Ins Netz gegangen (19.1.)

netzgebilde (unsplash.com)Clint Adair

Ins Netz gegan­gen am 19.1.:

  • Wor­über ich rede, wenn ich über Sex rede | Read on, my dear, read on → ein bericht aus der sexu­al­auf­klä­rung für geflüch­te­te in deutsch­land – sehr inter­es­sant zu lesen …
  • Falk-Pos­til­le | Mein Jahr mit Luther → achim land­wehr über falks „pop-ora­to­ri­um“ „luther“

    Man kann aus Mar­tin Luther einen Frei­heits­hel­den machen. Muss man aber nicht. Man kann die ‚Bot­schaft‘ der Refor­ma­ti­on (wie lau­te­te sie gleich noch?) in das Kor­sett stan­dar­di­sier­ter Musi­cal­me­lo­dien packen. Man muss sich das aber nicht anhö­ren. Man kann die geist­li­che Musik des 16. bis 18. Jahr­hun­derts in ein fahr­stuhl­taug­li­ches Funk­ti­ons­mu­sik­ge­rie­sel ver­wan­deln. Man muss dafür aber kein Geld aus­ge­ben.

  • Fake News“ und der blin­de Fleck der Medi­en | Über­me­di­en → ste­fan nig­ge­mei­er über die (unehr­li­che) empö­rung über „fake news“:

    Man hat das damals nicht „Fake News“ genannt, weil es den Begriff noch nicht gab. Vor allem aber haben die meis­ten ande­ren Medi­en die­se „Fake News“ nicht bekämpft, son­dern fröh­li­ch wei­ter ver­brei­tet.
    […] Jetzt, auf ein­mal, ent­de­cken die Medi­en die Gefahr der „Fake News“ und wol­len mit gro­ßem Ein­satz dage­gen kämp­fen. Was für eine Heu­che­lei.

  • Das 20. Jahr­hun­dert fällt uns gera­de auf den Kopf“ | Welt → inte­res­an­tes inter­view mit dem his­to­ri­ker timo­thy sny­der – über die „leh­ren“ aus der geschich­te udn die poli­tik der gegen­wart

    Die Geschich­te wie­der­holt sich nicht. Sie reimt sich nicht ein­mal. Aber die Geschichts­wis­sen­schaft zeigt uns, wie gewis­se Din­ge zusam­men­hän­gen. Sie weist uns auf gewis­se Mus­ter hin.
    […] aber das Bei­spiel Deutsch­lands lehrt uns: Das muss man gleich am Anfang begrei­fen, nicht erst am Ende. Wenn man eine „Gleich­schal­tung“ stop­pen will, muss man sagen: Es gefällt mir, dass wir ein föde­ra­les Sys­tem haben 

Wir wissen, dass wir nichts wissen

zeitungen gebündeltPexels

Dies gan­zen „Was wir wissen“-Listen und –Live-Blogs der Qua­li­täts­me­di­en sind doch eine ein­zi­ge erbärm­li­che Bank­rott­er­klä­rung – auch wenn sie für „das Bes­te, was uns ein­fällt“ gehal­ten wer­den. Ers­tens: Wäre es nicht das Ziel guten Jour­na­lis­mus, über­haupt immer (nur) das zu schrei­ben, was man (oder eben, wenn man unbe­dingt emo­tio­nal mani­pu­lie­ren will, wir) weiß? Zwei­tens: Wäre es, wenn schon der ers­te Punkt nur ein Wunsch, eine Ziel­vor­stel­lung ist, erstre­bens­wert, wenigs­tens in die­sen „Was wir wissen“-Texten sich auf Wis­sen zu beschrän­ken – und zwar jour­na­lis­ti­sch abge­si­cher­tes Wis­sen (also zum Bei­spiel: ordent­li­che Quel­len, von ein­an­der unab­hän­gig Quel­len (und der Plu­ral ist da wich­tig))? Ste­fan Nig­ge­mei­er hat das bei „Über­me­di­en“ schon gut auf­ge­zeigt. Und drit­tens: Wäre es nicht sowie­so viel sinn­vol­ler, mal ein bis drei Gän­ge zurück­zu­schal­ten bei sol­chen Ereig­nis­sen? Denn: Wie rele­vant ist die per­ma­nen­te Flu­tung mit (Eil-)Meldungen für die Bevöl­ke­rung in Deutsch­land den wirk­li­ch, ins­be­son­de­re in den Stun­den direkt nach der Tat? Selbst „Zeit“ und „Süd­deut­sche“ „unter­hal­ten“ ihr Publi­kum den gan­zen Tag mit einem kon­stan­ten Strom an Qua­si­nach­rich­ten. Nur: Ändert sich für die Men­schen denn wirk­li­ch so viel? Klar, wenn es Hin­wei­se gäbe, dass es kei­ne Ein­zel­tat war – dann soll und muss natür­li­ch ent­spre­chend gewarnt wer­den. Aber son­st? Kann man die Poli­zei nicht wenigs­tens zunächst mal ihre Arbeit machen las­sen und ver­nünf­ti­ge Ermitt­lun­gen durch­füh­ren las­sen? (Ich bin bis­her gut damit gefah­ren, nach sol­chen Ereig­nis­sen mir selbst sozu­sa­gen eine kurz­zei­ti­ge „Medi­en­qua­ran­tä­ne“ zu ver­ord­nen. Was über Twit­ter rein­kommt, ist schon mehr als genug, da muss ich nicht noch als Klick­vieh die­nen … Und tat­säch­li­ch ist das – auch wenn’s etwas hart klingt – für mein psy­cho­so­zia­les Empfinden/Wohlbefinden aus­ge­spro­chen dien­li­ch.) Natür­li­ch kann – und muss! – die­se Arbeit auch jour­na­lis­ti­sch beglei­tet und hin­ter­fragt wer­den. Das heißt aber auch nicht, dass man alles nach­plap­pert, was irgend­ein Poli­zei- oder Polit­funk­tio­när, der mit dem kon­kre­ten Fall nichts zu tun hat, gera­de für mit­tei­lens­wert hält.

