Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Schlagwort: fernsehen Seite 4 von 5

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  • Aus­bruch des Ers­ten Welt­kriegs – Ber­lin träum­te von einem groß­deut­schen Super­staat – Süddeutsche.de – John Röhl geht mit sei­nen His­to­ri­ker-Kol­le­gen – v.a. Clark ist gemeint – hart ins Gericht:

    Die The­se von der „Unschuld“ der Reichs­re­gie­rung an der Aus­lö­sung des Welt­krie­ges im Juli 1914 kann nur ver­tre­ten wer­den, wenn man die Ergeb­nis­se der peni­blen Archiv­for­schung der letz­ten fünf­zig Jah­re baga­tel­li­siert oder ganz außer Acht lässt. Bei allen Unter­schie­den in der Gewich­tung war die For­schung über­ein­stim­mend zu der Mei­nung gelangt, dass die län­ger­fris­ti­gen Ursa­chen der bei­den Welt­krie­ge im erstaun­li­chen Erfolg des von Bis­marck geein­ten Deut­schen Rei­ches zu sehen seien.

  • Zum Hof­staat Til­lys, I: Per­so­na­lia | dk-blog – Micha­el Kai­ser ver­sucht zu rekon­stru­ie­ren, wer eigent­lich mit dem Heer­füh­rer der Katho­li­schen Liga, Til­ly, im Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg unter­wegs war – und stößt erstaun­lich schnell auf Probleme …

    Til­ly führ­te Krieg für den Kai­ser und die Katho­li­sche Liga. Nur er allein? Oder hat­te er nicht wenigs­tens einen Koch bei sich? Wir wis­sen es gar nicht so genau, wol­len es ihm aber ger­ne gön­nen. Wer das enge­re Umfeld des Gene­ral­leut­nants bil­de­te, dazu wird man Auf­schluß aus einer Auf­stel­lung des sog. „Hof­staats“ erwar­ten kön­nen, der im Novem­ber 1623 im Gebiet um Ful­da Quar­tier nahm.

  • Ber­lin: Unter den Lin­den – Rei­se – FAZ – „Wer also einen rich­ti­gen Stau haben will in Ber­lin, […] der muss sorg­fäl­tig pla­nen.“ – C. Seidl über Ber­lin etc. >
  • Sams­tags ver­harm­lost man Gewalt gegen Frau­en – Sprach­log – Das Sprach­log zu einer etwas selt­sa­men Wer­be­kam­pa­gne des ZDF
  • Schwu­le Fla­min­gos: So lebt es sich nach der Natur – FAZ – Cord Rie­chelm­ann über Home­sexua­li­tät in „der Natur“ (d.h.: bei Tieren):

    Die Natur ist in die­sem Fall poly­morph, ohne dabei, wie Freud mein­te, „poly­morph per­vers“ zu sein. Per­vers ist nur der Glau­be, die Natur fol­ge einem nor­ma­ti­ven Kon­zept, was sie schon des­halb nicht tut, weil sie kei­ne Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung kennt.

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  • Wie Mar­kus Lanz ein paar Mal bei der “schöns­ten Lin­ken aller Zei­ten” ein­ha­ken muss­te « Ste­fan Nig­ge­mei­er – Ste­fan Nig­ge­mei­er ver­sucht, die letz­te Lanz-Sen­dung zu wür­di­gen. Viel mehr als sie zu zitie­ren, muss er nicht machen, um die Erbäm­lich­keit des öffent­lich-recht­li­chen Talk­show-Fern­se­hens zu demons­trie­ren. Sein Schluss:

    Es war, als wür­de man ver­su­chen, eine inhalt­li­che Dis­kus­si­on mit einem Sechs­jäh­ri­gen zu füh­ren, der als Argu­men­te zwei­hun­dert Fleisch­bäll­chen in Toma­ten­so­ße hat und bereit ist, jedes ein­zel­ne abzufeuern. 

    Ich weiß, war­um ich kein Fern­se­her habe …

  • Nicht die Spra­che sün­digt, son­dern der Spre­cher – DIE WELT – Karl-Heinz Göt­tert hat mit sei­ner Skep­sis, was die Zie­le der (Un-)Wortwahlen angeht, wohl nicht ganz unrecht:

    Sprach­kri­tik ist als Wort­kri­tik immer irgend­wie im Hin­ter­tref­fen. Sprach­kri­tik braucht wirk­lich Dis­kus­si­on, Ein­ge­hen auf Umstän­de und Moti­ve, sie braucht schlicht Zusammenhang.
    Was sind des­halb die bes­ten Orte für Sprach­kri­tik? Ers­tens die Schu­le, zwei­tens die Schu­le, drit­tens die Schu­le. Hier kann über Spra­che gespro­chen wer­den, hier las­sen sich Miss­ver­ständ­nis­se besei­ti­gen, hier geht es statt um Dekre­te um Analysen.

