Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Autor: Matthias Seite 47 von 208

Leser mit allerlei Ansprüchen und ausdauernder Läufer. Je nach Tagesform auch mal ausdauernder Leser und Läufer mit allerlei Ansprüchen.

Ins Netz gegangen (19.5.)

Ins Netz gegan­gen am 19.5.:

  • Euro­kri­se: „Es gibt kei­ne ein­deu­ti­gen Geg­ner“ | ZEIT ONLINE – joseph vogl im gespräch mit der „zeit“:

    Einer­seits hat es ein gewal­ti­ges Umver­tei­lungs­pro­gramm gege­ben, bei dem pri­va­te Schuld­ner – also vor allem die hoch ver­schul­de­ten Groß­ban­ken – mit­hil­fe öffent­li­cher Gel­der saniert wur­den. Ande­rer­seits hat man mit der Restau­ra­ti­on des Finanz­sys­tems auch das alte Schla­mas­sel der Zeit vor 2008 wie­der her­bei­fi­nan­ziert: Es herr­schen heu­te wie­der die glei­chen Risi­ko­la­gen, die glei­che Insta­bi­li­tät an den Finanz­märk­ten. Para­do­xer­wei­se ent­steht die­se neue Unsi­cher­heit eben genau durch die Maß­nah­men, also das Aus­schüt­ten von viel Geld, mit denen die Kri­se bekämpft wer­den soll­te. Was sich in die­ser Zeit hin­ge­gen tat­säch­lich ver­än­dert hat, ist die Art und Wei­se, wie wir regiert wer­den. […] Wir erle­ben also gera­de ein finanz­po­li­ti­sches Dou­ble­bind: Einer­seits gibt die herr­schen­de Dog­ma­tik vor, dass das Wirt­schafts­wachs­tum nur mit Inves­ti­tio­nen und neu­em bil­li­gem Geld zu errei­chen ist. Ande­rer­seits erhöht das glei­che bil­li­ge Geld die Risi­ko­an­fäl­lig­keit auf den Märk­ten. Die­ses Dilem­ma kenn­zeich­net also an einem Punkt ihre Macht und gleich­zei­tig ihre struk­tu­rel­le Ohnmacht.

    – er sagt noch eini­ges mehr, was das inter­view sehr lesens­wert macht. und sehr bezeich­nend ist, dass sol­che eigent­lich emi­nent öko­no­mi­schen (und poli­ti­schen) beob­ach­tun­gen gera­de ein kul­tur­wis­sen­schaft­ler machen muss – die „fach­leu­te“ schei­nen da (zumin­dest in der deut­schen öffent­lich­keit) kei­ne posi­ti­on und/​oder stim­me zu finden …

  • Wolf­gang Ull­rich: „Urhe­ber­rech­te für die sozia­len Netz­wer­ke gänz­lich sus­pen­die­ren“ – iRights​.info – der kunst­his­to­ri­ker wolf­gang ull­rich im inter­view mit irights über kunst, inter­net, jus­tiz, das urhe­ber­recht – und technoviking

    Das Urhe­ber­recht denkt auch in den sozia­len Netz­wer­ken viel zu sehr vom klas­si­schen Werk­be­griff her und nicht vom Ort, an dem etwas statt­fin­det. Und da sehe ich die Par­al­le­len zur Pro­ble­ma­tik in der Kunst. Wer etwas in die Social Media plat­ziert, gibt es frei – und die Welt kann damit machen, was sie will. Aber in den meis­ten Fäl­len macht die Welt gar nichts damit. Ab und zu pas­siert dann doch etwas, es ent­steht gar ein Mem.[…] Mei­ner Mei­nung nach hinkt bei etli­chen Urtei­len die Recht­spre­chung der Kunst­pra­xis um zwei bis drei Jahr­zehn­te hin­ter­her. Und das ist auch beim Tech­no­vi­king der Fall.

  • Wehr­macht: Die ver­ges­se­nen Sol­da­tin­nen | ZEIT ONLINE – die his­to­ri­ke­rin karen hage­mann erin­nert an die rol­le der frau­en im zwei­ten weltkrieg

