Ins Netz gegangen (13.4.)

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Ins Netz gegangen am 13.4.:

  • Märchenstunde am Main | NZZ → jürgen tietz spart nicht mit deutlichen Worten über den Unsinn einer (scheinbaren) Rekonstruktion einer historischen Altstadt

    Dort, wo nach den Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs nur noch rauchende Trümmer lagen, manifestiert sich heute ein gebauter Aufschrei nach verlorener Heimeligkeit und einstiger städtischer Bedeutung. Dafür musste das zu Beginn der siebziger Jahre gebaute Technische Rathaus verschwinden, nach nur 35 Jahren. So kurzatmig ist die hessische Geschichte. Was aber ist der Sinn dieser gebauten Frankfurter Märchenwelt? Leistet sie einen Beitrag, um die drängenden Fragen der Zukunft der Städte zu lösen? Wohl kaum, denn auf dem historisierenden neuen Herzstück Frankfurts entsteht gerade einmal die bescheidene Zahl von sechzig Wohnungen – mit einer Fläche von insgesamt 7000 Quadratmetern. Sonst gibt sich das Quartier als architektonisch verdichtete Seelenmassage, ein Gegenmodell zu den Hochhäusern der globalisierten Stadt.
    ...
    Der grosse Irrtum einer derart fiktionalen Stadtarchitektur ist es, dass sie wie eine gebaute Zeitmaschine wirkt. Doch sie ist nur ein Abziehbild einer deutschen Seelenlandschaft, in der die Verwundungen der Kriegs- und Nachkriegszeit bis in die nach-nachfolgende Generation andauern. So entsteht eine weinerliche Mischung aus Verlust und Verdrängung, aus romantischer Sehnsucht und einer Unfähigkeit zu trauern.

  • Werben mit Google: Ist die taz Schmuddelkram? | taz-hausblog → die taz nut googles adsense und berichtet hier von schwierigkeiten bei der "richtlinien"-einhaltung und kommunikation mit dem unternehmen
  • Wollen alle Autoren sein? Alles schreibt, keiner liest | NZZ → jochen hörisch über das sich verändernde verständnis von schreiben und lesen, den zusammenhang von sein und schreiben, welt und text

    Alles schreibt, aber kaum einer liest mehr so gründlich, konzentriert und hingebungsvoll wie der Leser in Rilkes gleichnamigem Gedicht oder der Buch-Enthusiast in Michael Endes «Unendlicher Geschichte». ... Es ist offenbar, dass Gott nicht im Sinne logischer Evidenz offenbar ist, dass auch er ein schwächelnder Autor ist, der die Kluft, die die Welt von den Worten trennt, nicht ein für alle Mal überwinden kann. ... Das Wort wird Fleisch, Bits werden Atome, die Idee der Transsubstantiation ist heute mehr als ein faszinierendes religiöses Phantasma, nämlich ein Schreibprogramm für ambitionierte Ingenieure. Wer diese Wandlung von Lese- in Schreibprogramme im Blick hat, wird sowohl das Comeback militanter Religiosität als auch die Inflation der Schreiblust heute mit anderen Augen sehen. ... Man vergisst gerne, dass die verpflichtende Alphabetisierung ein kultureller Sonderweg einer seltsamen Weltecke in einer exzentrischen Epoche ist bzw. war. Heute können, wenn sie denn Zugriff auf Zauberwerke der Ingenieurs- und Informatikerkunst haben, alle lesen und schreiben – paradoxerweise eben auch diejenigen, die nicht lesen und schreiben können. Gemeinsam ist ihnen der Wunsch, nicht nur ein Wort mitzureden, sondern Autoren zu werden, die von der Pflicht dispensiert sind, lesen zu müssen.

  • NS-Filme: Vorbehaltsvorbehalte| Freitag → dirk alt und friedemann beyer über die zunehmend unnötige, aus der zeit gefallene "vorbehalts"-lösung, die ns-propagandafilme (bzw. manche davon) unter halbverschluss hält

    Vor diesem Hintergrund mutet die hiesige Kontroverse um eine offizielle Zugänglichmachung der Vorbehaltsfilme kurios an, zumal sie nicht nur die längst unwiderrufliche Verfügbarkeit der Filme ignoriert, sondern darüber hinaus von Dämonisierung und reflexartiger Betroffenheit geprägt ist.

  • Index, A celebration of the | TLS → ein lob der indices und ihres klugheit/ihres wissens, anlässlich des sechzigjährigen bestehens der "Society of Indexers"
  • a href="http://blogs.faz.net/pop-anthologie/2017/03/18/alte-mythen-in-honig-351/">Genesis: „The Musical Box“ | Pop-Anthologie → hervorragende würdigung des großartigen "the musical box" (auf "nursery cryme") von genesis in der pop-anthologie der faz:

    Dass die Karrieren von Collins und Rutherford in Hits wie „Dance Into the Light“ oder „All I Need is a Miracle“ gipfelten, die von einer erschütternden Belanglosigkeit sind, ist das traurige Ende dieser Entwicklung. „The Musical Box“ aber darf nicht im Kuriositätenkabinett der Musikgeschichte abgelegt werden. Es gehört zum Kanon der besten britischen Popmusik.

Ins Netz gegangen (15.2.)

Zara Walker

Ins Netz gegan­gen am X.X.:

  • Schluss mit dem Toten­tanz-Gerau­ne | Zeit → klaus kast­ber­ger mel­det sich zur angeb­li­chen „kri­se der gema­nis­tik“ zu wort und kon­sta­tiert auch eine kri­se – er hät­te ger­ne wie­der mehr ver­ste­hen von lite­ra­ri­schen höhen­kamm­tex­ten als ande­res …
  • Hier wird an der Zukunft gear­bei­tet | NZZ → noch ein bei­trag zur ger­ma­nis­tik-kri­sen-debat­te, in dem frau­ke berndt vor allem die inter­na­tio­na­li­tät der ger­ma­nis­tik her­vor­hebt

    Längst sind nicht alle Schät­ze geho­ben auf die­sem Gebiet, das weder ges­tern noch heu­te an den Sprach­gren­zen des Deut­schen oder den media­len Gren­zen des Buches halt­macht. Des­halb wird die Suche nach Ant­wor­ten auf die drän­gen­den Fra­gen der Gegen­wart stets auch zur Lite­ra­tur und in die Tex­te füh­ren: Glo­ba­li­sie­rung, Natio­na­li­sie­rung, Popu­la­ri­sie­rung oder Fik­tio­na­li­sie­rung.
    Denn lite­ra­ri­sche Tex­te sind Ver­suchs­an­ord­nun­gen, Pro­be­büh­nen und Umschlag­plät­ze für sol­che ethi­schen, poli­ti­schen, öko­no­mi­schen oder phi­lo­so­phi­schen Fra­ge­stel­lun­gen. Ihnen geben Tex­te in Erzäh­lun­gen, Sze­nen und Bil­dern For­men, weil auf sol­che Fra­gen kei­ne Begrif­fe ant­wor­ten kön­nen.
    Lite­ra­tur­wis­sen­schaf­te­rin­nen ana­ly­sie­ren die­se For­men und den­ken über sie auf der Grund­la­ge ihrer Geschich­te und im Hori­zont eines gros­sen Spek­trums an Theo­ri­en nach. Es ist daher kein Wun­der, dass die­se Exper­tin­nen der Form ihre Stim­men sowohl in öffent­li­chen als auch in tages­ak­tu­el­len Debat­ten immer wie­der erhe­ben.
    […] War ein­mal wirk­li­ch alles bes­ser – zu Zei­ten die­ses merk­wür­dig ver­gol­de­ten Damals, als nur weni­ge gros­se Män­ner vie­le gros­se Bücher geschrie­ben haben? Ich weiss nicht, war­um mei­ne Kol­le­gen ihren Vätern nach­trau­ern. Mir und vie­len ande­ren feh­len die Auto­kra­ten jeden­falls nicht beson­ders. Die Bücher sind des­halb nicht schlech­ter gewor­den, der Umgang an den Uni­ver­si­tä­ten dafür aber deut­li­ch bes­ser.

  • Mobi­li­tät in Metro­po­len: Neue Wege durch die Stadt | FAZ → schö­ner über­bli­ck über das umden­ken der stadt- und ver­kehrs­pla­ner, was die zukunfts­fä­hi­ge gestal­tung der ver­kehrs­we­ge und des ver­kehrs in den (groß-)städten angeht
  • Von den Gren­zen des Gesangs­re­per­toires | Bad Blog Of Musi­ck → wen­de­lin bitz­an über die reper­toire­be­schrän­kun­gen in aus­bil­dung und aus­übung, ins­be­son­de­re bei sänger/innen:

    Das Gesangs­re­per­toire scheint fak­ti­sch auf einen Zeit­raum von etwa 250 Jah­ren begrenzt zu sein: Nor­ma­ler­wei­se kom­men klas­si­sche Gesangs­so­lis­ten gut mit Musik von Bach bis Strauss aus. Nie­man­den scheint es zu küm­mern, wenn sie Wer­ke von Jos­quin, Mon­te­ver­di, Lul­ly, Webern, Schosta­ko­wit­sch oder Brit­ten bei­sei­te las­sen. Unge­ach­tet der Tat­sa­che, dass die Genann­ten aus­nahms­los als prä­gen­de Vokal­kom­po­nis­ten ihrer Zeit gel­ten kön­nen, wer­den sie von Sän­ge­rin­nen und Sän­gern der Gegen­wart über­wie­gend igno­riert. Die Fel­der der ›Alten Musik‹ und ›Neu­en Musik‹ erschei­nen als Rand­be­rei­che des Kunst­mu­sik­be­triebs, die exklu­siv von geson­dert aus­ge­bil­de­ten Spe­zia­lis­ten bedient wer­den und über ein glei­cher­ma­ßen spe­zia­li­sier­tes Publi­kum ver­fü­gen.

  • Sprach­at­ta­cke der Rechts­po­pu­lis­ten: Trom­pe­ten des Trum­pis­mus | Spie­gel → georg seeß­len in einer sehr guten ana­ly­se über trump, demo­kra­tie und die medi­en etc:

    Trum­pis­mus ist in sei­ner ers­ten Pha­se die Kunst, die poli­ti­schen Dis­kur­se nach den Regeln der Unter­hal­tungs­in­dus­trie auf­zu­lö­sen. Es müs­sen Bil­der her, wo Tex­te waren, es muss Mythos her, wo Geschich­te war, es müs­sen Emo­tio­nen her, wo Logik war. Es ist schwer zu sagen, ob hin­ter der Ver­gif­tung von Spra­che und Dis­kurs so etwas wie ein Plan steckt, ob sie dem „Natu­rell“ der Reprä­sen­tan­ten der popu­lis­ti­schen Rech­ten ent­spricht, oder ob sie ein­fach durch tri­al and error als Erfolgs­re­zept erkannt wur­de. Spre­chen, um den ande­ren sprach­los zu machen jeden­falls, hat sei­ne Tra­di­tio­nen und ist schließ­li­ch media­le Pra­xis in den Talk­shows gewor­den.