  • 18. Herrn­dorf oder die gefal­te­te Zeit | Geschich­te wird gemacht – Achim Land­wehr über »Tem­po­ral­tek­to­nik« und die gefal­te­te Zeit in Wolf­gang Herrn­dorfs „Arbeit und Struktur“ >
  • Alex­an­der Klu­ge: 20 Geschich­ten für Arno Schmidt. – LOGBUCH – Alex­an­der Klu­ge trifft auf recht kurio­se Wei­se Arno Schmidt

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  • Kath­rin Pas­sig über Wolf­gang Herrn­dorf und sein Buch »Arbeit und Struk­tur« – Lite­ra­tur – Kath­rin Pas­sig über Wolf­gan Herrn­dorf, sein Blog/​Buch, das Pro­blem der Ster­be­hil­fe und die Schwie­rig­keit, sich „ver­nünf­tig“ selbst zu töten.

    Man hat es nicht leicht mit den Schrift­stel­lern. Sie ver­tre­ten ihre Mei­nung schön und über­zeu­gend, auch wenn es sich um eine mäßig durch­dach­te Mei­nung han­delt. Eben­so schwie­rig ist es mit ihren Freun­den. Als ich zusag­te, die­sen Bei­trag zu schrei­ben, woll­te ich für eine bes­se­re Rege­lung der Ster­be­hil­fe in Deutsch­land plä­die­ren – nicht gera­de für die Extrem­form der Libe­ra­li­sie­rung, die Herrn­dorf sich wünsch­te, aber doch dafür, dass Ster­be­wil­li­ge es leich­ter haben soll­ten als er. Aber vor dem Gesetz besteht kein Unter­schied zwi­schen mei­nem Wunsch und denen ande­rer Hin­ter­blie­be­ner, die aus aku­tem Unglück her­aus die Todes­stra­fe für Kin­der­mör­der for­dern, ohne sich dafür zu inter­es­sie­ren, dass das Recht noch ande­re Situa­tio­nen als die ihre zu berück­sich­ti­gen hat.

    Es ist ein­fach, anhand von Arbeit und Struk­tur die Nach­tei­le des bestehen­den Sys­tems zu kri­ti­sie­ren. Aber es ergibt sich kei­nes­wegs ein­fach dar­aus, wie ein ande­res Sys­tem aus­zu­se­hen hätte.

  • Publi­ka­ti­on von „Mein Kampf“ – „Der Auf­trag ist gestoppt“ – Süddeutsche.de – die spin­nen wirk­lich in Bay­ern: Nach 70 Jah­ren hin und her um Hit­lers „Mein Kampf“ beschlie­ßen sie nun, das sei volks­ver­het­zend und bla­sen kur­zer­hand die schon ziem­lich weit fort­ge­schrit­te­ne wis­sen­schaft­lich kom­men­tier­te Edi­ti­on des IfZ ab.

    Nun trifft die Staats­re­gie­rung die Ent­schei­dung im Allein­gang. Das Buch sei volks­ver­het­zend, sag­te Staats­kanz­lei­che­fin Hadert­hau­er. Wenn Ver­la­ge das Buch in Zukunft ver­öf­fent­li­chen woll­ten, wer­de die Staats­re­gie­rung Straf­an­zei­ge stellen./

  • ZDF-Geschichts­fern­se­hen: Pein­lichs­te Miss­ge­schi­cke der Histo­ry – FAZ – Nach­dem ich gele­sen habe, was Ste­fan Nig­ge­mei­er über die ZDF-Ver­su­che, mit Geschich­te Fern­se­hen und Quo­te zu machen, geschrie­ben hat, möch­te ich mir den Kram wirk­lich nicht mehr ansehen:

    Manch­mal wirkt es, als muss­ten die Autoren blind in einen Con­tai­ner mit wie­der­zu­ver­wer­ten­dem Mate­ri­al grei­fen und es irgend­wie zu einem gemein­sa­men Ober­be­griff zusammenklöppeln.

  • xkcd: File Exten­si­ons – xkcd ist heu­te mal wie­der außer­ge­wöhn­lich gut:
  • Twit­ter /​medieval­gill: Fee­ling fris­ky? Pls con­sult … – RT @AndyKesson: For tho­se who missed it, the medieval sex flow chart, cour­te­sy of @sirthopas and @medievalgill. Stop! Sin!
  • Zustell­pra­xis von Paket­diens­ten: Post war da – Geld – Süddeutsche.de – Jour­na­lis­mus ist anders: Eine SZ-Schrei­be­rin hat ihr Paket nicht bekom­men. Und schimpft. Ohne die Gegen­sei­te zu hören
  • Georg Büch­ner: Aus­stel­lung zum 200. Geburts­tag | ZEIT ONLINE – Der Tages­spie­gel ist von der Darm­städ­ter Büch­ner-Aus­stel­lung auch nicht so ganz begeistert:

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  • #4 Emckes Expe­di­tio­nen: Ich wäh­le | ZEIT ONLINE – Caro­li­ne Emcke hat wie­der einen tol­len Text in ihrer Expe­di­tio­nen-Rei­he geschrie­ben. Heu­te geht es dar­um, ob Nicht­wäh­len eine vali­de Posi­ti­on sein kann – sie ist da ganz klar, und ganz auf mei­ner Linie: „Das ist Bull­shit.“ Und sie zeigt auch sehr plas­tisch und dras­tisch, war­um das so ist:

    Die The­se von der Aus­tausch­bar­keit und Ver­wech­sel­bar­keit der Par­tei­en und ihrer Pro­gram­me ist so hane­bü­che­ner Unfug, dass der Ver­dacht auf­kom­men kann, die Wahl­kampf­ma­na­ger der CDU hät­ten sie in Umlauf gebracht. Wer den Sta­tus quo erhal­ten will, braucht nur zu behaup­ten, die­se Wah­len mach­ten kei­nen Unter­schied oder, schlim­mer noch: Wäh­len oder Nicht­wäh­len mache kei­nen Unter­schied. Das ist nicht nur sach­lich falsch, son­dern auch poli­tisch obszön.