Das alles, was ich eigent­li­ch ganz banal unter „jour­na­lis­ti­sches Hand­werk“ sub­su­mie­ren möch­te, hät­te nicht nur einen qua­li­ta­ti­ven Vor­teil für die Medi­en. Son­dern auch für die Men­schen: Sie müss­ten sich nicht unnö­tig ängs­ti­gen – und dann auch nicht von den glei­chen Medi­en, die Panik und Furcht ver­brei­ten (um des Geschäf­tes wil­len, offen­sicht­li­ch) ermahnt zu wer­den, der Angst kei­nen Raum zu geben …

Ins Netz gegangen (7.12.)

Ins Netz gegan­gen am 7.12.:

  • Mehr­spra­chig­keit : Ein Kind, drei Spra­chen | ZEIT – mar­tin spie­wak hat für die „Zeit“ auf­ge­schrie­ben, wie kin­der mit mehr­spra­chig­keit umge­hen – näm­li­ch in der regel posi­tiv.
  • Dich­ter und Com­pu­ter im radi­ka­len Zwie­ge­spräch | FAZ.net – elke hei­nemann geht in der FAZ der fra­ge nach, wie digi­ta­li­sie­rung (die hier vor allem com­pu­te­ri­sie­rung meint) die lyrik ver­än­dert bzw. ver­än­dern kann/könnte/wird …

    Vie­le Lite­ra­tur­gat­tun­gen nähern sich vor­sich­tig den Maschi­nen an, nur die Lyrik hat Berüh­rungs­ängs­te. Wie digi­tal kann ein Gedicht sein?

  • Mar­le­ne Stree­ru­witz: Die Stun­de der Wahr­heit des Gel­d­es | derStandard.at – mar­le­ne stree­ru­witz über die auf­lö­sung der demo­kra­ti­schen gesell­schaft ins lachen, am bei­spiel der usa & donald trump: „Die Ent­wer­tung demo­kra­ti­schen Ver­han­delns in der Gesell­schaft erfolgt über die Ent­wer­tung von Min­der­hei­ten.“

    So wird das Prin­zip der Geschwis­ter­lich­keit aus der poli­ti­schen Kul­tur ent­fernt. Demo­kra­tie war geschwis­ter­li­ch gedacht. Ver­ant­wor­tung für­ein­an­der soll­te das Prin­zip sein. Die Über­nah­me von Pflich­ten und die gerech­te Ver­tei­lung der Rech­te waren vor­ge­se­hen. Das bedeu­te­te je neu­es Ver­han­deln der Auf­tei­lung der Rech­te und der Über­nah­me von Pflich­ten. Denn. Die Grund­rech­te der Per­son ach­tend kann es kei­ne end­gül­ti­ge Rege­lung die­ser Ver­tei­lung geben. Es muss stets neu ver­han­delt wer­den. Kei­ner und kei­ne soll über den ande­ren ste­hen. Und. Um das leben zu kön­nen, müs­sen alle dar­an Betei­lig­ten sich ihrer Grund­rech­te bewusst sein. Alle müs­sen den Wert der Per­son an den Grund­rech­ten mes­sen und dar­aus auf ihren eige­nen Wert und den der ande­ren schlie­ßen. Der Wert muss bewusst sein.
    […] Das Grund­recht der Per­son auf Wür­de ist im Lachen der ande­ren auf­ge­löst.

