Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

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Wochenblog 1/​2023

Nach einem guten, ent­spann­ten Start ins neue Jahr und einem sehr mäßig besuch­ten Neu­jahrs­got­tes­dienst auf dem Dorf habe ich nach­mit­tags auf der Fahrt nach Regens­burg gleich mal wie­der 68 Minu­ten Ver­spä­tung ein­ge­sam­melt: Die zwei­te Regio­nal­bahn der VIAS ist ein­fach kurz­fris­tig auus­ge­fal­len, wegen Per­so­nal­man­gel – da ist offen­bar wie­der ein­mal (nicht zum ers­ten Mal) ein Zug­füh­rer erkrankt und Reser­ve­per­so­nal gibt es ein­fach nicht mehr … Nun ja, ich bin dann eben den total unsin­ni­gen Umweg über Frank­furt (also erst ein­mal unge­fähr eine Stun­de in die fal­sche Him­mel­rich­tung) gefah­ren und dort in einen über­ra­schend ange­nehm lee­ren ICE gewech­selt, der mich zumin­dest nach Nürn­berg brach­te. Der Rest war dann immer­hin plan­mä­ßig unterwegs.

Die ers­ten Tage im neu­en Jahr waren dann sehr ent­spannt: Da die Uni­ver­si­tät uns wie­der bis ein­schließ­lich 6. Janu­ar Zwangs­ur­laub ver­ord­net hat, habe ich eben das gemacht, aller­dings zu Hau­se. Mit eini­gen schö­nen Läu­fen (sogar wei­ter­hin täg­lich), etwas hin- und her­räu­men und vor allem wenig Stress. Am Renn­rad ver­zwei­fe­le ich aller­dings gera­de an der Schal­tung, die bekom­me ich auf dem Trai­ner ein­fach nicht in den Griff …

Frei­tags bin ich dann wie­der abends in die Hei­mat gefah­ren, weil ich für Sonn­tag eine Got­tes­dienst­ver­tre­tung in mei­ner Hei­mat­ge­mein­de über­nom­men habe. Lei­der hat die Gemein­de die Got­tes­diens­te momen­tan ins Gemein­de­haus ver­legt, so dass ich statt der schö­nen Orgel (auf der ich einst anfing und die der Haupt­grund war, die Ver­tre­tung zu über­neh­men) auf dem Kla­vier spie­len durfte/​musste. Trotz­dem wur­de es dann ein ganz schö­ner Gottesdienst.

Und nach­mi­tags dann wie­der die Rück­fahrt nach Regens­burg, die­ses Mal tat­säch­lich ohne berich­tens­wer­te Vor­komm­nis­se. Es geht eben doch.

Bild: Noah Baum­bachs White Noi­se nach Don DeL­il­los mir unbe­kann­ter Roman­vor­la­ge ist wie­der ein sehr coo­ler Film (bei Baum­bach ja auch so zu erwar­ten), in dem natür­lich auch Gre­ta Ger­wig wie­der groß­ar­tig mitspielt.

Ton: Noch ein wenig Weih­nachts­mu­sik nach­ge­holt, dabei unter ande­rem Phil­ipp Wolf­rums Weih­nachts­mys­te­ri­um, ein durch­aus inter­es­san­tes, aber eher ver­ges­se­nes Werk, ech­tes, tief emp­fun­de­nes und oft genau­so arti­fi­zi­el­les 19. Jahr­hun­derts in gro­ßer, weit­ge­hend eigen­stän­di­ger Ges­te: Spannend.

