Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Schlagwort: antonín dvorak

Taglied 5.3.2014

Antonín Dvořák. „Měsí­č­ku no nebi hlub­o­kém“ („Lied an den Mond“, aus „Rusal­ka“) – Renée Fle­ming


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Ins Netz gegangen (24.8.)

Ins Netz gegan­gen am 24.8.:

  • The Deal That Brought Dvo­rak to New York – NYTimes.com – The con­tract that brought Dvo­rak to the new world—six pages of graceful­ly hand­writ­ten clau­ses, bound by green rib­bon …
    eini­ge Aus­zü­ge davon hat die NYT auch online gestellt: http://www.nytimes.com/2013/08/24/arts/music/the-fine-print-of-dvoraks-contract.html
  • Pro­ble­ma­ti­sche Wahl­kampf­pla­ka­te XII | Rep­ti­li­en­fonds – Aus dem Rep­ti­li­en­fonds:

    Und wäh­rend “der Euro geret­tet wird”, Deut­sche den Hit­ler­gruß zei­gen, der Ver­fas­sungs­schutz so bleibt, wie er ist, um die nächs­te Neo­na­zi-Kader­or­ga­ni­sa­ti­on auf­zu­bau­en, Frau­en mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund zuhau­se blei­ben müs­sen, weil ihnen die CSU dafür einen Hun­ni in die Schür­ze steckt, die Zusam­men­ar­beit mit den Ent­wick­lungs­län­dern zu einer Art Neo-Kolo­ni­sa­ti­on umge­baut wird, die Arbeits­lo­sig­keit in pre­kä­ren Jobs ver­steckt ist und die deut­sche Außen­po­li­tik zur Belang­lo­sig­keit wird, wäh­rend all das pas­siert, soll man eines Sep­tem­ber­mor­gens auf­ste­hen und sagen: “Dann geh’ ich mal die Mut­ti wäh­len.”

  • Tot oder leben­dig im Gangs­ta-Kapi­ta­lis­mus – taz.de – Klaus Wal­ter zum 50jährigen Jubi­lä­um von Mar­tin Luther Kings „I have a dream“-Rede, zu deren (fal­scher) Ver­ein­nah­mung und der Wen­de der schwar­zen Bür­ger­rechts­be­we­gung:

    Ego-Poli­tics erset­zen Bür­ger­rechts­be­we­gung. Fünf­zig Jah­re nach „I have a dream“ sind die Ido­le des schwar­zen Ame­ri­ka Rap­per wie Jay‑Z und Kanye West. Sie haben sich durch­ge­boxt

  • Kolum­ne von Sibyl­le Berg über das Ende der Lite­ra­tur­kri­tik – SPIEGEL ONLINE – Sibyl­le Berg mal wie­der, voll im Recht:

    Jubelnd äußern sich die Leser über ein neu­es drol­li­ges Hit­ler- oder Pfer­de­buch. Wun­der­bar, dass man es kann – grau­en­haft, wenn Ver­brau­cher­mei­nun­gen das ein­zi­ge Kor­rek­tiv in der Kul­tur wer­den. Hat­te ich mir mit mei­ner Aus­sa­ge, zeit­ge­nös­si­sche Kunst wür­de von Exper­ten in den Kanon beför­dert, schon vie­le Freun­de gemacht, gilt es doch auch in allen ande­ren Berei­chen unse­res Lebens. […] Kei­ner muss den Emp­feh­lun­gen eines Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­lers fol­gen, aber als Gegen­ent­wurf zur eige­nen Mei­nung war sie ab und zu hilf­reich.

    Und natür­lich brin­gen die Kom­men­ta­re gleich die ach-so-wert­vol­len Gegen­bei­spiel aus der Welt der Lite­ra­tur­blogs. Und die gibt es ja durch­aus. Nur ohne die Schlag­kraft der „alten“ Kul­tur­kri­tik. Und das darf man durch­aus ver­mis­sen, ohne gleich als ewig Gest­ri­ge abge­stem­pelt wer­den zu müs­sen. Und auch, ohne direkt davon etwas zu haben.

  • Pan­zer­faust | Das Maga­zin – Ein schwei­zer Wehr­pflich­ti­ger berich­tet – vom Grau­en, Unsinn und Cha­os des Mili­tärs:

    Und dass man auch noch gehorcht! Und die­se gott­ver­damm­ten Lie­der! (springt auf, geht her­um, ruft aus­ser sich) Ich habe ein­fach so über­haupt kei­nen Bock her­um­zu­bal­lern, mich von Gleich­alt­ri­gen fig­gen zu las­sen und per­ver­se Lie­der zu sin­gen! Muss aber! (stösst die Luft aus, setzt sich, sagt lei­se) Kannst du mir erklä­ren, war­um das jemand geil fin­det? Manch­mal ist es – ziem­lich unheim­lich.

