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Schlagwort: architektur Seite 1 von 2

spinnennetz vor natur

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  • „Die Gesell­schaft pro­fi­tiert von unse­rer Auto­no­mie“ | FAZ → ein schö­nes, inter­es­san­tes, klu­ges inter­view mit der his­to­ri­ke­rin bar­ba­ra stollberg-rilinger

    Die gan­ze Gesell­schaft pro­fi­tiert von der Auto­no­mie der Wis­sen­schaft. Die eigent­li­che Arbeit der His­to­ri­ker ist mei­ner Ansicht nach von sol­chem bür­ger­recht­li­chen Enga­ge­ment zu unter­schei­den. Indem man Geschich­te nach his­to­risch-kri­ti­schen Stan­dards schreibt, leis­tet man ja schon Aufklärungsarbeit.

  • Vor­bild Frank­furt: Restau­ra­ti­ve Schi­zo­phre­nie| Mer­kur → ein sehr klu­ger und, trotz sei­ner kla­ren posi­tio­nie­rung, unauf­ge­reg­ter kom­men­tar von phil­ipp oswalt zur rekon­struk­ti­ons­ar­chi­tek­tur wie der frank­fur­ter „neu­en alt­stadt“ (schon der name ist in sei­ner ästhe­ti­schen grau­sam­keit ja bezeichnend)

    Es ist eine Medi­en­ar­chi­tek­tur, die aus tech­ni­schen Bil­dern gene­riert nun vor allem der Erzeu­gung neu­er media­ler Bil­der dient. Auch sonst ist die Archi­tek­tur kei­nes­wegs so tra­di­tio­nell, wie sie auf den ers­ten Blick erschei­nen mag. Der Roh­bau besteht – von den weni­gen Fach­werk­häu­sern abge­se­hen – aus Stahl­be­ton und Indus­trie­zie­geln, die Aus­stat­tung umfasst Fuß­bo­den­hei­zung mit Fern­wär­me, Drei­fach­ver­gla­sung, mecha­ni­sche Lüf­tung, modern geschnit­te­ne, offe­ne Wohn­kü­chen, umfang­rei­che Sani­tär­räu­me und meist einen direk­ten Zugang zu den pri­va­ten Stell­plät­zen in der zuge­hö­ri­gen Tiefgarage.

    Nicht nur für die Bewoh­ner, auch für die zeit­knap­pen Fern­tou­ris­ten aus Asi­en und Über­see ist die neue Alt­stadt die moder­ne Alter­na­ti­ve, und so wird sie auch beworben.

    […]

    Ob ico­nic buil­ding oder Rekon­struk­ti­on his­to­ri­scher Bau­ten – bei­des sind sym­bo­li­sche Ges­ten zur Iden­ti­täts­kon­struk­ti­on, wie sie seit den 1990er Jah­ren in Mode gekom­men sind.

    […] Der Staat hat sich aus der Flä­che zurück­ge­zo­gen, und die vor­he­ri­ge Kohä­si­ons­po­li­tik wur­de durch einen Insel­ur­ba­nis­mus abge­löst, bei dem gro­ße Berei­che der Stadt dere­gu­liert und pri­va­ti­siert wer­den, wäh­rend an aus­ge­wähl­ten zen­tra­len Orten klei­ne Inseln mit gro­ßer Kon­troll­tie­fe beplant werden. […]

    Mit dem Zer­fall einer im All­tag prak­ti­zier­ten Kohä­si­on ist die Auf­wer­tung eines sym­bo­lisch-media­len Ersat­zes umso wichtiger.

    […]

    Doch die Alt­stadt Frank­furt ist kei­ne über­zeu­gen­de Ant­wort auf die drän­gen­den Fra­gen des heu­ti­gen Städ­te­baus, sie ist Teil des Problems.

  • Im Ruck­sack: die Frei­heit | Oli­ver B. Weber → ein inter­es­san­ter essay über die spe­zi­fi­sche form des rei­sens der gegen­wär­ti­gen back­pa­cker und die dar­aus entstehende/​erwachsende „glo­ba­li­ty“

    Der Back­pa­cker ver­steht sich als Zeit­rei­sen­der. Er sucht die seli­ge Ver­gan­gen­heit in geo­gra­phi­scher Fer­ne. Die Men­schen, die dar­in leben müs­sen, begut­ach­tet er mit einer ambi­va­len­ten Mischung aus Stau­nen und Her­ab­set­zung. Immer sel­te­ner hin­ge­hen ist ein tat­säch­lich ein­tre­ten­der habi­tu­el­ler Posi­ti­ons­wech­sel des Beob­ach­ters. Woher kommt die häu­fi­ge Blind­heit gegen­über der tat­säch­li­chen Welt, zu deren Ent­de­ckung das Back­pack­ing ja ange­tre­ten war?

  • Sehn­sucht nach Retro­to­pia | Zeit → ein klu­ger essay von nils mark­wardt über „Poli­ti­sie­rung der Nost­al­gie“ und die „Feti­schi­sie­rung von Geschich­te unter Aus­blen­dung von Geschichtlichkeit“:

    Im Ange­sicht der aktu­el­len Retro­ma­nia besteht die Auf­ga­be dar­in, Geschich­te als glei­cher­ma­ßen bewuss­ten wie pro­gres­si­ven Wie­der­ho­lungs­pro­zess, nicht als blo­ßes Abstau­ben der Ver­gan­gen­heit zu verstehen.

  • Da läuft etwas ganz schief | For­schung & Leh­re → der erzie­hungs­wis­sen­schaft­ler vol­ker laden­thin hat genug von den man­geln­den fähig­kei­ten und kennt­nis­sen der aktu­el­len stu­die­ren­den (ich bin mir nicht sicher, ob das in die kate­go­rie „frü­her war alles bes­ser“ fällt oder ob es wirk­lich die rea­li­tät trifft)

    Die Stu­die­ren­den sind über­aus freund­lich und kom­mu­ni­ka­tiv, im Zwie­ge­spräch sehr geschickt. Eben­so sind sie flei­ßig, gut­wil­lig und kon­struk­tiv: Aber es lässt sich ein ent­wick­lungs­psy­cho­lo­gi­sches Pro­blem fest­stel­len. Auf Grund der kogni­ti­ven Ent­wick­lung schei­nen die Stu­die­ren­den in den Anfangs­se­mes­tern mehr­heit­lich nicht in der Lage, kom­ple­xe, anti­no­mi­sche und mul­tik­au­sa­le Pro­zes­se, wie sie heu­te in allen Wis­sen­schaf­ten übli­cher­wei­se beschrie­ben wer­den, ange­mes­sen auf­zu­neh­men und Vor­gän­ge streng aspekt­ge­bun­den oder mul­ti­per­spek­ti­visch zu betrachten.

spinnennetz in blühpflanzen

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Ins Netz gegan­gen am 17.6.:

  • Rei­se­zeit­un­ter­schie­de unter­schied­li­cher Ver­kehrs­ar­ten von Tür zu Tür im Stadt­ver­kehr – Rea­li­tät und sub­jek­ti­ve Wahr­neh­mungs­ver­zer­rung | Zukunft Mobi­li­tät → mar­tin ran­del­hoff hat eine schö­ne über­sicht über (durch­schnitt­li­che) rei­se­zei­ten im stadt­ver­kehr zusammengestellt

    Eine Ursa­che für die­se Ver­tei­lung mit einer star­ken Pkw-Nut­zung auch bei gerin­gen Ent­fer­nun­gen liegt in einer häu­fig anzu­tref­fen­den sub­jek­ti­ven Fehl­wahr­neh­mung bei der Bewer­tung der Schnel­lig­keit bzw. der Reisezeit.

  • „Der eigent­liche Skan­dal liegt ganz woan­ders“ | LTO → er anwalt son­nen­berg fin­det deut­li­che worte:

    LTO: Was hat die Aus­sa­ge von CSU-Lan­des­grup­pen­chef Alex­an­der Dob­rindt zur „aggres­si­ven Anti-Abschie­be-Indus­trie“ sei­tens der Anwäl­te bei Ihnen ausgelöst?

    Son­nen­berg: Das ist eine sau­dum­me sowie kack­fre­che Aus­sa­ge von einem, der kei­ne Ahnung hat. Das ist ein Dumm­schwät­zer der Mann, das kön­nen Sie ger­ne so zitieren. 

  • The Life­span of a Lie | Medi­um → das stan­ford pri­son expe­ri­ment ist wohl kaum noch als ernst­haf­tes expe­ri­ment zu halten

    The appeal of the Stan­ford pri­son expe­ri­ment seems to go deeper than its sci­en­ti­fic vali­di­ty, per­haps becau­se it tells us a sto­ry about our­sel­ves that we despera­te­ly want to belie­ve: that we, as indi­vi­du­als, can­not real­ly be held accoun­ta­ble for the some­ti­mes repre­hen­si­ble things we do. As troubling as it might seem to accept Zimbardo’s fal­len visi­on of human natu­re, it is also pro­found­ly libe­ra­ting. It means we’re off the hook. Our actions are deter­mi­ned by cir­cum­s­tance. Our fal­li­bi­li­ty is situa­tio­nal. Just as the Gos­pel pro­mi­sed to absol­ve us of our sins if we would only belie­ve, the SPE offe­red a form of redemp­ti­on tail­or-made for a sci­en­ti­fic era, and we embra­ced it.

  • Two Hundred Fif­ty Things An Archi­tect Should Know | Rea­ding Design → wun­der­ba­re lis­te von din­gen, die archi­tek­ten – und eigent­lich nicht nur die – wis­sen soll­ten, hat micha­el sor­kin hier zusammengestellt
  • Hat das E‑Book eine Zukunft? | Medi­um → andré spie­gel über das ebook und die zukunft

    Ich habe mir irgend­wann gesagt: Okay, es wird also in Zukunft alles in bei­den For­ma­ten geben, auf Papier und digi­tal. Aber mit der Zeit muss­te ich ein­se­hen, dass die alten Bestän­de, alles was bis zum Ende des zwan­zigs­ten Jahr­hun­derts erschie­nen ist, nur sehr begrenzt in die digi­ta­le Welt rüber­ge­lan­gen wer­den. Das gan­ze Suhr­kamp-Uni­ver­sum allein: alles weg, und das wird sich auch nicht mehr ändern. Dann habe ich mir gesagt: Okay, also wird wenigs­tens alles, was ab dem ein­und­zwan­zigs­ten Jahr­hun­dert erscheint, in bei­den Wel­ten vor­han­den sein. Aber jetzt ler­ne ich, dass auch das nicht stimmt.

  • Debat­te oder Pro­test: Wie wei­ter gegen rechts? | Blät­ter für deut­sche und inter­na­tio­na­le Poli­tik → war­um die idee, man müs­se nur mit den rech­ten „reden“, unsinn ist und am pro­blem vor­bei geht:

    Sich selbst in die­se Tra­di­ti­on stel­lend, beschwört Kubit­schek seit Jah­ren eben nicht die Debat­te, son­dern die fina­le Kri­se, um end­lich zur erlö­sen­den Tat schrei­ten zu können

netzstruktur auf blauem hintergrund (vernetzungsgraph)

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  • Der neue Ber­li­ner Fei­er­tag muss der Euro­pa­tag am 9. Mai wer­den! | Der (euro­päi­sche) Föde­ra­list → manu­el mül­ler schlägt vor, einen fei­er­tag für eruopa/​die euro­päi­sche einigung/​befriedung einzuführen

    In Erin­ne­rung an die Schu­man-Erklä­rung begeht die Euro­päi­sche Uni­on den 9. Mai bereits seit vie­len Jah­ren als Euro­pa­tag. Euro­pa­weit fin­den heu­te Fes­te und Ver­an­stal­tun­gen statt, um die euro­päi­sche Idee, die Errun­gen­schaf­ten der euro­päi­schen Inte­gra­ti­on und das bür­ger­schaft­li­che Enga­ge­ment für län­der­über­grei­fen­den Aus­tausch und Ver­stän­di­gung zu feiern.

    Nur eines ist der Euro­pa­tag noch nicht: ein gesetz­li­cher Fei­er­tag. Das Land Ber­lin hat jetzt die Chan­ce, das zu ändern.

  • Im Kor­sett des Tur­bo­ka­pi­ta­lis­mus | SZ → im gegen­satz zu ger­hard mät­zigs etwas her­umei­ern­den sowohl-als-auch-arti­kel for­dert lau­ra weiss­mül­ler einen guten punkt, bevor man über die angeb­lich bes­se­re leis­tung der nach­ge­bau­ten pseu­do-alt­stadt in frank­furt diskutiert:

    Und genau des­we­gen macht es kei­nen Sinn, das neue Frank­fur­ter Alt­stadt­quar­tier in Stel­lung gegen eine Archi­tek­tur zu brin­gen, die ver­sucht, auf die Pro­ble­me unse­rer Zeit zu reagie­ren. Wer die Qua­li­tä­ten bei­der Rich­tun­gen – hier die Bau­ten der Alt­stadt­freun­de, dort die der Avant­gar­dis­ten – ernst­haft ver­glei­chen möch­te, müss­te erst mit der­sel­ben Sorg­falt, Detail­freu­de und Unter­stüt­zung der Bau­be­hör­de ein ähn­lich dich­tes Stück Stadt, und zwar in glei­cher zen­tra­ler Lage, in zeit­ge­nös­si­schem Gewand bau­en las­sen. Ansons­ten ist es unlau­ter, eine Archi­tek­tur für ihre Unbe­haust­heit ver­ant­wort­lich zu machen, wenn man sie aus Kos­ten­grün­den genau in die­ses Kor­sett zwingt.