  • Kli­ma­wan­del in den Alpen:Der Kampf um den Schnee | Deutsch­land­ra­dio Kul­tur → eine aus­führ­li­che repor­ta­ge von tobi­as kro­ne und micha­el watz­ke über ski­ge­bie­te in bay­ern und den drang, immer mehr und immer künst­li­cher „win­ter­sport“ zu ermög­li­chen …

Ins Netz gegangen (30.1.)

spinnweben zwischen holz, schwarz-weißnidan

Ins Netz gegan­gen am 30.1.:

  • Talk­show-Ter­ror mit Trump-Effekt| Deutsch­land­ra­dio Kul­tur → bodo mor­s­häu­ser über die unsäg­li­chen talk­shows des deut­schen fern­se­hens:

    Ihr Kri­te­ri­um ist der Erre­gungs­pe­gel, den es zu hal­ten gilt. Ist es Absicht oder ist es Unge­schick, dass die­se Art von soge­nann­ter Dis­kus­si­on eine der bes­ten Wahl­kampf­hil­fen für unse­re neue, auf Erre­gungs­pe­gel spe­zia­li­sier­te Rechts­par­tei ist? Abge­se­hen davon, dass Migra­ti­ons­the­men sowie­so ihr Spiel­feld sind.

    Ganz sicher wer­den Ter­ror und Sicher­heit die Wahl­kampf­the­men des Jah­res wer­den. Wirt­schafts- oder sozi­al­po­li­ti­sche The­men dage­gen – wie unter­be­zahl­te Jobs, sie­ben Mil­lio­nen Emp­fän­ger von Trans­fer­leis­tun­gen, Armut bei jedem sechs­ten Kind, die absurd unge­rech­te Ver­mö­gens­ver­tei­lung, die per­ma­nen­te Euro-Kri­se oder der unglaub­li­che Abgas­be­trug – sind offen­bar nicht erre­gend genug.

  • Men­schen ers­ter Klas­se, Men­schen zwei­ter Klas­se | law blog → udo vet­ter hält aus guten grün­den wenig davon, (wei­te­re) son­der­rech­te für poli­zis­tin­nen etc. zu schaf­fen
  • Ber­li­ner Städ­te­bau – lang­wei­lig und fan­ta­sie­los | SZ → der fran­zö­si­sche deutsch­land-kor­re­spon­dent chris­to­phe bour­doi­se­au rech­net mit der städ­te­bau-poli­tik ber­lins ziem­li­ch gna­den­los ab:

    Seit der Wie­der­ver­ei­ni­gung ori­en­tiert sich die Ber­li­ner Poli­tik nicht an der Sub­stanz die­ser Stadt – an deren Ener­gie und Krea­ti­vi­tät -, son­dern an den alten und stau­bi­gen preu­ßi­schen Zei­ten mit deren Men­tor Karl Fried­rich Schin­kel.

  • Stop Pro­ble­ma­ti­zing Aca­de­mic Jar­gon | Sla­te → rebec­ca schu­man schreibt gegen die ver­ach­tung, die aka­de­mi­schem jar­gon (eigent­li­ch ja: fach­spra­che) beson­ders der geis­tes­wis­sen­schaf­ten ent­ge­gen­schlägt. kei­ne beson­ders ori­gi­nel­le argu­men­ta­ti­on, aber nett zu lesen und schließ­li­ch nie fal­sch …

    Per­haps the ans­wer moving for­ward, then, is not to join in the mocke­ry of jar­gon, but to dou­ble down on it. Scho­lars of Yid­dish stu­dies are hap­py to tell you the thou­sand-year-old lan­gua­ge deve­lo­ped as a kind of secret code so that its spea­kers could talk fre­e­ly under the noses of their oppres­sors (and, yes, some­ti­mes mock them). Per­haps aca­de­mic jar­gon could ser­ve a simi­lar pur­po­se. Yes, per­haps the last hope to pro­ble­ma­ti­ze fascis­to­id non­pro­gres­si­ve edges, so to speak, is to reter­ri­to­ria­li­ze the oppo­si­tio­nal ver­na­cu­lars. But per­haps that was the point all along, and jar­gon has been lying pati­ent­ly and use­ful­ly in wait for all this time, a secret code in sear­ch of a foo­lish tyrant.

Ins Netz gegangen (24.1.)

Zara Walker

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  • Knaus­gård ist gut, aber Hand­ke ist bes­ser | FAZ → ein klu­ger bei­trag von jan wie­le zur „authen­ti­zi­täts­de­bat­te“, die vor allem die „welt“ (voll­kom­men unsin­ni­ger wei­se …) los­ge­tre­ten hat

    enn man irgend­et­was aus den Debat­ten über rea­lis­ti­sches Erzäh­len der letz­ten Jahr­zehn­te mit­ge­nom­men hät­te, müss­te man eigent­li­ch miss­traui­sch wer­den ange­sichts einer sol­chen Schein­wirk­lich­keits­pro­sa, die so tut, also kön­ne man ein­fach „erzäh­len, wie es gewe­sen ist“ – und das gilt eben nicht nur für Knaus­gård, son­dern all­ge­mein.
    […] Es wirkt – nicht nur aus einer his­to­ri­sch-kri­ti­schen Hal­tung her­aus, son­dern auch für das per­sön­li­che Emp­fin­den von lite­ra­ri­schen Tex­ten – befremd­li­ch, wenn nun hin­ter all die ästhe­ti­schen Über­le­gun­gen zum rea­lis­ti­schen Erzäh­len, vor allem aber hin­ter die Wer­ke, die aus ihnen her­aus ent­stan­den sind, wie­der zurück­ge­gan­gen wer­den soll und man so tut, als gäbe es irgend­ein unschul­di­ges, authen­ti­sch-nicht­fik­tio­na­les Erzäh­len.

