Ins Netz gegangen (15.2.)

Zara Walker

Ins Netz gegan­gen am X.X.:

  • Schluss mit dem Toten­tanz-Gerau­ne | Zeit → klaus kast­ber­ger mel­det sich zur angeb­li­chen „kri­se der gema­nis­tik“ zu wort und kon­sta­tiert auch eine kri­se – er hät­te ger­ne wie­der mehr ver­ste­hen von lite­ra­ri­schen höhen­kamm­tex­ten als ande­res …
  • Hier wird an der Zukunft gear­bei­tet | NZZ → noch ein bei­trag zur ger­ma­nis­tik-kri­sen-debat­te, in dem frau­ke berndt vor allem die inter­na­tio­na­li­tät der ger­ma­nis­tik her­vor­hebt

    Längst sind nicht alle Schät­ze geho­ben auf die­sem Gebiet, das weder ges­tern noch heu­te an den Sprach­gren­zen des Deut­schen oder den media­len Gren­zen des Buches halt­macht. Des­halb wird die Suche nach Ant­wor­ten auf die drän­gen­den Fra­gen der Gegen­wart stets auch zur Lite­ra­tur und in die Tex­te füh­ren: Glo­ba­li­sie­rung, Natio­na­li­sie­rung, Popu­la­ri­sie­rung oder Fik­tio­na­li­sie­rung.
    Denn lite­ra­ri­sche Tex­te sind Ver­suchs­an­ord­nun­gen, Pro­be­büh­nen und Umschlag­plät­ze für sol­che ethi­schen, poli­ti­schen, öko­no­mi­schen oder phi­lo­so­phi­schen Fra­ge­stel­lun­gen. Ihnen geben Tex­te in Erzäh­lun­gen, Sze­nen und Bil­dern For­men, weil auf sol­che Fra­gen kei­ne Begrif­fe ant­wor­ten kön­nen.
    Lite­ra­tur­wis­sen­schaf­te­rin­nen ana­ly­sie­ren die­se For­men und den­ken über sie auf der Grund­la­ge ihrer Geschich­te und im Hori­zont eines gros­sen Spek­trums an Theo­ri­en nach. Es ist daher kein Wun­der, dass die­se Exper­tin­nen der Form ihre Stim­men sowohl in öffent­li­chen als auch in tages­ak­tu­el­len Debat­ten immer wie­der erhe­ben.
    […] War ein­mal wirk­li­ch alles bes­ser – zu Zei­ten die­ses merk­wür­dig ver­gol­de­ten Damals, als nur weni­ge gros­se Män­ner vie­le gros­se Bücher geschrie­ben haben? Ich weiss nicht, war­um mei­ne Kol­le­gen ihren Vätern nach­trau­ern. Mir und vie­len ande­ren feh­len die Auto­kra­ten jeden­falls nicht beson­ders. Die Bücher sind des­halb nicht schlech­ter gewor­den, der Umgang an den Uni­ver­si­tä­ten dafür aber deut­li­ch bes­ser.

  • Mobi­li­tät in Metro­po­len: Neue Wege durch die Stadt | FAZ → schö­ner über­bli­ck über das umden­ken der stadt- und ver­kehrs­pla­ner, was die zukunfts­fä­hi­ge gestal­tung der ver­kehrs­we­ge und des ver­kehrs in den (groß-)städten angeht
  • Von den Gren­zen des Gesangs­re­per­toires | Bad Blog Of Musi­ck → wen­de­lin bitz­an über die reper­toire­be­schrän­kun­gen in aus­bil­dung und aus­übung, ins­be­son­de­re bei sänger/innen:

    Das Gesangs­re­per­toire scheint fak­ti­sch auf einen Zeit­raum von etwa 250 Jah­ren begrenzt zu sein: Nor­ma­ler­wei­se kom­men klas­si­sche Gesangs­so­lis­ten gut mit Musik von Bach bis Strauss aus. Nie­man­den scheint es zu küm­mern, wenn sie Wer­ke von Jos­quin, Mon­te­ver­di, Lul­ly, Webern, Schosta­ko­wit­sch oder Brit­ten bei­sei­te las­sen. Unge­ach­tet der Tat­sa­che, dass die Genann­ten aus­nahms­los als prä­gen­de Vokal­kom­po­nis­ten ihrer Zeit gel­ten kön­nen, wer­den sie von Sän­ge­rin­nen und Sän­gern der Gegen­wart über­wie­gend igno­riert. Die Fel­der der ›Alten Musik‹ und ›Neu­en Musik‹ erschei­nen als Rand­be­rei­che des Kunst­mu­sik­be­triebs, die exklu­siv von geson­dert aus­ge­bil­de­ten Spe­zia­lis­ten bedient wer­den und über ein glei­cher­ma­ßen spe­zia­li­sier­tes Publi­kum ver­fü­gen.

