Unverrückbar fest und breit steht er da. Dann fängt Peter Lika an zu singen, zu toben und zu flehen, zu donnern und zu schmeicheln – ohne sich auch nur einen Deut zu bewegen, zieht er als Elias sämtliche Register. Und es ist sofort klar: Das wird ein besonderer Abend, hier in der Christuskirche. Dass der „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy mit dem Bachchor unter Ralf Otto ein Genuss werden würde, das war auch zu erwarten. Denn dafür hat Otto in den verganngen Jahren zu viel Gespür und Können bewiesen, um etwas anderes auch in der noch recht jungen Tradition der Konzerte zum Tag der Deutschen Einheit hervorzurufen. Der Feiertag ist ihm vor allem ein schöner Anlass zur Aufführung großer Chorwerke – einen besonderen, politischen Grund sollte man ihm bei der Wahl des „Elias“ wohl nicht unterstellen. Jedenfalls ist es ein Abend der Schönheit, der überwältigend mitreißenden dramatischen Musik.
Die Präsenz aller Beteiligten vom Anfang an ist beeindruckend. Der Bachchor ist natürlich wieder in voller Schönheit und Lebendigkeit zu hören. Denn Ralf Otto spart wahrlich nicht an großartigen Kulminationspunkten, an dramatischer Wirkung. Sein Zauberwort ist dabei vor allem die Präzision. Nicht nur chorisch gilt das als Leitwort, auch sonst achtet Otto auf Genauigkeit. So ist auch das bewährte Orchester L‘arpa festante wieder ein Fest für die Ohren, mit ihren historischen Instrumenten sorgen sie für einen warmen, lebendigen und vor allem klar und durchsichtigen Orchesterklang. Doch Hauptattraktion bleibt – wieder einmal – der Chor: Mit Beweglichkeit und Klangflexibilität weiß er für sich einzunehmen. Und bei aller Neigung zum exakten Musizieren gelingt es Otto trotzdem, nie kalt und mechanisch zu werden. Gerade die klangliche Wärme und das Mitempfinden prägt seine Interpretation hörbar: groß ist das, stellenweise sogar großartig. Aber zum Glück nie pathetisch oder pompös überzogen, trotz aller emotionaler und musikalischer Wucht, die Otto dem „Elias“ mitgibt. Denn er sorgt eben nicht nur für schöne Stellen, sondern der selbstverständliche wirkende Fluss, mit dem sich eines aus dem anderen wie von selbst ergibt, macht das Besondere aus. Im zweiten Teil kann Otto zwar auch nicht zaubern, aber trotzdem weiterhin vieles gut machen. Hier spielen seine Solisten, insbesondere der Sopran Ruth Ziesak und die Altistin Gerhild Romberger, ihre volle Stärke aus. Ein Regengott ist Otto damit zwar noch nicht – aber man möchte es fast vermuten, wenn man hört, wie plastisch und mitreißend er mit dem Bachchor die Wasserströme auf das vertrocknete Israel strömen lässt.

Ursula Zwanzger
Ich stimme der Kritik bzw. dem großen Lob von Matthias Mader voll zu; es war eine mitreißende Aufführung!
(Ich habe das Werk bereits zweimal mitgesungen, einmal unter H. Rilling mit D. Fischer-Diskau als Elias!)
Etwas skeptisch war ich zunächst wegen der historischen Instrumente, aber später hatte ich sie vergessen bzw. sie „störten“ mich in keiner Weise.
Ursula Zwanzger, frühere Bachchormitsängerin