Haydn oder Pas­te­re­witz, das ist hier die Fra­ge. Aber eigent­lich ist es auch wie­der egal – es wäre ja auch „nur“ der unbe­kann­te­re Micha­el Haydn, der als Kom­po­nist des Requi­ems in Fra­ge kommt. Und letzt­lich ist es sowie­so egal, weil die Musik die sel­be bleibt, gleich wer jetzt kom­po­niert und wer ledig­lich abge­schrie­ben hat. Dar­auf fällt Dis­kus­si­on um Autor­schaft näm­lich zurück: Von bei­den ist ein Manu­skript über­lie­fert. Der Bene­dik­ti­ner Georg von Pas­te­re­witz gilt nach momen­ta­ner Lage aber als wahr­schein­li­cher Urhe­ber, denn in sei­ner Hand­schrift gibt es Kom­po­si­ti­ons­ma­te­ria­li­en, von Haydn dage­gen nur eine Rein­schrift. Der Grund für die Dis­kus­si­on der Urhe­ber­schaft ist die Ein­spie­lung des Requi­ems von Wer­ner Ehr­hardt mit dem Kam­mer­chor Can­te­mus und der Deut­schen Kam­mer­aka­de­mie Neuss am Rhein. Die prä­sen­tiert die­se Toten­mes­se, die auf Vokal­so­lis­ten völ­lig ver­zich­tet und sich ganz auf den Chor kon­zen­triert, in stren­ger Geschlos­sen­heit. Lei­der geriet der Chor bei der Auf­nah­me arg weit in den Hin­ter­grund. Dabei muss er sich über­haupt nicht ver­ste­cken. Der Düs­ter­nis, die von die­sem Requi­em aus­geht, die unab­läs­sig zum Agnus Dei stre­ben­de Ver­zweif­lung, ver­lei­hen die Sän­ger eine vor­bild­li­che Inten­si­tät. Der Rest des Sil­ber­lings ist mit zwei zwei­fel­los von Haydn stam­men­den Wer­ken gefüllt: Eine fri­sche und froh­ge­mut-for­sche Auf­nah­me der „Mis­sa Sanc­ti Joan­nis Nepomuceni“ und noch ein knap­pes, kraft­vol­les Te Deum zum Abschluss. Scha­de nur, dass selbst auf der SACD-Schicht das Klang­bild durch­weg aus­ge­spro­chen ver­schwom­men bleibt.

Micha­el Haydn: Requi­em c‑Moll MH 559, Mis­sa Sanc­ti Joan­nis Nepomuceni MH 182, Te Deum in D MH 829. Kam­mer­chor Can­te­mus, Deut­sche Kam­mer­aka­de­mie Neuss am Rhein, Lei­tung: Wer­ner Ehr­hardt. Capp­ric­cio 71 084.