Text: Kim de l’Ho­ri­zons Blut­buch ange­fan­gen – noch nicht ganz sicher, was ich davon hal­ten soll. Ich fürch­te, das könn­te dar­auf hin­aus­lau­fen, dass das ein Text ist, der vor allem klug und avan­ciert wir­ken will, ohne es dann aber unbe­dingt wirk­lich zu sein: Alles etwas über­de­ter­mi­niert mit Signi­fi­kan­ten, mit allen nur mög­li­chen und erdenk­li­chen for­ma­len Spie­le­rei­en und Varia­tio­nen, ohne aber eine eige­ne Form (oder Spra­che – obwohl es da zumin­dest etwas bes­ser aus­sieht) zu fin­den.
Auch ange­fan­gen: Lau­ren Binet’s Erobe­rung, ein kon­tra­fak­ti­scher Roman, in dem die Wikin­ger nach Süd­ame­ri­ka kom­men und Kolum­bus dage­gen in Ame­ri­ka ver­sackt und nie zurück kommt. Lässt sich etwas tro­cken und kon­stru­iert an bis jetzt.
Und wie­der­ge­le­sen: Sieg­fried Bern­felds Sisy­phos oder die Gren­zen der Erzie­hung von 1925. Immer wie­der eine anre­gen­de Lek­tü­re. Bern­feld hat damals schon viel sehr rich­tig gese­hen. Und so eini­ges davon gilt auch heu­te, bei­na­he 100 Jah­re spä­ter, noch.

Drau­ßen: Jeden Tag gelau­fen, aber öfters nur kurz, des­halb auch nur 50 km.

spinnennetz

Ins Netz gegangen (14.2.)

Ins Netz gegan­gen am 14.2.:

  • Götz Alys Rede zum 74. Jah­res­tag der Befrei­ung von Ausch­witz | Ber­li­ner Zei­tung → eine gute rede von götz aly zum jah­res­tag der befrei­ung ausch­witz‘, die mit hin­wei­sen auf par­al­le­len zu gegen­wär­ti­gen etnwick­lun­gen nicht spart und vor allem deut­lich macht, wie breit die deut­schen nahe­zu aller cou­leur und kul­tur die gewalt getra­gen und unter­stützt haben
  • Der Pol­ter­geist | Van → gro­ße repor­ta­ge über dani­el baren­boimund sei­ne – durch zahl­rei­che quel­len bestä­tig­te – unfä­hig­keit, mit ande­ren men­schen ver­nünf­tig umzu­ge­hen und zusam­men­zu­ar­bei­ten und statt­des­sen ein kli­ma der andau­ern­den angst und will­kür zu schaf­fen – und der trotz­dem wei­ter­hin enorm hofiert wird in berlin
  • War­um im ICE 4 die Rei­se­lust auf der Stre­cke bleibt | Deutsch­land­funk → dirk schnei­der ist nur mäßig begeis­tert vom neu­en ice 4 – und ich kann das gut nachvollziehen
  • Ger­man for Pro­gramm­ers | Outer Haven → eine schö­ne idee: ein pro­gram­mie­rer lernt deutsch – und ver­sucht, mit kon­zep­ten des pro­gram­mie­rens die deut­sche spra­che (und ins­be­son­de­re ihre schwie­rig­kei­ten) zu beschreiben
IC in Amsterdam, Central Station

Reise

Bil­der einer Rei­se – manch­mal ist wirk­lich der Wurm drin bei der Bahn (und das sage ich als expli­zi­ter Bahn­lieb­ha­ber). Zum Glück sah ich das Pro­blem am Sonn­tag recht­zei­tig und konn­te aus­wei­chen – statt über Hanau mit dem IC 2027 (der in mei­ner Erfah­rung gene­rell sehr ver­spä­tungs­an­fäl­lig ist) bin ich über Aschaf­fen­burg mit dem ICE 725 nach Ingol­stadt und von dort nach Regens­burg gefah­ren. Dadurch war ich dann nur ca. 15 Minu­ten spä­ter als geplant zu Hau­se, muss­te aber auch zwei Mal mehr umstei­gen. Und die Fahrt im ICE war nur so halb ange­nehm, weil der sehr über­füllt war (was auf die­ser Stre­cke an die­sem Tag auch häu­fig der Fall ist) – selbst auf den Gän­gen wur­de es schon eng … Aber immer­hin bin ich ver­tret­bar angekommen.

spinnweben zwischen holz, schwarz-weiß

Ins Netz gegangen (22.5.)