  • Gemein­nüt­zig­keit als Tür­öff­ner | Bil­dungs­Ra­dar → der „bil­dungs­ra­dar“ ver­sucht her­aus­zu­be­kom­men, wie das gan­ze pro­jekt „cal­lio­pe“ funk­tio­niert bzw. funk­tio­nie­ren soll – und stößt auf vie­le mau­ern und eini­ge selt­sa­me mau­sche­lei­en …
  • Die Mode der Phi­lo­so­phen – Wie sich gro­ße Den­ker klei­den | Deutsch­land­ra­dio Kul­tur → net­te klei­ne geschich­te über die typ­ge­mä­ße klei­dung für phi­lo­so­phen (frau­en gibt’s zum schluss auch kurz)
  • Donald Trump: Popu­lis­mus als Poli­tik | Tele­po­lis → der wie meist klu­ge georg seeß­len im inter­view mit domi­nik irten­kauf über trump, demokratie/postdemokratie und medial insze­nie­run­gen:

    Gegen ein Bünd­nis aus mehr oder weni­ger authen­ti­sch Rechts­ex­tre­men, Neo-Natio­na­lis­ten und Exzep­tio­na­lis­ten, fun­da­men­ta­lis­ti­schen Markt-Anar­chis­ten, mafiös ver­netz­ten Klep­to­kra­ten und einem Mit­tel­stand in rea­ler und mani­pu­lier­ter Abstiegs­angst kann eine demo­kra­ti­sche Zivil­ge­sell­schaft nur bestehen, wenn sie neue Ide­en und neu­en Zusam­men­halt fin­det. Der Zusam­men­schluss der post­de­mo­kra­ti­schen Kräf­te hin­ge­gen fin­det sei­ne Schub­kraft dage­gen vor allem im Oppor­tu­nis­mus und in der poli­ti­schen und media­len Kor­rup­ti­on.
    […] Schon jetzt gibt es irrever­si­ble Fol­gen des Trum­pis­mus, eben jene Ver­mi­schung von poli­ti­schem Amt und öko­no­mi­schen Inter­es­sen, die ein­st den Ber­lus­co­nis­mus präg­te, den Wan­del der poli­ti­schen Spra­che, eine Spal­tung der Gesell­schaft, die über alle gewöhn­li­chen „poli­ti­schen Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten“ hin­aus geht, eine Patro­na­ge, Clan­wirt­schaft, Abhän­gig­keits­net­ze: Wir sehen einem Macht­sys­tem bei der Ent­ste­hung zu, das viel tie­fer geht als die Beset­zung eines Amtes. Und wie bei Ber­lus­co­ni lässt sich nach dem Ende der Amts­zeit nur ein Teil davon demo­kra­ti­sch rück­ge­win­nen.

Ins Netz gegangen (19.1.)

netzgebilde (unsplash.com)Clint Adair

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  • Wor­über ich rede, wenn ich über Sex rede | Read on, my dear, read on → ein bericht aus der sexu­al­auf­klä­rung für geflüch­te­te in deutsch­land – sehr inter­es­sant zu lesen …
  • Falk-Pos­til­le | Mein Jahr mit Luther → achim land­wehr über falks „pop-ora­to­ri­um“ „luther“

    Man kann aus Mar­tin Luther einen Frei­heits­hel­den machen. Muss man aber nicht. Man kann die ‚Bot­schaft‘ der Refor­ma­ti­on (wie lau­te­te sie gleich noch?) in das Kor­sett stan­dar­di­sier­ter Musi­cal­me­lo­dien packen. Man muss sich das aber nicht anhö­ren. Man kann die geist­li­che Musik des 16. bis 18. Jahr­hun­derts in ein fahr­stuhl­taug­li­ches Funk­ti­ons­mu­sik­ge­rie­sel ver­wan­deln. Man muss dafür aber kein Geld aus­ge­ben.

  • Fake News“ und der blin­de Fleck der Medi­en | Über­me­di­en → ste­fan nig­ge­mei­er über die (unehr­li­che) empö­rung über „fake news“:

    Man hat das damals nicht „Fake News“ genannt, weil es den Begriff noch nicht gab. Vor allem aber haben die meis­ten ande­ren Medi­en die­se „Fake News“ nicht bekämpft, son­dern fröh­li­ch wei­ter ver­brei­tet.
    […] Jetzt, auf ein­mal, ent­de­cken die Medi­en die Gefahr der „Fake News“ und wol­len mit gro­ßem Ein­satz dage­gen kämp­fen. Was für eine Heu­che­lei.