  • Sprach­at­ta­cke der Rechts­po­pu­lis­ten: Trom­pe­ten des Trum­pis­mus | Spie­gel → georg seeß­len in einer sehr guten ana­ly­se über trump, demo­kra­tie und die medi­en etc:

    Trum­pis­mus ist in sei­ner ers­ten Pha­se die Kunst, die poli­ti­schen Dis­kur­se nach den Regeln der Unter­hal­tungs­in­dus­trie auf­zu­lö­sen. Es müs­sen Bil­der her, wo Tex­te waren, es muss Mythos her, wo Geschich­te war, es müs­sen Emo­tio­nen her, wo Logik war. Es ist schwer zu sagen, ob hin­ter der Ver­gif­tung von Spra­che und Dis­kurs so etwas wie ein Plan steckt, ob sie dem „Natu­rell“ der Reprä­sen­tan­ten der popu­lis­ti­schen Rech­ten ent­spricht, oder ob sie ein­fach durch tri­al and error als Erfolgs­re­zept erkannt wur­de. Spre­chen, um den ande­ren sprach­los zu machen jeden­falls, hat sei­ne Tra­di­tio­nen und ist schließ­li­ch media­le Pra­xis in den Talk­shows gewor­den.

  • Kli­ma­wan­del in den Alpen:Der Kampf um den Schnee | Deutsch­land­ra­dio Kul­tur → eine aus­führ­li­che repor­ta­ge von tobi­as kro­ne und micha­el watz­ke über ski­ge­bie­te in bay­ern und den drang, immer mehr und immer künst­li­cher „win­ter­sport“ zu ermög­li­chen …

Musik

DIe Music mein ich hier / die Sinn und Muht durch­drin­get /
und mit der Lieb­lig­keit biß in das Marck erklin­get.
wo nich­tes anders son­st des Men­schen Muht bewegt /
da ist sie off­ters / die den Geist in ihm erregt;
und der vor lan­ge Zeit betrübet hat geses­sen /
der kan durch die Music bald wer­den so ver­mes­sen /
daß er mit gra­dem Fuß lest sehen was er kan /
und stelt sich / als wolt er den hohen Him­mel an.
[…]

Sibyl­la Schwarz, Auß dem Lob einer Nacht­mu­sic

Ins Netz gegangen (10.10.)

Michael Podger

Ins Netz gegangen am 10.10.:

  • Fleuron → coole sache: eine datenbank von ornamenten des buchdrucks des 18. jahrhunderts

    Fleuron is a database of eighteenth-century printers’ ornaments. Eighteenth-century books were highly decorated and decorative. Their pages were adorned with ornaments that ranged from small floral embellishments to large and intricate head- and tailpieces, depicting all manner of people, places, and things. Fleuron includes ornaments cut by hand in blocks of wood or metal, as well as cast ornaments, engravings, and fleurons (ornamental typography).

    Printers’ ornaments are of interest to historians from many disciplines (learn more here), not least for their importance as examples of early graphic design and craftsmanship. These miniature works of art can help solve the mysteries of the book trade, and they can be used to detect piracy and fraud.

  • We Need to Save the Internet from the Internet of Things | Motherboard → bruce schneier über die sicherheitsprobleme, die - schon jetzt abseh- und spürbar, in naher zukunft aber um ein vielfaches potenziert - das "internet of things" darstellt

    What this all means is that the IoT will remain insecure unless government steps in and fixes the problem. When we have market failures, government is the only solution. The government could impose security regulations on IoT manufacturers, forcing them to make their devices secure even though their customers don't care. They could impose liabilities on manufacturers
    ...
    we need to build an internet that is resilient against attacks like this. But that's a long time coming.

  • „vorwärts“ und nicht vergessen? | carta → klaus vater über den "vorwärts", mit interessanten anekdoten
  • Was läuft: Musik war immer wichtig | der Freitag → über die musik, die serien für die end-credits benutzen ...
  • Weimarer Republik: Hatte Weimar eine Chance? | ZEIT ONLINE → die "zeit" stellt zwei bewertungen der weimarer republik gegenüber - von tim b. müller und andreas wirsching. interessant die unterschiede (müller wiederholt, was er seit zwei jahren auf allen kanälen mitteilt ...), aber auch die gemeinsamkeiten. und vielleicht sollte man die beiden ansätze/bewertungen überhaupt gar nicht so sehr als gegensätze, sondern als ergänzungen betrachten ...

Ins Netz gegangen (25.9.)

Milada Vigerova

Ins Netz gegan­gen am 25.9.:

  • Ent­gren­zung und die Spra­che der Flücht­lings­de­bat­te | FAZ → ein sehr guter text von tobi­as rüt­her über die zuneh­mend unsäg­li­che, untrag­ba­re, ver­hee­ren­de rhe­to­rik im poli­ti­schen dis­kurs, vor allem wenn es um „flücht­lings­fra­gen“ geht (wor­an die faz aber auch ihren anteil hat …)
  • #Open_Ac­cess: Wie der aka­de­mi­sche Kapi­ta­lis­mus die Wis­sen­schaf­ten ver­än­dert – Geschich­te der Gegen­wart → micha­el hagner wirf einen eher pes­si­mis­ti­schen bli­ck auf die momen­ta­nen ent­wick­lun­gen von open access

    Als Geschäfts­modell des akade­mi­schen Kapita­lismus ist OA Rea­li­tät, als Pro­gramm dafür, die Mensch­heit im gemein­samen intel­lek­tu­ellen Gespräch und Stre­ben nach Wis­sen zu verei­nigen, ist es eine Uto­pie.

    OA hat das auch vor­her schon viru­len­te Pro­blem eines hemmungs­losen Publi­ka­ti­ons­wahns noch wei­ter ver­schärft und mit der vermeint­lichen Trans­parenz eine noch grö­ße­re Unüber­sicht­lichkeit geschaf­fen.

  • Die Schwar­zen Schwä­ne der Ener­gie­wen­de | Neue Ener­gie → ein inter­es­san­tes inter­view über risi­ken für die ener­gie­wen­de

    Das kri­tischs­te Risi­ko für die Ener­gie­wen­de wirkt im Ver­gleich gar nicht so span­nend: dau­er­haft nied­ri­ge Welt­markt­prei­se für fos­si­le Ener­gi­en.

  • Das Geld wan­dert ab aus die­sem Beruf“ | Voll­text → inter­es­san­tes inter­view mit ulri­ke draes­ner über lyrik und deren wert­schät­zung, die ände­run­gen für das schrei­ben, die die all­zeit ver­füg­ba­ren daten & infor­ma­tio­nen mit sich brin­gen
  • US Air­ways Flight 1549: Ana­to­my of a Mira­cle | Vani­ty Fair → groß­ar­ti­ge (wirk­li­ch!) – und auch ziem­li­ch lan­ge – repor­ta­ge über das flug­zeug, das auf dem hud­son river kurz nach dem start not­lan­de­te. tol­ler text!
  • Alfred Harth: Jen­seits von Para­dox (Erin­ne­run­gen) | geti­dan → der groß­ar­ti­ge alfred 23 harth erin­nert sich an die 80er:

    Am Abend medi­tie­re ich auf dem Saxo­fon die jüngs­ten Ereig­nis­se die­ser enig­ma­ti­schen Rei­se, ihre nume­ro­lo­gi­schen Impli­ka­tio­nen, und bin ab sofort als 23 neu inkar­niert.
    […] Zer­split­ter­te Zeit­py­ra­mi­de. Simu­la­ti­ons­zeit­al­ter. Any­thing Goes – Jazz ist eigent­li­ch ein quer­ste­hen­des Gefühl.

  • Byung-Chul Han: Wir hat­ten eine gute Zeit | ZEIT ONLINE → Magnus Klaue zeigt wie das Den­ken und Schrei­ben von Byung-Chul Han funk­tio­niert und erfolg­reich sein kann

Ins Netz gegangen (20.7.)

Andrés Canchón

Ins Netz gegan­gen am 20.7.:

  • Ter­ro­ris­mus: „Unse­re Welt gerät aus den Fugen“ | Zeit → harald wel­zer hat im inter­view mit der „zeit“ wenig genau­es oder ori­gi­nel­les zu sagen, aber das sagt er sehr gut

    Aber man muss im Auge haben, dass Ängs­te poli­ti­sch mobi­li­sier­bar sind. Das ist die eigent­li­che Kata­stro­phe. Eine Poli­tik der Angst führt immer zur Pola­ri­sie­rung der Gesell­schaft und damit zu dem, was die Ter­ro­ris­ten beab­sich­ti­gen.

