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Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Land

„Man kann ein Stück Land besit­zen, ohne es genau zu wis­sen und ohne jemals zu erfah­ren, ob noch immer ein Irr­licht dort umgeht oder nicht.“ (Katha­ri­na Hacker, Eine Dorf­ge­schich­te, 61)

Die Römer und die Kartoffel

Manch­mal hat es eben doch einen guten Grund, wenn über die Pro­vinz gelacht und gespöt­telt wird. Zum Bei­spiel die­sen hier:

Oder den hier:

(bei­des Bei­spie­le aus aktu­el­len Fly­ern, von der Home­page der Aus­stel­lung „Leben im Römi­schen Reich“.)

Das ist ja so blöd, dass man eigent­lich gar nicht mehr lachen kann. Und es sticht auch der­ma­ßen ins Auge, dass es doch irgend jeman­dem hät­te auf­fal­len müs­sen. Zumal man ja nicht gera­de Spe­zi­al­wis­sen benö­tigt, um die­sen Feh­ler zu erken­nen, das darf (und kann) auch ein Grafiker/​Setzer wissen …

Die Kar­tof­fel­wo­chen schei­nen im Oden­wald wirk­lich eine nach­hal­ti­ge Wir­kung gehabt zu haben (und nur neben­bei: Es ist ja nicht so, dass die Kar­tof­fel als Agrar­pro­dukt im Oden­wald noch irgend eine Rol­le spie­len wür­de. Im Müm­ling­tal zumin­dest – das über­bli­cke ich zumin­dest halb­wegs – wird sie fak­tisch nicht mehr ange­baut. Zumin­dest nicht in aus­rei­chen­den Men­gen) und sogar rück­wir­kend zu wir­ken, mit der Kraft, schlap­pe 1500 Jah­re (ganz grob geschätzt, ich weiß …) zu über­sprin­gen. Und die Geschichts­leh­rer vor Ort freu­en sich auch sehr, wenn sie sehen, was ihre ehe­ma­li­gen Schü­ler und jet­zi­gen Küchen­chefs so alles gelernt haben.

Kein Wun­der, dass „Land“ und „Pro­vinz“ zum Schimpf­wort ver­kom­men sind.

Taglied 29.12.2011

Heu­te war der Tag der Orgel­mu­sik. Neben Bach (Léon Ber­bens Auf­nah­me der „Kunst der Fuge“ – sehr schön!), Cas­tel­nuo­vo Tedes­co und den berau­schen­den Klän­gen des „Mann­hei­mer Wun­der­werks“ fand unter ande­rem die recht fri­sche SACD von Gun­ther Rost (erschie­nen bei dem fei­nen Label Oehms) noch ein­mal ihren Weg in mein Ohr: Die 24 Pré­ludes von Cho­pin, op. 28, spielt er dafür auf der gro­ßen Orgel der Stifts­ba­si­li­ka Keve­laer. Auch wenn man das natür­lich alles genau mit dem Kla­vier­klang im Ohr hat, ist das eine wun­der­bar far­ben­präch­ti­ge Ange­le­gen­heit. Oder viel­leicht auch gera­de des­we­gen? Egal, jeden­fall nutzt Rost sei­ne Mög­lich­kei­ten und die des Instru­ments treff­lich aus, um hier 24 ent­zü­cken­de, berau­schen­de und berü­cken­de Minia­tu­ren zu zau­bern, zum Bei­spiel die Pré­ludes No. 8 und 9:

[wpau­dio url=„http://www.gunther-rost.com/fileadmin/img/mp3s/Chopin_Op28_8und9.mp3“ text=„Gunther Rost spielt die Pré­ludes 8 & 9 aus op. 28 von F. Cho­pin“ dl=„0“]

Müde beim 7. MMM

Schon wie­der nix …

Der mitt­ler­wei­le schon sieb­te Main­zer Maarauer-(Ultra-)Marathon, kurz MMM, star­te­te die­ses Mal nicht am Sams­tag mor­gen. Son­dern am 23.12., also am Tag vor Hei­lig Abend. Und um 22 Uhr—also qua­si mit­ten in der Nacht. Trotz­dem waren so vie­le Läu­fer wie noch nie am Start, über zwan­zig Ver­rück­te bega­ben sich auf die fünf Run­den, die—bei einer Run­den­län­ge von 9 km ganz logisch—45 Kilo­me­ter Gesamt­stre­cke und damit eben gera­de so einen Ultra erge­ben. Nicht alle sind aber ange­kom­men. Und ich war einer von denen.