  • Jill Peters Pho­to­gra­phy – Sworn Vir­gins of Alba­nia – ein inter­es­san­tes Pro­jekt der Pho­to­gra­phin Jill Peters: In Alba­ni­en gibt es eine Tra­di­ti­on, nach der Frau­en als Män­ner leben kön­nen – aller­dings unter der Bedin­gung der Jung­fräu­lich­keit & Keusch­heit:

    „Sworn Vir­gin“ is the term given to a bio­lo­gi­cal fema­le in the Bal­kans who has cho­sen, usual­ly at an ear­ly age, to take on the social iden­ti­ty of a man for life. As a tra­di­ti­on dating back hundreds of years, this was some­ti­mes neces­sa­ry in a socie­ty that lived within tri­bal clans, fol­lo­wed the Kanun, an archaic code of law, and main­tai­ned an oppres­si­ve rule over the fema­le gen­der. […] As an alter­na­ti­ve, beco­ming a Sworn Vir­gin, or ‚bur­ne­sha“ ele­va­ted a woman to the sta­tus of a man and gran­ted her all the rights and pri­vi­le­ges of the male popu­la­ti­on. In order to mani­fest the tran­si­ti­on such a woman cut her hair, don­ned male clot­hing and some­ti­mes even chan­ged her name. Male ges­tu­res and swag­gers were prac­ti­ced until they beca­me second natu­re. Most important­ly of all, she took a vow of celi­ba­cy to remain chas­te for life. She beca­me a „he“.

  • The Heart of the Mat­ter: David Miran­da and the Pre­clu­si­on of Pri­va­cy – RT @jayrosen_nyu: This post by @barryeisler (ex-CIA) explains bet­ter than any­thing I’ve read why they stop­ped David Miran­da at Heath­row

Aus der Welt der Sinfonietta Mainz

Sie haben es wie­der ein­mal geschafft. Die Sin­fo­ni­et­ta Mainz und Micha­el Mil­lard sind ein Gespann, das begeis­tern kann. Das Pro­gramm war die­ses Mal aber auch gera­de­zu dar­auf aus­ge­legt, den Applaus her­vor­zu­kit­zeln: Mit Beet­ho­vens fünf­tem Kla­vier­kon­zert und Dvořáks neun­ter Sym­pho­nie lagen zwei aus­ge­spro­chen bekann­te und popu­lä­re Wer­ke auf dem Pult. Und den­noch: Auch die muss man spie­len kön­nen, der Bei­fall ist kei­nes­wegs auto­ma­tisch. In der Phö­nix­hal­le war er aber ver­dient. Denn die Lai­en­mu­si­ker der Sin­fo­ni­et­ta, die in die­sem Jahr ihren 40. Geburts­tag fei­ert, prä­sen­tie­ren sich als voll­wer­ti­ges Orches­ter, bei dem schnell ver­ges­sen kann, dass hier kei­ne Pro­fis auf der Büh­ne sit­zen.

Micha­el Mil­lard hat mit dem Orches­ter einen schö­nen, wei­chen Klang ent­wi­ckelt, der sich vor allem sehr har­mo­nisch prä­sen­tiert: Die Strei­cher klin­gen voll und sam­tig, die Blä­ser klar und prä­sent. Vor allem die Blas­in­stru­men­te haben in Dvořáks letz­ter Sin­fo­nie mit dem Bei­na­men „Aus der neu­en Welt“ ja eini­ge Hür­den zu über­sprin­gen. Nicht nur das Solo des Eng­lisch­horns am Beginn des zwei­ten Sat­zes, auch alle ande­ren Holz- und Blech­blä­ser tre­ten an der einen oder ande­ren Stel­le expo­niert in Erschei­nung. Und das gelingt ihnen in der Phö­nix­hal­le vor allem posi­tiv.
Mil­lard unter­stützt das mit sei­nem Diri­gat. Direkt und unver­stellt, aus­ge­spro­chen nüch­tern lässt er der Musik mit ihren bekann­ten Melo­dien viel Raum – fast lako­nisch klingt das gera­de in den ers­ten Sät­zen. Und des­we­gen gelin­gen auch die gro­ßen Ges­ten hier so gut, ohne ins lächer­lich-kit­schi­ge abzu­kip­pen. Mit zuneh­men­der Empha­se ins Fina­le

Das fünf­te Kla­vier­kon­zert von Beet­ho­ven, mi dem das Kon­zert in der voll beset­zen Phö­nix­hal­le begann, wirk­te dann im Rück­blick fast etwas zahm. Zurück­hal­ten­de Tem­pi schlug Mil­lard hier an und zeigt sich sehr auf Genau­ig­keit bedacht. Dadurch wirkt das, vor allem im ers­ten Satz, oft etwas gebremst und zurück­hal­tend. Auch der Pia­nist Johan­nes Nies kann das Kon­zert nicht so recht aus sei­nem Kor­sett befrei­en: Das ist alles nicht ver­kehrt, aber auch nur bedingt mit­rei­ßend, son­dern vor allem glatt und sau­ber. Aber immer­hin ver­eint Orches­ter und Solist immer wie­der die Klar­heit der Struk­tur und ihre Klang­schön­heit – schließ­lich sind bei­des Wer­ke mit durch­aus dif­fi­zi­ler Klang­lich­keit. Das ein Ama­teur­or­ches­ter sich so etwas vor­nimmt, zeigt das Selbst­be­wusst­sein des Ensem­bles. Und dass sie es so gut spielt, zeigt, dass die Sin­fo­ni­et­ta Mainz die­ses Selbst­ver­trau­en zu Recht hat.