  • Lann Horn­scheidt: „Es ist eine Fra­ge der Zeit, bis wir bei der Geburt kein Geschlecht mehr zuge­wie­sen bekom­men“ | zeit → lann horn­scheidt im lan­gen inter­view mit zeit-wis­sen, natür­li­ch über sex, gen­der, geschlecht, spra­che, iden­ti­tät und gesell­schaft. und hass.(kanada ist übri­gens gera­de dabei, sich um die im titel ange­spro­che­ne ver­än­de­rung zu küm­mern …)
    (und wie immer: die kom­men­ta­re sind trotz nicht gera­de weni­gen löschun­gen nicht so wirk­li­ch erfreu­li­ch)
  • Coun­ter­ten­or über Geschlech­ter­rol­len: „Es ist so ein Erfüllt­sein“ | taz → ein wun­der­ba­res inter­view mit dem gro­ßen andre­as scholl, der ganz viel rich­ti­ges und wich­ti­ges sagt …

    Das Kon­zert, und da kom­men wir wie­der zurück auf die Reli­gio­si­tät, auf die Spi­ri­tua­li­tät, hat die Auf­ga­be, trans­for­mie­rend zu wir­ken. Das heißt: Das Publi­kum betritt den Saal. Und wenn das Publi­kum den Saal ver­lässt, ist es ver­än­dert.

  • Das Post­post oder Wege aus dem Ich | Per­len­tau­cher → char­lot­te kraft beim „per­len­tau­cher“ über die gegen­wär­ti­ge jun­ge lite­ra­tur und ihre inhal­te

    Was prägt also die­se Zeit und ihre Lite­ra­tur: Die Angst vor Epi­go­na­li­tät, die Angst vor Mei­nun­gen, die Angst vor Ent­schei­dun­gen, die Angst vor dem uner­gründ­ba­ren Frem­den, vor Träu­men, Lei­den­schaft und Nai­vi­tät, denn all dies bedeu­tet Aus­schluss, gefähr­li­che Ein­di­men­sio­na­li­tät. Lei­den­schaft für das eine schlös­se Lei­den­schaft für all das ande­re aus, das Frem­de ist nie in sei­ner Gän­ze zu begrei­fen, die gan­ze Wahr­heit bleibt immer unaus­ge­spro­chen und das Bewusst­sein dar­über ist unser Dra­ma. Am Ende kann ich mich nie für eines ent­schei­den. Am Ende bleibt nur die Resi­gna­ti­on und das Ver­lan­gen, über mei­ne Not zu schrei­ben, zu reflek­tie­ren und die­se Refle­xi­on wie­der­um zu reflek­tie­ren und immer so wei­ter. Die Kon­zen­tra­ti­on auf ein ande­res The­ma als das Ich, das Zen­trum unend­li­cher Mög­lich­kei­ten, scheint unmög­li­ch. Ego­zen­tris­mus ist kei­ne Ent­schei­dung.

  • Der Fall Rockel-Loen­hoff: Eine Heb­am­me und die töd­li­che Brauch­tums­pfle­ge (Teil 2: Täte­rin und Tat) | Psi­ram → Psi­ram legt die gescheh­nis­se anhand der urteils­schrift dar – wesent­li­ch nüch­ter­ner als etwa die „süd­deut­sche“ in ihrem ten­den­ziö­sen pro-heb­am­me-arti­kel vor eini­ger zeit
  • The Open Let­ter Denoun­cing Trump You’re Going to Read on Face­book for the Next Four Months | The New Yor­ker → der new yor­ker hat den repu­bli­ka­nern mal etwas arbeit abge­nom­men und einen mus­ter-blog­post (schön gene­ri­sch) zur indi­vi­du­el­len dis­tan­zie­rung und ver­dam­mung von donald trump ver­fasst
  • François-Xavier Roth: „Rund­funk­or­ches­ter sind unglaub­li­che Maschi­nen für die Musik, für die Zukunft“ | nmz

    Es wäre natür­li­ch bes­ser gewe­sen, wenn das Orches­ter erhal­ten geblie­ben wäre, aber die­se Ent­schei­dung neh­me ich nicht per­sön­li­ch. Es geht nicht um mich. Aber ich habe viel gelernt dar­über, in wel­cher Zeit wir leben. Dass sich die Ten­den­zen in Deutsch­land gera­de gegen die Kunst rich­ten. Die­se Fusi­on war ein ers­tes Kapi­tel – und ich hof­fe, es war auch das letz­te. Die­se Ent­schei­dung hat sehr viel zu tun mit Popu­lis­mus. Ich bin sehr ent­täuscht dar­über, dass sich Ver­tre­ter der Rund­funk­or­ches­ter Deutsch­lands nicht an einem run­den Tisch getrof­fen haben. Nach unse­rer Geschich­te, die wir erle­ben muss­ten, wäre dies wirk­li­ch abso­lut not­wen­dig. Rund­funk­or­ches­ter sind unglaub­li­che Maschi­nen für die Musik, für die Zukunft. Aber man muss dies her­aus­strei­chen in der öffent­li­chen Dis­kus­si­on. Man muss sehr laut und krea­tiv sein.

Ins Netz gegangen (13.6.)

