in der spex ein grauenhaft text über oder besser gesagt neben das album (das nämlich kaum vorkommt). aber immerhin schafft er es, mich dann doch zum hören zu inspirieren – was denn so einen krieg der begriffe, so ein schlagwortgestammel heutzutage noch auslösen kann, will ich schon wissen: peaches: impeach my bush. das ist, da muss man natürlich fair sein, trotz allen geredes zunächst einmal eine pop‑, d.h. elektropunk oder so ähnlich, platte. und als solche ist sie ziemlich erfolgreich. die zeit hat peaches mal die „punkinspirierte gender-theoretikerin” genannt, weil sie so schön spielerisch auf den entsprechenden vorurteilen, stereotypen und konstrukten herumspielt, sie lächerlich macht und das ganze schön gekonnt performativ vorführt. vor allem ist das aber (leider) viel weniger politisch als ich hoffte, und auch viel weniger kritisch oder gender-theoretisch – aber ich bin ja sowieso immer mehr der überzeugung, dass kunst und insbes. pop nur bedingt für solche dinge geeignet sind – und gerade wenn sie es ganz feste wollen, klappt es meistens überhaupt nicht – weder inhaltlich sozusagen noch künstlerisch. das ist bei peaches wenigstens insofern anders, als impeach my bush nach kriterien des pop ziemlich gut zu funktionieren scheint – und gar nicht so wenig spaß macht. – songs wie „tent in your pants” oder „slippery dick” können durchaus mit textlichem und musikalischem witz aufwarten – auch wenn mir einiges schon wieder zu rockig (halt ein wenig elektronischer verspielt und konstruiert) wird. schön ist freilich auch die wendung in der kurzen einleitung der cd, „fuck or kill”: „i’d rather fuck who i want, when kill who i told to” – klar, das würden wohl die meisten von uns. aber was folgt daraus? außerdem: besonders dreckig ist das alles gar nicht mehr – genau das ist ja das alles lähmende problem des pop: subversion ist in diesem feld nicht mehr möglich (vgl. dazu behrens’ aufsatz), und schon gar nicht „revolution” – auch wenn peaches das behaupten mag: „die revolution kann jetzt auf ganzer ebene losgehen.” (steht so in der spex vom juli). denn auch „als infiltrierung verstandenes entertainment“ (ebd.) ist eben entertainment und kommt da – in der regel – nicht mehr lebend heraus: auch peaches ist insofern nur eine marke. und die ist zwar noch nicht ganz so klinisch rein wie viele andere auf dem globalen markt der selbstverkäufer, aber so richtig dreckig auch nicht (mehr). interesant übrigens, dass die berliner zeitung das viel besser verstanden hat als die spex: da heißt es nämlich: „Das ist alles ehrenhaft. Als ernstgemeinter Diskursbeitrag wirkt die Sexerei jedoch überholt. Schließlich gibt es für jedwede sexuelle Präferenz eine coole Vorabendserie; und die Ubiquität der Pornographie, ob in enzyklopädischen Fetischsparten im Netz, in Konzeptkunst und Kunstkino bringt wohl außer Hardcore-Islamisten und christlichen Ekstatikern niemanden mehr in Verlegenheit. Sich metrosexuell für den Markt herzurichten ist andererseits vom smarten Banker zum gegelten Türkenkid längst zwingendes Programm. Zu denken, es helfe dem Knacken von Identitätsfixierungen, wenn alle gemeinsam an albernen Körpernormierungen leiden, wirkt so kurzschlüssig wie die Idee, sexuelle Machtverhältnisse zerbrächen, wenn man sie einfach umkehrt.” (berliner zeitung)

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