die berichterstattung und/oder kritik der interpreten-superstars auf dem gebiet der klassik. der erste große fall war anna netrebko: anfangs waren alle begeistert (gut, manche mehr und fachlich weniger fundiert als andere), bis ihnen dann nach einer weile der hype selbst auf die nerven ging und ihnen außerdem auffiel, dass sie zwar gut oder auch sehr gut ist (in dem eingeschränkten repertoire, das sie bisher zeigte), dass das aber noch lange nicht diesen wahnsinnsrummel und diese vergötterung, diese verabsolutierung rechtfertigt. und jetzt passiert schon wieder so etwas, dieses mal mit lang lang. gut, er hat der ernsthaften kritik (die ja zunächst auch von ihm ziemlich angetan war) eine steilvorlage geliefert, indem er mit seinen hit-konzerten auf open-air-tournee ging – das zeigte auch dem letzten hörer und schreiber, worum es ihm wirklich geht – nämlich eben nicht um die musik (egal was er beteuert), sondern um geld und ruhm – das sind die einzigen gründe, die so etwas legitimieren. die süddeutsche hat ihn dann hetue im großen aufmacher des feuilletons auch glatt als „musikentertainer” bezeichnet: das trifft das phänomen vollkommen. reinhard brembeck versucht aber auch gleichzeitig, das ganze noch durch einen rekurs auf die geschichte des konzertwesens zu retten: „Sie alle stehen für eine Rückkehr zu den Wurzeln des Konzertwesens im 19. Jahrhundert, als Klassik ein vor allem gesellschaftliches Ereignis war, bei dem weniger die Kunst als das Event im Vordergrund stand.” Das Problem mit solchen Behauptungen: sie stimmen schon – irgendwie. sie sind aber auch nicht ganz richtig. denn natürlich hat brembeck recht, wenn er die großen virtuosenschaustücke und ihre darbietungen (liszt, paganini …) meint. aber das betrifft eben nicht das ganze 19. jahrhundert. und auch nicht das ganze konzertwesen, sondern nur einen teil. doch genau das ist ja das problem – und der grund, warum es solche phänomene (wie lang lang) gibt: weil die medien, selbst die sogenannten qualitätsmedien, alles verschlagworten müssen.

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