  • Das 20. Jahr­hun­dert fällt uns gera­de auf den Kopf“ | Welt → inte­res­an­tes inter­view mit dem his­to­ri­ker timo­thy sny­der – über die „leh­ren“ aus der geschich­te udn die poli­tik der gegen­wart

    Die Geschich­te wie­der­holt sich nicht. Sie reimt sich nicht ein­mal. Aber die Geschichts­wis­sen­schaft zeigt uns, wie gewis­se Din­ge zusam­men­hän­gen. Sie weist uns auf gewis­se Mus­ter hin.
    […] aber das Bei­spiel Deutsch­lands lehrt uns: Das muss man gleich am Anfang begrei­fen, nicht erst am Ende. Wenn man eine „Gleich­schal­tung“ stop­pen will, muss man sagen: Es gefällt mir, dass wir ein föde­ra­les Sys­tem haben 

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Andrés Canchón

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  • Der Feh­ler­teu­fel arbei­tet jetzt als Fak­ten­che­cker | Über­me­di­en → wenn die über­prü­fung der wahr­heits­ge­hal­te von poli­ti­ker­aus­sa­gen der über­prü­fung auf die wahr­heits­ge­hal­te nicht stand­hält – und die medi­en die über­prü­fung der über­prü­fung unter­las­sen – dann ist ste­fan nig­ge­mei­er etwas genervt …:

    Ach, es ist ein Kreuz. Und was für eine Iro­nie, dass meh­re­re Medi­en einen Fak­ten­check fei­ern, ohne grob die Fak­ten zu che­cken.

  • Glo­ba­li­sie­rung am Wohn­zim­mer­ti­sch | zeitgeschichte-online.de → der zeit­his­to­ri­ker frank bösch über rupert neu­de­ck

    Da Neu­de­ck kei­ne Erfah­run­gen in die­sem Feld hat­te, trat er zunächst mit rela­tiv unbe­darf­ten Kon­zep­ten für die Ret­tung und Über­füh­rung der Boat Peop­le ein. Doch gera­de die­se anfäng­li­che Blau­äu­gig­keit mach­te vie­les mög­li­ch.

    Neu­decks Hilfs­ak­tio­nen stan­den für einen Wan­del des poli­ti­schen Enga­ge­ments in Deutsch­land. Im Unter­schied zu den Soli­da­ri­täts- und „Drit­te Welt“-Gruppen der 1970er Jah­re waren sie nicht welt­an­schau­li­ch kon­no­tiert, son­dern setz­ten über­par­tei­li­ch auf kon­kre­te Hil­fe. Nicht Theo­ri­en und Worte, son­dern Taten ohne ideo­lo­gi­schen Über­bau zähl­ten für ihn. </blockquote

  • Pres­se­frei­heit in Thü­rin­gen: Die Poli­zei, Hel­fer der Rech­ten? | taz

    Ver­gan­ge­ne Woche reich­ten die Jour­na­lis­ten Kla­ge vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Wei­mar ein. Die Poli­zei habe sich von den Neo­na­zis instru­men­ta­li­sie­ren las­sen, kri­ti­sie­ren sie. „Die Platz­ver­wei­se ent­beh­ren jeder Grund­la­ge“, kri­ti­siert Röp­kes Anwalt Sven Adam. „Statt die For­de­run­gen von Neo­na­zis umzu­set­zen, muss die Poli­zei die Pres­se­frei­heit durch­set­zen.“

  • Über Gedich­te und ihre Kri­tik: Wo Jupi­ter Kanin­chen hütet | NZZ → nico bleut­ge über die mög­lich­kei­ten und not­wen­dig­kei­ten von lyrik und einer ihr ange­mes­se­nen kri­tik

    Gedich­te sind nichts, was man mal eben hüb­sch neben­her liest, um sich an einem klei­nen ästhe­ti­schen Kit­zel zu erfreu­en und dann alles wie­der zu ver­ges­sen. Viel­mehr kön­nen sie wie kei­ne ande­re Art von Lite­ra­tur Gesell­schaft, ihre Spra­che und ihre Struk­tur reflek­tie­ren, nach Über­setz­bar­keit fra­gen, Nor­mie­run­gen unter­lau­fen – und damit Erkennt­nis bie­ten. Nicht durch das, was sie sagen, son­dern dadurch, wie Gedich­te es sagen, wie sie mit sprach­li­chen Struk­tu­ren umge­hen, sie wen­den, ein Netz von Moti­ven aus­wer­fen, Bedeu­tun­gen, Mus­ter und Klän­ge auf­grei­fen und ver­schie­ben. Und so für Offen­heit sor­gen, Denk­mög­lich­kei­ten frei­le­gen.

Ins Netz gegangen (24.5.)

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  • War­um wäh­len jun­ge Män­ner so ger­ne rechts? | jetzt.de → der sozio­lo­ge bern­hard heinzlmai­er spricht tache­le­se:

    Der unge­bil­de­te Mann sieht sich als Opfer der Ver­hält­nis­se, weil er nicht mehr machen darf, was er will: zu schnell Auto fah­ren, besof­fen Auto fah­ren. Statt­des­sen muss er sich um den Haus­halt küm­mern. Das irri­tiert die ver­blö­de­ten Män­ner. Des­we­gen fol­gen sie einer Par­tei, die sich sys­te­ma­ti­sch als Opfer insze­niert
    […] Und die unge­bil­de­ten jun­gen Män­ner fol­gen einer Macht, die besin­nungs­los gegen alles los­schlägt, was Mensch­lich­keit heißt.
    […] Es ist ja so: Nicht ein­mal die Rechts­po­pu­lis­ten sind von ihren Ide­en über­zeugt. Das sind gewis­sen­lo­se Betrü­ger, die in der Regie­rungs­ver­ant­wor­tung dann prag­ma­ti­sch wer­den. Und plötz­li­ch ganz anders agie­ren, als sie vor­her ange­kün­digt haben; eine huma­ne Außen­po­li­tik machen oder sich für Homo­se­xu­el­len­rech­te ein­set­zen. Die glau­ben, bis auf ein paar Pro­zent Voll­idio­ten, gar nicht an ihre eige­ne Idee. Die sind nur an der Macht inter­es­siert. Dar­in pas­sen sie zu ihren Wäh­lern.