    Nicht nur in der popu­lä­ren Erin­ne­rung wur­de das Aus­maß der mili­tä­ri­schen Kriegs­un­ter­stüt­zung von Frau­en lan­ge ver­ges­sen, selbst in der umfang­rei­chen Geschichts­schrei­bung zum Zwei­ten Welt­krieg wer­den Frau­en zumeist nur als Arbei­te­rin­nen in der Kriegs­in­dus­trie oder Kran­ken­schwes­tern por­trä­tiert. Dies ist um so bemer­kens­wer­ter, als wir heu­te auf fast drei­ßig Jah­re For­schung zum The­ma Geschlecht, Mili­tär und Krieg zurück­bli­cken kön­nen und die Ära der Welt­krie­ge zu den am bes­ten erforsch­ten Peri­oden über­haupt gehört. Die­ser Befund gilt nicht nur für die deut­sche, son­dern ähn­lich auch für die inter­na­tio­na­le Geschichts­wis­sen­schaft. Wie ist die Ver­drän­gung zu erklä­ren? War­um fällt es vie­len offen­bar noch heu­te so schwer, sich Frau­en als Sol­da­tin­nen vorzustellen?
    Ein Grund hier­für dürf­te die Bedeu­tung sein, die dem Recht, im Diens­te des Staa­tes oder einer ande­ren höhe­ren Macht Waf­fen tra­gen und töten zu dür­fen – oder im Kriegs­fall zu müs­sen – für die Mar­kie­rung der Geschlech­ter­dif­fe­ren­zen zukommt. Seit der Anti­ke ist die­ses Recht männ­lich kon­no­tiert. Die kom­ple­men­tä­re Rol­le der Frau­en bestand bis ins frü­he 20. Jahr­hun­dert hin­ein vor allem dar­in, Män­ner zum Kampf zu moti­vie­ren, Ver­wun­de­te zu pfle­gen und Gefal­le­ne zu betrau­ern. […]Teil der Demo­bi­li­sie­rung in der Nach­kriegs­zeit war in allen kriegs­be­tei­lig­ten Staa­ten eine Poli­tik, die die Vor­kriegs­ge­schlecht­er­ord­nung und damit die sozia­le Sta­bi­li­tät wie­der­her­stel­len soll­te. Frau­en wur­den aus den Armeen ent­las­sen und muss­ten ihre wäh­rend des Krie­ges ein­ge­nom­me­nen Arbeits­plät­ze in Indus­trie, Han­del und Ver­wal­tung für die heim­keh­ren­den Vete­ra­nen frei machen, die wie­der allei­ni­ge Fami­li­en­er­näh­rer wer­den soll­ten. Die 1950er Jah­ren mit ihrem Wirt­schafts­wun­der wur­den in West­deutsch­land und ande­ren Län­dern West­eu­ro­pas dank einer ent­spre­chen­den Fami­li­en­po­li­tik zum „gol­de­nen Zeit­al­ter“ des Modells der „Alleinverdiener-Hausfrau“-Familie.

  • Stra­di­va­ris Cel­lo: Oh, Mara! | ZEIT ONLINE – caro­lin pirich über eines der berühm­tes­ten cel­los aus der stra­di­va­ri-werk­statt und sei­nen momen­tan­ten besit­zer, chris­ti­an poltéra:

    „Das Mara zu spie­len ist wie mit der Stim­me eines ande­ren zu spre­chen“, sagt der neue Part­ner des Mara. „Das dau­ert ein, zwei Jah­re, bis es nach mir klingt.“

  • Social Media: Das Netz bist du! | ZEIT ONLINE – kili­an tro­tier por­trä­tiert den bri­ti­schen anthro­po­lo­gen dani­el mil­ler (und sei­ne for­schung), der welt­weit die nut­zung sozia­ler netz­wer­ke erforscht und schon mal eines fest­ge­stellt hat: die regio­na­len nut­zungs­un­ter­schie­de sind gewaltig.
  • Eine Lan­ze für blog­gen­de Stu­die­ren­de: Patrick Bah­ners zur Cau­sa Mün­k­ler-Watch | Redak­ti­ons­blog – patrick bah­ners legt dar, war­um es nicht ganz so abstrus, unver­schämt und ohne vor­bild ist, als blog­gen­de stu­die­ren­de mit einem kri­ti­schen blog anonym blei­ben zu wol­len. und macht neben­bei eine inter­es­san­te anmerkung:

    Hei­kel für Mün­k­ler ist, dass eini­ge der ihm zuge­schrie­be­nen Ein­las­sun­gen, die ihn in kei­nem guten Licht daste­hen las­sen, für Leu­te, die ihn ken­nen, einen nur all­zu glaub­wür­di­gen Sound haben.

  • Nach­ruf auf Odo Mar­quard – Mit Witz zum Den­ken anre­gen – ein Nach­ruf auf den Phi­lo­so­phen Odo Mar­quard beim deutschlandradio
  • Gewalt | Schma​len​stroer​.net – micha­el schma­len­stroer bringt auf den punkt, war­um man bei der dar­stel­lung von gewalt­tä­ti­gen momen­ten der geschich­te manch­mal sich einer sehr kras­sen spra­che (und/​oder bil­der) bedie­nen muss:

    Wenn Digi­tal­Past also bru­tal ist, dann beschwert euch bei euren Groß­el­tern. Weil die bru­tal waren.

  • Streik: Hur­ra, Deutsch­land liegt lahm | ZEIT ONLINE – sehr guter kom­men­tar zum strei­ken in deutschlnd, unter ande­rem mit die­sem schö­nen und lei­der so abso­lut zutref­fen­den satz: »Die SPD agiert momen­tan also unge­fähr so sozi­al­de­mo­kra­tisch wie Ayn Rand beim Restpostenverkauf.«
  • The Ope­ra Plat­form – schö­ne initiative:

    Die Opern­platt­form ist eine Part­ner­schaft zwi­schen Ope­ra Euro­pa, einem 155 Opern und Fest­spie­le umfas­sen­den Netz­werk, dem Kul­tur­sen­der ARTE und 15 Opern­häu­sern aus ganz Euro­pa. Sie wird vom Pro­gramm Krea­ti­ves Euro­pa der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on unter­stützt und ist für alle Bei­trä­ge offen, die Oper einem brei­te­ren Publi­kum zugäng­lich machen wollen.