  • Ich pass­te nie ganz zu mei­ner Umge­bung – taz​.de – Ina Hart­wig hat für die taz den bes­ten Nach­ruf auf Mar­cel Reich-Rani­cki geschrie­ben, den ich (bis­her) gele­sen habe: kri­tisch, ohne gemein zu sein; bewun­dernd, ohne zu ver­göt­tern; detail- und fak­ten­reich, ohne zu beleh­ren. Und sie trifft, wie mir scheint, ziem­lich genau den Kern von Reich-Rani­ckis Kri­ti­ker­tä­tig­keit (also genau das, was ihn mir immer etwas unsym­pa­thisch bzw. unwich­tig machte):

    Auch theo­rie­las­ti­ger Lite­ra­tur gegen­über, etwa Robert Musils „Mann ohne Eigen­schaf­ten“, zeig­te er sich nicht sehr auf­ge­schlos­sen. Alles, was sich Avant­gar­de nann­te oder ver­meint­lich unsinn­lich auf ihn wirk­te, prall­te an Reich-Rani­cki gera­de­zu lüs­tern ab. In Zuspit­zung und Abwehr war er ein Meis­ter, immer bereit, sich um der Poin­te wil­len düm­mer zu stel­len, als er war.

    Gegen Schluss weist sie noch auf etwas ande­res Tref­fen­des hin:

    Seit Alfred Kerr hat es in Deutsch­land kei­nen der­art popu­lä­ren Kri­ti­ker gege­ben wie ihn, Mar­cel Reich-Rani­cki. Nicht aus­schließ­lich sub­ti­ler Geschmack, nicht unbe­dingt ästhe­ti­scher Wage­mut haben Mar­cel Reich-Rani­ckis unglaub­li­cher Kar­rie­re den Weg gewie­sen, son­dern sein schier unge­heu­rer Fleiß, sei­ne Bril­lanz und der unbe­ding­te Wil­le, Ein­fluss zu neh­men auf das lite­ra­ri­sche Gesche­hen in Deutsch­land, vor allem aber sei­ne pola­ri­sie­ren­de, geschickt ver­ein­fa­chen­de Rhe­to­rik. Sein ein­zig­ar­ti­ges Tem­pe­ra­ment wuss­te alle Medi­en sei­ner Epo­che zu bedie­nen, Radio, Zei­tung, Buch und Fernsehen.

    – die­se Medi­en­vir­tuo­si­tät ist sicher­lich ein wich­ti­ger Bestand­teil Reich-Rani­ckis gewesen.

  • Juli Zeh im Inter­view: „Ein beob­ach­te­ter Mensch ist nicht frei“ | Kul­tur – Frank­fur­ter Rund­schau – Juli Zeh sagt im FR-Inter­view mal wie­der viel rich­ti­ges und klu­ges. Zum Bei­spiel auf die Fra­ge: „Es wird ja gern gesagt: Wer nichts zu ver­ber­gen hat, hat auch nichts zu befürchten.“

    Ich glau­be nicht, dass die Leu­te das wirk­lich den­ken. Das sagen sie, damit man sie mit dem Pro­blem in Ruhe lässt. Wenn man jeman­den sagt: Gib mir mal dei­ne Fest­plat­te und lass mich kurz dei­ne E‑Mails durch­le­sen, dann bekommt doch jeder ein mul­mi­ges Gefühl. Die meis­ten möch­ten doch nicht ein­mal, dass die Part­ne­rin oder der Part­ner die eige­nen Mails liest, weil wir näm­lich wohl etwas zu ver­ber­gen haben. Nicht ein Ver­bre­chen, son­dern ein­fach nur das, was man Pri­vat­sphä­re nennt. Ein inti­mer Raum, der uns immer latent pein­lich ist und den wir schüt­zen. Ich den­ke, wer nichts zu ver­ber­gen hat, der hat bereits alles verloren.

    Und spä­ter:

    Ohne Geheim­nis­se gibt es kein Ich. Man ver­liert dann im Grun­de sich selbst.

