Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Autor: Matthias Seite 53 von 208

Leser mit allerlei Ansprüchen und ausdauernder Läufer. Je nach Tagesform auch mal ausdauernder Leser und Läufer mit allerlei Ansprüchen.

Den 20. Jänner ging Lenz durchs Gebirg.

Den 20. Jän­ner ging Lenz durchs Gebirg. Die Gip­fel und hohen Berg­flä­chen im Schnee, die Täler hin­un­ter grau­es Gestein, grü­ne Flä­chen, Fel­sen und Tannen.

Es war naß­kalt; das Was­ser rie­sel­te die Fel­sen hin­un­ter und sprang über den Weg. Die Äste der Tan­nen hin­gen schwer her­ab in die feuch­te Luft. Am Him­mel zogen graue Wol­ken, aber alles so dicht – und dann dampf­te der Nebel her­auf und strich schwer und feucht durch das Gesträuch, so träg, so plump.

Er ging gleich­gül­tig wei­ter, es lag ihm nichts am Weg, bald auf‑, bald abwärts. Müdig­keit spür­te er kei­ne, nur war es ihm manch­mal unan­ge­nehm, daß er nicht auf dem Kopf gehn konnte.

Anfangs dräng­te es ihm in der Brust, wenn das Gestein so weg­sprang, der graue Wald sich unter ihm schüt­tel­te und der Nebel die For­men bald ver­schlang, bald die gewal­ti­gen Glie­der halb ent­hüll­te; es dräng­te in ihm, er such­te nach etwas, wie nach ver­lor­nen Träu­men, aber er fand nichts. Es war ihm alles so klein, so nahe, so naß; er hät­te die Erde hin­ter den Ofen set­zen mögen. Er begriff nicht, daß er so viel Zeit brauch­te, um einen Abhang hin­un­ter zu klim­men, einen fer­nen Punkt zu errei­chen; er mein­te, er müs­se alles mit ein paar Schrit­ten aus­mes­sen kön­nen. Nur manch­mal, wenn der Sturm das Gewölk in die Täler warf und es den Wald her­auf dampf­te, und die Stim­men an den Fel­sen wach wur­den, bald wie fern ver­hal­len­de Don­ner und dann gewal­tig her­an­braus­ten, in Tönen, als woll­ten sie in ihrem wil­den Jubel die Erde besin­gen, und die Wol­ken wie wil­de, wie­hern­de Ros­se her­an­spreng­ten, und der Son­nen­schein dazwi­schen durch­ging und kam und sein blit­zen­des Schwert an den Schnee­flä­chen zog, so daß ein hel­les, blen­den­des Licht über die Gip­fel in die Täler schnitt; oder wenn der Sturm das Gewölk abwärts trieb und einen licht­blau­en See hin­ein­riß und dann der Wind ver­hall­te und tief unten aus den Schluch­ten, aus den Wip­feln der Tan­nen wie ein Wie­gen­lied und Glo­cken­ge­läu­te her­auf­summ­te, und am tie­fen Blau ein lei­ses Rot hin­auf­klomm und klei­ne Wölk­chen auf sil­ber­nen Flü­geln durch­zo­gen, und alle Berg­gip­fel, scharf und fest, weit über das Land hin glänz­ten und blitz­ten – riß es ihm in der Brust, er stand, keu­chend, den Leib vor­wärts gebo­gen, Augen und Mund weit offen, er mein­te, er müs­se den Sturm in sich zie­hen, alles in sich fas­sen, er dehn­te sich aus und lag über der Erde, er wühl­te sich in das All hin­ein, es war eine Lust, die ihm wehe tat; oder er stand still und leg­te das Haupt ins Moos und schloß die Augen halb, und dann zog es weit von ihm, die Erde wich unter ihm, sie wur­de klein wie ein wan­deln­der Stern und tauch­te sich in einen brau­sen­den Strom, der sei­ne kla­re Flut unter ihm zog. Aber es waren nur Augen­bli­cke; und dann erhob er sich nüch­tern, fest, ruhig, als wäre ein Schat­ten­spiel vor ihm vor­über­ge­zo­gen – er wuß­te von nichts mehr.

[…]

Er saß mit kal­ter Resi­gna­ti­on im Wagen, wie sie das Tal her­vor nach Wes­ten fuh­ren. Es war ihm einer­lei, wohin man ihn führ­te. Mehr­mals, wo der Wagen bei dem schlech­ten Wege in Gefahr geriet, blieb er ganz ruhig sit­zen; er war voll­kom­men gleich­gül­tig. In die­sem Zustand leg­te er den Weg durchs Gebirg zurück. Gegen Abend waren sie im Rhein­ta­le. Sie ent­fern­ten sich all­mäh­lich vom Gebirg, das nun wie eine tief­blaue Kris­tall­wel­le sich in das Abend­rot hob, und auf deren war­mer Flut die roten Strah­len des Abends spiel­ten; über die Ebe­ne hin am Fuße des Gebirgs lag ein schim­mern­des, bläu­li­ches Gespinst. Es wur­de fins­ter, je mehr sie sich Straß­burg näher­ten; hoher Voll­mond, alle fer­nen Gegen­stän­de dun­kel, nur der Berg neben bil­de­te eine schar­fe Linie; die Erde war wie ein gold­ner Pokal, über den schäu­mend die Gold­wel­len des Mon­des lie­fen. Lenz starr­te ruhig hin­aus, kei­ne Ahnung, kein Drang; nur wuchs eine dump­fe Angst in ihm, je mehr die Gegen­stän­de sich in der Fins­ter­nis ver­lo­ren. Sie muß­ten ein­keh­ren. Da mach­te er wie­der meh­re­re Ver­su­che, Hand an sich zu legen, war aber zu scharf bewacht.