Dabei hat­te alles so gut ange­fan­gen. Gleich auf den ers­ten Metern, noch auf der Kost­hei­mer Main­brü­cke, fand sich ein Trio zusam­men, des­sen Tem­po mir gefiel. So sind wir gemüt­lich und eini­ger­ma­ßen gleich­mä­ßig los­ge­zo­gen, irgend­wo um die 6 Minuten/​km müs­sen das gewe­sen sein. Kilo­me­ter um Kilo­me­ter fiel, und ruck­zuck waren wir schon wie­der auf der Main­spit­ze, wo uns Bri­git­te und Tho­mas, die den Ver­pfle­gungs­stand und die Läu­fer wun­der­bar betreu­ten, schon emp­fin­gen. Nach einem kur­zen Nuckeln an der Trinkflasche—pures Main­zer Was­ser ;-) —ging es auch gleich auf die zwei­te Run­de. Mei­ne Bei­ne waren noch fast ent­spannt und gera­de­zu unver­schämt locker. Auch die zwei­te Run­de absol­vier­ten wir wei­ter­hin schön gleich­mä­ßig und ohne Pro­ble­me. Bei der drit­ten Drei­brü­cken­run­de wur­de es dann aller­dings inter­es­sant, zumin­dest für mich: Irgend­was stimm­te nicht mehr. Und es waren nicht die Bei­ne, die waren zwar nicht mehr tau­frisch, aber immer noch erstaun­lich leben­dig und fit. Aber der Kopf woll­te nicht mehr: Die Müdig­keit wur­de anstren­gend. Vor allem, weil mein Kreis­lauf sich mit dem Kopf soli­da­ri­sier­te und unge­ach­tet des kon­ti­nu­ier­li­chen Lau­fens seit gut zwei Stun­den beschloss, dass nun die nor­ma­le Schla­fens­zeit sei und ent­spre­chend redu­zier­te. Das führ­te zu selt­sa­men Zuständen—nein, kein Deli­ri­um, so schlimm war es nicht. Aber ab der zwei­ten Hälf­te der drit­ten Run­de beglei­te­te mich doch ein per­ma­nen­tes Schwin­del­ge­fühl, ein Gefühl, als wür­de ich jeden Moment umkippen—und doch lief und lief ich ein­fach wei­ter … So rich­tig behag­te mir das aber nicht, um es vor­sich­tig aus­zdrü­cken. Eigent­lich hat­te ich wie­der mal genug. Doch Bri­git­te und Tho­mas lie­ßen mich nicht so leicht vom Haken: Mit lie­be­vol­ler Umsor­gung und in Beglei­tung von Pierre, der auch etwas schwä­chel­te, nahm ich die vier­te Run­de doch noch in Angriff. Wirk­lich bes­ser wur­de es aber nicht, über­haupt nicht. Im Gegen­teil, fast: Das Schwin­del­ge­fühl ver­stärk­te sich eher noch. Spä­tes­tens ab der Theo­dor-Heuss-Brü­cke war mir dann end­nül­tig klar: Das wird ein DNF, nach die­ser, der vier­ten, Run­de bre­che ich das gan­ze ab.

Und so geschah es dann auch. Immer­hin schaff­ten wir es, kurz vor der Main­spit­ze noch zwei Läu­fer zu überrunden—und uns selbst nicht über­run­den zu las­sen. Das aber nur knapp, Jens kam kurz nach uns an—nur war er eben schon am Ende der fünf­ten Runde.

Ich hät­te ja nicht gedacht, das mich das Lau­fen in der Nacht so fer­tig macht. Aber viel­leicht habe ich die Tage zuvor auch ein­fach zu wenig geschla­fen. Nun ja, es gibt immer ein nächs­tes Mal. Beim Lau­fen sowie­so und beim MMM ganz bestimmt.