  • Ein Rei­sen­der auf dem Oze­an der Tex­te: Gérard Genet­te ist tot | NZZ → milo rau schreibt einen gut infor­mier­ten nach­ruf auf den gro­ßen lite­ra­tur­theo­re­ti­ker gérard genet­te, der letz­te woche verstarb:

    Der­art zahl­reich sind die Bezü­ge aus­ser­halb und inner­halb sei­ner Dis­zi­plin, der­art viel­fäl­tig ist Genet­tes Ein­fluss auf die Geis­tes­wis­sen­schaf­ten ins­ge­samt, dass es letzt­lich wohl die­se tota­li­sie­ren­de Unab­hän­gig­keit von Schu­len und Denk­rich­tun­gen ist, die sein Werk auszeichnet.

spinnennetz mit tautropfen

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  • Oh-rani­en­platz, Ih-rani­en­platz | taz → roland berg über die feh­len­de schöne/​ästhetische gestal­tung von bau­ten in der stadt heute:

    Und stets ori­en­tiert man sich dabei an der ver­meint­lich „schö­nen“ Ver­gan­gen­heit. Zeit­ge­nös­sisch-ver­bind­li­che Vor­stel­lun­gen über das Schö­ne schei­nen zu feh­len. Also das, was Imma­nu­el Kant sei­ner­zeit „Gemein­sinn“ nann­te. Heu­te scheint das Vor­mo­der­ne aus der Geschich­te als ein­zi­ge Norm für die Gegen­wart als ver­bind­lich. Und selt­sa­mer­wei­se wird – zumin­dest in ästhe­ti­scher Hin­sicht – von den meis­ten das Frü­he­re dem Heu­ti­gen vor­ge­zo­gen. […] Retro­spek­ti­ve Ästhe­tik und Rekon­struk­ti­on von (Alt‑)Bauten und gan­zer Stadt­räu­me bis hin zu Wie­der­auf­er­ste­hung des abge­ris­se­nen Ber­li­ner Schlos­ses fül­len die Lee­re, die der Ver­lust des Gemein­sinns für das Schö­ne in der Gegen­wart mit sich gebracht hat. 

  • Wer Gedich­te liest, weiss mehr über das Leben | NZZ → die nzz doku­men­tiert leicht gekürzt die dan­kes­re­de von micha­el brauch für den alfred-kerr-preis

    Bei der Beschäf­ti­gung mit der Fra­ge, war­um sich einer wie ich mit Gedich­ten befasst und Rezen­sio­nen zu Gedicht­bän­den schreibt, gelangt man zu ähn­li­chen Ein­sich­ten, wie sie Nico­las Born 1970 for­mu­liert hat: Es hat mit dem eige­nen Exis­tie­ren zu tun, mit dem Ver­such, dem Rät­sel des eige­nen Daseins auf die Spur zu kom­men. Beim Lesen von Gedich­ten ist man fast immer mit den Fra­gen nach den letz­ten Din­gen kon­fron­tiert, wir wer­den unmit­tel­bar und ohne schüt­zen­de Ein­lei­tung in medi­as res gewor­fen. Die Ver­se der Gedich­te, die wir lesen, ver­mit­teln uns das «punk­tu­el­le Zün­den der Welt im Sub­jec­te», wie es ein Schü­ler des Phi­lo­so­phen Hegel for­mu­lier­te. […] Beim Lesen von Gedich­ten wird ein Riss sicht­bar in dem Welt­ge­bäu­de, das uns eben noch ver­traut schien. Ein Riss wird sicht­bar im Welt­ge­bäu­de, und – so sagt es ein­mal der rus­si­sche Welt­po­et Ossip Man­del­s­tam – die poe­ti­sche Rede weckt uns mit­ten im Wort auf. Gedich­te spre­chen von dem skan­da­lö­sen Fak­tum, dass wir gebo­ren wor­den sind und dass wir in noch nicht vor­stell­ba­rer, aber doch nicht all­zu fer­ner Zukunft ster­ben werden. 

  • Über ein rich­ti­ges Leh­rer-Leben im fal­schen Schul­sys­tem | Bil­dungs­lü­cken → schreibt über kri­tik an schu­le und ihrem sys­tem und mög­lich­kei­ten der ver­bes­se­rung und ver­än­de­rung, auch auf indi­vi­du­el­ler ebene

    Denn unser Schul­sys­tem hat so vie­le grund­le­gen­de Män­gel, dass ich mir oft die Fra­ge stel­le, ob es das über­haupt geben kann: ein rich­ti­ges Lehr­erle­ben im fal­schen Schul­sys­tem. Im Lau­fe der Zeit habe ich eini­ge (Über-)Lebensstrategien entwickelt.

  • Secu­ri­ty | Ohne Text singt kein Mensch mit

    Die Chan­ge-Manage­ment-Fach­kraft einer gro­ßen Unter­neh­mens­be­ra­tung und ein Stu­dent im dunk­len Kapu­zen­pul­li legen in der Schlan­ge nach­ein­an­der ihre Gür­tel, die Geld­bör­sen und ihre Lap­tops in die Durch­leuch­tungs-Scha­len auf das Band der Sicher­heits­kon­trol­le. Sie schau­en sich kurz lächelnd an, weil bei­de das­sel­be Lap­top-Modell aus ihren Hand­ge­päck-Rei­se­ta­schen nesteln.

  • Rad­fah­ren in Kopen­ha­gen und Ber­lin: Vom Para­dies in die Vor­höl­le| Deutsch­land­funk Kul­tur → die über­schrift sagt eigent­lich schon alles – ein kur­zer, sub­jek­ti­ver ver­gleich der rad­fahr­mög­lich­kei­ten in den bei­den städten

    Lie­ber über gute Rad­we­ge ohne Helm als über schlech­te mit.

  • Jüdisch, ehren­hal­ber | FAZ → clau­di­us seidl sehr rich­tig zu dem blöd­sin­ni­gen geschwätz von „jüdisch-christ­li­cher prägung“:

    Inso­fern schließt die Rede von der „jüdisch-christ­li­chen Prä­gung“ nicht nur den Islam aus – was ja der eigent­li­che Zweck die­ser Behaup­tung ist. Auch Auf­klä­rung und Athe­is­mus, auch die, gera­de in der deut­schen Lite­ra­tur­ge­schich­te, so wich­ti­ge Sehn­sucht nach jenem hei­te­re­ren Him­mel, in wel­chem die mensch­li­che­ren Göt­ter der Grie­chen woh­nen, wer­den von die­ser Rede, wenn nicht aus­ge­schlos­sen, dann doch zu den Apo­kry­phen einer Tra­di­ti­on, deren Kanon angeb­lich jüdisch-christ­lich ist (man möch­te die Namen all derer, die die­se Rede zu Frem­den macht in der deut­schen Kul­tur, gar nicht auf­zäh­len müssen).