Am fol­gen­den Mor­gen, bei trü­bem, reg­ne­ri­schem Wet­ter, trat er in Straß­burg ein. Er schien ganz ver­nünf­tig, sprach mit den Leu­ten. Er tat alles, wie es die andern taten; es war aber eine ent­setz­li­che Lee­re in ihm, er fühl­te kei­ne Angst mehr, kein Ver­lan­gen, sein Dasein war ihm eine not­wen­di­ge Last. –

So leb­te er hin …

—Georg Büch­ner, Lenz (1835)

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  • Ein deut­scher Dich­ter bin ich einst gewe­sen | ver­bre­che­rei – Max Herrmann-Neisse:

    Ein deut­scher Dich­ter bin ich einst gewesen,
    die Hei­mat klang in mei­ner Melodie,
    ihr Leben war in mei­nem Lied zu lesen,
    das mit ihr welk­te und mit ihr gedieh.

    Die Hei­mat hat mir Treue nicht gehalten,
    sie gab sich ganz den bösen Trie­ben hin,
    so kann ich nur ihr Traum­bild noch gestalten,
    der ich ihr trotz­dem treu geblie­ben bin.

    – der Ver­bre­cher-Ver­lag hat jetzt auch ein Verlagsblog …

  • Spä­te Kriegs­ge­winn­ler – Wie­ner Zei­tung Online – Edwin Baum­gart­ner über die flut an bedruck­tem papier im gedenk­jahr zum ers­ten weltkrieg

    Und so ein­fach ist es auch beim Ers­ten Welt­krieg: Es ist ein Rie­sen­re­ma­su­ri, ein – wie heißt das bei­na­he deut­sche Wort? – ja, rich­tig: ein Hype.

    /​via „der umblät­te­rer“, die das nicht ganz zu unrecht zum feuil­le­ton des jah­res 2014 wähl­ten (http://​www​.umblaet​te​rer​.de/​2​0​1​5​/​0​1​/​1​3​/​d​i​e​-​e​r​g​e​b​n​i​s​s​e​-​d​e​r​-​f​e​u​i​l​l​e​t​o​n​-​m​e​i​s​t​e​r​s​c​h​a​f​t​-​2​0​14/)

  • What David Came­ron just pro­po­sed would end­an­ger every Bri­ton and des­troy the IT indus­try – Boing Boing – david came­ron will den bösen buben die ver­schlüs­se­lung ver­bie­ten. dumm nur, dass er halt kei­ne ahnung hat: „David Came­ron does­n’t under­stand tech­no­lo­gy very well, so he does­n’t actual­ly know what he’s asking for“, sagt cory doc­to­row, „it puts the who­le nati­on – indi­vi­du­als and indus­try – in ter­ri­ble jeopardy. “
  • 33. Euro­pas Wer­te und das Para­dox der Auf­klä­rung | Geschich­te wird gemacht – achim land­wehr über euro­päi­sche wer­te (eigen­tum!) und ihre para­doxa­le struktur
  • Schlund | Peter Rich­ter – peter rich­ter hat einen „mon­tags-spa­zier­gang“ in dres­den besucht und in die abgrün­de der pegida-„bewegung“ geschaut.
  • Bücher von Pop­mu­si­kern: Wah­re Grö­ße gibt es nur schwarz auf weiß | ZEIT ONLINE – ger­rit bartels steht etwas hilf­los vor dem phä­no­men, dass schein­bar immer mehr popmusiker/​innen bücher schrei­ben und ver­öf­fent­li­chen (wie gleich der ers­te kom­men­ta­tor bemerkt, hat er mit tho­mas meine­cke das bes­te bei­spiel vergessen …)

    Das Kano­ni­sie­ren von Pop und bestimm­ten Pop­sze­nen geht also inten­siv wei­ter. Auch für Musi­ker ist es da attrak­tiv, die flüch­ti­gen Pop­mo­men­te auf den Büh­nen und den DJ-Kan­zeln fest­zu­hal­ten, die Drei­mi­nu­ten-Sin­gle und den Club-Hit in eine Erzäh­lung zu bet­ten und damit zu sichern. Ein Buch hat eben doch Bestand, ist ein ganz eige­ner Wert.

  • Pegi­da-Demons­tra­tio­nen – „Das ist alles ernst zu neh­men“ – Der Direk­tor der säch­si­schen Lan­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung, Frank Rich­ter, hat zum Dia­log mit den Anhän­gern der Pegi­da-Grup­pie­rung auf­ge­ru­fen. „Wir haben es offen­sicht­lich mit einem Pro­blem­s­tau zu tun“, sag­te Rich­ter im Deutsch­land­funk. Man müs­se den Bür­gern respekt­voll zuhö­ren, so schwie­rig es auch sein möge.
  • Isla­mi­sie­rung, Mar­ken­schutz und dum­me Fra­gen – jür­gen kau­be hat recht:

    Gefüh­le haben ihr eige­nes poli­ti­sches Recht. Die Fra­ge ist nur, ob sich zutref­fen­de Gedan­ken dar­aus machen lassen.

  • Wie es bei „May­brit Ill­ner“ im ZDF wirk­lich zugeht – der autor ulf erd­mann zieg­ler war bei der ill­ner-rede­grup­pe im zdf als gast gela­den. und kann sku­ri­le ergeb­nis­se berich­ten, die alle hoff­nung auf qua­li­täts­jour­na­lis­mus im talk­for­mat vernichten.

    Okay, die plötz­li­che Über­frach­tung der Sen­dung mit Sebas­ti­an Edathy und sei­nem Schick­sal ist das eine. Den­noch, man hät­te die Kur­ve krie­gen kön­nen. Wie wäre es etwa mit der Fra­ge gewe­sen: ob, Herr Zieg­ler, was an die­sem Don­ners­tag die Haupt­stadt erschüt­ter­te, eigent­lich ein gutes Roman­the­ma sei. Aber mit Sicher­heit, Frau Ill­ner! Die Neben­rol­le der Igno­ran­tin, die sich all­wis­send gibt, wäre Ihnen dar­in sicher.