Ins Netz gegan­gen am 13.6.:

  • Ret­tet das Oli­ven­öl! | Repor­ta­gen → eine tol­le repor­ta­ge über ein bak­te­ri­um, dass oli­ven­bäu­me tötet. und den ver­geb­li­chen kampf eini­ger ita­lie­ner und der eu dage­gen. und viel ver­schwö­rungs­theo­rie, irra­tio­na­li­tä­ten bei bau­ern, medi­en und jus­tiz – wun­der­bar geeig­net, alles vor­ur­tei­le über ita­li­en zu bestä­ti­gen …

    Riel­li denkt nach. Zwar sieht er sich selbst als umwelt­be­wuss­ten Men­schen, für den die Natur zuer­st kommt, doch im Fall von Xylel­la hat er sich auf die ande­re Sei­te geschla­gen. Dass die Wis­sen­schaf­ter im Salen­to eben­so wie ihre über den Glo­bus ver­streu­ten Kol­le­gen die Mei­nung ver­tre­ten, Xylel­la sei die Haupt­ur­sa­che der Oli­ven­pest, über­zeugt ihn: «For­scher strei­ten sich meis­tens über ihre Erkennt­nis­se, doch im Fall Xylel­la sind sie sich einig.» Ent­spre­chend kann er nicht nach­voll­zie­hen, dass die Men­schen im Salen­to eine ihrer wich­tigs­ten Ein­kom­mens­quel­len aufs Spiel set­zen, die Dro­hun­gen der loka­len Behör­den wie auch der EU igno­rie­ren und nichts ande­res zu tun wis­sen, als alle Plä­ne zur Lösung der Epi­de­mie zu unter­lau­fen, abstru­se Theo­ri­en auf­zu­stel­len und mit den For­schern aus­ge­rech­net jene Per­so­nen in Ver­ruf zu brin­gen, die als Ein­zi­ge das Pro­blem lösen kön­nen. Das alles will ihm nicht in den Kopf, also bestellt er einen drit­ten Gin, denkt wei­ter, bis sich Ella dazu­setzt, Archi­tek­tin aus Lec­ce, die ihn von einer sei­ner Lesun­gen kennt. Er erzählt, wor­über er nach­denkt: «Was ist los mit die­sem Land?» 

    Dann, Riel­li ist längst in Bolo­gna zurück, holt die Jus­tiz im Salen­to zu einem Schlag aus, der jede Hoff­nung zunich­te­macht, das Kil­lerbak­te­ri­um Xylel­la fas­t­idio­sa wirk­sam zu bekämp­fen, bevor es noch wei­ter Rich­tung Nor­den wan­dert. Eben­so zer­schlägt sich die Hoff­nung des For­schers Dona­to Boscia, dass die gegen ihn und ande­re For­scher erho­be­nen Vor­wür­fe fal­len­ge­las­sen wer­den: Am 18. Dezem­ber 2015 klagt die Staats­an­walt­schaft Lec­ce zehn Per­so­nen an, sich gemäss Arti­kel 500 des ita­lie­ni­schen Straf­ge­setz­buchs der «fahr­läs­si­gen Ver­brei­tung einer Pflan­zen­krank­heit» schul­dig gemacht zu haben, das geschütz­te Land­schafts­bild des Salen­to zu zer­stö­ren, die Behör­den belo­gen und Urkun­den gefälscht zu haben. Neun der Ange­klag­ten sind For­scher, dar­un­ter Dona­to Boscia, Sil­vio Schi­to sowie meh­re­re Wis­sen­schaf­ter der Uni­ver­si­tät Bari. Der zehn­te Ange­klag­te ist Com­mis­sa­rio Giu­sep­pe Sil­let­ti als Voll­stre­cker der EU-For­de­run­gen. Zudem beschlag­nahmt die Staats­an­walt­schaft sämt­li­che zum Fäl­len bestimm­ten Bäu­me; sie dür­fen nicht ange­rührt wer­den, und sie ver­bie­tet den Bau­ern, die für die Ver­brei­tung von Xylel­la ver­ant­wort­li­chen Wie­sen­schaum­zi­ka­den zu bekämp­fen. Mit ande­ren Wor­t­en: Sämt­li­che Ver­su­che, das Bak­te­ri­um ein­zu­däm­men, sind zunich­te­ge­macht.