  • Bahn-Streik: Dan­ke, Claus Weselsky! – Aug­stein-Kolum­ne – SPIEGEL ONLINE – sehr rich­ti­ger kom­men­tar von jakob aug­stein zur rele­vanz des gdl-streiks & war­um die deut­schen der gdl dan­ken sollten

Placebo

Wer sich mal kurz Gedan­ken über Pla­ce­bos und Wirk­sam­keits­nach­wei­se machen möch­te – bit­te schön:

Man beach­te die mus­ter­gül­ti­ge Anga­be der zugrund­lie­gen­den Stu­die per DOI, die noch nicht ein­mal erfun­den ist …

Radfahrer, Unfälle und Schuld

Es ist schein­bar ein Auto­ma­tis­mus bei Pres­se­mel­dun­gen der Poli­zei: Sobald eine Rad­fah­re­rin in einen Unfall ver­wi­ckelt ist, muss unbe­dingt erwähnt wer­den, ob sie einen Helm trug – auch wenn das für den Unfall, die Ver­let­zun­gen und über­haupt voll­kom­men unwich­tig ist (genau­so­gut könn­te man übri­gens bei jedem Auto­fah­rer erwäh­nen, ob er Radio hör­te oder mit even­tu­ell anwe­sen­den Bei­fah­rern sprach …). Und die Zei­tun­gen über­neh­men das immer wie­der ger­ne, ohne die dahin­ter­ste­hen­den Über­zeu­gun­gen und Ein­stel­lun­gen zu hin­ter­fra­gen. Denn was soll das bezwe­cken, wenn ich so etwas lese:

Ein 50 Jah­re alter Auto­fah­rer über­sah nach ers­ten Ermitt­lun­gen beim ver­bots­wid­ri­gen Abbie­gen von der Saar­stra­ße in die Unte­re Zahl­ba­cher Stra­ße den dort vor­han­de­nen Rad­weg nut­zen­den Rad­fah­rer, der ohne Helm unter­wegs war. (All­ge­mei­ne Zei­tung Mainz)

Die Schuld­fra­ge scheint abso­lut unstrit­tig zu sein, der Rad­fah­rer ver­hielt sich im Gegen­satz zum Pkw-Fah­rer voll­kom­men regel­kon­form. War­um muss dann der nicht getra­ge­ne Helm erwähnt wer­den? Es geht natür­lich dar­um, zumin­dest impli­zit Schuld zu ver­tei­len: Hät­te der Rad­fah­rer einen Helm getra­gen, wäre er viel­leicht nicht so schlimm ver­letzt wor­den (das ist übri­gens gar nicht immer so ganz klar …). Und noch eine Agen­da steht dahin­ter: Rad­fah­rer haben bit­te immer einen Helm zu tra­gen, damit sie nicht so unge­schützt sind, wenn die Auto­fah­rer ihre andert­halb Ton­nen schwe­re Waf­fe nicht mehr im Griff haben (ok, das war jetzt etwas pole­misch – aber der Punkt ist doch: Nicht die Rad­fah­rer ver­ur­sa­chen die­se schwe­ren Unfäl­le, son­dern die Auto­fah­rer. Also müs­sen sie sich anders ver­hal­ten, nicht das Opfer.)

Taglied 14.5.2015

Nick Cave & The Bad Seeds, Peo­p­le Ain’t No Good

Nick Cave & The Bad Seeds – Peo­p­le Aint No Good (Live From KCRW)

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Wolken

Die Faszination der Wolken

„das her­auf­be­schwoe­ren der wol­ken /​geschieht so wie das was in die­sem buch geschieht, /​die wol­ken im jura, zwi­schen frank­reich und der schweiz, /​und das ist das bes­te“ – so sind die „48 tief­lie­gen­de wol­ken für Rudolf Rie­ser von Die­ter Roth – 1969 im Kom­plex der Wol­ken­ge­dich­te (u.a. „301 klei­ne wol­ken“ und „32 tie­fer­lie­gen­de wol­ken“) über­schrie­ben oder ange­kün­digt. Und genau wie die Fra­ge, was die­se vie­len Klein- und Kleinst­tex­te, Gedich­te, Apho­ris­men oder was auch immer eigent­lich mit Wol­ken zu tun habe, ist auch die Fra­ge nach der Fas­zi­na­ti­on von Wol­ken über­haupt eine ver­wi­ckel­te und schwie­ri­ge.1

Denn die Fas­zi­na­ti­on der Wol­ken ist eine ver­steck­te: Sie liegt nicht im Spek­ta­ku­lä­ren, sie betont nicht das Außer­ge­wöhn­li­che – son­dern umge­kehrt das Nor­ma­le und All­täg­li­che. Aber, das ist ja gera­de das fas­zie­ren­de Moment der Wol­ken: Es gibt kei­ne Nor­ma­li­tät, kei­nen All­tag. Es gibt nur ein­zig­ar­ti­ges – so wie kei­ne Schnee­flo­cke der ande­ren gleicht ist auch kei­ne Wol­ke mit der vor­he­ri­gen oder nächs­ten iden­tisch. Und auch das ist ein wesent­li­cher Teil der Fas­zi­na­ti­on: Wol­ken sind Indi­vi­du­en – wie Men­schen. Und wie bei Men­schen ist die Indi­vi­dua­li­tät mehr oder weni­ger sicht­bar, gibt es auch bei den Wol­ken Ähn­lich­kei­ten und Ver­wandt­schaf­ten, aber auch Unter­schie­de und aus­schlie­ßen­de Abgrenzungen.

