und wenn es zei­gen muss, dass die all­ge­mei­nen vor­stel­lun­gen nicht ganz dane­ben lagen.…

der schnei­den­de klang der sheng mischt sich unauf­fäl­lig mit dem näseln der erhu und dem zir­pen der unzäh­li­gen sai­ten von zheng, yang­qin und pipa: im foy­er des swr ist eini­ges anders als sonst. die fünf solis­ten des natio­na­len film­or­ches­ters aus peking sind auf ein­la­dung der vil­la musi­ca und des swr gekom­men, um in mainz zu zei­gen, wie sich „der klang chi­nas“ anhört. „der“ klang meint hier expli­zit den tra­di­tio­nel­ler musik, alter und neu­er, in ver­schie­de­nen beset­zun­gen. und dazu gehö­ren eben vor allem und zuerst ein­mal die exo­ti­schen instru­men­te: die sheng ist eine art mund­or­gel, die erhu ähnelt ent­fernt einer gei­ge mit zwei sai­ten, ohne griff­brett und put­zig klei­nem kor­pus – die ähn­lich­keit besteht im grun­de also nur dar­in, dass es ein streich­in­stru­ment ist. zheng ist ein zither-ähn­li­ches instru­ment, wohin­ge­gen yang­qin bloß die chi­ne­si­sche vari­an­te des hack­bretts und pipa eine lau­te ist.
das ist alles reich­lich selt­sam und unge­wohnt, die foto­ap­pa­ra­te der deut­schen kli­cken und kla­cken auch unent­wegt. und doch ist die musik gar nicht so viel anders: man ver­steht es schon irgend­wie – oder glaubt zumin­dest, es zu tun.
der klang der instru­men­te und die art des zusam­men­spie­lens ist zunächst der größ­te unter­schied. doch je genau­er man hin­hört, des­to ver­trau­ter wird das. das chi­ne­si­sche hack­brett etwa unter­schei­det sich kaum von der euro­päi­schen vari­an­te, wird aller­dings hoch­vir­tu­os ein­ge­setzt: die schle­gel wir­beln über die sai­ten, das kann man kaum noch mit­ver­fol­gen. auch die zheng erscheint nicht ganz so fremd: eigent­lich nur eine etwas unge­wöhn­lich zither. dern ton­hö­hen sich vari­ie­ren las­sen und deren klang mit der zwei­ten hand tief­grei­fend ver­än­dernd wer­den kann: vom zit­tern­den vibra­to bis zum dröh­nen­den brum­men rei­chen die möglichkeiten.
und alles steht im diens­te eines poe­ti­schen musik­ver­ständ­nis. man muss sich nur die titel anschau­en – die sind selbst schon rei­ne poe­sie: „der pfau begrüßt den früh­ling“, „blü­hen­de mond­nacht auf dem früh­lings­fluss“ oder „blü­hen­de blu­men und der voll­mond“. und so erscheint die musik auch: immer sehr beschrei­bend, die natur oder ein mythi­sches gesche­hen abbil­dend, immer in gro­ßer har­mo­nie und ein­tracht – was nicht heißt, dass da stets belang­logs dahin plät­schert: titel wie der „kampf gegen den tai­fun“ oder tanz­mu­si­ken ent­fa­chen auch unge­heu­re wir­bel – mit fünf instru­men­ten kön­nen die chi­ne­sen jeden­falls eine men­ge dampf machen.