Dass Morten Laurdisen ein Amerikaner ist, muss man nicht wissen, um es zu hören. Seine Chormusik zeichnet sich nämlich durch typisch amerikanische Tugenden aus: Leicht verständlich, sinnlich überzeugend, technisch ausgefeilt – freilich ohne irgendwelche avantgardistischen Ansprüche. Der Chamber Choir of Europe versammelt auf „O Magnum Mysterium“ die gerade in den USA sehr beliebten Choralzyklen des dänisch-stämmigen Komponisten. Die schwellenden Klangchönheiten der faszinierend schlichten und zarten Sinnlichkeit kann der Chamber Choir of Europe auch ausgezeichnet umsetzen. Dass bei den sich ganz organisch entfaltenden Harmonien und deshalb besonders intensiven Rilke-Vertonung „Les Chansons des Roses“ die Textverständlichkeit nicht optimal ist, kann man deshalb schnell vergessen. Auch das „Lux Aeterna“, hier in der Version für Orgel und Chor aufgenommen, verbreitet eine mehr als andächtige Stimmung: Ihr Mix aus alten und uralten Kompositionstechniken und moderneren Harmonien ermöglicht eine außerordentliche Vielfalt innerhalb der konstant mystischen Andacht. Das ist in der Tat simpel – aber auf gute und überzeugende Weise. Am deutlichsten manifestiert sich Lauridsens Talent zu weihevoller Stimmungsmusik aber in „O Magnum Mysterium“ – das ist ein einziges Schwelgen im Ungefähren, gefasst in den schlicht-konkreten Melodielinien, die so primitiv scheinen und doch nicht nur einen sicheren Chor, sondern auch einen überlegen gestaltenden Dirigenten fordern. Und der Chamber Choir of Europe unter Nicol Matt, der durch seine klaren, glatten Klangformen ohne Widerhaken Lauridsens Werken zu ihrem Klangrecht verhilft, hat deshalb großen Anteil an der überwältigenden Wirkung dieser CD
Morten Lauridsen: O magnum Mysterium. Chamber Choir of Europe, Nicol Matt. Hänssler Classic 98.272.
erschienen in der neuen chorzeit, september 2007.
