Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Schlagwort: literatur Seite 1 von 6

Ins Netz gegangen (7.3.)

Ins Netz gegan­gen am 7.3.:

  • „Soli­da­ri­tät gegen Ama­zon ist eine gro­ße Schi­mä­re“ | Welt → zwar in der „welt“, aber trotz­dem ein sehr tref­fen­des inter­view mit klaus schöff­ling – das liegt aber vor allem eben an schöff­ling ;-). anlass war die insol­venz von KNV, aber es geht auch/​eher um grund­le­gen­de fra­gen des buchmarkts

    Ich weiß nicht, ob man jetzt nach dem Staat rufen muss. Rich­tig bekla­gen kann sich die Buch­bran­che, die ja auch mit der Buch­preis­bin­dung vom Staat geschützt wird, eigent­lich nicht.

  • Desi­re paths: the illi­cit trails that defy the urban plan­ners | Guar­di­an → ein schö­ner bei­trag über tram­pel­pfa­de im urban­den raum und die mög­lich­keit, sie zur pla­nung von weg­ver­bin­dun­gen zu nutzen
  • Die Hand­schrift stirbt aus | Due Ores­se → ein kur­zer über­blick, wie es (öster­rei­chi­sche) kom­po­nis­ten mit dem schrei­ben ihrer par­ti­tu­ren halten
  • Was hält Demo­kra­tien zusam­men? | NZZ → aus anlass des todes von böcken­för­de wie­der her­vor­ge­holt: die sehr schö­ne, kla­re und deut­li­che ein­ord­nung des böcken­för­de-theo­rems in die deut­sche gesh­cich­te des 20. jahrhunderts
  • Die­se Aben­de sind eine Qual | Zeit → flo­ri­an zinne­cker hat für die „zeit“ ein net­tes inter­view mit igor levit über die elb­phil­har­mo­nie und ihre akus­tik geführt – und levit bleibt wie­der ein­mal cool und überlegen
  • Wada­da Leo Smith Pays Tri­bu­te to Rosa Parks in New Album | Qwest → inter­view mit dem gro­ßen Wada­da Leo Smith, in dem er unter ande­rem dar­über spricht, war­um er den begriff „impro­vi­sa­ti­on“ nicht mag:

    Impro­vi­sa­ti­on was strong in the late ‘60s and ear­ly ‘70s. But then it got very pol­lu­ted, like you can put ever­y­thing into per­forming that you want to. There’s no lea­der­ship, no gui­dance. It’s nowhe­re near the way of Lou­is Arm­strong, Duke Elling­ton, Miles Davis, Bes­sie Smith or Abbey Lin­coln who were all right in terms of crea­ting oppor­tu­ni­ties in their music. The peo­p­le cal­ling them­sel­ves impro­vi­sers today are like a soup. You can add ever­y­thing in at once and cook it. But that’s a bad soup. You need to cook various por­ti­ons and add in dif­fe­rent things like spi­ces which is what making music in the pre­sent is meant to be. It’s like what the Crea­tor crea­ted in the begin­ning. It’s authen­ti­ci­ty. You’re brin­ging some­thing into being.

spinnennetz vor natur

Ins Netz gegangen (4.10.)

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  • Why I Don’t Trust the Cloud | Poet­ry Foun­da­ti­on → ken­neth golds­mith, der betrie­ber des wun­der­ba­ren Ubu­Web, erklärt, war­um man die Cloud mit einer Por­ti­on Skep­sis betrach­ten sollte:

    I love the idea of the cloud, but I hate the rea­li­ty of it. The rea­li­ty of it is not­hing like what’s been pro­mi­sed to us. Trus­ting the cloud is a mista­ke: it’s too cen­tra­li­zed, too easi­ly blo­cked, too easi­ly con­trol­led. And it’s pri­va­ti­zed, owned, and admi­nis­tra­ted by someone other than you.

  • Zehn The­sen für den alten Frit­zen | FR → olga mar­ty­n­o­va schreibt über (gegenwarts-)literatur und den umgang mit ihr. zum beispiel:

    Kol­lek­ti­ve Fra­ge­stel­lun­gen und kol­lek­ti­ve Über­zeu­gun­gen sind immer in ihrem Kern falsch. Das ein­zi­ge, was die Lite­ra­tur einem Leser schul­dig ist: sei­nen indi­vi­du­el­len Men­schen aus dem Ker­ker des kol­lek­ti­ven Men­schen zu befreien. 

  • Die Theo­rie der Fil­ter­bla­sen ist nicht län­ger halt­bar – Wir lei­den bereits unter dem Fil­ter-Clash | NZZ → pörk­sen argu­men­tiert hier, dass die fil­ter­bla­sen gar nicht so pro­ble­ma­tisch sei­en, weil sie eben gar nicht funk­tio­nie­ren, son­dern die ver­schie­de­nen zir­kel in den infor­ma­tio­nen vehe­ment aufeinanderprallen

    Das Denk­bild der Fil­ter­bla­se ist irre­füh­rend – und zwar gleich aus meh­re­ren Grün­den. Zum einen wider­spricht die Idee der von Algo­rith­men deter­mi­nier­ten Extrem­ab­schot­tung der all­täg­li­chen Erfah­rung. […] Zum ande­ren wider­spricht die Fil­ter­bla­sen­idee den Grund­ein­sich­ten der Netz­werk­theo­rie, über die seit den 1970er Jah­ren dis­ku­tiert wird. Man weiss: Schwa­che Ver­bin­dun­gen und locke­re Bezie­hun­gen (soge­nann­te weak ties im Sin­ne der Netz­werkso­zio­lo­gie) sind eben des­halb so nütz­lich, weil sie einen mit unter­schied­li­chen, unbe­kann­ten und gänz­lich uner­war­te­ten Infor­ma­tio­nen kon­fron­tie­ren. Und das Netz ist das Bezie­hungs­uni­ver­sum der schwa­chen Ver­bin­dun­gen. […] Die Wahr­schein­lich­keit, mit unter­schied­li­chen Infor­ma­tio­nen kon­fron­tiert zu wer­den, steigt in sol­chen Netz­wer­ken mit schwa­chen Ver­bin­dun­gen rasant an. […] Und schliess­lich wider­spricht die Theo­rie der Fil­ter­bla­se den inzwi­schen publi­zier­ten empi­ri­schen Stu­di­en, die in immer neu­en Vari­an­ten und Varia­tio­nen zwei­er­lei zei­gen: Ers­tens ist unser Infor­ma­ti­ons­uni­ver­sum sehr viel viel­fäl­ti­ger als gedacht, trotz der per­so­na­li­sier­ten Infor­ma­ti­ons­aus­wahl. Zwei­tens ist das, was Fil­ter­bla­se genannt wird, immer auch ein Sym­ptom unse­res Infor­ma­ti­ons­ver­hal­tens, Indiz unse­rer eige­nen Inten­tio­nen und Faszinationen.

  • The Coders Pro­gramming Them­sel­ves Out of a Job | Atlan­tic → ein schö­ner erklär­text über pro­gram­mie­rer, die sich selbst über­flüs­sig machen – weil sie ihre arbeit auto­ma­ti­sie­ren, d.h. pro­grm­a­mie­ren – und dann nichts mehr zu tun haben. und über die gesell­schaft­li­chen, ethi­schen und wirt­schaft­li­chen auswirkungen,die das haben kann/​wird
zaun im schnee

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  • Düs­sel­dor­fer Ver­klä­rung | Begleit­schrei­ben → anläss­lich der „Düs­sel­dor­fer Erklä­rung“ der klein(eren) ver­la­ge und den wunsch nach för­de­rung und prei­se für die immense kul­tu­rel­le (sie behaup­ten sogar, es sei eine künst­le­risch) leis­tung die­ser ver­la­ge schlägt gre­gor keu­sch­nig vor, gleich nägel mit köp­fen zu machen:

    Aber es gibt noch Stei­ge­rungs­po­ten­ti­al. Wie wäre es mit einem Auf­ruf, den Leser, die Lese­rin mit einem adäqua­ten Preis staat­lich zu unter­stüt­zen? Die Kri­te­ri­en für die Preis­ver­ga­be sind leicht zu eru­ie­ren: Der preis­wür­di­ge Leser, die preis­wür­di­ge Lese­rin, muss min­des­tens 50 Bücher im Jahr lesen (3 davon Lyrik und min­des­tens 20% von soge­nann­ten unab­hän­gi­gen Ver­la­gen). Er/​Sie ver­steht sein Tun als künst­le­ri­sche Leis­tung. Ein Dienst an der Literatur.

  • Wie ich bei­na­he ein Pla­gi­at ent­hüll­te | Zeit → eine net­te geschich­te über (klas­si­sche) musik und die ver­wir­rung, die fal­sche met­da­da­ten bei strea­ming­diens­ten aus­lö­sen kön­nen, hat gabri­el yoran hier aufgeschrieben
  • Bür­ger­meis­ter, fangt ein­fach an! | Zeit → ste­fan ramm­ler for­dert nicht ganz zu unrecht dazu auf, bei der ver­kehrs­po­li­tik und vor allem der ver­kehrs­wen­de nicht immer nur auf die bun­des­po­li­tik zu star­ren und zu war­ten, son­dern auch lokal und kom­mu­nal zu den­ken und vor allem zu handeln

    Es ist ja nicht so, dass klu­ge, gut ver­wo­be­ne und lang­fris­tig aus­ge­rich­te­te Kon­zep­te für einen zukunfts­ge­rech­ten Umbau des Mobi­li­täts­sys­tems in Deutsch­land fehl­ten. Man wüss­te sehr wohl, wie es gin­ge – man will es aber nicht wol­len oder glaubt, es nicht wol­len zu kön­nen. Noch immer haben die Han­deln­den nicht ver­stan­den, dass das Behar­ren beim Alten oder wei­te­re Inno­va­tio­nen in der fos­si­len Mas­sen­mo­to­ri­sie­rung eben gera­de nicht die Zukunft der deut­schen Auto­in­dus­trie sichern. 

  • Die Köni­gin des poe­ti­schen Eigen­sinns | Zeit → micha­el braun wür­digt die gro­ße lyri­ke­rin elke er zu ihrem 80. geburtstag
  • Platt­form-Kapi­ta­lis­mus: „Wir müs­sen über Ver­staat­li­chung nach­den­ken“| Zeit → inter­es­san­tes inter­view mit Nick Srnicek über platt­for­men, die platt­form­öko­no­mie und die damit ver­bun­de­nen veränderungen
gefrorenes spinnennetz

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  • Inter­view: „Die Rele­vanz von Geschlecht nimmt ab“ | Cam­pus Mainz → die ger­ma­nis­ti­sche sprach­wis­sen­schaft­le­rin dama­ris nüb­ling über spra­che und geschlecht, gen­der und gerechtigkeit

    Lang­fris­tig wäre es gut, die Kate­go­rie Geschlecht auf­zu­lö­sen, statt sie zu dra­ma­ti­sie­ren. Das funk­tio­niert neben dem Streu­en auch mit neu­tra­li­sie­ren­den Pro­no­men im Plu­ral wie „alle“, „vie­le“ oder „man­che“. Außer­dem kann man auch anstel­le von Per­so­nen­be­zeich­nun­gen abs­trak­te­re Begrif­fe ver­wen­den, zum Bei­spiel: „Das Insti­tut hat ent­schie­den“ anstel­le von „Der Insti­tuts­lei­ter hat ent­schie­den“ und so weiter.
    Aller­dings kommt das immer auf den Kon­text an. Fes­te Rezep­te gibt es nicht, Krea­ti­vi­tät ist gefragt. Dazu gehö­ren auch die zuneh­men­den Prä­sens­par­ti­zi­pi­en im Plu­ral wie „Stu­die­ren­de“. Sin­gu­la­re wie „der Stu­die­ren­de“ tau­gen dage­gen nicht, da Sin­gu­la­re immer mit Genus auf­ge­la­den sind. Mei­ne Erfah­rung ist, dass es weni­ger eine Fra­ge der Mög­lich­kei­ten als des Wil­lens ist. 

  • Kul­tur­gut Buch – brö­ckelt der Mythos? | Deutsch­land­funk Kul­tur → ein nach­denk­li­ches inter­view mit jörg sun­dermei­er vom famo­sen ver­bre­cher-ver­lag zur lage des buch­mark­tes und der lite­ra­tur im ganz allgemeinen

    Ich glau­be, momen­tan ist eher das Pro­blem nicht so sehr, dass die Leu­te nicht lesen wol­len oder nicht lesen kön­nen, son­dern dass es ein biss­chen demi mode ist, und ich habe aber den Ein­druck, dass es sich ändert und dass das Lesen wie­der zurückkommt,

  • „Gewon­nen hat die deut­sche Nati­on“ | Zeit → noch ein älte­res inter­view, das schon lan­ge in mei­ner lese­lis­te schlum­mert: georg schmidt spricht über den drei­ßig­jäh­ri­gen krieg (die leser­kom­men­ta­re igno­riert man aber besser …)
  • The Ulti­ma­te Pro­duc­ti­vi­ty Blog → groß­ar­tig, sehr tref­fend auf den punkt gebracht
  • Abwe­sen­heit als Kri­se | Sozi­al­theo­ris­ten → span­nen­de über­le­gun­gen von ste­fan kühl zum pro­blem der anwe­sen­heits­kon­trol­len an universitäten

    Selbst in Über­wa­chungs­prak­ti­ken begab­te Leh­ren­de wer­den fest­stel­len, dass sie trotz ein­zel­ner Sie­ge über beson­ders auf­fäl­li­ge Drü­cke­ber­ger am Ende die­se Kon­troll­kämp­fe ver­lie­ren wer­den. Die Krea­ti­vi­tät von Stu­die­ren­den beim Erfin­den von Wegen, die­se Kon­trol­len zu unter­lau­fen, wird immer grö­ßer sein als die Krea­ti­vi­tät von Leh­ren­den im Erfin­den neu­er Wege der Kon­trol­le. Anwe­sen­heits­lis­ten sind des­we­gen ein stump­fes Schwert, um das Leis­tungs­ni­veau von Stu­die­ren­den anzu­he­ben. […] Das Pro­blem der Abwe­sen­heit von Stu­die­ren­den ist also nicht vor­ran­gig ein Pro­blem der Qua­li­tät der Leh­ren­den, son­dern liegt viel­mehr in der Gestal­tung der Stu­di­en­gän­ge selbst […] Statt auf das Pro­blem der Abwe­sen­heit mit dem eher bra­chia­len Mit­tel der Anwe­sen­heits­lis­te zu reagie­ren, gäbe es eine Alter­na­ti­ve. Man könn­te chro­ni­sche Abwe­sen­hei­ten – oder Anwe­sen­hei­ten, die nur über Anwe­sen­heits­lis­ten durch­ge­setzt wer­den kön­nen – als ein Zei­chen dafür sehen, dass irgend­et­was in dem Stu­di­en­gang nicht stimmt. 

  • Trump ist der Geburts­hel­fer von „Me Too“ | SZ → eine gute – und wie mir scheint, sehr tref­fen­de – ein­ord­nung von hed­wig rich­ter der #MeToo-bewe­gung in den wan­del von män­ner-/männ­lich­keits­bil­dern und die geschich­te der gleichberechtigung

    Die Empö­rung über die Gewal­ti­gen, die sich der Lei­ber der ande­ren bedie­nen, ist mehr als ein Hash­tag und etwas ande­res als eine Hetz­jagd. Sie ist das Ende der letz­ten Selbst­ver­ständ­lich­keit: Das Zwei­fel- und Beden­ken­lo­se einer männ­li­chen Herr­schaft, das in die Kör­per ein­ge­schrie­ben war, scheint end­gül­tig außer Kraft gesetzt zu sein.

  • The Hori­zon of Desi­re | Longreads → ein her­vor­ra­gen­der essay von lau­rie pen­ny über kon­sens, rape cul­tu­re, männ­lich- und weib­lich­keit und die damit ein­her­ge­hen­den (ste­reo­ty­pen) erwar­tun­gen an das ver­hal­ten beim sex

    Rape cul­tu­re is not about demo­ni­zing men. It is about con­trol­ling fema­le sexua­li­ty. It is anti-sex and anti-plea­su­re. It tea­ches us to deny our own desi­re as an adap­ti­ve stra­tegy for sur­vi­ving a sexist world. […] But unless we talk about desi­re, about agen­cy, about con­sent, then we’ll only ever be fight­ing this cul­tu­re war in retre­at. It’s a real war, one that impacts our bodi­ly auto­no­my and our eco­no­mic and poli­ti­cal power. The batt­le for fema­le desi­re and agen­cy goes way bey­ond the bed­room, and it’s a batt­le that right now ever­yo­ne is losing. 

frey, henrici (cover)

Das Fundament

„Ich baue beim Bau mei­nes Hau­ses ganz auf mei­ne Haus­au­to­ren, sie sind das Fun­da­ment mei­nes Ver­lags“, sag­te Enge­ler zu Hen­ri­ci, als sie zusam­men in die Bau­gru­be blick­ten, wo eini­ge Schrift­stel­ler eben damit beschäf­tigt waren, mit einer Ner­ven­sä­ge Wör­ter zu zer­le­gen. Die zu wir­ren Hau­fen auf­ge­schich­te­ten Bau­stei­ne wur­den von den werk­mü­di­ger­wei­se damit beauf­trag­ten Ana­gram­ma­ti­kern so zusam­men­ge­schot­tert, dass
sie min­des­tens bis zum Richt­fest fast fest­ge­mau­ert in der Rede ste­hen wür­den. „Haus­au­to­ren sind zwar fundan1ental“, sag­te Hen­ri­ci, „aber ich bin beru­higt zu sehen, dass du nicht so sehr auf sie baust, dass du sie ein­mau­erst.“ Enge­ler warf ihm einen etwas miss­traui­schen Blick zu und mein­te: „Unser gan­zer Fun­dus ist aus­schliess­lich men­tal, aller­dings mehr orna­men­tal als instru­men­tal, und weni­ger monu­men­tal als expe­ri­men­tal. Des­halb kom­men wir auch ohne Zement aus. Die Wän­de mögen wie Papier aus­se­hen, aber sie sind mit Blei­stif­ten armiert. Das Haus ruht, wie du bemerkt haben wirst, auf fes­ten Grund­sät­zen, denn wir wer­den jetzt häus­lich, ganz ohne Feld‑, Wald- und Wie­sen­poe­sie. Es beginnt ein neu­er Abschnitt.“ „Man könn­te fast sagen: ein Umbruch“, pflich­te­te ihm Hen­ri­ci bei, „sogar noch bevor alles gestri­chen ist.“ —Hans-Jost Frey, Hen­ri­ci, 11

fischnetz

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Ins Netz gegan­gen am 13.10.:

  • „Ich lie­be die Gipsy Kings“ | taz → ein schö­nes, unprä­ten­tiö­ses inter­view mit alvin lucier
  • Main­zer Anti-Doping-Exper­te zieht sich zurück | JGU → der main­zer anti-doping­for­scher peri­kles simon hat kei­ne lust mehr:

    „Die Insze­nie­rung des Anti-Doping-Kamp­fes gehört fest zum Spit­zen­sport“, sagt Prof. Dr. Dr. Peri­kles Simon. „An Kri­tik wird zuge­las­sen, was gera­de unbe­dingt sein muss. Dann folgt immer der­sel­be Reflex: Es gibt ein Demen­ti. Es heißt, es sei alles gar nicht so schlimm.“ 

  • Ein­drü­cke von der Frank­fur­ter Buch­mes­se 2017 | alba­tros → ein schö­ner (sub­jek­ti­ver) ein­druck von der frank­fur­ter buch­mes­se, in dem es nicht so sehr um ein­zel­ne bücher und autorin­nen geht, son­dern um das grö­ße­re – die ver­la­ge, das lesen (und dan­kens­wer­ter­wei­se auch nicht nur um belletristik …)
  • Die Kul­tur­na­ti­on zappt weg | Zeit → mely kylak stellt die rich­ti­gen fragen:

    Was genau macht denn eigent­lich eine Kul­tur­na­ti­on zu einer Kul­tur­na­ti­on, wenn die Autoren, Künst­ler und Intel­lek­tu­el­len nicht mal an Tagen, an denen sie die höchs­ten Aus­zeich­nun­gen des Lan­des erhal­ten, zu Wort kom­men? Wie­so wer­den sie in den Abend­nach­rich­ten zwi­schen Fuß­ball­ergeb­nis­sen und Wet­ter­be­richt ver­sen­det? Wie­so ist Fuß­ball Prime­time-Pro­gramm und Deut­scher Buch­preis nicht? 

spinnennetz mit tau

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  • Literature’s Grea­test Ope­ning Lines, as Writ­ten By Mathe­ma­ti­ci­ans | Math with Bad Dra­wings → wun­der­bar: eine phan­ta­sie, wie mathe­ma­ti­ker die eröff­nungs­sät­ze berühm­ter lite­ra­ri­scher wer­ke for­mu­lier­ten, mit schö­nen ideen auch in den kommentaren 
  • Solo gegen den Strom | FAZ → ein lob­lied auf gün­ther schuh, dem gehirn hin­ter e‑scooter, der mit neu­em unter­neh­men in kür­ze einen güns­ti­gen elek­tri­schen klein­wa­gen, eine weit­ge­hen­de eigen­ent­wick­lung, anbietet
  • Al Gore’s New Movie Expo­ses The Big Flaw In Online Movie Ratings | FiveThir­ty­Eight → walt hickey und dhrumil meh­ta über die gefähr­li­chen effek­te, bewer­tun­gen – wie ama­zons imdb-score – in einer ein­zi­gen zahl zusammenzufassen:

    The demo­cra­tiza­ti­on of film reviews has been one of the most sub­stan­ti­al struc­tu­ral chan­ges in the movie busi­ness in some time, but the­re are dan­ge­rous side effects. The peo­p­le who make movies are ter­ri­fied. IMDb scores repre­sent a few thousand most­ly male review­ers who might have seen the film but may­be didn’t, and they’re influen­cing the scoring sys­tem of one of the most popu­lar enter­tain­ment sites on the planet.

  • Eine Kri­tik am Lite­ra­tur­be­trieb: Schafft die Jurys ab!| NZZ → felix phil­ipp ingold for­dert, die buch­prei­se (und ihre jurys) abzu­schaf­fen und schlägt lite­ra­tin­nen vor prei­se zwar anzu­neh­men, in der dan­kes­re­de aber ihre unsin­nig­keit zu demons­trie­ren. eigent­lich eine schö­ne idee, die er selbst frei­lich auch ein­fach hät­te umset­zen kön­nen, bei der ent­ge­ge­n­ah­me einer sei­ner zahl­rei­chen preise ;-)

    Lite­ra­tur als Kunst − man muss es deut­lich sagen − ist beim ver­blie­be­nen Lese­pu­bli­kum eben­so wenig gefragt wie bei der pro­fes­sio­nel­len Kri­tik, mit ein­ge­schlos­sen all die ande­ren Lite­ra­tur­ver­mitt­ler, die als Prä­sen­ta­to­ren, Mode­ra­to­ren oder Juro­ren, oft auch als Ver­an­stal­ter von Fes­ti­vals und immer öfter als beam­te­te Kul­tur­funk­tio­nä­re am Betrieb betei­ligt sind. Grund­sätz­lich gilt künst­le­ri­scher Anspruch in Bezug auf Stil, Kom­po­si­ti­on, Expe­ri­ment als eli­tär, und dies wie­der­um wird gleich­ge­setzt mit Lan­ge­wei­le und dreis­ter Zumu­tung − ein ver­nich­ten­des Urteil, das jeg­li­che Markt­taug­lich­keit infra­ge stellt. Ein Text soll dem­nach in ers­ter Linie unter­halt­sam, kon­sens­fä­hig und in irgend­ei­ner Wei­se anrüh­rend sein, der­weil schwie­ri­ge, for­dern­de, also im eigent­li­chen Wort­sinn inter­es­san­te Lek­tü­ren kaum noch gefragt sind.

  • The Ador­kab­le Miso­gy­ny of The Big Bang Theo­ry | Pop Cul­tu­re Detec­ti­ve → aus­nahms­wei­se eine video-emp­feh­lung, die schön aus­führ­lich zeigt, wie miso­gyn „the big bang theo­ry“ ist (nicht, dass das beson­ders über­ra­schend wäre …)
spinnennetz mit tau

Ins Netz gegangen (23.11.)

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  • #FakeN­ews jetzt auch im Feuil­le­ton? | Wolf­gang Mich­al → wolf­gang mich­al hat – aus­ge­löst von der alar­mis­ti­schen pres­se­mit­tei­lung des bör­sen­ver­ban­des und der unge­prüf­ten über­nah­me in qua­li­täts­me­di­en – mal ein biss­chen gerech­net, was die rück­zah­lung ille­gal erhal­te­ner vg-wort-gel­der für ver­la­ge eigent­lich wirk­lich bedeutet:

    Doch die noto­risch klam­me Situa­ti­on man­cher Kleinst­ver­la­ge wird vom rei­chen Bör­sen­ver­ein ja nur des­halb ins Feld geführt, weil man damit die Her­zen noto­risch klam­mer Autoren erwei­chen kann. Da traut sich dann kei­ner mehr zu fra­gen, war­um man aus­ge­rech­net klei­ne Autoren, deren Exis­tenz min­des­tens eben­so gefähr­det ist wie die Exis­tenz klei­ner Ver­le­ger, mit kul­tu­rel­len Unter­gangs­sze­na­ri­en dazu drän­gen will, auf ihre schma­len Rück­for­de­rungs­be­trä­ge (von weni­gen hun­dert Euro im Schnitt) „frei­wil­lig“ zu ver­zich­ten? War­um sprin­gen nicht die Mil­li­ar­dä­re und Mul­ti­mil­lio­nä­re Ber­tels­mann, Sprin­ger Sci­ence oder Wes­ter­mann in die Bre­sche und hel­fen ihrer angeb­lich so bedräng­ten Bran­che? Allein mit dem Jah­res­ge­winn von Ber­tels­mann könn­ten sämt­li­che Rück­for­de­run­gen der VG Wort 30 Jah­re lang begli­chen werden.

  • Öffent­li­cher Ver­kehr: Es wird eng | NZZ → an den pend­ler-bahn­hö­fen der schweiz wird es eng – weil immer mehr men­schen zugleich unter­wegs sind …
  • Wie sich das poli­ti­sche Thea­ter selbst betrügt – Ein Zwi­schen­ruf | Nacht­kri­tik → micha­el wolf hat ein­wän­de gegen das ach so tol­le, ach so wich­ti­ge, ach so gesell­schaft­lich rele­van­te theater:

    In Thea­tern wird „exem­pla­risch durch­ge­spielt, was Demo­kra­tie aus­macht: das Auf­ein­an­der­pral­len extrem unter­schied­li­cher Ansät­ze aus­zu­hal­ten – und dis­kur­siv zu kana­li­sie­ren“? Nein, ein­fach nein. Poli­ti­sches Thea­ter ist nur so weit plu­ra­lis­tisch, bis es unan­ge­nehm wer­den könn­te. Es hat kein Inter­es­se dar­an, die Band­brei­te der Hal­tun­gen einer Gesell­schaft vor­kom­men zu las­sen, die – wie eklig! – eben nicht nur aus den Guten besteht

  • Nein, die Tran­sen und die Homos sind nicht schuld an Trump | Bild­blog → guter punkt von johan­nes kram, eigent­lich selbst­ver­ständ­lich, aber gera­de trotz­dem immer wie­der auszusprechen:

    Es geht nicht um Respekt oder Tole­ranz der einen für die ande­ren, um etwas, das Mehr­heit einer Min­der­heit gönnt. Es geht dar­um, dass sich die Gesamt­ge­sell­schaft erst als kom­plett begreift, wenn alle glei­cher­ma­ßen dazugehören. 

  • Poli­to­lo­ge über Trumps Popu­lis­mus: „Er bestimmt, wer das Volk ist“ | taz​.de → gutes inter­view mit jan-wer­ner mül­ler über popu­lis­mus, nati­on, volk und den gan­zen krams/​quatsch …
  • Men­schen­rech­te: Reden wir über das Grund­ge­setz! | Zeit → bir­te förs­ter ruft dazu auf, das grund­ge­setz ernst zu neh­men und in die aktu­el­len dis­kus­sio­nen stär­ker einzubeziehen
  • 100 Jah­re rus­si­sche Revo­lu­ti­on: Revo­lu­ti­ons­ju­bi­lä­um ohne Held | NZZ → ulrich m. schmid über die schwie­rig­kei­ten der putin-regie­rung, die revo­lu­ti­ons­fei­ern des nächs­ten jah­res mit dem nächs­ten spin zu ver­se­hen (spoi­ler: lenin fällt aus, der rus­si­sche staat darf in sei­ner grö­ße und gro­ßen geschich­te ganz natio­na­lis­ti­sche wie­der auferstehen …)

Ins Netz gegangen (10.8.)

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  • Nor­bert Blüm: Natio­na­lis­mus ist Idio­tie | Süddeutsche.de → was sind das nur für zei­ten, dass ich einen text von nor­bert blüm zum lesen emp­feh­len muss …

    Natio­na­lis­mus ver­steht etwas von Macht, Glanz und Glo­ria, weni­ger von Mensch­lich­keit. Macht ist die Trieb­fe­der jed­we­der natio­na­lis­ti­scher Poli­tik. War­um soll­te ich dem Natio­nal­staat nach­trau­ern? Er ist ein Zwi­schen­spiel der Geschich­te, weder gott­ge­ge­ben noch naturgewachsen.

  • Kühl­schrän­ke gibt’s bei Kater Muschi → ein net­ter text über leben und ein­kau­fen arno schmidts in darm­stadt (1955−1958)
  • Wahl­kampf­ro­man 2016. „So wird das Leben.“ – Mar­le­ne Stre­eru­witz → „Bei der Wie­der­ho­lung der Wahl zum öster­rei­chi­schen Bun­des­prä­si­den­ten steht die Ent­schei­dung für oder gegen die Demo­kra­tie an. Mar­le­ne Stre­eru­witz erzählt in ihrem drit­ten Wahl­kampf­ro­man was die­se Ent­schei­dung im wirk­li­chen Leben bedeutet.“
  • Jour­na­list: Zeit-Online-Chef­re­dak­teur Jochen Weg­ner: „Wir sind anders“ → ein inter­es­san­tes und teil­wei­se sehr ent­lar­ven­des inter­view. mat­thi­as dani­el fin­det es z.b. (in einem fach­me­di­um! für jour­na­lis­ten) „irre“, dass zeit-online den trai­ner des dfb mit einer nicht­nach­richt (er macht wei­ter) nicht als top­the­ma hat­te …

    und immer wie­der wun­dern mich medi­en­zah­len – so „erreicht“ ze​.tt angeb­lich 10 % der bevöl­ke­rung in deutsch­land. das erscheint mir irre viel …

    und eine schö­ne bull­shit-phra­se: genaue, per­so­na­li­sier­te nut­zer­da­ten sind „ein qua­li­fi­zier­ter Kon­takt zu vie­len Lesern“

  • Lan­guage Stuff – Goog­le Dri­ve → irre vie­le (eng­lisch­spra­chi­ge) gram­ma­ti­ken irre vie­ler spra­chen, lei­der (in mei­nen stich­pro­ben) ohne ordent­li­che biblio­gra­phi­sche nach­wei­se. teil­wei­se sprach­lehr­bü­cher, teil­wei­se wissenschaftliche
  • Ohne Pflug auf den Acker – Land­wir­te pas­sen sich dem Kli­ma­wan­del an | Deusch­land­ra­dio Kul­tur → schö­nes fea­ture über den umgang von (vor­wie­gend bio-)landwirten in bran­den­burg mit dem sich ändern­den kli­ma und den damit ein­her­ge­hen­den ver­än­de­run­gen in ihrer arbeit

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