    Das ist dann ziem­li­ch unwie­der­bring­li­ch. Denn. Es bleibt der Ent­schei­dung der Lachens­be­stim­mer über­las­sen, wer wie ern­st genom­men wird. Die Lachen­den sind nur noch Gefolg­schaft. Im Fall von Donald Trump geht es gen­au dar­um. Die demo­kra­ti­sche Ver­hand­lung soll durch Füh­rung ersetzt wer­den. Der Kapi­ta­list will aber nicht ins Patri­ar­chat zurück­keh­ren. Vater zu sein. Das hie­ße ja auch wie­der nur die Über­nah­me von Ver­ant­wor­tung. Der Post­ka­pi­ta­list Trump will die Welt ja nur für den Geld­fluss in sei­ne Tasche zurich­ten. Denn. In der Logik unse­rer ver­wirt­schaft­lich­ten Welt der frag­men­tier­ten Dienst­leis­tungs­wirt­schaft gibt es als mög­li­ches Ziel einer Poli­tik ohne­hin nur die Weiter­fül­lung der Taschen des einen Pro­zents der Alles­be­sit­zen­den. Es ist dar­in dann wie­der logi­sch, dass einer aus die­sem Besitz­stand her­aus die Rhe­to­rik der Schmä­hung der Ande­ren so authen­ti­sch lie­fern und sich so in den Besitz des Lachens der Mit­schmä­hen­den set­zen kann.

  • Ver­hü­tung – Anti­ba­by­pil­le – hüb­sch ris­kant | Süddeutsche.de – ein inter­es­san­ter text von wer­ner bar­tens, der auf­zeigt, wie man leu­te dazu bringt, völ­lig gegen jede logik medi­ka­men­te zu bevor­zu­gen, die unsi­che­rer sind als ande­re

    Unter jun­gen Frau­en nimmt der Markt­an­teil der Pil­len der 3. und 4. Gene­ra­ti­on trotz­dem ste­tig zu. Das ist eini­ger­ma­ßen rät­sel­haft, denn die Risi­ko­be­wer­tung der Euro­päi­schen Arz­nei­mit­tel­be­hör­de hat ein­deu­tig erge­ben, dass die Prä­pa­ra­te zu einem deut­li­ch höhe­ren Embo­lie- und Throm­bo­se­ri­si­ko füh­ren. Das Bun­des­in­sti­tut für Arz­nei­mit­tel und Medi­zin­pro­duk­te hat im Früh­jahr 2014 ent­schie­den, dass in immer mehr Bei­pack­zet­teln auf die erhöh­te Gefahr hin­ge­wie­sen wer­den muss. Sons­ti­ge Kon­se­quen­zen bis­her: kei­ne.

    die ärz­te – die das ja ver­schrei­ben müs­sen – bekom­men auch ihr fett weg …

  • Legen­dä­re Sel­euk­iden-Fes­tung Acra in Jeru­sa­lem ent­deckt -

    Die Wis­sen­schaf­ter ent­deck­ten kürz­li­ch bei Aus­gra­bun­gen unter dem frü­he­ren Giva­ti-Park­platz süd­li­ch des Tem­pel­ber­ges Über­res­te der legen­dä­ren Fes­tung Acra. Die Zita­del­le war vor etwa 2.150 Jah­ren unter dem Sel­euk­iden-König Antio­chus IV. Epi­pha­nes gebaut wor­den.

  • Städ­te­be­schimp­fun­gen – auch cool: tho­mas bern­hards städ­te­be­schimp­fun­gen, auf der kar­te ver­ord­net und mit zita­ten gar­niert …
  • Jan Böh­mer­mann : Ich hab Kul­tur­kri­tik | ZEIT ONLINE@davidhug in der Zeit über jan böh­mer­mann, sein „ich hab poli­zei“ und die kri­tik dar­an …

    Dabei ist Gangs­t­er­rap inzwi­schen Main­stream, ähn­li­ch wie Peter Maf­fay oder Xavier Nai­doo es schon lan­ge sind. Das tut viel­leicht weh, aber da müs­sen wir alle eben durch. 

  • Über­wa­chung für mehr Sicher­heit? Ein fata­ler Trend – Lobo-Kolum­ne – SPIEGEL ONLINE – muss man immer wie­der emp­feh­len: sascha lobos spie­gel-kolum­ne …

    Die Evi­denz ist tot, es lebe das medial insze­nier­te Gefühl der Evi­denz.

  • Peter Kurz­eck – ein Getrie­be­ner der Spra­che | Frank­fur­ter Rund­schau – claus-jür­gen göp­fert berich­tet in der FR über peter kurz­eck, sein schrei­ben, sei­nen nach­lass und die arbeit des stro­em­feld-ver­la­ges (und der lek­to­ren deu­ble & loss), den in eine publi­ka­ti­ons­fä­hi­ge form zu brin­gen:

    Im Gespräch mit sei­nem Freund Rudi Deu­ble erscheint Kurz­eck als ein Getrie­be­ner. „Zu Ruhe kam der nie!“ Sehr früh sei er stets auf­ge­stan­den in sei­ner zwei­ten Hei­mat Uzés, habe gear­bei­tet bis zum Mit­tag. Dann folg­te ein aus­ge­dehn­ter Spa­zier­gang durch die son­nen­durch­glüh­te Land­schaft, dana­ch ein Mit­tag­es­sen und ein kur­zer Schlaf. Am Nach­mit­tag habe er dann wie­der zu schrei­ben begon­nen, bis etwa um 22 Uhr.

    Mit der Schreib­ma­schine: Die Sei­ten waren stets nur zu einem Drit­tel bis zu einer Hälf­te beschrie­ben, in ganz engem Zei­len­ab­stand, dazwi­schen hat­te der Autor noch hand­schrift­li­che Kor­rek­tu­ren ein­ge­tra­gen. Die unte­re Manu­skript­hälf­te war wei­te­ren Anmer­kun­gen gewid­met. Sym­bo­le wie Drei­ecke und Kreu­ze struk­tu­rier­ten den Text. Die Arbeit der Lek­to­ren gli­ch der von Archäo­lo­gen.

  • Frem­den­hass : „Ich hal­te das für hoch­ge­fähr­li­ch“ | ZEIT ONLINE – gutes inter­view mit nor­bert frei über die aktu­el­len gefah­ren für die deut­sche demo­kra­tie

    Was wir der­zeit erle­ben, ist etwas ande­res, näm­li­ch eine zuneh­men­de, fun­da­men­ta­le Ver­ach­tung für die Demo­kra­tie, für das „Sys­tem“ und die „Sys­tem­par­tei­en“. Ich hal­te das für hoch­ge­fähr­li­ch, gera­de auch weil sich sol­che Stim­mun­gen über die digi­ta­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nä­le so leicht ver­brei­ten las­sen. Dadurch ist eine Par­al­le­löf­fent­lich­keit ent­stan­den, die sich für die „bür­ger­li­che Öffent­lich­keit“ kaum mehr inter­es­siert.

  • Jus­tiz : Das soll Recht sein? | ZEIT ONLINE – die Zeit gibt dem straf­ver­tei­di­ger schwenn mög­lich­keit, auf pro­ble­me (wie u.a. das feh­len­de pro­to­koll) der deut­schen straf­ge­richts­ver­fah­ren auf­merk­sam zu machen

    Die größ­te Gefahr für den Unschul­di­gen lau­ert in den Vor­ent­schei­dun­gen. An ihnen sind oft die­sel­ben Berufs­rich­ter betei­ligt, die spä­ter an der Haupt­ver­hand­lung mit­wir­ken und das Urteil fäl­len. […] Auch ein Haft­be­fehl darf nur erge­hen, wenn der Tat­ver­dacht drin­gend, die spä­te­re Ver­ur­tei­lung eines Ange­klag­ten also hoch­wahr­schein­li­ch ist. Und da lau­ert die zwei­te Fal­le. Denn hat der Rich­ter den Haft­be­fehl selbst erlas­sen oder auf­recht­erhal­ten, so wird es ihm spä­ter schwer­fal­len, von der eige­nen Ver­ur­tei­lungs­pro­gno­se abzu­rü­cken.