Ins Netz gegan­gen am 22.5.:

  • Ein Tag im Leben eines ICE | SZ → net­te (wenn auch nicht sehr tief­ge­hen­de) Repor­ta­ge über den Zug an sich (also das Gefährt) und der Auf­wand, der nötig ist, dass er jeden Tag auf den Glei­sen unter­wegs sein kann.
  • Franz Kogl­mann: „Jazz ist für mich kein Syn­onym für Frei­heit“ | Stan­dard → der „stan­dard“ gra­tu­liert franz kogl­mann zum seib­zigs­ten mit einem inter­view, von dem hier die (eini­ge?) ant­wor­ten zu lesen sind

    Ich bin bis heu­te der Mei­nung, die eigent­lich wich­ti­ge musi­ka­li­sche Erschei­nungs­form des 20. Jahr­hun­derts ist der Jazz und nicht die Zwei­te Wie­ner Schule!

  • Fake News mit Fake Jour­nals: Gender-​Studies-​Hoax als Ver­lags­ver­sa­gen | netzpolitik.org → leon­hard dobusch bei netz­po­li­tik über das wah­re pro­blem von unse­riö­sen (wissenschafts-)verlagen:

    Unse­riö­se Ver­la­ge, die gegen Bezah­lung jeden Bei­trag als ver­meint­lich begut­ach­tet publi­zie­ren, waren bis­lang vor allem ein Pro­blem für den Wis­sen­schafts­be­trieb. Wie ein ver­meint­li­cher Gender-​Studies-​Hoax zeigt, sind Fake-​Verlage aber auch eine poten­ti­el­le Grund­la­ge für Fake News.

  • Wirk­lich­keits­be­wäl­ti­gung als lite­ra­ri­sches Pro­gramm | Voll­text → schon wie­der ein text von felix phil­ipp ingold – eine allgmei­ne abrech­nung mit der lite­ra­tur­kri­tik, wie sie heu­te betrie­ben wird

    Bele­ge für die­ses ein­di­men­sio­na­le Rea­lis­mus­kon­zept wie auch für das unge­bro­che­ne Bedürf­nis nach dem bel­le­tris­ti­schen Human touch lie­fert die aktu­el­le Buch­kri­tik in belie­bi­ger Anzahl und mit zuneh­men­der Insistenz. 

  • Colour Wheels, Charts, and Tables Through Histo­ry | Public Domain Review → eine schö­ne über­sicht über diver­se ver­su­che der letz­ten jahr­hun­dert, das farb­spek­trum zu orga­ni­sie­ren und dar­stel­lungs­for­men dafür zu finden.
  • How Goog­le Book Search Got Lost | Back­chan­nel → schö­ner, lan­ger text über goog­le books, die ent­wick­lung des pro­jek­tes zum (schein­ba­ren?) still­stand – und die lek­ti­on dar­aus: „Engi­nee­ring is gre­at, but it’s not the ans­wer to all problems.“
winterlicher wald im schnee

Ins Netz gegangen (6.1.)

Ins Netz gegan­gen am 6.1.:

  • Das öffent­li­che Eigen­tum ist den Ver­tre­tern des öffent­li­chen Eigen­tü­mers so was von schnurz. Das Bei­spiel Deut­sche Bahn AG | LunaPark21 → guter abriss, wie und war­um das öffent­lich eigen­tum „deut­sche bahn“ nicht im inter­es­se der öffent­lich­keit gema­nagt wird – also, kurz gesagt, wie die poli­tik hier ziem­lich total versagt
  • End­lich: Rad­fah­rer dür­fen über rote Ampeln fah­ren | Rad­ver­kehrs­po­li­tik → rad­ver­kehrs­po­li­tik nimmt die neu­en ampel­re­ge­lun­gen für rad­fah­re­rin­nen bzw. rad­we­ge aufs korn:

    Seit dem 1. Janu­ar gel­ten für Rad­fah­rer an Kreu­zun­gen kei­ne Fußgänger-​Signalgeber mehr, Rad­fah­rer müs­sen und dür­fen an vie­len Kreu­zun­gen plötz­lich die Fahrbahn-​Signalgeber beach­ten. Dumm nur, dass die Stra­ßen­ver­kehrs­be­hör­den davon nichts wis­sen: Die Fahrbahn-​Signalgeber sind teil­wei­se gar nicht für Rad­fah­rer sicht­bar, wäh­rend an ande­ren Kreu­zun­gen abbie­gen­de Kraft­fah­rer gar nicht mehr mit gera­de­aus­fah­ren­den Rad­fah­rern rechnen.