  • Akten – Was nicht in der Welt ist | Süd­deut­sche → heri­bert prantl über die wich­tig­keit und not­wen­dig­keit von akten in einer funk­tio­nie­ren­den demo­kra­tie und die wich­tig­keit und not­wen­dig­keit, die­se akten nicht nur zu füh­ren, son­dern auch ange­mes­sen zu archi­vie­ren. aus­lö­ser ist ein streit um ille­gal dem bun­des­ar­chiv nicht zur ver­fü­gung gestell­te akten diver­ser (spitzen)politiker, die so der for­schung ganz (oder teil­wei­se) ent­zo­gen sind
  • The UK explai­ned sexu­al con­s­ent in the most Bri­tish way pos­si­ble | YouTube → sehr schö­ner klei­ner zei­chen­trick­film, der erklärt, wie ein­fach das eigent­li­ch mit konsens/zustimmung bei sex ist
  • Pia­nist Igor Levit im inter­view: „Mei­ne Wit­ze wer­den lang­sam bes­ser!“ | Tages­spie­gel → igor levit ist nicht nur ein aus­ge­zeich­ne­ter pia­nist, son­dern offen­bar auch ein her­vor­ra­gen­der inter­view­part­ner (und twit­te­rer …)

Ins Netz gegangen (6.6.)

Ins Netz gegan­gen am 6.6.:

  • Faking it – the great unmen­tionable of orches­tral play­ing | the strad → Given today’s high stan­dards of musi­ci­anship, you might think top orches­tral string play­ers can play any­thing, but the­re are times when the best they can do is give the impres­si­on of play­ing every note as writ­ten
  • Igor Levit: „Es ist so unheim­li­ch geil“ | ZEIT ONLINE → der groß­ar­ti­ge igor levit lässt sich von moritz von uslar fra­gen zu beet­ho­ven stel­len und hat ein paar coo­le ant­wor­ten auf teil­wei­se etwas dümm­li­che fra­gen (die sich uslar nicht mal selbst über­le­gen konn­te …)
    krank aller­dings ist der angeb­li­che anlass: das beet­ho­ven-jubi­lä­um 2020 – sind ja nur noch vier jah­re, aber was soll’s, damit war die „zeit“ bestimmt das ers­te medi­um, das das jubi­lä­um ein­ge­läu­tet hat …
  • Aaron Sor­kin Con­ju­res a Mee­ting of Oba­ma and Bart­let – The New York Times → erst jetzt gefun­den: aaron sor­kin hat sich für die NYTi­mes ein tref­fen von oba­ma und dem west-wing-prä­si­dent bart­lett 2008 aus­ge­malt.
  • Koh­leaus­stieg ver­tagt | klimaretter.info → aus kurz­fris­ti­gen poli­ti­schen über­le­gun­gen (und angst) ver­gei­gen die regie­run­gen deutsch­lands die ener­gie­wen­de immer mehr, schie­ben sie immer wei­ter in die zukunft und hin­ter­las­sen immer grö­ße­re pro­ble­me
  • Kli­ma­wan­del: Der unglaub­li­che Eier­tanz der Meteo­ro­lo­gen | FAZ → joa­chim mül­ler-jung hat genug vom eier­tanz der mete­ro­lo­gen:

    Aber wie lan­ge sol­len sich Meteo­ro­lo­gen, die wie kaum eine zwei­te For­scher­gil­de öffent­li­ch Gehör fin­den, hin­ter einem omi­nö­sen sta­tis­ti­schen Rau­schen ver­ste­cken, nur weil sie das Offen­kun­di­ge – den beschleu­nig­ten Kli­ma­wan­del – als poli­ti­sche Kor­rekt­heit und des­we­gen als unan­ge­mes­se­ne wis­sen­schaft­li­che Inter­pre­ta­ti­on betrach­ten? Die meteo­ro­lo­gi­sche Exper­ti­se steckt selbst in einem Tief­drucksumpf. Sie täte auch des­halb gut dar­an, ihre ver­quas­ten kli­ma­to­lo­gi­schen Sprach­re­gu­la­ri­en auf­zu­ge­ben, weil sie mit zwei­deu­ti­gen Aus­flüch­ten die anti­wis­sen­schaft­li­chen Res­sen­ti­ments nur mehr schürt.

  • Vor 10.000 Jah­ren waren die Euro­pä­er schwarz“ – Johan­nes Krau­se im Gespräch | Migra­ti­on → sehr inter­es­san­tes und span­nen­des inter­view mit dem paläo­ge­ne­ti­ker johan­nes krau­se über migra­tio­nen, aus­se­hen etc.