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Ins Netz gegan­gen am 5.1.:

  • Kolum­ne Bes­ser: Wie der Herr, so’s Gescherr – taz​.de – das gibt’s auch nicht jeden tag: dass ich deniz yücel zustim­me und sei­nen text auch noch gut fin­de. dank „pegida“-blödsinn ist’s mög­lich (und nötig!) – also lesen!:

    Pegi­da fin­det die „Lügen­pres­se“ doof, die „Lügen­pres­se“ fin­det Pegi­da doof. Aber es gibt Aus­nah­men: Ste­phan, Wei­mer, Matus­sek, Bro­der, di Lorenzo.

  • 32. Lepan­to oder Der fort­ge­setz­te Miss­brauch der Ver­gan­gen­heit | Geschich­te wird gemacht – achim land­wehr beschäf­tigt sich (not­ge­drun­gen …) mit dem umstand, dass der afd-poli­ti­ker ein­fach mal ohne anlass in der fas ohne beson­de­re his­to­ri­sche kennt­nis über die schlacht von lepan­to schreibt.

    Was ler­nen wir aus die­sem ansons­ten gänz­lich zu ver­nach­läs­si­gen­den Beitrag?

    Miss­brau­che nicht die Ver­gan­gen­heit in ver­ein­fa­chen­der und ver­fäl­schen­der Form für bil­li­ge poli­ti­sche Anlie­gen der Gegenwart.
    Wenn du schon von die­ser Ver­gan­gen­heit erzählst, dann tue es in mög­li­cher kom­ple­xer, mög­lichst zahl­rei­che Aspek­te berück­sich­ti­gen­der Form.
    Wenn du schon einen Arti­kel schreibst, in dem bil­li­ge Res­sen­ti­ments gegen Ande­re bedient wer­den, dann schrei­be wenigs­tens einen guten Arti­kel. Üble Bei­trä­ge mit üblen Inhal­ten sind eine dop­pel­te Beleidigung.
    Wenn du etwas aus Lepan­to ler­nen willst, dann ler­ne dies: Es ist wirk­lich für alle Betei­lig­ten bes­ser, auf gegen­sei­ti­ge Aner­ken­nung und Zusam­men­ar­beit zu set­zen als auf gegen­sei­ti­ges Abschlachten.

    Muss man so etwas wirk­lich noch hinschreiben?

  • Kraut von Rüben sor­tiert – Kraut­re­por­ter durch­ge­zählt | Ver­wi­ckel­tes – marc mit eini­gen inter­es­san­ten beob­ach­tun­gen und bemer­kun­gen zu den „kraut­re­por­tern“. eini­ges deckt sich mit mei­ner eige­nen erfah­rung – etwa das genervt­sein von den tilo-jung-plau­der­stünd­chen. jeden­falls haben es die „kraut­re­por­tern“, denen ich ja ger­ne geld bezahlt habe (und so arg viel war es ja auch gar nicht) noch nicht geschafft, zu einem wich­ti­gen teil mei­nes medi­en­kon­sums zu wer­den – ich ver­ges­se immer mal wie­der, das zu checken …
  • Höh­len: Geh zum Teu­fel! | ZEIT ONLINE – „Die Welt brauch­te viel weni­ger Psy­cho­phar­ma­ka, wenn die Leu­te öfter in Höh­len gehen würden.“ >
  • Das Auge liest mit – Nur weni­ge Lite­ra­ten nut­zen die Ober­flä­che ihrer Tex­te als eigen­stän­di­ge Aus­drucks­form oder machen sich die Mühe, die mate­ri­el­le Grund­la­ge ihrer Tex­te – die Schrift – zu reflek­tie­ren. – fea­ture von jochen meiß­ner, ca. 54 minuten
  • France’s rock star eco­no­mist Tho­mas Piket­ty turns down Legi­on of Honour | World news | The Guar­di­an – piket­ty scheint ein mann mit cha­rak­ter zu sein:

    French eco­no­mist Tho­mas Piket­ty has spur­ned the Legi­on of Honour, the country’s hig­hest distinc­tion, on the grounds that the govern­ment should not deci­de who is honourable.

Ins Netz gegangen (31.12.)

Ins Netz gegan­gen am 31.12. (Auf­räu­men zum Jahresende ..):

  • Jah­res­rück­blick 2014: Blick zurück im Kreis | ZEIT ONLINE – die his­to­ri­ke­rin fran­ka mau­bach ist mit dem gedenk­jahr 2014 nicht so ganz zufrieden:

    Es ist doch legi­tim, ja sogar gut, über den ritu­al­haft wie­der­keh­ren­den Kreis der Jah­res­ta­ge ein gemein­sa­mes his­to­ri­sches Reflek­tie­ren zu sti­mu­lie­ren. Das Pro­blem ist nur: Es gelingt nicht mehr. Die his­to­ri­schen Ereig­nis­se, derer gedacht wer­den soll, las­sen sich kaum noch in Bezie­hung zuein­an­der set­zen. Die Flieh­kraft des Geden­kens sprengt sie aus­ein­an­der. Das Ein­zel­er­eig­nis wird nur noch kurz auf­ge­ru­fen und kaum mehr in lang­fris­ti­ge Zusam­men­hän­ge eingeordnet.

    am ende emp­fiehlt sie: 

    Wie also kön­nen wir Geschich­te schrei­ben, ohne deter­mi­nis­tisch zu den­ken und doch mit lan­gem Atem zu argu­men­tie­ren? Wie kön­nen wir Ereig­nis­se in deu­ten­de Ord­nun­gen fügen und zugleich zum Wider­spruch ein­la­den? Wie kön­nen wir offen blei­ben und uns trotz­dem für eine Per­spek­ti­ve entscheiden?

