder meint das Gesell­schaft hier den sozio­lo­gi­schen Begriff? Fra­gen über Fra­gen – ein paar Ant­wor­ten hät­te man sich da doch schon gewünscht – denn eigent­lich will ich das ja gut fin­den, was die Recken um Mar­kust Becke­dahl da anzap­fen. Aber so geht das irgend­wie nicht so rich­tig. Und Leu­te, die so sehr in all­täg­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on ein­ge­bun­den sind wie die Grün­der die­ser Gesell­schaft soll­ten doch sol­che grund­le­gen­den Kom­mu­ni­ka­tio­nen im Griff haben. Wie kann man sie sonst ernst neh­men? Und natür­lich stellt sich auch gleich wie­der die Fra­ge: Ist das gut, hier über die Män­gel der Orga­ni­sa­ti­on zu meckern? Oder soll­te man das ob des heh­ren Ziels lie­ber las­sen um der Poli­tik nicht in die Hän­de zu spie­len?

Digitales Erinnern und Vergessen

Mit gro­ßen Wor­ten spart Vik­tor May­er-Schön­ber­ger nicht: Eine „Tugend des Ver­ges­sens“ beschwört er. Und will sie auch in „digi­ta­len Zei­ten“ umset­zen. Aber eigent­lich ist die­ses – ziem­lich posi­tiv bespro­che­ne – Buch eine Mogel­pa­ckung. Denn Idee, The­ma und Argu­ment May­er-Schön­ber­gers lie­ße sich auf eini­gen weni­gen Sei­ten aus­reich­nd genau dar­stel­len – genau­er wird er hier auch nicht. Er bläst das nur unheim­lich und fast uner­träg­lich auf.

Wor­um es geht ist schnell gesagt: May­er-Schön­ber­ger hät­te ger­ne, dass digi­ta­le Daten ein Ver­falls­da­tum mit auf den Weg bekom­men, an dem sie (auto­ma­tisch) gelöscht, nicht mehr zugäng­lich wer­den. Sein Argu­ment geht unge­fähr so: Die über Zeit und Raum nahe­zu unbe­schränk­te (das nahe­zu fehlt bei ihm schon meis­tens) Ver­füg­bar­keit von Infor­ma­tio­nen ist schäd­lich. Schäd­lich für Indi­vi­du­en und auch für Gesell­schaf­ten. Des­we­gen eben das auto­ma­ti­sche Löschen digi­ta­ler Daten (also z.B. Fotos, Zeit­schrif­ten­ar­ti­kel, Such­da­ten, Pro­fi­le, Ein­käu­fe etc.), um so das „ana­lo­ge“, vor-digi­ta­le „Erin­nern“ zu simu­lie­ren. Das ist so weit eine ganz sym­pa­thi­sche und auch über­haupt nicht ver­kehr­te Idee, auch wenn alter­na­ti­ve Stra­te­gien im Umgang mit der Ubi­qui­tät digi­ta­ler Daten (etwa die Anpas­sung des Ver­hal­tens an die­sen Umstand) bei ihm arg forsch bei­sei­te gewischt werden.

Geär­gert an dem Buch hat mich aber zum einen, dass er ewig weit aus­holt, eine gesamt Geschich­te der Schrift als Medi­um der Erin­ne­rung noch ein­baut (die auch furcht­bar unge­nau und teil­wei­se nicht auf dem aktu­el­len Stand der For­schung ist, so weit ich das über­bli­cken kann). Und dann natür­lich sein Haupt­pro­blem: Die feh­len­de Genau­ig­keit im Umgang mit den Begrif­fen. Gedächt­nis – Erin­ne­rung – Archiv ist hier ein ein­zi­ger Misch­masch, in dem nichts unter­schie­den wird. So spricht May­er-Schön­ber­ger z.B. unent­wegt davon, dass wir digi­ta­le Daten erin­nern (und durchs Löschen eben ver­ges­sen). Genau das ist aber falsch: Sicher, wir archi­vie­ren die. Aber sie sind dann noch lan­ge nicht zwang­läu­fig ein Teil unse­rer Erin­ne­rung. Sie kön­nen es wie­der wer­den, müs­sen es aber nicht. Die­sen Unter­schied zwi­schen (Individuums-)internen und exter­nen Infor­ma­tio­nen macht er ein­fach nicht (bzw. nicht aus­rei­chend genau). Daher kommt dann auch die Ver­wir­rung von Gedächt­nis und Erin­ne­rung und Infor­ma­tio­nen, die digi­tal ver­füg­bar sind. Macht man die­se Unter­schei­dung, nimmt man ihm einen Groß­teil sei­ner groß­spre­che­ri­schen kul­tu­rel­len Ges­te: „Wäh­rend wir frü­her mit der Zeit das meis­te ver­ga­ßen, haben wir heu­te die Mög­lich­keit, uns an das meis­te zu erin­nern.“ (199) – genau das bezweif­le ich eben.1 Das Pro­blem, das muss man ihm zuge­ste­hen, bleibt aber den­noch: Digi­ta­le Daten sind ein­fa­cher, län­ger, orts­un­ge­bun­de­ner ver­füg­bar, das Archiv und die Fin­de­mit­tel wer­den immer umfang­reichr, schnel­ler und bequemer.

Mir jeden­falls scheint ein Plä­doy­er für eine Art des „digi­ta­len Erin­nerns“, die sich der Spei­cher­mög­lich­kei­ten der Com­pu­ter und Netz­wer­ke bedient, aber auch deren Pro­ble­ma­tik bewusst macht (sowohl beim Spei­chern eben als auch beim erinnernden/​rekonstruierenden Abru­fen) eine inter­es­san­te­re, ange­mes­se­ne­re Reak­ti­on als das blo­ße Simu­lie­ren der Unge­nüg­sam­kei­ten bis­he­ri­ger Auf­zeich­nungs­me­tho­den im digi­ta­len Raum. Ich bin mir näm­lich über­haupt nicht so sicher wie May­er-Schön­ber­ger, dass die „analoge“/vor-digitale Form des Gedächtnisses/​Erinnerns eine evo­lu­tio­nä­re Lei­sung ist, die allein dem Men­schen gemäß ist. Aber das wird sich noch zeigen …

Vik­tor May­er-Schön­ber­ger: Dele­te. Die Tugend des Ver­ges­sens in digi­ta­len Zei­ten. Ber­lin: Ber­lin Uni­ver­si­ty Press 2010. 264 Sei­ten. ISBN 978−3−940432−90−2.

Show 1 footnote

  1. Mal ganz abge­se­hen davon, dass das alles für nur einen Bruch­teil der Mensch­heit gilt – mit aus­rei­chen­dem Zugang zu den ent­spre­chen­den Res­sour­cen … ↩

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