  • Polit-Talk­shows von ARD und ZDF: Objek­tiv und unpar­tei­lich war ges­tern | Magi­tek – ein Blog. – Sven hat sich die par­tei­po­li­ti­sche Zuge­hö­rig­keit der Gäs­te in den Talk­shows von ARD & ZDF ange­schaut – mit eher unan­ge­neh­men Fol­gen (frü­her hieß es immer – und wur­de z.B. von Kepp­lin­ger auch empi­risch mehr oder weni­ger bestä­tigt, die öffent­lich-recht­li­chen Medi­en hät­ten eine links­li­be­ra­le Ten­denz. Hier ist das sehr offen­sicht­lich sehr anders.): Polit-Talk­shows von ARD und ZDF: Objek­tiv und unpar­tei­lich war gestern

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  • Daten­schutz: Mein digi­ta­ler Zwil­ling gehört mir – FAZ – Auch Juli Zeh hat recht, wenn sie das „poli­ti­schen Phleg­ma“ der Deut­schen beklagt. Aber lei­der auch kei­ne Idee, wie man „die ande­ren“ auf­rüt­teln könn­te … Dabei geht es ja um so viel, wie sie auch noch mal betont – nicht nur um ein biss­chen Inter­net und ein paar Kon­takt­da­ten oder so:

    Inter­net­be­nut­zung als Rechts­ver­zicht? So funk­tio­niert unser Gemein­we­sen nicht. Wenn Miss­stän­de, ja Rechts­brü­che in gro­ßem Umfang auf­ge­deckt wer­den, ist es nicht unse­re Auf­ga­be, etwas dage­gen zu unter­neh­men. Es obliegt der Poli­tik, öffent­li­che Räu­me so zu gestal­ten, dass sich die Bür­ger dar­in frei bewe­gen können.

    Das Bild des „digi­ta­len Zwil­lings“, der aus den Daten geschaf­fen wird, ist eigent­lich eine schö­ne Meta­pher – und zeigt auch, war­um es so wich­tig ist, sich um die­se Daten zu küm­mern: weil die auch wir selbst sind …

  • John Lahr: Whe­re Do Clai­re Danes’s Vol­ca­nic Per­for­man­ces Come From? : The New Yor­ker -

    Alt­hough the­re is not­hing domi­nee­ring in Danes’s deme­an­or on the set—she crea­tes no com­mo­ti­on around herself—onscreen she is capa­ble of what David Hare­wood, who play­ed the stone­wal­ling depu­ty direc­tor of the C.I.A. in the first two sea­sons, calls a “tsu­na­mi of emo­ti­on.” In extre­mis or out of it, her body sema­pho­res feeling.

    John Lahr hat für den „New Yor­ker“ ein seee­ehr aus­führ­li­ches Por­trät der Schau­spie­le­rin Cla­rie Danes geschrie­ben, das sich vor allem auf die schau­spie­le­ri­sche Tech­nik Danes’ kon­zen­triert (anläss­lich des bevor­ste­hen­den Starts der drit­ten Staf­fel von „Home­land“ – für das Danes übri­gens einen Ver­trag über 7 Jah­re hat …)

  • Aus dem Maschi­nen­raum: Die Steig­bü­gel­hal­ter der Spio­ne – Aus dem Maschi­nen­raum – FAZ – Con­stan­ze Kurz über die „Trus­ted Chips/Computing“-Idee:

    Die Skep­sis der Nut­zer gegen­über der Ver­trau­ens­wür­dig­keit der Her­stel­ler ist nicht unbe­grün­det, wie die Ent­hül­lun­gen über die mas­sen­wei­sen Ein­brü­che der NSA in Com­pu­ter welt­weit zei­gen. Ohne die Unter­stüt­zung der zumeist ame­ri­ka­ni­schen Her­stel­ler der Betriebs­sys­te­me und Soft­ware wäre dies kaum in so rie­si­gem Umfang mög­lich. Gerüch­te über Vor­ab­in­for­ma­tio­nen an die NSA über gefun­de­ne Schwach­stel­len, absicht­lich zurück­ge­hal­te­ne Feh­ler­be­he­bun­gen und ver­deck­te Hin­ter­tü­ren gibt es seit Jahr­zehn­ten. Nun wis­sen wir, dass es sich nicht um Ver­schwö­rungs­theo­rien handelte.

  • NSA-Affä­re: „Die Über­wa­chung muss unser Wahl­ver­hal­ten beein­flus­sen“ | ZEIT ONLINE – Phil Zim­mer­mann, der Erfin­der der PGP-Ver­schlüs­se­lung, im Interview:

    Wir alle müs­sen ler­nen, unse­re Kom­mu­ni­ka­ti­on zu schüt­zen, denn damit bie­ten wir ande­ren Men­schen Schutz. Wenn wir unse­re Gesell­schaft vor einer schlim­men Zukunft bewah­ren wol­len, muss Ver­schlüs­se­lung zur Bür­ger­pflicht werden.
    […] Es geht auch um die Fra­ge, in wel­cher Welt wir leben wol­len. Wer über­all Über­wa­chungs­ka­me­ras auf­stellt, um zu sehen, ob jemand Müll auf die Stra­ße wirft, hat ver­mut­lich sau­be­re Stra­ßen. Aber der Preis dafür ist zu hoch. Man gibt sei­ne per­sön­li­che Frei­heit auf. Wenn jeder Schritt von uns über­wacht wird und man das weiß, rich­tet man sein Ver­hal­ten unwill­kür­lich danach aus, will nicht auf­fal­len, nicht anecken. Nie­mand wird noch etwas riskieren.