  • Wun­der­ba­rer Eigen­sinn| Faust Kul­tur → ein wun­der­ba­res, klu­ges gespräch mit dem lyrik­kri­ti­ker micha­el braun, den ich immer wie­der ger­ne lese (auch wenn ich nicht in allem mit ihm übereinstimme …):

    Ich wür­de für mich sagen: Es muss eine Stö­rung der geläu­fi­gen Sprach­struk­tu­ren erfol­gen, wir müs­sen beim Spre­chen und Schrei­ben die Ver­traut­heit ver­lie­ren – auch in unse­rem Ver­ste­hen -, wir müs­sen aus­ge­he­belt wer­den beim Lesen sol­cher Ver­se, sonst kann kein gutes Gedicht ent­ste­hen. […] Das poe­ti­sche Selbst­ge­spräch ver­mag manch­mal eben doch ande­re zu errei­chen. Und ob das nun 17 oder 97 oder 1.354 sind, spielt kei­ne Rol­le. Also, 1.354, die­se berühm­te Enzens­ber­ger­sche Kon­stan­te, ist ja noch zu opti­mis­tisch ange­legt. Nicht 1.354 Men­schen pro Popu­la­ti­on, ob in Island oder den USA, grei­fen zu Gedicht­bän­den, son­dern nur 135,4 Lyri­k­le­ser! Also die Enzens­ber­ger­sche Kon­stan­te müss­te durch 10 geteilt wer­den. 135,4 Rezi­pi­en­ten pro Gedicht­band ist die neue Kon­stan­te für öffent­li­che Auf­merk­sam­keit auf Gedichte.

netzgebilde (unsplash.com)

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Ins Netz gegan­gen am 13.4.:

  • Mär­chen­stun­de am Main | NZZ → jür­gen tietz spart nicht mit deut­li­chen Wor­ten über den Unsinn einer (schein­ba­ren) Rekon­struk­ti­on einer his­to­ri­schen Altstadt

    Dort, wo nach den Bom­ben­an­grif­fen des Zwei­ten Welt­kriegs nur noch rau­chen­de Trüm­mer lagen, mani­fes­tiert sich heu­te ein gebau­ter Auf­schrei nach ver­lo­re­ner Hei­me­lig­keit und eins­ti­ger städ­ti­scher Bedeu­tung. Dafür muss­te das zu Beginn der sieb­zi­ger Jah­re gebau­te Tech­ni­sche Rat­haus ver­schwin­den, nach nur 35 Jah­ren. So kurz­at­mig ist die hes­si­sche Geschich­te. Was aber ist der Sinn die­ser gebau­ten Frank­fur­ter Mär­chen­welt? Leis­tet sie einen Bei­trag, um die drän­gen­den Fra­gen der Zukunft der Städ­te zu lösen? Wohl kaum, denn auf dem his­to­ri­sie­ren­den neu­en Herz­stück Frank­furts ent­steht gera­de ein­mal die beschei­de­ne Zahl von sech­zig Woh­nun­gen – mit einer Flä­che von ins­ge­samt 7000 Qua­drat­me­tern. Sonst gibt sich das Quar­tier als archi­tek­to­nisch ver­dich­te­te See­len­mas­sa­ge, ein Gegen­mo­dell zu den Hoch­häu­sern der glo­ba­li­sier­ten Stadt.

    Der gros­se Irr­tum einer der­art fik­tio­na­len Stadt­ar­chi­tek­tur ist es, dass sie wie eine gebau­te Zeit­ma­schi­ne wirkt. Doch sie ist nur ein Abzieh­bild einer deut­schen See­len­land­schaft, in der die Ver­wun­dun­gen der Kriegs- und Nach­kriegs­zeit bis in die nach-nach­fol­gen­de Gene­ra­ti­on andau­ern. So ent­steht eine wei­ner­li­che Mischung aus Ver­lust und Ver­drän­gung, aus roman­ti­scher Sehn­sucht und einer Unfä­hig­keit zu trauern. 

  • Wer­ben mit Goog­le: Ist die taz Schmud­del­kram? | taz-haus­blog → die taz nut goo­gles adsen­se und berich­tet hier von schwie­rig­kei­ten bei der „richtlinien“-einhaltung und kom­mu­ni­ka­ti­on mit dem unternehmen
  • Wol­len alle Autoren sein? Alles schreibt, kei­ner liest | NZZ → jochen hörisch über das sich ver­än­dern­de ver­ständ­nis von schrei­ben und lesen, den zusam­men­hang von sein und schrei­ben, welt und text

    Alles schreibt, aber kaum einer liest mehr so gründ­lich, kon­zen­triert und hin­ge­bungs­voll wie der Leser in Ril­kes gleich­na­mi­gem Gedicht oder der Buch-Enthu­si­ast in Micha­el Endes «Unend­li­cher Geschich­te». … Es ist offen­bar, dass Gott nicht im Sin­ne logi­scher Evi­denz offen­bar ist, dass auch er ein schwä­cheln­der Autor ist, der die Kluft, die die Welt von den Wor­ten trennt, nicht ein für alle Mal über­win­den kann. … Das Wort wird Fleisch, Bits wer­den Ato­me, die Idee der Trans­sub­stan­tia­ti­on ist heu­te mehr als ein fas­zi­nie­ren­des reli­giö­ses Phan­tas­ma, näm­lich ein Schreib­pro­gramm für ambi­tio­nier­te Inge­nieu­re. Wer die­se Wand­lung von Lese- in Schreib­pro­gram­me im Blick hat, wird sowohl das Come­back mili­tan­ter Reli­gio­si­tät als auch die Infla­ti­on der Schreiblust heu­te mit ande­ren Augen sehen. … Man ver­gisst ger­ne, dass die ver­pflich­ten­de Alpha­be­ti­sie­rung ein kul­tu­rel­ler Son­der­weg einer selt­sa­men Welt­ecke in einer exzen­tri­schen Epo­che ist bzw. war. Heu­te kön­nen, wenn sie denn Zugriff auf Zau­ber­wer­ke der Inge­nieurs- und Infor­ma­ti­ker­kunst haben, alle lesen und schrei­ben – para­do­xer­wei­se eben auch die­je­ni­gen, die nicht lesen und schrei­ben kön­nen. Gemein­sam ist ihnen der Wunsch, nicht nur ein Wort mit­zu­re­den, son­dern Autoren zu wer­den, die von der Pflicht dis­pen­siert sind, lesen zu müssen. 

