Die Zukunft der Musik – dar­un­ter macht Alvin Cur­ran es nicht. Mit die­sem The­ma hat sich der ame­ri­ka­ni­sche Pio­nier der Elek­tro­ni­schen Musik und der Klang­kunst in Mainz als Com­po­ser in Resi­dence vor­ge­stellt. Cur­ran, auch schon über 70 Jah­re alt – was man ihm über­haupt nicht anmerkt – war seit den 1960er Jah­ren immer wie­der maß­geb­lich an der Wei­ter­ent­wick­lung der viel­fäl­ti­gen For­men elek­tro­ni­sche Musik betei­ligt. Im Som­mer­se­mes­ter ist er nicht nur als Kom­po­nist am der Hoch­schu­le für Musik, son­dern zugleich auch GFK-Fel­low des For­schungs­schwer­punk­tes Medi­en­kon­ver­genz.

Gro­ße Pro­ble­me wirft er auf, in sei­ner Vor­stel­lung, die zugleich Vor­le­sung und Per­for­mance, Rück­schau und Pro­gno­se ist: Nicht nur um die Zukunft der Musik geht es in der Black Box der Musik­hoch­schu­le, son­dern auch um die ganz gro­ßen Fra­gen: Was ist Kunst? Was ist Musik? Mit Bei­spie­len aus sei­nen eige­nen Wer­ken zeigt er, wie sei­ne Ant­wor­ten aus­se­hen kön­nen: Kunst als Befrei­ung des Men­schen zum Bei­spiel, aber auch ein­fach als Form der ver­gnüg­li­chen Nich­tig­kei­ten.

Dass sein Auf­en­halt in Mainz nicht nur von der Musik­hoch­schu­le, son­dern auf vom For­schungs­schwer­punkt Medi­en­kon­ver­genz getra­gen wird, passt wun­der­bar. Denn Musik, dass ist für Cur­ran viel mehr als Noten oder her­kömm­li­che Instru­men­te. Musik ist für ihn eine Spra­che, die jeder Mensch spricht, ist mensch­lisch orga­ni­sier­ter Klang. Und der kann über­all sein. Des­halb bemüht sich Cur­ran auch seit lan­gem, die Musik aus den Kon­zert­sä­len zu befrei­en und in die Welt brin­gen – als Per­for­mance auf der Them­se, an den Hän­gen des Ätnas zum Bei­spiel. Oder als com­pu­ter­ge­steu­er­te Klang­in­stal­la­tio­nen in einem Schloss­park.

Bei sei­nen Über­le­gun­gen zur Zukunft der Musik ver­weist er immer wie­der auf die ein­ma­li­ge Situa­ti­on der Gegen­wart: So ziem­lich die gesam­te je gedach­te, geschrie­be­ne, auf­ge­führ­te Musik ist uns zugäng­lich, per Knopf­druck abruf­bar. Dar­in sieht er gro­ße Chan­ce – eben die Zukunft der Musik. Und beweist das am Schluss sei­nes Auf­tritts in der Black Box der Musik­hoch­schu­le auch, mit einer kur­zen Live-Ver­si­on sei­nes „Trans­Dad­aEx­press”. Für das ursprüng­lich für den SWR ent­stan­de­ne Stück sam­mel­te der Klang­for­scher Samples mit gespro­che­nen Wor­ten, Musik­fet­zen, all­täg­li­chen oder elek­tro­nischn Klän­gen und pro­gram­miert sein Key­board damit – auf dem er dann impro­vi­siert und so den Plan einer Kom­po­si­ti­on mit der Spon­ta­ni­tät der Impro­vi­sa­ti­on ver­bin­den kann.

In den nächs­ten Mona­ten wird er nicht nur Stu­den­ten der Musik­hoch­schu­le hel­fen, gemein­sam Klän­ge zu for­men und Musik zu ent­de­cken. Cur­ran wird außer­dem eine Instal­la­ti­on für den von Peter Kie­fer betreu­ten Klang­gar­ten in der Bun­des­gar­ten­schau ent­wi­ckeln. Und er wird mit eini­gen Kol­le­gen am 30. Juni im Rah­men von Mainz-Musik mit einem gro­ßen mul­ti­me­dia­len Kon­zert zei­gen, wie die Zukunft der Musik klingt und aus­sieht. Zumin­dest die Zukunft sei­ner Musik.

(geschrie­ben für die Main­zer Rhein-Zei­tung.)