    Dazu bedarf es eines Stand­punkts, der ent­schie­den ist, sich also über sich selbst auf­zu­klä­ren ver­mag. Und es bedarf einer his­to­ri­schen Urteils­kraft, die peni­bel aus­buch­sta­bier­te Details in ihr Vor­her und Nach­her und nach Rele­vanz ord­net. Bei­des kön­nen wir vor­aus­sicht­lich noch brau­chen. Spä­tes­tens dann, wenn die Flieh­kraft des Geden­kens auch den Natio­nal­so­zia­lis­mus von sei­ner Vor- und Nach­ge­schich­te isoliert.

  • Rumä­ni­en: Die unvoll­ende­te Revo­lu­ti­on – karl-peter schwarz erin­nert beschrei­bend (weni­ger erklä­rend) an die revo­lu­ti­on 1989 in rumänien.

    Vor 25 Jah­ren stürz­te der rumä­ni­sche Dik­ta­tor Ceauşes­cu. Die Revo­lu­ti­on, die 1989 mit blu­ti­gen Kämp­fen das Land in Cha­os und Gewalt stürz­te, blieb unvollendet. 

  • 2014 – Die hilf­reichs­ten Kun­den­re­zen­sio­nen – Frei­text
  • Revi­si­ons­be­rich­te der NSA: War­ten auf die Ankla­ge – nils mink­mar ganz unauf­ge­regt, aber voll­kom­men zustim­mungs­fä­hig und ‑pflich­tig:

    Doch wenn der Wes­ten sei­ne Iden­ti­tät nicht ver­lie­ren will, sich gegen isla­mi­sche, chi­ne­si­sche, rus­si­sche und sons­ti­ge Tota­li­ta­ris­men abgren­zen möch­te, dann kön­nen die nun hin­läng­lich doku­men­tier­ten Über­grif­fe und Geset­zes­brü­che nur eine Fol­ge haben, näm­lich eine ordent­li­che rechts­staat­li­che Auf­ar­bei­tung ohne Anse­hen der Person.

  • BOX2FLY – Hand­ge­päck­kof­fer aus Well­pap­pe – coo­le idee: ein kar­ton, der genau ins hand­ge­päck passt, den platz also bei mini­ma­lem eigen­ge­wicht opti­mal ausnutzt 
  • Tod einer Revo­lu­tio­nä­rin – Die Zeit­schrift „Mit­tel­weg 36“ erin­nert an die außer­ge­wöhn­li­che Radi­kal-Femi­nis­tin Shul­a­mith Fires­tone : lite​ra​tur​kri​tik​.de
  • Unbe­kann­te Auto­bio­gra­phie Georg Phil­ipp Tele­manns auf­ge­fun­den | nmz – neue musik­zei­tung – Im His­to­ri­schen Staats­ar­chiv Lett­lands (Riga) wur­de eine bis­her unbe­kann­te Auto­bio­gra­phie des Kom­po­nis­ten Georg Phil­ipp Tele­mann (1681−1767) ent­deckt. Die auto­gra­phe Skiz­ze befin­det sich in Mate­ria­li­en aus dem Nach­lass des Riga­er Kan­tors Georg Micha­el Tele­mann, dem Enkel des berühm­ten Ham­bur­ger Musik­di­rek­tors und Johan­neum­kan­tors. Der Musik­wis­sen­schaft­ler Ralph-Jür­gen Reipsch, Mit­ar­bei­ter des Zen­trums für Tele­mann-Pfle­ge und ‑For­schung Mag­de­burg, hat den sen­sa­tio­nel­len Fund sowie eine bis­her gleich­falls unbe­kann­te deutsch-fran­zö­si­sche Lebens­be­schrei­bung in der aktu­el­len Aus­ga­be der Zeit­schrift Die Musik­for­schung publiziert.
  • Liquid Ecsta­sy: Töd­li­cher Schluck aus der Fla­sche – Mün­chen – Süddeutsche.de – gran­di­os: dass „GBL nicht vom Betäu­bungs­mit­tel­ge­setz erfasst ist, weil sie in der che­mi­schen Indus­trie … uner­setz­lich ist“ – so funk­tio­niert also dro­gen­pli­tik in deutschland
  • ünter-Eich-Preis für Ror Wolf « Lyrik­zei­tung – Der fan­tas­ti­sche Ror Wolf erhält den Günter-Eich-Preis
  • Jut­ta Dit­furth: News – LG Mün­chen ent­sorgt die dt. Anti­se­mi­ten: Anti­se­mit ist nur, „wer sich posi­tiv auf die Zeit von ’33 bis ’45 bezieht“ (ach, kön­te man doch nur ale pro­ble­me so lösen ..)
  • http://​eco​watch​.com/​2​0​1​3​/​l​o​b​s​t​e​r​-​b​o​a​t​-​v​s​-​c​o​a​l​-​s​h​ip/ | Grist – unglaub­lich: Seat­tle ver­senkt sich im Abgrund … – das ist wahr­haf­tig geun­ge­ne (Verkehrs-)Politik
  • 57. Nach­schlag zu einem “fröh­li­chen” Ver­riss « Lyrik­zei­tung & Poet­ry News – auch ein „veriss“:

    am Boden liegt ein Bün­del von Zei­tungs­aus­ris­sen, die offen­sicht­lich das feh­len­de Klo­pa­pier erset­zen sol­len. Auf einer der Zei­tungs­sei­ten steht ein Gedicht. Ich grei­fe nach dem zur Hälf­te zer­ris­se­nen Blatt, ver­su­che den Text – ukrai­nisch – zu lesen, lese ihn mehr­mals, und er kommt mir dabei immer bekann­ter vor. Der Name des Autors wie auch der Gedicht­an­fang fehlt, ist weg­ge­ris­sen. Unter dem Gedicht steht, dass es sich um eine Über­set­zung aus dem Deut­schen han­delt. Vom Namen des Über­set­zers blei­ben bloss ein paar Buch­sta­ben: Wolod… ‒ Doch nun däm­mert es mir: Das ist mein Gedicht. Das ist eins mei­ner Gedich­te, zumin­dest ein Teil davon. 

  • Femi­nis­mus-Debat­te: Wir brau­chen kei­nen Zum­ba-Jesus – taz​.de – mar­ga­re­te stokowski:

    Femi­nis­tin­nen vor­zu­wer­fen, sie sei­en nicht wit­zig, ist auf drei­fa­che Art unan­ge­mes­sen. Ers­tens ist Humor ein­fach eine Fra­ge des Geschmacks. Zwei­tens wie­der­holt sich hier das alt­be­kann­te „Lach doch mal“ alt­be­kann­ter Onkels, und drit­tens gibt es denk­bar vie­le Momen­te im Leben, in denen Kämp­fen und Lachen ein­an­der ausschließen. 

  • Fol­ter bei der CIA: Der Sieg der Ter­ro­ris­ten – FAZ – nils mink­mar denkt über fol­ter nach:

    Es herrscht ein erschre­cken­der Man­gel an poli­ti­scher Phan­ta­sie. Was wird schon hel­fen gegen Mör­der wie Kha­lid Scheich Moham­med? Es fällt uns nur wie­der Gewalt ein. Dabei gibt es längst ande­re Erkennt­nis­se, wie man den Krieg gegen den Ter­ror erfolg­reich füh­ren kann.

  • 500 Jah­re alte Naum­bur­ger Chor­bü­cher wer­den digi­ta­li­siert | nmz – neue musik­zei­tung – Es soll ein biblio­phi­ler Schatz für die Ewig­keit wer­den: Die über 500 Jah­re alten über­di­men­sio­na­len Naum­bur­ger Chor­bü­cher wer­den restau­riert und digi­ta­li­siert. Die kom­plet­te Finan­zie­rung muss noch geklärt wer­den, aber ein Anfang ist gemacht. «Mit acht Büchern ist es eine der umfang­reichs­ten mit­tel­al­ter­li­chen Hand­schrif­ten­samm­lun­gen», sagt Mat­thi­as Lud­wig, wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter im Dom­stifts­ar­chiv Naumburg.
  • Inte­gra­ti­on durch Sprach­vor­schrif­ten? – Sprach­log – Es ist also klar, dass aus der Per­spek­ti­ve des Sprach­er­werbs kei­ne Not­wen­dig­keit gibt, Migrant/​innen dazu „anzu­hal­ten“ oder auch nur zu „moti­vie­ren“, zu Hau­se Deutsch zu spre­chen. Wir erin­nern uns: 65 Pro­zent tun es ohne­hin, ganz ohne Moti­va­ti­on sei­tens der Politik.

Twitterlieblinge Dezember 2014

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Ich

Ich. Ja, das bin ich, das kann sein, und wenn ich spa­zie­ren gehe, mit mei­ner Müt­ze, sehe ich rechts und links wil­de gewal­ti­ge Bäu­me, udn alles platzt jetzt und spritzt, und es wür­de mich nicht über­ra­schen, wenn es ganz anders wäre.

—Ror Wolf, Raoul Tran­chi­rers Noti­zen aus dem zer­sch­net­zel­ten Leben, 105

Taglied 14.12.2014

stark:The Junc­tion, Strong (Lon­don Grammar)

The Junc­tion – Strong (Lon­don Grammar)

Beim Kli­cken auf das und beim Abspie­len des von You­Tube ein­ge­bet­te­ten Vide­os wer­den (u. U. per­so­nen­be­zo­ge­ne) Daten wie die IP-Adres­se an You­Tube übertragen.

10. Dezember

Ablauf. Am 10.Dezember ent­deck­te ich plötz­lich, daß der Ablauf der Vor­gän­ge wahr­schein­lich durch ein bestimm­tes Prin­zip regu­liert wird. Das ist das Voll­stän­digs­te, was ich über den Ablauf sagen kann, hier, zwi­schen den feuch­ten Tischen, den hoh­len Schrän­ken, den schwit­zen­den Fens­tern, in die­sem dunk­len Geruch, der aus dem Hin­ter­haus kommt. Wäh­rend ich also über den Ablauf der Vor­gän­ge nach­den­ke, höre ich das Auf­stöh­nen der Küchen­ge­rä­te, den Gesang der Zer­klei­ne­rungs­ma­schi­nen, die Geräu­sche der Tor­ten­schau­feln, der Topf­de­ckel, der Brot­trom­meln, ich höre das Löf­fel­klap­pern und das plötz­li­che Plat­zen der Pell­kar­tof­feln. Und wäh­rend ich die­se Geräu­sche höre, betre­te ich das gefähr­li­che Gebiet der Ver­mu­tun­gen. Vor dem Fens­ter sehe ich die Stampf­müh­len, die Soda­fa­bri­ken, die aus­ge­dehn­ten Über­blu­tungs­ge­bie­te. Kurz­um, ich glau­be in die­sem Moment, am l0.Dezember ein uner­schro­cke­ner For­scher zu sein, ohne die Ange­wohn­hei­ten des Stu­ben­men­schen, der sich ein Loch in die Welt schlägt, um es sich dar­in gemüt­lich zu machen. Das ist mei­ne Mei­nung über den Ablauf der Vor­gän­ge am l0.Dezember und ich schrei­be das jetzt in gro­ßer Gelas­sen­heit nie­der. – Nachts nas­ser dunk­ler Geruch.

—Ror Wolf, Raoul Tran­chi­rers Noti­zen aus dem zer­sch­net­zel­ten Leben, 9

Ins Netz gegangen (9.12.)

Ins Netz gegan­gen am 9.12.:

  • 30. Neo­hi­sto­flo­xi­kon oder Neue Flos­keln braucht das Land | Geschich­te wird gemacht – achim land­wehr wird grundsätzlich:

    Es ist eigent­lich immer an der Zeit, das eige­ne Den­ken über Ver­gan­gen­heit und Geschich­te mal etwas durch­zu­schüt­teln und auf den grund­sätz­li­chen Prüf­stand zu stellen. 