Jede Wol­ke ist anders als die benach­bar­te oder die gest­ri­ge, jeder Tag bringt ein neu­es Reper­toire der For­men und Far­ben her­vor: Das sat­te Gelb in der Abend­däm­me­rung kurz vor dem Som­mer­ge­wit­ter, das rei­ne Weiß über den schnee­be­deck­ten Alpen, die bedroh­li­che Grau­schwär­ze – kaum etwas kön­nen Wol­ken nicht sein oder schei­nen. So sind sie Ele­men­te der Phan­ta­sie und aber auch Teil einer gro­ßen, kos­mi­schen Ord­nung. Das heißt, anders gewen­det: Wol­ken sind freie, poe­ti­sche Objek­te – und doch sor­tier­bar, klas­si­fi­zier­bar, bestimm­bar. Wol­ken, selbst die kleins­ten und zar­tes­ten, ver­hauch­ten, sind voll die­ser Gegen­sät­ze. Und genau des­halb las­sen sie sich gleich­zei­tig träu­men und lesen, las­sen sie sich erken­nen und phan­tas­tie­ren. Etwa als als Bild und als (Wetter-)Zeichen. Denn Wol­ken sind eben auch Mög­lich­keits­for­men: Sie wer­den das, was wir ihnen zu- und ein­schrei­ben. Zugleich sind sie aber auch von sich aus ganz beson­de­re Mög­lich­keits­for­men, indem sie die Zukunft des Wet­ters – oder eine mög­li­che Zukunft – in sich tra­gen. Und in die­ser Hin­sicht sind sie eben auch les­bar (oder wären es, wenn ich über die not­wen­di­ge Erfah­rung und Grund­la­ge ver­füg­te). Vor allem aber laden sie dazu ein, sie in die­sen bei­den Erfah­rung und For­men wahr­zu­neh­men oder zu betrach­ten: Als rela­tio­na­le Objek­te, die ihre Form, Far­be und ihren Sinn erst durch uns erfah­ren und als abso­lu­te Objek­te, die Teil eines Sys­tems sind, das wir nicht (voll­ends) ent­zif­fern, erklä­ren oder ver­ste­hen könn­ten – aber ger­ne möchten.

In die­sem Gegen­satz liegt auch ihr Dop­pel­cha­rak­ter von Gefahr und Rein­heit mit­be­grün­det. Genau wie Wol­ken für Wan­del und Bewe­gung ste­hen, sind sie auch vom Men­schen unbe­rühr­te (ja, sogar unbe­rühr­ba­re), unbe­ein­fluss­te „Din­ge“, die ihre eige­ne Makel­lo­sig­keit und gra­vi­tas behal­ten. Und doch kön­nen sie im Nu all das ver­lie­ren und zur rei­nen, tota­len Bedro­hung wer­den – im Un-Wet­ter, im Auf­ruhr der Elemente.

Wol­ken sind noch mehr und ihr Gegen­teil: Sie sind Welt und doch nicht Welt, wirk­lich und unwirk­lich, nah und fern, hier und nicht-hier/d­or­t/­fort. Ihr Wesen ist die unab­läss­li­che Trans­for­ma­ti­on, ein per­ma­nen­tes Mor­phen: Bewe­gung in sich und über uns. Immer sind Wol­ken aber auch ein­fach das Ande­re: Sie sind nicht irdisch, aber doch eine unab­ding­ba­re Vor­aus­set­zung der Welt. Das abso­lut ver­zau­bern­de Fas­zi­no­sum ist aber ihre Art der Bewe­gung – die mag zwar natur­wis­sen­schaft­lich erklär­bar sein und phy­si­ka­li­schen Geset­zen gehor­schen, mir erscheint sie aber immer inso­fern außer­ge­wöhn­lich, als sie ihre Gesetz­mä­ßig­kei­ten so voll­kom­men ver­birgt. Ihre Bewe­gung ist (bzw. eben: scheint) ohne Antrieb, ohne Basis, auch ohne Refe­renz: Wol­ken sind ein­fach Zuschrei­bungs­flä­chen. Das macht sie span­nend und ihre Erfah­rung ein­zig­ar­tig. Noch eine Erfah­rung, die Wol­ken ermög­li­chen: Das Gefühl, in die Wol­ke zu tau­chen, beim Wan­dern, beim Rad- oder Ski­fah­ren: Der Ver­lust der Welt, das Zurück­ge­worfen­sein auf sich selbst, die Lee­re, unbe­schrie­ben und nicht beschrift­bar – ein wun­der­ba­res Glei­ten, das in die­sem Fal­le sozu­sa­gen sys­tem­be­dingt ist.