    Man darf nur hof­fen, dass nicht all­zu vie­le Rad­fah­rer die­se Ände­rung bemer­ken und nach wie vor artig bei roter Fuß­gän­ger­am­pel stehenbleiben.

  • Trumps Kom­pe­tenz soll­ten wir nicht wei­ter dis­ku­tie­ren“. Hen­ry Kis­sin­ger über die neue US-​Regierung und wie ein Krieg mit Chi­na zu ver­hin­dern ist. | IPG → hen­ry kis­sin­ger über ame­ri­ka, chi­na und die welt – und die ver­mut­li­che außen­po­li­tik und ihre stra­te­gi­schen spiel­räu­me unter trump
  • Frau­en haben die roman­ti­sche Ver­blö­dung“ | FAZ → inter­es­san­tes inter­view mit einer öster­rei­chi­schen schei­dungs­an­wäl­tin über ehe, part­ner­schaft und v.a. die finanzen
  • Refor­ma­ti­ons­jahr 2017: Gegen „eine inhu­ma­ne Annä­he­rung an Luther“ | Deutsch­land­funk → gutes inter­view mit heinz schil­ling über luther und vor allem über sei­ne bedeu­tung (und die der refor­ma­ti­on ins­ge­samt) für uns und heute

    [Luther] ist uns als ers­tes als Frem­der dar­zu­stel­len. Sehen Sie, in die­ser Zeit war es so, dass die All­zu­stän­dig­keit von Reli­gi­on, All­zu­stän­dig­keit des Chris­ten­tums nicht nur für das Jen­seits – das ist uns ja sowie­so abhan­den­ge­kom­men – aber auch für das Dies­seits kon­sti­tu­tiv war für die­se Gesell­schaft, für die­se Kul­tur. Das exis­tiert für uns heu­te nicht mehr. Weder die­se Vor­stel­lung, ein jen­sei­ti­ges Leben bereits jetzt vor­be­rei­ten zu müs­sen im Sin­ne einer tota­len Aus­rich­tung des dies­sei­ti­gen Lebens auf das jen­sei­ti­ge, das ist uns abhandengekommen.

    Da ist eben die gro­ße Schwel­le, die Auf­klä­rung – das aus­klin­gen­de 18. und das frü­he 19. Jahr­hun­dert, in dem das pas­siert, was wir Säku­la­ri­sie­rung nen­nen. Das setzt vor­her ein – sehr wich­tig die Rege­lun­gen des West­fä­li­schen Frie­dens, dass Reli­gi­on und Poli­tik getrennt wird, dass die All­zu­stän­dig­keit von Reli­gi­on auf­ge­ge­ben wird. Das macht die ganz ande­re Situa­ti­on heu­te aus.

    Von daher sind zwei Din­ge wich­tig. Wir kön­nen einer­seits Luther nicht von oben her­ab beur­tei­len. Da gibt es so eini­ge Aus­sa­gen: Naja, der hat ja an Hexen geglaubt, der hat die Frau­en unter­drückt. Ich pfle­ge dann zu sagen: Naja, der Mann konn­te nicht mal Auto fah­ren. So ein lächer­li­cher Mensch ist das und auf den wol­len wir uns nach 500 Jah­ren besinnen.

    und mit einem schö­nen satz am schluss:

    Der His­to­ri­ker hat dafür zu sor­gen, dass nichts ver­schlei­ert wird, son­dern im Guten wie im Bösen – und hier geht es natür­lich um das Böse, das ist völ­lig klar – die Din­ge genau­es­tens sach­ge­recht iden­ti­fi­ziert werden.

spinnennetz mit tau

Ins Netz gegangen (23.11.)