    Lei­der ist er an einer Stel­le etwas arg opti­mis­tisch, wenn es dar­um geht, das Geheim­diens­te Bür­ger ande­rer Natio­nen aus­spä­hen: Er sieht das als nicht so schlimm, weil die­se ja kei­nen direk­ten Zugriff auf die Bür­ger haben. Theo­re­tisch stimmt das (auch an sei­nem Bei­spiel Chi­na), für die USA und Deutsch­land z.B. aber lei­der eben nicht …

  • Hirn­for­schung: Mär­chen­haf­tes Ver­spre­chen | ZEIT ONLINE – Die „Zeit“ setzt ihre Aus­ein­an­der­set­zung mit der Neu­ro­di­dak­ti (bei ihr immer in Anfüh­rungs­zei­chen …), der Ver­bin­dung von Neu­ro­wis­sen­schaf­ten und Päd­ago­gik, fort. Heu­te weist Ulrich Schna­bel dar­auf hin, dass sie bis­her sei­ner Wahr­neh­mung nach noch fast gar nichts leistet:

    Ihren Nut­zen offen­bart die Hirn­for­schung bis­lang vor allem bei der Klä­rung patho­lo­gi­scher Fäl­le – etwa bei Lese-Recht­schreib-Schwä­che (Dys­le­xie) oder Rechen­schwä­che (Dys­kal­ku­lie) – bei denen sich neu­ro­na­le Abwei­chun­gen zei­gen. Zur Fra­ge, wie man das Ler­nen gesun­der Kin­der in der Schu­le för­dert, hat sie wenig bei­zu­tra­gen. Wie könn­te sie auch?

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  • US and UK spy agen­ci­es defeat pri­va­cy and secu­ri­ty on the inter­net | the​guar​di​an​.com – Wer jetzt noch glaubt, das sei ja alles nicht so schlimm, was Ame­ri­ka­ner und Bri­ten beim Lau­schen und Abhö­ren trei­ben, soll­te wohl wirk­lich in den Wald gehen:

    The docu­ments show that the agen­cy has alre­a­dy achie­ved ano­ther of the goals laid out in the bud­get request: to influence the inter­na­tio­nal stan­dards upon which encryp­ti­on sys­tems rely.

    Inde­pen­dent secu­ri­ty experts have long suspec­ted that the NSA has been intro­du­cing weak­ne­s­ses into secu­ri­ty stan­dards, a fact con­firm­ed for the first time by ano­ther secret docu­ment. It shows the agen­cy work­ed covert­ly to get its own ver­si­on of a draft secu­ri­ty stan­dard issued by the US Natio­nal Insti­tu­te of Stan­dards and Tech­no­lo­gy appro­ved for world­wi­de use in 2006.

    […]

    „Pro­ject Bull­run deals with NSA’s abili­ties to defeat the encryp­ti­on used in spe­ci­fic net­work com­mu­ni­ca­ti­on tech­no­lo­gies. Bull­run invol­ves mul­ti­ple sources, all of which are extre­me­ly sen­si­ti­ve.“ The docu­ment reve­als that the agen­cy has capa­bi­li­ties against wide­ly used online pro­to­cols, such as HTTPS, voice-over-IP and Secu­re Sockets Lay­er (SSL), used to pro­tect online shop­ping and banking.

  • N.S.A. Foils Much Inter­net Encryp­ti­on – NYTi​mes​.com – Auch die NYT berich­tet über die Mög­lich­kei­ten der NSA, Ver­schlüs­se­lun­gen zu knacken:

    The Natio­nal Secu­ri­ty Agen­cy is win­ning its long-run­ning secret war on encryp­ti­on, using super­com­pu­ters, tech­ni­cal tri­ckery, court orders and behind-the-sce­nes per­sua­si­on to under­mi­ne the major tools pro­tec­ting the pri­va­cy of ever­y­day com­mu­ni­ca­ti­ons in the Inter­net age, accor­ding to new­ly dis­c­lo­sed documents.
    […] By this year, the Sig­int Enab­ling Pro­ject had found ways insi­de some of the encryp­ti­on chips that scram­ble infor­ma­ti­on for busi­nesses and govern­ments, eit­her by working with chip­ma­kers to insert back doors or by sur­rep­ti­tious­ly exploi­ting exis­ting secu­ri­ty flaws, accor­ding to the docu­ments. The agen­cy also expec­ted to gain full unen­crypt­ed access to an unna­med major Inter­net pho­ne call and text ser­vice; to a Midd­le Eas­tern Inter­net ser­vice; and to the com­mu­ni­ca­ti­ons of three for­eign governments.

  • TV-Wahl­kampf: Nur was für Pen­sio­nä­re | ZEIT ONLINE – Khue Pham über Wah­len, Wahl­kampf und Fernsehen:

    Deutsch­land, so die Kanz­le­rin und der Kan­di­dat, gehe es gut. Doch wie gut kann es uns gehen, wenn sich der größ­te Streit­punkt an Pen­sio­nen ent­zün­det? Ist das die ein­zi­ge Zukunfts­vi­si­on, die sie sich, uns und die­sem Land zutrauen?