  • Who is afraid of jazz? | Jazz­Zei­tung – „Wer hät­te gedacht, dass ich sogar Bruck­ner ein­mal span­nen­der und fre­ne­ti­scher fin­den wür­de als neu­en Jazz!“
  • Essay: Schläf­rig gewor­den – DIE WELT – er ost­eu­ro­pa-his­to­ri­ker karl schlö­gel wider­spricht in der „welt“ den ver­fas­sern & unter­zeich­nern des auf­ru­fes „wie­der krieg in euro­pa?“ – mei­nes erach­tens mit wich­ti­gen argumenten:

    Denn in dem Auf­ruf ist neben vie­len All­ge­mein­plät­zen, die die Eigen­schaft haben, wahr zu sein, von erstaun­li­chen Din­gen die Rede. So lau­tet der ers­te Satz: „Nie­mand will Krieg“ – so als gäbe es noch gar kei­nen Krieg. Den gibt es aber. Rus­si­sche Trup­pen haben die Krim besetzt
    […] Aber­mals ist vom „Nach­barn Russ­land“ die Rede: Wie muss die Kar­te Euro­pas im Kopf derer aus­se­hen, die so etwas von sich geben oder mit ihrer Unter­schrift in Kauf neh­men! Pein­lich – und wahr­schein­lich in der Eile von den viel beschäf­tig­ten, ernst­haf­ten Unter­zeich­nern nicht zur Kennt­nis genom­men – die Behaup­tung, Russ­land sei seit dem Wie­ner Kon­gress Mit­ge­stal­ter der euro­päi­schen Staa­ten­welt. Das geht viel wei­ter zurück, wie auch Lai­en wis­sen, die schon von Peter dem Gro­ßen gehört haben. Und aus­ge­rech­net die Hei­li­ge Alli­anz zu zitie­ren, mit der die Tei­lung Polens zemen­tiert, die pol­ni­schen Auf­stän­de nie­der­ge­wor­fen und die 1848er-Revo­lu­ti­on bekämpft wor­den ist – das passt nicht gut zur Ernst­haf­tig­keit eines um den Dia­log bemüh­ten Unter­neh­mens. Vom Molo­tow-Rib­ben­trop-Pakt – eine zen­tra­le Erfah­rung aller Völ­ker „dazwi­schen“ und im 75. Jahr der Wie­der­kehr des Ver­tra­ges, der den Zwei­ten Welt­krieg mög­lich gemacht hat – ist im Text gar nicht die Rede, ein­fach zur Sei­te gescho­ben, „ver­drängt“.

  • Was bewegt Yvan Sagnet?: Hoff­nung der Skla­ven | ZEIT ONLINE -

    Arbei­ter aus dem Sudan, aus Bur­ki­na Faso, aus Mali, aus fast jedem Land Afri­kas. In dre­cki­gen Män­teln suchen sie vor den Müll­hau­fen nach Ver­wert­ba­rem. Es ist, als wür­de man durch einen düs­te­ren, apo­ka­lyp­ti­schen Roman von Cor­mac McCar­thy fah­ren. An den Feld­we­gen, die von den Land­stra­ßen abge­hen, ste­hen Pro­sti­tu­ier­te. Rumä­nin­nen und Bul­ga­rin­nen. So sieht es aus, das Herz der ita­lie­ni­schen Tomatenproduktion.

    – fritz schaap in der zeit über den ver­such des gewerk­schaf­ters yvan sagnet, die mise­ra­blen bedin­gun­gen der arbei­ter in ita­li­en, v.a. der ern­te­hel­fer, zu ver­bes­sern. der sagt u.a.

    „Der Käu­fer muss wis­sen: Wenn er in den Super­markt geht und ein Kilo­gramm ita­lie­ni­sche Toma­ten für acht­zig Cent kauft, dann wur­den die­se Toma­ten von mise­ra­bel ent­lohn­ten Arbei­tern geern­tet, die man ohne Wei­te­res als moder­ne Skla­ven bezeich­nen kann.“

  • Eine wich­ti­ge Infor­ma­ti­on der Ver­ei­nig­ten Geheim­diens­te – You­Tube – Bet­ter no Let­ter: Eine wich­ti­ge Infor­ma­ti­on der Ver­ei­nig­ten Geheim­diens­te (sie­he auch: The U.S.S.A. says: BETTER NO LETTER!)
  • Uni­on kri­ti­siert Rame­low-Wahl in Thü­rin­gen: Ver­lo­ge­ne Heul­su­sen | tages​schau​.de – wow, bei der ARD & der Tages­schau ist jemand genau­so ange­wi­dert vom Ver­hal­ten der CDU in Thü­rin­gen wie ich
  • For­schung: So will doch kei­ner arbei­ten! | ZEIT ONLINE – For­schung: So will doch kei­ner an Unis arbei­ten! – Die­ses Mal mit einer Historikerin
  • Zer­schla­gen, aber im Samm­lungs­kon­text erschließ­bar: In der Baye­ri­schen Staats­bi­blio­thek wur­de über den Ankauf des Schott-Archivs infor­miert | nmz – neue musik­zei­tung – Zer­schla­gen, aber im Samm­lungs­kon­text erschließ­bar: Die Bestän­de des Archivs des Schott-Ver­la­ges tei­len sich künf­tig auf die Staats­bi­blio­the­ken Mün­chen und Ber­lin sowie sechs For­schungs­ein­rich­tun­gen auf. Über den Kauf­preis wur­de Still­schwei­gen vereinbart.
  • So ent­stand der Mythos der „Trüm­mer­frau­en“ – Poli­tik – Süddeutsche.de – die sz lässt sich von der his­to­ri­ke­rin leo­nie tre­ber noch ein­mal erklä­ren, woher die „trüm­mer­frau­en“ kommen:

    Es wur­de ein äußerst posi­ti­ves Bild die­ser Frau­en ver­mit­telt: Dass sie sich frei­wil­lig und mit Freu­de in die har­te Arbeit stür­zen und den Schutt weg­räu­men, um den Wie­der­auf­bau vor­an­zu­trei­ben. Die PR war auch enorm wich­tig, weil die Trüm­mer­räu­mer – wie zuvor erwähnt – stig­ma­ti­siert waren und sol­che schwe­ren Jobs bis dahin eigent­lich nicht von Frau­en erle­digt wer­den soll­ten. Des­halb wur­de das Bild der „Trüm­mer­frau“ posi­tiv auf­ge­la­den mit den Ste­reo­ty­pen, die wir noch heu­te mit dem Begriff verbinden.