  • Tou­ris­mus : „Der deut­sche Urlau­ber hat ein aus­ge­spro­che­nes Struk­tur­be­dürf­nis“ | ZEIT ONLINE – die Zeit hat mit drei sehr unter­schied­li­chen rei­se­lei­tern dar­über gespro­chen, wie sie „die deut­schen“ im urlaub wahr­neh­men und emp­fin­den. sehr ver­gnüg­li­ch
  • Wir ver­lie­ren täg­li­ch Tau­sen­de Daten­punk­te Zeit- und Medi­en­ge­schich­te – kon­rad lisch­ka weist auf ein ech­tes pro­blem hin: die feh­len­de archi­vie­rung von online-medien/-nachrichten

    Zwei Jahr­zehn­te Online­jour­na­lis­mus sind vor­bei­ge­zo­gen, ohne dass jemand die Daten­ba­sis für die Erfor­schung die­ser Grün­der­zeit geschaf­fen hat. All das ist für immer ver­lo­ren, wir haben heu­te dank Brewster Kah­le immer­hin Bruch­stü­cke und Moment­auf­nah­men. Enorm wich­ti­ge Daten für die Erfor­schung von The­men­kar­rie­ren und ver­än­der­ten Nut­zungs­ge­wohn­hei­ten in den 20 Jah­ren Online­jour­na­lis­mus wäre die Abruf­zah­len der archi­vier­ten Wer­ke. All die­se Daten lagen ein­mal digi­tal in irgend­wel­chen Daten­ban­ken vor. Viel­leicht sind sie noch irgend­wo da drau­ßen. Aber wenn heu­te jemand die Onlin­ebe­richt­erstat­tung über den 11.9.2001 mit der über den 13.11.2015 ver­glei­chen will, hat er noch viel weni­ger Mate­ri­al als ein His­to­ri­ker, der die archi­vier­ten Zei­tungs­aus­ga­ben aus dem 19. Jahr­hun­dert für sei­nen Berg­ar­bei­ter­streik unter­sucht.

Ins Netz gegangen (23.4.)

Ins Netz gegan­gen am 23.4.:

  • Bis­lang unver­öf­fent­lich­te Wehr­machts­ak­ten jetzt online zugäng­li­ch – das dhi mos­kau und das zen­tral­ar­chiv des russ. ver­tei­di­gungs­mins­te­ri­ums haben bis­her unver­öf­fent­lich­te wehr­machts­ak­ten digi­ta­li­siert und stel­len sie (in kür­ze) online zur ver­fü­gung

    Der Bestand der deut­schen Doku­men­te im Zen­tral­ar­chiv des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums umfasst ca. 28.000 Akten und ist ins­ge­samt in 50 Find­bü­cher geglie­dert. Nach dem Abschluss der ers­ten Pro­jekt­pha­se wer­den am 29. April 2015 die für die For­schung beson­ders wich­ti­gen Unter­la­gen des Ober­kom­man­dos der Wehr­macht (271 Akten) und des Hee­res (988 Akten) sowie der Hee­res­grup­pe Mit­te (852 Akten) weit­ge­hend online zugäng­li­ch gemacht. Aus­ge­nom­men sind bis­lang groß­for­ma­ti­ge Kar­ten, deren Digi­ta­li­sie­rung beson­ders auf­wän­di­ge Tech­no­lo­gi­en erfor­dert. In einer zwei­ten Pro­jekt­pha­se fol­gen in Kür­ze die Bestän­de der Hee­res­grup­pe „Weich­sel“ (54 Akten), des Amts Ausland/Abwehr im OKW (52 Akten), der Waf­fen-SS und Poli­zei (120 Akten) sowie Beut­e­do­ku­men­te der Auf­klä­rungs­ver­wal­tung beim Gene­ral­stab der Roten Armee –GRU (332 Akten). 

  • Bun­des­nach­rich­ten­dienst: Neue NSA-Affä­re erschüt­tert BNDSPIEGEL ONLINE – Über­wa­chung: Neue Spio­na­ge­af­fä­re erschüt­tert BND (und mich auch …)
  • We Can’t Let John Deere Des­troy the Very Idea of Ownership | WIRED – wenn urhe­ber­schutz (und so etwas wie soft­ware-paten­te …) wild lau­fen, freu­en sich kon­zer­te – denn dann kommt so etwas her­aus:

    John Deere and Gene­ral Motors want to evis­ce­ra­te the noti­on of ownership. Sure, we pay for their vehi­cles. But we don’t own them. Not accord­ing to their cor­po­ra­te lawy­ers, any­way

  • 31 Theo­rie­an­sät­ze: Wor­an erkennt man ein Gedicht? – NZZ – der ver­le­ger jochen jung (von jung & jung) hat 31 „theo­rie­an­säat­ze“ (man könn­te sie auch the­sen nen­nen) über das wesen von gedich­ten notiert:

    Gedich­te strah­len in ihrer Herr­lich­keit, sie kön­nen blen­den (aber nicht blind machen). Bis­wei­len sind sie auch Blen­der.

