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dreckig oder sauber? peaches‘ drittes album „impeach my bush“

in der spex ein grau­en­haft text über oder bes­ser gesagt neben das album (das näm­lich kaum vor­kommt). aber immer­hin schafft er es, mich dann doch zum hören zu inspi­rie­ren – was denn so einen krieg der begrif­fe, so ein schlag­wort­ge­stam­mel heut­zu­ta­ge noch aus­lö­sen kann, will ich schon wis­sen: peaches: impeach my bush. das ist, da muss man natür­lich fair sein, trotz allen gere­des zunächst ein­mal eine pop‑, d.h. elek­tro­punk oder so ähn­lich, plat­te. und als sol­che ist sie ziem­lich erfolg­reich. die zeit hat peaches mal die „punk­in­spi­rier­te gender-​theoretikerin” genannt, weil sie so schön spie­le­risch auf den ent­spre­chen­den vor­ur­tei­len, ste­reo­ty­pen und kon­struk­ten her­um­spielt, sie lächer­lich macht und das gan­ze schön gekonnt per­for­ma­tiv vor­führt. vor allem ist das aber (lei­der) viel weni­ger poli­tisch als ich hoff­te, und auch viel weni­ger kri­tisch oder gender-​theoretisch – aber ich bin ja sowie­so immer mehr der über­zeu­gung, dass kunst und ins­bes. pop nur bedingt für sol­che din­ge geeig­net sind – und gera­de wenn sie es ganz fes­te wol­len, klappt es meis­tens über­haupt nicht – weder inhalt­lich sozu­sa­gen noch künst­le­risch. das ist bei peaches wenigs­tens inso­fern anders, als impeach my bush nach kri­te­ri­en des pop ziem­lich gut zu funk­tio­nie­ren scheint – und gar nicht so wenig spaß macht. – songs wie „tent in your pants” oder „slip­pe­ry dick” kön­nen durch­aus mit text­li­chem und musi­ka­li­schem witz auf­war­ten – auch wenn mir eini­ges schon wie­der zu rockig (halt ein wenig elek­tro­ni­scher ver­spielt und kon­stru­iert) wird. schön ist frei­lich auch die wen­dung in der kur­zen ein­lei­tung der cd, „fuck or kill”: „i’d rather fuck who i want, when kill who i told to” – klar, das wür­den wohl die meis­ten von uns. aber was folgt dar­aus? außer­dem: beson­ders dre­ckig ist das alles gar nicht mehr – genau das ist ja das alles läh­men­de pro­blem des pop: sub­ver­si­on ist in die­sem feld nicht mehr mög­lich (vgl. dazu beh­rens‘ auf­satz), und schon gar nicht „revo­lu­ti­on” – auch wenn peaches das behaup­ten mag: „die revo­lu­ti­on kann jetzt auf gan­zer ebe­ne los­ge­hen.” (steht so in der spex vom juli). denn auch „als infil­trie­rung ver­stan­de­nes enter­tain­ment“ (ebd.) ist eben enter­tain­ment und kommt da – in der regel – nicht mehr lebend her­aus: auch peaches ist inso­fern nur eine mar­ke. und die ist zwar noch nicht ganz so kli­nisch rein wie vie­le ande­re auf dem glo­ba­len markt der selbst­ver­käu­fer, aber so rich­tig dre­ckig auch nicht (mehr). inte­resant übri­gens, dass die ber­li­ner zei­tung das viel bes­ser ver­stan­den hat als die spex: da heißt es näm­lich: „Das ist alles ehren­haft. Als ernst­ge­mein­ter Dis­kurs­bei­trag wirkt die Sexe­rei jedoch über­holt. Schließ­lich gibt es für jed­we­de sexu­el­le Prä­fe­renz eine coo­le Vor­abend­se­rie; und die Ubi­qui­tät der Por­no­gra­phie, ob in enzy­klo­pä­di­schen Fetisch­spar­ten im Netz, in Kon­zept­kunst und Kunst­ki­no bringt wohl außer Hardcore-​Islamisten und christ­li­chen Eksta­ti­kern nie­man­den mehr in Ver­le­gen­heit. Sich metro­se­xu­ell für den Markt her­zu­rich­ten ist ande­rer­seits vom smar­ten Ban­ker zum gegel­ten Tür­ken­k­id längst zwin­gen­des Pro­gramm. Zu den­ken, es hel­fe dem Kna­cken von Iden­ti­täts­fi­xie­run­gen, wenn alle gemein­sam an alber­nen Kör­per­nor­mie­run­gen lei­den, wirkt so kurz­schlüs­sig wie die Idee, sexu­el­le Macht­ver­hält­nis­se zer­brä­chen, wenn man sie ein­fach umkehrt.” (ber­li­ner zeitung)

Veröffentlicht in pop

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