  • NS-Fil­me: Vor­be­halts­vor­be­hal­te| Frei­tag → dirk alt und frie­de­mann bey­er über die zuneh­mend unnö­ti­ge, aus der zeit gefal­le­ne „vorbehalts“-lösung, die ns-pro­pa­gan­da­fil­me (bzw. man­che davon) unter halb­ver­schluss hält

    Vor die­sem Hin­ter­grund mutet die hie­si­ge Kon­tro­ver­se um eine offi­zi­el­le Zugäng­lich­ma­chung der Vor­be­halts­fil­me kuri­os an, zumal sie nicht nur die längst unwi­der­ruf­li­che Ver­füg­bar­keit der Fil­me igno­riert, son­dern dar­über hin­aus von Dämo­ni­sie­rung und reflex­ar­ti­ger Betrof­fen­heit geprägt ist.

  • Index, A cele­bra­ti­on of the | TLS → ein lob der indi­ces und ihres klugheit/​ihres wis­sens, anläss­lich des sech­zig­jäh­ri­gen bestehens der „Socie­ty of Indexers“
  • a href=„http://blogs.faz.net/pop-anthologie/2017/03/18/alte-mythen-in-honig-351/“>Genesis: „The Musi­cal Box“ | Pop-Antho­lo­gie → her­vor­ra­gen­de wür­di­gung des groß­ar­ti­gen „the musi­cal box“ (auf „nur­sery cryme“) von gene­sis in der pop-antho­lo­gie der faz:

    Dass die Kar­rie­ren von Coll­ins und Ruther­ford in Hits wie „Dance Into the Light“ oder „All I Need is a Mira­cle“ gip­fel­ten, die von einer erschüt­tern­den Belang­lo­sig­keit sind, ist das trau­ri­ge Ende die­ser Ent­wick­lung. „The Musi­cal Box“ aber darf nicht im Kurio­si­tä­ten­ka­bi­nett der Musik­ge­schich­te abge­legt wer­den. Es gehört zum Kanon der bes­ten bri­ti­schen Popmusik.

spinnweben zwischen holz, schwarz-weiß

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Ins Netz gegan­gen am 30.1.:

  • Talk­show-Ter­ror mit Trump-Effekt| Deutsch­land­ra­dio Kul­tur → bodo mor­s­häu­ser über die unsäg­li­chen talk­shows des deut­schen fernsehens:

    Ihr Kri­te­ri­um ist der Erre­gungs­pe­gel, den es zu hal­ten gilt. Ist es Absicht oder ist es Unge­schick, dass die­se Art von soge­nann­ter Dis­kus­si­on eine der bes­ten Wahl­kampf­hil­fen für unse­re neue, auf Erre­gungs­pe­gel spe­zia­li­sier­te Rechts­par­tei ist? Abge­se­hen davon, dass Migra­ti­ons­the­men sowie­so ihr Spiel­feld sind.

    Ganz sicher wer­den Ter­ror und Sicher­heit die Wahl­kampf­the­men des Jah­res wer­den. Wirt­schafts- oder sozi­al­po­li­ti­sche The­men dage­gen – wie unter­be­zahl­te Jobs, sie­ben Mil­lio­nen Emp­fän­ger von Trans­fer­leis­tun­gen, Armut bei jedem sechs­ten Kind, die absurd unge­rech­te Ver­mö­gens­ver­tei­lung, die per­ma­nen­te Euro-Kri­se oder der unglaub­li­che Abgas­be­trug – sind offen­bar nicht erre­gend genug.

  • Men­schen ers­ter Klas­se, Men­schen zwei­ter Klas­se | law blog → udo vet­ter hält aus guten grün­den wenig davon, (wei­te­re) son­der­rech­te für poli­zis­tin­nen etc. zu schaffen
  • Ber­li­ner Städ­te­bau – lang­wei­lig und fan­ta­sie­los | SZ → der fran­zö­si­sche deutsch­land-kor­re­spon­dent chris­to­phe bour­doi­se­au rech­net mit der städ­te­bau-poli­tik ber­lins ziem­lich gna­den­los ab:

    Seit der Wie­der­ver­ei­ni­gung ori­en­tiert sich die Ber­li­ner Poli­tik nicht an der Sub­stanz die­ser Stadt – an deren Ener­gie und Krea­ti­vi­tät -, son­dern an den alten und stau­bi­gen preu­ßi­schen Zei­ten mit deren Men­tor Karl Fried­rich Schinkel.

  • Stop Pro­ble­ma­tiz­ing Aca­de­mic Jar­gon | Sla­te → rebec­ca schu­man schreibt gegen die ver­ach­tung, die aka­de­mi­schem jar­gon (eigent­lich ja: fach­spra­che) beson­ders der geis­tes­wis­sen­schaf­ten ent­ge­gen­schlägt. kei­ne beson­ders ori­gi­nel­le argu­men­ta­ti­on, aber nett zu lesen und schließ­lich nie falsch …

    Per­haps the ans­wer moving for­ward, then, is not to join in the mockery of jar­gon, but to dou­ble down on it. Scho­lars of Yid­dish stu­dies are hap­py to tell you the thousand-year-old lan­guage deve­lo­ped as a kind of secret code so that its spea­k­ers could talk free­ly under the noses of their oppres­sors (and, yes, some­ti­mes mock them). Per­haps aca­de­mic jar­gon could ser­ve a simi­lar pur­po­se. Yes, per­haps the last hope to pro­ble­ma­ti­ze fascis­to­id non­pro­gres­si­ve edges, so to speak, is to reter­ri­to­ri­a­li­ze the oppo­si­tio­nal ver­na­cu­lars. But per­haps that was the point all along, and jar­gon has been lying pati­ent­ly and useful­ly in wait for all this time, a secret code in search of a foo­lish tyrant.

Ins Netz gegangen (9.5.)

Ins Netz gegan­gen am 9.5.:

  • re:publica 2016 – Richard Sen­nett: The City as an Open Sys­tem → richard sen­nett sprach bei der re:publica sehr gut über open & smart cities, stadt­ent­wick­lung, gren­zen und begegnungen
  • Last Week Tonight with John Oli­ver: Sci­en­ti­fic Stu­dies (HBO) → John Oli­ver erklärt wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en und (Wissenschafts-)Journalismus
  • Rad­we­ge: Jetzt geht es rund | ZEIT ONLINE → sehr schö­ner text über die absur­di­tät und gewollt fak­ten-igno­rie­ren­de und ‑ver­dre­hen­de dis­kus­si­on um die för­de­rung von rad­ver­kehr in hamburg

    Kaum eine Debat­te wird so emo­tio­nal geführt wie die um Rad­we­ge. In einer Stra­ße in Wands­bek zeigt sich nun die gesam­te Absur­di­tät des Konflikts. 

