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Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Taglied 27.8.2012

Gil Evans Orches­tra & Hiram Bul­lock beim New­port Jazz Festival:

Gil Evans Orches­tra fea­turing Hiram Bul­lock ‑Stone- MADARAO ’92

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Songs for Kommeno

„Songs for Kom­meno“ ist ein ambi­tio­nier­tes Pro­jekt: Mit den acht Jazz-Songs will Gün­ter Baby Som­mer auf das Mas­sa­ker einer deut­schen Wehr­machts­ein­heit im grie­chi­schen Kom­meno am 16.8.1943 erin­nern. Und das umfang­rei­che Büch­lein dazu doku­men­tiert die Ernst­haf­tig­keit, mit der sich Baby Som­mer auf die Auf­ga­be, den Ort, die Geschich­te ein­ge­las­sen hat (aller­dings nicht so sehr das Gesche­hen selbst). 

So weit, so gut. Aber „Songs for Kom­meno“ hat lei­der einen gro­ßen Nach­teil: Musi­ka­lisch lässt mich die CD reich­lich kalt. Das ist mir alles arg betu­lich und viel zu lang­wei­lig – und zugleich immer so bedeu­tungs­schwan­ger. Viel­leicht hät­te ich erst­mal ein­fach die Musik hören sol­len, ohne nähe­re Infor­ma­tio­nen. Hat man die Tex­te im groß­zü­gi­gen Begleit­buch gele­sen, geht das aber nicht mehr: Die Musik kann dann nicht mehr für sich ste­hen, sie muss mehr sein. Näm­lich Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung in irgend­ei­ner Form, Erin­ne­rung, auch Erin­ne­rungs­po­li­tik, zugleich Vesöh­nung und Bit­te um Ver­ge­bung und so wei­ter. Das ist (in mei­nen Ohren) doch ein biss­chen viel für die­se Klän­ge. Viel­leicht funk­tio­niert das für ande­re Hörer her­vor­ra­gend, viel­leicht hat es auch am qua­si authen­ti­schen Ort gelin­gen kön­nen – in mei­nem Heim, wo ich im beque­men Ses­sel sit­ze und drau­ßen der ers­te Vor-Herbst-Regen nie­selt, klappt das aber ein­fach nicht. Aber ich bin bei sol­chen Unter­neh­mun­gen (fast) immer recht skep­tisch – mei­ner Erfah­rung nach wird dabei die Musik (und die ist es beson­ders, die für sol­che Pro­jek­te ein­ge­spannt wird) mit einer Auf­ga­be über­frach­tet, die sie ein­fach nicht leis­ten kann – näm­lich kon­kre­te Inhal­te irgend­wie zu trans­por­tie­ren. Aber das sind grund­sätz­li­che Ein­stel­lun­gen, was man von Musik erwar­ten will und ihr an kom­mu­ni­ka­ti­ven Auf­ga­ben (im wei­te­ren Sin­ne) zu-muten möch­te. Ich bin da gene­rell sehr zurück­hal­tend, weil ich über­zeugt bin, dass Klang und Form (um das mal so abs­trakt zu las­sen) die bes­se­ren Ver­mitt­lungs­in­stan­zen sind – und auch ohne bestimm­te bzw. bestimm­ba­re Inhal­te Men­schen bewe­gen und letzt­lich auch ver­än­dern können. 

Aber, um noch mal von den grund­sätz­li­chen Din­gen zurück zu den „Songs for Kom­meno“ zu kom­men: Ganz abge­se­hen von die­sem gan­zen Hin­ter­grund ist die Musik hier zwar oft schön (Baby Som­mer ist natür­lich ein sehr guter Schlag­zeu­ger und auch Flo­ros Flo­ridis ein tol­ler Kla­ri­net­tist), aber für mei­nen Geschmack zu flach, zu ein­di­men­sio­nal – kurz: ein­fach zu lang­wei­lig. Da hilft auch die geborg­te Authen­ti­zi­tät des Kla­ge­ge­sangs einer Über­le­ben­den nicht. Und die grie­chi­sche Natio­na­li­tät der betei­lig­ten Musi­ker. Ich blei­be skep­tisch: Ich hal­te Musik (und Kunst all­ge­mein) nicht für das idea­le Medi­um des Umgangs mit Geschich­te, schon gar nicht mit kon­kre­ten Ereig­nis­sen. Das tut bei­den Sei­ten nicht gut.

