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Schlagwort: regen

Regen

War­um fällt jetzt die­ser Regen? Arno Schmidt, Zet­tel 10505 zu „Julia“

Arno Schmidt, Zet­tel 10505 zu „Julia“

Arbeitsplatz (9)

Unver­hofft fand ich mich in einem Kerb­got­tes­dienst, der nicht – wie es anläss­lich eines Fes­tes zur Kirch­wei­he ja zu erwar­ten wäre – in der Kir­che, son­dern im Fest­zelt auf dem Dorf­platz statt­fand, wie­der. Da durf­te ich dann auf dem E‑Piano klim­pern. Aber die Gemein­de hat wenigs­tens kräf­tig mit­ge­sun­gen. Was man auf dem Bild nicht sieht: Den Regen, der auf das Zelt­dach und an die Wän­de pras­sel­te. Und der über­all durch­tropf­te – unter ande­rem auch auf den Altar. Das Instru­ment (und ich) blieb vom Was­ser glück­li­cher­wei­se verschont.

kerbgottesdienst brensbach

Sonntagsausfahrt

Am Sonn­tag­nach­mit­tag war ich noch kurz mit dem Lie­ge­rad im Oden­wald unter­wegs. Dass es der Oden­wald war, sieht man sofort am Geschwindigkeitsdiagramm:

Tempodiagramm

Tem­po­dia­gramm

Auf­grund des Wet­ters wur­de es kei­ne beson­ders lan­ge Aus­fahrt. Dabei hat­te es ganz gut ange­fan­gen: Von Erbach aus über Erbuch nach Bull­au hinauf—fast die gan­ze Zeit hat­te ich zwei Renn­rad­ler im Blick­feld vor mir, mal etwas näher, dann wie­der etwas wei­ter weg. Aber die hat­ten es ganz offen­bar nicht beson­ders eilig, sonst hät­te sie mich bei den Berg­auf­fahr­ten eigent­lich locker abhän­gen kön­nen und sol­len. Kurz vor Bull­au haben sie es dann geschafft—da war ich schon etwas aus­ge­powert und fuhr eine Wei­le in einem sub­op­ti­ma­len Gang …

Von Bull­au bin ich dann durch den Wald am Bullau­er Bild hin­über zum Würz­ber­ger Jägertor—das war eine aben­teu­er­li­che Sache. Das ist zwar ein offi­zi­el­ler Rad­weg. Aber mit einem Fahr­rad kaum ver­nünf­tig zu befah­ren, zumin­dest nicht in einem halb­wegs ordent­li­chen Tem­po. Drei Voll­brem­sun­gen mit ein­mal bei­de Füße auf den Boden habe ich gebraucht: Wenn die­ser Weg nicht total hän­gend nach allen Sei­ten ist, dass man kaum einen Pfad zum Fah­ren fin­det, ist er mit Schlag­lö­chern über­setzt. Und die Schlag­lö­cher sind hier rich­ti­ge Gru­ben, in denen ich pro­blem­los mein Hin­ter­rad ver­sen­ken hät­te können—nur wäre ich dann wohl nciht mehr hin­aus­ge­kom­men. Zum Glück hat es aber immer noch gera­de so geklappt. Nur die bei­den älte­ren Damen kurz vor Würz­berg waren dann total über­rascht, als ich von hin­ten anrauschte—obwohl ich kräf­tig (soweit das ging …) klin­gel­te und mein Rad auf der schlech­ten Schot­ter­pis­te ganz schön schepperte …

Kaum war ich wie­der auf asphal­tier­ten Wegen, fing es dann an zu regnen—und zwar ziem­lich kräf­tig. Am Abzweig zur Man­gels­bach habe ich dann sozu­sa­gen die Not­brem­se gezo­gen und mich erst ein­mal eine knap­pe hal­be Stun­de in die Bus­hal­te­stel­le ver­krü­melt. Denn als nächs­tes stand die Abfahr über die B47 nach Michel­stadt hin­un­ter auf dem Plan—und die ist selbst bei guten Ver­hält­nis­sen anstren­gend: Schnell, eini­ge enge Kurven—und vor allem viel Ver­kehr. Zum Glück hat es dann irgend­wann deut­lich nach­ge­las­sen, mei­ne Geduld war näm­lich längst am Ende. Also zog ich mei­ne Jacke über und habe es gewagt. Die Abfahrt war dann stel­len­wei­se heikel—oder kam mir zumin­dest so vor. Mit knapp 60 km/​h auf regen­nas­ser Fahr­bahn, teil­wei­se noch von den Autos ein­ge­ne­belt: Das war für mei­ne beschei­de­nen Fahr­küns­te grenz­wer­tig. Es hat aber alles geklappt, ich bin heil und glück­lich unten ange­kom­men und war ja dann auch kurz dar­auf schon wie­der zu Hau­se. Aber die dunk­len Wol­ken am Him­mel hat­ten mir die Lust auf die eigent­lich geplan­te wei­te­re Schlei­fe ausgetrieben …

wieder auf den rhein

sie sol­len ihn nicht haben
den frei­en deut­schen Rhein
ob sie wie gie­ri­ge Raben
sich hei­ser danach schrein

So lang er ruhig wallend
sein grü­nes Kleid noch trägt
so lang ein Ruder schallend
In sei­ne Woge schlägt

Sie sol­len ihn nicht haben,
den frei­en deut­schen Rhein,
so lang sich Her­zen laben
an sei­nem Feuerwein

so lang in sei­nem Strome
noch fest die Fel­sen stehn,
so lang sich hohe Dome
in sei­nem Spie­gel sehn

Sie sol­len ihn nicht haben
Den frei­en deut­schen Rhein

so schrieb niko­las becker 1840. dar­an muss­te ich den­ken, als ich heu­te nach lan­ger abs­ti­nenz mal wie­der mein boot zu was­ser ließ (es war ziem­lich ein­ge­staubt im boots­haus inzwi­schen …). schön war’s wie­der, gemüt­lich auf dem gro­ßen strom unter­wegs zu sein. auch wenn die blö­den was­ser-motor­rä­der oder wie auch immer sie hei­ßen einen hei­den­lärm ver­st­an­stal­tet haben. mei­ne klei­ne tour führ­te mich nur bis gins­heim und wie­der zurück – knapp zwei stun­den rei­chen für den wie­der­ein­stieg. zumal das wet­ter es span­nend mach­te: beim start war es zwar etwas bewölkt, aber noch sehr freund­lich. der leich­te wind frisch­te dann auf und brach­te regen- und gewit­ter­wol­ken mit sich. schön war das, dem wet­ter­wech­sel zuzu­schau­en: wie der him­mel und die luft die typi­sche vorregen/​gewitterfärbung zwi­schen gelb, grau und stahl­blau annahm. wie dann der rhein­gau im regen ver­schwand. und wie die regen­wand immer näher kam, anfing mainz zu ver­schlu­cken. ich dach­te zunächst noch, ich käme unge­scho­ren davon. aber kurz ober­halb der eisen­bahn­brü­cke süd zog die regen­wol­ke dann auch über mich hin­weg – so schlimm war es aber gar nicht. und kurz vorm anlan­den hör­te es auch schon wie­der auf … jetzt müs­sen sich aus­nahms­wei­se heu­te mal die arme erholen …

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