Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Schlagwort: friedrich gottlieb klopstock

Europa herrschet

Die Wahl

Euro­pa herr­schet. Immer geschmeichelter
Gebie­test du der Herr­sche­rin, Sinnlichkeit!
Die Blu­men­ket­te, die du anlegst,
Klir­ret nicht, aber umrin­gelt fester,

Als jene, die den blei­chen Gefangenen
Im Tur­me las­tet. Zau­be­rin Sinnlichkeit,
Du tötest alles, was erinnert,
Daß sie nicht Leib nur, daß eine Seele

Sie auch doch haben! Von der Erhabenen,
Von ihrer Grö­ße red ich nicht, sage nur:
Du schlä­ferst ein, daß sie in sich nichts
Außer der schla­gen­den Ader fühlen.

Das soll nun end­lich enden! Der edle Krieg
Der gro­ßen, lie­bens­wür­di­gen Gallier
Raubt bis zum letz­ten Scherf. Euch sinket
Wel­kend vom Arme die Blumenkette.

Die Don­ner­stim­me schallt euch der eisernen
Not­wen­dig­keit! Ihr strau­chelt des Lebens Weg
Ver­armt: wie wär es mög­lich, daß ihr
Nun in der Zau­be­rin Schoß noch ruhtet?

Doch wenn ein Fun­ken See­le viel­leicht in euch
Auf­glimmet, wenn ihr zürnt, daß ihr Knech­te seid …
Was frommts? Ihr habt zum Flin­ten­stein die
Pfen­ni­ge nicht, noch zu einer Kugel!

Ihr saht es wel­ken, hör­tet die eiserne
Not­wen­dig­keit. Was wol­let ihr tun? Wohlan,
Zur Wahl: Ver­zwei­felt! oder macht euch
Glück­li­cher, als es der Zau­ber konnte.

Wer, was die Schöp­fung, und was er selbst sei, forscht;
Anbe­tend forscht, was Gott sei, den hei­tert, stärkt
Genuß des Geis­tes: wen nach diesen
Quel­len nie dürs­te­te, der erlieget.

Der Küns­te Blu­men kön­nen zur Heiterkeit
Auch wie­der wecken; führt euch des Ken­ners Blick.
Die Far­be trü­get oft; der Blumen
See­len sind laben­de Wohlgerüche.

Fried­rich Gott­lieb Klopstock

Die Sommernacht

Wenn der Schim­mer von dem Mon­de nun herab
In die Wäl­der sich ergießt, und Gerüche
Mit den Düf­ten von der Linde
In den Küh­lun­gen wehn;

So umschat­ten mich Gedan­ken an das Grab
Der Gelieb­ten, und ich seh in dem Walde
Nur es däm­mern, und es weht mir
Von der Blü­t­he nicht her.

Ich genoß einst, o ihr Tod­ten, es mit euch!
Wie umweh­ten uns der Duft und die Kühlung,
Wie ver­schönt warst von dem Monde,
Du o schö­ne Natur!

— Fried­rich Gott­lob Klos­tock, 1766

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén