und der rest des konzertes war auch nicht ganz schlecht – obwohl ich mit dem ganzen tango-kram ja nicht viel anfangen kann…
zum kern vordringen, das ist die vornehmste aufgabe jedes künstlers: zum inneren des werkes, der kunst überhaupt und des lebens sowieso. und das ist eine intellektuelle, emotionale und ästhetische aufgabe, die vielen interpreten erst nach langen jahren der kunstausübung und des lebens gelingt. aber ausnahmen gibt es immer wieder, manchmal gelingt die expedition ins innen sogar jungen musikern. der geiger linus roth scheint zu dieser auserlesenen schar zu gehören. denn beim mainzer musiksommer spielte er sich in die erste liga mit schumanns zweiter violinsonate op. 121. gemeinsam mit seinem pianisten josé gallardo, der nie bloßer begleiter, sondern immer ein fantastisch sensibler partner war, gelang ihm hier das wahre kunststück. schon mit den allerersten akkorden, mit ihrer geballten kraft, ihrer aufrüttlenden klanglichkeit und ihrer scharfen präzision zeigt das duo, wieviel anders die musik seit mozart geworden ist. damit hatten sie ihr konzert nämlich begonnen, mit dessen b‑dur-sonate für klavier und violine kv 454 ein solider auftakt, dem aber ganz eindeutig die inspiration fehlte, die ihre schumann-deutung so berauschend intensiv werden ließ. das besondere war in diesen augenblicken nicht nur die klangliche intensität, die durch ständige balanceakte perfekt austarierte zusammenarbeit. nein, was das wirklich großartig machte, war die zwanglose selbstverständlichkeit, mit der bei ihnen schumanns sonate ihre form erhält: obwohl die traditionellen satzmuster durchaus noch gelten, scheint es im schloss waldthausen so, als sei die musik hier schon auf dem weg zur freien form. und tatsächlich ist genau das ja auch das besondere an dieser sonate: die auflösung von lange geglaubten gewissheiten ins unsichere, ins labile bei schumann wird sich das in seiner psychischen erkrankung noch ganz deutlich manifestieren, dem rest der welt wird es erst einige jahrzehnte später, zu zeiten der moderne, so richtig klar werden. aber genau diese perspektive, die sonate als eine art vorahnung der bedrohungen der moderne für das autonome subjekt zu sehen, macht roths und gallardos interpretation so wertvoll.
diesem gewaltigen kraftakt folgte dann der unaufhaltsame weg ins populäre, dem maurice ravel als brückenglied diente: zunächst mit seiner sonate posthume, eigentlich nur der erste satz einer sonate, bei der sich die beiden musiker etwas mehr treiben lassen konnten, sich mehr der sinnlichen kraft der musik ausliefern durften. mit ravels feiner pièce en forme dhabanera steigerten sie dieses moment noch, um es in astor piazollas le grand tango gipfeln zu lassen und damit war in knapp zwei stunden der weg von mozart bis zum argentinischen tango nuevo bravourös gemeistert.

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