  • The Absurd Pri­ma­cy of the Auto­mo­bi­le in Ame­ri­can Life | The Atlan­tic → auch wenn’s (v.a. bei den zah­len) pri­mär um die usa geht, gilt das im wesent­li­chen natür­lich für alle ent­wi­ckel­ten länder

    But con­ve­ni­ence, along with Ame­ri­can histo­ry, cul­tu­re, ritu­als, and man-machi­ne affec­tion, hide the true cost and natu­re of cars. And what is that natu­re? Sim­ply this: In almost every way ima­gi­nable, the car, as it is deploy­ed and used today, is insane.

  • Lite­ra­tur und Kapi­ta­lis­mus­kri­tik: Das Geld ver­schlingt uns | NZZ → björn hay­er in der nzz über die lite­ra­tur (d.h. über vier tex­te) und den kapi­ta­lis­mus bzw. des­sen kri­tik – er sieht da vor allem abs­trak­te schuld und schwarz­ma­le­rei, ihm fehlt sozu­sa­gen das positive …

    Die Schrift­stel­ler neh­men also ihre klas­si­sche Posi­ti­on als Mah­ner und Wäch­ter der Moral ein. Doch wo sind die Akteu­re, die sie zu adres­sie­ren sich bemü­hen, in einem nebu­lö­sen Sys­tem noch aufzuspüren?
    […] Sie ver­har­ren aber allein in Dia­gno­sen, die Schuld­fra­gen ins Nir­gend­wo ver­la­gern und das Sub­jekt zur macht­lo­sen Mario­net­te degradieren.

    Ihre Lite­ra­tur arran­giert sich mit einem gemüt­li­chen Feind­bild, das sie wei­ter aufbläst.

  • Sel­ec­ted Stock­hausen Scores → Bei­spiel­sei­ten/-aus­schnit­te aus Stock­hausens Partituren

Ins Netz gegangen (26.3.)

Ins Netz gegan­gen am 26.3.:

  • Fahr­rad­boom und Fahr­rad­in­dus­trie – Vom Draht­esel zum „Bike“ – ein sehr schö­ner, lan­ger, viel­fäl­ti­ger, brei­ter und inten­si­ver text von gün­ter brey­er zur situa­ti­on des fahr­rads als pro­dukt in deutsch­land: her­stel­lung, ver­trieb, ver­kauf in deutsch­land, euro­pa und asi­en – mit allem, was (öko­no­misch) dazu gehört …
  • Gesetz­ge­bung: Unsinn im Straf­ge­setz­buch | ZEIT ONLINE – tho­mas fischer legt in sei­ner zeit-kolum­ne unter dem titel „Unsinn im Straf­ge­setz­buch“ sehr aus­führ­lich dar, war­um es im deut­schen recht ein­fach schlech­te, d.h. hand­werk­lich ver­pfusch­te, para­gra­phen gibt und for­dert, in die­ser hin­sicht auch mal aufzuräumen

    Ein Bei­spiel für miss­glück­te Gesetz­ge­bung und insti­tu­tio­na­li­sier­te Ver­ant­wor­tungs­lo­sig­keit – und ein Auf­ruf zur Reparatur

  • Anti­se­mi­tis­mus: Was heißt „N.soz“? | ZEIT ONLINE – adam soboc­zyn­ski über den ver­dacht (der sich bis­lang nicht erhär­ten oder wider­le­gen lässt), dass die heid­eg­ger-aus­ga­be mög­li­cher­wei­se phi­lo­lo­gisch nicht sau­ber erstellt wur­de (was inso­fern pro­ble­ma­tisch ist, als der zugang zum nach­lass nur ein­ge­schränkt mög­lich ist und die heid­eg­ger-aus­ga­be eh‘ schon kei­ne kri­ti­sche ist – was bei einem phi­lo­so­phen die­ses ran­ges & ein­flus­ses eigent­lich not­wen­dig wäre)

    Hät­te der mas­si­ve Anti­se­mi­tis­mus des Phi­lo­so­phen Mar­tin Heid­eg­ger frü­her belegt wer­den kön­nen? Das fragt sich mitt­ler­wei­le auch der Ver­lag der umstrit­te­nen Gesamt­aus­ga­be und ver­langt jetzt den Her­aus­ge­bern Rechen­schaft ab.

  • Musik – Der voll­kom­me­ne Musi­ker – Süddeutsche.de – rein­hard brem­beck wür­digt zum 90. geburts­tag pierre bou­lez und sei­ne eigent­lich irren leistungen:

    Bou­lez, der an die­sem Don­ners­tag sei­nen 90.Geburtstag fei­ert, ist der voll­kom­me­ne Musi­ker. Er ist Kom­po­nist, Diri­gent, For­scher, Intel­lek­tu­el­ler, Pro­vo­ka­teur, Päd­ago­ge, Ensem­ble- und Insti­tuts­grün­der in Per­so­nal­uni­on. Und das alles nicht nur im Neben‑, son­dern im Haupt­be­ruf. Damit steht er heu­te zwar allein da, er knüpft aber an ein bis in die Roman­tik durch­aus gän­gi­ges Berufs­bild an, das Musi­ker nur gel­ten lässt, wenn sie mög­lichst all die­se Tätig­kei­ten glei­cher­wei­se ausüben.
    Bou­lez ist von Anfang an ein Prak­ti­ker gewe­sen. Aber einer, der sich nie sei­ne Träu­me durch die Ein­schrän­kun­gen und fau­len Kom­pro­mis­se der Pra­xis kor­rum­pie­ren ließ.

  • Pierre Bou­lez: „Sprengt die Opern­häu­ser!“ | ZEIT ONLINE – eine geburts­tags­wür­di­gung für pierre bou­lez von felix schmidt, die sich stel­len­wei­se schon fast wie ein nach­ruf liest …

    Bou­lez hat dem Musik­be­trieb einen gewal­ti­gen Stoß ver­setzt und ihm viel von sei­ner Gedan­ken­lee­re aus­ge­trie­ben. Die Lang­zeit­fol­gen sind unüberhörbar.