Ins Netz gegan­gen am 23.11.:

  • #FakeN­ews jetzt auch im Feuil­le­ton? | Wolf­gang Mich­al → wolf­gang mich­al hat – aus­ge­löst von der alar­mis­ti­schen pres­se­mit­tei­lung des bör­sen­ver­ban­des und der unge­prüf­ten über­nah­me in qua­li­täts­me­di­en – mal ein biss­chen gerech­net, was die rück­zah­lung ille­gal erhal­te­ner vg-​wort-​gelder für ver­la­ge eigent­lich wirk­lich bedeutet:

    Doch die noto­risch klam­me Situa­ti­on man­cher Kleinst­ver­la­ge wird vom rei­chen Bör­sen­ver­ein ja nur des­halb ins Feld geführt, weil man damit die Her­zen noto­risch klam­mer Autoren erwei­chen kann. Da traut sich dann kei­ner mehr zu fra­gen, war­um man aus­ge­rech­net klei­ne Autoren, deren Exis­tenz min­des­tens eben­so gefähr­det ist wie die Exis­tenz klei­ner Ver­le­ger, mit kul­tu­rel­len Unter­gangs­sze­na­ri­en dazu drän­gen will, auf ihre schma­len Rück­for­de­rungs­be­trä­ge (von weni­gen hun­dert Euro im Schnitt) „frei­wil­lig“ zu ver­zich­ten? War­um sprin­gen nicht die Mil­li­ar­dä­re und Mul­ti­mil­lio­nä­re Ber­tels­mann, Sprin­ger Sci­ence oder Wes­ter­mann in die Bre­sche und hel­fen ihrer angeb­lich so bedräng­ten Bran­che? Allein mit dem Jah­res­ge­winn von Ber­tels­mann könn­ten sämt­li­che Rück­for­de­run­gen der VG Wort 30 Jah­re lang begli­chen werden.

  • Öffent­li­cher Ver­kehr: Es wird eng | NZZ → an den pendler-​bahnhöfen der schweiz wird es eng – weil immer mehr men­schen zugleich unter­wegs sind …
  • Wie sich das poli­ti­sche Thea­ter selbst betrügt – Ein Zwi­schen­ruf | Nacht­kri­tik → micha­el wolf hat ein­wän­de gegen das ach so tol­le, ach so wich­ti­ge, ach so gesell­schaft­lich rele­van­te theater:

    In Thea­tern wird „exem­pla­risch durch­ge­spielt, was Demo­kra­tie aus­macht: das Auf­ein­an­der­pral­len extrem unter­schied­li­cher Ansät­ze aus­zu­hal­ten – und dis­kur­siv zu kana­li­sie­ren“? Nein, ein­fach nein. Poli­ti­sches Thea­ter ist nur so weit plu­ra­lis­tisch, bis es unan­ge­nehm wer­den könn­te. Es hat kein Inter­es­se dar­an, die Band­brei­te der Hal­tun­gen einer Gesell­schaft vor­kom­men zu las­sen, die – wie eklig! – eben nicht nur aus den Guten besteht

  • Nein, die Tran­sen und die Homos sind nicht schuld an Trump | Bild­blog → guter punkt von johan­nes kram, eigent­lich selbst­ver­ständ­lich, aber gera­de trotz­dem immer wie­der auszusprechen:

    Es geht nicht um Respekt oder Tole­ranz der einen für die ande­ren, um etwas, das Mehr­heit einer Min­der­heit gönnt. Es geht dar­um, dass sich die Gesamt­ge­sell­schaft erst als kom­plett begreift, wenn alle glei­cher­ma­ßen dazugehören. 

  • Poli­to­lo­ge über Trumps Popu­lis­mus: „Er bestimmt, wer das Volk ist“ | taz.de → gutes inter­view mit jan-​werner mül­ler über popu­lis­mus, nati­on, volk und den gan­zen krams/​quatsch …
  • Men­schen­rech­te: Reden wir über das Grund­ge­setz! | Zeit → bir­te förs­ter ruft dazu auf, das grund­ge­setz ernst zu neh­men und in die aktu­el­len dis­kus­sio­nen stär­ker einzubeziehen
  • 100 Jah­re rus­si­sche Revo­lu­ti­on: Revo­lu­ti­ons­ju­bi­lä­um ohne Held | NZZ → ulrich m. schmid über die schwie­rig­kei­ten der putin-​regierung, die revo­lu­ti­ons­fei­ern des nächs­ten jah­res mit dem nächs­ten spin zu ver­se­hen (spoi­ler: lenin fällt aus, der rus­si­sche staat darf in sei­ner grö­ße und gro­ßen geschich­te ganz natio­na­lis­ti­sche wie­der auferstehen …)

Ins Netz gegangen (19.10.)