  • Main­zer Schott-Musik­ver­lag: His­to­ri­sches Archiv wird öffent­lich zugäng­lich – Rhein­land-Pfalz | SWR​.de – „opti­ma­le Erschlie­ßung“ = Zer­stö­rung des Zusam­men­hangs. Schott-Musik­ver­lag: Archiv wird öffent­lich zugänglich
  • Hat die Jugend kei­nen Ehr­geiz mehr? | Blog Maga­zin – phil­ipp tin­gler über die gegen­wart, die kul­tur und den ehr­geiz zum glück:

    Gegen­wär­tig leben wir in einer Gesell­schaft, die Selbst­per­fek­tio­nie­rung, die Arbeit am Ich, als Selbst­ge­nuss pos­tu­liert; einer der letz­ten Leit­wer­te in der irre­du­zi­blen Viel­falt der uns allent­hal­ten umge­be­nen Kon­tin­genz­kul­tur ist: Authen­ti­zi­tät. Dafür steht auch Dia­ne von Fürs­ten­berg. Die Bio­gra­fie als Pro­jekt. Wenn jetzt also plötz­lich alle aus ihrem Leben ein Kunst­werk machen wol­len, dann ist das nicht nur ein ethi­scher, son­dern auch ein sehr ehr­gei­zi­ger Impe­ra­tiv: Lebens­wel­ten und ‑for­men wer­den ambi­tio­niert durch­äs­the­ti­siert, und das Pathos der Selbst­er­schaf­fung rich­tet sich auf die bei­den gros­sen Zie­le der Post­wachs­tums­ge­sell­schaft: Spass und Glück.
    […] Wir sehen also, dass Ehr­geiz durch­aus nicht ver­schwun­den ist, son­dern sich nur ver­irrt hat.

    sei­ne the­ra­pie ist übri­gens ziem­lich ein­fach (und wahr­schein­lich gar nicht so ver­kehrt): selbst­iro­nie als die „schöns­te Form der Eigenliebe“

  • Duden | Kon­rad-Duden-Preis 2014 geht an Dama­ris Nüb­ling | – Der Kon­rad-Duden-Preis 2014 geht an @DFDmainz-Projektleiterin Dama­ris Nübling
  • E‑Books: Wir sind die Fähr­ten­le­ser der neu­en Lite­ra­tur – Bücher – FAZ – elke hei­ne­mann über die viel­falt der neu­en (klei­ne) e‑book-ver­la­ge:

    Dich­tung ist längst auch digi­tal: Auf der Suche nach E‑Books abseits des Main­streams führt der Weg in Deutsch­land vor allem nach Ber­lin. Doch die enga­gier­ten Spe­zi­al­ver­la­ge haben auch spe­zi­el­le Probleme. 

  • Gen­der-Debat­te: Anschwel­len­der Ekel­fak­tor | ZEIT ONLINE – wun­der­bar: robin det­je rech­net gna­den­los mit den kolum­nen­het­zern #ulfha­rald­jan­mat­thi­as aber (scha­de nur, dass das bei der @Zeit wie­der nie­mand lesen wird und harald des­halb wei­ter die leser­schaft ver­gif­ten darf):

    Heu­te tobt die Schluss­strich­de­bat­te Femi­nis­mus. Ende: nicht abzu­se­hen. Altern­de Män­ner an vor­ders­ter Front. Hoher Unter­hal­tungs­wert, aber auch anschwel­len­der Ekel­fak­tor. Die Argu­men­ta­ti­on wie­der fas­zi­nie­rend: Femi­nis­mus gibt es inzwi­schen doch schon so lan­ge, das nervt, Frau­en ner­ven ja immer, und die Frau­en wol­len offen­bar tat­säch­lich, dass wir Män­ner unser Ver­hal­ten ändern, wes­halb jetzt wir die eigent­li­chen Opfer sind.
    […] Und des­halb husch, husch, ihr all­män­ner­mäch­ti­gen Dis­kurs­be­herr­scher, zurück in eure Eck­knei­pe. Die jetzt lei­der von einem Gen­der-Stu­dies-Les­ben‑, Tran­sen- und X‑trupp über­nom­men wird, und ihr schiebt für eine Wei­le in der Küche Abwaschdienst.

    Ent­schul­di­gung, aber das wird man sich als auf­ge­klär­ter, älte­rer deut­scher Mann doch noch wün­schen dürfen.

  • “Femi­nis­mus kann nie­mals Life­style sein” • Denk­werk­statt – gabrie­le mich­alit­sch im inter­view mit eini­gen sehr rich­ti­gen beobachtungen:

    Femi­nis­mus kann nie­mals Life­style sein, Femi­nis­mus ist immer poli­tisch. Wenn die Medi­en eine sol­che Dis­kus­si­on befeu­ern, ist das eine Form von Anti­fe­mi­nis­mus und der Ver­such, den Begriff Femi­nis­mus zu ver­ein­nah­men, ihm sei­ne poli­ti­sche Rele­vanz abzu­spre­chen. Femi­nis­mus war zudem nie män­ner­feind­lich, er wur­de immer auch von Män­nern mit­ge­tra­gen. Wenn, dann wen­det er sich gegen bestimm­te Kon­zep­tio­nen von Männ­lich­keit – wie auch Weib­lich­keit. Wäre die­ser angeb­lich neue Femi­nis­mus nicht Gegen­stand öffent­li­cher Debat­ten, müss­ten wir uns erst gar nicht damit aus­ein­an­der­set­zen – in mei­nen Augen ist das eine anti­fe­mi­nis­ti­sche Strategie.

    und spä­ter auf den punkt gebracht: 

    Wenn Femi­nis­mus auf Kar­rie­re mit Kin­dern redu­ziert wird, ist das das Ende des Feminismus.