  • Neue Musik: Kre­nek + Zem­lins­ky + Korn­gold = A – 300 | ZEIT ONLINE → vol­ker hage­dorn hat sich ein biss­chen umge­schaut, wie „normale“/„klassische“ orches­ter in deutsch­land gera­de so mit der neu­en musik (oder der alten neu­en musik) umge­hen
  • Jen­seits von Gut und Böse? Die Sprach­po­li­tik der deut­schen Leit­me­di­en | Über­me­di­en → ste­fan nig­ge­mei­er hat sich sprach­re­ge­lun­gen deut­scher medi­en & pres­se­agen­tu­ren ange­schaut

    Die Wahl der Begrif­fe ent­hält eine Posi­tio­nie­rung. Ändert sich die Posi­tio­nie­rung, ändern sich auch die Begrif­fe.

  • Der zwei­te Ver­su­ch → Ingo Zam­pe­ro­ni über die (Vor-)Wahl in den USA und Hil­la­ry Clin­ton

    Rea­dy for Hil­la­ry? Schafft es Hil­la­ry Clin­ton im zwei­ten Anlauf nach 2008, Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­tin der Demo­kra­ten zu wer­den – oder sogar ins Wei­ße Haus ein­zu­zie­hen? ARD-Kor­re­spon­dent Ingo Zam­pe­ro­ni wid­met sich den Pros und Con­tras in die­ser Fra­ge.

  • Schwei­zer Art ist Bau­ern­art“. War­um wir die Bau­ern so lie­ben. | Geschich­te der Gegen­wart → instruk­ti­ver text von phil­ipp sara­sin über die grün­de, war­um die schwei­zer (städ­ter) die bau­ern so lie­ben. und seit wann.

    Es war der Bas­ler Bürger­sohn, ETH-Pro­fes­sor und Bauern­ver­bands­se­kretär Ern­st Laur (der „Bauern­hei­land“), hat in der Zwischen­kriegs­zeit den Schwei­ze­ri­schen Bauern­ver­band (SBV) zu einer schlag­kräf­tigen und einfluss­rei­chen Lobby­or­ga­ni­sa­tion aufge­baut und er präg­te vor allem jenen Slo­gan, der bis heu­te offen­bar unaus­lösch­lich im iden­ti­ty-code vie­ler Schwei­ze­rinnen und Schwei­zern veran­kert ist, obwohl sie seit schon bald nicht mehr erinner­baren Genera­tionen in Städ­ten leben: „Schwei­zer Art ist Bau­ern­art“. Zusam­men mit sei­nem gleich­na­migen Sohn hat er im Rah­men der Geis­ti­gen Landes­ver­tei­di­gung der 1930er Jahr das neu erfun­den, was angeb­lich der „fru­me edle pur“ der alten Eidge­nos­sen­schaft gewe­sen sein soll: Laur junior beauf­tragte in den 1930er Jah­ren meh­re­re Textil­de­si­gner, um die heu­te bekann­ten Schwei­zer Trach­ten ent­wer­fen zu las­sen. Dabei passt ins Bild, dass schon an der Wen­de zum 20. Jahrhun­dert in der Unter­hal­tungs­szene des Zür­cher Nieder­dorfs die Länd­ler-Musik kre­iert wor­den ist, und dass eben­falls zu Beginn des 20. Jh. der städ­ti­sch-bür­ger­li­che Heimat­schutz die von der Moder­ne „bedroh­te“ bäuer­liche Kul­tur und die Viel­falt der Schwei­zer Bauern­häuser zu „schüt­zen“ sich zur Auf­ga­be mach­te. „Der“ Schwei­zer Bau­er ist eine städti­sche Erfin­dung; die „Bauernart“-Ideologie war, noch bevor sie Laur auf den Begriff brach­te, eine Reak­ti­on auf die Moder­ne.

  • taz-Streit zum Fahr­rad-Volks­ent­scheid „Da geht bei mir der Puls hoch“ | taz → Braucht Ber­lin den „Volks­ent­scheid Fahr­rad“? Initia­tor Hein­rich Strö­ßen­reu­ther und Staats­e­kre­tär Chris­ti­an Gaeb­ler (SPD) sind unter­schied­li­cher Mei­nung.

Ins Netz gegangen (20.4.)

Ins Netz gegan­gen am 20.4.:

  • The Stran­ge Tale of Soci­al Auto­psy, the Anti-Harass­ment Start-up That Descen­ded Into Gamer­ga­te Trut­he­rism | NYMag → tol­le geschich­te über ein kick­star­ter-pro­jekt, das auf omi­nö­se wei­se hate-spee­ch & cyber­bul­ling bekämp­fen woll­te und dann ganz schnell sich selbst in gamer­ga­te-ver­schwö­run­gen ver­strick­te – weil die initia­to­rin offen­bar kei­ne ahnung hat(te), was im inter­net der jetzt­zeit so alles pas­siert …: „So over­all, Soci­al Autopsy’s Kick­star­ter roll­out has not been without its hic­cups.“
  • Infor­ma­tio­nel­le Selbst­zer­trüm­me­rung | ctrl+verlust → inter­es­san­te über­le­gun­gen von mspro: hin­dert das kon­zept der infor­ma­tio­nel­len selbst­be­stim­mung nicht eigent­li­ch einen effek­ti­ven daten­schutz oder einen schutz der indi­vi­du­en vor miss­bräuch­li­cher nut­zung ihrer daten?

    Man kann das noch wei­ter­spin­nen, wie ich es ja bereits seit eini­gen Jah­ren tue 4: Wenn wir 1. nicht mehr kon­trol­lie­ren kön­nen, wel­che Daten über uns an wel­chen Stel­len gesam­melt wer­den, weil wir die gan­ze Welt mit immer mehr und immer unsicht­ba­re­ren Sen­so­ren aus­stat­ten;
    Wenn wir 2. die Kapa­zi­tä­ten von Lei­tun­gen und Daten­trä­gern immer wei­ter erhö­hen, so dass Daten in immer grö­ße­rem Umfang immer pro­blem­lo­ser von A nach B kopiert wer­den kön­nen;
    Wenn wir 3. immer bes­se­re Metho­den und Soft­ware zur Daten­aus­wer­tung bereit­stel­len, die noch aus den unschul­digs­ten Daten kom­ple­xe Pro­fil­bil­dun­gen und unvor­her­ge­se­he­ne Erkennt­nis­se erlau­ben;
    Wenn wir also den infor­ma­tio­nel­len Kon­troll­ver­lust auf den Ebe­nen der Samm­lung, Spei­che­rung und Aus­wer­tung erle­ben, wie kön­nen wir dann über­haupt noch – egal wo – von einer „infor­mier­ten Ein­wil­li­gung“ spre­chen, ohne uns in die eige­ne Tasche zu lügen?

  • Klei­ne Kri­tik am digi­ta­len Dis­kurs | Bob Blu­me → bob blu­me ist vom „digi­ta­len dis­kurs“ etwas des­il­lu­sio­niert und über­legt, was digi­ta­le bil­dung in der schu­le soll/kann/muss … – auch die kom­men­ta­re steu­ern inter­es­san­te über­le­gun­gen bei
  • Kli­ma­wan­del: Wir Umwelt­ver­wal­ter | Zeit → guter text über die ent­wick­lung der umwelt­be­we­gung und -poli­tik in der schweiz

    Wir Schwei­zer sind gute Umwelt­ver­wal­ter, sehen uns gern als Vor­bil­der und sind manch­mal ganz gern auch Umwelt­träu­mer, und wo Umwelt­schutz kos­tet, haben wir das Geld dafür. Sobald es aber um Ver­hal­tens­wei­sen oder gar um Macht­struk­tu­ren geht, las­sen wir lie­ber alles beim Alten.

    Für die anste­hen­den gro­ßen Umwelt­pro­ble­me vom Kul­tur­land­ver­lust über das Arten­ster­ben bis zum Kli­ma­wan­del wird das nicht genü­gen.

  • HIS­TO­di­gi­ta­LE → oer-platt­form der leip­zi­ger uni für das fach geschich­te, mit schwer­punkt auf leip­zig-the­men
  • Lie­ber Papa“ – Toch­ter bit­tet Ihren Vater um ein Gefal­len – YouTube
  • Old man yells at cloud | Cof­fee And TV → auch nerds seh­nen sich nach der guten, alten zeit – nur begrün­den sie es halt mit einem dou­glas-adams-zitat
    (im grun­de trifft lukas aber einen punkt, den ich ähn­li­ch emp­fin­de, was die ver­füg­bar­keit von musik, bil­dern, tex­ten angeht …)
  • The cult of memo­ry: when his­to­ry does more harm than good | The Guar­di­an → sehr gute über­le­gun­gen (mit vie­len bei­spie­len) von david rieff über den „kult der erin­ne­rung“, das unbe­ding­te „nie ver­ges­sen“ und die pro­ble­me, die das (gesell­schaft­li­ch) her­vor­ru­fen kann

    The con­se­quen­ce of this is that remem­bran­ce as a spe­ci­es of mora­li­ty has beco­me one of the more unas­sail­able pie­ties of the age. Today, most socie­ties all but vene­ra­te the impe­ra­ti­ve to remem­ber. We have been taught to belie­ve that the remem­be­ring of the past and its corol­la­ry, the memo­ria­li­sing of collec­tive his­to­ri­cal memo­ry, has beco­me one of humanity’s hig­hest moral obli­ga­ti­ons.

    But what if this is wrong, if not always, then at least part of the time? What if collec­tive his­to­ri­cal memo­ry, as it is actual­ly employ­ed by com­mu­nities and nati­ons, has led far too often to war rather than peace, to ran­cour and resent­ment rather than recon­ci­lia­ti­on, and the deter­mi­na­ti­on to exact reven­ge for inju­ries both real and ima­gi­ned, rather than to com­mit to the hard work of for­gi­ven­ess?

    […]

    The­re is also too much remem­be­ring, and in the ear­ly 21st cen­tu­ry, when peop­le throughout the world are, in the words of the his­to­ri­an Tzve­tan Todo­rov, “obses­sed by a new cult, that of memo­ry”, the lat­ter seems to have beco­me a far grea­ter risk than the for­mer.

Ins Netz gegangen (21.1.)

Ins Netz gegan­gen am 21.1.:

  • Max Reger: Akkord­ar­bei­ter im gif­ti­gen Kli­ma der Moder­ne | Der Stan­dard – roland pohl im stan­dard über max reger, sei­ne rezep­ti­on und war­um er so wenig bekannt und geschätzt wird – immer­hin ist in die­sem jahr sein hun­der­s­ter todes­tag zu bege­hen …

    Es fällt nicht leicht, nach den Grün­den zu suchen, war­um der deut­sche Kom­po­nist Max Reger (1873–1916) der­art gründ­li­ch in Ver­ges­sen­heit gera­ten ist. Den meis­ten sei­ner unzäh­li­gen Wer­ke haf­tet eine gewis­se Sprö­dig­keit an. Reger, im pri­va­ten Umgang ein humo­ri­ger Kauz, hat vor allem auf dem Gebiet der Har­mo­nik Epo­cha­les gelei[s]tet.