Wol­ken kön­nen aber viel mehr: Wol­ken machen Unend­lich­keit, die end­lo­se Wei­te des Him­mels erst sicht­bar. Und sie machen den Him­mel drei­di­men­sio­nal, ver­wan­deln ihn erst von einer „Flä­che“ (oder eigent­lich ja eher einer Pseu­do­flä­che) zum Raum – kaum etwas ist lang­wei­li­ger als ein rei­ner, lee­re blau­er Him­mel … Aber in und mit den Wol­ken wird eben auch die Tie­fe des Raums und nicht zu Letzt auch die Ent­fer­nung zum Hori­zont erleb- und erfahr­bar. Die­se unge­heu­re natür­li­che und kul­tu­rel­le Mul­ti­pli­zi­tät, die Viel­falt der For­men und Far­ben, Bewe­gun­gen und Bedeu­tun­gen hat übri­gens Felix Hart­laub in sei­nen „Kriegs­auf­zeich­nung aus Paris“ (die ja, trotz ihres Titels, kaum etwas mit dem Krieg, dafür umso mehr mit der Stadt und der Natur zu tun haben) wun­der­bar beschrie­ben, wo es etwa heißt: „Lang­sa­me Wol­ken schlep­pen ihre brei­ten, lil­abrau­nen Schat­ten dar­über hin, die oft mit einer Mul­de, einem Wald­stück zusam­men­zu­fal­len schei­nen, sich lang­sam ver­la­gern. Die Hel­lig­kei­ten noch win­ter­lich fahl, der Anblick der las­ten­den Schat­ten macht frös­teln, wäh­rend die hel­len Wol­ken­rän­der ein Gefühl von Hit­ze, von duns­ti­gem heis­sem Wind her­vor­ru­fen.“ Oder, wie Hart­laub eini­ge Wochen spä­ter, in der som­mer­li­chen Stadt, beob­ach­tet und notiert: „Lang­ge­zo­ge­ne, kör­per­lo­se Wol­ken, wie blen­dend weis­se Schleim­spu­ren, die sich unmerk­lich aus­deh­nen, aus­spin­nen. Das Him­mels­blau dazwi­schen erscheint matt, sei­ner Strah­lung beraubt, wie ver­bli­che­ner Atlas.“ 2 Zur Form- und Bedeu­tungs­viel­falt der Wol­ken gehört sicher­lich auch das roman­tischs­te Motiv über­haupt, der Voll­mond, der gera­de als roman­ti­sches Motiv ohne leicht ver­schlei­ern­de Wol­ken oder eine Lücke in der Wol­ken­de­cke kaum denk­bar ist: Wie­der spielt hier das Ele­ment des Raum­mar­kers mit, aber auch die Ambi­va­lenz von Ver­de­cken und Ent­hül­len, die den Wol­ken so unhin­ter­geh­bar ein­ge­schrie­ben ist: Genau wie sie ande­re (Himmels-)Objekte ver- und ent­hül­len, sind sie selbst ja eben­falls zugleich opak und trans­pa­rent, erkenn­bar und undurchschaubar …

Ob sie nun majes­tä­tisch trei­ben, eilend davon­glei­ten, drän­gend schie­ben, sich sta­peln oder durch­drin­gen – Wol­ken sind immer zugleich sicht­ba­re Lee­re. Nicht nur in der Dif­fe­renz, son­dern auch in sich: Wol­ken sind, weil sie nicht sind – nicht mehr oder noch nicht, nicht Luft, noch nicht Regen, Schnee oder Hagel … Damit sind Wol­ke per­fek­te Ele­men­te des Zwi­schen, eine span­nen­de Ver­kör­pe­rung der Dif­fe­renz. Und doch: Obwohl Wol­ken damit Mar­ker von Dif­fe­renz sind, blei­ben sie selbst immer merk­wür­dig unbe­stimmt und gren­zen­los, ihre eige­nen Gren­zen lösen sich in sich selbst auf: Wol­ken blei­ben ohne kla­re, defi­nier­te Abgren­zung zu ihrer Umge­bung. Wol­ken sind damit per­fek­te para­doxa­le Wesen oder Kon­struk­tio­nen – bewusst, bemerkt, aber ohne es zu wis­sen oder auch ohne, dass wir es beim Betrach­ten der Wol­ken unbe­dingt selbst wissen.

Und dann blei­ben da schließ­lich noch die Fra­gen: Wie weit „reist“ eine Wol­ke? Wie viel wiegt eine Wol­ke? Wie groß ist eine Wol­ke? Wie lan­ge „lebt“ eine Wol­ke? Leicht und schwer zugleich sind Wol­ken, jeweils hier und dort, zugleich groß, ja rie­sig jen­seits jeder Dimen­si­on und doch klein, zart und ver­letzt­lich – im Hauch ver­gäng­lich wie wir Men­schen. Klar ist also gar nichts – noch nicht ein­mal, ob Wol­ken Natur oder Kul­tur sind. Und das ist natür­lich gera­de ihr größ­ter Reiz: Wol­ken sind immer (auch) das andere.