    Vor der Eis­zeit hat­ten die bis­her unter­such­ten Men­schen in Euro­pa alle brau­ne Augen, nach der Eis­zeit waren die Augen blau. Die Ureu­ro­pä­er, die vor zehn­tau­sen­den Jah­ren in Euro­pa leb­ten, hat­ten eine dunkle Haut­far­be. Das ent­spricht nicht dem übli­chen Bild. Wenn ich ins Muse­um gehe, sind die Jäger und Samm­ler von vor 10.000 Jah­ren meist weiß dar­ge­stellt – dabei waren sie schwarz und hat­ten blaue Augen. Sie wie­sen kei­nes der Gene auf, die heu­te eine hel­le Haut­far­be ver­ur­sa­chen. Die heu­ti­ge hel­le Haut hat sich erst in der Bron­ze­zeit in Euro­pa aus­ge­brei­tet, also vor zir­ka 5.000 Jah­ren.

  • Read more blogs | Seth’s blog → seth godin:

    rea­ding more blogs is one of the best ways to beco­me smar­ter, more effec­tive and more enga­ged in what’s going on. The last great online bar­gain.

    – sehr rich­tig. und wirk­li­ch so ein­fach umzu­set­zen. rss und sei­ne rea­der sind mei­nes erach­tens immer noch die am meis­ten unter­schätz­te tech­nik im inter­net

Ins Netz gegangen (1.3.)

Ins Netz gegan­gen am 1.3.:

  • Köl­ner Publi­kum beschimpft Musi­ker – ein Skan­dal! | cre­scen­do – axel brüg­ge­mann fin­det kla­re (und rich­ti­ge) worte:

    Wie groß die Untu­gend des Nicht-Zuhö­ren-Wol­lens ist, hat sich nun auch dort gezeigt, wo man eigent­li­ch zum Ohren­auf­sper­ren hin­geht: im Kon­zert. An einem Ort, der dazu gedacht ist, neue Ein­drü­cke zu gewin­nen, der einer Kunst gewid­met ist, in der das immer Glei­che (das klas­si­sche Reper­toire) jeden Abend aufs Neue kri­ti­sch befragt und inter­pre­tiert wird, an dem das Frem­de, das Über­ra­schen­de und das Ver­stö­ren­de zur Regel gehö­ren.

    Das Köl­ner Kon­zert hat nun gezeigt, dass die­se Auf­ga­be der Kul­tur von vie­len Men­schen gar nicht mehr gewollt wird. Dass es ein erschre­ckend gro­ßes Publi­kum gibt, das – im Jar­gon des AfD-Pro­gramms – jenen Kit­sch Kul­tur nennt, der ledig­li­ch der Selbst­be­stä­ti­gung dient, des­sen Auf­ga­be es sein soll, die natio­na­le Iden­ti­tät zu bestä­ti­gen und zu stär­ken, in dem sich die Dum­men durch die Genies des Lan­des erhöht füh­len. Es gibt tat­säch­li­ch immer mehr Men­schen, die das Kon­zert als eine Art musi­ka­li­sche Penis­ver­grö­ße­rung ver­ste­hen, die allein des­halb auf dicke Hose machen, weil sie zufäl­lig aus dem glei­chen Land wie Bach, Beet­ho­ven oder Wag­ner kom­men. Und die zum Ver­bal-Krieg rüs­ten, sobald die Musik eines unan­ge­foch­te­nen, aus­län­di­schen Tit­ans wie Ste­ve Reich erklingt. Men­schen, die es nicht mehr ertra­gen, wenn – oh, Unter­gang des Abend­lan­des! – inter­na­tio­na­le Künst­ler Eng­li­sch spre­chen. Men­schen, die Künst­ler belei­di­gen und anschrei­en sind jene Men­schen, die Aus­län­der­kin­dern mit besof­fe­nem Atem „Wir sind das Volk“ ent­ge­gen­kei­fen. Bis­lang haben wir sie eher mit dem Hor­st Wes­sel Lied in Ver­bin­dung gebracht, nun zie­hen sie auch Beet­ho­ven und Co. in den Schmutz.

  • Holo­caust mit Sol­jan­ka – Ein Aus­flug in die ost­deut­sche Ver­schwö­rung­sze­ne | Hate – René Sey­f­ar­th berich­tet für hate-mag.com von sei­nem besu­ch der aus­stel­lung „2000 Jah­re – Des deut­schen Vol­kes Lei­dens­weg“:

    Gefan­gen im fara­day­schen Käfig sei­ner Kup­fer­dräh­te und einer dua­lis­ti­schen Welt­ord­nung aus Gut und Böse, Mann und Frau, wahr und fal­sch, lebt der Wirt des Wet­ti­ner Hofs gut geschützt vor den Blitz­schlä­gen intel­lek­tu­el­ler Ein­sicht durch Quel­len­viel­falt oder gar Skep­sis.