Dämonen und andere Chorkunst von Adriana Hölszky

cover„Gemäl­de eines Erschla­ge­nen“, „Dämo­nen“, „Jagt die Wöl­fe zurück“ – schon die Titel ver­ra­ten, dass Adria­na Höl­sz­kys Musik sich nicht mit beschau­li­cher Besin­nung auf­hält. Aus Live-Auf­nah­men von der musi­ca viva haben der Baye­ri­sche Rund­funk und Neos jetzt eine CD vor allem mit Chor­mu­sik zusam­men­ge­stellt. Und die fängt gleich über­wäl­ti­gend, ganz groß an: 72 Stim­men ver­langt das „Gemäl­de eines Erschla­ge­nen“ von 1993, das auf einem Text von Jakob Micha­el Rein­hard Lenz beruht. Davon schnappt man immer wie­der Wor­te, ein­zel­nen Sil­ben, kur­ze Satz­tei­le auf. Ins Zen­trum des Tru­bels einer Mord­sze­ne führt die Musik, hin­ein in die klang­lich bedrü­cken­de und ein­drück­li­che Schil­de­rung einer Tötung eines Wehr­lo­sen. Damit ist das „Gemäl­de eines Erschla­ge­nen“ eine Musik, der man sich aus­lie­fern muss – und die einen dann in die­ser Auf­nah­me mit dem von Gus­taf Sjök­vist vor­züg­lich geführ­ten Chor des Baye­ri­schen Rund­funks mit emo­tio­na­ler Gewalt umzin­gelt: Grau­en und Schre­cken kann sie dem Hörer leh­ren und vege­gen­wär­ti­gen, ihn – kör­per­lich ganz unbe­schä­digt und ent­spannt – mit­ten durch die­se dump­fe Sze­ne men­ch­li­scher Abgrün­de führen.

Auch die „Dämo­nen“ sind wie­der groß notiert: Statt 72 sind es immer­hin noch 48 ein­zeln notier­te Stim­men, die Hölz­sky dem Chor vor­legt. Wie­der­um wird die Spra­che auf­ge­löst – und wie­der­um ist das inhalt­lich begrün­det. Die­ses Mal – „Dämo­nen“ ist ein Auf­trags­werk für das Mozart­jahr 2006 der Salz­bur­ger Fest­spie­le – sind es die inne­ren Stim­men Don Gio­van­nis bei sei­ner Höl­len­fahrt, die sie ver­tont. Das sind wahr­haft dämo­ni­sche, sehr geheim­nis­vol­le Stim­men total ver­wirr­ter Gedan­ken, die sich eben auf kei­nen fes­ten Text mehr zurück­füh­ren las­sen. Aus ein­zel­nen klang­li­chen und sprach­li­chen Ereig­nis­sen, die als Impuls­ge­ber die­nen, ent­fal­tet die Kom­po­nis­tin fas­zi­nie­ren­de Psy­cho­gram­me en minia­tu­re, die zusam­men das plas­ti­sche klang­li­che Abbild einer rau­en, zer­wühl­ten und ver­leb­ten See­le geben. Und genau so rabi­at, roh und ver­wil­dert lässt der Chor des Baye­ri­schen Rund­funks, der hier in einem Mit­schnitt der deut­schen Erst­auf­füh­rung zu hören ist, das auch klin­gen – ganz großartig!

Fast natur­wis­sen­schaft­lich begrün­det wirkt dage­gen „For­mi­ca­ri­um“, dass auf der Beob­ach­tung von Amei­sen­völ­kern beruht. Auch hier sind die vie­len Stim­men des Chor des Baye­ri­schen Rund­funks bei der Urauf­füh­rung (fast) immer in Bewe­gung. Klei­ne Par­zel­len unter­schied­lichs­ter Stru­ku­ren lösen ein­an­der ab. Immer wie­der kann man dabei die Auf­lö­sung von ein­zel­nen Klang­grup­pen hören, kann man mit­er­le­ben, wie die ganz ohne Text funk­tio­nie­ren­de­nen, streng orga­ni­sier­ten, weit auf­ge­fä­cher­ten flä­chi­gen Klän­ge in ein kraft­vol­les, aber weit­ge­hend chao­tisch erschei­nen­des dich­tes Gewu­sel der in Grup­pen geord­ne­ten Stim­men auf­bre­chen – wie in einem Amei­sen­stock eben. Über­haupt zeich­net das die hier vom Chor des BR so enga­giert auf­ge­führ­ten Chor­wer­ke alles aus: Die Ver­bin­dung von oft weit auf­ge­split­te­ten, ver­zweig­ten und kom­plex orga­ni­sier­ten Abschnit­ten – die Stim­men­zahl der Chö­re gibt einen Hin­weis – mit oft ganz dicht und eng, um Nuan­cen des Klangs und der Erfah­rung rin­gen­den Klangbildern.

Ergänzt wird das auf die­ser for­mi­da­blen CD noch um zwei instru­men­ta­le Wer­ke, die eben­falls im Rah­men der Mün­chenr „musi­ca viva“ auf­geom­men wur­den: „on the other side“, ein klei­nes Kon­zert für Kla­ri­net­te, Har­mo­ni­ka, Akkor­de­on und Orches­ter sowie die Arbeit „Jagt die Wöl­fe zurück“ für sechs Schlagzeuger.

Adria­na Höl­sz­ky: Chor­wer­ke und ande­res 1993–2010 (musi­ca viva Vol. 19). Neos Music 2014

(zuerst erschie­nen in „Chor­zeit – Das Vokal­ma­ga­zin“, Aus­ga­be 12/​2014)

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