Show 2 footnotes

  1. Bei Die­ter Roth ist es wohl gera­de das Frei­schwe­ben­de, die Viel­falt der For­men, die Mög­lich­keit, Wol­ken (also die Natur­er­schei­nun­gen) als Pro­jek­ti­ons­flä­che für mensch­li­che Ideen, Gedan­ken udn Phan­ta­sien zu nut­zen, die zu dem Titel führt. Denn Wol­ken spie­len in den Tex­ten eigent­lich kei­ne Rol­le (mehr), zumin­dest wer­den sie jen­seits des zitier­ten Mot­tos nicht mehr expli­zit ein­ge­führt. Statt­des­sen geht es – wie bei Die­ter Roths lite­ra­ri­schen Arbei­ten so oft – um epis­te­mo­lo­gi­sche und onto­lo­gi­sche Fra­gen (und natür­lich nicht zuletzt um ästhe­ti­sche Über­le­gun­gen, in denen sich die­se Fra­gen tref­fen oder über­schnei­den.
  2. Felix Hart­laub: Kriegs­auf­zeich­nug­nen aus Paris. Ber­lin: Suhr­kamp 2011, S. 78.

Ins Netz gegangen (7.5.)

Ins Netz gegan­gen am 7.5.:

  • Volks­ban­ken: Mei­ne Bank ist krank | ZEIT ONLINE – heinz-roger dohms hat eine (sehr) klei­ne und nicht sehr pro­fi­ta­ble genos­sesnchafts­bank besucht und berich­tet von deren stel­lung pro­ble­me wohl­tu­end unauf­ge­regt und ohne gro­ße lösungen …
  • His­to­ri­ker über Erin­ne­rungs­kul­tur: „Mar­tin Luther als Spiel­fi­gur“ – taz​.de – der his­to­ri­ker valen­tin groeb­ner im gespräch mit jan fed­der­sen über erin­ne­rung, geden­ken und den zusam­men­hang von ver­gan­gen­heit, geschich­te und gegenwart

    His­to­ri­sche Jubi­lä­en haben ziem­lich viel mit Heils­ge­schich­te zu tun, mit kol­lek­ti­ven Erlö­sungs­wün­schen plus Sinn­an­ge­bot.[…] Wie viel Platz für Über­ra­schen­des kann denn in den kol­lek­ti­ven Insze­nie­run­gen von Geden­ken sein? 2017 ist Luther-Jubi­lä­um – dann wird es ähn­lich sein. Ein biss­chen zuge­spitzt for­mu­liert: Das Ver­hält­nis zur Ver­gan­gen­heit wird über Gebets­ge­mein­schaf­ten organisiert. 

  • Der 8. Mai 1945 – Tag der Befrei­ung? | reso­nanz­bo­den – huber­tus kna­be fin­det die bezeich­nung „tag der befreiuung“ für den 8./9. mai 1945 unpas­send und schlägt eine zurück­hal­ten­de­re, bit­te­re­re les­art der erin­ne­rung an das kriegs­en­de vor

    Die Deut­schen tun gut dar­an, sich von sol­cher Mythen­bil­dung fern­zu­hal­ten. Für sie soll­te der 8. Mai vor allem ein Tag der Scham und der Trau­er sein. Über 50 Mil­lio­nen Men­schen kamen durch die Poli­tik der dama­li­gen deut­schen Regie­rung ums Leben – eine Last, die zu einer dif­fe­ren­zier­ten und rea­lis­ti­schen Sicht der Geschich­te verpflichtet.

  • Varou­fa­kis benimmt sich echt unmög­lich (behaup­ten anony­me Quel­len)… | misik​.at – robert misik legt sehr schön dar, wie unge­si­chert und gefähr­lich die angeb­li­chen infor­ma­tio­nen der medi­en aus der poli­tik, ins­be­son­de­re der brüs­se­ler, sein können:

    Wenn aber der immer glei­che Spin aus den offen­bar immer glei­chen “anony­men” Quel­len kommt, dann soll­te Ihnen als Leser klar sein, dass hier Jour­na­lis­ten vor­sätz­lich instru­men­ta­li­siert wer­den, um eine “Sto­ry­line” unter die Leu­te zu bringen.

  • Making the Right Choices: A John Cage Cen­ten­ni­al Cele­bra­ti­on – vide­os von john-cage-wer­ken – schön gemach­te sei­te von micha­el til­son tho­mas & new world symphony
  • Plat­ten aus dem Plat­ten­bau – taz​.de – andre­as hart­mann hat für die taz das klei­ne, aber sehr fei­ne (vor allem, wenn man auf abge­fah­re­ne musik so abfährt wie ich …) plat­ten­la­bel karl­re­cords entdeckt

    Karl ist eines die­ser vie­len klei­nen, aber fei­nen Labels, die es welt­weit gibt und die nach der Kri­se der Musik­in­dus­trie durch die Digi­ta­li­sie­rung in den nuller Jah­ren in einer Nische blü­hen und gedei­hen – wegen des über­ra­schen­den Vinyl-Revivals.

    (ich bin aber immer froh, dass die ihre sachen nicht nur auf vinyl, son­dern auch digi­tal – bei band­camp – anbieten)

  • Die Neu­zeit und die Kul­tur der Unru­he: Das Gesumm der mensch­li­chen Din­ge – NZZ​.ch – ralf kon­ers­mann über die „ent­de­ckung“ der unru­he und ihre beschrei­bung und ana­ly­se durch blai­se pascal

    Das Neue der Neu­zeit war die Beja­hung der Unru­he, nicht jedoch das Emp­fin­den der Unru­he selbst.