  • Ille­ga­le Down­loads machen dem E‑Book-Markt Sor­gen – ein etwas selt­sa­mer arti­kel von cle­mens voigt zur pira­te­rie bei ebooks: eigent­lich will er ger­ne etwas panik ver­brei­ten (und pira­te­rie mit dem dieb­stahl phy­si­cher gegen­stän­de gleich­set­zen) und lässt des­halb aus­führ­lich die abmahn­an­wäl­te wal­dorf-from­mer zu wort kom­men und anbie­ter von pira­te­rie-bekämp­fungs-soft­ware. ande­rer­seits wol­len die ver­le­ger die­se panik­ma­che wohl nicht so ganz mit­ma­chen … – des­we­gen bleibt das etwas einseitig …
  • Selbst­bild einer Uni­ver­si­tät « erlebt – fran­çois bry über das pro­ble­ma­ti­sche ver­ständ­nis von wis­sen­schaft & uni­ver­si­tät, dass „kin­der­unis“ ver­mit­teln können:

    Die Fami­li­en­vor­le­sung war unter­halt­sam. Lehr­reich war sie inso­fern, dass sie ein paar Vor­stel­lun­gen auf den Punkt brachte:
    Ein Pro­fes­sor ist ein Star.
    Eine Vor­le­sung ist eine ein­drucks­vol­le Schau.
    Ver­ste­hen, wor­um es bei einer Vor­le­sung geht, tut man wenn über­haupt außer­halb des Hörsaals. 

  • Feh­len­de Netz­neu­tra­li­tät für Tele­kom-Kun­den spür­bar | dani​el​-weber​.eu – dani­el weber erklärt, wie die tele­kom den feh­len­den zwang zur netz­neu­tra­li­tät aus­nutzt und war­um das auch für ganz „nor­ma­le“ kun­den schlecht ist
  • Autoren nach der Buch­mes­se – Sibyl­le-Berg-Kolum­ne – SPIEGEL ONLINE – sibyl­le berg ist gemein – zu ihre kol­le­gen schrif­stel­lern und den ver­tre­tern des literarjournalismus:

    Auf allen Kanä­len wur­den Schrift­stel­ler wie­der über ihr Schrift­stel­ler­tum befragt, und sie gaben mit schief­ge­leg­tem Kopf Aus­kunft. War­um Leu­te, die schrei­ben, auch noch reden müs­sen, ist unklar. Aber sie tun es. Es wird erwar­tet. Da muss irgend­ein Anspruch befrie­digt wer­den, von wem auch immer. Da muss es wabern, tief und kapri­zi­ös sein. Das muss sein, denn das Schrei­ben ist so ein unge­mein tie­fer Beruf, dass jeder ger­ne ein wenig von der lei­den­den tie­fen Tie­fe spü­ren mag. 

    (das bes­te kann ich nicht zitie­ren, das muss man selbst lesen …)

  • Russ­land: Was Putin treibt | ZEIT ONLINE – gerd koe­nen als (zeit-)historiker über ukrai­ne, russ­land und was putin so umtreibt … (und die kom­men­ta­re explodieren …)
  • Woh­nungs­bau: Es ist zum Klot­zen | ZEIT ONLINE – han­no rau­ter­berg ran­tet über den ein­falls­lo­sen woh­nungs­bau in ham­burg – gilt aber so ähn­lich auch für ande­re städte …

    Häu­ser wer­den streng rasiert gelie­fert, oben alles ab. Das alte Spiel mit Tra­pez- und Trep­pen­gie­beln, mit Walm‑, Sat­tel- oder Man­sard­dä­chern, ein Spiel, das Häu­sern etwas Gemüt­vol­les ver­leiht, auch etwas Behü­ten­des, scheint die meis­ten Archi­tek­ten kaum zu inter­es­sie­ren. Es regiert die kal­te Logik des Funk­tio­na­lis­mus, sie macht aus dem Woh­nen eine Ware. Und da kann ma…

  • Ukrai­ne: Frei­heit gibt es nicht umsonst | ZEIT ONLINE – gei­ge­rin Lisa Bati­a­sh­vi­li zur situa­ti­on in der ukrai­ne und euro­pa sowie sei­ne werte
  • Son­nen­fins­ter­nis: Ein Main­stream der Angst­ma­che – Feuil­le­ton – FAZ – Main­stream der Angstmache
  • Ame­ri­ka­ni­scher Droh­nen­krieg – Was die Regie­rung unter Auf­klä­rung ver­steht – Süddeutsche.de – die süd­deut­sche über die unfä­hig­keit der bun­des­re­gie­rung, sich ans völ­ker­recht zu hal­ten (wol­len), hier beim droh­nen­krieg der usa:

    Jenen „Fra­ge­bo­gen“, auf des­sen Beant­wor­tung die Bun­des­re­gie­rung angeb­lich so gedrun­gen hat, erach­te­ten die Ame­ri­ka­ner jeden­falls „als beant­wor­tet“, teil­te das Aus­wär­ti­ge Amt jüngst auf Fra­gen der Links­par­tei-Abge­ord­ne­ten Andrej Hun­ko und Nie­ma Mov­as­sat mit. Man sehe die Ange­le­gen­heit damit als „geklärt“ an, schrieb eine Staats­se­kre­tä­rin. Die Fra­gen blei­ben also weit­ge­hend unbe­ant­wor­tet. Und die Bun­des­re­gie­rung nimmt das ein­fach so hin. „Das Aus­wär­ti­ge Amt will kei­ne Auf­klä­rung, inwie­fern US-Stand­or­te in Deutsch­land am töd­li­chen Droh­nen­krieg der US-Armee in Afri­ka und Asi­en betei­ligt sind“, kri­ti­sie­ren die Par­la­men­ta­ri­er Hun­ko und Mov­as­sat. „Das ist nicht nur unde­mo­kra­tisch, son­dern es erfüllt den Tat­be­stand der Strafvereitelung.“

  • Deutsch­land: Am Arsch der Welt | ZEIT ONLINE – david hugen­dick haut den deut­schen das abend­land um die ohren

    Das Abend­land ist ein deut­scher Son­der­weg von Kul­tur, Geist, Stolz, Volk und Wei­ner­lich­keit. War­um die­ses Geis­ter­reich der Gefüh­le nicht tot­zu­krie­gen ist. Eine Polemik

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  • Strand: Wie Gold am Meer | ZEIT ONLINE -

    Es ist nicht nur das Meer, das den Sand vom Strand weg­holt, es ist auch der Mensch.

    span­nen­der text über den sand – am strand und im beton etc. und was der in den letz­ten jah­ren alles für pro­ble­me berei­tet (weil der mensch herumpfuscht …)

