Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Kategorie: literatur Seite 29 von 38

„das ist der gewinn, …

… den uns erfah­rung gie­bt, dass wir nichts treff­li­ches uns den­ken, ohne sein unge­stal­tes gegentheil.“—friedrich höl­der­lin, hype­ri­on oder der ere­mit in grie­chen­land, 17

„da dieses unheil …

… hat gesche­hen kön­nen, so spre­chen man nur nicht davon, daß wir bes­ser und klü­ger gewor­den sind, als unse­re Vor­fah­ren. Man­che träu­men sogar, alle Völ­ker wür­den nach und nach ver­edelt, und das gan­ze Men­schen­we­sen menschlicher.“—Ludwig Tieck, Der Hexen-Sab­bat, 232

„ist schönheit da

… wenn sie nicht begeis­tert und entzückt?“—Ludwig Tieck, Der Hexen-Sab­bat, 199

„man muß lachen,

… wenn vie­le glau­ben, daß die Men­schen ver­nünf­ti­ger und bes­ser wer­den, und daß die Welt sich immer mehr in Zukunft aus­lich­ten soll.“—Ludwig Tieck, Der Hexen-Sab­bat, 175

die echte religion!

… sag­te Catha­ri­na; das ist eben der Streit! kei­ner glaubt, an der unech­ten sich ver­lo­ren zu haben.“—Ludwig Tieck, Der Hexen-Sab­bat, 117

„wenn die besseren …

… und Klü­ge­ren nicht mehr zusam­men hal­ten wol­len, so wer­den von dem erst neu auf­ge­führ­ten Gebäu­de die Stüt­zen hin­weg geschla­gen, und wor­an sol­len sich die Ver­nünf­ti­gen in Zukunft anders erken­nen, als an der Ver­nunft?“ —Lud­wig Tieck, Der Hexen-Sab­bat, 109

„aber man lernt …

… die Welt und sich nie­mals zu Ende ken­nen, denn der Mensch bleibt dumm und voll bösen Trach­tens, wenn er auch Methu­sa­lems Jah­re errei­chen sollte.“—Ludwig Tieck, Der Hexen-Sab­bat, 89

„O! es ist ent­setz­lich, was der Mensch erle­ben und ertra­gen kann, und kein Mann kann es füh­len und wis­sen, um wie viel furcht­ba­rer noch das Schick­sal des Wei­bes ist.“—Ludwig Tieck, Der Hexen-Sab­bat, 72

erinnerung im dom

Wann fängt Krieg an? Und wann hört er eigent­lich auf? Das waren eini­ge der zen­tra­len Fra­gen der Ver­an­stal­tung im Dom zum Tag des Geden­kens an die Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus. Dom­or­ga­nist Albert Schön­ber­ger und Peter-Otto Ull­rich hat­ten dafür mit einer gro­ßen Zahl Mit­strei­ter Tex­te aus Ver­gan­gen­heit und Gegen­wart zu einem breit gefä­cher­ten Pas­tic­cio zusammengestellt.
Bemüht um Gerech­tig­keit und Aus­ge­gli­chen­heit kom­men sowohl die Opfer- als auch Täter­sei­te immer wie­der zu Wort. Ein beson­de­rer Fokus liegt aber auf der Erin­ne­rung und Ver­ar­bei­tung der Ver­bre­chen der Über­le­ben­den und Nach­ge­bo­re­nen. Und immer wie­der geht es um Fra­gen, wann eigent­lich Krieg war. Bei dem Über­fall Polens, oder doch schon vor­her? Bei der Macht­er­grei­fung oder noch frü­her? Und vor allem: Wann ende­te der Krieg? Wenn alles ver­ge­ben und ver­ges­sen ist? Mit Ant­wor­ten haben die Text­su­cher sich aber sehr behut­sam zurück­ge­hal­ten. Die Ten­denz frei­lich wird klar: Krieg ist solan­ge wir ihn spü­ren. Und das ist heu­te immer noch. Dafür gibt es in der Lite­ra­tur und Geschich­te eine Men­ge Geschrie­be­nes. Zum Bei­spiel in den Gedich­ten von Wis­la­wa Szym­borska oder bei Chris­ta Wolff, bei Manès Sper­ber, bei Sebas­ti­an Haff­ner oder bei Saul Friedländer.
Albert Schön­ber­ger hat dazu ein wenig Musik bei­gesteu­ert, die er mit eini­gen Mit­glie­dern des Main­zer Kam­mer­or­ches­ter und Alex­an­der Nie­hues an der der Orgel zwi­schen und an eini­gen aus­ge­such­ten Stel­len auch wäh­rend der Text­re­zi­ta­tio­nen erklin­gen ließ. Das war sehr gefühl­voll, jedoch nicht sen­ti­men­tal, in hohem Gra­de ein­fühl­sam, aber nicht auf­dring­lich. Denn was Schön­ber­ger hier­für geschrie­ben hat, bleibt immer sehr schlich­te, zurück­ge­nom­me­ne Musik, die sich nie auf­drängt oder in den Vor­der­grund spielt, son­dern mit Chor­al­mo­ti­ven, Anspie­lun­gen und auch grö­ßer aus­ge­ar­bei­te­ten Choral­be­ar­bei­tun­gen die Tex­te ergän­zen und ver­tie­fen will und kann. Natür­lich nutzt das auch den Klang des Rau­mes in bewähr­ter Wei­se mit. Schließ­lich war das gan­ze Pro­jekt ja auch „Sta­tio­nen­gang mit Musik“ über­schrie­ben. Dazu zähl­ten auch die ergän­zen­den Pro­jek­tio­nen von Figu­ren­de­tails aus dem rei­chen Ange­bot des Domes.
Scha­de nur, dass kaum jemand sich die­sen Über­le­gun­gen aus­set­zen woll­te. Denn die weni­gen Zuhö­rer, die gekom­men waren, die­sen Tag als Anlass zum Nach­den­ken und Erin­nern zu neh­men, ver­lo­ren sich in den lee­ren Rei­hen des Domes sehr.

(geschrie­ben für die main­zer rhein-zeitung).

was nicht drin steht: die sehr selt­sa­me gewich­tung teil­wei­se. die ers­ten opfer, die – auch sehr aus­führ­lich – zu wort kamen, waren von rus­si­schen sol­da­ten ver­ge­wal­tig­te frau­en. und die ver­trie­be­nen, die – so unge­fähr sinn­ge­mäß – ihre hei­mat opfer­ten für deutsch­land, die in der brd ihr leid zurück­stell­tent (!) um der inte­gra­ti­on wil­len. nun ja. dann gab es natür­lich noch die juden. und den ein­druck einer men­ge deut­scher gene­rä­le, die den krieg nicht woll­ten und schon vor­her wuss­ten, dass sie ihn ver­lie­ren wür­den. dum­mer­wei­se haben sie halt wei­ter­ge­kämpft. und ein­ge­fal­len ist es ihnen erst in kriegs­ge­fan­gen­schaft. nun ja.

„wahr­schein­lich führt so ein orga­nist einen lebens­lan­gen ein­sa­men kampf gegen die schlep­pend sin­gen­de gemeinde.”—jochen schmidt, schmidt liest proust, 486

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