  • Eine mili­tä­ri­sche Inter­ven­ti­on in Syri­en wäre nicht legal – Sven Simon über die Lega­li­tät einer (wie auch immer gear­te­ten) mili­tä­ri­schen Inter­ven­ti­on in Syri­en als Reak­ti­on auf den Ein­satz von che­mi­schen Waffen:

    Ein nicht vom Sicher­heits­rat auto­ri­sier­ter Mili­tär­schlag gegen Syri­en bleibt also völ­ker­recht­lich grund­sätz­lich ver­bo­ten – unab­hän­gig davon ob der Ein­satz che­mi­scher Waf­fen nach­ge­wie­sen wer­den kann oder nicht. Ob der Sicher­heits­rat eine mili­tä­ri­sche Inter­ven­ti­on expli­zit ablehnt oder erst gar nicht über ein mili­tä­ri­sches Ein­grei­fen abge­stimmt wird, ist für die völ­ker­recht­li­che Bewer­tung nicht ent­schei­dend. Aber weder der US-ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent noch der Kon­gress der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka ist zu einer „Straf­ak­ti­on“ berechtigt.

  • Im Gespräch: Juli­an Nida-Rüme­lin: „Wir soll­ten den Aka­de­mi­sie­rungs­wahn stop­pen“ – FAZ – Juli­an Nida-Rüme­lin im Inter­view über Bil­dung, Aus­bil­dung, Uni­ver­si­tä­ten, Markt und Per­son und die Ver­än­de­run­gen der letz­ten Jah­re in Deutsch­land, inklu­si­ve PISA („Wenn Sie genau hin­schau­en, erken­nen Sie, dass das gan­ze Pisa-Pro­gramm auf beruf­li­che Ver­wert­bar­keit und nicht auf Per­sön­lich­keits­bil­dung aus­ge­rich­tet ist“):

    Es fin­det gegen­wär­tig kei­ne Bil­dungs­expan­si­on statt, die sozia­le Selek­ti­vi­tät in Deutsch­land ist skan­da­lös hoch, höher als in den sieb­zi­ger Jah­ren. Ich bin sehr für eine durch­dach­te Bil­dungs­expan­si­on. Wir wer­den bald 60 Pro­zent Stu­di­en­be­rech­tig­te pro Jahr­gang haben, in man­chen Städ­ten lie­gen wir schon bei 70 Pro­zent. Mei­ne The­se ist, dass sich dar­aus eine neue Qua­li­tät ergibt – eine nega­ti­ve. Wir gefähr­den den Kern des deut­schen Wirt­schafts­mo­dells, die auf exzel­len­ten Qua­li­fi­ka­tio­nen begrün­de­ten mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men, die auf dem Welt­markt mit­spie­len können. 

    Schön, dass er sich auch von der FAZ nicht in die par­tei­po­li­ti­sche Ecke (SPD) abdrän­gen lässt …

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  • Klau­su­ren und Sibyl­le Berg. | ats20​.de – Han­jo anläss­lich einer Kor­rek­tur zu einem Kurz­text von Sibyl­le Berg:

    Merk­satz für die nächs­te Deutsch­ar­beit also: Autoren sind immer min­des­tens drei Grö­ßen­ord­nun­gen coo­ler als der Deutsch­leh­rer, der ihre Geschich­ten mitbringt.

  • Vier Mode­ra­to­ren sind vier zuviel: Das TV-Duell—ein Vor­schlag zur Güte « Ste­fan Nig­ge­mei­er – Ste­fan Nig­ge­mei­er hat einen guten Vor­schlag, wie man Dis­kus­sio­nen zwi­schen Kanz­le­rin/-kan­di­da­ten span­nend machen könnte:

    Ich hät­te einen Vor­schlag für eine neue, bes­ser Form des »TV-Duells«: Wir ver­zich­ten auf die Mode­ra­to­ren. Nicht nur auf zwei oder drei, son­dern auf alle vier.

  • Bil­dung: Die Stun­de der Pro­phe­ten | ZEIT ONLINE – Mar­tin Spie­wak zeigt in der „Zeit“, was an den The­sen, Behaup­tun­gen und For­de­run­gen von Hüt­her & Co. dran ist: Wenig bis nichts:

    Mit neu­ro­bio­lo­gi­scher For­schung hat das wenig zu tun. Genau genom­men kommt die Hirn­for­schung in Hüt­hers Vor­trä­gen kaum noch vor. Der Bio­lo­ge ver­traut auf die Magie, die Wör­ter wie „prä­fron­ta­ler Kor­tex“, „emo­tio­na­le Zen­tren im Mit­tel­hirn“ oder „neu­ro­plas­ti­sche Boten­stof­fe“ im Publi­kum ent­fal­ten. „Appli­ed Neu­ro­sci­ence“ nennt Hüt­her die­se inzwi­schen per­fek­tio­nier­te Kunstform.

    Spä­ter heißt es noch, eben­falls sehr treffend:

    Doch mit Stu­di­en oder ande­rem päd­ago­gi­schen Klein-Klein schla­gen sich Gerald Hüt­her und die ande­ren Bil­dungs­pro­phe­ten nicht her­um. Umset­zungs­pro­ble­me, die end­lo­se His­to­rie didak­ti­scher Illu­sio­nen, die Wider­stän­dig­keit des Unter­richts­all­tags: für sie kein The­ma. Die Reform­jün­ger ver­kau­fen der Repu­blik statt­des­sen lie­ber ein­zel­ne Vor­zei­ge­ein­rich­tun­gen wie eine Ber­li­ner Pri­vat­schu­le als Leit­bild – dabei hat die­se bis­her noch nicht einen Jahr­gang durchs Abitur gebracht.