Gün­ter Baby Som­mer (mit Savina Yan­n­a­tou, Flo­ros Flo­ridis, Evge­ni­os Voul­ga­ris, Spi­li­os Kas­ta­nis): Songs for Kom­meno. Intakt Records CD 190, 2012.

Taglied 25.8.2012

Frie­de­mann Wei­se, Neu­es Video:

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Taglied 22.8.2012

Heu­te ist ja klar, dass etwas von Karl­heinz Stock­hausen kom­men muss. Zum Bei­spiel der immer wie­der schö­ne, span­nen­de und über­ra­schen­de „Gesang der Jüng­lin­ge“ – auch schon fast 60 Jah­re alt:

Mind – Karl­heinz Stock­hausen Gesang der Jünglinge

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Eisenbahnfahrrad

Das Eisen­bahn­fahr­rad die­ser rus­si­schen Gedar­men auf einer Auf­nah­me von ca. 1890 gefällt mir. So etwas habe ich noch nie gesehen:

Russische Gendarmen, ca. 1890

Rus­si­sche Gen­dar­men, ca. 1890, mit inter­es­san­tem Fortbewegungsmittel

via schma​len​stroer​.net

Profis der Saxophone und der Unterhaltung

So ein aus­ge­las­se­nes Trei­ben hat der Kreuz­gang von St. Ste­phan wohl sel­ten erlebt – wenn über­haupt. Fünf jun­ge Män­ner sind es, die das Publi­kum hier zum Kochen brin­gen. Bei den Tem­pe­ra­tu­ren ist das ja auch nicht so schwie­rig. Doch „Sign­um­Fi­ve“, die vier Saxo­pho­nis­ten und der Akkor­deo­nist hät­ten auch mit ark­ti­scher Käl­te kein Pro­blem. Denn ihre Hit­ze kommt von wo ganz anders her: aus der Musik. Für das letz­te Kon­zert des dies­jäh­ri­gen Main­zer Musik­som­mers neh­men sie ihre Zuhö­rer auf eine Rei­se mit. Gas­per Konec’s Werk, das der jun­ge Kom­po­nist für Sign­um­Fi­ve schrieb und das in Mainz sei­ne zwei­te Auf­füh­rung erfuhr, trägt das sogar im Titel: „Jour­ney“. Aber nicht nur hier geht es dar­um, die Nor­ma­li­tät des mit­tel­eu­ro­päi­schen Kon­zert­ge­sche­hens zu verlassen. 