Ins Netz gegan­gen am 19.10.:

Ins Netz gegangen (19.3.)

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  • Die zwölf Arbei­ten des Ver­le­gers | Edit – jan wen­zel cha­ra­ke­ri­siert die tätig­keit des ver­le­gens in 12 arbei­ten und beginnt mit dem „ein­krei­sen der gegen­wart“, bevor er sich eher pro­sa­ischen arbei­ten widmet

    Die Arbeit des Ver­le­gers ist vor allem eine Suche. […] Der Wunsch, die flüch­ti­ge Gegen­wart les­bar zu machen, ist sein Antrieb. Die Spur sei­ner Such­be­we­gung sind die Bücher, die ent­ste­hen. Jetzt und jetzt und jetzt.

  • Vor­schlä­ge für eine bes­se­re Opern­welt. | Bad Blog Of Musick – moritz eggert macht – ziem­lich ein­fa­che – vor­schlä­ge, wie die opern­welt deutsch­lands bes­ser (und vor allem: aktu­el­ler) wer­den könn­te: ein­fach mehr neue opern spie­len – und zwar nicht nur urauf­füh­run­gen, son­dern auch nach-inszenierungen …

    Gäbe es aber viel Neu­es, Ver­rück­tes und Expe­ri­men­tel­les in den Opern­häu­sern zu sehen, so wür­de man sich auch ger­ne mal eine Mozar­t­oper anschau­en, die ohne sinn­lo­sen Schnick­schnack aus­kommt und in der sich nie­mand anpis­sen muss. Das wäre dann auch nicht spie­ßig, son­dern leben­di­ge Tra­di­ti­on in Kom­mu­ni­ka­ti­on mit dem Neu­en. Wenn ich mir die “Mona Lisa” anschaue, so ist es halt die “Mona Lisa”, und das ist auch in Ord­nung so. Ein Doku­ment einer bestimm­ten Zeit, einer bestimm­ten Sicht auf die Din­ge. Ich muss das nicht zer­stö­ren, son­dern kann es auch so mal ste­hen lassen.
    Es wäre alles so einfach.
    Wenn sich nur jemand mal end­lich trau­en wür­de, etwas dau­er­haft zu ändern.

  • Heidegger-​Lehrstuhl-​Streit: Rek­tor ver­steht nicht – jür­gen kau­be über die „auf­re­gung“ um die umwid­mung eines lehr­stuhls zur junior-​professur an der uni freiburg:

    Doch der Rek­tor der Uni­ver­si­tät Frei­burg ver­steht die gan­ze Auf­re­gung nicht. Wir glau­ben ihm. Er ver­steht es ein­fach nicht, aber genau das ist ja das Pro­blem. An deut­schen Uni­ver­si­tä­ten, die dau­ernd Exzel­lenz beschwö­ren und nach Stan­ford schau­en, gibt es zu viel Spit­zen­per­so­nal, das ein­fach nicht ver­steht, wenn sich ande­re über die Phra­sen auf­re­gen, mit denen es sei­ne merk­wür­di­gen Ent­schei­dun­gen dekoriert.

  • BND-​Überwachung: War­um schickt der BND der Bun­des­wehr abge­hör­te Daten? | ZEIT ONLINE – es hört nicht auf mit den spio­na­ge­skan­da­len – der bnd scheint wirk­lich kei­ner­lei respekt für irgend­wel­che deut­schen geset­ze und gren­zen zu haben:

    War­um gibt der BND der Bun­des­wehr abge­hör­te Daten? Und lässt von ihr Spio­na­ge­mel­dun­gen über­set­zen? Es ist illegal 

  • Vor­rats­da­ten­spei­che­rung : Ein Schritt zur tota­len Über­wa­chung | ZEIT ONLINE – kai bier­mann erin­nert (mal wie­der, lei­der aber eben auch mal wie­der not­wen­di­ger­wei­se) dar­an, war­um eine lücken­lo­se über­wa­chung der gesam­ten bevöl­ke­rung mit der vor­rad­tsda­ten­spei­che­rung kei­ne so gute idee ist:

    Dar­um aber, die Arbeit der Poli­zei beque­mer zu machen, darf es nicht gehen. Sicher­heit ist nicht das obers­te Ziel eines Staa­tes, auch wenn Innen­mi­nis­ter das ger­ne behaup­ten. Wäre es das, wür­de die­ser Staat bald all sei­ne Bür­ger voll­stän­dig über­wa­chen. Genau um das zu ver­hin­dern, gibt es das Grund­ge­setz, es ist eine Samm­lung von Abwehr­rech­ten, mit denen sich die Bür­ger den Staat vom Leib hal­ten sol­len. Und dort steht, die Wür­de der Men­schen zu schüt­zen und zu erhal­ten, sei die ers­te Regel.
    […]
    Kein Anschlag der ver­gan­ge­nen Jah­re war im Nach­hin­ein eine Über­ra­schung, alle Täter waren bereits zuvor auf­ge­fal­len. Für die­se Erkennt­nis­se brauch­te es kei­ne gesetz­li­che Vorratsdatenspeicherung. 

  • Peter Engst­ler: Die Frei­heit, lang­sam zu sein | Frank­fur­ter Rund­schau – sabi­ne vog­ler hat den wun­der­ba­ren peter engst­ler und sei­nen ver­lag besucht und ein schö­nes por­trät eines idea­lis­ten geschrieben:

    Als Engst­ler 1986 mit dem Bücher­ver­le­gen begann, hat­te er kei­ner­lei Finanz­ka­pi­tal im Hin­ter­grund. Das ist bis heu­te so. Sein Ein­mann­be­trieb rech­net sich markt­wirt­schaft­lich nicht. Engst­lers Bücher, nun­mehr knapp 200 und fast alle noch lie­fer­bar, sind Nischen­pro­duk­te: Lyrik, expe­ri­men­tel­le Prosa.
    […]
    Engst­ler ist ein Bei­spiel dafür, dass doch ein rich­ti­ges Leben im fal­schen mög­lich ist. Ein glück­li­cher Rebell, dem nichts man­gelt. […] Was immer da abläuft, es ist unbezahlbar.

  • ICE-​Anbindung Darm­stadts: Kniff­li­ge Über­le­gun­gen – neue Eisen­bahn­stre­cken zu pla­nen kann ganz schön kom­pli­ziert sein. Hier: ICE in Darm­stadt – hält er oder nicht?

Ins Netz gegangen (15.3.)

Ins Netz gegan­gen am 15.3.:

  • The­re is no sci­en­ti­fic case for home­opa­thy: the deba­te is over | Edzard Ernst | The Guar­di­an – edzard ernst fasst die bemü­hun­gen der letz­ten jahr­zehn­te unter bezug­nah­me auf eine aus­tra­li­sche (meta-)studie zusam­men: homöo­pa­thie ist wis­sen­schaft­lich nicht halt­bar, sie hat kei­ne wir­kung über die placebo-​wirkung hinaus
  • Kolum­ne Unter Schmer­zen: Das Rein-​raus-​Prinzip – taz.de – ein taz-​redakteur kommt mit dem deut­schen gesund­heits­sys­tem in berührung:

    Es gibt selt­sa­me Kunst an den Wän­den, und es gibt reich­lich War­te­zeit, über die Ahnungs­lo­sig­keit von Ärz­ten in Sachen Kunst nachzudenken. 

  • Schutz der eige­nen Staats­bür­ger sieht anders aus – Recht sub­ver­siv – wolf­gang kaleck erin­nert an das schick­sal kha­led el-​masris und das schä­bi­ge, mehr oder weni­ger rechts­beu­gen­de ver­hal­ten der deut­schen bundesregierungen
  • A Tale of two Courts – chris­toph möl­lers gewohnt pointiert:

    Der Non­nen­ha­bit ist nicht die Volks­tracht der grund­ge­setz­li­chen Wertegemeinschaft.