  • Land­tags­wahl: Hes­sen für Ein­stei­ger | ZEIT ONLINE – Lenz Jacob­sen war mit Hans Eichel in Hes­sen („Ein Dazwi­schen-Land, ein Redak­teur­salb­traum.“ nennt Jacob­sen das) unter­wegs und hat einen lau­ni­gen Text mit­ge­bracht, der sich vor allem dadurch aus­zeich­net, dass er fast kei­ne Infor­ma­ti­on beinhaltet.

Terroristischer Käse

Gera­de habe ich einen Zufalls­fund gemacht: The Big Bang Theo­ry benutzt ter­ro­ris­ti­schen Par­me­san­kä­se als Requi­sit. So sieht das in Fol­ge 22 der vier­ten Staf­fel aus:

Szenenbild "The Big Bang Theory" 4-22 (bei 8:38)

Sze­nen­bild „The Big Bang Theo­ry“ 4–22 (bei 8:38)

Oder etwas genau­er unter die Lupe genommen:

Szenenbild "The Big Bang Theory" 4-22 (Ausschnitt)

Sze­nen­bild „The Big Bang Theo­ry“ 4–22 (Aus­schnitt)

Im Detail wird end­gül­tig klar, wie die „Rote Armee Frak­ti­on“ zum Käse­pro­du­zent wurde:

RAF-Käse

RAF-Käse

„Kraft“ darf da eben nicht ste­hen, das wäre ja Schleich­wer­bung. Die neue, sub­ti­le Bot­schaft fin­de ich aller­dings auch sehr aufschlussreich ;-)

Ins Netz gegangen (2.7.)

Ins Netz gegan­gen (1.7.–2.7.):

  • Mal­lor­ca: Eimer­ver­bot am Bal­ler­mann! | ZEIT ONLINE – Na so was, in Mal­lor­ca sol­len Sauf­ge­la­ge in der Nacht ein­ge­dämmt wer­den. Das ist natür­lich fast schon der Weltuntergang …

    Was las­sen die Sit­ten­wäch­ter und Lärm­war­te denn über­haupt noch vom mal­lor­qui­ni­schen Urlaubs­fee­ling übrig? Rich­tig: Urknall­tü­ten wie Jür­gen Drews. Und solan­ge der deut­sche Schla­ger nicht unters Kriegs­waf­fen­kon­troll­ge­setz fällt, wird das auch so bleiben.

  • Nach­rich­ten und Ver­schwö­rungs­theo­rien | web​logs​.evan​ge​lisch​.de – manch­mal ist es ganz einfach …:

    Könn­te damit zu tun haben, dass Frei­heit im Gauck’schen Sin­ne eigent­lich nur die Abwe­sen­heit von DDR meint – des­halb muss Gauck an der Frei­heit nicht mehr rum­den­ken, son­dern kann sie als auf Dau­er gestell­ten Erfolg immer nur gerührt beklat­schen; die DDR ist ja nicht mehr.

  • Tra­di­ti­ons­haus: Insel Ver­lag mel­det Insol­venz an – Ber­li­ner Mor­gen­post – Manch­mal fra­ge ich mich ja, ob die bei Suhr­kamp selbst noch durch­bli­cken, wie ihr Geschäft und ihr Betrieb funk­tio­niert – oder auch nicht.

    Man muss sich das klar­ma­chen: Im Zuge eines Schach­zugs, der der Öffent­lich­keit als Befrei­ungs­schlag ver­kauft wer­den soll­te, bean­tragt Suhr­kamp die Insol­venz für ein mehr als hun­dert Jah­re altes Traditionsunternehmen.

  • Ich has­se Hans Zim­mer. Eine Tira­de | Bad Blog Of Musick – Moritz Eggert hat genug von den Film­mu­si­ken aus der Werk­statt Hans Zim­mers. Und er sagt es sehr deut­lich. Und er hat natür­lich recht.

    Oder mal nicht mit die­sem schwur­beln­den Ein­heits­sound alles zuzu­schei­ßen, den Du so erfolg­reich pro­du­zierst, Du weisst schon, immer die­se repe­tier­te Moll­ak­kord, kei­ner­lei nen­nens­wer­te melo­di­sche Ein­fäl­le, ein­fach nur Sound, Sound, Sound, bis es einem zu den Ohren und zum Mund und zum Arsch raus­kommt, immer nur die­ser FASCHISTOIDE Ein­heits­sound, zuge­kleis­tert mit der typi­schen Audio­spur eines heu­ti­gen Films, wo alles bis zum Limit kom­pri­miert und geboos­tet ist, damit es im Kino so rich­tig schön kracht und man ver­gisst, dass man ein Hirn hat.

  • Neue Sen­dung von Gui­do Knopp – Kein Kampf­geist, dafür Grün­der­zeit­de­kos – Süddeutsche.de – Gus­tav Seibst, selbst aus­ge­wie­se­ner His­to­ri­ker, hat sich Gui­do Knopps neue Sen­dung ange­se­hen und war über­haupt nicht über­zeugt oder begeistert:

    Knopp und die Phoe­nix-Macher hat­ten „kon­tro­ver­se Stand­punk­te“ ver­spro­chen, Histo­ry live sol­le „Geschich­te erleb­bar machen“ und „jun­ge Zuschau­er für Zeit­ge­schich­te begeis­tern“. Das hier ließ sie in einen Mit­tags­schlaf ver­sin­ken – die jun­gen wie die alten.