Kon­ec macht in „Jour­ney“ so eine Rei­se hör­bar: Das fängt sehr gesit­tet und zurück­hal­tend an, gibt den Saxo­pho­nis­ten aber von Beginn an die Mög­lich­keit, ihren Klang­sinn und ihre Melo­di­en­se­lig­keit aus­zu­le­ben. Über­haupt dür­fen die Freun­de ein­gän­gi­ger, ein­fa­cher und gefühls­vol­ler Melo­dien sich hier glück­lich füh­len – für sie gibt es reich­lich Mate­ri­al. „Jour­ney“ schafft immer­hin den Bogen noch, mit Unter­stüt­zung ihres Akkor­deo­nis­ten gelingt es dem Saxo­phon­quar­tett, die quir­li­ge Leben­dig­keit des tän­ze­ri­schen Schluss­teils zu einer fet­zi­gen Sache zu machen. Und dar­um scheint es ja immer wie­der zu gehen: Mit einer Mischung aus meist etwas melan­cho­lisch ange­hauch­ten Folk­lo­re­me­lo­dien und wir­beln­den Tanz­mu­si­ken Unter­hal­tung auf hohem tech­ni­schen Niveau zu bie­ten. Anto­nin Dvo­raks „Ame­ri­ka­ni­sches“ Streich­quar­tett in einem Arran­ge­ment für Saxo­pho­ne, mit dem Sign­um­Fi­ve das Kon­zert eröff­ne­te, wirkt da im Rück­blick wie ein ech­ter Fremd­kör­per. An die Sub­ti­li­tät und Viel­schich­tig­keit eines guten Streich­quar­tett lan­gen die vier Blä­ser aber auch nicht so recht her­an – alles, was nicht „Melo­die“ schreit, ver­schwin­det gern im grum­meln­den Hin­ter­grund. Nach die­sem klei­nen Klas­sik-Fei­gen­blatt zu Beginn wid­men sie sich aber zum Glück auch vor­ran­gig dem, was sie am bes­ten kön­nen: der niveau­vol­len Unter­hal­tung und der instru­men­ta­len Vir­tuo­si­tät. Ein Tan­go gehört da natür­lich auch dazu, hier kommt er von dem Fran­zo­sen Thier­ry Escaich und trägt das ent­schei­den­de „vir­tuo­so“ schon im Titel. Eine ande­re Ecke der Welt nimmt Cagdas Dön­me­zer unter die akus­ti­sche Lupe: „Kara­wan­se­rei“ folgt den Spu­ren einer Kara­wa­ne, mit Kamel­stap­fen und Lager­feu­er­ro­man­tik, mit Kla­ge­lie­dern und Freu­de­tän­zen. Izi­do Leit­in­gers „Sui­ta qua­si bal­ka­nika“ ist dann zum krö­nen­den Schluss ein ech­tes Heim­spiel für die instru­men­ta­le Kön­ner und Vir­tuo­sen der Stim­mung von Sign­um­Fi­ve – auch wenn, der Titel ver­rät es ja, nicht alles „echt“ ist. Aber echt und ganz und gar authen­tisch ist die Stim­mung die­ser Musik. Das ist näm­lich auch ihr ein­zi­ger Zweck und ihre ein­zi­ge Daseins­be­rech­ti­gung: Froh­sinn zu ver­brei­ten. Dafür las­sen die Saxo­pho­nis­ten nicht nur die Klap­pen tan­zen, son­dern klat­schen, schnal­zen, schnick­sen und sin­gen auch noch – als hät­ten sie noch nicht genug Noten zu spie­len. Aber bei aller durch­aus auch gern vor­ge­führ­ten Vir­tuo­si­tät ver­ges­sen sie nie ihr eigent­li­ches Ziel: Dem Publi­kum einen schö­nen Abend zu berei­ten. Sign­um­Fi­ve sind eben Pro­fis: Pro­fis, die viel Spaß bei der Arbeit haben. Und die­sen auch sehr ger­ne weitergeben.

(geschrie­ben für die Main­zer Rhein-Zeitung.) 

Taglied 20.8.2012


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Taglied 17.8.2012

Arthur Ber­ger: Duo für Cel­lo und Kla­vier (1951)

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Liebe, Leiden und Alchimie

Ein klei­nes Arse­nal an Lau­ten und die bereit lie­gen­de Vio­la da gam­ba vor dem Altar ver­ra­ten selbst dem zufäl­li­gen Besu­cher der Semi­nar­kir­che, das hier etwas Beson­de­res statt­fin­det. Und in der Tat, das vor­letz­te Kon­zert des dies­jäh­ri­gen Musik­som­mers ist noch ein­mal ein ech­tes High­light. Hil­le Perl, Lee San­ta­na und Doro­thee Mields sind mit ihrem „Loves Alchy­mie“ beti­tel­ten Pro­gramm in Mainz zu Gast. Die Samm­lung ver­schie­de­ner Lau­ten, die Lee San­ta­na bereit gelegt hat, ist sym­pto­ma­tisch. Denn kei­ner der drei gibt sich mit ein­fa­chen Lösun­gen zufrie­den. Exten­si­ve und inten­si­ve Viel­falt ist statt­des­sen angesagt.