    – spä­ter aber wohl auch etwas idealistisch …

  • Karls­ru­her Beschluss: Kopf­tuch – na und? – Feuil­le­ton – FAZ – chris­ti­an gey­er ange­nehm­ge­las­senz­um aktue­len kopftuch-​urteil des bverfg:

    Sor­gen kann man sich um vie­les. Aber wo kämen wir hin, wenn jede Sor­ge zu einem vor­sorg­li­chen Ver­bot des mut­maß­li­chen Sor­gen­an­las­ses füh­ren wür­de? Der öffent­li­che Raum ist kein kli­ni­scher Bezirk, der nach der Meta­pher der Keim­ver­mei­dung zu den­ken wäre. Auch für die bekennt­nis­of­fe­ne Gemein­schafts­schu­le gilt, dass sie Spie­gel der religiös-​pluralistischen Gesell­schaft ist, heißt es in dem Beschluss, den der Ers­te Senat des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts am Frei­tag veröffentlichte.

  • Femi­nis­mus: Die Angst in den Augen der Frau­en – FAZ – ein sehr guter und klu­ger text von anto­nia baum über lau­rie pen­ny und ihr neu­es buch:

    Pen­ny will einen ande­ren Femi­nis­mus. Einen Femi­nis­mus, der sich nicht aus­schließ­lich für das Ide­al­bild der Kar­rie­re­traum­frau ein­setzt, ein Femi­nis­mus für Homo­se­xu­el­le, Häss­li­che, Arme, Schwar­ze, Männer.
    […]
    Pen­ny hat kei­ne Ant­wort auf die Fra­ge, wie alles anders wer­den kann, aber das ist auch nicht ihr Job. Sie for­mu­liert nur mit abso­lu­ter Radi­ka­li­tät, dass es anders wer­den muss. Für Frau­en, Män­ner, für alle. Und dabei gelin­gen der rasend klu­gen Pen­ny dann Beob­ach­tun­gen und Ana­ly­sen, für die man sie küs­sen möchte

  • Lau­rie Pen­ny: Lebe wild und frei! | ZEIT ONLINE – marie schmidt hat sich mit lau­rie pen­ny getrof­fen und einen zwi­schen über­mä­ßi­ger per­so­na­li­sie­rung und theo­rie schwan­ken­den text aus bos­ton mit­ge­bracht. lau­rie penny:

    Ich glau­be, die Idee einer Zukunft, in der Geschlech­ter­rol­len ganz auf­ge­ge­ben wer­den, ist ganz erschre­ckend für Män­ner, denn ihr Selbst­wert­ge­fühl stammt aus einer Welt, die es nie wirk­lich gab, in der sie die Mäch­ti­gen waren, das Geld ver­dien­ten und die Aben­teu­er bestan­den“, sagt sie, bevor sie im Café Die­sel nicht mehr still sit­zen kann und wir atem­los über den ver­schnei­ten Cam­pus rennen.

  • Kan­di­dat für Leip­zi­ger Buch­preis: Dich­ter am Erfolg – taz.de – lui­se chec­chin hat sich in der lyrik­sze­ne umge­hört und reka­tio­nen auf die/​einschätzungen der nomi­nie­rung von jan wag­ners „regen­ton­nen­va­ria­tio­nen“ für den preis der leip­zi­ger buch­mes­se gesammelt
  • Moder­ne Lite­ra­tur fehlt in Lehr­plä­nen der Schu­len – san­dra kegel in der faz:

    Der Klassenzimmer-​Club der toten Dichter
    Das kann ja wohl nicht wahr sein: Der moderns­te Autor, der in Ber­li­ner Schu­len gele­sen wird, ist seit fast sech­zig Jah­ren tot. Zur Lage der zeit­ge­nös­si­schen Lite­ra­tur in deut­schen Oberstufen. 

  • Bit­te malt mir kein Schaf! | – anne schüss­ler über die miss­bräuch­li­che nut­zung des „klei­nen prin­zen“ (ich bin aber doch der mei­nung, dass schon der „klei­ne prinz“ eigent­lich ziem­lich schrot­tig ist und den miss­brauch gera­de­zu herausfordert …)

    Ich moch­te mei­ne Grund­schul­leh­re­rin wie jedes nor­ma­le Grund­schul­kind sei­ne Leh­re­rin mag, aber im Nach­hin­ein muss man viel­leicht sagen, dass sie eben auch Unfug gemacht hat. Gesell­schaft­lich aner­kann­ten Unfug zwar, aber trotz­dem Unfug.

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