  • Jour­na­lis­mus als Kata­stro­phe | Lesen was klü­ger macht – eine erklä­ren­de abrech­nung mit dem zustand des jour­na­lis­mus heu­te von georg seeß­len

    Einen Unter­schied zwi­schen „Qua­li­täts­jour­na­lis­mus“ und Bou­le­vard kann es dann nicht mehr geben, wenn alle Nach­rich­ten­me­di­en einer­seits aus den glei­chen Inter­es­sen und den glei­chen Quel­len ent­ste­hen, und wenn sie ande­rer­seits alle an die glei­chen Kun­den (Anzei­gen auf der einen, Leu­te die Kau­fen, ein­schal­ten, kli­cken usw. auf der ande­ren) wol­len, wenn sie Down­gra­den von Niveau und Respekt als Über­le­bens­stra­te­gie recht­fer­ti­gen. Dabei wer­den die Tricks der Nach­rich­ten­er­zeu­gung aus mehr oder weni­ger nichts immer selbst­zer­stö­re­ri­scher.[…] Kann denen mal viel­leicht jemand sagen, dass die Unter­schei­dung zwi­schen gutem und schlech­tem Jour­na­lis­mus nicht dar­in lie­gen kann, dass man letz­te Gren­zen der Nie­der­tracht über­schrei­tet oder nicht, son­dern dar­in, dass man sei­ne Arbeit und sei­nen Auf­trag grund­sätz­li­ch anders ver­steht?

  • Auf Kan­te gepres­st – War­um der Vinyl-Hype die Schall­plat­te kaputt­macht | Das Fil­ter – inter­es­san­te ein­bli­cke in die schwie­rig­kei­ten, die es mit sich bringt, ein „ver­al­te­tes“ medi­um wie die schall­plat­te wei­ter zu pro­du­zie­ren – v.a. die pro­ble­me, die feh­len­der neu­bau von pro­duk­ti­ons­ma­schi­nen und –werk­zeug ver­ur­sa­chen (von der fra­ge nach mate­ri­al für zwi­schen­stu­fen ganz abge­se­hen) …

Ins Netz gegangen (27.6.)

Ins Netz gegan­gen am 27.6.:

  • Hoch­mut gro­ßer Söh­ne – Sprach­log – Ana­tol Ste­fa­no­wit­sch über einen Vor­schlag, im Text der öster­rei­chi­schen Natio­nal­hym­ne die Frau­en wie­der zu strei­chen:

    Am Text der öster­rei­chi­schen Natio­nal­hym­ne fin­det sich, wie es bei Tex­ten von Natio­nal­hym­nen nun ein­mal so ist, wenig Erhal­tens­wer­tes. Sie fei­ert die Land­schaft (gut, das ist gera­de noch erträg­li­ch), das „für das Schö­ne begna­de­te“ und mit „hoher Sen­dung“ aus­ge­stat­te­te Volk (das ist dann eben, natio­nal­hym­nen­ty­pi­sch, nicht mehr erträg­li­ch), die krie­ge­ri­sche Ver­gan­gen­heit, und eine „arbeits­fro­he“ Zukunft. Und natür­li­ch wird dem „Vater­land“ auch ordent­li­ch Treue geschwo­ren.

  • Neu­es ARD-Nach­rich­ten­stu­dio: Tho­mas Roth trifft jetzt immer auf King Kong – Medi­en – FAZ – Oli­ver Jun­gen hält vom neu­en ARD-Stu­dio nicht so viel:

    Ein Ope­ra­ti­ons­feh­ler, das ist eigent­li­ch eine gute Meta­pher für das, was mit den ARD-Nach­rich­ten pas­siert ist: Man hat eine Wagen­la­dung Adre­na­lin in ihrem Bauch ver­ges­sen und ein­fach zuge­näht.