Dabei ist es schein­bar ein ganz ein­ge­schränk­tes, mono­the­ma­ti­sches Pro­gramm, die­se „Loves Alchy­mie“. Ver­to­nun­gen der soge­nann­ten meta­phy­si­schen Dich­tung aus dem baro­cken Eng­land des 17. Jahr­hun­derts haben sich die drei Musi­ker aus­ge­sucht. Und die krei­sen immer wie­der um Lie­be und Tod, viel mehr gibt es da nicht. Aber das ist bei ande­ren Barock­dich­tern ja ähn­lich. Doch schon die Ver­to­nun­gen bre­chen aus die­ser schein­ba­ren Ein­öde aus: Airs, Grounds, Fan­ta­sien, Varia­tio­nen, Lau­ten­lie­der von bekann­ten Kom­po­nis­ten wie John Dow­land und Hen­ry Pur­cell ste­hen neben sol­chen von ver­ges­se­nen Meis­tern wie John Wil­son, Tobi­as Hume oder John Jenk­ins. Aber sie alle wen­den die Melan­cho­lie, die gedrück­te Stim­mung von Todes­nä­he und Lie­bes­schmerz (die oft genug zusam­men hän­gen) in erbau­li­che und unter­hal­ten­de Musik – Unter­hal­tung frei­lich, die von fei­nen Dif­fe­ren­zie­run­gen lebt. Und dafür sind die drei ohren­schein­lich Spe­zia­lis­ten. Jeder ein­zel­ne weiß in der Augus­ti­ner­kir­che zu begeis­tern – und das Zusam­men­spiel in naht­lo­ser Har­mo­nie sowie­so. Hil­le Perl fas­zi­niert mit ihrer leben­di­gen Dyna­mik, Lee San­ta­na mit fein­glied­ri­gem Tief­sinn. Und dann ist da schließ­lich Doro­thee Mields, die dem gan­zen Stim­me ver­leiht. Denn die Sopra­nis­tin ist nicht nur wun­der­bar ver­ständ­lich, son­dern auch wun­der­bar facet­ten­reich, weich und so reich an Klang­far­ben, dass bei ihr kei­ne zwei Wör­ter gleich klingen. 

Mal nach­denk­lich und sin­nie­rend, mal intim, dann wie­der ent­rückt und ganz ver­son­nen – kaum eine emo­tio­na­le Bewe­gung bleibt bei die­sem Trio außen vor. Ganz beson­ders noch ein­mal im Schluss, der mit süßer Ver­zü­ckung ein­ge­läu­tet wird: „Swee­test Love, I doe not goe“ ist Ver­füh­rung pur, die mit einer zart-figu­ra­tiv ver­spon­nen Lau­ten­fan­ta­sie von Lee San­ta­na zurück­hal­tend prä­zi­se fort­ge­führt wird und im gran­dio­ses Schluss mün­det: „The Expi­ra­ti­on“, das „Aus­hau­chen“ eines anony­men Kom­po­nis­ten. „So brich doch die­sen letz­ten Kuss ab, der so klagt“, heißt es dort, und die Sän­ge­rin schließt mit dem simp­len Wört­chen „fort“ – da möch­te man wirk­lich gera­de­wegs mit ihr gehen, das muss der Weg ins Para­dies sein, so rein und ver­füh­re­risch singt Mields das über der Beglei­tung von San­ta­na und Perl. Statt­des­sen zwingt der stür­mi­sche Applaus aber alle wie­der gna­den­los zurück in die Welt und den Alltag.

(geschrie­ben für die Main­zer Rhein-Zeitung.) 

Taglied 16.8.2012

„Im Arsch“ – Jan Delay & Udo Lindenberg

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