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Schlagwort: jörn rüsen

Jörn Rüsen: Historik

Für die sieb­te Aus­ga­be der stu­den­ti­schen geschichts­wis­sen­schaft­li­chen Zeit­schrift „Skrip­tum“ habe ich Jörn Rüsens His­to­rik. Theo­rie der Geschichts­wis­sen­schaft mit eini­gen weni­gen Ein­schrän­kun­gen durch­aus posi­tiv besprochen:

Trotz der hier dar­ge­leg­ten Ein­schrän­kun­gen legt Rüsen ein durch­aus zeit­ge­mä­ßes sys­te­ma­ti­sches Ver­ständ­nis der Geschichts­wis­sen­schaf­ten mit ihren Mög­lich­kei­ten und Leis­tun­gen vor. Dass vie­les davon in den letz­ten Jah­ren und Jahr­zehn­ten an ande­ren Orten – oft aus­führ­li­cher – schon ein­mal aus­ge­führt wur­de, scha­det kaum und ist wohl bei einem der­ar­ti­gen opus magnum unver­meid­lich. Denn als umfas­sen­de „Theo­rie der Geschichts­wis­sen­schaft“ bie­tet die ‚His­to­rik‘ eben eine über die Ein­zel­stu­die hin­aus­ge­hen­de sys­te­ma­tisch-syn­op­ti­sche Ver­knüp­fung bekann­ter Kon­zep­te und Theo­rie­bau­stei­ne aus Rüsen’scher Feder. Und dazu gehört eben auch, und dies ist einer der unbe­ding­ten gro­ßen Vor­zü­ge von Rüsens ‚His­to­rik‘, dass auch die Geschichts­di­dak­tik und das Pro­blem­feld Geschichts­be­wusst­sein im gesam­ten Raum des kul­tu­rel­len Lebens ele­men­ta­rer Teil sei­ner viel­di­men­sio­na­len His­to­rik sind – wie es sich für die Theo­rie einer Geschichts­wis­sen­schaft, die sich als unmit­tel­bar und unbe­dingt lebens­prak­ti­sche Wis­sen­schaft begreift, ja fast von selbst versteht. 

Zu der – recht umfang­rei­chen – Rezen­si­on geht es bit­te hier ent­lang: klick.

Aus-Lese #10

ZEIT-Geschich­te, 2/​2013: Anders leben. Jugend­be­we­gung und Lebens­re­form in Deutsch­land um 1900. 114 Seiten.

Das Heft bie­tet vor allem eines: Vie­le schö­ne Bil­der luf­ti­ger oder gar nicht beklei­de­ter Men­schen … Die Tex­te haben mich näm­lich die­ses Mal etwas ent­täuscht: Joa­chim Rad­kau haut im ein­lei­ten­den Über­blicks­ar­ti­kel erst mal kräf­tig auf alle ande­ren His­to­ri­ker aller Pro­ve­ni­en­zen ein, die die (Lebens-)Reformbewegungen der Jahr­hun­dert­wen­de sowie­so alle falsch ver­stan­den haben (im Gegen­satz zu ihm selbst). Inter­es­sant ist dann noch der Text über den „Mon­te Veri­tà“, Andre­as Molitors Text über die Darm­städ­ter Mat­hil­den­hö­he hin­ge­gen bleibt flach – wie vie­le ande­re Bei­trä­ge auch. Ins­ge­samt sicher eines der schlech­te­ren Hef­te – mit der Geschich­te einer Idee kommt die Redak­ti­on mit ihren gewohn­ten Mit­teln offen­bar nicht zuran­de: Das ist nur eine lan­ge Rei­hung von Ein­zel­phä­no­me­nen, die kaum ein gro­ßes oder nur ein grö­ße­res Bild ergeben.

Jörn Rüsen: Kann ges­tern bes­ser wer­den? Zum Beden­ken der Geschich­te. Ber­lin: Kad­mos 2003 (Kul­tur­wis­sen­schaft­li­che Inter­ven­tio­nen, Bd. 2). 160 Seiten.

Vier Essays über Geschich­te an sich, als Pro­blem und Lösung, über die Ver­ant­wor­tung von His­to­ri­kern gegen­über der Ver­gan­gen­heit, der Gegen­wart und der Zukunft – all die­se Grund­satz­fra­gen beim Nach­den­ken über und Arbeit mit und an der Geschich­te eben. Das ist alles sehr reflek­tiert, aber auch sehr tro­cken und strikt theo­re­tisch: typisch Rüsen eben … Typisch für ihn ist auch, immer von einer (exis­ten­zia­lis­ti­schen) „Anthro­po­lo­gie des His­to­ri­schen“ aus­zu­ge­hen und dar­aus sei­ne Über­le­gun­gen zu Wert und Gestalt der Geschich­te zu entwickeln.

Ger­hard Falk­ner: Per­ga­mon Poems. Gedichte+Clips (dt-en). Über­ta­gen von Mark Ander­son. Ber­lin: kook­books 20012. 64 Sei­ten + DVD.

Zu dem Per­ga­mon Poems auf Papier und Sil­ber-/Matt­schei­be habe ich die­se Woche schon ein biss­chen etwas geschrie­ben: klick.

Edgar Allan Poe: Die Geschich­te der Arthur Gor­don Pym aus Nan­tu­cket. Über­setzt von Hans Schmid, her­aus­ge­ge­ben von Hans Schmid und Micha­el Farin. Ham­burg: mare­buch­ver­lag 2008. 525 Seiten.

Ein schön gemach­tes Buch, mit aus­führ­li­chem Begleit­ma­te­ri­al, einer neu­en, gut les­ba­ren Über­set­zung mit reich­li­cher Kom­men­tie­rung (auch wenn mich die Fuß­no­ten fast ein biss­chen zu sehr ablen­ken beim Lesen des Haupt­tex­tes). Vor allem aber ein wirk­lich groß­ar­ti­ger Roman, ein Hoch­fest des unzu­ver­läs­si­gen Erzäh­lens – denn das ein­zi­ge, das sicher ist, ist, dass nichts sicher ist, was hier erzählt wird … – da hilft auch die Beteue­rung des Erzäh­lers nicht viel:

Ich berich­te die­se Umstän­de ganz detail­ge­treu, und ich berich­te sie, wohl­ver­stan­den, exakt so, wie sie uns erschie­nen. (199)

Davon darf man sich den Spaß aber nicht ver­der­ben las­sen. Im Gegen­teil, der schlitz­oh­ri­ge Erzäh­ler ist ein nicht uner­heb­li­cher Grund, war­um die­se Aben­teu­er­ge­schich­te einer See­rei­se mit blin­dem Pas­sa­gier, Meu­te­rei, Schiffs­bruch, Süd­see-Han­del, Süd­pol-Expe­di­ti­on und Kämp­fen mit Ein­ge­bo­re­nen … so unter­halt­sam daher­kommt und so ein raf­fi­nier­ter Text ist.

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