    Des Meis­ters viel zu frü­her Tod – er ent­schlief herz­krank in einem Leip­zi­ger Hotel­zim­mer – dürf­te auch hun­dert Jah­re spä­ter kein Reger-Fie­ber aus­lö­sen. Die Klas­sik­bran­che fasst den eigen­bröt­le­ri­schen „Akkord­ar­bei­ter“ nicht mit der Kneif­zan­ge an. Einer grö­ße­ren Ver­brei­tung steht die Kom­ple­xi­tät der intro­ver­tier­ten Reger-Musik im Wege.

  • Sport, über­all nur noch Sport: Die geis­ti­ge Macht unse­rer Epo­che | taz – robert rede­cker hat in der taz eine wun­der­ba­re, ful­mi­nan­te abrech­nung mit dem sport und unse­rer obses­si­ven beschäf­ti­gung damit geschrie­ben:

    Die heu­ti­ge Gesell­schaft hat eine neue Vari­an­te des Tota­li­ta­ris­mus erfun­den: den Sport.[…] Die­se Sport­an­läs­se beset­zen scham­los und rück­sichts­los den gesam­ten Platz in den Medi­en.
    Wie ein Nim­mer­satt mit unstill­ba­rem Hun­ger ver­ein­nahmt der Sport den gan­zen Platz für sich. Nie­mand kann die­ser erdrü­cken­den Inva­si­on der Sport­be­rich­te ent­ge­hen, die alles ande­re ver­drängt. Die­se Über­do­sis an Sport hat eine zer­stö­re­ri­sche Umkeh­rung der Wer­te und der Hier­ar­chie der Infor­ma­ti­on zur Fol­ge. Statt sich auf ein paar Worte am Ende der Fern­seh- und Rund­fun­knach­rich­ten zu beschrän­ken, was ange­sichts ihrer Bedeu­tungs­lo­sig­keit nor­mal wäre, ver­weist die Sport­be­richt­erstat­tung alles wirk­li­ch Wich­ti­ge auf die Rand­plät­ze.

    Was dage­gen für die Zivi­li­sa­ti­on von Bedeu­tung wäre, wor­an man sich noch Jahr­hun­der­te spä­ter erin­nern wird – die her­aus­ra­gen­den Per­sön­lich­kei­ten der Phi­lo­so­phie, der Male­rei, Dich­tung, Cho­reo­gra­fie, Musik oder Archi­tek­tur – fin­det dage­gen kaum Beach­tung in den Medi­en.

  • David Bowie: Schön dick auf­ge­tra­gen | ZEIT ONLINE – died­rich diede­rich­sen über das bowie-album, das black­star-video und bowies auf­trit­te

    Hier, bei einem Album, das die rund­um zu begrü­ßen­de Devi­se sei­ner Eröff­nungs­oper, „Mehr ist mehr“, bis zum Schluss beher­zigt, hat man bei­des ver­sucht: Jazz-Vir­tuo­si­tät und die dunkle Eksta­se heu­ti­ger Dan­ce- und Got­hic-Kul­tu­ren.

  • Israel ǀ Kib­bu­zim: Auf der Suche nach der Iden­ti­tät — der Frei­tag – über die ent­wick­lung der kib­bu­zim von sozia­lis­ti­schen gemein­schaf­ten zu markt­kon­for­men wirt­schafts­un­ter­neh­men – sehr inter­es­sant …
  • Online-Fort­set­zungs­ro­man: Lang lebe der Shan­dy­is­mus! | FAZ – jan wie­le in der faz mit einer ers­ten ein­schät­zung von til­man rammstedts gera­de enste­hen­dem „mor­gen mehr“ – sei­ne beob­ach­tun­gen tref­fen sich ziem­li­ch gen­au mit mei­nen eige­nen …
  • Trai­nings­la­ger in den Golf­staa­ten : „Der Sport ist ein löch­ri­ger Käse“ – taz.de – die taz sprach mit dem „sporte­thi­ker“ elk fran­ke:

    Die Poli­tik nimmt den Sport gern für sich in Anspruch. Umge­kehrt pro­fi­tiert der Sport auch stark davon. Somit wird der Satz „Der Sport ist unpo­li­ti­sch“ zu einer ideo­lo­gi­schen Aus­sa­ge, die in der All­tags­pra­xis kei­ne Gül­tig­keit hat.
    […] Der Sport ist ein inhalts­frei­es Dra­ma, das eine Iden­ti­fi­ka­ti­on mit allen mög­li­chen Inhal­ten erlaubt. Ein Schwei­zer Käse, in des­sen Löcher aller­hand rein­passt, ohne dass der Geschmack ver­lo­ren geht.

  • Als der Kai­ser mus­s­te: Eine Unter­strei­chung und die Schuld am Ers­ten Welt­krieg | Akten­kun­de – Als der Kai­ser mus­s­te: Eine Unter­strei­chung und die Schuld am Ers­ten Welt­krieg – hol­ger ber­win­kel zeigt (mal wie­der) sehr schön, wie wich­tig his­to­ri­sche hilfs­wis­sen­schaft (und genau­ig­keit) ist, auch für „groß­his­to­ri­ker“
  • schle­ef-bil­der – die erben­ge­mein­schaft ein­ar schle­efs hat eini­ge sei­ner bil­der online bereit­ge­stellt
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