  • Digi­ta­le Agen­da der Bun­des­re­gie­rung – Böses Netz – Chris­ti­an Hei­se vom Cent­re for Digi­tal Cul­tures der Leu­pha­na Uni­ver­si­tät in Lüne­burg kom­men­tiert in der süd­deut­schen zei­tung das total­ver­sa­gen der bun­des­po­li­tik bei digi­ta­len und netz­po­lit. themen:

    Die Netz­po­li­tik der schwarz-roten Koali­ti­on ist ein Witz. Sie ist gekenn­zeich­net durch feh­len­den Sach­ver­stand und eine grund­le­gen­de Abwehr­hal­tung gegen­über der Digi­ta­li­sie­rung. Statt Prio­ri­tä­ten zu deren Aus­bau zu defi­nie­ren, kon­zen­triert sich die Bun­des­re­gie­rung dar­auf, die Poten­zia­le des Digi­ta­len zur Kon­trol­le und zur Über­wa­chung der Bür­ger zu nutzen.

    – auch der rest ist poin­tiert, tref­fend und sehr lesenswert!

  • Zum Ver­ständ­nis | Post­kul­tur – jan kuhlbrodt:

    Ich ver­steh nicht, was mit Ver­ste­hen gemeint sein soll. […] Ver­ste­hen im ästhe­ti­schen Sin­ne aber, wäre die Offen­heit der Kunst­wer­ke aus­zu­hal­ten, und ihre Ver­wei­ge­rung, sich in einem instru­men­tel­len Sinn über­set­zen zu las­sen, dass heißt, sich erset­zen zu las­sen durch Hand­lung oder Aussage.

    – ich glau­be, dass „wäre“ soll­te durch ein „ist“ ersetzt werden …

  • Spio­na­ge: Der BND, ein gefähr­li­cher Staat im Staat | ZEIT ONLINE – kai bier­mann sehr poin­tiert zur neu­es­ten wen­dung im spio­na­ge-skan­dal (kann man das eigent­lich noch so nennen?)

    Der Fall zeigt, wie krank das Geschäft der Geheim­diens­te ist. Er zeigt, wie ver­scho­ben deren mora­li­sche und recht­li­che Maß­stä­be sind. Sehen­den Auges nahm der BND hin, dass ihn die NSA dazu miss­braucht, Unter­neh­men, Behör­den und Poli­ti­ker in Euro­pa aus­zu­spä­hen. Ein Pakt mit dem Teu­fel, dem zuge­stimmt wur­de, weil man glaub­te, ihn kon­trol­lie­ren und vor allem davon pro­fi­tie­ren zu können.
    Aber wenn jeder jeden betrügt und aus­trickst, wo blei­ben dann Recht und Gesetz? Rich­tig, auf der Stre­cke. Kei­ner der Betei­lig­ten scher­te sich dar­um, nie­mand inter­es­sier­te sich für Grund­rech­te der Bür­ger, auch das wur­de in den Befra­gun­gen im Unter­su­chungs­aus­schuss klar. […] Wenn nicht ein­mal die Regie­rung ihre Spio­ne im Griff hat, dann hat nie­mand sie im Griff.

  • Ange­sichts der von #Lidl pro­kla­mier­ten… – Bäcke­rei Rich­ter, Kub­schütz – eine schö­ne reak­ti­on eines bäcker­meis­ters als reak­ti­on auf die ziem­lich bescheu­er­te (und die ein­kau­fen­den ver­ar­schen­de) wer­be­kam­pa­gne von lidl

Kritiker

Das Recht eines Kri­ti­kers ist es, sei­ne Grund­sät­ze einen nach dem ande­ren zu ver­leug­nen, sei­ne Pflicht ist es, kei­ne Über­zeu­gung zu haben.

—Jules Renard, Das Leben wird über­schätzt, 5 [1890]

Wie kann man als Kri­ti­ker zuge­las­sen wer­den und nicht ein­mal die Recht­schrei­be­prü­fung abge­legt haben?

—Jules Renard, Das Leben wird über­schätzt, 59 [1909]

Mailied

Mailied

Wie herr­lich leuchtet
Mir die Natur!
Wie glänzt die Sonne!
Wie lacht die Flur!

Es drin­gen Blüten
Aus jedem Zweig,
Und tau­send Stimmen
Aus dem Gesträuch,

Und Freud’ und Wonne
Aus jeder Brust.
O Erd’! o Sonne!
O Glück! o Lust!

O Lieb’! o Liebe!
So golden-schön,
Wie Morgenwolken
Auf jenen Höhn!

Du seg­nest herrlich
Das fri­sche Feld,
Im Blütendampfe
Die vol­le Welt.

O Mäd­chen, Mädchen,
Wie lieb’ ich dich!
Wie blickt dein Auge!
Wie liebst du mich!

So liebt die Lerche
Gesang und Luft,
Und Morgenblumen
Den Himmelsduft,

Wie ich dich liebe
Mit war­mem Blut,
Die du mir Jugend
Und Freud’ und Mut

Zu neu­en Liedern
Und Tän­zen gibst.
Sei ewig glücklich,
Wie du mich liebst!