    – dazu noch ein biss­chen Baud­ril­lard (Simu­la­crum!) und nost­al­gi­sche Rück­be­sin­nung auf die guten alten Zei­ten, als die Nach­rich­ten ohne Bil­der aus­ka­men (übri­gens auch in der FAZ!) …

  • Deutsch­land, ver­knautscht — BILD­blog
  • Rech­ter Über­fall in Dort­mund: Poli­zei nimmt Nazis in Schutz – taz.de – total cra­zy: „Rechts­ex­tre­me woll­ten Rat­haus stür­men. Das Innen­mi­nis­te­ri­um: Die Poli­ti­ker selbst hät­ten ran­da­liert.“
  • Ich brau­che das Geld nicht“ – taz.de – Tho­mas Piket­ty im „taz-„Interview:

    Ich ver­traue der Quan­ti­fi­zie­rung des Reich­tums für das Jahr 1913 stär­ker als der von 2013. Das Natio­nal­ein­kom­men wird rela­tiv gut erfasst. Aber die Ver­tei­lung des Ein­kom­mens bis in die obers­ten Schich­ten ist eine ande­re Fra­ge.

    Schön auch eine ande­re Stel­le:

    Aber es ist schon inter­es­sant, wie viel Geld da ist, zum Bei­spiel in gro­ßen Fir­men. Die glei­chen Leu­te, die hart um jeden Euro mit ihrem Rei­ni­gungs­per­so­nal oder ihren Nied­rig­lohn­ar­bei­tern ver­han­deln, bie­ten mir 100.000 Euro für einen ein­stün­di­gen Vor­trag. Wenn ich ableh­ne, ver­dop­peln sie das Ange­bot.

  • Pen­nä­ler­haf­te Fach­pro­sa – Die neue „Kul­tur­ge­schich­te der frü­hen Neu­zeit“ ist nicht nur pein­li­ch, son­dern unver­schämt : literaturkritik.de – »Zu hof­fen bleibt, dass der ange­sichts der feh­len­den Qua­li­tät über­aus dreis­te Preis die Käu­fer abzu­schre­cken ver­mag«
  • Welt­meis­ter­schaft und Doping – Gro­ßes India­ner-Ehren­wort! – Süddeutsche.de – wun­der­bar: Tho­mas Kist­ner in der „Süd­deut­schen“ zur WM etc.:

    Wer glaubt, der Fuß­ball sei sau­ber, der darf das­sel­be von der Fifa glau­ben.

    Eine Fra­ge bleibt am Ende: War­um tei­len die Fuß­bal­l­ärz­te ihr tie­fes Wis­sen nicht mit der All­ge­mein­heit? Sieht man, wie man­cher 30-Jäh­ri­ge durch die WM-Are­nen bret­tert, obwohl er als 20- bis 25-Jäh­ri­ger kein Spiel zu Ende brach­te, ohne dass der Mus­kel zwick­te oder dicht­mach­te – dann stellt sich die Fra­ge, war­um mit die­ser doch auch für die brei­te Mensch­heit segens­rei­chen Heil- und Auf­bau­kunst so ver­dammt dis­kret umge­gan­gen wird.

    Mit der Logik kommt man der medi­zi­ni­schen, sprich: ent­schei­den­den Sei­te die­ser Mil­li­ar­den­in­dus­trie so wenig bei wie mit Doping­tests. Dem gläu­bi­gen Fan ist es sowie­so einer­lei: Augen zu, und ein­fach fes­te dar­an glau­ben.

  • Twit­ter / Cal­vin­n_Hob­bes: The ent­i­re edu­ca­ti­on sys­tem …RT @hnnngkttr: Time for chan­ge? “@Calvinn_Hobbes: The ent­i­re edu­ca­ti­on sys­tem sum­med up in a three panel comic strip. ” #edchat­de
  • An die weib­li­chen und männ­li­chen Waf­fen­scheu­en

    Die Waf­fen hoch! Das… | Aphorismen.de

    RT @giesbert: Der Felix Dahn war mit sei­ner Ant­wort an Bert­ha von Sutt­ner auch so ein Knall­depp.
  • Er kann es ein­fach nicht | Begleit­schrei­ben – Gre­gor Keu­sch­nig hat sich Chris­ti­an Wul­ffs „Ganz oben, ganz unten“ auf den Unter­su­chungs­ti­sch gelegt:

    Ich habe inzwi­schen kei­nen Zwei­fel dar­an, dass Wul­ff in einer Mischung aus selbst­verschuldetem Unglück und nar­ziss­ti­schem Jagd­trieb eini­ger wild­ge­wor­de­ner Ego­ma­nen einem eben auch qua­li­täts­me­dia­len Blut­rau­sch erlag, in dem sich zu Beginn meh­re­re Jäger gleich­zei­tig auf das glei­che Objekt kon­zen­trier­ten.
    […] bie­tet er mit teil­wei­se unge­nau­en und unge­len­ken For­mu­lie­run­gen wie­der neue Angriffs­flä­chen. So lang­sam ver­fes­tigt sich der Ein­druck: Er kann es ein­fach nicht.