Das Adlon – eine Hochglanz-Familiensaga

Eine selt­sa­me Pro­duk­ti­on ist das, was das ZDF da pro­du­ziert bzw. pro­du­zie­ren las­sen hat, die­se „Fami­li­en­sa­ga“ um das Hotel Adlon. Die­ser rie­si­ge deko­ra­ti­ve Auf­wand (das ist wirk­lich oft schön anzu­se­hen) für eine im Kern doch ganz schön mage­re Geschich­te … Aber Jose­phi­ne Preuß kann man ger­ne zuschauen …

Vor allem aber fal­len da so eini­ge Merk­wür­dig­kei­ten dabei ab. Am stärks­ten fiel mir der selt­sa­me Umgang mit Geschich­te und Ver­ant­wor­tung auf, der den Drei­tei­ler durch­zieht. Geschich­te ist, das ist wenig ver­wun­der­lich, hier vor allem Kulis­se. Aber natür­lich zieht die­ses Spek­ta­kel um eine Geschäfts­grün­dung (oder auch nicht, der Beginn blieb im Unkla­ren) zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts in Ber­lin und die Schil­de­rung der wei­te­ren Gän­ge des Geschäf­tes und der dazu­ge­hö­ri­gen (Teil-)Familie einen wesent­li­chen Teil sei­ner Legi­ti­ma­ti­on aus der Ver­knüp­fung mit der deut­schen Geschich­te im 20. Jahr­hun­dert, vom Kai­ser­reich bis in die Gegen­wart des wie­der­ver­ei­nig­ten Deutschland.

Aber Geschich­te fin­det hier nur im klei­nen Raum statt: Ber­lin gibt es eigent­lich nicht (war offen­bar zu auf­wän­dig …), son­dern nur das Hotel Adlon – da aber ger­ne schön sym­bol­träch­tig vom Bran­den­bur­ger Tor aus betrach­te wird. Ande­rer­seits ist es aber wie­der nur Geschich­te im gro­ßen: Natür­lich der Kai­ser selbst (Hit­ler bleibt dann wenigs­tens aus­ge­spart), aber vor allem Fami­lie des Groß­ka­pi­ta­lis­ten Adlon und sei­nes kaum weni­ger geschäfts­tüch­ti­gen und aus­beu­te­ri­schen Kom­pa­gnon Schadt. Sicher, da gibt es noch die Kut­scher­fa­mi­lie, die die Hand­lung bzw. einen wesent­li­chen Strang, in Gang setzt: Aus ihr stammt Fried­rich, der dum­mer­wei­se die Toch­ter des Schloss­be­sit­zers schwän­gert (und des­sen gesam­te Fami­lie dadurch ihrer Exis­tenz beraubt wird). Aber die „klei­nen“ Leu­te spie­len dann wei­ter kei­ne Rol­le – außer in ihrer Funk­ti­on als Staf­fa­ge und natür­lich als Die­ner. Fried­rich darf sich dann auch vom Pagen bis zur Rezep­ti­on hoch­ar­bei­ten (aber bit­te nicht wei­ter!), bevor er im Feu­er umkom­men muss.

Doch das größ­te Pro­blem für mich: Ver­ant­wor­tung für Ent­schei­dun­gen im eige­nen Leben und der Geschich­te muss hier kei­ne der Figu­ren über­neh­men. Allen pas­siert das Unglück nur, nie ist jemand schuld – nicht im Ers­ten Welt­krieg und natür­lich auch nicht im Zwei­ten Welt­krieg. Selbst der als reich­lich teuf­lich-unsym­pa­thisch-böse (schon die Steif­heit beim Foto­gra­fie­ren!) gezeich­ne­te von Ten­nen ist dann doch nicht so rich­tig böse … Dafür wird dann der feuch­te Traum jedes im Drit­ten Reich mit­schul­dig gewor­de­nen Deut­schen wahr, wenn sich der mehr­fach ver­haf­te­te, ange­schos­se­ne und schließ­lich aus­ge­wie­se­ne und in der Pam­pa in der Nähe der deut­schen Gren­ze aus­ge­setz­te Jude (der dann in Isra­el natür­lich unge­heu­er erfolg­reich wird) bei der Deut­schen Son­ja Schadt, die ihn brav im Stich gelas­sen hat, um zusam­men mit Goeb­bels im Radio die Olym­pi­schen Spie­le anzu­sa­gen, – ent­schul­digt. Dann end­lich hat alles wie­der sei­ne Ord­nung gefun­den und die Welt ist heil und Frie­de kehrt in den Fami­li­en ein, nie­mand muss ver­ur­teilt wer­den, nie­mand hät­te viel­leicht bes­se­re Hand­lungs­mög­lich­kei­ten wäh­len kön­nen, nie­mand muss sich von den Nach­ge­bo­re­nen sagen las­sen, dass sein Ver­hal­ten in kri­ti­schen Zei­ten und Umstän­den viel­leicht nicht opti­mal gewe­sen ist. Statt des­sen: Ein­tracht und Ein­heit. Zumin­dest in die­ser Fernsehsippe. 

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