Taglied 28.12.2011

Heu­te ist mal wie­der die wun­der­bar äthe­risch-ver­spiel­te Musik von Ulri­ke Haa­ge, vor allem die CD „SÉla­vy“, viel gelau­fen bei mir. Und genau des­halb gibt es heu­te ein Video eines ihrer Live-Auf­trit­te (zusam­men mit dem Per­kus­sio­nis­ten Eric Schae­fer), mit dem Titel „Fin­ger­prints“, ein schö­nes, ein­fa­ches Stück Musik:

Taglied 27.12.2011

Weih­nach­ten ist vor­bei, die Nor­ma­li­tät kehrt zurück. Naja, fast …
Die Musik des Tages kommt heu­te von einer ganz inter­es­san­ten Zusam­men­ar­beit von nuBox und DJ Ill­vi­be, die 2007 auf „Next Twist“ doku­men­tiert wur­de. Soweit ich weiß, gibt es nur die­se eine CD – obwohl ich ger­ne mehr davon hät­te … Da fin­den sich vie­le schö­ne Tracks, zum Bei­spiel das initia­le „Del­ta Due“. Oder das hier, „Fat Frumos“:

Taglied 26.12.2011

Weih­nach­ten auf Dro­ge … Und wahr­schein­lich die ein­zi­ge Art, wie man mit „Jing­le Bells“ über­haupt noch musi­ka­lisch umge­hen kann – so wie die A‑Cap­pel­la-Groß­meis­ter Raja­ton es tun (aller­dings auf finnisch …):

Taglied 25.12.2011

Heu­te gibt es nicht viel zu über­le­gen, son­dern etwas ganz offen­sicht­li­ches: Die Weih­nachts­his­to­rie von Hein­rich Schütz, zum Bei­spiel in die­ser ganz ordent­li­chen Ver­si­on des Mon­te­ver­di-Chors Würzburg:

Taglied 24.12.2011

Heu­te muss es natür­lich ein Weih­nach­stlied sein. Aller­dings in etwas ande­rem Gewand. Und zwar von dem Pro­jekt „Alte Weih­nachts­lie­der neu“, das Chris­ti­an Stey­er vor eini­ger Zeit in Ber­lin recht erfolg­reich ins Leben ruf und das genau das tut, was der Name sagt: Alte Weih­nachts­lie­der neu sin­gen – in der Regel a‑cappella und in wirk­lich schö­nen Sät­zen. Zum Bei­spiel das hier, „Es kommt ein Schiff geladen“:

Exklusiver Tee aus Nepal

Der „Nepal Hima­la­yan Spring“ von Jun Chi­ya­ba­ri ist schon län­ger einer mei­ner Lieb­lings­tees. Mein Dea­ler, Kolod­ziej & Lie­der, hat den jetzt aber noch in einer neu­en Vari­an­te. Oder bes­ser gesagt, in zwei: Nach Abtei­lun­gen des Tee­gar­tens sor­tier­te Pflü­ckun­gen, also so etwas wie die Lagen beim Wein­bau. „First Flush – Exclu­si­ve“ nennt sich das. Dar­an konn­te ich natür­lich nicht vor­bei­ge­hen … Als ers­tes pro­bie­re ich gra­de den Tee der „Ram­che-Divi­si­on“, wie das auf der Packung heißt.

Der Tee gilt offi­zi­ell als Oolong, ist aber nur sehr leicht oxi­diert. Das sieht man schon am Blatt, mit hel­len, grü­nen und sil­ber­nen Spit­zen, sehr locker und etwas auf­ge­rollt fällt das Blatt in mei­ne Kan­ne und ver­strömt schon tro­cken den fruch­ti­gen Geruch, den ich von den Chi­ya­ba­ri-Tees ken­ne. Erst im feuch­ten Zustand sieht man dann, wie groß das Blatt die­ser Pflü­ckung wirk­lich ist.

Die Tas­se ist dann ganz unauf­ge­regt, ein hel­les, nur dezent gold-gelb schim­mern­des Braun. Und ein zar­ter, ver­füh­re­ri­scher Duft nach Früh­ling und nach drau­ßen, fri­scher Luft und wei­ter Land­schaft … Und er schmeckt auch wun­der­bar deli­kat: Das ist mehr Ver­hei­ßung als Erfül­lung, ein Traum ein­fach. Vor allem, wenn man sol­che unauf­ge­reg­ten, unauf­dring­li­chen, aber wohl­kom­po­nier­ten Tees mag. Das Aro­ma ist ein­fach da, rund und aus­ge­wo­gen, nie auf­dring­lich, aber inten­siv – ein­fach betö­rend. Und noch einen Tick „bes­ser“ als die gewöhn­li­che Ern­te. Das ist natür­lich nicht ganz bil­lig, aber jeden Cent wert!

Tee: Nepal Hima­la­yan Spring 2011 Ram­che-Exclu­si­ve, Jun Chi­ya­ba­ri First Flush von Kolod­ziej & Lie­der.
Zube­rei­tung: 15 Gramm Tee für 1,5 Liter kochen­des Was­ser, 2:30 Minu­ten Ziehzeit.

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