  • Spen­den­ak­ti­on ǀ Ice Bucket Chall­enge? Fuck off!—der Frei­tag – RT @derfreitag: Spen­den­ak­ti­on: #Ice­Bu­cket­Chall­enge? Fuck off! »
  • Kolum­ne Luft und Lie­be: Wahn und Schmod­der – taz​.de – „Brea­king News: Die Welt ist kom­pli­ziert. Und im Inter­net gibt es gleich­zei­tig Femi­nis­tin­nen und kras­se Pornos“ >
  • 50 – Na 1, 356 – Kor­re­spon­den­zen mit Her­bert Mar­cu­se (p. V 118, 1–383) – Sei­te – Max Hork­hei­mer – Digi­ta­le Samm­lun­gen – RT @benni_b: Doof wenn man berühmt wird und dann im Nach­lass des Kum­pels der eige­ne Sexis­mus zu Tage tritt: #mar­cu­se #hork­hei­mer
  • Sim­ply Explained—Geek&Poke – Sim­ply Explained—Geek&Poke;
  • Deut­sche Poli­tik vor den Welt­krie­gen – FAZ – hein­rich august wink­ler über den kriegs­be­ginn 1914, die fra­ge der schuld bzw. haupt­schuld und war­um sei­ner mei­nung nach deutsch­land nicht ganz auf einer ebe­ne mit den ande­ren euro­päi­schen staa­ten anzu­sie­deln ist:

    Schwe­rer noch wiegt die Aus­klam­me­rung der innen­po­li­ti­schen Vor­ge­schich­te des deut­schen Weges in den Ers­ten Welt­krieg bei Clark und Mün­k­ler. Der Mili­ta­ris­mus war ein gesamt­eu­ro­päi­sches Phä­no­men, aber nir­gend­wo waren die Gesell­schaft und das poli­ti­sche Den­ken so mili­ta­ri­siert wie im Deut­schen Reich. „Kriegs­par­tei­en“ gab es über­all, aber nir­gend­wo ver­füg­ten sie über einen so brei­ten gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen Rück­halt wie in Deutsch­land. Er reich­te vom ost­elbi­schen Rit­ter­guts­be­sitz über die Schwer­indus­trie und Tei­le des gebil­de­ten Bür­ger­tums bis zu den Ver­bän­den des gewerb­li­chen Mit­tel­stan­des und der kauf­män­ni­schen Ange­stell­ten. Deutsch­land war eine kon­sti­tu­tio­nel­le, kei­ne par­la­men­ta­ri­sche Mon­ar­chie. Der Reichs­kanz­ler war dem Kai­ser, nicht dem Reichs­tag ver­ant­wort­lich. Die mili­tä­ri­sche Kom­man­do­ge­walt des Königs von Preu­ßen, der zugleich Deut­scher Kai­ser war, bedurf­te nicht der minis­te­ri­el­len Gegen­zeich­nung – ein Relikt des Absolutismus.

    – und zur kon­ti­nui­tät von 1914 und 1939 (was alles zusam­men bei den faz-lesern nicht auf gro­ße gegen­lie­be stößt …)

  • In Rede­si­gned Room, Hos­pi­tal Pati­ents May Feel Bet­ter Alre­a­dy – NYTi​mes​.com – die new york times über die rol­le von archi­tek­ten im gesund­heits­we­sen, hier am bei­spiel eines neu­baus des „Uni­ver­si­ty Medi­cal Cen­ter of Princeton“:

    But the real eye-ope­ner was this: Pati­ents also asked for 30 per­cent less pain medication.

  • Es geht ums Lesen – taz​.de – johan­nes thumf­art in der der taz über das befrei­en­de poten­zi­al von ebooks (und war­um es schein­hei­lig ist, dem gedruck­ten buch so sehr nachzuweinen):

    Kern der ableh­nen­den Hal­tung gegen­über dem E‑Book ist, dass es eben nur den eigent­li­chen Zweck von Büchern erfüllt, näm­lich das Gele­sen­wer­den. Dage­gen ist das gedruck­te Buch in unse­ren Brei­ten­gra­den vor allem ein Dum­my für den Gaben­tisch, das man geschenkt bekommt, im Bücher­schrank abstellt, als Acces­soire neben den Lat­te mac­chia­to legt, aber auch – etwas sel­te­ner – an Freun­de ver­leiht und wei­ter­ver­kauft. Für all die­se Neben­aspek­te der Buch­kul­tur taugt das E‑Book nicht. 

    Anstatt also dem gedruck­ten Buch nach­zu­wei­nen oder gar zu ver­su­chen, es durch Orna­men­te im bis­lang herr­lich redu­zier­ten E‑Book zu imi­tie­ren, muss E‑Book-Kul­tur davon han­deln, den Pro­zess der Demo­kra­ti­sie­rung, Säku­la­ri­sie­rung und Ratio­na­li­sie­rung der Schrift, der schon mit der Erfin­dung des Alpha­bets begann, zu beschleu­ni­gen. In dem Sin­ne fin­det sich die Speer­spit­ze der Buch­kul­tur heu­te in den tri­via­len Ecken fern­ab der Bücher­mes­sen und ähn­li­cher Ver­an­stal­tun­gen: In der „Fan Fic­tion“ zum Bei­spiel, wo mas­sen­wei­se Schmud­del­li­te­ra­tur for the peo­p­le by the peo­p­le gemacht wird, die auch noch in der U‑Bahn voll­kom­men unsicht­bar gele­sen wird und in kei­nem Regal als Tro­phäe aus­ge­stellt wer­den muss.

    Buch­ge­stal­ter, Ver­la­ge, Kri­ti­ker, Buch­de­ckel und Dru­cker­schwär­ze ste­hen die­ser neu­en, auf das Wesent­li­che redu­zier­ten Ästhe­tik der sich lite­ra­risch eman­zi­pie­ren­den Mas­se nur im Wege. 

  • War­um ich die Peti­ti­on gegen Ama­zon nicht unter­schrei­be – Süddeutsche.de – ich fin­de, ste­fan weid­ner hat durch­aus recht, auch wenn er sich in details irrt (wann/​womit bit­te ist es bes­ser, auf dem tablet als auf dem ebook-rea­der zu lesen? und natür­lich ist es nicht egal, wo ich mei­ne ebooks kau­fe, weil ama­zon sie ein­sperrt. aber das sind neben­säch­lich­kei­ten, die hier nichts zur sache tun)

    Aggres­si­vi­tät und einen unsen­ti­men­ta­len Blick nach vorn. Ama­zon hat das, der deut­sche Buch­markt nicht, nichts ande­res belegt der Pro­test gegen Ama­zon. Ich ver­ste­he die Grün­de für den Pro­test und die Angst, aber das ändert nichts an der Ver­knö­che­rung und Reform­un­wil­lig­keit des Buch­mark­tes. An sich ist er, ich sag­te es, per­fekt. Aber das Sys­tem hat den Kon­takt zur Außen­welt ver­lo­ren. Und da die­se, wie Außen­welt oft, unbe­kannt und böse ist, will man sich nur umso mehr von ihr abkap­seln. So sind schon vie­le Spe­zi­es ausgestorben.

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