  • Zehn Din­ge, die du noch nicht über Leo­nar­do DiC­a­prio gewusst hast | Mer­kur – thors­ten krä­mer hat für den blog des mer­kurs eine schö­ne lis­te geschrie­ben …
  • Ever­y­thing that is wrong with „Mozart in the Jun­gle“. Sea­son 2, Epi­so­de 1 „Stern Papa“ | Bad Blog Of Musi­ck – sehr schön: moritz eggert führt sei­ne betrach­tung der serie „mozart in the jun­gle“ aus sicht eines pro­fes­sio­nel­len musi­kers fort …

Ins Netz gegangen (3.2.)

Ins Netz gegan­gen am 3.2.:

  • Peter Schaar: Ist das „Pri­va­cy Shield“ end­li­ch ein siche­rer Hafen? | hei­se – auch peter schaar ist vom „pri­va­cy shield“ nicht begeis­tert:

    Man darf des­halb auf den Text der von der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on mit der US-Regie­rung aus­ge­han­del­ten Ver­ein­ba­rung gespannt sein. Nach den Wor­t­en von EU-Vize­prä­si­dent Ansip soll das neue Arran­ge­ment wesent­li­ch bes­ser sein als das alte Safe-Har­bor-Sys­tem. Das muss es auch sein, denn ansons­ten geht die Kom­mis­si­on ein gro­ßes Risi­ko ein, dass auch die­ser neue Rah­men für die Daten­über­mitt­lung in die USA die Prü­fung durch den Euro­päi­schen Gerichts­hof nicht über­steht. Dies wäre schlecht für den Grund­rechts­schutz der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger und es wäre auch nicht im Inter­es­se der euro­päi­schen oder US-ame­ri­ka­ni­schen Wirt­schaft.

  • Safe Har­bor: Alter Wein in neu­en Schläu­chen › Digi­ta­le Gesell­schaft – die „digi­ta­le gesell­schaft“ mit kla­ren wor­t­en zum neu­en pseu­do-daten­schutz­ab­kom­men, dass die eu mit den usa aus­ge­han­delt hat
  • Gri­go­ry Soko­l­ov: „Man spielt jeden Tag anders“ | ZEIT – wun­der­bar kurio­ses inter­view von chris­ti­ne lem­ke-mat­w­ey in der „zeit“ mit dem gro­ßen pia­nis­ten gri­go­ry soko­l­ov

    Für ech­te Kunst gibt es kei­ne Zeit und kei­ne Gren­zen. Und kei­ne Geo­gra­fie. Für einen Welt­men­schen spielt das alles kei­ne Rol­le.
    […]Erfol­ge fei­ern nicht die Künst­ler, son­dern die Zuhö­rer, die den Künst­ler mehr und mehr ver­ste­hen.
    […]Die Kunst ist ein Par­al­lel­uni­ver­sum zur Wirk­lich­keit.

  • In der Wahr­heit liegt die Lüge – ana­tol ste­fa­no­wit­sch über spra­che und sprach­li­che maxi­men, die dazu füh­ren, dass auch geäu­ßer­te tri­via­li­tä­ten plötz­li­ch (fal­sches) gewicht bekom­men – am bei­spiel von dro­gen­süch­ti­gen, kor­rup­ten minis­te­rin­nen
  • Rad­we­ge: Pots­dam macht es vor | Zeit – and­rea reidl in der zeit über die rad­ver­kehrs­för­de­rung in pots­dam, die den rad­an­teil inner­halb weni­ger jah­re auf 20% brach­te (unter­des­sen ist die faz immer noch die mei­nung, die 12% in frank­furt sei­en ein ganz tol­ler wert … – kopen­ha­gen nähert sich den 50%)
  • 4740,10 Euro pro Medi­ka­ment | ZEIT­ma­ga­zin -

    4.740,10 Euro kos­tet eine Packung Nexa­var. Sie reicht einen Monat. Wie viel ist uns das Leben der ande­ren wert? 

    guter, aus­führ­li­cher text über neue, sehr teu­re medi­ka­men­te (v.a. in der krebs­the­ra­pie), die oft nur einen ver­gleichs­wei­se gerin­gen nut­zen haben – z.b. 14 tage mehr lebens­zeit …

  • Kunst­spe­di­ti­on: Nie­mals stür­zen … | ZEIT ONLINE – schö­ne repor­ta­ge über den kunst­spe­di­teur klaus hil­mann mit dem wun­der­ba­ren schluss­satz des unter­neh­mers: „Nur weil etwas 500.000 Euro gekos­tet hat, ist es noch nicht natio­na­les Kul­tur­gut.“

Identität

Ich kann Leu­te nicht ver­ste­hen, die über 22 sind und trotz­dem noch glau­ben, sie müss­ten sich über ihre Musik­vor­lie­ben eine Iden­ti­tät zusam­men­klau­ben. Arm­se­lig, hilf­los.Micha­el Weins, Lazy­boy, 183

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