(geschrie­ben für die Main­zer Rhein-Zei­tung.)

Ein feines Streichquartett. Und ein Klavierquintett

So etwas nennt man wohl „Roman­tik pur”: Die Vil­la Musi­ca wählt nicht nur bei den Spiel­or­ten roman­ti­sche Erleb­nis­se, son­dern auch beim Kon­zert­pro­gramm. Zumin­dest für die Eröff­nung der „Musik in Bur­gen und Schlös­sern”. Das Eis­ler-Quar­tett setz­te den Auf­takt für die zwan­zigs­te Spiel­zeit näm­lich mit zwei wesent­li­chen Wer­ken den Roman­tik: Dem e‑Moll-Streich­quar­tett aus Opus 44 von Felix Men­dels­sohn Bar­thol­dy und Antonín Dvořáks Kla­vier­quin­tett in A‑Dur.

Men­dels­sohns Streich­quar­tett ist schon des­halb eine gute Wahl, weil es fast in Mainz ent­stand – auf der Hoch­zeits­rei­se des jun­gen Musi­kers, inspi­riert von den roman­ti­schen Land­schaf­ten des Rheins und sei­ner Städ­te. Die hier­bei aus­ge­dach­te Musik gibt sich oft sehr zau­ber­haft, auch in ihren undurch­dring­lich schei­nen­den, ver­schlei­er­ten For­men. Dazu passt die bei­na­he undurch­schau­ba­re Ent­ste­hungs­ge­schich­te, weil der Kom­po­nist immer und immer wie­der geän­dert und ver­bes­sert hat.

Davon, von die­sen Ver­wirr­spie­len, hört man in der Vil­la Musia vom Eis­ler-Quar­tett natur­ge­mäß nichts. Was man aber hört, ist die Inspi­ra­ti­on und die Lebens­freu­de ihres Schpfers. Das Ber­li­ner Quar­tett ver­liert sich aller­dings nicht im roman­ti­schen Gefühls­rei­gen, son­dern strebt hör­bar nach Klar­heit. Des­halb spie­len sie die Men­dels­sohn­sche Schöp­fung auch mit dich­tem Klang, ganz eng ver­webt und mit sehr genau aus­ge­ar­bei­te­ten Über­gän­gen. Dabei klin­gen sie zugleich forsch, fast unbe­küm­mert – aber auch das scheint nur so und ver­rät eher gro­ße Kunst als Nach­läs­sig­keit.

Dvořáks Kla­vier­quin­tett hat eben­falls eine kurio­se Ent­ste­hungs­ge­schich­te: Ent­we­der woll­te er ein Jugend­werk ver­bes­sern oder konn­te die alten Noten nicht fin­den – jeden­falls schrieb Dvořák kur­zer­hand in weni­gen Tagen ein neu­es Quin­tett. Egal war­um, das ist auf jeden Fall ein Glück für uns, weil sich das Eis­ler-Quar­tett nun mit Kall­le Ran­da­lu am Kla­vier dar­an erfreu­en kann. Und nicht nur bei den Musi­kern ist die Freu­de über das eige­ne Tun groß, auch beim Publi­kum.

Grund dafür gibt es mehr als genug: Wuch­tig, aber nie schwer­fäl­lig, mit leben­di­ger Kon­zen­tra­ti­on auf das Wesent­li­che demons­trie­ren sie kraft­voll, wie viel­fäl­tig Dvořáks Musik sein kann.

Trau­rig und hei­ter, locker und schwär­me­risch, nach­denk­lich und aus­ge­las­sen – sie rei­zen die Palet­te der kom­po­nier­ten Emo­tio­nen weit aus. Und ihnen gelingt dabei ein klei­nes Kunst­stück, das gar nicht so klein ist: Sie schaf­fen es näm­lich, ihr genau über­leg­tes Musi­zie­ren so klin­gen zu las­sen, als ob sie die Par­ti­tur gera­de voll­kom­men neu ent­de­cken wür­den. Hier herrscht vom ers­ten Ton bis zum Schluss­ak­kord eine unver­stell­te Leben­dig­keit und freu­di­ge Bewe­gung vor. Genau von die­ser inspi­rie­ren­den Wir­kung müs­sen auch die Roman­ti­ker geträumt haben.

(geschrie­ben für die Main­zer Rhein-Zei­tung.)

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