  • Siri Hust­ve­dt trifft Carl Dje­ras­si – Wie­der so eine toll kon­zi­pier­te Ver­an­stal­tung, die mehr ver­heißt als sie ein­löst:

    Es sei so eine Sache mit dem Dia­log, mur­melt Siri Hust­ve­dt vor sich hin.

  • Neue siche­re Her­kunfts­staa­ten: Ein Pro­blem wird zur Lösung -

    Bereits die­se kur­zen Aus­füh­run­gen zei­gen, dass die Ein­stu­fun­gen von Maze­do­ni­en, Ser­bi­en und Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na als siche­re Her­kunfts­staa­ten wenig Anlass zur Freu­de bie­ten – sie wer­fen in ers­ter Linie euro­pa­recht­li­che Beden­ken auf. Dane­ben ist die­se Geset­zes­än­de­rung ein Bei­spiel, wie im Ver­lauf von nur 20 Jah­ren der Grund für ein Pro­blem zu des­sen Ant­wort (gemacht) wird.

  • Frän­ki­sches Reich : Das ewi­ge Leben einer dienst­ba­ren Lei­che – Nach­rich­ten Kul­tur – DIE WELT – Eck­hard Fuhr ist von den Aus­stel­lun­gen zum 1200. Todes­tag von Karl dem Gro­ßen in Aachen sehr ange­tan:

    Es ist ein­fach so: Auch wer von tie­fer Skep­sis gegen jeden Ver­su­ch erfüllt ist, mit Karl dem Gro­ßen Geschichts­po­li­tik betrei­ben, soll­te jetzt doch nach Aachen fah­ren. Denn um das zu sehen, was er dort zu sehen bekommt, muss er son­st um die gan­ze Welt rei­sen.

    Sehr recht hat er übri­gens auch mit sei­ner Ein­lei­tung:

    Ohne Karl ver­ste­hen wir gar nichts.

  • Kom­men­tar zum deut­schen Ran­schmeiß-Jour­na­lis­mus | 11 Freun­de – Die 11 Freun­de sind mit der öffent­li­ch-recht­li­chen „Bericht­erstat­tung“ zur WM zu Recht nicht zufrie­den:

    Alle zwei Jah­re, bei den gro­ßen Tur­nie­ren, wird Deutsch­land zu Sch­land, einer Nati­on der Nar­ren. Den Fans sei die­ser Aus­nah­me­zu­stand ver­gönnt und ver­zie­hen. Die Sen­der und ihre Jour­na­lis­ten aller­dings dür­fen sich davon nicht mit­rei­ßen las­sen. Denn was geschieht etwa, wenn die Natio­nal­mann­schaft doch noch früh­zei­tig aus­schei­det – ein Sze­na­rio, das nach nur einem Spiel und der beglei­ten­den Schwär­me­rei noch unwahr­schein­li­cher erscheint, als dass Joa­chim Löw mal schlecht ange­zo­gen ist? Für die­sen Fall braucht es kri­ti­sche Ana­ly­sen und har­te Fra­gen. Und kei­ne wei­nen­den Jour­na­lis­ten am Pool.

  • Why ‚Game of Thro­nes‘ Isn’t Medieval—and Why That Mat­ters – Paci­fic Stan­dard: The Sci­en­ce of Socie­ty
  • The­sen­an­schlag: Schwang Luther 1517 tat­säch­li­ch den Ham­mer? – FAZ – Mar­tin Luthers The­sen­an­schlag von Wit­ten­berg ist sicher der berühm­tes­te, aber längst nicht der ein­zi­ge: Eine Geschich­te des Anschla­gens von Zet­teln an Kir­chen.
  • Die Ver­öf­fent­li­chungs­form der Zukunft? Mein Lösungs­vor­schlag: Ein Auf­satz in Baum- und Ebe­nen­struk­tur. | Mit­tel­al­ter – eine schö­ne idee, die chris­ti­an schwa­de­rer da ent­wi­ckelt hat …

Ins Netz gegangen (31.12.)

Ins Netz gegan­gen am 31.12.: