Ich glaube, da muss Sascha Lobo noch mal nachsitzen und nachlesen. So interessant seine Kolumne oft ist, die gestrige enttäuscht mich. „Ein Archiv des Grauens“ ist sie übertitel und geht eigentlich von einem folgerichtigen (und auch durchaus naheliegendem) Gedanken aus: Das Internet macht mehr und mehr Kommunikation öffentlich oder zumindest potenziell öffentlich, was wiederum heißt, dass wir mehr und mehr „Skandale“ wahrnehmen/sehen/entdecken können … Aber dazwischen schleichen sich Fehler ein. Ich finde schon das Bild des „Archivs“ nicht sehr angebracht – ein Archiv ist etwas anderes als ein (großer oder gewaltiger oder wie auch immer) Speicher – zumindest der Idee und dem Anspruch nach. Das scheint mir Lobo allerdings zu unterschlagen. Und dann natürlich mal wieder die Fehlrepräsentation des radikalen Konstruktivismus, da bin ich aber auch empfindlich ;-). Trotzdem: Aus dem (radikalen) Konstruktivismus geht noch lange nicht hervor, dass es „egal“ ist, ob man aus der Geschichte lernen kann, muss oder soll. Lobo stellt das so dar – und er ist damit nicht alleine -, als ob aus der Annahme des Konstruktivimus automatisch eine Indifferenz gegenüber der Welt einherginge. Das ist aber nicht der Fall, zumindest nicht zwangsläufig und nicht theorie-notwendig. Doch diesen Fehler wird der Konstruktivismus in der öffentlichen Wahrnehmung wohl nicht mehr los …
Schlagwort: internet
… sind – natürlich – die Verleger. Stefan Niggemeier hat (wieder einmal) sehr eloquent und treffend „Das Elend der Debatte um ARD und ZDF“ aufgeschrieben. Und da geht es natürlich auch und vor allem um die Verleger. Ihre seltsamen Gedankensprünge und ‑gänge – falls man das überhaupt noch Gedanken nennen darf. Und auch um die nicht anwesende Logik – oder, wie es bei ihm so schön heißt:
„Die Logik hat bereits vor einer Weile einen Ausreiseantrag aus der Diskussion gestellt, der offenbar jetzt genehmigt wurde.“
Er nimmt dann Stellungnahmen, Vorwürfe, Ideen und Forderungen der Zeitungs- und Nachrichten‑, d.h. Medienbranche und ihrer Chefs im einzelnen auseinander. Seine vorläufige Schlussfolgerung:
Die Verlage müssen von der (ohnehin schon reduzierten) Mehrwertsteuer befreit werden, Google muss verboten oder zur Zahlung von Lizenzgebühren verpflichtet werden, ARD und ZDF müssen das Internet verlassen, das Zitatrecht muss drastisch eingeschränkt, das kostenlose Anbieten von Informationen untersagt und die Gratis-Kultur im Internet insgesamt vernichtet werden—dann, ja dann könnten die Verlage vielleicht, möglicherweise, wenn das Wetter stimmt, in der Lage sein, auch in Zukunft Qualitätsjournalismus anzubieten, und womöglich sogar im Netz. Sonst können sie für nichts garantieren.
Und das ist, da hat er vollkommen recht, natürlich eine Steilvorlage gerade für das unbedingte Fortbestehen der öffentlich-rechtlichen Medien – ganz im Sinne der „Grundversorgung“. Und die ist unbedingt notwendig. Auch gesellschaftlich:
Warum soll es gesellschaftlich erstrebenswert sein, journalistische Inhalte nur denen zugänglich zu machen, die dafür zahlen können? Inwiefern ist es gut, wenn Menschen ohne Geld schlecht informiert werden?
Und weil Niggermeier trotzdem kein Lobbyist der ARD etc. sein will, weist er wenigenstens kurz auch auf Mängel auf deren Seite hin – etwa den Umgang mit der Kritik. Natürlich muss die BBC da wieder mal als Vorbild dienen. Also: dort komplett lesen und nicht von den lautesten Schreiern verwirren lassen.
hm. nicht schlecht: da haben sich 15 journalisten, die sich viel im & mit dem netz beschäftigen, ein paar gedanken zum netz gemacht und das ganze als Internet-Manifest veröffentlicht. zu seiner rolle für politik und gesellschaft, zur funktion und form des journalismus unter der bedingung des internet, zu freiheit und urheberrecht und so weiter. nicht perfekt, teilweise zu ungenau, teilweise zu optimistisch, teilweise zu emphatisch – aber im ganzen trotzdem nicht schlecht. schade finde ich nur, dass es eine mischung aus beobachtungen und forderungen bleibt – und nicht ganz klar ist, was daraus für wen jetzt folgen soll.
die zeit (d.h. kai biermann) hat auch gleich ein paar einwände (die ich auch wieder nicht alle unterschreiben will …)
ja wirklich, in diesem fall stimmt es: früher war alles besser. das design der online-taz fand ich früher gerade deshalb gut, weil es so schlicht, fast gar nicht vorhanden, war: da stand – wie es sich für eine webseite einer tageszeitung gehört – der text absolut im mittelpunkt. jetzt ist das anders. aber beinahe hätte ich das auch noch nicht einmal mitbekommen, nur dank der medienlese habe ich davon wind bekommen. und natürlich ist allen aufgefallen, dass die taz jetzt nicht mehr rot, sondern schwarz ist. und zwar sehr, sehr schwarz. warum? wozu? keine ahnung .… aber irgendwie passt das: man hat (manchmal) den eindruck, die taz schämt sich ihrer selbst. das war schon bei der neugestaltung der seite 1 so – da verschwand ja zum beispiel die tatze und wurde nur nach massiven protesten der leser wieder notdürftig eingeflickt. genauso ist es mit der internet-seite: die tatze und das taz-logo sind nur noch in mikroskopischer größe zu finden. dafür versucht die netz-taz auch mit viel aufwand, ihre herkunft aus der redaktion einer tageszeitung zu vertuschen: entschleunigung wollen sie (im editorial steht unter anderem das) – das sieht in der tat (auch inhaltlich) mehr wie ein magazin als eine aktuelle zeitung aus – allerdings wie ein ziemlich x‑beliebiges magazin. die leser-reaktionen sind denn auch entsprechend ablehend oder wenigstens durchwachsen. schade eigentlich …
p.s.: gerade eben ist mir noch aufgefallen: die neue seite scheint tatsächlich keinen rss-feed zu haben (mit ausnahme der blogs). wozu man das ganze dann im look des aktuellen web gestaltet, erschließt sich mir nun gar nicht mehr.