—Johann Wolf­gang Goethe

(Johann Wolf­gang von Goethe)

Twitterlieblinge April 2015


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Ins Netz gegangen (23.4.)

Ins Netz gegan­gen am 23.4.:

  • Bis­lang unver­öf­fent­lich­te Wehr­machts­ak­ten jetzt online zugäng­lich – das dhi mos­kau und das zen­tral­ar­chiv des russ. ver­tei­di­gungs­min­s­te­ri­ums haben bis­her unver­öf­fent­lich­te wehr­machts­ak­ten digi­ta­li­siert und stel­len sie (in kür­ze) online zur verfügung

    Der Bestand der deut­schen Doku­men­te im Zen­tral­ar­chiv des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums umfasst ca. 28.000 Akten und ist ins­ge­samt in 50 Find­bü­cher geglie­dert. Nach dem Abschluss der ers­ten Pro­jekt­pha­se wer­den am 29. April 2015 die für die For­schung beson­ders wich­ti­gen Unter­la­gen des Ober­kom­man­dos der Wehr­macht (271 Akten) und des Hee­res (988 Akten) sowie der Hee­res­grup­pe Mit­te (852 Akten) weit­ge­hend online zugäng­lich gemacht. Aus­ge­nom­men sind bis­lang groß­for­ma­ti­ge Kar­ten, deren Digi­ta­li­sie­rung beson­ders auf­wän­di­ge Tech­no­lo­gien erfor­dert. In einer zwei­ten Pro­jekt­pha­se fol­gen in Kür­ze die Bestän­de der Hee­res­grup­pe „Weich­sel“ (54 Akten), des Amts Ausland/​Abwehr im OKW (52 Akten), der Waf­fen-SS und Poli­zei (120 Akten) sowie Beu­te­do­ku­men­te der Auf­klä­rungs­ver­wal­tung beim Gene­ral­stab der Roten Armee –GRU (332 Akten). 

  • Bun­des­nach­rich­ten­dienst: Neue NSA-Affä­re erschüt­tert BND – SPIEGEL ONLINE – Über­wa­chung: Neue Spio­na­ge­af­fä­re erschüt­tert BND (und mich auch …)
  • We Can’t Let John Dee­re Des­troy the Very Idea of Owner­ship | WIRED – wenn urhe­ber­schutz (und so etwas wie soft­ware-paten­te …) wild lau­fen, freu­en sich kon­zer­te – denn dann kommt so etwas heraus:

    John Dee­re and Gene­ral Motors want to evis­ce­ra­te the noti­on of owner­ship. Sure, we pay for their vehic­les. But we don’t own them. Not accor­ding to their cor­po­ra­te lawy­ers, anyway

  • 31 Theo­rie­an­sät­ze: Wor­an erkennt man ein Gedicht? – NZZ – der ver­le­ger jochen jung (von jung & jung) hat 31 „theo­rie­an­säat­ze“ (man könn­te sie auch the­sen nen­nen) über das wesen von gedich­ten notiert:

    Gedich­te strah­len in ihrer Herr­lich­keit, sie kön­nen blen­den (aber nicht blind machen). Bis­wei­len sind sie auch Blender.

  • Jour­na­lis­mus als Kata­stro­phe | Lesen was klü­ger macht – eine erklä­ren­de abrech­nung mit dem zustand des jour­na­lis­mus heu­te von georg seeßlen

    Einen Unter­schied zwi­schen „Qua­li­täts­jour­na­lis­mus“ und Bou­le­vard kann es dann nicht mehr geben, wenn alle Nach­rich­ten­me­di­en einer­seits aus den glei­chen Inter­es­sen und den glei­chen Quel­len ent­ste­hen, und wenn sie ande­rer­seits alle an die glei­chen Kun­den (Anzei­gen auf der einen, Leu­te die Kau­fen, ein­schal­ten, kli­cken usw. auf der ande­ren) wol­len, wenn sie Down­gra­den von Niveau und Respekt als Über­le­bens­stra­te­gie recht­fer­ti­gen. Dabei wer­den die Tricks der Nach­rich­ten­er­zeu­gung aus mehr oder weni­ger nichts immer selbst­zer­stö­re­ri­scher.[…] Kann denen mal viel­leicht jemand sagen, dass die Unter­schei­dung zwi­schen gutem und schlech­tem Jour­na­lis­mus nicht dar­in lie­gen kann, dass man letz­te Gren­zen der Nie­der­tracht über­schrei­tet oder nicht, son­dern dar­in, dass man sei­ne Arbeit und sei­nen Auf­trag grund­sätz­lich anders versteht?

  • Auf Kan­te gepresst – War­um der Vinyl-Hype die Schall­plat­te kaputt­macht | Das Fil­ter – inter­es­san­te ein­bli­cke in die schwie­rig­kei­ten, die es mit sich bringt, ein „ver­al­te­tes“ medi­um wie die schall­plat­te wei­ter zu pro­du­zie­ren – v.a. die pro­ble­me, die feh­len­der neu­bau von pro­duk­ti­ons­ma­schi­nen und ‑werk­zeug ver­ur­sa­chen (von der fra­ge nach mate­ri­al für zwi­schen­stu­fen ganz abgesehen) …

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